Tiefschlag
The same voices that supported tough macroeconomic policies to deal with the excesses of spending and borrowing in east Asia, Russia and Latin America are today pushing for a significant relaxation in the US to deal with the so-called subprime crisis. Interest rates should be slashed quickly and $150bn put into taxpayers’ pockets by April at the latest, they say. The Fed cut by another half-point on Wednesday.
Das sitzt. Aber richtig.
Die Dezember-Inflationsrate in den USA betrug völlig inakzeptable 4.1 Prozent. Und jetzt legen sie mit einer weiteren Zinssenkung um einen weiteren halben Prozentpunkt nach? Bis Sommer 2009 bekommen die USA ein echtes Inflationsproblem — da erbt der nächste Präsident bzw. die nächste Präsidentin einen schönen Mist.
Nun ja, wessen Problem ist das wirklich? Dasjenige der amerikanischen Nichtsparer? Dann doch eher dasjenige der ausländischen Gläubiger. Insofern ein Schuss Moral Hazard seitens der Fed.
Du kennst den Unterschied zwischen Headline und Core-Inflation ?
Nein ?
Dann gib dein Diplom zurück
Du weißt schon, daß headline inflation das ist, was bei den privaten Haushalten landet? Nein? Dann sei besser etwas zurückhaltend, bevor Du hier nochmal großkotzige Kommentare absetzt.
Dann erklär mir doch mal bitte, wie die Fed Einfluss auf steigende Energiepreise oder Lebensmittelpreise nehmen will.
Das muss man nämlich, wenn man die 1,9% Inflation, die dadurch entstehen als Argument gegen Zinssenkungen nehmen will.
Entscheidend ist, ob es einen Inflationsdruck in der Core-Rate gibt und den gibt es nicht.
Solange es durch die hohen Energiepreise keinen Preis-Lohnspirale gibt, und die gibt es nicht, hat die Fed keinen Grund auf die Headline Inflation zu achten. Ganz im Gegenteil, der hohe Ölpreis senkt das Wachstum und somit die Nachfrage nach Gütern und könnte somit die Kerninflation sogar senken.
Und vielleicht sollte man auch wissen, dass die Korrelation zwischen Energy and Food Inflation und der Kerninflation sogar negativ ist. Zumindest in den letzten 15 Jahren.
Schonmal daran gedacht, daß überschüssige Liquidität auch ihren Weg an die Warenmärkte findet?
Und daß der hohe Ölpreis das Wachstum senkt, das mag in den 1970ern gestimmt haben, aber die Erfahrungen der letzten Jahre sprechen doch eher dagegen. Die entwickelten Volkswirtschaften sind wesentlich weniger abhängig vom Ölpreis, als das vor 30 Jahren der Fall war.
Die Unterscheidung zwischen Kerninflation und CPI ist eine völlig willkürliche, und es ist ja nun wirklich nicht so, als ob sie zwingend wäre. Die Fed macht das erst seit einigen Jahren, andere Zentralbanken orientieren sich immer noch am CPI und nicht an der Kerninflationsrate. Und tun damit das richtige.
Was die Amerikanische Wirtschaft angeht, mache ich mir allerdings auch gewisse Sorgen. Lt. Bloomberg (http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=a9JcwLUYFZsg) stieg die Nachfrage nach Arbeitslosenhilfe um 67.000 Anträge. Einer der größten Anstiege seit Hurricane Katrina.
Weiterhin setzt Bush mit seinem Konjunkturprogramm (was zwar lächerlich klein ist) die Inflation respektive die FED unter Druck.
Dann noch die Konsumentenkredite (vornehmlich über Kreditkarten vergeben). Die in den letzten 10 Jahren ähnlich verbrieft worden sind, wie die Immobilienkredite. Der Konsum in den USA ist laufend gestiegen, bei gleichbleibenden Reallöhnen. Ob das gut geht? Die Banken korrigieren schon laufend ihre Rückstellungen für Ausfälle aus Kartenkrediten. Die Ausfallraten und damit auch die Zinsen steigen. Ich denke die Banken werden ohne weitere Abschreibungen nicht auskommen. 2008 wird “a bumpy road.”
An diesem Anstieg ist wahrscheinlich weder Barnanke, Bush oder gar die Hypothekenkrise schuld, sondern MArtin Luther King.
Erklärung:
Die Jobless Claims lagen in den letzten Wochen bei ca. 300-310000. Das ist überraschend wenig.
In Wochen mit Feiertagen ist die Schwankung aber immer sehr groß, weil es da Probleme mit dem Seasonal Adjustment gibt.
Trotzdem ist sicher richtig, dass der Arbeitsmarkt und die Konjunktur schwächelt. Die -18000 NFP am Freitag waren natürlich nicht so toll.
Also Martin Luther King ist schuld, weil am letzten Montag Martin Luther King Day war.
Ich habe niemanden für schuldig erklärt, sondern lediglich mögliche Indikatoren für diese Situation beschrieben. Das erste was man im Studium der VWL lernt ist nämlich auf Fragen nach Gründen zu antworten: “It depends …”
Sicherlich mögen auch saisonale Effekte eine Rolle spielen.Faktum ist jedoch, dass es der erste Monat mit Jobverlusten seit 4,5 Jahren ist. So dass man neben saisonalen Effekten, auch andere Umständen beachten muss.
Demokratie und Krieg gegen den Terrorismus gibt’s eben nicht zum Nulltarif.
Viele Grüße
Michael Kastner
P.S. Ich meine mich an einen Blogeintrag von Statler zu erinnern, der gerade mal paar Monate her ist, und wo er den US-Konsum als grundsolide gelobt hat. Who cares, anyway …
Wieder so ein Beispiel für die Ähnlichkeit zwischen verwirrt-linkem und verwirrt-libertärem Denken. Irakkrieg…Hypothekenkrise…Halliburton… alles muß irgendwie in einer großen (entweder kapitalistischen oder staatlichen, je nachdem) Kampagne gegen den kleinen Mann zusammenhängen, gell?
Mit Kampagne hat das nix zu tun.
Von Hypothekenkrise und Halliburten hatte ich übrigens nichts geschrieben: vielleicht hast Du da einen weitaus stärkeren Hang zu Verschwörungstheorien als ich.
Ich unterstelle keine Kampagne gegen den kleinen Mann. Ich glaube schon, daß es die US-Regierung nur _gut_ meint. Die wollen sicher nichts schlechtes für die eigene Bevölkerung.
Aber bekanntlich ist der Weg zur Hölle ja mit guten Absichten gepflastert. Nein, die Ursache für die Misere ist Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Hayek hat mal geschrieben, daß selbst der wohlmeinendste Herrscher nichts anderes als ein Tyrann ist.
Wenn ein Staat nicht mal fähig ist seine Schulden zu begrenzen, seine Geldpresse im Zaum zu halten oder gar seine Bürger vor Inflation zu bewahren - Umstände, über die er die direkte Kontrolle ausübt - wie will er dann andere Länder zu einer Nation formen oder gar Terrorismus bekämpfen können?
Es ist einfach so, daß das staatliche Gutemenschentum, gerade was die Handhabung der Geldpresse angeht, regelmäßig Wohlfahrtsverlusten der Bevölkerung führt.
Daran sind nun wirklich weder Halliburton, noch die Hypothekenkrise schuld. Auch keine Kampagnen.
Schuld ist, wenn man davon überhaupt sprechen möchte, ganz einfach der Glaube, daß man selbst schlauer ist als der Markt.
Viele Grüße
Michael Kastner
*hüüüüüüüüüüüüüüü* ich wollte doch nur über ökonomie reden….
Ach, das artet hier immer so aus.
Was die Einschätzung angeht, daß das Konjunkturprogramm zu klein ist, würde ich eher die andere Position vertreten. Alles größer Null ist hier zu groß, aus praktischen Gründen (bis die Schecks mal beim Steuerzahler sind, ist es eh zu spät), aber auch aus prinzipiellen Gründen. Ich gehöre weiterhin eher zu den Leuten, die die Wirksamkeit eines fiskalischen Stimulus bezweifeln, aus den bekannten Argumenten. Und was der zusätzlich zu einer irrsinnig expansiven Geldpolitik noch bewirken soll, ist sowieso schleierhaft. Jedenfalls hat noch niemand überzeugende Indizien dafür berichtet, daß die USA in der keynesianischen Falle ist, in der Geldpolitik wirkungslos ist.
Also, selbst wenn man glaubt, daß interventionistische Konjunkturpolitik sinnvoll ist, muß man den Fiskalstimulus noch lange nicht sinnvoll finden. Und wenn man (wozu ich derzeit neige) eine Rezession für die notwendige Anpassung an frühere geldpolitische Exzesse hält, dann wird man eh davon ausgehen, daß weitere Interventionen langfristig alles nur noch schlimmer machen.
Aber Steuersenkungen sind doch kein Fiskalismus. Sie sind in jedem Falle und immer richtig. Das Problem bei Steuersenkungen ist doch, daß der Staat behauptet, es wäre eine Art Gnadenakt.
Dabei ist es Geld, das dem Besteuerten _gehört_. Bei Steuersenkungen verringert sich der erpreßte Betrag. Steuersenkungen stellen keinen Interventionismus dar, sondern gerade das Gegenteil, nämlich eine Verrringerung des Interventionismus. Schließlich bleibt das Geld ja beim Bürger und wird nicht kassiert.
Welcher vernünftig denkende Mensch könnte etwas dagegen haben!?
Daß sich der Staat das Geld an anderer Stelle eh wieder holt, das ist ein Problem der Demokratie, aber doch nicht ein Problem, das mit der Steuersenkung an sich zu zusammenhängt.
Viele Grüße
Michael Kastner
Aber man darf doch nicht immer nur die eine Seite des Budgets sehen! Steuersenkungen sind richtig, wenn ihnen entsprechende Ausgabensenkungen gegenüberstehen. Wenn nicht, dann sind Steuersenkungen heute nur Steuererhöhungen später.
Wo ist da denn die Logik?
Niemand wird gezwungen morgen die Steuern zu erhöhen, wenn er sie heute senkt.
Selbstverständlich dürfen einmal gesenkte Steuern nicht wieder erhöht werden. Das ist doch klar.
Wenn sich der Staat verschuldet soll er halt sehen, wie er aus der Nummer wieder rauskommt.
Viele Grüße
Michael Kastner
Um’s mal auf den Punkt zu bringen:
Es wundert mich, daß Du Dich mehr um das Budget der Täter als um das Budget der Opfer sorgst.
Viele Grüße
Michael Kastner
Ich bin kein Staatsinterventionist. Ich meinte lediglich, dass die US-Regierung, durch Ihr Konjunkturprogramm die Inflationsgefahr erhöht, selbst wenn das Programm gemessen am Gesamt-BIP ziemlich klein ist.
Okay, schön und gut, nur ich verstehe nicht, wieso in die Diskussion um die aktuelle Subprime-Krise dann der Irakkrieg als *Ursache* hineingeworfen wird. Die radikalen Greenspan-Zinssenkungen, die man als Ursache der Krise sehen kann, erfolgten vor dem Irakkrieg — nach 9/11.
Aber sicher haben wir es mit einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten zu tun, politisch komplexe Dinge zu steuern, die niemand bewußt steuern kann. Gar kein Problem mit dieser Einschätzung.
Na, wie fühlt man sich so als das neunmalkluge, besonnen-mittige, intellektuell defizitären Middle-of-the-road-Quark breittretende Weltkind in der Mitten?
EURE Hybris ist noch unerträglicher als die der eingefleischten Sozialisten!
*wutschnaub*
Diese schlauen Leute wollen einfach eine Welt sehen, die nach klaren Engineering-Gesichtspunkten funktioniert. Nur ists nicht so und Verknüpfungen entstehen erst, weil man sie sehen will.
How we feel about the evolving future tells us about who we are as individuals and as civilization:
Do we search for stasis - a regulated engineering world?
Or do we embrace dynamism - a world of constant creation, discovery, and competition?
Virginia Postrel