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Do it again Erdogan

12.02.2008 21:18 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim

“Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit” - so der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in seiner Rede im Kölner Stadion.
Völlig falsch liegt er nicht: das Gerede von “Leitkultur” (wenn es mehr beinhaltet als die selbstverständliche Verpflichtung, sich legitim zu verhalten) ist in der Konsequenz allemal gegen die individuelle Freiheit gerichtet. Do it again Erdogan: vor 20.000 Bergtürken in Diyarbakir, z.B. …

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16 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Lina, 13.02.2008 08:28

Der war gut, - wenn ich den Gehalt Deines Do-it-again-Eintrags als guten Witz abtun darf ;-)? - (Die “Bergtürken” dürften sein Wort von der “verbrecherischen Assimilation” tatsächlich gerne hören, wenn er ihm auch die praktische Umsetzung folgen liesse.)

Dass aber die Deutschen ihre Türken “assimilieren” wollten, war mir neu - ist es uns doch nicht einmal gelungen, sie mit ihrem und unserem Einverständnis zu “integrieren” und ihnen zumindest die Landessprache als Zweitsprache zur Pflicht gemacht zu haben. Das halte ich für ein folgenschweres Verbrechen.

jo@chim, 13.02.2008 19:22

Nein Du darfst das nicht als Witz abtun, Lina ;-) In der Tat sehe ich keinen Grund, irgendjemand zu verpflichten eine Sprache zu lernen (ebenso übrigens, wie ich keinerlei Rechtfertigung sehe, diejenigen die keinen Job finden, weil ihnen Deutsch nicht halal genug ist, aus meinen Steuergeldern zu subventionieren…).

Lina, 13.02.2008 21:35

Some misunderstanding, - Den wirklich guten Witz habe ich darin gesehen, dass Du Erdogan den Kurden das Selbe predigen lassen wolltest wie den Kölner Deutsch-Türken; hätte ich darüber nicht lachen dürfen?

Was ich aber gar nicht verstehe ist, dass Du das Beherrschen der Landessprache nicht als zwingend notwendig sehen willst, sich auf Dauer in einem fremden Land einzurichten. Warum nicht? Ich bin sicher, dass der Umgang ein verträglicherer geworden wäre.

Und eine Weigerung von wg. “nicht halal genug” hätte es schon gar nicht geben dürfen - wenn ich das politische Sagen gehabt hätte. Der heutige Nutzniesser Deiner Steuergelder hätte von mir, der Verteilerin, dann auch keinen Cent bekommen; ich schwör’s ;-)…

 
 
 
DDH, 13.02.2008 17:48

Gut, daß wir endlich mal auf die Kurden zu sprechen kommen. Habe auch kurdische Freunde, und darum ein klitzekleines bißchen Einblick in deren Lage (bin natürlich kein neokonservativer Super-Geostratege, der weiß, wie man die ganze Welt “neu designt”, aber erlaube mir dennoch, meine unmaßgebliche Meinung zu Protokoll zu geben). Ich bewundere nämlich, was die Kurden, die eigentlichen Leidtragenden des mörderischen Saddam-Regimes (wir erinnern uns an die Giftgaseinsätze!), im irakischen Norden inzwischen auf die Beine stellen (Stabilität, wirtschaftl. Erholung) und reibe mir ungläubig die Augen, wie man aus Bündnis-Raison den türkischen Imperialisten erlaubt, das alles durch einen Einmarsch ebendort zu zerstören.

Wo ist der moralische Hegemon in Washington, wenn man ihn braucht?

Assimilation ist ein Verbrechen? Die Aleviten, die Armenier, die Griechen wissen davon ein Lied zu singen!

Allerdings wäre es ein Fehlschluß, Erdogan für einen besonders “vaterländischen” Politiker zu halten. Im Grunde verschachert er doch den vielgepriesenen Stolz der türkischen Nation nur auf dem Brüsseler Subventionsbasar, wo er sie zum Bittsteller degradiert. Wo bleiben authentische türkische Nationalisten, wenn man sie braucht? Sich gegen die Wünsche von Brüssel und Washington querzulegen würde wohl etwas mehr Standfestigkeit erfordern als das Unterdrücken ethnischer Minderheiten. Das ist wohl das Hauptproblem mit jeder Art von Nationalstolz: daß er so völlig grundlos ist!

jo@chim, 13.02.2008 19:13

Wenn man mal die DDH’sche Politfolklore (”neokonservative Super-Geostratege” etc. bäbä) weglässt, liegst Du nicht einmal falsch, IMHO, lieber Dominik. Allerdings erscheinen mir die moderaten Islamodemokraten in der Tat gegenüber den CHP-Sozialfaschisten und den graubraunen Wölfen von der MHP als das geringere Übel. Hab ja schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen

DDH, 13.02.2008 19:29

@jo@chim: Da magst Du zum jetzigen Zeitpunkt richtig liegen, daß die einen harmloser sind als die andern. Aber wenn man die Sicht nicht auf Augenblicksbestandsaufnahme beschränkt, sondern antizipiert, was in fünf oder zehn Jahren sein kann, da sind dann vielleicht die andern schon wieder harmloser als die einen - wobei sich aber das Gesamtspektrum der Optionen von “harmlos” in Richtung “gefährlich” verschoben hat. Das Problem mit jeder Art von “demokratischer” Politik: sie läßt einem die Auswahl zwischen verschiedenen unerwünschbaren Optionen, aber nicht die Meta-Wahl, ob man überhaupt von irgendeiner dieser Banden drangsaliert werden möchte.

Apropos: Eine Rothbard- (oder auch Mises-, der ja zum Thema Sezession den Grundstein zur Gedankenkathedrale des Libertarianism gelegt hat)-Gesamtausgabe auf türkisch und eine auf kurdisch, in solche Projekte, da sollte das LvMI mal reininvestieren - und nicht in obszöne Paleo-Konferenzen mit Rassenkundlern und konföderiertentümelnde Wahlkampagnen.

NUB, 13.02.2008 19:48

Aber wenn man die Sicht nicht auf Augenblicksbestandsaufnahme beschränkt, sondern antizipiert, was in fünf oder zehn Jahren sein kann, da sind dann vielleicht die andern schon wieder harmloser als die einen

Weltdesign in Pentagon und White House hört sich aber auch nicht viel anders an. In dem Augenblick, wo einem die Entwicklung an einem Ort nicht egal sein kann und man über “Werkzeuge” verfügt, läuft es fast schon von allein…

 
jo@chim, 13.02.2008 20:12

da sollte das LvMI mal reininvestieren - und nicht in obszöne Paleo-Konferenzen mit Rassenkundlern und konföderiertentümelnde Wahlkampagnen.

Zwar OT hier, aber ok: Jeder setzt sich eben die politischen Schwerpunkte, die ihm nahe liegen. Ich habe bereits in der “Hoppe-Diskussion” vor zwei Jahren darauf hingewiesen, dass es um eine Kapitulation des Libertarismus vor der extremen Reaktion geht. Die “Ron Paul Newsletters” haben gezeigt, wie sehr der Rechtsextremismus in einzelnen “libertären” Köpfen schon vor längerer Zeit Wurzeln geschlagen hatte. Von denen ist nichts mehr zu erwarten - die haben offensichtlich beschlossen, die Hofnarren des nationalen Sozialismus zu spielen. Ohne mich.

DDH, 13.02.2008 20:30

Vielleicht gibt’s ja bald Alternativen jenseits vom rechtsdralligen, Auburn- (und Grevenbroich-)gesteuerten Narrensaum auf der einen und den staatsfrommen “Beltway-Libertarians” wie CATO.org (und deren deutschen Äquivalenten wie etwa der Hayek-Stiftung) auf der anderen Seite! Man hat wohl auch in der Vergangenheit zuviel durchgehen lassen, werde da in Zukunft, auch eingedenk der aktuellen FDOG-Pöbeleien, mal wieder verstärkt den großen DDH-Kärcher zur Hand nehmen müssen!

 
 
 
 
 
F. Hoffmann, 13.02.2008 19:43

Leitkultur: Stammt von Bassam Tibi (nach wie vor). Gewünscht von ihm war eine “europäische Leitkultur” (?).
Aber mal anders rum:
Der grüne und der hedonistisch-sozialdemokratische Deutsche fahren nach Italien, weil dort noch alles “typisch italienisch” ist.
Der Rest der Bildungsbürger schätzt die “typische unverfälschte französische Kultur” (ein reaktionärer Bauer mit Baskenmütze und Rotweinchen im Griffel ist halt dem deutschen biertrinkenden Landstammtisch unendlich überlegen).
Was ist denn “typisch deutsch”?
Das Grundgesetz? Die Wirtschaftsordnung? Oder was?
Nur mal so.

NUB, 13.02.2008 19:53

Was ist denn “typisch deutsch”?
Das Grundgesetz? Die Wirtschaftsordnung? Oder was?

Das weiß scheinbar keiner so richtig. Aber man weiß, wenn man etwas “Undeutsches” oder Inakzeptables sieht…

 
 
wilsons-island, 13.02.2008 20:34

Türkische Schulen in Deutschland - Vorteil für die Integration?…

Am Rande der Trauerfeier für die Opfer der alevitischen Familie, die bei der Brandkatastrophe in Ludwigshafen umgekommen waren, hatte der türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagen, in Deutschland türkischsprachige Gym…

 
Dominik, 14.02.2008 08:48

Do it again, genau! Und zwar auf kurdisch!

 
Llarian, 14.02.2008 16:50

Vielleicht sollte man mal zu der Überlegung kommen, dass ein Verhalten, dass man von einem Emigranten erwartet, selbstredend eine Einschränkung seiner individuellen Freiheit darstellt.
So what ? Bei mir zu hause kann sich auch keiner benehmen wie er will, nur weil das gerade seiner individuellen Freiheit entspricht. Jemand zur Assimilation zu zwingen mag ein Verbrechen sein, jemanden, der keine Lust dazu hat auszuweisen, ist es nicht.

 
Boche, 14.02.2008 22:07

@Llarian

Dein Recht zur Ausweisung aus deinem Zuhause bestreitet doch niemand, oder?

 
Sky, 20.02.2008 22:56 Subscribed to comments via email

Assimilation bedeutet übersetzt “Ähnlichwerdung”, Integration “Ganzmachung” (im Sinne von Verschmelzung) [1].
Integration ist also weitergehender, insofern ist es lustig, dass nicht allgemein durchschaut wird, dass Erdogan mit einem kleinen Trick (Integration zurzeit pos. besetzt, Assimilation eher neg.) die Integration in Frage stellt.
Diesem Mann hier recht zu geben ist schon ziemlich schwach.

[1] Wer schon mal Systeme integriert hat, muss hier zustimmen. ;)

 

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