antibuerokratieteam.net

Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Warum nicht gleich die Swastika am Bande?

jo@chim, 09.03.2008

Weil wir schon bei Orden und so Zeugs sind: der Chef des Verbands der Reservisten der Bundeswehr Ernst-Reinhard Beck nichts Neues.

Das Teutonenkreuz hatten doch schon die Deutschritter vor 700 Jahren, wird gegenüber Kritikern argumentiert, den Orden habe es schon seit den Napoleonischen Befreiungskriegen gegeben, usw. usf. – mit der selben Berechtigung könnte man ähnliches für die Swastika feststellen. Sie ist als Sonnenrad schon seit mehr als 6.000 Jahren belegt und wurde lange bevor sie die NSDAP zu ihrem Parteisymbol machte z.B. von der Lebensreform- und Jugendbewegung im 19. Jhd. gebraucht. Trotzdem käme niemand (ausser einigen Nazi-Trotteln vielleicht) heute im europäischen Kontext auf die Idee, sie zu benutzen – zu sehr ist das Hakenkreuz mit der Shoah und dem weltweiten Raubzug der Faschisten verbunden.

Das Eiserne Kreuz, 2,3 Mio. mal an tapfere Teilnehmer eben jenes Raubzuges verliehen (zu dieser Zeit mit einem Hakenkreuz in der Mitte übrigens), war der Kriegs-Orden der Wehrmacht – einer Aggressionsarmee, die den Vernichtungskrieg der Nazis als deren Instrument mitbetrieb. Nur um dies hier festzuhalten.

Wer also einen derartig belasteten Orden gestiftet haben will, soll bitteschön gleich das alte Layout übernehmen: dann wird wenigstens deutlich, auf welche Tradition er sich damit tatsächlich bezieht.



79 Kommentare zu “Warum nicht gleich die Swastika am Bande?”

  1. Sky

    Also, das Eiserne Kreuz wurde 1813 gestiftet, die Wehrmacht gibts seit 1935 (vorher gabs die Reichswehr).
    Gerade bei Fragen die Zeit des 3.Reichs betreffend ist Präzision m.E. sehr wichtig, zu viele deutschen Werte sind schon von der Linken diskreditiert worden.
    (Womit ich mich jetzt nicht für die Wiedereinführung des Eisernen ausgesprochen habe, eine Tapferkeitsmedaille wäre auch OK (Dann hätte die Linken auch wieder was zum Wegwerfen, Einschmelzen oder so, wenn Bedarf besteht).)

  2. Sky

    Nachtrag:
    Hier kann man auch nachlesen, dass innerhalb der Waffen-SS das Eiserne Kreuz verteilt wurde:
    http://www.welt.de/politik/article1766248/Das_Eiserne_Kreuz.html
    und dass es auch einige Nazi-Größen trugen.

    Die Wehrmacht war übrigens die Armee des 3.Reichs, wurde 1935 aufgestellt und funktionierte 10 Jahre lang, sie war eine Aggressionsarmee, die wie geschildert im Osten eingesetzt worden ist, die Armeeangehörigen aber kamen aus dem Volk, Reemtsma und sein von ihm abhängiges Institut übertreiben, wenn sie diese Armee als gänzlich verbrecherisch darstellen wollen (keine Ahnung warum die das wollen, scheint aber ein Herzensanliegen Reemtsmas zu sein, hier darf aber spekuliert werden ;).

    Also, aus meiner Sicht wäre der Orden Kandidat, aber wegen des Kreuzes natürlich auch problematisch. Die von 1939 bis 1945 verwendete Version würde ich aber ausschliessen wollen. :)

  3. Lektüren: 10. März 2008 « Freunde der offenen Gesellschaft

    [...] Warum nicht gleich die Swastika am Bande? – [...]

  4. Diskus

    Was verstehen Sie unter “altem Layout”? Mit Hakenkreuz oder ohne?

  5. MartinM

    In der Annahme, dass es Ihnen nicht nur um reine Provokation geht: aus welchen Motiven Jan Philipp Reemtsma oder das von seiner Stiftung unterstützte Hamburger Institut für Sozialforschung ihre Untersuchungen betrieben, ist zweitrangig, ebenso die Frage, wie die Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Was zählt, sind die Forschungsergebnisse selbst, die sich in guter Übereinstimmung mit den zeitgeschichtlichen Forschungen anderer Historiker befinden.
    Dass die Wehrmacht einen brutalen Angriffskrieg führte und sozusagen den SS-Einsatzkommandos und den Vernichtungslager den Weg frei schoss, war übrigens schon unmittelbar nach dem Krieg allgemein bekannt – auch in Deutschland. Aus psychologisch nochvollziehbaren Gründen wurde diese Tatsache aber von vielen Kriegsteilnehmern verdrängt – außerdem überdeckte selbst erfahrenes Leid (Bombenkrieg, Vertreibungen) das Leid, das man zuvor selbst anderen zugefügt hatte.
    Leider wurde diese Verdrängung, die ich gut nachvollziehen kann, schnell instrumentalisiert: zunächst von rechtsgerichteten Kreisen, später, im Zuge der Wiederbewaffnung, aber auch von Regierungsseite. Die Legende von der “sauberen Wehrmacht” entstand und setzte sich in vielen Köpfen fest. (Den Ruf der Waffen-SS konnte sie allerdings trotz einiger Ansätze (Adenauer: “Soldaten wie andere auch”) nicht schönfärben.)
    Dass die Zeitgeschichte zu einem erheblich düstereren Bild kam, interessierte die meisten Bundesbürger nicht.
    Erst als die “Wehrmachts-Ausstellung” sozusagen den didaktischen Holzhammer auspackte, wurde das Thema für die breite Öffentlichkeit interessant – auch wegen des heftigen Widerstandes gegen die Ausstellung.

    Das EK wurde ausserdem in den letzten Kriegjahren geradezu inflationär verliehen – emailliertes Blech als billiger Trost für Todesgefahr, Dreck, Hunger, Verzweiflung. Selbst mein Großvater väterlicherseits, der sich nach eigene, glaubwürdigen Angaben nur zum Essenholen freiwillig gemeldet hatte und ansonsten mit allerlei Tricks möglichst da war, wo die Überlebenschanchen am größten waren, hat das “Blechdings” (EK II) angesteckt bekommen.

    Mein anderer Opa, der immerhin Freiwilliger (was hieß damals schon “freiwillig”!) bei der Marine war, hatte nach dem Krieg eine ganze Schachtel voller “Blechdinger” – obwohl: tapferer Mustersoldat war er, wie ich ihn einschätze, bestimmt auch nicht.

    Das Eiserne Kreuz ist also in doppelter Hinsicht entwertet: dadruch, dass es die Tapferkeitsauszeichnung einer Armee, die einen Vernichtskrieg führte, war – und dadruch, dass es massenhaft als billiger Trost und Durchhaltestimulanz verteilt worden war.

  6. R.A.

    Das eiserne Kreuz ist seit Gründung der Bundeswehr das offizielle Symbol – auf jedem Panzer und jedem Kriegsschiff zu sehen.

    Ich sehe wirklich nicht, wieso also plötzlich bei Verteilung als Orden die “historische Belastung” ein Problem sein soll.

    Argumente pro oder contra solche Orden kann man ja gerne austauschen – aber das Symbol kann dabei keine Rolle spielen.

  7. jo@chim

    Siehe letzter Absatz von MartinM’s sehr treffenden Kommentar… wenn als Orden “das eiserne Kreuz” gefordert wird, dann steckt da eben doch der Bezug auf den Kriegsorden der Wehrmacht dahinter.

    Warum wird ausgerechnet das EK als Orden gefordert? Warum nicht eine Tapferkeitsauszeichnung mit anderer Bezeichnung? (Wenn es denn schon für nötig erachtet wird).

  8. jo@chim

    Das dürfte sich doch aus dem Textzusammenhang meiner sarkastischen Anmerkung ergeben, oder?

  9. Hysterie im Umgang mit dem Eisernen Kreuz « Hotel Villa de Art

    [...] wirft denjenigen, die das Eiserne Kreuz als Tapferkeitsorden fordern, historische Unsensibilität vor und schlägt vor, wenigstens das “alte” Aussehen (mit Hakenkreuz) zu verwenden, damit jeder gleich [...]

  10. Diskus

    Ich wollte nur sichergehen, daß ich mich nicht vertue. Ich werde Ihnen nämlich jetzt vorwerfen, daß Sie hysterisch agieren

  11. W.U.R.S.T

    außerdem überdeckte selbst erfahrenes Leid (Bombenkrieg, Vertreibungen) das Leid, das man zuvor selbst anderen zugefügt hatte.

    was bist du eigentlich für’ne wurst? “leid, dass man zuvor selbst anderen zugefügt hatte”? bist du bescheuert? wie menschenverachtend und kollektivistisch ist dass denn? die tausendenen kinder, frauen und alten menschen, die in dresden, hamburg, überall in deutschen städten mit brandbomben malträtiert wurden, sind also selbst schuld? wem haben die denn bitteschön etwas angetan?

  12. Sky

    Selbstverständlich ist das Eiserne Kreuz abgewertet, exakt durch dessen massenhafte Verleihung zur Nazizeit. Das Thema Reemtsma lasse ich – ich unterstelle Ihr Einverständnis – gerne unbehandelt, jeder möge sich selbst ein Bild machen zur Person und zur Wehrmachtsausstellung. Eine dbzgl. Ausarbeitung würde zu weit führen.

    Dennoch hat sich der Ausgangsbeitrag meine Nachrichten verdient. Die nahegelegte Gleichsetzung von Hakenkreuz (das ja nun wirklich nur während der Nazizeit verwendet worden ist) und Eisernem Kreuz ist aber völlig daneben.

    Das Nazometer wird dringend wieder benötigt.

  13. Hardy

    Sorry , es mag zwar offensichtlich in den Augen vieler so sein, dass das EK in der Form mit dem Hakenkreuz in der Mitte in doppelter Hinsicht entwertet ist, jedoch nicht in der alten Form von vor 1933.
    Davor jedoch wurde es wirklich nur als Tapferkeitsmedaille vergeben. Selbiges sollte in der Diskussion nicht so einfach vergessen oder kurz als Null und Nichtig abgetan werden. Sonst wäre es nämlich eine Entehrung der Menschen, welche sie zurecht erhalten haben. Und selbige können sich, da verstorben, noch nicht mal dagegen wehren.

  14. multikultur

    Kann mich R.A. nur anschliessen. Wenn jetzt plötzlich so laut und betroffen aufgeheult wird, wieso dann nicht in all den Jahrzehnten Bundeswehr, die ebendieses Kreuz als Hoheitszeichen trägt und damit sogar im Ausland auftritt? Das EK wird – wie andere traditionelle Symbole (nein, das Hakenkreuz zähle ich NICHT dazu, aber dessen Wiedereinführung stand zum Glück nie zur Debatte) völlig zu Unrecht als “historisch belastet” dargestellt. Dies kann nur auf dem Mist pseudo-pazifistischer Träumer wachsen, die sich weigern anzuerkennen, dass Krieg nunmal “nicht nett” ist (Barbara Bush), selbst wenn er noch so friedensstiftendem Engagement entspringt. Klar, man kann sich jeder militärischen Betätigung verweigern und diametrale Standpunkte zu Bundeswehr oder “dem Krieg” an sich einnehmen, dies sei jedem unbenommen. Akzeptiert man aber die Notwendigkeit bewaffneter Streitkräfte, auch und gerade vor dem Hintergrund des “modernen, asymmetrischen Krieges”, dann verbietet es sich, die identitätsstiftenden Symbole solcher Streitkräfte anzuzweifeln. Denn – darin wird mir jeder zustimmen, der sich auch nur ansatzweise mit Militärgeschichte beschäftigt hat – das Militär braucht nunmal solche Symbole, genauso wie es Uniformen, Drill und evtl. manchmal etwas bescheuerte Lieder etc. braucht. Vor Jahrhunderten hat die westliche Zivilisation den Versuch gemacht, den Krieg zu “zivilisieren”, indem sie strikt zwischen Militär und Zivilisten unterschieden hat (was passiert, wenn man dies unterlässt sehen wir heute im Nahen Osten, im Irak und in Afghanistan – den Tod zahlloser “Zivilisten”, nur weil die “Nichtzivilisten” nicht als siolche erkennbar sind). Das Eiserne Kreuz ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Feldzeichen und Feldherrenhügel, wir finden solche Symbole in jeder Armee der Welt. Sie tun niemandem etwas und lassen sich beim besten Willen nicht zu einer Gefahr hochstilisieren. Falls doch – umso besser, dann hat der jeweilige Gegner die Hosen bereits voll, bevor überhaupt ein Schuss gefallen ist. Könnte Krieg humaner sein? Das EK kostet nichts, bringt keine Menschen um und sendet dennoch ein deutliches Signal – her damit, billiger konnten wir noch nie aufrüsten… ;)

  15. jo@chim

    Als wenn ein Stück Blech jemand tatsächlich “entehren” (oder ehren) könnte… sorry, mir fehlt das Verständnis dafür.

  16. DDH

    Jo, aber es hätte ‘ne gewisse zwingende Logik. Meiner Faschisierungsthese würd’s grad mächtig reinlaufen. Wir befinden uns ja eh in einer Phase, in der wir wieder die Gespenster der Vergangenheit wachrufen. Wer ja sagt zu Heldentod muß auch ja sagen zu Heldenehrung und Heldengedenken. Wenn das im old-fashion-style abläuft, wär’s nur ehrlich und konsequent.

  17. jo@chim

    Ich denke Sie haben weder richtig verstanden, was ich mit Sarkasmus gemeint habe, noch ist Ihnen offensichtlich die tatsächliche Bedeutung des Wortes hysterisch geläufig. Von daher tangiert mich Ihr Vorwurf eher peripher, lieber Diskus ;-)

  18. DDH

    @R.A.: Danke für die unfreiwillige Bestätigung meiner Kontinuitätskritik!

  19. DDH

    @Multikultur:

    “Klar, man kann sich jeder militärischen Betätigung verweigern und diametrale Standpunkte zu Bundeswehr oder “dem Krieg” an sich einnehmen, dies sei jedem unbenommen. Akzeptiert man aber die Notwendigkeit bewaffneter Streitkräfte, auch und gerade vor dem Hintergrund des “modernen, asymmetrischen Krieges”, dann verbietet es sich, die identitätsstiftenden Symbole solcher Streitkräfte anzuzweifeln.”

    Ich muß Ihnen rechtgeben! Entweder – oder!

  20. jo@chim

    Das EK bildete eine Einheit mit dem Hakenkreuz und war zuletzt die wesentliche Auszeichnung einer Aggressionsarmee (Wehrmacht). Von daher lege ich nicht nahe, sondern zeige auf.

  21. Rayson

    Mal ne Frage an die Experten: Gibt es in der israelischen Armee eigentlich Tapferkeitsorden?

    Ich habe irgendwie generell eine Abneigung gegen solche Bleche, was sicher auch mit der Tradition zu tun hat, in der sie verliehen wurden.

    Ich glaube auch nicht, dass eine rational-historische Betrachtung der Sache gerecht wird. Orden sind nun einmal eine nicht-materielle, also ideelle Angelegenheit, und die unter dem Oberbefehl des GRÖFAZ kämpfende Armee hat eben tatsächlich nur ein paar Jahre gebraucht, um ein traditionelles “normales” militaristisches Symbol in den Kontext der Vernichtungsmaschinerie zu stellen.

    Die Alarmglocken sollten aber vor allem aus einem anderen Grund angehen: Vor zwanzig Jahren wären solche Ideen absurd erschienen, weil es als Aufgabe der deutschen Armee galt, durch Kampfbereitschaft zur Verhinderung des Krieges beizutragen. Sobald süß und ehrenvoll für das Vaterland gestorben worden wäre, hätte die Bundeswehr ihr primäres Ziel bereits verfehlt.

    Heute sollen wir uns anscheinend daran gewöhnen, dass deutsche Soldaten in Kriegen eingesetzt werden. Und um die daraus folgenden einfliegenden Särge irgendwie zu kompensieren, soll dann eben auch das leuchtende kriegerische Vorbild möglichst haushaltsneutral herausgestellt werden.

    Könnten wir vielleicht mal einen Augenblick innehalten, um darüber nachzudenken, was da scheinbar unumgänglich auf uns zukommt? Wer schenkt dem angeblichen Souverän endlich reinen Wein ein? Oder ist es wieder mal legitim, im Dienste der richtigen Sache zu lügen und zu verschleiern?

    Die Welt hat genug unter Deutschen gelitten, die den Krieg wollten. Die Logik daraus kann nicht sein, den Deutschen klammheimlich Kriege aufzudrücken, die sie nicht wollen.

  22. DDH

    Wer Kannibalismus bejaht, sollte sich nicht über schlechte Tischmanieren beklagen!

  23. DDH

    +++ off topic +++

    An dieser Stelle, und auch im Hinblick auf eine gerade wieder anrollende eliminatorische Vernichtungskampagne neokonservativer Kreise gegen mich, möchte ich übrigens einmal ausdrücklich bekennen, daß ich mich heute schäme für meine Beteiligung an der Gauweiler-Mechtersheimer&Cie-Kampagne gegen die “Wehrmachtausstellung” Ende der 90er Jahre! Aus heutiger Sicht einer der wenigen wirklich schlimmen Fehler meiner eigenen Vergangenheit!
    Als Libertärer sehe ich dieser Erfahrung als Warnung vor einer slipery slope: wenn Revisionismus in Apologetik münden kann.

    MfG
    DDH

  24. Diskus

    Dann klären Sie mich doch mal ein bißchen auf. Ich lasse mich gern belehren.
    Daß Sie nicht im psychiatrischen Sinne hysterisch sind, will ich Ihnen übrigens gern glauben. Im übertragenen Sinne hysterisch habe ich Ihre Argumentationsweise genannt, die mir übertrieben angstvoll gegenüber Rückkehr der Bundeswehr zu alten Symbolen erscheint. Derartiges Zaudern scheint mir völlig unangebracht.

  25. Diskus

    Ganz recht.

  26. jo@chim

    Wikipedia ‘s your friend.

  27. jo@chim

    “normales” militaristisches Symbol in den Kontext der Vernichtungsmaschinerie

    *DANKE* Rayson! That’s it. Mir graut, wenn Liberale/Libertäre sich für Ersteres aussprechen – und es kotzt mich an, wenn sie das Zweite aus historischer Naivität oder … was?… nicht sehen wollen.

  28. Diskus

    Danke fürs Gespräch.

  29. B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Orden und Ehrenzeichen

    [...] meinen eigenen Senf dazuzugeben, und den würde ich gerne zur Diskussion stellen. Bevorzugt drüben, aber wenn jemand meint, die eigene Meinung komme in einem anderen Kontext besser zur Geltung, dann [...]

  30. Diskus

    Mich würde mal interessieren, wie Sie andere militärische Traditionen sehen. Graut Ihnen auch, wenn die Bundeswehr den großen Zapfenstreich abhält, Totenehrung vornimmt oder ein Flugzeug mit der Beschriftung Luftwaffe ins Fernsehbild kommt? Wie steht’s da mit dem Grauen? Genauso intensiv?

  31. Rayson

    Graut Ihnen auch, wenn die Bundeswehr den großen Zapfenstreich abhält, Totenehrung vornimmt oder ein Flugzeug mit der Beschriftung Luftwaffe ins Fernsehbild kommt?

    Hoffentlich ja. So wie es jeden grauen sollte, der eine Waffe in die Hand nimmt, die viele Menschen töten kann. Militärische Gewalt ist eine ultima ratio und kein Vorbild.

  32. Bodo Wünsch

    Aus meiner (langen) Zeit als Soldat würde ich wagen zu behaupten:

    So’n Ding wie ein neues EK würde im Dienst gar nicht getragen werden – es wäre allzu peinlich.

    Wird wohl die Idee irgendeines General gewesen sein, der 1. Deutschland wieder ein Stück weit “Normalität” liefern wollte und 2. als Stifter/Ideenlieferant desselben in die Geschichte einzugehen trachtete. Er muss dabei zu lange an der Ahnentafel bestimmter “Vorbilder” gestanden haben………..

    Dem/der Mann/Frau da draußen interessiert so Zeug ‘n Sch***ß. Die Kohle, die Ausrüstung, die “Führung” muss stimmen.

    Genau die letzten beiden Punkte stimmen nicht. Zu welchem Behufe also das Blech?

  33. jo@chim

    Ah! Wolln’se also doch noch sprechen?

    Also gut: “grauen” tut es mir vor Symbolen des Militarismus (z.B. dem EK…).

    Warum diskutiert eigentlich niemand über eine “Graf von Stauffenberg Medaille” (ok, auch das wieder widersprüchlich) oder einen Georg Elser Tapferkeitsorden?

    Warum muss es das Naziblech sein? (Der Begriff ist nicht von mir, sondern von meinem Grossvater – er hatte auch zwei oder drei).

  34. W.U.R.S.T

    pssst, , ich verrate dir mal was: das scheiss hakenkreuz hat in der nazizeit so ziemlich mit allem was man sich nur vorstellen kann “eine einheit gebildet”. deshalb war der ns ja auch ne totalitäre ideologie. muss ich dir erst besserwisserisch die bedeutung des begriffs “totalitarismus” erklären oder weisst du, dass dies bedeutet, alles und jeden zu beanspruchen und zu instrumentalisieren (und damit denklogisch auch mit dem symbol für die ideologie zu “markieren”)?

  35. jo@chim

    Wie Du sagtest Bodo: Deutschland muss wieder “normal” werden. Unsere Opas waren keine Verbrecher. Der Weltkrieg hatte viele Väter. Wir sind wieder wer.
    Für diejenigen, die ihren Arsch in Afghanistan im “War on Terrorism” hinhalten, interessieren sich die Vergangenheitsbewältiger nicht im Ansatz. Menschenmaterial für die, wie gehabt.

  36. jo@chim

    Was willst du W.U.R.S.T eigentlich?

  37. Klaus

    “Gibt es in der israelischen Armee eigentlich Tapferkeitsorden?” – schon die scheinheilige Frage ist antisemitisch und tendenziös. Ist ja auch dank der WP leicht selbst zu beantworten.

  38. Fuchur

    Das kann ich nicht so recht glauben. Man braucht sich ja nur mal andere Armeen, z.B. die amerikanische anschauen: Dort haben die diversen Ribbons und Anstecknadeln und Orden und was weiß ich nicht alles einen durchaus hohen Stellenwert. Wieso sollte das bei unseren Soldaten anders sein? Die Schützenschnur wird ja z.B. auch gerne und “schamlos” getragen.

  39. Rayson

    @Klaus

    Antisemitisch? Warum?

    Danke übrigens für die Antwort, auch wenn es nicht die erhoffte ist.

  40. Rayson

    @Klaus

    Ach ja, wollte ich noch nachreichen: Entweder du belegst den Vorwurf, oder du hältst bis auf weiteres die Klappe wegen offensichtlicher Inkompetenz.

  41. Klaus

    Dazu braucht es keinen Beleg, dein Kommentar ist der Beleg. Zum Argument: Wer Joachims Feststellung, dass eine Wiedereinführung des EK in Deutschland angesichts der Naziverbrechen undenkbar ist mit der Frage nach israelischen Tapferkeitsorden kontert, macht doch eine klare Ansage. Oder gibt es für diese Verknüpfung eine alternative – gar harmlose – Erklärung?

  42. jo@chim

    Klaus, ich habe das keineswegs als “antisemitisch”, sondern als meine Aussage unterstützend bis verschärfend wahrgenommen. Ja natürlich (oder?) gibt es bei den IDF Orden, ebenso wie bei der Bundeswehr. Schliesslich sind beide Armeen Verteidigungsarmeen – die sich aber in einem rechtsstaatlichen Kontext immer der Frage stellen werden müssen, ob es nicht Alternativen zum militärischen Handeln gibt/geben könnte. Wie Rayson geschrieben hat:

    Militärische Gewalt ist eine ultima ratio und kein Vorbild.

  43. Rayson

    Klaus, wer solche abstrusen Verbindungen konstruiert, erst recht, wenn er mich kennt, ist m.E. eigentlich keiner Entgegnung wert. Aber danke für diese Bewerbung die künftige Einordnung betreffend.

    Dir scheint entgangen zu sein, dass ich keinesfalls nach Tapferkeitsorden gesucht habe, mit denen ich “kontern” könnte, sondern dass ich mit diesen generell nichts anfangen kann. Was sehr schwierig ist, schließlich ist mein Kommentar voll davon. Bleibt übrig, dass du mich denunzieren wolltest. Ich nehme das zur Kenntnis.

    Für Typen wie dich dieses letzte Mal noch: Die israelische Armee ist als eine bekannt, die für Sperenzchen keinen Raum lässt. Ich hatte gehofft, dass sie nicht nur auf das verzichtet, was hierzulande als “Formalausbildung” bekannt ist, sondern auch auf die Verteilung von Blechsymbolen. Dem scheint nicht so zu sein, also kann ich diese Armee, die bisher als nahezu einzige für sich reklamieren kann, ausschließlich um das Überleben ihres Volkes gekämpft zu haben, für meine Argumentation leider nicht heranziehen.

    Dann bleibt “nur” das Gesagte.

    Ansonsten wirst du mich fürderhin gern haben können.

  44. jo@chim

    Aber es geht doch gar nicht um die “Ribbons und Anstecknadeln”, sondern – eben! – um die Tradition auf die sie sich beziehen. Mann, ist das *so* schwer?

  45. Klaus

    “Ich hatte gehofft, dass sie nicht nur auf das verzichtet, was hierzulande als “Formalausbildung” bekannt ist, sondern auch auf die Verteilung von Blechsymbolen.”

    Das nehme ich dir nicht ab, das ist schlicht unglaubwürdig, den obigen Link hatte ich nach 30 Sekunden gefunden. Würde ich dir diese Unwissenheit und Naivität abnehmen müsste ich den Vorwurf Antisemitismus zurücknehmen, tue ich aber nicht, deswegen lässt für mich die kritisierte “Frage” keinen anderen Schluss zu.

  46. PoL

    “Für diejenigen, die ihren Arsch in Afghanistan im “War on Terrorism” hinhalten,”

    Verglichen mit zwei Weltkriegen (abgesehen von den Freiheitskriegen usw.) ist dieser “War on Terrorism” ein Kalter Krieg, wo eigene Opfer nicht zulässig sind.
    Auch wenn es zu Opas Zeit inflationär verteilt wurde, war das noch eine andere Dimension. Ich schreibe hier nur vom Action-Gehalt.

  47. Eisernes Kreuz « The Outside of the Asylum

    [...] Genaugenommen hätten sie gerne das Eiserne Kreuz zurück. Jetzt wird unter anderem beim Antibürokratieteam diskutiert, ob das EK eine Nazisache ist, oder ob die lange Tradition des Deutschritterkreuzes [...]

  48. DDH

    Ich werde wohl künftig vermehrt “linke” Blogs lesen. Die haben zwar von Ökonomie keinen Schimmer, aber dafür im Allgemeinen mehr Diskussionskultur!

    Hier wird ja ein Kriegsgegner entweder als Antisemit gebrandmarkt oder vor Gericht gezerrt.

  49. DDH

    @Bodo: Bitte nicht persönlich nehmen, aber ich frag mich, wie man das Prinzip Armee mit dem Prinzip Freiheit vereinbaren kann. Rothbard sagt, man kann es nicht. (vgl. “For A New Liberty”)

  50. Klaus

    Da beschwert sich der Richtige, oder von wem war noch mal das “Dreckschlampe”?

    Im übrigen, du bist auch verdächtig ;-)

  51. Sky

    Nun, die Bundeswehr ist (war? – ich bin lange nicht mehr dabei) eine ziemlich inkompetente Truppe.
    Aber das soll sich ja ändern, wenn Kampfeinsätze erforderlich werden, aus meiner Sicht ist hier nicht die Frage wann sondern wo, hat sich das Ordenssystem als Belohnungs- und Anerkennungssystem bewährt.
    Selbstverständlich trägt man Orden nicht im täglichen Dienst.

    Eine Armee ohne Orden ist aber wie eine Armee, die nicht kämpfen will oder darf.

    Achso, für die, die es noch nicht gemerkt haben: Die Zeiten werden rauer.

    PS: Ziemliches Kleinklein und merkwürdiges Rumgehacke hier in diesem Kommentarstrang. Selten so viel Schrott gelesen.

  52. Bodo Wünsch

    @DDH
    Warum sollte ich etwas persönlich nehmen? ;-)
    Und hatte ich irgendwo einen Vereinbarungsversuch unternommen? Meine (vor nunmehr acht Jahren beendete) Dienstzeit ist nunmal Teil meiner persönlichen Biographie – die ich erst allmählich auf einen ‘libertarian way of life’ umstellen konnte und weiter daran ausrichte…

    Das Prinzip Freiheit ist natürlich nur unter besonderen Bedingungen mit dem Prinzip Armee vereinbar – auch wenn es oberlehrerhaft ist, Autoren und Werke zu empfehlen – bitte schau’ doch mal nach bei Kant in “Zum Ewigen Frieden”.

  53. Marvin

    Es ist einfach so, dass viele Menschen, mich eingeschlossen, mit dem Eisernen Kreuz unweigerlich AUCH das dritte Reich und Hitler verbinden, ganz gleich von wem, wann und wofür es davor schon vergeben wurde.
    Alleine aus diesem Grund wird das Eiserne Kreuz nicht-gesellschaftsfähig bleiben und diese Idee des Herrn Reservistenchefs schnell wieder vergessen sein.

  54. Fuchur

    Wenn ich Bodo Wünsch richtig verstanden habe, dann meinte er, die ganze Diskussion sei sowieso müßig, weil die Soldaten solche Insignien (egal, ob es jetzt ein EK oder ein neuer Tapferkeitsorden wäre) sowieso “peinlich” finden würden.
    Das glaube ich, wie gesagt, nicht.

  55. che2001

    , für einige der Kommentare in diesem Thread spreche ich Dir mein Beileid aus ;-)

    Ansonsten natürlich völlig ACK. EKs braucht kein Mensch!

  56. Hardy

    Nicht das Stück Blech direkt, sondern indem man denjenigen welcher es zurecht erhalten hat mit einem Nazi dem es hinterhergeworfen wurde gleichsetzt.

  57. Sky

    Ich müsste jetzt eigentlich einen Vortrag über Mythen und Riten bzw. über Symbolik und smbolische Werte.
    Auch und gerade ein “Stück Blech” kann einen großen Wert haben, übrigens würde sich die Diskussion erübrigen, wenn dem nicht so wäre.
    Da die Diskussion bzgl. des Eisernen Kreuzes als abgeschlossen gelten kann, lohnt es sich vielleicht noch auf Meta-Ebene die Hintergründe derselben zu beleuchten.
    Vermutlich ist vielen nicht klar, welchen Wert Auszeichnungen haben, ein Ex-Soldat kannte gar nicht das Konzept bzw. lehnte es ab, andere gaben “den Besorgten”, also da gibts noch was zu tun in Deutschland.
    Auszeichnungen konzeptionell abzulehnen ist aber trocken. ;)

  58. Hans

    Was kaum jemand weiß: Die Swastika wird heute immer noch, wenn auch inoffiziell, bei der finnischen Luftwaffe verwendet. Die hatte das linksdrehende Swastika übrigens schon lange bevor die NSDAP überhaupt gegründet wurde. Auch der Staat Bhutan hat die Swastika noch heute in seinem Staatswappen, wenn auch rechtsdrehend. Ja und wenn man das mal unter Marketing-Gesichtspunkten betrachtet: Keine Brand ist so associated mit Deutschland wie unser ehemaliges Corporate Logo mit dem Hakenkreuz und im militärischen Kontext mit soviel fame besetzt.

    Aber mal ernsthaft: Man kann sich fragen ob das eiserne Kreuz sinnvoll ist, eben wegen der inflationären Verwendung, ebenso wie man fragen kann, ob es nicht egal und scheinheilig ist, wenn eh schon das Logo der Bundeswehr ein eisernes Kreuz ist. Die eigentliche Frage hat also eher weltanschauliche Aspekte als solche, die wirklich mit einer Ehrenmedaille zusammenhängen.

    Und ja: Natürlich wäre den Soldaten ein eisernes Kreuz am liebsten. Die fahren doch auch heute schon mit den Insignien des Afrika-Korps durch Afghanistan. Wieso also nicht dem Wunsch der Soldaten nachkommen?

  59. jo@chim

    Wo haben ich oder MartinM denn diese Gleichsetzung betrieben, Hardy?

  60. Sky

    “Aber mal ernsthaft: Man kann sich fragen ob das eiserne Kreuz sinnvoll ist,…”

    Ja genau, das ist das Thema. Wenn schon bei diesem dermassen viele Tiefpunkte gesetzt werden auf einem liberalen und von mir geschätzten Inhaltsangebot, dann darf man sich über die Erkenntnisfähigkeit, Verständigkeit und gerade auch Debattenkultur in D das Schlimmste denken.

    Äh, zur Sache, das Eiserne hat folgende Probleme:
    - keine ausreichende demokratische Vergangenheit
    - Missbrauch in der NS-Zeit
    - Kreuz ein rel. Symbol, somit problematisch, bspw. wenn Juden oder Andersgläubige belobigt werden oder auch bei Auslandseinsätzen beio Kreuzhassern (aka Moslems)

    Andere Vorschläge:
    - Bundesadlerverwurstung (Vorsicht: Adler ist Raubtier)
    - deutsche Eiche
    - Igel
    - Globus (Seitenansicht mit Europa in der Mitte)

  61. Sky

    Darf ich auch antworten? ;)

    Durchgehend.

    Lustig auch “Von daher lege ich nicht nahe, sondern zeige auf.” (Zitat des Fragenden).

  62. Fuchur

    Was deinen 3. Punkt (Kreuz) angeht – den haben wir schon verbockt: Das Ehrenzeichen der Bundeswehr trägt ein Kreuz bzw. ist ein Kreuz (in gold).

  63. multikultur

    Man kann über diese hysterische Diskussion wahrlich nur den Kopf schütteln. Wie gesagt, dabei gehe ich davon aus, das man dem Bestehen der Bundeswehr (und ihres Hoheitszeichens, des “Tatzenkreuzes” – so heisst das Ding nunmal, in Ordensform wurde es “Eisernes Kreuz” genannt, unter Hitler dann natürlich mit entsprechendem Hakenkreuz garniert) NICHT ablehnend gegenübersteht, sondern die Notwendigkeit einer solchen Truppe anerkennt. Man KANN natürlich die Bundeswehr komplett ablehnen, keine Frage, kostet ja auch alles einen Haufen Geld. Aber gönnen wir uns ein kurzes luzides Intervall in unserer Heile-Welt-Träumerei und sagen wir “ja” zu staatlich gelenkten Tötungsmaschinerien, die Armeen nun einmal sind. DANN wiederum müssen wir auch die Methodik anerkennen, nach der solche Kampfverbände funktionieren, ich wiederhole mich da gern.

    Einem Zivilisten kommen gewisse Rituale in der Armee, die Schikane in der Ausbildung, der scharfe Drill im Kasernenleben (Stichwort: Hemd auf DIN A4) häufig zu Recht extrem bescheuert vor. Es wird viel mit Fahnen hantiert, Befehle, die man auch nett und freundlich und mit gesenkter Stimme weitergeben könnte, werden unnötig gebrüllt, vermeintlich Höherstehenden muss Respekt in Form von Salutieren etc. gezollt werden, wenn man irgendwann so blöd war, im Einsatz auf eine Mine zu treten, bekommt man dafür ein Stück Blech. Die Liste liesse sich fortführen. Doch warum ist das so? Ich denke die Antwort liegt darin, dass Menschen sich nicht – effektiv – einer solch undankbaren Aufgabe wie dem Sterben für fremde Interessen hingeben würden, böte man ihnen nicht einen strengen Rahmen und klare Regeln dafür. Die Begriffe “Disziplin” und “Moral” (hier: die Moral der Truppe, nicht die Moral als Sittlichkeit) spielen dabei eine Rolle.

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Tradition der Truppe – egal ob eine Einheit noch nie irgendetwas gerissen hat: die Einheit gleicher Bezeichnung hat in der Schlacht von XY im Jahre soundso beachtliches erreicht, gilt als gefürchtet und legendär. Sowas macht Mut. So funktioniert eine Armee. Das alles erscheint recht skurril, die Unterschiede zu Kulturkreisen, in denen auf einen solchen Sektencharakter (evtl. das falsche Wort) und die klare Trennung zwischen Truppe und Aussenwelt weniger oder gar kein Wert gelegt wird, habe ich bereits beschrieben: die Wahrscheinlichkeit, dass Leute sterben, die mit dem ganzen Zirkus überhaupt nichts am Hut haben wollen, ist ungleich grösser. Doch wie passt die aktuelle Diskussion um das “Eiserne Kreuz” jetzt noch hier hinein?

    1. Das Eiserne Kreuz ist ein historisches Symbol deutscher Militärtradition (und die ist nun nicht gerade unbedeutend, egal wie man sie moralisch bewerten mag). Somit ist es geeignet vor dem eben dargelegten Hintergrund als Symbol für was auch immer zu fungieren. Aktuell fungiert es als DAS Symbol überhaupt (nämlich als Hoheitszeichen), die Verwendung als Motiv für militärische Auszeichnungen bietet sich geradezu an.

    2. Dieses Eiserne Kreuz wird von vielen Leuten, besonders den hier anwesenden, gefürchtet. Man verknüpft damit die Schlagkraft, Unbeirrbarkeit und Brutalität der Wehrmacht, obwohl diese Assoziation zumindest nicht das ganze Spektrum des Symbols umfasst.

    Ein mir bekannter US-Soldat, der im Zuge des “War on Terror” erstmals in Deutschland war (die meisten machen hier Zwischenstation), fiel aus allen Wolken, als er einen Hubschrauber des Heeres sah – mit dem offiziellen Hoheitszeichen der Bundeswehr, dem Tatzenkreuz. Er fühlte sich – und davor wird hier ja so ausdrücklich gewarnt – an die Wehrmacht erinnert und hatte, ohne das irgend etwas passiert wäre, unweigerlich mehr “Respekt” vor der Truppe. Warum? Weil die Wehrmacht, vor allem bei ihren Gegnern, als überdurchschnittlich starke Streitkraft galt.

    Machen wir uns nichts vor, wenn es um Militär oder um kriegerische Auseinandersetzungen geht, dann geht es darum, Angst zu erzeugen und ggf. Leute zu töten. Wenn es das – historisch/moralisch absolut einwandfreie – Tatzenkreuz schafft, ja wie könnten wir dann so dermaßen dämlich sein, es nicht zu nutzen? Es steht doch ausser Frage, dass die Bundeswehr eine der zahmsten Armeen der Welt ist, da kommt einem ein solch fauler Symbolzauber doch nur zu Gute.

    Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und die niedlichen Tiernamen unserer gepanzerten Einheiten wie “Wiesel” oder “Marder” durch die guten alten “Königstiger” oder “Jagdpanther” zu ersetzen. Das kostet keinen Cent, ist moralisch absolut vertretbar und erhöht den Druck auf den jeweiligen Gegner enorm. Diesen Druck zu erhöhen ist Sinn und Zweck bewaffneter Streitkräfte.

    Dass unsere Bundeswehr zu den weichgespültesten und “anständigsten” Armeen dieser Erde gehört, steht für mich unzweifelhaft fest. Ich erinnere an das “Skandal”-Video, in dem ein MG-Schütze von seinem Ausbilder dazu aufgefordert wurde, sich “einen schwarzen Van mit drei Afro-Amerikanern, die seine Mutter beleidigt hätten” vorzustellen. Abgesehen davon, dass dieser Vorgang zumindest unappetitlich war, wage ich die Behauptung, dass die politisch korrekte Bezeichnung “Afro-Amerikaner” in keiner anderen Armee der Welt gefallen wäre. Wir hätten stattdessen das böse N-Wort gehört.

    Kurzum, die Diskussion um die Wiedereinführung des “Eisernen Kreuzes” ist als obsolet und dumm zu betrachten, solange man nicht einen Schritt weiter geht und das Bestehen von Streitkräften an sich in Frage stellt. Wegtreten.

  64. jo@chim

    Werter “multikulti”, verstehnse was von hysterisch? (Ich glaube eher nicht, sonst würdense das in diesem Zusammenhang hier nicht gebrauchen).

    Ansonsten

    ist 1. das EK ein historisches Symbol des deutschen Militarismus

    2. fürchtet das Naziblech hier niemand – aber einige, so auch ich, lehnen es als Auszeichnung eines Rechtsstaates ab und verknüpfen damit die Tradition der Wehrmacht als Aggressionsarmee und Instrument des Vernichtungsfeldzuges der Nationalsozialisten.

    Dumm (oder vielleicht auch sehr berechnend) ist es, die Bundeswehr in diese Tradition stellen zu wollen.

    Apropos wegtreten: das ist Amtsanmassung Jungchen. Passen Sie auf, sonst bekommense noch Probleme mit den Feldjägern :D

  65. multikultur

    Aber Joe,

    immer langsam. Dass das Tatzenkreuz kein “Naziblech” ist, wurde wohl hinreichend von objektiver Seite dargelegt. Dass man nicht kritiklos mit der Existenz bewaffneter Streitkräfte umgehen muss/soll, habe ich auch klargemacht. Bleibt noch zu sagen:

    zu 1.: Ob Militarismus, Militärtradition, Militärgeschichte – es bleibt immer das selbe. Es mag schlecht sein, verschwinden wird es davon aber nicht, das hat Historisches nunmal so an sich. Und es zeichnet die Bundeswehr doch eher aus, wenn sie ihre Traditionen fernab von jeder (also weit vor der) Nazi-Vergangenheit sucht. Ich habe die These aufgestellt, dass “künstlich aufgestellte” Kampfverbände, wie wir sie aus den heutigen Armeen kennen, einer gewissen Symbolik, Tradition etc. bedürfen. Dieser Aussage muss man nicht zustimmen, sie ist aber nach allen vorliegenden Erkenntnissen durchaus plausibel.

    zu 2.: Dieses Symbol wird sehr wohl “gefürchtet”. Interessanterweise vor allem von den zurückgebliebenen Hinterwäldlern, deren Eindämmung in aller Welt die Bundeswehr sich nicht zuletzt verschrieben hat (Balkan, Afghanistan, Afrika…). Na das ist doch was – scheinbar hast Du meinen pragmatischen Ansatz nicht ganz verstanden. Wieso sollten wir es nicht als Symbol von KAMPFeinheiten benutzen, wenn wir wissen, dass damit unangenehme Gedanken assoziert werden? Wäre die Verleihung eines rosa Plüschhäschens in Deinen Augen adäquater? Und würde sie in irgendeiner Form etwas am tatsächlichen Handeln der Bundeswehr ändern – ausser der Tatsache, dass sie nicht mehr ernstgenommen würde (nicht dass dies bislang der Fall wäre…)?

    Du bist einzig und allein derjenige, der die heutige Bundeswehr mit “der Wehrmacht als Aggressionsarmee und Instrument des Vernichtungsfeldzuges der Nationalsozialisten” vergleicht. Dass dies nicht der Realität entspricht, ist Dir aber hoffentlich selber klar, zumindest insgeheim.

    Wenn Du diese Diskussion wirklich ernsthaft führen möchtest, dann rege Dich bitte über das “Eiserne Kreuz” als Hoheitszeichen der Bundeswehr auf, nicht als untergeordnetes Symbol im Rahmen eines Verdienstordens. Rühren.

  66. DDH

    Als Antisemit??? Ich??? Habe erst vor kurzem erfahren, daß Nachfahren meines Urgroßvaters mütterlicherseits nach Palästina ausgewandert sind und heute in Israel leben.

    Was die “Dreckschlampe” anbelangt: Es gibt Verhaltensweisen, durch die ein Mensch seinen Anspruch auf zivile Umgangsformen verwirken kann. Maßgeblich für diese von mir vorgenommene Entscheidung war das Tribunal, das in der SPD-Landtagsfraktion gegen die tapfere Frau Metzger veranstaltet wurde – der reinste Hexensabbat.

    Im übrigen: Ein Land, in dem von der Beleidigung über die Schmähkritik über diüber die “Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener” über die üble Nachrede bis hin zu Gotteslästerung und “Volksverhetzung” (das Dementi aller Demokratietheorien!) allerlei Kommunikationsdelikte verfolgt werden können, darf sich nicht wundern, wenn Kindermörder nicht gefaßt werden und Babyleichen in Blumenkübeln landen. Ressourcen sind begrenzt. Ein Staat, der Wort-Delikte verfolgt, muß bei seinem Kerngeschäft – der Verfolgung von Mord-Delikten – versagen.

  67. Marvin

    @multikultur

    Nach Lesen deines ausführlichen Artikels kann ich nur in dem Punkt zustimmen, dass diese Diskussion obsolet sei.

    Aus folgendem Grund, den du wohl noch nicht richtig verstanden hast, wird es keine Einführung des EK geben: Ein Großteil der Menschen in unserer feinen demokratischen Gesellschaft findet das EK gaaaanz böse, mich eingeschlossen.

    Und übrigens ist es doch wohl eher “dumm” zu glauben, dass die Umbennenung eines Fahrzeugs in “Königstiger” bei irgendwelchen Taliban Angst und Schrecken hervorruft, oder ein Hubschrauber auf einmal viel bedrohlicher wirkt, nur weil ein Kreuz draufgemalt wurde.

    Oder leide ich durch die von dir beschriebene Hysterie unter Realitätsverlust?

  68. DDH

    Witzig: Den “Ewigen Frieden” von Kant hat mir mal vor vielen Jahren ein gewisser “National-Pazifist” namens Dr. Alfred Mechterheimer als Reclam-TB geschenkt. Womit wir wieder bei meiner Biographie wären, die ich auch erst mühsam auf “libertär” umstellen mußte. ;-)

    Dennoch schreibt mir dieser Tage ein Blogger, aufgrund meiner Vita hätte ich nicht das Recht, mich als Antifaschist zu bezeichnen.

  69. DDH

    @Che2001:

    EKs braucht kein Mensch!

    Den “war on terror” und den “war on drugs” aber auch nicht. Aber da sind wir zwei uns vermutlich eh einig. :)

  70. David

    Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und die niedlichen Tiernamen unserer gepanzerten Einheiten wie “Wiesel” oder “Marder” durch die guten alten “Königstiger” oder “Jagdpanther” zu ersetzen.

    Wäre das nicht etwas albern, einen 2 3/4-Tonner mit solch einem erhabenen Namen zu versehen? Die deutschen Kampfpanzer, andererseits, tragen die Namen “Leopard I” und “Leopard II”, was ja schon ganz stattlich klingt. Das ist aber, glaube ich, nicht der beste Grund, vor denen Angst zu haben.
    Der Name “Marder” kam im Übrigen auch schon für Wehrmachtspanzer zum Einsatz. Diese Pussies…

  71. Sky

    Es scheint sich bei der Ablehnung des Eisernen Kreuzes um Antifaschismus zu handeln. Die Wortwahl einiger lässt auch auf Nervösität bei diesem Thema tippen, es ist wirklich so: Man “findet das EK ganz böse”.
    Also, ich finds ja auch nicht töfte, dennoch ist diese Diskussion auf Meta-Ebene nicht obsolet. (Allerdings nur so. ;)

  72. Hardy

    Indem man ich aus der Tradition des EK nur den Teil herauspickt, in dem es außerdem mit diesem grässlichen Hakenkreuz verunstaltet wurde. Selbiges macht ihr beide. Ihr seht nur den Kriegsorden der Nazis, was davor war ist euch offensichtlich egal. Selbiges erstaunt mich bei dir.

  73. multikultur

    Niemand hat vor, hier herumzutrollen. Ich hoffe doch, dass mein Augenzwinkern hinsichtlich der “Schlagkraft der Truppe” und vor allem meines Vorschlags zur Umbenennung von Panzern hinreichend registriert wurde. Im Grunde wollte ich damit nur zum Ausdruck bringen, dass das Pferd hier möglicherweise von hinten aufgezäumt wird. Die Diskussion “Bundeswehr – ja oder nein?” könnte man durchaus führen. Spricht man sich aber für ein Bestehen deutscher Streitkräfte aus (ui, das klingt ja schon wieder mächtig nach Nazometer…), dann bitte auch mit allem drum und dran, so wie bei jeder anderen Armee der Welt auch (Engländer, Franzosen und Amerikaner haben sich in ihrer Militärgeschichte auch nicht nur mit Ruhm bekleckert und tragen ihre alten Symbole dennoch mit der allergrössten Selbstverständlichkeit).

    Die Bundeswehr darf in Afghanistan ein klein wenig und natürlich streng nach ethischen Grundsätzen zurückschiessen, wenn sie zuvor beschossen wurde, vor der libanesischen Küste und am Horn vom Afrika darf sie – nach Genehmigung des jeweiligen Kapitäns – Schiffe nach Waffen durchsuchen. Wer hier die wiedererstarkte Angriffsarmee Hitlers vermutet oder wer diese äusserst schwachen Mandate noch weiter schwächen will, der sollte klipp und klar sagen, dass er generell keine Bundeswehr haben will. Pseudopazifistisches Heile-Welt Deeskalations-Tralala und organisiertes Töten gehen nunmal nicht zusammen. Dass Kampfverbände martialisch auftreten (wollen/sollen) liegt in der Natur der Sache. Wenn das EK ein solches Auftreten verstärkt, dann ist es geeignet. Just my two cents..

  74. DDH

    der sollte klipp und klar sagen, dass er generell keine Bundeswehr haben will.

    Bittesehr:

    „Während die Wehrpflicht in den Streitkräften eine offenkundige und schlimme Form des Zwangsdienstes ist, gibt es eine subtilere und deshalb schwerer nachzuweisende Form: die Struktur der Armee selbst. Überlegen wir: Bei welcher anderen Arbeit im Land gibt es strenge Strafen, einschließlich Gefängnis und in manchen Fällen die Todesstrafe, für “Desertion“, d.h. dafür, eine bestimmte Beschäftigung aufzugeben? Wenn jemand bei General Motors kündigt, wird er im Morgengrauen erschossen?

    Es könnte eingewendet werden, dass im Fall von Freiwilligen der Soldat oder Offizier freiwillig zugestimmt hat, für eine gewisse Zeit zu dienen, und deshalb verpflichtet ist, den Dienst die ganze Zeit zu leisten. Aber der ganze Begriff der “Dienstzeit“ ist das Problem. Nehmen wir zum Beispiel an, dass ein Ingenieur einen Vertrag mit ARAMCO unterzeichnet, 3 Jahre in Saudi-Arabien zu arbeiten. Nach einigen Monaten entscheidet er, dass dieses Leben nichts für ihn ist und kündigt.
    Das mag ein moralischer Fehler von ihm sein, ein Bruch seiner moralischen Verpflichtung. Ist diese Verpflichtung juristisch durchsetzbar? Kann er in anderen Worten mit dem Gewaltmonopol des Staates gezwungen werden, die restliche Laufzeit seines Vertrages weiterzuarbeiten? Wenn das ginge, wäre es Zwangsarbeit und Sklaverei. Denn obwohl es wahr ist, dass er ein Versprechen über seine künftige Arbeit gegeben hat, bleibt sein Körper in einer freien Gesellschaft doch allein sein Eigentum. In der Praxis und auch in der liberalen Theorie kann der Ingenieur für den Vertragsbruch moralisch kritisiert werden, er kann von anderen Ölfirmen auf die schwarze Liste gesetzt werden, er kann zur Rückgabe von Vorauszahlungen gezwungen werden, aber er wird von ARAMCO nicht für drei Jahre versklavt werden.

    Wenn das aber für ARAMCO und für jede andere Arbeitsstelle im privaten Leben wahr ist, warum sollte es in der Armee anders sein? Wenn ein Mann für sieben Jahre unterschreibt und dann vorher kündigt, sollte es ihm erlaubt sein zu gehen. Er wird Pensionsansprüche verlieren, er wird moralisch kritisiert, er mag bei ähnlichen Arbeitsstellen auf eine schwarze Liste gesetzt werden, aber kann als Eigentümer seiner selbst nicht gegen seinen Willen versklavt werden.

    Es könnte eingewandt werden, dass die Streitkräfte eine besonders wichtige Arbeitsstelle sind, die diese Art des Zwanges braucht, die andere nicht haben. Wenn wir die Wichtigkeit solcher Arbeitsbereiche wie Medizin, Landwirtschaft und Transport, die alle nicht über derartige Sanktionen verfügen, beiseitelassen, können wir eine vergleichbare Verteidigungsinstitution im Zivilleben betrachten – die Polizei. Sicher leistet die Polizei einen gleichermaßen wichtigen und vielleicht notwendigen Dienst – und jedes Jahr treten Menschen der Polizei bei und verlassen sie. Es gibt keinen mit Zwang verbundenen Versuch, ihre Arbeit über die ganze Verpflichtungszeit zu binden.

    Zusätzlich zur Forderung nach dem Ende der Wehrpflicht fordert der konsequente Liberale also weiterhin, das gesamte Konzept der Verpflichtungszeit und die damit verbundene Sklaverei über Bord zu werfen. Lassen wir die Streitkräfte in gleicher Weise arbeiten wie die Polizei, Feuerwehr, Ranger, Wachdienste usw. – frei von den schädlichen Einflüssen und moralischen Verbrechen der Zwangsdienste.

    Aber es ist noch mehr zu sagen über die Armee als Institution, selbst wenn sie vollkommen freiwillig wäre. Die Amerikaner haben eines der edelsten und stärksten Elemente des ursprünglichen amerikanischen Erbes fast vollkommen vergessen: die entschlossene Ablehnung der ganzen Institution einer “stehenden Armee“.

    Wenn ein Staat eine stehende Armee zur Verfügung hat, wird er versucht sein, sie auch zu benutzen, und sie in aggressiver, interventionistischer und kriegerischer Weise zu benutzen. […] Es ist klar, dass eine stehende Armee eine andauernde Versuchung für den Staat ist, seine Macht zu vergrößern, andere Menschen und andere Länder zu beeinflussen und das innere Leben des Volkes zu dominieren.

    Das ursprüngliche Ziel der Jeffersonianischen Bewegung war, das stehende Heer und die Marine zusammen abzuschaffen. Das ursprüngliche amerikanische Prinzip war, dass bei einem Angriff auf ihr Land die Bürger zusammeneilen würden, um gemeinsam den Angreifer zurückzuschlagen. Stehende Streitkräfte können nur zu Ärger führen und zu einer Ausdehnung der Staatsmacht. Im Verlauf eines scharfen und prophetischen Angriffes auf die vorgeschlagene Verfassung im Ratifikationskonvent von Virginia warnte Patrick Henry vor einer stehenden Armee: „Der Kongreß hat mit der Befugnis zur Steuererhebung, mit der Befugnis, eine Armee aufzustellen und mit der Kontrolle über die Bürgerwehren das Schwert in der einen Hand und den Geldbeutel in der anderen. Können wir ohne beides sicher sein?“

    Jede stehende Armee ist eine ständige Bedrohung der Freiheit. Ihr Monopol auf Waffen, ihre Tendenz zur Schaffung und Unterstützung eines “Militärisch-Industriellen-Komplexes“ der die Armee beliefert, und nicht zuletzt, wie Patrick Henry bemerkt, die Besteuerungsbefugnis für die Finanzierung dieser Armee, bilden eine dauerhafte Gefahr der Erweiterung von Macht und Größe der Armee. Konsequente Liberale sind Gegner jeder steuerfinanzierten Institution, weil sie auf Zwang beruht. Aber eine Armee ist in einzigartiger Weise bedrohlich, weil sie die große Macht der modernen Waffen in einer Hand vereinigt.“ (Murray N. Rothbard, “Eine neue Freiheit”, S.88 f.)

  75. Sky

    Weil es gerade passt (und ich dort auch mal stationiert war ;):
    http://www.wdr.de/themen/panorama/8/soldaten_misshandelt/080312_b.jhtml

    “Stromstöße mit einem Feldfernsprecher” – LOL.
    Was ist das nur für eine verweichlichte Armee geworden? Warum hat sich wohl niemand an den Wehrbeauftragten gewandt (vielleicht weil niemand einen Grund dafür sah?)?

    Von einer Armee, in der es schwule Verrichtungszellen gibt (die gab es früher aber auch schon, das waren die Waschräume, LOL), kann man nichts erwarten.

    Hackt nur ruhig auf den Bocholtern und Halterenern rum.

  76. multikultur

    Das unterschreib ich doch glatt, weg mit der Wehrpflicht. Ganz besonders solange sie ohnehin nicht nach dem Gleichheitsgrundsatz eingefordert wird, ist ja mittlerweile reine Glückssache geworden. Ich sehe bei Dir – zunächst – die Forderung nach einer Berufsarmee (in Unterscheidung zur Wehrpflichtigenarmee), was zu begrüssen wäre. Dann aber unterschreibt jeder freiwillig einen Vertrag, demzufolge er unter Androhung entsprechender Sanktionen (keine Sorge, es wird niemand erschossen, ausser natürlich im konkreten Kriegsfall) die vereinbarte Dienstzeit abzuleisten hat. Die Telekom hat mich auch an den Eiern, wenn ich so blöd war, einen ihrer 24-Monate-Knebelverträge zu unterzeichnen. Das sind eben Liberalismus und Marktwirtschaft. Sind sie zu stark bist du zu schwach.

    Anschliessend kommst Du mit der ebenfalls recht interessanten Herangehensweise der Jeffersonianischen Bewegung. Ansatzweise können wir so etwas bei den Schweizern beobachten, wo jeder sein Sturmgewehr im Schlafzimmerschrank stehen hat. Klappt erfahrungsgemäß nur in Staaten mit einer gewissen demokratischen Tradition. Zu diesen Staaten gehört Deutschland NICHT. Ein solches Modell wäre wohl auch nicht unter die Bedingungen zur Wiederbewaffnung Nachkriegsdeutschlands gefallen. Hitlers Forderung “so wenig Waffen wie möglich im Volke” wurde weiterhin Folge geleistet. Vermutlich war die Vorstellung Millionen bewaffneter und entsprechend ausgebildeter Deutscher für die Alliierten ein wenig beunruhigend. Ich würde sagen: zu Recht – die Trümmer des Zweiten Weltkrieges waren noch lang nicht überall beseitigt.

    Ich kann Deinem mustergültig liberalen Ansatz durchaus folgen und ihm auch eine Menge abgewinnen. Tatsache ist aber, dass wir in unserer Entscheidung, wie wir die Streitkräfte organisieren und einsetzen alles andere als frei sind. Da gibt es die berüchtigten Bündnisverpflichtungen, die dafür sorgen, dass junge Leute in irgendwelchen Einöden für zweifelhafte Interessen sterben, obwohl das im Prinzip kein Schwein will (siehe repräsentative Umfragen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr etc.). Das Anforderungsprofil, die letztendliche Bestimmung der Bundeswehr hat sich seit Ende des Kalten Krieges drastisch geändert. Es geht eben nicht darum, sich als Bürger bei Gefahr von aussen zusammenzurotten und das Land zu verteidigen, sondern es geht um sog. Sicherheitsinteressen.

    Letztgenannte decken sich zumeist nicht mit meinen persönlichen oder auch auch nur den nationalen Interessen Deutschlands. Dennoch wird mir erzählt, ihnen sei unbedingt zu dienen. Bevor man sich also an – sehr sympathische – Denkmodelle wie das Deine heranwagt, muss man ganz andere, weitaus grundlegendere Fragen klären. Gibt es automatisch immer irgendeine Hegemonie und wenn ja, welche davon entspricht am ehesten meinen Interessen? Hat es die sog. Erste Welt zu jucken, wenn irgendwoanders Krieg und Elend herrschen (bzw.: müssen ungenutzte Märkte zwangsläufig brachliegen)? Haben internationale Bündnisse eine friedenserhaltende Wirkung und wenn ja, sind sie billiger als die entsprechenden Kriege? Ach, ich kann in diesem Thread einfach nicht ernst bleiben, man merkt es ja…

  77. Scrutograph

    Das alte Eiserne Kreuz ist von der Gestaltung ansehnlicher als die Tapferkeitsauszeichnung, die jetzt erstmalig verliehen werden soll, eine Verleihung in anderen Zusammenhängen könnte es ja wieder aufwerten, wenn es im 2. Weltkrieg abgewertet wurde. Es befindet sich auch noch wie im 2. Weltkrieg auf den Fahrzeugen der deutschen Streitkräfte.

    Seine Verleihung könnte aber der Bundeswehr propagandistische Nachteile zufügen, da dann die Bundeswehr-Wehrmacht-Gleichsetzungen zunehmen würden. Das Eiserne Kreuz wurde ja auch für damals sehr vernichtend betriebenen Partisanenkampf verliehen – sehr pikant im Zusammenhang mit den Aufgaben in Afghanistan.

    Ich persönlich wäre ja dafür, die Kriegsklasse des Pour le Mérite wieder zu beleben.
    Die Stiftung einer Tapferkeitsauszeichnung ist richtig und überfällig.

    Ich bin gespannt, wie lange sich Orden in Kreuzform in Anbetracht neuer Herausforderungen multikultureller Correctness noch werden halten können.

  78. Scrutograph

    Es sollten überhaupt mehr Orden gestiftet werden. Wie wäre es mit Orden für unbürokratisches Verhalten und Helfen – verliehen an Staats- wie Wirtschaftsangestellte?

  79. antibuerokratieteam.net » Blog Archive » Tapferkeit: Alternativen zum EK?

    [...] der Diskussion um die Tapferkeitsmedaille, Eisernes Kreuz, Achims Dings am Bande ein Blick ins UK. Hier wird mit dem Afganistaneinsatz, dem Begriff Krieg und den Gefallenen anders [...]

Einen Kommentar schreiben

Copyright © 2012 by: antibuerokratieteam.net • Template by: BlogPimp • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.