Schwache Replik
Es mag symptomatisch für den Stil der Auseinandersetzung in der deutschen Politik insgesamt sein, aber es ist auch als Einzelfall interessant: Die Reaktion auf die Stellungnahmen von Wolfgang Clement zur Hessenwahl. Gut, er hat sicher gegen die Partei-Etikette verstoßen, aber dennoch hat er ein sachliches Argument vorgebracht, nämlich seine Vermutung, daß die energiepolitischen Vorstellungen von Frau Ypsilanti den industriellen Kern Hessens gefährden.
Nun ist der Plan der Kandidatin für die Energiepolitik wirklich extrem. Wie man heute im Handelsblatt lesen kann, bekommt Deutschland tatsächlich demnächst ein Kapazitätsproblem bei der Stromproduktion. Dennoch stellt sich Ypsilanti sowohl gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke, als auch gegen die Verlängerung der Betriebserlaubnis für Kernkraftwerke. Ob die von ihr präferierten Wind- und Biogasanlagen derartig große Lücken schließen können, ist aber wohl ziemlich fraglich. Kurz und gut: Clement macht einen Punkt, über den man diskutieren sollte.
Falls Frau Ypsilanti doch richtig liegt, dann sollte es ihr und dem SPD-Parteiestablishment eigentlich leicht fallen, Clements Kritik mit ein paar informativen Argumenten zu entkräften. Gehört habe ich noch keines. Stattdessen gibt es ziemlich hysterische und beleidigte Wortmeldungen von Beck bis Struck, die Clement auf jede erdenkliche Art diffamieren, aber keinen informativen Gehalt haben. Das wiederum ist verdächtig. Wer sich lieber wie ein verstörter Gorilla aufführt, als ein informatives Signal zu senden, der sendet damit ungewollt eben doch ein informatives Signal: Struck und Beck zeigen uns, daß sie Probleme haben, Clements Warnungen zu entkräften.







Natürlich kann man diese Lücke schließen: Man kauft Atom-/Kohlestrom aus Frankreich ein.
Dies ist wohl zur Zeit die einzige veritable Lösungsmöglichkeit für ein Abschalten von Atomkraftwerken und jetzt offensichtlich auch einem Stopp für Kohlekraftwerke.
Allerdings würde ein Verbot in Hessen ja nur den dortigen Standort für Stromproduzenten zerstören, was wiederum der lokale Arbeitsmarkt zu spüren bekommen würde, jedoch würde es in ganz Deutschland nicht einmal auffallen, denn man könnte auf lange Zeit gegensteuern.
Das ändert natürlich nichts an der Idiotie der Gedanken dieser Frau.
Energie ist natürlich ein heißes Eisen, da wird sich die nächsten Jahre wohl auch nichts dran ändern. Was Clement da vollführt hat, erinnert mich, als zeitweise Fußballbegeisterten, ein wenig an den Vorstopper, der auf das Problem des nicht sehr standsicheren Vorstoppers dadurch aufmerksam macht, dass er bei nächster sich bietender Gelegenheit dem eigenen Torwart ein Ei ins Netzt hängt. Da sind die Mitspieler, die auch um das Stopperproblem wissen in erster Linie natürlich verdattert. Welcher Kicker wollt’ es ihnen verdenken.
Und das noch, nur weil ich gerade den Artikel gelesen habe, wo’s um Effizienz geht. Sollte man als Effizienzanhänger nicht eigentlich dafür eintreten, dass Kapital das zukünftig für Energie aufgebracht werden müsste, heute für Energieeffizienzmaßnahmen eingeplant wird (Hausdämmung, schlummernde Ressourcen usw). Zukünftig sinkende Energiekapazitäten wären dann die willkommene statt gefürchtete Folge. Ich finde das überlegenswert, weil ich es einfach nicht schaffe, 100-prozentig an die Segnungen der Kohle- und Atomkraft zu glauben.
Bevor ich im Dunkeln sitze und nicht mal mehr meine 7 Watt Energiesparlampe funzelt, sag ich aber zu beidem Ja. Das ist die einzige Alternative, wenn man die alten Pfade nicht verlassen mag.
Mein Strom kommt aus der Steckdose…
… denkt sich offenbar die hässliche hessische SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl und Anwärterin auf das Amt der Ministerpräsidentin in Hessen, Andrea Ypsilanti. Sie möchte nämlich zum einen die Restlaufzeit der Atomkraftwerke in Hessen…