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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Na dann Prost!

Oliver M.H., 05.02.2008

Nachdem wir ja nun heute schon mehrfach feststellen mussten, dass morgen die Fastenzeit beginnt, in der sich manche mit Kohlendioxidfasten und andere mit Blogabstinenz hervortun werden, belasse ich es dieses Jahr bei reinem Alkoholverzicht. Da trifft es sich gut, dass ich für heute Abend noch eine Einladung zum Dinner im Quirinale, einem nicht zu Unrecht hochgelobten Edelitaliener gegenüber vom Palace of Westminster, erhalten habe. Jedenfalls freue ich mich auf ein gutes Glas Rotwein, und wenn ich Glas sage, dann meine ich natürlich auch ein richtiges Rotweinglas. Schön voluminös sollte es sein, damit sich das Aroma gut entfalten kann.

Doch damit könnte es bald vorbei sein, und das nicht nur wegen der Fastenzeit. Es gibt da nämlich einen Unterhausabgeordneten, der sich sehr um die Volksgesundheit sorgt. Greg Mulholland heißt der Mann, und er befürchtet, dass große Weingläser zum unkontrollierten Alkoholkonsum verleiteten. Aber Mr Mulholland hat dafür bereits eine Lösung parat: Man verbiete es englischen Restaurants einfach, Wein in Gläsern mit einem Volumen von über 125 Millilitern auszuschenken. Dann wird weniger getrunken, glaubt er. Vielleicht auch einfach deshalb, weil der Wein aus diesen Minigläsern einfach nicht mehr so gut schmeckt. Aber wie auch immer: Problem gelöst. Das ist Prohibition the English way.

Wer also glaubt, nur in Deutschland gebe es Anhänger immer neuer Verbote, der hat sich getäuscht. Britische Parlamentarier sind in ihren Verbotsfantasien noch viel kreativer als manche ihrer Kollegen auf dem Kontinent. Wobei mir gerade auffällt, dass ich ganz vergessen hatte zu erwähnen, welcher Partei Mr Mulholland angehört. Natürlich handelt es sich bei ihm – wie könnte es anders sein? – um einen überzeugten Liberal-Demokraten. Ja, Humor haben die Briten immer noch, das muss man ihnen lassen.

Dann werde ich gleich mal beim Italiener auf England anstoßen. Es ist doch wirklich wunderbar, wie sich auf dieser Insel die Staatskirche um die Rettung des Planeten und die Liberaldemokraten um meine Gesundheit kümmern. Bitter nur, dass ich dieses verrückte Land in den nächsten Wochen vollkommen nüchtern betrachten muss.



16 Kommentare zu “Na dann Prost!”

  1. David

    Der Hinweis auf die britische Kreativität scheint angebracht. Wenn das Land weiter so am Rad dreht, wird man Monty Python Flying Circus wohl in ein paar Jahren für eine Frühform des Reality TV halten. Wobei diese Kreativität sich ja auch nicht erst neuerdings entfaltet, denkt man an die Fenstersteuer zurück. Die es dann auch allerdings nicht mehr gibt und im Vergleich zu manchem das es jetzt gibt noch ein moderates Maß an Blödheit aufwies.

  2. Epameroi

    Cognacschwenker next?

  3. Sebastian

    Ich halte gerade einen lecker Gin-Tonic in der Hand und lese ihren Beitrag,wunderbar!

    Der Gin ist übrigens aus London und schmeckt vorzüglich,dass haben die Britten wenigstens nicht verlernt.

  4. XiongShui

    Ja, “the britsh way” war schon immer ein Besonderer. Kein Verbot ohne seine kreativen Umgehungsstraßen…

    Ich kann mich erinnern, 1971 in einer Londoner (Herren-) Sauna gewesen zu sein. Der Schwitzkasten war leer als ich kam, alos legte ich mein Handtuch, Format: “Zweimannzelt” auf eine Bank und mich darauf, wie ich das aus dem übrigen Europa gewohnt war. Kurz darauf kamen zwei andere Männer in die Sauna, wovon einer meinte: “Uh, cover juorself”, der andere drehte sich schamhaft um. Als ich dann in den Ruheraum ging, standen dort lange Reihen Betten, Muster: “Internatsschlafsaal”. Jedes Bett hatte ein kleines Dach. Das mutete recht putzig an. Als ich nach dem Grund fragte, wurde ich beschieden, daß es verboten sei, daß sich mehr als zwei nackte Menschen unter einem Dach befinden…

    Man muss sich eben was einfallen lassen, warscheinlich gibt es dann, sollte die Anregung durchkommen, auch bald eine Lösung für Weingläser.

    Zum Wohl!

  5. stefanolix

    Wein wird ja gemeinhin nicht in Gläsern, sondern in Flaschen serviert. So sollte es doch hoffentlich kein Problem sein, dass der Gast sich dann das passende Glas aussuchen darf. Müsste ich im Restaurant einen guten Rotwein aus einem falschen Glas trinken (125 ml ist wirklich sehr wenig), würde ich dort lieber verzichten und zu Hause eine Flasche öffnen.

  6. Gast

    “Wein wird ja gemeinhin nicht in Gläsern, sondern in Flaschen serviert.”

    Leider wird er das ja. Selbst gute italienische Restaurants in London wissen nicht immer wann man dekantieren muss und wann nicht.

  7. Hartz4 - ALG II Empfänger | Tipps, News und Hilfe

    Du wirst, was du isst…

    Nietzsches Schreibfehler möge man ihm nachsehen. Wer braucht heute noch Philosophie. Es soll vielmehr kulinarisch zugehen: Unser Thema ist das Essen….

  8. stefanolix

    Gut, aber das Dekantieren geschieht ja, nachdem der Gast sich für eine Flasche entschieden hat. Deshalb würde der Gesetzesvorschlag nur zu großem Verdruss führen, aber er würde nicht bewirken, dass weniger Wein serviert wird. Die »Einheit« für Wein ist nun mal »eine Flasche« und nicht »ein Glas«.

  9. R.A.

    > Die »Einheit« für Wein ist nun mal »eine
    > Flasche« und nicht »ein Glas«.
    Ich würde mal darauf wetten, daß der bei weitem größte Teil des in Restaurants konsumierten Weins per Glas geordert wird.

    Ansonsten muß ich natürlich darauf bestehen, daß in ordentlichen Weingegenden wie der Pfalz die Einheit weder “Flasche” noch “Glas” ist, sondern der “Schoppen”
    (Das ist ein Halbliterglas).

  10. Lina

    @ R.A.

    Der “Schoppen” ist in Bayern, bzw.Franken ein “Quartl” (stimmt’s, und nur halb so schwer in der Hand, was vom Hebe-Effekt her einen gewissen Vorteil hat…

    Und, Oliver: Überleg’ Dir das noch wegen der Nüchternheit, mit der Du bis Ostern Britannien beobachten willst. Ist das nicht doch zuviel von Dir verlangt ;-)?

  11. Hardy

    Ja Oliver, da hat Lina absolut recht. Denn anscheinend läßt sich GB nur noch im alkoholisiertem Zustand ertragen. Und nicht nur England…

  12. Oliver M.H.

    Liebe Leute,

    vielen Dank für Eure Anteilnahme. Ich kann von gestern Abend berichten, dass es wunschgemäß einen guten Chianti gab, den wir allerdings nicht als Flasche, sondern per Glas bestellten. Und dieses Glas war rund und groß – die Horrorvorstellung von Mr Mulholland.

    Ansonsten schaue ich mir heute England schon den ganzen Tag nüchtern an, habe es aber bis hierhin überstanden ;-)

    Cheers,

    Oliver

  13. Felix

    Wenn ich den Artikel richtig verstehe, fordert Mullholland kleinere Portionen in den Gläsern. Bleibt Blödsinn, läßt sich aber noch besser ertragen als ein schöner Burgunder aus nem Grappaglas :-)

  14. David

    Viertele!

  15. UausD

    Ey Oliver,

    da gibt’s nur eins:
    Subversive Aktionen: Z.B. ein voluminöses Glas mitnehmen, 10-20 dieser Likörgläser bestellen und UMFÜLLEN, damit das wieder passt!

    Nebenbei sehe ich oben, dass Du ja schon ordentlich Beistand von “Germany’s Drinking Society” bekommen hast. Das ist schööön!

    LG

  16. R.A.

    > dass Du ja schon ordentlich Beistand von
    > “Germany’s Drinking Society” bekommen
    > hast
    Bei diesem Thema haben die Deutschen ja einen Ruf zu verteidigen.

    Siehe schon bei Luther: “Unser deutscher Teufel muß ein guter Weinschlauch sein und muß Sauf heißen.”

    Und wer es lieber etwas wissenschaftlich hat, findet das recht interessant hier:
    http://www.buergerimstaat.de/4_02/alkohol.htm

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