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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Jean, Nelson, Fidel

jo@chim, 23.02.2008

Laut UNO-Sonderberichterstatter Jean Ziegler dürfte Castro künftig eine ähnliche Rolle einnehmen wie Nelson Mandela.

So die schweizerische Tagesschau SF1 am 19.02.08 über die weiteren Perspektiven des greisen “Maximo Lìder” Fidel Castro, der im Gegensatz zu seinem bereits verblichenen nordkoreanischen Genossen Kim Il Sung nicht auf einen Vater-Sohn-Wechsel innerhalb der Dynastie setzt, sondern die Macht an seinen “jüngeren” Bruder übergibt.

Der “profunde Kubakenner” (sic! sollte das nicht heissen: treue Kollaborateur der Diktatur?) Jean Ziegler – der Bush schon mal die Unterstützung “der schrecklichen Kriegsverbrechen der Regierung Scharons in Palästina” vorwirft – meint, Castro könne nach seinem altersbedingten Abgang zukünftig noch “vermittelnd und friedensstiftend” wirken. Ich vermute mal (bzw. hoffe) nicht mehr so erfolgreich wie 1962, als der Diktator mit der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba die Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges trieb. Wenn wir noch etwas Geduld haben, werden wir wohl erleben, wie Jean Ziegler ihn posthum für den Friedensnobelpreis vorschlägt.

Mit Verlaub Manfred, Ihr habt auch ganz schön heftige Hornochsen in der Schweiz… hat der Typ irgendeinen realen Einfluss?



10 Kommentare zu “Jean, Nelson, Fidel”

  1. Sky

    Jean ist doch auch Anti-Zionist, wenn ich mich recht erinnere.
    Ansonsten belegt er, dass die UN eine recht problematische Firma ist.

  2. NUB

    nicht mehr so erfolgreich wie 1962, als der Diktator mit der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba die Welt an den Rand eines dritten Weltkrieges trieb

    ich bekam von meinem Nachbarn schon mal erwidert, die NATO hätte ihre Raketen zuvor in der Türkei in Stellung gebracht.

    Fidel Castro, der im Gegensatz zu seinem bereits verblichenen nordkoreanischen Genossen Kim Il Sung nicht auf einen Vater-Sohn-Wechsel innerhalb der Dynastie setzt, sondern die Macht an seinen “jüngeren” Bruder übergibt.

    Frage an Kuba-Insider: Gibt es einen nennenswerten Unterschied zu Fidel, und hält der Bruder Raúl auch vier-sechs Stunden lange Reden?

    PS: Was passiert eigentlich mit Genossen, die während so einer Rede einschlafen?

  3. christian

    “Was passiert eigentlich mit Genossen, die während so einer Rede einschlafen?”

    erinnert mich an folgende legende um kaiser nero:

    senatoren und andere prominente, die seine stundenlangen solo-auftritte nicht mehr ertrugen, haben herzinfarkte oder schlaganfälle vorgetäuscht, um anschließend aus dem auditorium getragen zu werden.

  4. Lemmy Caution

    Bin zwar kein Kuba-Experte, vermutlich aber nicht. Was sollen sie auch machen?
    Man sagt Raúl wäre weniger “charismatisch”. Das wirkte aber vor 10 Jahren als ich da in 3 Wochen vom anti-Kommunisten zum serious anti-Kommunisten geworden bin auch nicht mit dem Charisma. Zumindest nicht auf die Leute, die ich kennengelernt habe. Da hiess es immer (o-ton, nicht mein ton): primer maricón de cuba.
    Mit dem Einschlafen sehen die vermutlich sehr entspannt. Nach den ersten 30 Jahren stellt sich einfach eine gewisse Lockerheit in gewissen menschlichen Dingen ein.
    Für 4.5 bis 7 stündige Auftritte gibts ja jetzt Hugo Chávez (http://www.alopresidente.gob.ve/transmisiones-anteriores/). Sehr amüsant. Man erfährt eine Menge über Geopolitik, die Heldentaten der Libertadores, venezoelanische Äcker, venezoelanische Fabriken, jubelnde Menschen, El Imperio (USA) sowie den ewigen Kampf von Gut und Böse in Lateinamerika.
    Das ist ein bischen interaktiver. Andere (ausser dem Chef der Veranstaltung) dürfen auch manchmal als Bittsteller auftreten (el pueblo) oder werden angeherrscht und müssen sich verteidigen (Minister und Gouverneure). Dabei erinnert mich Chávez irgendwie an einen Samstags-Abend Show Moderator. Fidel war irgendwie feierlicher.
    Was hat das mit Kuba zu tun? Wenn Chávez stürzt, hat Kuba ein Problem, weil die zur Zeit massiv aus Caracas unterstützt werden. Zur Zeit siehts für ihn nicht so gut aus. Wenn BALOU das sieht sagt er: Das erzählen die Chávez Gegner seit 9 Jahren. Aber nach der Ölpreis-Fiesta geht denen auch bei 100$ Ölpreis scheinbar ein bischen das Geld aus. Jedenfalls haben die venezoelanischen Oppositionsblogger und comentaristas in Venezuela – oder mit guten Verbindungen dorthin – immer mehr Zuversicht.
    Für die Kubaner würde das bedeuten: mehr Subsistenz-Prostitution, Hunger am Monatsende und Stromausfälle (alles nicht lustig).
    Eine eventuelle Transition der Insel würde sich meiner Meinung nach sehr schwer gestalten. In Miami gibts sicher eine Menge offener Rechnungen und die Kubaner leben in einer Welt mit anderen Regeln.

    Ach so. Und anstatt immer auf Castro zu bashen, könnte man sich auch mal überlegen, warum kubanische Schüler besonders in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern so deutlich viel besser abschneiden als jedes andere Land in Lateinamerika.

  5. balou

    “serious Anti Kommunist” sach mal, ganz ehrlich, so unter uns, wem geht im Moment gerade NICHT ein bisschen das Geld aus? Ansonsten würde Balou sicherlich sagen: So what? oder zu Deutsch: Warte es doch ab – es kütt wie es kütt, da ka ma nix mache.
    Außerdem, nach der Vorhersage des ÖKomikers Hausmann ist in 239 Tagen eh Schluß mit Chavez.

  6. Lemmy Caution

    Es war 1 Jahr nach der Massenflucht. Hab Leute kennengelernt, die in einer Siedlung lebten leicht ausserhalb von Havana lebten. Kein Slum. Waren Studenten, Agrarökonomen, Ingenieure. Die wollten raus und ich konnte die verstehen. Wenn du nicht mehr dran glaubst und an allen Wänden gibts aufmunternde Sprüche, in den Nachrichten ist die USA an allem Schuld. Wenn du mit denen an den Strand fährst, ist eigentlich nur die Fahrt auf der lehren Ladeflächen von Lastern (besser als Zug) lustig. In Varadero am Strand wurden meine akademischen Unterschichts-Begleiter(innen) nämlich überall verjagt von der Mittelschicht, dh. die Bademeister in Hotels für Besucher aus imperialistischen Staaten. Naja es gab auch gute Seiten. Die Leute waren irgendwie auch ziemlich entspannt.

  7. googlehupf

    Weil anscheinend der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht für die Region ziemlich gut ist (wenn die Statistik denn stimmt).

    Aber selbst wenn Kuba die intelligentesten Schüler der Welt produzieren würde rechtfertigt das doch nicht eine Diktatur, oder? Und besteht da überhaupt eine direkte Kausalität?

  8. jo@chim

    Gerade Varadero. Da fällt mir der Song von den Toten Hosen ein.

  9. boris baran

    wider mal ziegler *rolleyes*
    aber ich finde es unwahrscheinlich das sich da so schnell was ändern wird, leider. oder gibt es dort eine starke opposition?

  10. Lemmy Caution

    80 oder so Seemeilen entfernt. In Miami. Und die ist in Kuba nicht sonderlich beliebt.
    Castro stellte das über 50 (!) Jahre als nationales Projekt da, bedroht von einem übermächtigen Tunichtgut (USA). In dem Klima kann sich keine breite Oppositionsbewegung bilden. Ein paar Intelektuelle. Opposition ist da Rückzug aufs Private und die Religion, die bei Farbigen oft stark afrikanisch ist. Für Jugendliche gibts eine Indoktrination, aber 1997 haben sich da viele von abgewendet als sie älter waren. Nur war da politisch nichts anderes. Eine Transition hin zu marktwirtschaftlichen Verhältnissen wäre nicht einfach. Rassenkonflikte könnten ausbrechen, obwohls ein starkes Bewußtsein dafür gibt, dass die Farbigen einen sehr starken Beitrag für das erste nationale Projekt, die Unabhängigkeit, geleistet haben. Viele sind gut ausgebildet. Aber da gibts Dinge wie z.T. in Sachsen ausgebildete Maschinenbau-Ingenieure, die halbjährlich als Motorist auf einem Fischkutter gearbeitet haben. Und die Nachbarschaft ist politisch-ökonomisch nun nicht so wahnsinnig verlockend. Dass sich jemand wie Chávez 9 Jahre Präsident von Venezuela geblieben ist, liegt ganz bestimmt auch an den Vorgängern, die z.T. ganz tolle liberale Sprüche drauf hatten wie “Die beste Landwirtschaft für ein Land wie Venezuela sind die Häfen.” (heisst Importe). Und sehr korrupt waren, wobei sich da nicht viel geändert hat.

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