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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Fastenzeit

Statler, 05.02.2008

Jeder ordentliche Katholik fängt am Aschermittwoch mit dem Fasten an. Traditionell, indem er auf Fleisch (und oft auch Alkohol) verzichtet. Modern, indem irgendein anderer Verzicht geübt wird — kein Auto, kein Fernsehen, kein Radio oder: kein Computer.

Na gut, so weit will ich nicht gehen. Aber hier kommen gerade mehrere Dinge zusammen. Zunächst ein genereller Überdruß an der politischen Blogosphäre in Deutschland. Diskussionen wie die dort drüben sind symptomatisch für eine Diskussionskultur, die nervt. Und es sind immer die gleichen Reflexe. Das langweilt. Die Blogosphäre könnte dem zivilisierten Austausch konträrer Standpunkte dienen, stattdessen arten politische Auseinandersetzungen immer schneller zu moralischen Vernichtungsfeldzügen aus, in denen es weniger um Diskussion geht als darum, den “politischen Gegner” irgendwie zum Schweigen zu bringen.

Dazu kommt noch dies und das außerhalb der Blogosphäre, Dinge, die Zeit beanspruchen und nicht ganz unproblematisch sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich gönne mir eine Blogfastenzeit. Und Ostern, oder kurz danach, sehen wir dann mal weiter.



20 Kommentare zu “Fastenzeit”

  1. David

    Bis dann. Vielleicht mache ich mit.

  2. stefanolix

    Fasten aus Überdruß: war das ursprünglich wirklich so gemeint? ;-)

    Es gibt wohl unter Christen sehr viele Traditionen des Fastens. Die einen haben für die Fastenzeit das Bier erfunden, andere haben sich den Biber zum Fisch definiert und wieder andere haben für den Sonntag eine Ausnahme gemacht.

    Ich habe seit der vorletzten Fastenzeit meine Ernährung so umgestellt, dass es sowieso nur noch einmal in der Woche Fleisch gibt. Daran kann ich nicht mehr viel ändern … Ich werde ab morgen bis Ostern auf den Wein verzichten und greife höchstens mal zu einem guten Trappistenbier. Da weiß ich wenigstens, dass es aus würdiger Hand kommt ;-)

  3. Bernie

    Viel Spaß solange! Ich kann’s verstehen.

  4. Oliver M.H.

    Ich mache auch mit, allerdings ganz klassisch: keine Süßigkeiten, kein Alkohol. Auf Koffein (wie im letzten Jahr) werde ich diesmal allerdings nicht verzichten. Man soll es ja auch nicht übertreiben.

    Dir, Statler, eine gute innere Einkehr und bis Ostern!

  5. stefanolix

    Keine Süßigkeiten: das ist mal eine gute Idee. Auf meinen grünen Tee kann ich aber nicht verzichten. Jetzt muss ich nur noch einen Ernährungsplan finden, der sich mit der Fastenzeit und dem Lauftraining verträgt …

  6. Umfrage « shifting reality

    [...] Na, dann machen wir doch mal weiter. Auch wenn man mir jetzt Krodilstränen unterstellt: Statlers aktuellen Rückzug finde ich voll verständlich, aber sehr schade, in letzter Zeit habe ich ihn wieder sehr gerne [...]

  7. R.A.

    So weit ich die hinter der Fastenidee stehende Geisteshaltung verstanden habe, sollte man dabei auf Sachen verzichten, die einem etwas bedeuten.
    Und nicht auf solche, die einem gerade zum Hals raushängen …

    Was nun die zitierte Diskussion betrifft: Mir hat sie trotz der unvermeidlichen Trolle und Dummbeiträge gefallen – man muß sich einfach angewöhnen selektiv zu lesen und manche Leute/Beiträge schlicht zu ignorieren.

  8. Björn

    Die Diskussionskultur, überhaupt die Meinungs- und Beitragskultur in Deutschland ist ziemlich stupide – ich sehe auch fast immer nur genau die Reflexe, auf die du anspielst. Keine informierte Darstellung, kein Austausch. Kein Interesse an der Sache, sondern an der unreflektierten Durchsetzung eines Standpunktes. Das ist im vollen Sinne unkritisch, gerade auch bei den besonders “Kritischen”.
    Obwohl Polemik etc. überall vorkommen, lese ich längst viel lieber im Ausland, wenn es um Politik geht.
    Ich halte das für ein kulturelles Problem in Deutschland, eine Art Ideologievergiftung, die ihre Wurzeln vielleicht in halsstarrigem Konservatismus einerseits und – charaktischer für die letzten Jahrzehnte – in einer hohl gewordenen Pseudoradikalisierung andererseits hat. Solange man bspw. nicht interessiert über us-amerikanische Themen reden kann, ohne die vorhersagbaren infantilen Stereotypen zu hören (womit ja dann auch schon Schluss ist mit der Neugier), ist dieses – nennen wir es mal – “Pispers-Syndrom” das Kennzeichen dieser Diskussionskultur.

  9. R.A.

    Den bisher schönsten Artikel zum Thema Fasten hat Oliver hier gebracht:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/klimafasten_mit_der_church_of_england/

    (Nicht daß ich je verstanden hätte, nach welchem Schema er seine Beiträge auf die Achse und A-Team verteilt …).

  10. Lina

    @ R.A..

    “(Nicht daß ich je verstanden hätte, nach welchem Schema er seine Beiträge auf die Achse und A-Team verteilt …).”

    Ich auch nicht. Mal persönlich nachfragen? Ich hab’s zwar schon mal getan, konnte ihm aber keine wirklich nachaltige Erklärung entlocken ;-)…

  11. Lina

    Diese Fastenzeit-Bemäntelung eines befristeten Ausstiegs (wg. Frustration) halte ich im katholischen Sinne doch für ziemlich problematisch – wenn nicht gar für ein Sakrileg ;-)…

    Aber bitte – wenn’s sein muss…

  12. Oliver M.H.

    Danke danke, aber es gibt überhaupt kein System bei der Verteilung der Beiträge.

  13. antibuerokratieteam.net » Blog Archive » Na dann Prost!

    [...] Fastenzeit [...]

  14. Benjamin B.

    Ich hätte es zwar lieber gesehen, Statler, wenn du dagegen gehalten hättest, anstatt dich vor der nervigen Diskussionskultur zurückzuziehen, aber gut…

    Gutes Nichtbloggen!

  15. Erik

    Fröhliches Entschlacken ;)

  16. Blauhelme nach Blogistan « Telegehirn

    [...] Andererseits kann ich Statler verdammt gut verstehen, daß er in der jetzigen Gemengelage lieber eine Auszeit [...]

  17. jo@chim

    Liebes Telegehirn – ich bin mir nicht wirklich sicher, ob Statlers Auszeit etwas mit Euren Klein Bloggersdorfer Lehmbatznwerfereien zu tun hat…

  18. Statler

    Eher nicht. Obwohl es natürlich auch ein Symptom ist für diese nervende Diskussionskultur, in der Differenzen nicht zivilisiert ertragen werden, sondern den Anlaß zum großen Schlammwerfen bieten.

    Ich meine, in der Sache um die es da geht (der Feststellung, daß der Angriff auf Dresden *kein* Kriegsverbrechen war) bin ich mir mit TG ja völlig einig. Aber wie verzerrt muß man denn die Bloggies lesen, um sie als rechte Revisionisten zu beschimpfen?

  19. Rayson

    Wenn man sich genügend anstrengt, geht alles…

    Übrigens kann ich vermelden, dass sich einige der damals am Anlass Beteiligten längst verständigt haben, auch wenn das bisher nicht zu öffentlichen Kuschelszenen geführt hat.

  20. jo@chim

    Und wenn es ein Verbrechen gewesen wäre – was ich nicht so stehen lassen wollte, als Nicht-Historiker aber auch nicht komplett bestreiten könnte (ist Krieg nicht wie geschaffen, um Verbrechen und Verbrecher zu re-produzieren?) – würde das weder an Ursache noch an Ergebnis des gescheiterten Aggressionskrieges der Faschisten etwas ändern.

    Der Vorwurf an Boche und Rayson ist jedenfalls schlicht beleidigend und wirft ein schlechtes Licht auf die Urheber, nicht auf die Angegriffenen. Ich kenne sowas von früher aus der linken Szene: man muss nur genug mit Scheisse werfen, irgendetwas wird schon hängenbleiben… da haben wohl die “Antideutschen” noch einiges an selbstkritischer Aufarbeitung zu leisten…

    … aber bitte nicht hier.

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