Generacion Y
Oliver Luksic, 24.02.2008
Der überzeugte Kommunist Raul Castro beerbt nun seinen Bruder Fidel Castro. Nach 50 Jahren kommunistischer Revolution ist das Land von gewaltiger Armut und politischer Unterdrückung. Kein Wunder, dass selbst die Tochter von Fidel Castro sich einen Umsturz wünscht. Um das zu vermeiden holt der neugewählte Alt-Kommunist Castro sich auch von Experten in Sachen kommunistischer Diktatur gerne Rat. Ex-SED Chef Hans Modrow, den der Vorsitzende der Linken Oskar Lafontaine in seinen Reden gerne lobt, scheint nun Castro zu beraten. In Kuba nimmt der Widerstand gegen die sozialistische Diktatur trotz brutaler Unterdrückung nämlich zu. Der lesenswerte Blog “Generacion Y” der kubanischen Bloggerin Yoani Sanchez, den es auch in deutscher Version gibt, beschreibt eindrucksvoll die traurige Wirklichkeit des realen Sozialismus.
antibuerokratieteam.net





Im März erscheint der neue Roman von Pedro Juan Gutierrez in deutscher Sprache. “Hundefleisch” hieß er -direktübersetzt- im Original, eingedeutscht nennt er sich nun “Kein bisschen Liebe”. Wer wissen möchte, was in den Straßen Havannas alles getrieben wird, sollte diesen -und die vier Vorgänger- lesen. Ein widerstandsfähiger Magen ist von Vorteil.
Im Schwesterschiff Venezuela gehen momentan die definitiv merkwürdigeren Sachen als in Kuba vor. Sehr spannend.
Hier ein hervorragender englischsprachiger Oppositions-Blog aus Venezuela (http://caracaschronicles.blogspot.com/). Sehr zu empfehlen auch die Powerpointpräsentationen und die Filme auf der rechten Seite: http://caracaschronicles.blogspot.com
Hier ein hervorragender blog eines Venezoelaners, der zur Zeit in Westeuropa lebt: http://www.venezuela-europa.blogspot.com/
Hier ein Blog, der sich immer weiter von den chavista-Positionen entfernt: http://oilwars.blogspot.com/
Die Ereignisse in Venezuela werfen auch ein bezeichnendes Licht auf die LINKE und Neues Deutschland. Beide haben sich in den letzten Jahren immer solidarisch zu Venezuela erklärt. Sarah Wagenknecht hat im Europaparlament sogar die nicht Verlängerung von Lizenzen eines oppositionellen Fernsehkanals in Venezuela als eine Meinungsfreiheit-stärkende Aktion dargestellt.
Nun gibt es schwere Vorwürfe eines ehemals hochrangigen deutsch-mexikanischen Chávez-Beraters Dieterich, der sich vor 2 Monaten vom Meister losgesagt hat.
Er begründet das in 2 interessanten Artikeln im chavista Forum aporrea.org (spanisch)
http://www.aporrea.org/ideologia/a51331.html
http://www.aporrea.org/ideologia/a50721.html
Mein Fazit: Der Sozialismus des 21. Jhdts. ist von dem des 20. Jhdts. nicht zu unterscheiden. Venezuela exportiert bekanntlich eine Menge Erdöl und selbst mit dem zur Zeit wohl als günstig zu bezeichnenden Terms of Trade dieses Landes läuft der Sozialismus des 21. Jhdt. in starke wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten.
Zum einen beklagt Dieterich, dass offenbar eine “stalinistische” Klaquateurs-Fraktion entscheidenden Einfluß über Chávez besitzt. Es existiert eine Menge Korruption und die Benennung von Personen in Posten, für die sie völlig unfähig sind. Es existiert ein sehr merkwürdiger Fall, in dem ein chavistischer Abgeordneter von dem führenden Gouverneur dieser “stalinistischen” Fraktion verdächtigt wird, von Bill Gates einen Chip in die Blutbahn gesetzt bekommen zu haben.
Im wirtschaftspolitischen Bereich bestätigt er die Hauptkritiklinien der Opposition:
- Inflation wird nicht – wie Chávez sagt – durch böses kapitalistisches Verhalten der privaten Zwischenhändler verursacht sondern durch eine Ausweitung der Geldmenge infolge von allenmöglichen Geschenken in Zeiten von Wahlen.
- das fehlende Angebot an verschiedenen Grundnahrungsmitteln wie Milch liegt nicht an politischen Absichten von “imperialistischen ” Zwischenhändlern (oder deren innländischen Lakaien) sondern dass die festgesetzten Preise dieser Produkte für Produzenten einfach zu niedrig sind.
- Schwarzmärkte können nicht durch härteres Vorgehen bekämpft werden, sondern durch ein weniger gestörtes System der relativen Preise.
- die völlig unterbewerteten aber administrierten Devisen werden von den Zuteilungs-Begünstigten für günstige Importe von Luxusgütern genutzt.
Dieterich war als Berater vorher für die Wirtschaftspolitik mitverantwortlich. Er bestätigt nun wie gesagt praktisch alles, das die Opposition seit Jahren anführt.
Von vielen Politikern der LINKEN sowie vom Neuen Deutschland wurde Venezuela immer als leuchtendes alternatives Beispiel zum Neonliberalismus dargestellt. Auch dank deutlich verbesserter Terms of Trade schien das bei oberflächlicher Betrachtung irgendwie zu funktionieren. Nach ein paar Jahren zeigen sich aber die Folgen dieser sogenannten “Alternative”. Es ist nicht das erste mal, dass eine populistische Wirtschaftspolitik zu exakt diesem Ablauf in einer lateinamerikanischen Volkswirtschaft führt.
Ich mag viele Sachen im A’team Blog nicht. Aber eine nüchterne Betrachtung der Ereignisse in Venezuela zeigen deutlich die Ergebnisse von wirtschaftspolitischen “Alternativen”, die auch von Parteien vertreten werden, die selbst im Westen Deutschlands für zwischen 5 und 8% der Wähler als offenbar attraktiv erscheinen.
Danke Lemmy! btw:
Geht mir ebenso! ;-)
ich gehöre ja bekanntermaßen zu den Bloggern die auch Chavez ab und an verteidigen allerdings weniger weil ich ihn so total dolle finde sondern weil:
1) Die Angriffe gegen Chavez sowohl in den MSM wie auch Teilen der Blogsphere unter aller sau sind wenn ich nur an die sich stereotyp wiederholenden Hitler Vergleiche denke
2) Es sich bei seinen Gegner, sprich das was sich in Venezuela als Opposition bezeichnet, in weiten Teilen immer noch um die gleiche Bagage handelt die 2002 putschte und vor 19 Jahren und 2 Tagen mehrere 100 bis mehrere 1.000 Menschen in Caracas zusammenschießen ließ weil diese mit dem zugestellten IMF und WB Paket nicht einverstanden waren und zu diesem Haufen gehört auch das von Lemmy angesprochene weblog cc
In deiner Analyse, was die Probleme und die Nichtlösung eben dieser Probleme betrifft, geb ich Dir allerdings Recht, nur sehe ich nicht wie dieses unter einem Oppositionsregime, das sich weiterhin dem Punto Fijo Pakt verpflichtet fühlt anders aussehen könnte, bzw. wie es mit großer Wahrscheinlichkeit aussehen wird kann man vielleicht bei einem Blick auf die Entwicklung Venezuelas über die letzten 30 bis 40 Jahre erkennen.
Insofern bin ich ganz persönlich in der Summe ziemlich ratlos wohl wissend, dass Chavez wohl kaum die geeigneten Maßnahmen, auch wegen der sich etablierenden Strukturen in seiner Nicht-Partei, ergreifen wird und auf der anderen Seite eine Übernahme der politischen Verantwortung durch die derzeitige Opposition lediglich zur Restauration der Verhältnisse vor 1999 führen wird. Da hast Du dann genau die sozialen und gesellschaftlichen Verhältnisse die diese Politik für weite Teile der Bevölkerung attraktiv machen.
Eine nüchterne Betrachtung der Ereignisse in allen anderen Ländern (außer Venezuela) zeigen deutlich die Ergebnisse einer so genannten Liberalen Wirtschaftspolitik und diese ist eben nur für einen teil der Gesellschaften, dem Anteil Erste Welt in der Dritten Welt, wirklich prickelnd.
Schau ich mir die Bilder vom Besuch Chavez in Guatemala an, mit den vielen Lobpreisungen auf Chavez genauso wie den unzählig vorhandenen Castro Portraits, sollte ich schon fragen Warum ist das so? Welche Politik, welche Erfahrungen führen Menschen dazu, in Chavez oder Castro die Heilsbringer zu sehen? Das sind nun mal die Erfahrungen mit einer Menschen verachtenden (Neo)Liberalisierung der Gesellschaften in Lateinamerika gleichgültig ob in Folge militärischer oder ökonomischer Intervention. Da sind dann auch die Unterschiede zwischen Bürgerlichen und Pseudo- Linken Regierungen wie in Brasilien und Argentinien nicht wirklich von Bedeutung.
Balou,
ich hab weitgehend die Aussagen des ehemaligen Chávez Berater Dieterich wiedergegeben. Seit neuesten deckt sich das mit meiner Ferndiagnose über dieses entfernte Land in den Meeren des Südens.
[quote]
zu diesem Haufen gehört auch das von Lemmy angesprochene weblog cc
[/quote]
Gibt es Hinweise, dass die diese Aktivitäten gutgeheissen haben? Oder meinst du das, weil sie Parteien angehören, deren Repräsentanten das damals verantworteten?.
Nicht dass man mich da groß beachtet, aber iIch hab auf CC laut aufgejault, als Katy meinte, dass Ämterpatronage irgendwie zur lokalen Folklore gehört, weil Venezoelaner schliesslich keine “Schweden” sind (oder sie hat Schweizer gesagt, aber das würd ich auf A’team niemals z ugeben).
Meine Wut über Chávez und seine europäischen Armschwenker speist sich vor allem daraus, dass dieses Ding mit administrierten Preisen/Wechselkursen sowie öffentlicherer Prangerung der USA und ausländischer Unternehmen wirklich nix neues für progresista Regierungen in Lateinamerika ist. Und immer zu dem gleichen Ergebnis führt. Wenn Schlangestehen zur Gewohnheit wird, ist das Ende nah. Ich bete zur Jungfrau Maria der katholischen Kirche von der ich ausgetreten bin, dass man bitte, bitte, bitte das nächste Mal weniger rumprangert und mehr Zeit dem Studium der Ursachen des Scheiterns ähnlicher Regierungen vorher widmet. Und das weniger differenziertere aficionados als du Balou dies hierzulande bitte mal zur Kenntnis nehmen. Wenn man sich schon vollmundig zu wirtschaftlichen Themen anderer Länder zu Wort meldet, könnte man wenigstens mal Economics for Dummies lesen (falls es das gibt). Again: Mein damit nicht dich, Balou.
Natürlich hab ich bei allen Transformationen gehörige Zweifel. Mir hat mal eine russische Doktorin der Mathematik und Programmiererin aus der russischen Provinz ihre story des glorreichen Untergang des Kommunismus in Rußland erzählt. Ziemlich harter Stoff, wenn man in einer Froschperspektive in so einem Transitionsland lebt. Falls es in Kuba eine Transition gibt, hoffe ich, dass die Blogger weitererzählen.
Dass es zu einer Restauration der ebenfalls beklagenswerten Zustände vor 1999 kommt ist nicht ausgeschlossen, aber nicht zwangsläufig. Die Pinochetistas haben Ende der 80er nach dem NO ja damit Stimmung gemacht, dass dies in ein wirtschaftliches Chaos führt. Und es hat sich eben nicht bewarheitet.
In Lateinamerika gibt es eine Mittelschicht. Selbstverständlich ist die in Chile – das ich aus eigener Erfahrung kenne – traditionell in vielerlei Hinsicht einfach umfangreicher als in Venezuela. So ernüchternd fand ich die Ergebnisse liberaler Politik dort übrigens nicht. Und auch Argentinien hat sich aus der Krise von 2001 mehr als rausgekrabbelt mit positiven Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit und den Gini-Koeffizienten.
Natürlich gibts in Argentinien und Chile Armut, aber man kann sie nicht mit Guatemala oder Nicaragua in einen Top schmeissen. Da gibts gewaltige Unterschiede und Zwischenstufen mit ebenfalls gewaltigen Unterschieden.
Zumindest finden in Venezuela noch Wahlen statt, in denen die Opposition gewinnen kann.
Zumindest eint uns das Mißtrauen auf die Kirchner-Regierung, jedoch aus verschiedenen Blickwinkeln ;-)
Es entsteht eine interessante Subgeschichte von DIE LINKE nahen Beratern in der Karibik.
The LINKEN of the Carribbean.
Wie oben aus einem der Links von Joachim ersichtlich, ist Hans Modrow zum neuen Berater von Raúl Castro ernannt worden.
Nun hat Hans Modrow letztes Jahr gemeinsam mit dem Chávez Berater, deutschen Alt 68ers und langjährigen Professor einer mexikanischen Universität Heinz Dieterich ein Buch über den Sozialismus des 21. Jhdts. herausgegeben (http://tinyurl.com/yp3dk9).
Dieterich hat sich. wie oben bereits geschrieben, von Chávez getrennt. Er hat das mit Stalinismus-Vorwurf und einer falschen Wirtschaftspolitik begründet. Dabei war er selbst jahrelang Wirtschaftsberater für diese Regierung.
Ich vermute, dass Heinz “Captain Jack” Dieterich gerade rumbo a Große Antillen segelt und wir ihn bald in Havana werden auftauchen sehen. Als Wirtschaftsberater.
Das Neue Deutschland hat eine Reihe sehr positiver Artikel zu Venezuela herausgegeben und gerne die Beratertätigkeit Dieterichs erwähnt.
Als sich nun Dieterich lautstark und umfangreich begründet von Chávez trennte, war das dem ND keine Meldung wert. Zumindest finde ich nichts in der Web-Suche. So ein Umgang mit Widersprüchen bin ich aus West-Medien nicht gewöhnt.
Ein watchblog der stärksten überregionalen Zeitung Ostdeutschlands wäre vielleicht langsam angebracht.
Und genau so überflüssig wie das andere bekannte.
Das bekannte kenne ich nicht so. Aber ND ist wirklich richtig ausgerichtet und die wichtigste überregionale Zeitung Ostdeutschlands, also meinungsbildend in dem Land der wundersamen Wahlergebnisse.
Wenn für einen natürlich der Stalinismus mit dem Protest über Steuerhinterziehung beginnt, würd ich das auch so sehen.
“Wenn für einen natürlich der Stalinismus mit dem Protest über Steuerhinterziehung beginnt, würd ich das auch so sehen.”
Ist das nicht ungeheuer lästig, ständig diese Strohmänner mit sich rumzuschleppen?
Watchblogs sind nur Schulterklopfereien. Das Bildblog liest, wer die entsprechende Zeitung sowieso ätzend findet, und ob es nun sinnvoll ist, wenn diejenigen, die vom ND, das ja nicht gerade ohne Vorgeschichte ist, nichts halten, auch ihr eigenes Blog bekommen, wage ich zu bezweifeln.
Ich hab für sowas ja auch keine Zeit und das Bildblog interessiert mich sowenig wie dich. Nur nachdem ich mir jetzt ein paarmal ND angeschaut habe, wirkt das wie DDR-Restauration. Und das find ich nicht gut.
Es ist doch nicht sonderlich überraschend, wenn in einem Restaurant namens “Da Bruno” italienisches Essen serviert wird.
“Warum ist das so? Welche Politik, welche Erfahrungen führen Menschen dazu, in Chavez oder Castro die Heilsbringer zu sehen? Das sind nun mal die Erfahrungen mit einer Menschen verachtenden (Neo)Liberalisierung der Gesellschaften in Lateinamerika gleichgültig ob in Folge militärischer oder ökonomischer Intervention.”
Links zu sein bedeutet erst einmal für Umverteilung zu sein. Wenn die Steuergesetzgebung nicht mehr dazu dient den Staat zu finanzieren, sondern das Geld von den Menschen mit höherem Einkommen zu den Erwerbslosen oder Wenigverdienenden umzuverteilen, dann ist ein wichtiges linkes Ziel erreicht.
Früher wollten die Linken (Marx&Engels sei dank für den gebotenen ideologischen Überbau) primär eine komplette Änderung des Systems, diese Zeiten sind zum Glück vorbei, jetzt geht es darum umzuverteilen (des sog. “sozialen Friedens” wegen).
Diese Erklärung greift sehr gut für Lateinamerika. Auch das Castro-Cuba wird verstärkt auf Marktwirtschaft und Umverteilung setzen.
Solche Kennzeichnungen wie “(Neo)-Liberalisierung” sind nicht hilfreich um zu verstehen um was es geht.
Nö. Überraschend nicht.
Ist aber vielleicht interessant wie das aussieht. Bezüglich Italienischem Essen hab ich ja Vorstellungen, nicht aber bei DDR Restauration.
Testing, one, two, testing, …
;)
Da hast Du wohl recht, man könnte natürlich, gleich den Liberalen, alle in einen Sack stecken. Könnte man, macht man nicht – warum? Weil man sich seltsamerweise immer noch weigert Liberal generell als Schimpfwort zu benutzen, dem einen oder anderen sensiblen, gemäßigten Liberalen so ab und an ausschließen möchte und man insgesamt mindesten, wenn nicht noch mehr, weitere Attribute bräuchte um das Spektrum der Liberalen vom “Staatsfrommen Beschwichtigungsliberalismus” über ordo-liberal zu Gemäßigt humanem Liberalismus über liberal extremistisch/terroristisch und libertär-faschistich zu Privat-stalinistisch/Maoistisch (z.B. in Form des mumifizierten Living Marxism eines Mike Hume, der ja hier im NOVO Publikum auch bekannt ist) zu beschreiben*. Die anderen machen es sich da einfacher, da sind es die Linken:
Das übernehmen heute die XYZ Liberalen wenn sie zum Beispiel den Staat durch eine Versicherung ersetzen möchten.
*die fehlenden 1.738 Erscheingsformen schenk ich mir.
Würd ich nicht so generell sagen. Einen Eifrei-Watchblog bräuchte es bspw. schon!
Würde da wohl genau so laufen.
Eine gute Zusammenfassung über die wirtschatliche Situation Venezuelas und die Tatsache, dass dieser ganze Chavez-Zauber eine billige Wiederholung von Dingen war, die schon gestern öfters mal in die Hose gegangen sind:
http://tinyurl.com/23qjps
(dort ist ein freier foreign affairs Artikel verlinkt.
“Das übernehmen heute die XYZ Liberalen wenn sie zum Beispiel den Staat durch eine Versicherung ersetzen möchten.”
Ja, den Wunsch den Staat auf das absolut erforderliche Mass zurückzufahren kann ich auch nicht nachvollziehen.
Mir ging es darum die Verwendung des Begriffs (Neo-)Liberalismus an dieser Stelle als verfehlt zu kritisieren.
(Zudem sehe ich eher ein Zurückfahren der bewährten Kombination aus Marktwirtschaft und demokratischem System in Lateinamerika zugunsten linken Fantatrinkertums (wobei die Fantatrinker sich dann aber doch wieder nicht nur “Revolution” durchringen können, weil sogar sie mittlerweile ahnen oder wissen: Funzt net. ;).)
Bliebe nur noch zu klären wann und in welchem Land diese “bewährte Kombination” mit welchem Ergebnis – wirtschaftlich, gesellschaftlich und sozial – wirkte bzw. ganz aktuell ihre wohltuenden Kräfte entfaltet.
@balou:
Alle Länder mit hohem BIP/Person fahren “Marktwirtschaft+Demokratie”.
Da liegt wohl eine Korrelation vor, die signifikant ist. ;)
Aber, ich merke schon, auch Fantatrinker.
Hätte ich hier eher nicht erwartet.
Cheers!
Hier ein letztes Mal das neueste aus den bolivarischen Tropen, die viel über die Konstitution von Gesellschaft und Rechtsstaat nach 9 Jahren “Sozialismus des 21. Jahrhunderts” aussagt:
Vorgestern ist eine kleine Bombe vor der venezoelanischen Handelskammer hochgegangen.
Der Attentäter ist dabei selbst gestorben.
Sein fotografierter Personalausweis ist veröffentlicht worden.
Die Opposition spricht von einem Chavista.
Warum wissen die das?
Nun im VZ-Internet kursieren GUIs mit von Opposition und Chavistas kontrollierten Webservice-Datenbank Backend, in die man die Personummer eingeben kann und dann das Wahlverhalten der Person (!) in verschiedenen Abstimmungen der letzten Jahre erhält. Diese ergeben ein klares chavista-Voting. Der nicht anonysierte Datenbestand zu den Wahlentscheidungen ist von beiden Seiten irgendwann gekapert worden. Hier ist ein Link wie eine solche GUI aussieht (http://tinyurl.com/24o8q7). Vielleicht meint die Abgeordnete Wagenknecht diese “Transparenz-Features” als sie vor dem Europaparlament die “tatsächlich demokratische Medienkultur” des chavistischen Venezuela hochleben ließ (http://tinyurl.com/ys249r)? One never knows.
Vorher haben chavistas bereits in dieser Handelskammer herumvandaliert, ohne dass die Polizei eingeschritten wäre.
Legitimiert wird das Vorgehen damit, dass die Unternehmer Waren zurückhalten.
Vergessen hab ich bislang noch die sehr umfangreichen Verbindungen zwischen der kolumbianischen Drogen- und Marathon-Entführungs Organisation FARC auf der einen und Teilen der chavista-Administration auf der anderen Seite, die vor allem ein El País (Spanien) Reporter aufdeckte. (http://tinyurl.com/2ca2ol)
“Der nicht anonysierte Datenbestand zu den Wahlentscheidungen ist von beiden Seiten irgendwann gekapert worden.”
LOL, allerdings würde eine anonymisierte Datenbasis keinen Sinn ergeben. Dumm natürlich, wenn die Wahlentscheidungen über mehrere Wahlen gespeichert werden und wenn die (vermutlich einstmals verschlüsselten Daten) dann entschlüsselt im Web bereitgestellt werden.
Überhaupt scheint mir Lateinamerika nur begrenzt demokratiefähig.
@Sky: CAREFULL!!! BITTE KEINE KLISCHEES. Ich beziehe meine Informationen fast 100% von venezoelanischen Bloggern. Die sind deutlich sehr “demokratiefähig”, ok?
Lateinamerika ist auch nicht Venezuela. Und Lateinamerika ist sehr unterschiedlich.
Beispielsweise Chile, das sogar in Transparency International (Korruption) Vergleichen sehr, sehr knapp hinter Deutschland und den USA landet. Die haben die Diktatur gut aufgearbeitet und das politische Klima ist auch nicht viel anders als hierzulande. Ok. Die Kommunisten erhalten dort natürlich weniger Stimmen und der Diskurs um Wandel und Globalisierung ist dort einfach rationaler. Vor allem haben die nicht so eine lachhafte Staatsverschuldung von 67% BIP sondern sind auf 0%.
Auch die Gesellschaften anderer Länder der Region sind in den letzten Jahren demokratischer geworden. Auch mit linken Regierungen gibts dort oft gleichzeitig Senkung der Staatsverschuldung und Wachstum. Und das ist schon ziemlich bemerkenswert.
Was mich aufregt sind vor allem die Chávez Armwinker hierzulande.
Nur eine Randnotiz lieber Lemmy,
Du argumentierst leider extrem unseriös, wenn Du schon 67% bzw. 0% Staatsverschuldung anführst, solltest Du auch Ross und Reiter nennen, für beide hier, direkt oder indirekt, genannten Länder trifft weder das eine noch das andere zu.
Die Chavez Armwinker sind eine Sache, die Armwinker mit den verbundenen Augen (The eyes wide shut – wie es mal einer trefflich formulierte) sind eine andere Sache.
Lieber Balou,
du kennst dich mit unseren 4-beinigen Freunden natürlich besser aus. Was meinst du mit Roß- und Reiter?
Nach dieser Statistik
http://tinyurl.com/27vozo
Deutschland: Platz 20 mit 65.30% Staatsschulden/BIP
Chile: Platz 123 mit 3.60% Staatsschulden/BIP
Und ich meine mich zu erinnern, dass dort der Kupferausgleichsfond nicht einmal eingerechnet ist. Und der ist mächtig im Plus.
Gruß Lemmy
Das tut mir jetzt aber leid, dachte Du wolltest mal wieder auf dem armen Hugo rumhacken – Deine “Informationsquellen” in Bezug auf V. haben mich etwas irritiert. Der Link zum CIA ist überflüssig, damit sollte jeder vertraut sein, zumindest bei so popeligen Angelegenheiten.
Was die einseitige Wirtschaftsstruktur Chiles betrifft gibt es nen guten Artikel (Vergleich auch mit Venezuela), muss ich aber erst suchen, wenn ich mal wieder Lust hab mich mit dem Thema zu beschäftigen.
Nachtrag: das “unseriös” nehm ich zurück, muss mich einfach daran gewöhnen, dass permanent die Ebenen gewechselt werden.
Ebenenwechsel? Kein Problem.
wenn die Vorgänger in diesem Projekt so fair und redlich gewesen wären wie du, könnte ich in d.i.e.s.e.n. Wochen auch mal vor 10 nach Hause fahren. Cool ist diese Verbindung von wireless und Breindbandfernseher in Pausenräumen. Go 60zger Go.
Jetzt war noch eine Besetzung des Sitz des Erzbischofs von Caracas unter der Führung der “Abgeordneten” Linda Ron. Die Frau ist bekannte Kokain-Konsumenten und so benahm sie sich auch in einem Interview, dass sie während der Besetzung gab. Dabei drohte sie dem oppositionellen Fernsehkanal mit dem deponieren einer Bombe und bezeichnet den umgekommenen Handelskammer (FEDAMARCA) Attentäter (s.o) als Märtyrer. Das Interview ist ultra-krass, aber natürlich in spanisch. Hier ist die beste Beschreibung inklusive Youtube Link (http://tinyurl.com/2udqlb).
Chávez verurteilte diese Aktion als zu radikal. Von einer ordentlichen Untersuchung gegen Linda Ron ist aber keine Rede. Die Opposition vermutet verschiedene Fraktionen innerhalb des Chavismo. SA-artige Aktivitäten wie die Rons stören einfach das geordnete Ausplündern der Ressourcen, die noch da sind.
Das Neue Deutschland hat in den letzten Jahren einiges über den ex-Chávez Berater Heinz Dieterich gebracht. Er ist ein geachteter Theoretiker des “Sozialismus des 21. Jhdt.”. ND hat einiges über Chávez gebracht und dabei die Beratertätigkeit von Hans Dieterich angesprochen. ND hat bislang NICHT über den Bruch Chavez/Dieterich erwähnt und das ist wieder typisch für das “Informationsmanagement” des Sozialismus as we know it. Zumindest wird Chávez dort als “umstrittenen” Führer der Revolution bezeichnet. Die Leser müssen halt vorbereitet werden.