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Stil?

08.01.2008 20:45 - Statler & Waldorf by Statler

So ganz falsch ist es bestimmt nicht, wenn die CDU mit dem Vorwurf konfrontiert wird, daß ein Wahlkampf geschmacklos ist, der so tut, als wären kriminelle, jugendliche Zuwanderer das größte Problem, mit dem die Republik gerade zu kämpfen hat. Eine Partei, die ihren Wahlkampf auf dieses Thema reduziert, muß sich auch die Kritik gefallen lassen, daß ihre Kampagne nicht viel anders aussieht und die gleichen unschönen Ressentiments aufgreift wie beispielsweise eine Kampagne der Republikaner in den frühen 1990ern.

Sicher, wir wissen alle, daß CDU und CSU keine rechtsradikalen Parteien sind, aber wenn sie einen Wahlkampf lang so tun als wären sie es, dann ist das schlimm genug. Das kommt dabei heraus, wenn man die Maxime “Rechts von uns soll es keine demokratischen Parteien mehr geben” ein wenig zu großzügig auslegt.

Und dann stellt sich ein Roland Pofalla vor die Kamera, um schulmeisterlich Leute zu belehren, die beim Konzept des Erziehungslagers Bauchschmerzen haben, weil sie an diese anderen Lager damals ganz persönlich nicht die besten Erinnerungen haben. Selbst wenn er glaubt, daß er sachlich recht hat: Hat der Mann eigentlich überhaupt keinen Stil? Oder irgendein Gespür für Kontexte?

Update: Die Geister, die er rief

In einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt heißt es: „Herr Koch, bleiben Sie hart und fair.“ Voigt bedankte sich dafür, dass Koch „sich als etablierter Politiker öffentlich traut, Forderungen der NPD auch dann auszusprechen, wenn dies der Zentralrat der Juden kritisiert“.

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14 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

wullenwever, 08.01.2008 22:59

Ich habe das von Pofalla nicht mitgekriegt (kein Link: was hat er denn gesagt?), aber das ist ja auch gleichgültig: Ich kann es ebenso wenig ertragen, wenn solche Reißer wie Gauweiler Populärplattitüden absondern. Aber man muss ja mal festhalten, gerade weil Du das mit dem “rechts von uns” erwähnt hast: Gegen die SPD haben sich zuerst die Grünen und nun die Linke gegründet. Damit ist die SPD an ihrem Auftrag “links von uns” grandions gescheitert. Die CDU dagegen hat seit 1949 sowohl das Entstehen einer rechtspopulären Partei verhindert, als auch die FDP aus dem ursprünglich rechten Millieu in die Mitte bugsiert. Wenn das mal nicht auch was mit solchen Strategien zu tun hat?

 
MartinM, 08.01.2008 23:30

Ich glaube kaum, wullenwever. Denn zu “solche Strategien” hat die CDU meines Wissens vor den 90er Jahren nicht gegriffen. Und ich glaube nicht, dass es der Einfluss der CDU war, der die FDP aus dem eher nationalkonservativen Millieu in die Mitte bugsiert hatte. Das war eher eine Folge des Generationenwechsels in den 50er und 60er Jahren und eines ab etwa 1962 deutlich gewandelten Politikverständnisses in der Bundesrepublik. Sie wurde damals liberaler - und die FDP mit ihr.

 
wullenwever, 08.01.2008 23:44

Nun auch Pofallas Aussage gefunden, und ich verstehe Statlers Haltung. Andererseits beruhigend: auch in Zukunft keine Gefahr, dass Pofalla die Massen begeistert.

@MartinM: Sondern? Warum haben sich zwei ernstzunehmende Parteien links von der SPD gegründet, und keine rechts von der CDU?

 
David, 09.01.2008 00:54

Uiuiui! Jetzt muß sich der Koch aber vorsehen! Man stellt sich doch nicht ungestraft gegen den Zentralrat der Juden!

Statler, 09.01.2008 11:52

Klar kann man den kritisieren. Es ist nur, wie geschrieben, eine Frage des Stils. Wie man ihn kritisiert. Als Berufspolitiker sollte man eigentlich genügend Menschenkenntnis haben, um mitzubekommen, daß Holocaustüberlebende und ihre Angehörigen für manche Dinge etwas empfindlichere Antennen haben als das durchschnittliche CDU-Mitglied. Wenn Pofalla dieses Gespür fehlt, dann sollte er sich besser einen anderen Job suchen.

David, 11.01.2008 03:58

Upps… ich dachte zuerst, Du hast auf den falschen Kommentar geantwortet. Aber es war wohl ein Mißverständnis; eigentlich wollte ich mich nur über die (ja nicht nur bei der NPD) gelegentlich anzutreffende Ansicht, der Zentralrat der Juden ‘dürfe’ nicht kritisiert werden, etwas lustig machen.
War zugegebenermaßen auch nicht mein brillantester Kommentar aller Zeiten, hätte ihn wenig später schon nicht mehr abgegeben.

 
 
 
Die Stimme auf dem Off, 09.01.2008 07:23

Entschuldigung Statler, aber bei diesem Thema scheinst Du auf einem anderen Stern zu sein.

Hast Du Dir mal die Krimininalitätsstatistik angeguckt? Weisst Du, wie brechend voll die Knäste mit Ausländern sind? Was das den Steuerzahler an Geld kostet?

Ich finde es überhaupt nicht stimmig unschuldige Bundesbürger (Potsdam) mit dem Hubschrauber nach Karlsruhe fliegen zu lassen und dem Koch bei der Erwähnung des Problems im Wahlkampf “Populismus” vorzuwerfen. “Populistisch” haben sich bei diesem ganzen “Kampf gegen Rechts” - Mist doch wohl eher andere verhalten. Man könnte auch meinen: Auf dem linken Auge blind.

Warum man den einen völlig überzogen durchgreift und bei den anderen am liebsten nicht einmal über das Problem diskutieren würde, ist sehr leicht zu durchschauen: Es passt nicht ins politische Konzept. Soviel zur Glaubwürdigkeit von Liberalen.

 
LePenseur, 09.01.2008 19:49

@Die Stimme auf dem Off:
Touché!

 
neoliberaler, 09.01.2008 22:17

Vielleicht kann mir ja hier einer der Entsetzten und peinlich Berührten die ganz banalen Frage beantworten ?

Wie kann es sein, dass Leute, die mehrere schwere Straftaten begangen haben, frei herumlaufen ?

Immerhin haben wir ja gelernt, dass wir in Deutschland kein Kuschelstrafrecht haben !!!

 
neoliberaler, 09.01.2008 22:22

Es ist also rechtsradikal, wenn man es richtig übel findet, dass Leute für die Körperverletzung ne Art Sport ist, schleunigst von der Strasse kommen.

Mir ist es übrigens völlig egal, ob die in den Knast wandern, ins Erziehungslager, ins Erziehungscamp oder schleunigst mitten in den Gaza-Streifen ausgewiesen werden, nur möchte ich sie nicht in der U-Bahn haben.

Bin ich jetzt ein Nazi ?

Statler, 10.01.2008 16:21

Es ist rechtsradikal, wenn man darüber keine sachliche Debatte führt, sondern eine Kampagne inszeniert, die vor allem xenophobe Ressentiments füttert.

Llarian, 11.01.2008 14:43

Und was sachlich ist, eine inszenierte Kampagne ist und was xenophobe Ressentiments sind, das entscheidet wer ?
Ist es in der politischen Auseinandersetzung nicht allzu verbreitet, dass die Aussagen des Andersdenkenden immer reichlich unsachlich sind, dass sie Resentiments bedienen und inszenierten Kampagnencharacter haben ?

Wenn das Rechtsradikalismus ist, dann wüsste ich keine deutsche Partei, die nicht rechtsradikal wäre, und das schliesst sowohl die Partei bibeltreuer Christen wie auch die APPD mit ein.

 
 
 

[...] ich bin ganz nah bei Statler und den hessischen Julis in der Kritik an Roland Kochs populistischen Wahlkampftiraden zum Problem [...]

 

[...] ohne die FDP geben kann. Entweder schwarz-gelb, oder die Ampelkoalition. Roland Koch macht einen semi-xenophoben Wahlkampf, Andrea Ypsilanti kommt einem zuweilen vor wie die bauchnabelfreie und umweltbewußte Version [...]

 

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