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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Knochenlesen

Statler, 29.01.2008

Wenn Politiker und Journalisten versuchen, aus einem Wahlergebnis den fiktiven Gesamtwählerwillen herauszulesen, dann ist das ein wenig so, wie eine Horde Steinzeitmenschen, die ums Feuer sitzt und aus den Knochen eines Eichhörnchens oder Karnickels die Zukunft deutet.

Also, hier ist das Biest:

bild-2.png

Die Wähler haben der CDU das Vertrauen entzogen” heißt es. Nun ja, ich bin nicht verdächtig, Roland Koch zu mögen, aber das ist hanebüchener Blödsinn. Sicher, eine Menge Wähler, die der CDU beim letzten Mal das Vertrauen geschenkt haben, haben es sich diesmal anders überlegt, vermutlich aus guten Gründen. Nur: Es sind zwar nicht viele, aber immerhin 3.595 Wähler weniger vertrauen auch 2008 noch der SPD als der CDU. Wenn der fiktive Gesamtwähler also der CDU das Vertrauen entzogen hat, was hat er dann mit der SPD getan? Sie massakriert?



14 Kommentare zu “Knochenlesen”

  1. Daniel

    Die Formulierung könnte sich darauf beziehen dass die CDU ja bislang alleine regierte. Ja, das würde passen…

  2. Schmock

    Vielleicht ist das eigentliche Problem an:
    “Die Wähler haben der CDU das Vertrauen entzogen”
    dass es einen “Gesamtwähler” nicht gibt und das Konstrukt des “fiktiven Gesamtwählers” nicht viel taugt. Viele Wähler haben der CDU das Vertrauen entzogen, indem sie sie nicht gewählt haben. Was soll denn eine Aussage wie die obige bedeuten? Wenn man versucht sie zu präzisieren, kann man nicht über so etwas wie “Gesamtwählerwillen” reden, da es so etwas auch nicht gibt. So ein Satz kann gar nicht wahr sein.

  3. Statler

    Genau darauf wollte ich hinaus. Deshalb ja auch “fiktiver” Gesamtwählerwille.

  4. Daniel

    Ich find’s immer noch nicht problematisch. Bei der letzte Wahl haben alle Wähler der CDU eine absolute Mehrheit beschert. Und jetzt eben nicht mehr. Vertrauen entzogen, passt doch? Was ist das Problem?

  5. Statler

    “Alle Wähler”?

    Einige hunderttausend Wähler haben diesmal nicht CDU gewählt, die sie letztes Mal gewählt haben. Über die kann man sagen, daß sie der CDU ihr Vertrauen entzogen haben.

    Aber über “die Wähler”? Es geht bei Wahlen halt nicht um Veränderungen, die Sitze werden immer noch nach absoluten Wähleranteilen vergeben, und nicht nach irgendwelchen Deltas. Und absolute Wähler hat die SPD nicht mehr als die CDU. Wie kann man also behaupten “die Wähler” würden der SPD mehr Vertrauen schenken als der CDU?

  6. Robert

    “Wie kann man also behaupten “die Wähler” würden der SPD mehr Vertrauen schenken als der CDU?”

    Was Du nicht alles aus dem Satz “Die Wähler haben der CDU das Vertrauen entzogen” herausliest ist erstaunlich ;)

  7. roberthesse.de » Vergangenheit oder Zukunft des 100-Meter-Sprints

    [...] erinnern uns an das genaue Wahlergebnis, das Statler mit ähnlicher Konotation gebloggt hat. Ausschlaggebend für Auftrag zur Regierungsbildung [...]

  8. Llarian

    Stimmt so nicht. Der Gesamtwähler will in der Tat eher Yps als Koch. Der Gesamtwähler hat nämlich dummerweise auch die Kommunisten bei sich und die wollen Yps.
    Wie man mit extremistischen Wählerstimmen umgeht ist eine andere Frage (man müsste ja dann auch die Reps und die NPD eher Koch zurechnen), aber mehrheitlich wünscht sich zumindest der parlamentarisch vertretene “Gesamtwähler” eine rote Regierung.

  9. Statler

    Wirklich, hälst Du die Wähler für so doof? Also, bei all den Beteuerungen, niemals mit der LP zu koalieren, würde ich die doch definitiv nicht wählen, wenn ich Ypsilanti im Amt sehen wollte. Vielleicht die Grünen, wenn ich die SPD nicht direkt stärken will, aber die LP? Sicher nicht.

  10. azrael

    Dem “Gesamtwähler” war es egal ob Koch oder Yps regiert, denn rd. 1,6 Mio haben gar nicht erst gewählt, und das sind mehr als auf irgendeine Koalition ([rot-grün unter roter duldung oder schwarz-gelb) entfallen…

  11. Hardy

    Auf jeden Fall zeugen die Sprüche von Beck und Frau Ypsilanti davon das sie im Mathematikunterricht geschlafen haben(wie anscheinend die meisten Sozi’s). Vom Grünen Al-Wazir mal ganz abgesehen. Aber was sollte man schon anderes erwarten?

  12. Llarian

    Zur Eingangsfrage: Ja. Ich halte Wähler der SED sogar für ausserordentlich doof. Aber darum gings vermutlich nicht.

    Es ist aber m.E. nach nicht die Frage, wer Yps und nur Yps im Amt sehen wollte, sondern wen man eher im Amt sehen will. Und das ist sicher bei SED Wählern Frau Yps. Genauso wie die NPD vermutlich lieber Koch sehen würden. Anders gesagt: Wenn der Gesamtwähler nur die Wahl zwischen beiden hätte, würde er vermutlich Frau Yps wählen. So traurig ich das persönlich finde.

    Davon ab, ich biete eine Wette an, dass Frau Yps sehr wohl mit Stimmen der SED gewählt werden wird. Sie muss nur noch dafür sorgen, dass die Schuld dafür auf die FDP projeziert wird. Das braucht aber noch ein bischen Zeit. Ich hab den Spruch mit der Dachlatte nicht vergessen.

  13. Alrik

    Hm, trotz Kochs Wahlkampf liegen SPD und CDU gleich auf.
    Das bedeutet vor allem eins:
    Die Wähler lassen sich nicht für dumm verkaufen von jemand der nach fünf Jahren Sparprogramm bei Polizei, Justiz und Strafvollzug härtere Strafen für Jugendliche fordert – und sie wählen keine Politikerin die ausser Versprechungen nichts (vor allem keine Erfahrung auf verantwortliche Position) zu bieten hat.

  14. stefanolix

    Oh, dann haben sich aber ziemlich viele Wähler für dumm verkaufen lassen oder sie haben billigen Versprechungen geglaubt ;-)

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