Heute vor 6 Jahren…
… ist Robert Nozick gestorben. Das ist zwar kein runder Gedenktag, doch es fiel mir gerade auf und so erinnere ich mich an eine Begebenheit im Zusammenhang mit dem Tod meines Lieblingsphilosophen.
André Lichtschlag hatte eine Anfrage der WELT bezüglich eines Nachrufes an mich weitergeleitet. Doch kurz danach erhielt ich einen Anruf von eben diesem Blatt. Man habe sich entschlossen, einen sehr ausführlichen Nachruf auf Pierre Bourdieu zu bringen, der am selben Tag gestorben sei. Deshalb sei kein Platz für Nozick. So hielt es übrigens der Großteil der deutschen Presse. Hätten beide länger gelebt, z.B. bis heute, würden wir dasselbe erleben. Das wirft ein Licht auf den Zustand der öffentlichen Meinung und eines großen Teils der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Was zählt, ist Betroffenheit und eine Sprache, die möglichst verwirrend ist. Was zählt, ist ein vermeintlich kritisches Bewusstsein: Bourdieu war - natürlich - gegen den Neoliberalismus, gegen die Globalisierung und forderte die “ökonomische Alphabetisierung” der Massen. Letzteres wäre gar nicht so schlecht, wenn er damit nicht die Verblödung im Sinne einer naiven Ausbeutungskritik und einer staatlichen Wirtschaftsteuerung gemeint hätte.
Nozick dagegen besticht durch die Klarheit seiner Aussagen und die Eleganz seiner Argumentation - der man sich natürlich auch als Liberaler/Libertärer/Freigeist nicht in allen Punkten anschließen muss und an der viel Kritik möglich ist. Doch das ist es, was viele der selbsternannten kritischen Geister nicht wollen: sich mit Argumenten und Prinzipien auseinandersetzen.













Passend dazu ein Nachruf von Roderick T. Long aus dem Jahre 2002