Lancet, Schmancet
Niemand wird mich dabei erwischen, wie ich “nur 151.000 tote Iraker” schreibe. Aber 151.000 und 650.000, das ist halt doch ein Unterschied auf den man mal hinweisen kann. Ich kann mich noch gut an die Prügel erinnern, die ich kassiert habe, als ich seinerzeit die Lancet-Studie scharf kritisiert hatte.
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Tags: Irak, Kritischer Rationalismus













Quantité négligeable, nicht wahr?
Man könnte meinen, genau das seien die 500.000 Individuen in der Differenz für Dich.
Macht für mich keinen Unterscheid.. Krieg ohne Kriegserklärung ist kein just war und wenn man dann auch lügen muss, um akzeptable Gründe für die eigene Bevölkerung zu finden, dann macht es das nicht besser.
Ob jetzt 150000 oder 600000 gegen die Vorzüge eines nach knapp 5 Jahren endlich halbwegs pazifizierten (nicht demokratischen/nicht liberalen) Iraq aufgewogen werden müssen, spielt für mich eigentlich nur ne untergeordnete Rolle. Nation-Building ist Nation-Building und in dieser Form nicht zu vertreten…
Wenn man das Interview mit Petraeus in der Weltwoche liest, dann kann man nur den Kopf schütteln. Die Hälfte der “neuen” Strategien hätte ein vernünftiger Strategist schon viel früher angewandt, was nicht wirklich für ein geplantes Unternehmen spricht….
Alles in allem ändert es meine Einstellung zu einem überflüssigen Krieg nicht wirklich. Hätte man nicht einfach Saddam per Fernbefehl exekutieren können? In dem Fall wären genauso viele Baathisten wie jetzt an der Macht, aber wenigstens wären ein paar Tausend amerikanische Soldaten weniger gefallen…
War es nicht viel eher so, dass sich die USA und der Irak seit dem 2. Irakkrieg im Krieg befanden und die Zeit zwischen dem 2. und 3. Irakkrieg nur eine Waffenruhe darstellte?
@Max
Hinterher ist es immer einfacher zu sagen, man war dagegen, weil man es “schon von Anfang an gewusst ” habe.
Die halbe Welt war davon ausgegangen, dass Saddams Versteckspiel mit den Inspektoren durch versteckte WMDs zu erklären war. Sogar Quellen des BNDs hatten diese Ansicht.
Und, dass 150000 Tote immer noch sehr viel sind, ist offensichtlich. Aber erstens wusste das niemand vorher und zweitens ist noch nicht aller Tage Abend… Die Befreiung Europas war auch kein Parkspaziergang!
Meine Meinung daher: Gut gemeint, (anfänglich) schlecht ausgeführt!
Tatsächlich ist der Krieg überflüssig gewesen.
Es gab ja keine Massenvernichtungswaffen, und Saddam hätte auch nie wieder welche bauen können wenn man nur die Embargos bis in alle Ewigkeit aufrecht erhalten hätte.
Daran und an Saddams Herrschaft wären wohl auch ein paar Iraker verreckt, aber hey- als Saddam noch herrschte gabs keine Folterbilder aus Abu Ghraib und tägliche Berichte über tote Iraker in den Medien.
Und darauf kommts doch an wenn man sauberes Gewissen habe will, oder ?
:megafises Grinsen:
Ich erinnere mich an ziemlich desaströse Verhältnisse um 2002. Natürlich ist das schwer zu machen, aber hat mal jemand versucht, hochzurechnen, wieviele Opfer 4 Jahre weiter Saddam im Irak gekostet hätten?
Oder wieviele Opfer hätte beispielsweise ein (hoffentlich geglückter) Aufstand der Iraker gegen Saddams Gewaltherrschaft gefordert, ohne US-Beistand?
So wie der Aufstand damals nach dem ersten Golfkrieg gegen Saddam 91/92, als die USA die Iraker erst ermunterten und dann im Stich liessen?
Und wenn bei der Hochrechnung der potentiellen Opfer von 4 weiteren Jahren Saddam rauskommt dass es “nur” insgesamt 50,000 gewesen waeren? Ist die Besetzung des Irak dann noch gerechtfertigt? Und bei 100,000 potentiellen Opfern? 120,000? usw…
Um keine Missverstaendnisse aufkommen zu lassen: Die Welt ist ein besserer Ort ohne Saddam….aber mit makaberen Zahlenspielchen mit reellen und potentiellen Opfern kann man das nicht begruenden
Es geht ja auch nicht um “begründen”, nur um den dezenten Hinweis, dass ein weiteres Jahrzehnt Saddam (mit Ölpreis von 100 Dollar) für die Region auch nicht gerade ein Zuckerschlecken gewesen wäre.
Über die Strategie nach der Eroberung mag man sich streiten. Die Behauptung, dass der Krieg völkerrechtswidig war, halte ich aber für abwegig. Es herrschte lediglich Waffenstillstand zwischen dem Irak und den Coalition Forces, und den hat Saddam dutzendfach gebrochen.
Oh, beim Aufstand 91/92 haben nicht nur die USA die Iraker im Stich gelassen, auch die anderen Allierten der Operation Dessert Strom haben nicht geholfen:
Frankreich, England, Kanada, Ägypten, Saudi - Arabien, Syrien…
Aber das ist ja auch ziemlich uninterssant, und es hätte auch niemand erwartet das die helfen, oder ?
Ausserdem herrschte ja ein Waffenstillstand nachdem der politische Zweck des Krieges - die Vertreibung der Irakischen Truppen aus Kuwait und Wiederherrstellung der kuwaitischen Souveränität - erreicht worden ist, da kann man kaum Aufstände unterstützen.
Wie den eigentlich, in dem die US-Airforce für die Aufständischen Luftunterstützung fliegt und die US-Army mit Panzern und Infanterie einrückt ?
Das Völkerrecht soll doch gerade verhindern das sich fremde Mächte in solche Sachen einmischen, das gibt nur Krieg, und Krieg ist keine Lösung.
So konnten sich die Iraker die von Saddams Soldaten gefesselt und ertränkt worden sind zumindest damit trösten das völkerrechtlich alles o.k. gewesen ist, und das ein erneuter Krieg mit dem Amis - bei dem nur Unschuldige leiden - vermieden wurde.
Man stelle sich vor die Amis wären damals ohne UN-Mandat eingerückt, das hätte ziemlich viele Tote gegeben.
Und ob 151 000 oder 650 000 Tote - jeder Tote der auf das Konto der Amis geht ist einer zuviel, die Toten die andere auf dem Kerbholz haben interessieren nicht wirklich…
Allerdings stimmt es, das man mit makaberen Zahlenspielchen keinen Krieg begründen kann und das die Welt ohne Saddam (und seine Potentiellen Nachfolger) eine bessere ist.
So wie die Welt gerade aussieht ist es ziemlich unwahrscheinlich das der Irak nochmal in Kuwait einmarschiert oder die Produktion von Massenvernichtungswaffen wieder aufnimmt.
Und das obwohl die Iraker ohne die Embargos wieder DualUse Güter einführen und wieder eine chemische / medizinische / Industrielle Basis aufbauen dürfen…
Vielleicht sollte man auch noch zur Kenntnis nehmen, dass das ehemals (zumindest für mich ehemals…) angesehene Medizin-Blatt Lancet Datenmüll als die reine Wahrheit publiziert hat. Siehe auch bei Zettel´s Blog.
Hinzu kommt dass einer der Autoren in einem Interview geäußert hat, dass als Vergleichsbasis für die erhobene Mortalitätsrate 2003-2006, die Mortalitätsrate der Saddam-Ära vor dem Irak-Krieg 2003 verwendet wurde. Diese lag bei 5,5/1000 Verstorbenen pro Jahr. Zum Vergleich die Mortalitätsrate der EU: 10/1000 pro Jahr. Also: Lauter kerngesunde Iraker unter Saddam, trotz UN-Sanktionen, die doch zu Millionen zusätzlichen Toten geführt haben sollen…
Bin mir da gar nicht so sicher. Es stimmt schon, die Originalstudie kam unterm Strich etwas arg selbstsicher daher, aber es wurde schon auch auf Unzulänglichkeiten und Fehlerrisiken hingewiesen. Nur, wenn so eine Studie durch den journalistischen Fleischwolf gedreht wird, dann bleibt von den wissenschaftlichen Zweifeln eben nichts mehr übrig. Das ist ja in anderen Disziplinen auch so…