Anarchistischer Humor

18.03.2008 19:52 - Eidgenössisch Eigensinniges by M.M. - 6 Kommentare

Ex-Finanzminister Hans Eichel* hat kritisiert, die Gesetze der Schweiz schafften Anreize zur kriminellen Steuerflucht. Doch das Schweizer Bankgeheimnis ist Ausdruck des berechtigten Misstrauens der Bürger gegen den Staat. Es ist Ausdruck freiheitlicher Gesinnung. Auch die Deutschen profitieren davon.

Schreibt Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel heute in der WELT. Das sage noch einer, die Schweizer hätten keinen Sinn für anarchistischen Humor.

*Herr Eichel war kürzlich Gast in einer Diskussionssendung des Schweizer Fernsehens. Darin forderte er von der Schweiz, dass sie bezüglich deutschen Staatsbürgern, die Geld auf Schweizer Bankkonten haben, deutsches Recht anwenden soll.

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6 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Epameroi, 19.03.2008 00:57

Und würde man in Deutschland dann bei Schweizer Anlegern Schweizer Recht anwenden?

 
roland, 19.03.2008 16:24

Weiter gedacht heißt das u. a. auch, für saudi-arabische Anleger analog dazu saudi-arabisches Recht anzuwenden… Dann wird es richtig spannend! Laut der muslimischen Grundsätzen ist eine Investition in die meisten zinz- und gewinnbringenden Anlagen verboten. Herr Steinbrück, da wartet dann aber ein buntes finanzrechtliches Roulette auf Sie… Demnächst wohl lieber wieder mal nach dem Grundsatz handeln: Erst denken, dann reden. Auch das momentan in Ihrer Partei nicht so angesagt ist.

Epameroi, 19.03.2008 16:49

Letzteres gibt es schon. Ist z.B. in der Bilanz der Citibank als Posten “Islamic Banking” ausgewiesen.

Ansonsten ist der Vorschlag natürlich unsinnig, aus rechtlich-souveränen wie auch als praktischen Gründen. Es gibt wohl keine Nationalität, die nicht in der Schweiz Geld angelegt hat. Die Beachtung der nordloreanischen, iranischen oder botswanischen Steuergesetzgebung dürfte auch Schweizer Großbanken etwas überfordern.

Das Frauen aus islamischen Ländern in der Zürcher Bank nur im Tschador zu bedienen sind, versteht sich ja wohl von selbst.

 
 
Sky, 20.03.2008 04:47

“Doch das Schweizer Bankgeheimnis ist Ausdruck des berechtigten Misstrauens der Bürger gegen den Staat. Es ist Ausdruck freiheitlicher Gesinnung. Auch die Deutschen profitieren davon.”

LOL, das ist wirklich zynisch.

War schon ne tolle Idee von den Schweizern Steuerhinterziehung nicht als Straftat zu definieren, eine nicht versiegende Einnahmequelle ist die verdiente Belohnung. Auch aus diesem Grund ist die Steuerbelastung in der Schweiz vglw. gering.

Eventuell könnte die Schweiz noch andere Straftaten entschärfen und den Begehern derselben Unterschlupf und Heimat bieten?

Nummer 6, 20.03.2008 09:41

Eventuell könnte die Schweiz noch andere Straftaten entschärfen und den Begehern derselben Unterschlupf und Heimat bieten?

Das gibt es schon lange. Nennt sich auf Menschen angewandt “Asyl”. Bei Geld gilt das aber natürlich in viel ausgeprägterem Maße und es gibt kaum Staaten, die sich der zwingenden Logik der moralischen Statusänderung von Geldvermögen nach Überführung ins eigene Hoheitsgebiet erstmal verschlossen hätten. Es sind immer die nicht-nutznießenden Parteien, die endlos drauf rumhacken, dass Vermögen auf schändliche oder gar menschenverachtende Weisen entstanden sind. — Wie durchsichtig, pah.

Sky, 20.03.2008 18:58

“Das gibt es schon lange. Nennt sich auf Menschen angewandt “Asyl”.”

Klar, bringt der sich auf dem absteigenden Ast befindliche Dikatator Kohle mit, ist er um so mehr willkommen. Das macht auch Sinn, ich dachte aber mehr an einfache Diebe und Hinterzieher (wir werden ja dankenswerterweise von den netten Schweizern im Kontext dieser Diskussion auf den grossen Unterschied aufmerksam gemacht).

Wir lernen von den netten Schweizern:
Ein Hinterzieher und Untreuer ist immer auch ein Verführter!

 
 
 

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