Eindeutig ausländerfeindlich
jo@chim, 07.02.2008
Ich weiss nicht, ob die Katastrophe in Ludwigshafen durch Brandstiftung verursacht wurde und einen ausländerfeindlichen Hintergrund hatte. Falls ja (was ich nicht ausschliesse), werden der oder die Täter früher oder später verdientermassen zu spüren bekommen, dass dieses Land ein Rechtsstaat mit funktionierenden Strafverfolgungsbehörden ist.
Eindeutig ausländerfeindlich ist es aber, wenn der SWR jetzt den geplanten Tatort, der um das Thema “Zwangsheirat unter türkischen Migranten” kreist, absetzt – schliesslich sei es um Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle wir nicht verletzen wollen gegangen.
Unterstellt die Aussage doch, dass es unter den türkischen Migranten eine “grosse Gemeinde” an Befürwortern der Zwangsehe geben würde. Und dass diese Form der instutionalisierten Vergewaltigung irgend etwas mit Gefühlen zu tun hätte.
antibuerokratieteam.net





Am Rande habe ich mitbekommen, dass es sich bei den Opfern wohl fast ausschließlich um Aleviten handelt, die in der Türkei eine religiöse Minderheit sind und ziemlich große Probleme haben. Wie in dem F.A.Z.-Artikel angedeutet wird, gibt es da große Konflikte. Vielleicht wollte man nicht noch Öl ins Feuer gießen.
Hier ist übrigens der Original-Link zum SWR, diese SPON-Links klicke ich nicht mehr an ;-).
Feedback zur Berichterstattung:
…ich glaub das war ein Ehrenmord.
…damit haben uns die Türken den neuesten Tatort versaut…
Kann man so etwas durchgehen lassen? Muss man schwafelschwafel….
Manchmal (gaaaanz, ganz selten) hab ich das Gefühl, nur von Idioten umgeben zu sein. Der Brand in Ludwigshafen (inkl. der qualifizierten Berichterstattung) bestätigt das.
Mal im Ernst:
Ein Haus brennt ab. Kann passieren. Ob das eine Straftat war, werden unsere Staatsanwälte sicher herausfinden…
Wäre in den deutschen Medien nicht weiter wichtig: x Tote => Tagesordnung.
Aber halt: Da geht’s ja um Moslems!!
Das ändert natürlich alles: Terror, Ehrenmord…
Ehrenmord/Fehde: Die Türken sind halt so. Die bringen sich erst um, und fragen dann nach dem Sinn.
Ich hab einen Traum:
Abgesehen davon, die Brandstifter (falls vorhanden) zu finden, hat jeder sein Maul zu halten; egal ob Politiker oder Journalist.
Berichten kann man nämlich auch, nachdem die Sache aufgeklärt ist, und zwar ohne politischen Einschlag…
…nur meine Meinung.
F.Alfonzo
Unterstellt die Aussage doch, dass es unter den türkischen Migranten eine “grosse Gemeinde” an Befürwortern der Zwangsehe geben würde. Und dass diese Form der instutionalisierten Vergewaltigung irgend etwas mit Gefühlen zu tun hätte.
Diese Lesart vermag ich der Mitteilung ohne geistige Verrenkungen nicht zu entnehmen. Genauso gut hätte man – konsequent weitergedacht – dann ja auch in Ludwigshafen weiter Fasching feiern können, denn damit haben die Türken ja bekanntlich eh nichts am Hut.
Es ging beim SWF, der ja auch die für Ludwigshafen zuständige ARD-Anstalt ist, um eine Geste, und die finde ich vertretbar. Überlassen wir doch das Schäumen und Geifern über das präemptive Einknicken der Ö.r.-Dhimmis vor dem fundamentalistischen islamistischen Mob den Kommentatoren auf PI und anderen einschlägigen Adressen.
Ich kann mark nur zustimmen. Der Tatort spielt in Ludwigshafen. Außer um Zwangsehe geht es – wie beim Tatort üblich . auch noch irgendwie um Mord. Insofern ist eine Verbindung zur übergeigten Diskussion um den Brand schon gegeben.
Die Debatte ist derzeit von “beiden Seiten” irrational und dem traurigen Anlass nicht angemessen. In so einem Fall wäre es geradezu grob fahrlässig einer der beiden irrationalen Seiten einen Anlass zur weiteren eskalation zu geben. Einen Tatort zu verschieben (er ist ja noch nicht mal endgültig gestrichen worden!) ist ein ziemlich geringer Preis als Beitrag zur Deeskalation. Das Geschreie kann man getrost Hyriett und PI überlassen.
“Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle” usw. …
Ich gehöre nicht dazu. Ich bin eine vom SWR unterdrückte, ach – noch schlimmer: diskriminierte Minderheit. Wo kann ich klagen? :)
Ich habe hier weder gegeifert noch geschrien. Sondern lediglich darauf hingewiesen, dass es keinen Anlass für eine, wie auch immer und von wem auch immer, vorangetriebene “Eskalation” gibt. Und auch keinen Anlass für “Rücksichtnahme auf Gefühle” (wenn es um Zwangsehen geht). Damit wird einfach das falsche Signal an den integrationsunwilligen Mob gesandt, dem damit angedeutet wird, dass man bei “geeigneten” Anlässen nur laut genug brüllen muss, um die gewünschten Unterwerfungsgesten zu erreichen. Man setzt damit also einen positiven Verstärker ein und erreicht genau das Gegenteil von “Deeskalation”.
Möglich, dass die Katastrophe einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat. Aber ebenso möglich, dass ein “Ehrenmord” dahintersteckt, kriminelles Stromabzapfen oder schlicht ein von niemanden beabsichtigter Unfall – es ist Aufgabe der Ermittlungsbehörden, dies zu klären.
Nicht die Aufgabe von PI oder türkischer Strassengangs.
D’accord?
Das mit der “Rücksichtnahme auf Gefühle” im Zusammenhang mit dem Thema Zwangsehe kann ich weder aus dem SPON-Artikel noch aus der Original SWR-Mitteilung herauslesen. . Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass man nicht auf jedes Geschreie einer wie auch immer gearteten Gruppe reagieren sollte. In diesem konkreten Fall, in dem Hetzer aus verschiedenen Richtungen (nein, ich meine nicht Dich) das Feuer schüren ist es angemessen, keine weiteren Funken zu schlagen.
Und das ist auch völlig unabhängig davon, welche Ursache der Brand hatte. Grade weil das noch nicht klar ist, sollte jeder, der ein bißchen bei verstand ist das seine dazu beitragen, dass die Ermittler einigermaßen in Ruhe arbeiten können.
Und außerdem: der Film ist ja nur verschoben und nicht endgültig abgesetzt, insofern kann von einem Einknicken keine Rede sein.
P.S. Der Ausdruck “geifern” ist hier noch von niemandem gebraucht worden. Und das “Schreien” war nicht auf Dich bezogen, das war bei meinem Text möglicherweise etwas missverständlich.
[Rechthabmodus="On"] Doch FG – es sei denn, Du würdest unseren geschätzten Kommentator “mark793″ als “Niemand” bezeichnen.
Von “Einknicken” war wiederum bei mir nicht die Rede, lediglich von – sicherlich ungewollter – positiver Verstärkung derjenigen, denen an Integration nicht gelegen ist.[Rechthabmodus="Off"]
@jo@chim, (14:42) Danke für die Präzisierung. Das Problem, dass bestimmte Kreise die “Tatort”-Absetzung als Unterwerfungsgeste missverstehen, ist leider nicht von der Hand zu weisen. Nur sehe ich halt auch die Gefahr, dass auch gemäßigtere Türken den “Tatort” vielleicht nicht als primär gegen Zwangsehen gerichtet empfinden, sondern exemplarisch gegen ihre Bevölkerungsgruppe. Das mag uns unnötig, blöd, undifferenziert, wie auch immer erscheinen, aber damit muss man in der aufgeheizten Atmosphäre jetzt eben rechnen. Und in dieser Gesamtabwägung bleibe ich daher nach wie vor auf Seiten der Sendeanstalt, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt wahrscheinlich klüger ist, den “Tatort” noch ein paar Wochen im Schrank zu lassen.
Ach ja, ich habe keinen der Anwesenden des Geiferns oder Schreiens bezichtigt. Wenn das so angekommen sein sollte, leiste ich gerne Abbitte.
@mark793
Was du sagst, klingt vernünftig.
Aber halten wir doch mal einen Augenblick inne und fragen wir uns, wo und wann Vergleichbares getan wurde oder wird. Und welche Anreize man damit belohnt.
Ist es nicht eher so, dass damit genau in die Kerbe derer gehauen wird, die solche simplen Mechanismen wie “hier Deutscher – da Türke” gelten lassen wollen?
Und natürlich auch in die Kerbe derer, die aus einem Fernsehkrimi einen hoheitlichen politischen Akt machen?
Ich will damit nicht sagen, dass die Entscheidung falsch war. Die zeitliche Nähe muss schließlich nicht unbedingt sein. Aber ein paar Kosten sind mit der vorübergehenden Absetzung doch verbunden.
Du unterstellst, dass ich sorgfältig lesen würde. Das ist äußerst kühn.
“Und natürlich auch in die Kerbe derer, die aus einem Fernsehkrimi einen hoheitlichen politischen Akt machen?”
Das, Rayson, ist für mich der eigentliche Stein des Anstosses. Allein schon aus diesem Grund finde ich die Entscheidung der sich immer mehr zum “Staatsfernsehen” aufwerfenden ARD falsch – vom Anschein der Tolerierung fremder Unsitten und Gebräuche einmal ganz abgesehen, die in jeder Form – Krimi oder Doku – ausnahmslos und auch rücksichtslos unterstrichen werden sollten – IMHO.
(btw: Nicht umsonst ist derzeit in England die Empörung gross um einen Erzbischof, der Teile der islamischen Scharia in britisches Recht aufgenommen sehen will. – Wo kämen wir hin, wenn der Proporz unsere freiheitlich-rechtliche Gundordnung bestimmen sollte?)
[...] dieses zu, selbst dann, wenn sie noch irgendwelche anderen Staatsbürgerschaften haben sollten; hat mit seinem Hinweis gegenüber völlig recht. Daß solch völkische Parolen, wahrscheinlich, weil es so witzig ist, Linke zu [...]
[...] es nichts zu ermitteln gibt, dann hat das Ermittlungsverfahren einen schweren Formfehler.“ Das Antibürokratieteam berichtet, dass der SWR einen geplanten Tatort zum Thema Zwangsheirat unter türkischen Migranten [...]
Das ist etwas zu konstruiert; die Aussage unterstellt vielmehr, die türkischen Zuschauer fühlten sich von der Folge der Serie beleidigt und würden ihrerseits annehmen, man wolle ihnen das unterstellen, was Du schreibst. Gleichzeitig ist das Absetzen der Folge aber auch ein Akzeptieren der Logik, wonach das Beleidigtsein in diesem Fall berechtigt wäre. Broder würde wohl wieder von einem vorsorglichen Einknicken sprechen.