Schrei doch nicht so!
Statler, 06.01.2008
Der wesentliche Eindruck vom Dreikönigstreffen: Was Westerwelle sagt ist nicht falsch, ich finde sogar, daß es eine ziemlich treffende Zusammenfassung des politischen Zustandes der Republik ist. Aber wie er es sagt — meine Güte, wenn man, wie ich, seit sicher einem halben Jahr keine politische Talkshow mehr gesehen hat und an diesen in allen Parteien virulenten Politposerstil ohnehin nicht mehr gewohnt ist, dann fällt einem zum Vortrag dieser Dreikönigsrede nur noch ein Wort ein: Pavianhügel.
antibuerokratieteam.net





Stimmt genau, aber Westerwelle hatte schon immer diesen zänkischen Ton.
Na ja, hoffen wir, das es hilft; eine Union-FDP-Regierung 2009 ist sicher auch nicht das Optimum, aber besser als das aktuelle Elefantenrennen…
Schon richtig, dass er nichts Falsches sagt, Das Problem ist aber, dass Westerwelle es immer noch nicht schafft, liberale Alternativen zu dem (sich verschlimmernden) Zustand der Republik einem breiteren Publikum auch nur im Ansatz zu vermitteln.
Als Vorsitzender der FNSt wäre er wahrscheinlich besser aufgehoben, wenn er versucht populistisch zu sein, gleitet es bei ihm jedenfalls grundsätzlich ins Peinliche ab…
@ ,
das war allerdings auch schon vor Westerwelle das Problem der FDP: Sie schafft es einfach nicht, die bessere Alternative auch so darzustellen, daß sie
- begriffen wird
- vom Wähler angenommen wird.
Schade.
Es wäre wirklich eine Katastrophe für Deutschland, wenn das nach der nächsten Wahl so weiter geht, wie bei Kohl, Schröder, Merkel…
Ja, das war affige Show, und während die “alten Hasen” dem Wähler noch ein gewisses Grundvertrauen in die Ziele der Partei vermitteln können, glaubt Westerwelle, es könne mit Aplomb vom Theater aus “abwickeln”, was er “Verteilen statt Wirtschaften” nennt. (Zunächst sollte er seinen Trainer wechseln und dann mal erst die Ärmel hockrempeln.)
“Dieses Geld fehlt Ihnen, meine Damen und Herren”, ruft er mit nach vorne erhobenen Armen in ein Publikum, das man gut und gern eine saturierte Klientel nennen kann. Ja, es ist Klientelpolitik, die sie – “One man” voran – nach wie vor machen, mit allem Drum und Dran.
Es ist, wie XiongShui sagt. So wird das nie was…
Da ist sogar was dran. Mit der gleichen Pose sollte er in die “schkechten Gegenden” unserer Städte, die “sozialen Brennpunkte”, die Einwanderer- und Hartz IV-Quartiere gehen und vor die vom Staat am perversesten durch Mehrwertsteuer und Inflationssteuer und allerlei gesetzliche und “tarifpartnerschaftliche” Marktzutrittsbarrieren ausgeraubten und ausgegrenzten Menschen, die man gerne die “Unterprivilegierten” nennt, hintreten und sagen: “Ihr seid es, die die Zeche für den Sozialstaat zahlen müssen! Etatismus – das ist Umverteilung von unten nach oben, der sich ein altruistisches Deckmäntelchen umhängt.”
P.S.: meine 2 Cents zur Niebel-Aufregung:
DDR 2.0 – die Beta-Version
Ist das jetzt ein Reflex: als Vorsitzender taugt er nicht mehr, also schicken wir ihn noch für ein paar Jahre zur »Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit«, bis der nächste Vorsitzende soweit ist? Ich glaube, der Namensgeber der Stiftung würde sich im Grab umdrehen.
Und wenn die FDP es mit Populismus versucht dann gleitet das immer ins Peinliche ab, wie man an manchen Wahlkampfmaßnahmen der [sächsischen] FDP sehen kann …. das tut mir als Liberalem jedes Mal wieder weh.
Ich muss sagen, dass ich bei Guido Westerwelle vor allem eine Entwicklung vermisse. Er kam ja nun in einem Alter ins Amt, in dem man das noch erwarten darf.
Seit ich in der FDP bin (also bald 30 Jahre) höre ich Kritik am jeweils amtierenden Vorsitzenden.
Es scheint also grundsätzlich nicht möglich zu sein, einen Kandidaten zu finden, der sämtliche Liberale begeistert und alle ihre Erwartungen erfüllt.
Also bin ich ganz zufrieden mit Guido, dessen Bilanz wenigstens erfolgreich ist.
Und was nun die Defizite beim Vermitteln liberaler Inhalte betrifft: Das ist nun einmal ein generelles Problem – in der Politik entscheiden die meisten Leute eben nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Bauch nach althergebrachten (antiliberalen) Vorurteilen.
Nicht umsonst ist die hier und in vergleichbaren Blogs versammelte liberale Kernmannschaft überaus überschaubar und es gelingt uns nachhaltig nicht, weite Kreise von unseren Vorstellungen zu überzeugen.
Ich empfehle dazu ganz dringen:
http://www.econtalk.org/archives/2007/06/caplan_on_the_m.html
(mit einem speziellen Gruß an SteffenH)
Mit fast 30 Jahren FDP-Mitgliedschaft kann ich natürlich nicht mithalten, aber ich interessiere mich nun schon mehr als 25 Jahre für (west)deutsche Parteien und Politiker. Im Rückblick finde ich die älteren Spitzenpolitiker der Liberalen wirklich überzeugender als Guido Westerwelle und das ist nicht persönlich gegen ihn gerichtet. Dass jeder von ihnen auch Kritik auf sich zog, bringen natürlich die Ämter mit sich.
Ob die Wahlergebnisse seit 2005 nun wirklich Guido Westerwelles Bilanz zuzurechnen sind, möchte ich auch noch leise bezweifeln. Aber natürlich darf er als Vorsitzender einen gewissen Anteil für sich reklamieren.
@stefanolix:
> Im Rückblick finde ich die älteren
> Spitzenpolitiker der Liberalen …
Im Rückblick findet man fast immer, daß die altbekannten Gesichter mehr Profil hatten als die glatte Neulinge.
Wenn ich z. B. an die ersten Ministerjahre des später heilig gesprochenen Genscher denke – Hohn und Spott bekam er für sein substanzloses Dialekt-Gewäsch. Als Vorsitzender war er anfangs sehr umstritten.
> Ob die Wahlergebnisse seit 2005 nun
> wirklich Guido Westerwelles Bilanz
> zuzurechnen sind, …
Ja wem denn sonst?
Wenn man ihm nun schon “one-man-show” vorwirft, dann bleibt auch nicht mehr viel an Ruhm für andere.
Wobei ich seine Hauptverdienste darin sehe, die Partei als Generalsekretär inhaltlich neu ausgerichtet zu haben. Von dieser Substanz (und vielen damals hinzugestoßenen Mitgliedern) lebt der heutige Erfolg.
Als Vorsitzender hat er lange nicht so viel bewegen können. Das liegt aber (wie auch eben die “one-man”-Sache) an der Oppositionsrolle und der deutschen Medienlandschaft.
Nicht dass Westerwelle zu stark ist (wie gerne von so staatsgläubigen wie staatsabhängigen Politologen und ehrsüchtigen FDP-Funktionären der dritten Reihe kolportiert wird), ist das eigentliche Problem der Liberalen, sondern dass die Luschen und Pappnasen, die ihn umgeben, ausnahmslos politische Leichtgewichte vom Charisma eines Pinkwart und vom Intellekt einer Pieper sind. Doch gegen die mediokre Nomenklatura regt sich Widerstand an der Parteibasis.
Im FDP-Forum hieß es kürzlich:
http://liberalportal.wordpress.com/2008/01/05/das-problem-der-fdp-die-apparatschiks/
Dein Vorschlag hat mehrere Haken – bezüglich der von Dir dargestellten “Zielgruppe”:
1. Der Satz ist zu lang und zu kompliziert und enthält zu viele Fremdworte.
2. Der Satz ist auf deutsch.
3. Den Satz versteht keiner.
4. Sie kennen den “Politiker Westerwelle” nicht.
5. Die, die ihn kennen, hören Schwulen grundsätzlich nicht zu.
6. Es kommt erst gar keiner.
7. … die Konsequenz: Eine solche Fahrt bedeutet also nur rausgeschmissene Mitgliedsbeiträge.
Wie Gerard Radnitzky einmal sagte: bei der FDP wurde Liberalismus durch Genscherismus ersetzt!