Charisma
We disagree with his political philosophy and very nearly all his positions, and yet are drawn to him and universally agree that we’d be proud to have him as our president. And maybe that pride is enough.
(via)
Mahatma Gandhi hatte Charisma, Mao Zedong allerdings auch. Für die Präsidentschaft eines Kandidaten zu sein, mit dem man auf allen Themengebieten einen Dissenz hat, nur weil dieser Charisma hat und schöne Reden hält und irgendwie sympathisch rüber kommt — das ist die Kapitulation des politischen Verstandes. Da verabschiedet sich das kritische Denken und der Personenkult feiert fröhliche Urständ. Solche Art von Zuspruch ist ein Grund mehr, Obamas Kandidatur skeptisch zu betrachten.
Wir reden hier doch eigentlich nur von graduellen Unterschieden. Oder meint etwa jemand, Wähler entschieden sonst vor allem nach politischen Präferenzen, gerade bei Personenwahlen in einer Fernsehdemokratie?
würde ich zu Obama für mich als radikaler Liberaler nicht sehen, Statler. Wenn’s um Cicil Rights (aka: Abwehrrechte gegen den Staat) oder Säkularismus (aka: Abwehrrechte gegen Religiöse, die gern Staat sein möchten) geht, finde ich sogar eine ganze Menge Berührungspunkte. Allerdings besteht tatsächlich Dissenz in zwei äusserst wichtigen Punkten: seine Vorhaben, sich sofort aus dem Irak zurückzuziehen und stattdessen ein Abenteuer in den den pakistanischen Stammesgebieten zu beginnen, könnte verheerende Konsequenzen zeitigen. (Er hat aber IMHO Recht damit, wenn er betont, dass Pakistan eine Schlüsselrolle im War on Terror spielt). Ausserdem ist er natürlich ein sozialdemokratischer Etatist und will das Geld anderer Leute ausgeben - aber ist das Giuliani, wie alle anderen ausser dem chancenlosen Ron Paul, nicht ebenfalls? Und Huckabee traue ich diesbezüglich auch nicht allzuweit, ehrlich gesagt…
Das Argument war ja jetzt auch weniger inhaltlich als prozedural. Ich behaupte ja nicht, daß ich in allen Punkten anderer Meinung wäre als Obama. Aber der Kerl, den Sullivan da oben zitiert, behauptet das und hätte trotzdem nix dagegen einzuwenden, daß BO Präsident wird — wegen der tollen Stimmung, dem Charisma und all dem Blödsinn.
So ist es Herr Statler, so ist es. Bei Licht besehen überzeugt ja keiner der Dame und Herren. Vielleicht noch Ihr Herr Paul. Aber genaues weiss man da ja auch nicht.
Habe mich heute kritisch dem Thema angenähert. Gut, ich nehme alle nicht für ganz voll.
Bitte nicht Frau Clinton
Falls Sie’s noch nicht gelesen haben. :-)
Eigentlich bin ich für Hugh Grant, der hat den englischen Premierminister in diesem Film so gut gespielt, besonders diese Tanzszene hat’s mir angetan. Shit, der ist Engländer.
Der Punkt ist doch: Wenn es nach Sympathie und nicht nach Positionen ginge, dann wäre Obama auch nicht die erste Wahl. Sondern Dennis “X-Files” Kucinich. ;-)
*Gosh* Das klingt aber jetzt schon ein wenig nach
Wenn es nach Sympathie und nicht nach Positionen ginge, dann wäre Merkel auch nicht die erste Wahl. Sondern Gregor “X-Files” Gysi
;?
Wie, Du findest Gysi sympathisch? Vorsicht, für sowas kann man vorm libertären Revolutionstribunal landen!
Irgendwann klingelt es um 6.30 Uhr und HHH steht vor der Tür.
Schockschwerenot. Der sieht doch schon so unheimlich aus.
Keine Sorge, Knoblauch hilft.
Es wäre mir eine Ehre, Herrn Triple-H die Behandlung derer angedeihen zu lassen, die meinen Sie müssten frühmorgens unangemeldet an meiner Tür klingeln (bei den Zeugen Jehovas steh ich deswegen auch schon auf der schwarzen Liste).
Teer? Heißes Öl?
Kennst Du Dune? Meine Uroma war Fremin, sie hat mir beigebracht, wie man Schallwaffen benutzt…
Ich sehe, Du bist bestens auf den Klimawandel vorbereitet. Deshalb also nicht panisch.
Sogar ich finde Gysi sympathisch. Der Mann hat Format, Witz, Esprit und steht für seine Ziele ein. Ein Gegner, der mit offenem Visier kämpft. Das glatte Gegenteil unserer überangepaßten und verhuscht auf Zehenspitzen umherschleichenden Hayekianer-Weicheier…
Daß triple-H eines Tages im “Morgen-Grauen” vor der Tür steht, kann ich nun freilich nicht ausschließen. Bin ja schließlich eine linkslibertäre Multi-kulti-Schwuchtel. ;-)
Ja, das macht ihn auch so gefährlich. Leute wie er ziehen die Lafontaines, Dehms und Wagenknechts dieser Welt an wie Casu Marzu die Käsefliegen.
“Für die Präsidentschaft eines Kandidaten zu sein, mit dem man auf allen Themengebieten einen Dissenz hat…”
Eines Kandidaten? Alle GOP-Kandidaten bis auf einen! Und dieser eine hält auch noch genug Schwerverdauliches bereit (Abtreibung, Immigration). Bei den Demokraten sind tatsächlich die “netteren” Typen unterwegs (auch wenn sie inhaltlich balla balla sind). Wen wundert’s: Rechts ist da, wo der Haß wohnt.
Interessant auch, wie unsere vorgeblich liberalen Blogger ticken. Die schicken Stoßgebete gen Himmel: “Wenn Republikaner, dann bitte laß es Rudy sein, wenn Demokraten, dann bitte den Hosenanzug!”
Immer schön mittig-muffig-establishment-affin. Was ist nur mit Euch los? Glaubt Ihr wirklich, die Obrigkeit hat Euren Support nötig?
Lord, give us radicals, be they anarchists or no!
Wen meinst Du mit “Ihr”? (Kollektivisthimmlnumalneigfreckter)
Immerhin haben die Clintons mal den Bundeshaushalt ausgeglichen und den Föderalismus revitalisiert, indem sie sozialpolitische Kompetenzen dezentralisiert haben. Das ist doch schonmal etwas, womit man arbeiten kann. Von Obama höre ich nur blumige Worte, das ist mir, ehrlich gesagt, irgendwie zu Schröderesk. Also: klarer Vorteil für den Hosenanzug im demokratischen Lager.
Und Rudy… naja: Fiskalpolitisch konservativ, gesellschaftspolitisch liberal. Ein gutes Paket. Jemand, der NY in den 1990ern zur sanctuary city erklärt hat, ist mir allemal lieber als Ron Paul mit seiner Angst vor allem Fremden.
Ich will ja nicht stören, bei der radikalliberalen Diskussion um etatistische Oberflächlichkeiten, wie den Unterschied zwischen Giuliani und Obama, aber ich finde das hier ist die wahre neoliberale Weltverschwörung:
Scenes from the Ron Paul Revolution
The rise of an eclectic anti-statist movement
http://www.reason.com/news/show/123905.html
Danke für den Link. Btw:hat Ron denn jetzt ein paar Stimmen bekommen? Wie sieht der ROI seiner Contributors aus?
Also die 10 Prozent waren schonmal stattlich (gerechnet haben etablierte Institute, wenn er überhaupt auftauchte, mit 5 - 7%). Ron Paul liegt deutlich vor 9/11-Rudy!
Immerhin ist Pauls Abschneiden stark genug, den “Völkischen Beobachter Amerikas” nervös zu machen: Fascho-Sender Fox sperrt ihn künftig von Debatten aus. Kibaki oder Odinga?
http://ronpaul.blog.de/2008/01/05/ron_paul_fox_news_ist_jenseits_von_einem~3532360
“Fascho-Sender Fox…”
Oh Mann. Der kleine Deutsche erklaert sich die Welt.
Erklär Du sie mir! Hic Rhodos - hic salta!
Also daran würde ich meine (theoretische) Unterstützung für Obama nicht festmachen wollen, ob es Leute gibt, die ihn ohne politischen Grund und gegen die eigenen Überzeugungen gut finden. Da kann er vermutlich wenig für. Die gab es bei meiner bescheidenen Stadtratskandidatur auch ;)
Ich finde Obama gut solange er Hillary verhindert.
Mir scheint, dieser Eintrag im EconLog verweist auf die rationale Erklärung zu diesem Verhalten:
http://econlog.econlib.org/archives/2008/01/faces_versus_po.html
Dass nichts Konkretes gesagt wird, entspricht genau den Erwartungen der Wähler, die einfach nur ein anderes Gesicht, einen anderen Typen, einen anderen Stil sehen wollen. Änderungen sind nur in Sachen Irak und Krankenversicherung ein Thema.