Nachdem wir ja nun heute schon mehrfach feststellen mussten, dass morgen die Fastenzeit beginnt, in der sich manche mit Kohlendioxidfasten und andere mit Blogabstinenz hervortun werden, belasse ich es dieses Jahr bei reinem Alkoholverzicht. Da trifft es sich gut, dass ich für heute Abend noch eine Einladung zum Dinner im Quirinale, einem nicht zu Unrecht hochgelobten Edelitaliener gegenüber vom Palace of Westminster, erhalten habe. Jedenfalls freue ich mich auf ein gutes Glas Rotwein, und wenn ich Glas sage, dann meine ich natürlich auch ein richtiges Rotweinglas. Schön voluminös sollte es sein, damit sich das Aroma gut entfalten kann.

Doch damit könnte es bald vorbei sein, und das nicht nur wegen der Fastenzeit. Es gibt da nämlich einen Unterhausabgeordneten, der sich sehr um die Volksgesundheit sorgt. Greg Mulholland heißt der Mann, und er befürchtet, dass große Weingläser zum unkontrollierten Alkoholkonsum verleiteten. Aber Mr Mulholland hat dafür bereits eine Lösung parat: Man verbiete es englischen Restaurants einfach, Wein in Gläsern mit einem Volumen von über 125 Millilitern auszuschenken. Dann wird weniger getrunken, glaubt er. Vielleicht auch einfach deshalb, weil der Wein aus diesen Minigläsern einfach nicht mehr so gut schmeckt. Aber wie auch immer: Problem gelöst. Das ist Prohibition the English way.

Wer also glaubt, nur in Deutschland gebe es Anhänger immer neuer Verbote, der hat sich getäuscht. Britische Parlamentarier sind in ihren Verbotsfantasien noch viel kreativer als manche ihrer Kollegen auf dem Kontinent. Wobei mir gerade auffällt, dass ich ganz vergessen hatte zu erwähnen, welcher Partei Mr Mulholland angehört. Natürlich handelt es sich bei ihm – wie könnte es anders sein? – um einen überzeugten Liberal-Demokraten. Ja, Humor haben die Briten immer noch, das muss man ihnen lassen.

Dann werde ich gleich mal beim Italiener auf England anstoßen. Es ist doch wirklich wunderbar, wie sich auf dieser Insel die Staatskirche um die Rettung des Planeten und die Liberaldemokraten um meine Gesundheit kümmern. Bitter nur, dass ich dieses verrückte Land in den nächsten Wochen vollkommen nüchtern betrachten muss.