Stillhalteabkommen?
Aus einem Interview mit einem Börsenguru in FOCUS ONLINE:
Ich vermute, dass es ein Stillhalteabkommen gab zwischen Banken und Fonds, das vorsah, erst 2008 mit den Verkäufen zu beginnen. Dafür spricht, dass es schon an den ersten beiden Tagen des Jahres bergab ging mit Dax und Dow. Die Logik erscheint simpel: Wie man sieht, lösen die Verkäufe der Fonds einen Kurssturz aus, der auch das Vermögen von Banken schmälert. Banken haben ja selbst Aktien in ihrem Besitz. Wahrscheinlich wollten die kreditgebenden Finanzinstitute ihre Bilanzen für 2007 nicht noch stärker belasten, als es ohnehin schon der Fall ist.
Nie im Leben! Wann auch immer ich als einzelner Fondmanager weiß, daß es so ein Stillhalteabkommen gibt, kann ich meine eigene Position wesentlich verbessern, indem ich der erste bin, der noch vor dem allgemeinen Kursrutsch verkauft — bevor die anderen ebenfalls ihre Wertpapiere auf den Markt werfen. Da jeder einzelne so denkt, könnte ein derartiges Arrangement niemals stabil sein.








Hm? Die meisten Fonds werden doch von Banken aufgelegt, sind die Fondsmanager letztlich Bankangestellte. Die müssen doch wohl tun, was ihnen ihr Chef sagt. Oder nicht?
Selbst wenn das so wäre, bliebe immer noch das gleiche Koordinationsproblem zwischen dutzenden von Banken. Völlig undenkbar.
Hmm, ich könnte es mir u.U. durchaus vorstellen. In meiner eigenen Branche funktioniert so etwas durchaus auch, sogar über zweistellige Teilnehmerzahlen und mehrere Kontinente hinweg. Da spielen persönliche Bekanntschaften, Gruppendruck und informelle Regeln eine Rolle, auch über Verbände kann dergleichen koordiniert werden. Wenn dann der Druck groß genug ist, kann es passieren, daß am Ende tatsächlich alle “Gewehr bei Fuß” stehen – alles eine Frage der Anreizsituation, würde meine VWL-Bekanntschaft sagen… :-)
Ganz Unrecht wird er wohl nicht haben, aber abgesprochen war es wohl nicht. Die werden eher gewartet haben dass es losgeht und dann brach der Sturm los.
Wer möchte schon in einem Finanztitel investiert sein? Ich musste schon die ganzen letzten Wochen beim Lesen der Zeitungen schmunzeln, wenn von zur Zeit günstigen Werten wie UBS die Rede war, weil die angeblich schon alles abgeschrieben hätten. Wer es glaubt…
Andererseits verstehe ich die Leute auch nicht, dass sie jetzt wie die Geisteskranken aus völlig soliden Werten verabschieden, die schon vor dem Crash ein KGV von 5,etwas hatten.
Doch ganz unrecht hat er. Wie Statler sagt wuerde zumindest mein Unternehmen einen Fondmanager feuern wenn er diese Informationen nicht ausnuetzen wuerde sofort. Und zwar sofort. Danach wuerden alle gefeuert die an neinem Stillhalteabkommen beteiligt werden, die rechtlichen Folgen eines solchen koennten naemlich zur Zerschlagung des Unternehmens fuehren. Besonders US Banken sind da fucking sensitive.
Bullshit also was da im Focus steht.
Es kann mir aber niemand erzählen, dass die Fonds und Banken erst genau jetzt das Bedürfnis gehabt hätten liquide zu werden. Daher bleibt abzuwarten was die Untersuchungen ergeben, nämlich wer wann genau mit dem Verkaufen angefangen hat und wie hoch die Umsätze waren. Der Verdacht, dass sie eigene Verluste auf dem Rücken der anderen Anleger ( ausgleichen wollten, liegt meiner Meinung nach ziemlich nahe.
Und wenn Du mir erzählen willst, dass es in Anlagegeschäft keine Absprachen und irrationale Verhaltensweisen geben würde, dann hast Du wohl keine Ahnung von diesem Geschäft. Selbstverständlich werden Kurse manipuliert, bzw. irrationale Anlageentscheidungen getroffen, das geschieht jeden Tag. Man darf sich dabei eben nur nicht erwischen lassen. Das kann man verhindern, in dem man z.B. bestimmte Investoren einfach ein zweites Mal anruft und das Angebot nachbessern lässt. Dann hat man gegen keine Pflichten verstoßen und trotzdem einen Gefallen gut. In solchen Zeiten sollte man sich auch noch einmal genau die Bestimmungen für die Verwaltung von Aktienfonds durchlesen, besonders die Punkte Schließung und Abwicklung. Aus der Sicht einer großen Fondsgesellschaft kann es nämlich durchaus Sinn machen einen einzelnen Fonds vor die Wand zu fahren.
Das Verhalten der sog. “institutionellen Anleger” wird immer krimineller, das beste Beispiel sind wohl die aktuellen Vorgänge um den Verkauf von Grundschulden ohne Abtretung der Sicherungsabreden, um dann gegen den Schuldner in voller Höhe (also auch auf die schon geleisteten Zahlungen(!)) vollstrecken zu können. Wenn mir jemand vor sechs Monaten erzählt hätte, dass die auf eine so dummdreiste Art versuchen würden sich schadlos zu halten, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt. Offensichtlich spekulieren sie darauf bei einem bestimmten Anteil der Schuldner über die Verjährung, bzw. über die Insolvenz des Zedenten Gewinne einfahren zu können. Wenn das nur bei einem Zedenten und dessen Schuldnern klappt, dann haben die ihren Schnitt gemacht.
Aber auch in diesen Fällen ist das natürlich alles nur “Zufall” und es liegen keinerlei Hinweise auf gezielte Schädigungen vor, ist klar. Der Markt ist schließlich rational.
Statler hat natürlich 100% Recht. Die Einwürfe von jopa und Mark sind – sorry – hoffnungslos weltfremd.
Also wirklich: “Branchenverbände” sollen ausgerechnet am perfektesten aller Märkte – der Börse – ein marktwidriges Stillhalteabkommen durchsetzen können??
Sowas klappt keine 5 Minuten.
Es ist ja im übrigen keineswegs so, dass da im Hintergrund eine Handvoll Bankvorstände die Fäden ziehen könnten.
Es gibt eine unglaublich große Zahl an Akteuren am Markt, die aus ganz verschiedenen Ecken kommen und die man unmöglich alle unter einen Hut bekommt. Ein großer Teil ist auch nicht ansatzweise unter der Kontrolle von Banken. Warum sollte sich – nur mal als Beispiel – ein Warren Buffet darum scheren, dass die Deutsche Bank es lieber sähe, wenn er stillhalten würde?
“Börsenexperte” hin oder her. Das ist einfach Blödsinn, was der Mann da sagt.
Den Vorwurf der Weltfremdheit möchte ich ausdrücklich zurückweisen. Ich habe niemals behauptet, daß der “Börsenguru” 100%ig Recht habe, sondern nur geäußert, daß ich es mir aufgrund eigener Erfahrungen an recht freien Märkten durchaus vorstellen kann, daß der Markt in gewisser Weise manipulierbar ist. Daß heißt nicht, daß dies IMMER der Fall sein MUSS, sondern eben lediglich, daß ich mir mit etwas Phantasie dergleichen vorstellen KÖNNTE! Es handelt sich eben NICHT um Weltfremdheit, sondern GERADE um Erfahrungen aus der realen Welt, auch mit Banken! Die Phrase von der Börse als dem pauschal perfektesten aller Märkte hört sich hingegen sehr nach einer gewissen Weltfremdheit an…
Nachtrag:
Der “Börsenexperte” selbst ist ja das beste Beispiel, dass er Unrecht hat.
Er selbst ist ja Vermögensverwalter und war in die “Verschwörung” offensichtlich vorab nicht eingeweiht. Und mit ihm natürlich auch viele andere nicht.
Warum hat er – als Außenstehender dieses vermuteten Kartells – nicht einfach seine Aktien schon am 30.12.07 abgestoßen?
Ganz einfach: Er hatte sein Portfolio ganz offensichtlich am Markt fair bewertet gefunden und deshalb keinen Handlungsdruck gesehen. Genauso wie Millionen andere Anleger auch – und deshalb war der Kurs am 30.12.07 eben genau so hoch, dass er diese grundsätzliche Zufriedenheit widerspiegelte.
Im Nachhinein nun zu sagen, der Markt sei natürlich viel zu hoch bewertet gewesen, ist natürlich billig. Als sein Kunde würde ich ihn nur fragen, warum er meinen Interessen zuwiderhandelte und nicht verkaufte, wenn er das angeblich schon die ganze Zeit so genau wusste.
Jetzt tritt genau das ein, was Roland Baader in Geld, Gold und Gottspieler vorausgesagt hatte!!!
Die Weltwirtschaftskrise – sie ist da! Jetzt kommst es zum Kladderadatsch, und danach hängt das Überleben der Menschheit von ihrer Einsichtsfähigkeit in die Alternativlosigkeit des Anarchokapitalismus und der Edelmetallwährung (Gold, Silber) ab!
Jaja, the end is nigh!
Ich finde das immer wieder gleich amüsant: Jedesmal, wenn es ein wenig rumpelt, beschwören ganz Linke und ganz Libertäre gleichermaßen die ganz große Weltwirtschaftskrise herauf. Die finale Katharsis, bevor dann endlich die jeweils präferierte Utopie auf die Bühne der Weltgeschichte treten wird.
Diesmal aber wirklich! Jaja… ;-)
Die Edelmetallhändler machen das schon seit Jahren so, und verstehen was von SEO
Heller, dieser zweitklassige Vermögensverwalter ein Börsenguru ?
Und dann noch dieser Baader…
Jaja es ist schon lustig, da fallen die Aktien mal um 7% und es gibt vielleicht eine Rezession (ein ganz normaler Vorgang im Konjunkturkreislauf) und dann kommen sie wieder rausgekrochen, die Linken und die Libertären.
zu den Linken:
selbst wenn es 10 Jahre tiefe Rezession gibt, dann ist der Lebensstandard in den USA und auch in Europa noch x-mal höher als in euren sozialistischen Musterländern.
Und zu den libertären Gold-Junkies.
Schaut Euch doch mal die Ausschläge bei den Konjunkturzyklen und bei der Inflation an, solange Euere komische Pseudo-Goldbindung gegolten hat,