Letzte Worte zum Kochwahlkampf…
…sowie zur Feuilletonschlacht zwischen FAZ und ZEIT, nebst einer treffenden Darstellung des Gefühls, daß in diesem Land nun endgültig fast alle auf ihre jeweils eigene Art verrückt geworden sind: Lizas Welt und Alan Posener.







Also den Beitrag in Lizas Welt kann ich ja nachvollziehen, aber wenn ich sowas hier von Posener lese:
dann fühle ich mich plötzlich so ungeahnt müde.
Mit Verlaub Statler, Lizas Welt hört sich doch arg konstruiert an, um es milde auszudrücken, eine schöne Märchenstunde. Dass alle Deutschen irgendwelche Dumpfbacken sind, die ungeachtet aller politischen Gräben sowieso irgenwie ausländerfeindlich und antisemitisch sind, ist doch wohl inzwischen Allgemeingut und braucht nicht unentwegt wiederholt zu werden.
Auch Posener sollte sich das gelegentlich zu Herzen nehmen. Ich lese derweil mal dies hier von Broder, weil es kurzweiliger ist:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,529487,00.html
Ich kann nichts dafür, dass die Geschichte so passiert ist, wie ich sie geschildert habe. Es liegt mir fern, da etwas hinzuzufügen oder zu glätten. Ich muss mir das nicht aus den Fingern saugen; hätte ich das Ganze nicht so erlebt, dann hätte ich mich auf andere Weise des Themas angenommen.
HJ, BdM, Herrenmensch und Taetervolk – drunter gehts es in Deutschland anscheinend nicht mehr wenn in irgendeiner Form die Rede von Auslaendern, Einwanderung oder Integration ist. Und selber steht man natuerlich ganz weit drueber ueber diesen NS-sozialisierten Spiessern – man zeigts u.a. mit Israelbutton und Tasche aus den USA. Und das Opfer, in diesem Fall ein “uebereifriger” Rentner, ist irgendwie schon selber schuld daran dass er fast totgeschlagen wird weil er in einem U-bahnwaggon nicht mit Zigarettenrauch belaestigt werden will. Ist halt ein echter Blockwart, und sowas kann man ihm nicht durchgehen lassen.
Dass darüber aber auch gleich wieder eine “gesellschaftspolitische” Debatte entbrennen muss… “Was muss jetzt getan werden?” fragen sich Politiker wie Journalisten. Jessens Provokation ist ganz witzig, mehr aber auch nicht. Schirrmachers Antwort ist sinnlose CDU-Scheisse (man hört so die “Leitkultur” durchklingeln). Insofern hat Posener nicht Unrecht – von “Volksverhetzung” zu sprechen, geht aber auch wieder sehr weit.
Das Problem ist, dass alle Seiten ein politisches Problem sehen wollen, an dem herumgeklempnert und -diskutiert werden kann. Dass auf beiden Seiten (Nazis und asoziale Ausländer) v.a. der Staat für die Zuspitzung und Präkerisierung verantwortlich ist, will dabei natürlich niemand zur Kenntnis nehmen.
Da kann ich Posener nicht zustimmen. Das Neue ist ja, dass sichtbar geworden ist, dass ethnisch-rassistisch Gewalt keine Einbahnstraße mehr ist in Deutschland, und aufgrund der Populationsveränderungen auch nie mehr sein wird. Dass kann auch mit noch so viel Aufzählungen von Neonazisgewalt nicht kleingeredet werden.
Der konservative Schirrmacher scheint mit seinen Überlegungen schont weiter in die Zukunft geschritten als mancher Linksliberale, zB auch mit seinen Kritik der Auslegung des Volksverhetzungsparagrafen.
Er hat in seinem Buch “Das Methusalem-Komplott” auch schon früh Gespür für eine mögliche Verbreitung von Altenfeindlichkeit in der Gesellschaft bewiesen.
Zum Thema Altenfeindlichkeit: http://www.stefanblankertz.de/public_page/index/1/1/31