Apple

16.01.2008 01:57 - Statler & Waldorf by Statler - 17 Kommentare

Wenn man sich den Sachbuchmarkt ansieht, dann scheinen Betriebswirte immer noch wie irre auf Führung zu stehen. Mit “Leadership” im Titel, und mit allem, was entfernt oder nah damit verwandt ist, schreibt man Management-Bestseller. Als Volkswirt sieht man sowas anders. Institutionen, Regeln, Systeme sollten effizient sein, und das möglichst narrensicher. Wir mögen beispielsweise die Marktwirtschaft vor allem deshalb so sehr, weil der Preismechanismus meistens sogar dann zu guten, effizienten Resultaten führt, wenn Individuen lausig informiert sind und sich nur an wenigen Signalen orientieren.

In dieser Hinsicht wird selbst ein Klassiker wie Schumpeter mit seinem Unternehmer-Enthusiasmus immer ein Außenseiter in unserer Disziplin bleiben. Wir brauchen effiziente Anreizsysteme und ein wenig individuelle Rationalität, dann laufen die Dinge. Genies und Charismatiker laufen in ökonomischen Theorien nicht herum.

Und doch gibt es sie, die Fragezeichen hinter Jobs persönlicher Zukunft. Da ist zum einen die plötzliche Erkrankung im Jahr 2004. Ärzte hatten bei dem äußerst asketisch wirkenden Manager einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse entdeckt. Am Ende stellte sich die Geschwulst zur Erleichterung aller zwar als gutartig und operabel heraus. Aber den damaligen Schock haben viele Analysten und Investoren nicht vergessen. (via)

Und dann fällt mir auf, daß ausgerechnet mein Lieblingsunternehmen, dessen wunderbare Computer seit inzwischen 16 Jahren als einzige auf meinen Schreibtisch dürfen, von so einem Charismatiker abhängt. Und zwar so richtig. Oder?

Was würde es für Apple bedeuten, wenn Steve Jobs morgen früh beim Joggen vom Blitz getroffen würde? Eigentlich vermute ich, daß das Handelsblatt die Bedeutung überschätzt. Kein Zweifel, Jobs hat Apple aus der Krise geholt mit seiner Entscheidung, einen Unterhaltungskonzern aus dem ehemals hoch spezialisierten Computerproduzenten zu machen. Das war eine brillante Entscheidung, die zu diesem Zeitpunkt vielleicht tatsächlich nur er treffen konnte — welcher angestellte Normalmanager hätte damals schon den Mut gehabt, das zu riskieren?

Aber jetzt ist diese Positionierung erledigt. Apple hat sich neu erfunden, und nun scheint es doch ziemlich klar zu sein, auf welche Entwicklungsstrategie die Firma setzt. Warum sollte das nicht auch ein anderes Management ausführen können, zumindest für zehn, fünfzehn Jahre, bis die Firma sich wieder neu erfinden muß?

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17 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Die Stimme auf dem Off, 16.01.2008 08:20

Ich glaube nicht, dass Apple ein Problem hätte wenn Jobs dahinscheiden würde. Erstens ist da noch Wozniak (ich kann mir die Schreibweise nicht merken) und zweitens ist der technologische Vorsprung von Apple viel zu groß. Wenn ich die Zahlen richtig deute, dann haben die es geschafft in 3 Monaten fast 20 % des Marktes mit dem iPhone zu erobern und die Zahlen für Dezember sind noch nicht veröffentlicht.

Außerdem wird die ganze Arbeit an den Produkten doch schon lange nicht mehr von Herrn Jobs gemacht. Natürlich braucht es jemanden mit Ideen, aber um gute Ideen zu bekommen muss man heutzutage doch einfach nur mal ein paar Userforen lesen.
Im übrigen dürfte doch klar sein wohin die Reise geht:
- Filme, was wohl früher oder später einen Fernseher von Apple bedeutet.
- Mehr iPhone, das bedeutet zeitgleich weniger iPod und damit weniger Konkurrenz durch anderer Hersteller. Die Handyhersteller haben nämlich noch lange nicht so weit zu Apple aufgeschlossen wie es die Hersteller von mp3-Playern geschafft haben.
- Mehr Netzwerktechnologie: Für mich ist TimeCapsule gemacht. Wie oft ich mich schon darüber geärgert habe diese Festplatte hervorholen zu müssen, kann ich schon gar nicht mehr sagen.
Die drahtlosen Technologien werden auch in Zukunft ein ganz wesentliches Geschäftsfeld bleiben, ihre Bedeutung wird enorm zunehmen. Es gibt keinen Hersteller der Netzwerktechnologie annähernd einfach bedienbar gemacht hat. Jetzt beim Schreiben gucke ich gerade auf meine Airport Express und höre darüber Musik, das übrigens schon seit mehreren Jahren. Und das Teil funktioniert absolut fehlerfrei und das seit den ganzen Jahren. Niemand sonst hat etwas vergleichbares für mich im Angebot gehabt.
Ich denke auch, dass noch ein weiterer Faktor entscheidend ist: Alles funktioniert untereinander. Das ist wichtig und unterscheidet die Apple Hardware von anderen Anbietern. Ich kann heute noch mit einem Knopfdruck meine Airport Express zum streamen nutzen und in das Netzwerk einbinden und mit meinem iPod nutzen. Bald wohl auch (hehe) mit meinem iPhone.
Ohne jede Konfiguration.
- Weniger Macs: Kein Mensch braucht einen Computer. Man braucht ein Gerät zum Schreiben von Texten, ein Gerät um im Internet zu surfen und e-mail zu empfangen, ein Gerät für Fotos und Musik, jetzt sogar für Filme. All diese Funktionen kann man besser unterbringen als in Computern. AppleTV wird sich wohl früher oder später zu einem HomeServer weiterentwickeln von dem aus gestreamt wird. E-Mails wird wahrscheinlich bald sowieso jeder über das Mobiltelefon empfangen. Fotos, Musik und Filme lassen sich entweder auf dem HomeServer oder dem iPhone besser nutzen.
Bleibt die Arbeit. Ich wage vorherzusagen, dass sich enorme Kostendruck mittel- bis langfristig auch auf Apple auswirken wird. Nur für Textverarbeitung bezahlen die Leute doch immer weniger Geld. Natürlich gibt es noch die Medienbranche, Apples eigentlicher Markt. Aber auch die werden günstigere Alternativen finden, es gibt schon eine Ubuntu-Distribution für Medienschaffende. Natürlich ist das noch nicht ausgereift, aber es zeigt wohin die Reise geht. 15 Jahre brauchen die aber bestimmt noch um etwas vergleichbares zu bringen. Traurig um den Verlust dieser Branche wird Apple wohl nicht sein: Mit Computern lässt sich bald nicht mehr genug Geld verdienen, weil die Preise erstens ständig wegbrechen und sich zweitens Entertainment-Geräte leichter verkaufen lassen. Viele Funktionen der Medienschaffenden werden standardmäßig in den Geräten wie iPhone und AppleTV integriert werden, z.B die Bildbearbeitung. Da der Trend von den geschlossenen Formaten weg zu den offenen Formaten hin geht, wird dieses Segment für Apple weniger interessant.

Wo ich allerdings enorme Chancen für Apple sehe ist der Bereich der Subnotebooks, also der kleiner und kleiner werdenden Geräte. Wie oben schon geschrieben, eigentlich braucht kein Mensch einen Computer. Subnotebooks sind ein Ausdruck dieses Gedankes. Die Geräte werden kleiner und spezieller, man schaue sich nur das MacBook Air an, das ist praktisch nur noch für Reisende die viele Präsentationen zu machen haben gebaut worden, also Personen aus dem Vertrieb oder aber PR-Leute.

Für Apple sehe ich rosige Zeiten kommen, jedenfalls so ca. die nächsten 15-20 Jahre, vielleicht sogar länger. Die anderen Hersteller werden es nicht so schnell schaffen den Vorsprung in Bedienbarkeit und Vernetzbarkeit einzuholen. Ganz zu schweigen vom Wert der Marke Apple.

 
Marius, 16.01.2008 08:20

Wobei mir nicht klar wird, welchen Anteil an den Innovationen auf Jobs zurückzuführen sind.

Aber klar ist: Der Mann hat es geschafft, ein Computerunternehmen in eine Sekte und sich selbst in den Messias zu verwandeln. Auch ich habe gestern im Zug mein Book aufgeklappt, um der Keynote zu lauschen und mich an den neuen Produkten zu laben. Livestreams von einer Messe, massenweise realtime-blogger, Chats und sonstiger Huldigungswahn, das gibts ja nicht mal bei der IAA.

Obwohl ich mit einem 12″ glücklicher gewesen wäre.

stefanolix, 16.01.2008 10:17

Sekte? Messias? Bin ich hier der einzige, der mit seinem Mac einfach nur arbeiten will?

 
 
david, 16.01.2008 08:41

Ich haette eigentlich gedacht, dass Apple schon den Abang von Steve Wozniak nicht ubersteht. Ich meine, alle diese ersten Computer bis zum gescheiterten Apple-3 waren seine Ideen. Dann später noch der Weggang von Jobs selbst – was soll aus einer Company werden, deren beiden Masterminds nicht mehr an Bord sind.
Apple ist wahrscheinlich doch zaeher, als man angesichts der Verkaufszahlen allein vermuten laesst. Allein die zahlreichen Patente auf ungefähr alles, was heute bei einem PC selbstverstaendlich ist, duerften da keine unerhebliche Rolle spielen.

stefanolix, 16.01.2008 10:54

Hast Du für die Annahme zu den Patenten eventuell genauere Zahlen?

david, 16.01.2008 13:23

Habe ich selbst leider nicht. Aber das US Patent & Trademark Office (USPTO) hat es. Die veröffentlichten Patente kann man http://patft.uspto.gov/netacgi/nph-Parser?Sect1=PTO2&Sect2=HITOFF&u=/netahtml/search-adv.htm&r=0&p=1&f=S&l=50&Query=an/apple&d=ptxt“>hier einsehen.
Und pending patents hier.
Diese Menge mag zwar geringer sein, als jene Anzahl an Petneten, die IBM und Microsoft jeweils eingetragen haben. Aber es sind neben einigen fregwuerdigen Trivialitaeten (“waste bin on desktop”) auch Schlüesseltechnologien dabei, die Apple zwar nicht zuerst entwickelt hatte, aber eben als erstes eingetragen hat.
Wenn ich mich recht erinnere hat damals Mike Markkula, der erste Investor darauf bestanden, dass Wozniak alle Basteileien patentiert, die in seiner Garage herumlagen. Das Rest ist Geschichte.

 
 
 
steffen4iuf, 16.01.2008 10:06

Das mit der Computer-Sekte gefällt mir, obwohl ich i-Pod & Co schon sehr praktisch finde. Was die Notebooks betrifft, bin ich für ein hübsches Glaubensbekenntnis einfach zu geizig. ;-)

stefanolix, 16.01.2008 10:16

Und ich bin zu geizig, Geld für Lösungen auszugeben, die nicht richtig zu Ende gedacht sind ;-)

steffen4iuf, 16.01.2008 10:35

Ich lasse mir Probleme normalerweise nicht einreden, sondern löse solche, die ich selbst habe. Will sagen ich komme seid Jahren gut mit meinen XP-Notebook klar. Wenn andere das nicht so sehen, ist das ihr Problem auf das sie gern mit einem Firmen- und Systemwechsel reagieren können, weshalb ich auch deine Konsumentscheidung vollkommen akzeptiere. Wie gesagt, dass Einzige was mich an Apples Produkten stört ist der Preis und das Sendungsbewusstsein seiner Konsumenten. Zumal der Preis glücklicherweise immer weniger das Problem ist.

stefanolix, 16.01.2008 10:52

Für meine Zwecke wäre jedes Notebook mindestens so teuer wie ein MacBook. Also kann ich auch beim MacBook bleiben ;-)
Ich hatte vorher lange Zeit ein gutes Compaq-Notebook mit Linux. Aber das hat irgendwann nach über vier Jahren nicht mehr mitgespielt und war mir auch zu schwer geworden.

steffen4iuf, 16.01.2008 11:13

Da bin ich mir sicher, dass die Mac-Welt für manche Zwecke einfach unschlagbar ist. Aber für mich Word-, Excel- und Internet-Knilch zeigt sich dieser Unterschied nicht. Da reicht ein solides 600-700€-Notebook… ;-)

 
 
 
 
 
R.A., 16.01.2008 11:45

Auch wenn man 95% der “Leadership”-Berater wohl (wie die meisten Beraterbücher) in den Eimer treten kann – die Unternehmensführung IST entscheidend für Erfolg oder Mißerfolg.

Natürlich gibt es allgemeine Trends oder Zufälle, die auch Versager nach oben spülen können oder genial geführte Firmen ruinieren.

Aber das sind die Ausnahmen.
In einer normalen Firma spielen die Persönlichkeit und die Grundsatzentscheidungen des obersten Chefs eine ganz wesentliche Rolle.
Ob der sich nun aufs Controlling konzentriert oder die Technik, auf die Kundenpflege oder die interne Reorganisation – alle diese Schwerpunkte, Versäumnisse, Fehlsteuerungen werden nach unten transportiert und beeinflussen die Produktivität aller Mitarbeiter.

Oder glaubt hier jemand wirklich, daß der durchschnittliche Ingenieur, Bandarbeiter oder Kundendienstbetreuer bei Porsche genialer und produktiver ist als bei Fiat, die Qualität der Audi-Belegschaft das entscheidende Asset gegenüber der von Opel ist?

Daß Apple inzwischen wieder stark im Kommen ist, ist eindeutig der Arbeit von Jobs zuzuschreiben. Der Umstieg auf OS X, der Einstieg in völlig neue Geschäftsbereiche mit Musikvertrieb, Telephonie oder Videos, das sind zentrale strategische Weichenstellungen – und die hätten auch ganz fürcherlich daneben gehen können.

Die von Jobs gelegte Basis ist stabil genug, um noch einige Zeit zu tragen, falls er jetzt ausscheiden sollte.
Aber wenn dann kein adäquater Nachfolger käme, kann Apple trotz seiner jetzigen Erfolge auch scheitern.

Beispiele dafür gibt es gerade im EDV-Bereich mehr als genug.

 
Rayson, 16.01.2008 13:13

Genies und Charismatiker laufen in ökonomischen Theorien nicht herum.

Was ja nicht ein Zeichen dafür sein muss, dass sie im wirklichen Leben keine Bedeutung haben. Es könnte auch sein, dass die ökonomischen Theorien da eine gewisse Lücke aufweisen, z.B. was die Verarbeitung und Verbreitung von Informationen und Wissen angeht. In vielen Modellen fällt ja z.B. die Anwendung des technischen Fortschritts als Parameter vom Himmel, wo er, das gestehe ich auch als Christ ein, sicher nicht herkommt.

Der Unterschied zwischen Unternehmern wie Jobs und Managern besteht darin, dass Manager meist das tun, was “state of the art” ist, während Unternehmer das tun, was morgen “state of the art” sein wird.

Wenn ein Unternehmen über längere Zeit überleben will, muss es sich hin und wieder (in heutzutage kürzeren Intervallen als früher) “neu erfinden”. Manager schaffen das nur sehr selten – und meist haben sie dafür auch keine Anreize, gerade in Zeiten eines ausgeprägten Shareholder-Value-Denkens.

 
Rayson, 16.01.2008 13:14

Ach ja: Und Unternehmer lesen keine Bücher über “leadership”.

 
sebastian, 16.01.2008 21:22

Apple schlägt wieder zu:

http://www.apple.com/de/macbookair/guidedtour/index.html?size=large

http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39160237,00.htm

Das Macbook Air.

Auch wenn ich kein Apple Fan bin,muss ich sagen dieses Notebook ist wirklich innovativ.

 
Gast, 17.01.2008 02:35

Individuen koennen zweitrangig, oder alles entscheidend seind fuer Unternehmen. Hedgefonds oder Private Equity Firmen sind ein gutes Beispiel. Da geht es nicht um Strukturen – wenn schon auch um Anreizsysteme – die funktionieren aber nur mit ganz wenigen Individuen die vor allem Kontakte zu anderen wichtigen Individuen haben muessen. Das Ausscheiden eines einzelnen kann (noch nicht einmal im Extremfall) das Ausscheiden der Firma aus dem markt bedeuten. Aehnliche Positionen gibt es in anderen spezialisierten Branchen.

Die Finance CEOs/Parnter aus Greenwich, Mayfair und Carlysle werden dir ihr Leid dazu klagen koennen.

Geht es allerdings um standardisierte Operationen in Maerkten die meist eine gewisse Maturity erreicht haben, sind Strukturen, Effizienz Kontrollen, Anreizsysteme etc. natuerlich um so wichtiger. Ganz unwichtig ist Leadership allerdings nicht. Vor allem weil man in Unternehmen anders als in politischen Systemen keine unveraenderlichen Verfassungen hat, sondern Regelsysteme oft vom Top Management selbst geaendert werden.

Zudem liegt hier ein Missverstaendnis vor. Mit Leadership meint man zumeist nicht individuelle Personen oder Legenden wie Steve Jobs, sondern eben jene generellen Strukturen die dafuer sorgen dass Strukturen, Anreizsysteme und Strategie mit Aufgaben, Verantwortlichkeiten, Anreizen und der Positionierung und Besetzung der Leadership Posten abgestimmt sind. Das “Wer” bleibt wichtig, wird aber zweitrangig.

 
 

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