Bankensozialstaat?
In einer akuten Notsituation eine Bankenpanik und damit ein desaströses Szenario auf den Finanzmärkten abzuwenden ist eine Sache, aber das, was Josef Ackermann hier fordert
Es sei zu schwerwiegend, ein Abbau würde zu lange dauern. Der Vorstandschef der größten deutschen Bank stellt sich damit indirekt hinter die zunehmenden Forderungen von Bankern nach dem Aufkauf der faulen Hypothekenkredite durch den Staat.
ist natürlich nochmal ganz was anderes — das ist der Vollkasko-Bankenwohlfahrtsstaat. Welchen guten Grund es geben soll, sogar hoch solventen und Gewinn erwirtschaftenden Banken die Hypothekenrisiken abzunehmen, erschließt sich mir nicht wirklich.
Nicht viel weniger seltsam sind die Forderungen aus der SPD, den Bankensektor stärker zu regulieren. Für Leute, die wirklich glauben, ein staatliches Engagement im Finanzsektor würde die Dinge effizienter oder weniger riskant machen, habe ich eigentlich nur drei schnelle Hinweise: WestLB, SachsenLB, Ingrid Matthäus-Maier.













Zu den drei Hinweisen fällt einem als Berliner doch recht schnell noch das ein oder andere weitere staatliche Total-Versagen in Bankangelegenheiten ein… ;-)
Und das nicht nur in Bankangelegenheiten…;-)
Ich sehe da jetzt keinen prinzipiellen Unterschied zwischen der Position von Ackermann und Deiner.
Eher einen graduellen, der das Ausmaß der Intervention betrifft. Beide male wird versucht ein _politisch_ unerwünschtes Ergebnis mit Hilfe von Steuergeldern zu _korrigieren_.
Wenn die Tür erstmal aufgestoßen, dann gehen auch jemand durch.
Und darunter sind auch solche, die garnicht eingeladen waren.
Der Weg zur Hölle ist eben mit guten Absichten gepflastert.
Im übrigen ist kaum ein Sektor der Wirtschaft so sehr von staatlichem Engagement durchsetzt wie der Bankensektor. Dafür braucht es nicht mal die Landesbanken.
Auch vermeintlich private Banken erhalten ihr Geld vom Staat. Und zwar als _erste_. Sie erhalten das Geld mit der höchsten Kaufkraft, bevor die anderen Marktteilnehmer die inflationierende Wirkung bemerken.
Von den anderen Regularien, wie der steuerlichen Meldepflicht, der Bankenaufsicht, der Wertpapieraufsicht, den rechtlichen Auflagen, die für die Gründung einer Bank erfüllt werden müssen, mal ganz zu schweigen.
Ach, und wie war das mit dem Mensch, der dem Menschen ein Wolf ist?
Zu welchen Gunsten werden wohl die Oberwölfe die Steuerzahlerbeute verteilen?
Ach, die Bereitstellung von Liquidität gegen Verpfändung von Wertpapieren sind also Steuergelder?
Ich empfehle das Durcharbeiten (oberflächlich genügt) eines Buches über Geldpolitik.
Inwieweit wurden denn bitte in den USA bisher Steuergelder in Bezug auf Hilfe für angeschlagene Banken aufgewendet ?
Naja, um die Ecke gedacht sind das schon Steuergelder. Wenn die verpfändeten Wertpapiere wertlos werden sinkt der Zentralbankgewinn, damit auch der an den Finanzminister von der Zentralbank überwiesene Betrag, und damit die Steuerbelastung, oder die öffentliche Verschuldung.
Zwei Haken: Erstens ein quantitativ kleiner Effekt, so riesig sind die Zentrakbankgewinne auch nicht, und zweitens müßte ich da jetzt erstmal nachschlagen — bin mir gar nicht sicher, ob die Zentralbankgewinne in den USA genauso gehandhabt werden, die die Bundesbankgewinne in Deutschland.
Ich bin mir nicht so sicher, ob die Korrektur eines aufgrund fehlerhafter Bewertungen entstandenen Zentralbankgewinns wirklich als “Verwendung von Steuergeldern” klassifiziert werden könnte.
Das schiene mir doch eher unter die übliche Deutung zu fallen, wonach jede Steuererwartung als dem Staat zustehend angesehen werden kann, und jede geringer als erwartet ausfallende Steuereinnahme die betreffende Quelle “begünstigt”.
Staatskapitalismus.
http://sheldonfreeassociation.blogspot.com/2008/03/from-todays-wall-street-journal-pushed.html
Ackermann fordert auch, den Bankensektor stärker zu regulieren. Ist also wohl nicht nur die SPD - möglicherweise ein Lernprozess?
Warum kontrolliert der Mann nicht einfach die eigene Bank?
Ihr seid schon eigenartige Menschen.
Ein freier Markt ohne Staat ohne Vertrauen unter den Marktteilnehmer ist nicht ein Pfifferling wert.
Wie Vertrauen zwischen anonymen Marktteilnehmer entstehen kann, ausgebaut und aufrechterhalten kann, ist die wichtigste Aufgabe jedes freien Marktes fern jeden Staates. Solange ihr nicht wisst, wie das passieren kann und euch außer dem Totengräber und Zerstörer kein Akteur einfällt, der vertrauenserhaltend tätig ist, wird es mit dem Liberalismus nicht vorangehen.
In der jetzigen Situation waren es Menschen in der privaten Wirtschaft, die Vertrauen in den freien Markt zerstört und Mißtrauen zwischen den Marktteilnehmer gesät haben. Menschen, die habgierig, rücksichtslos und bedenkenlos waren und vor allem sind. Die werden auch immer wieder nachwachsen.
Nehmt ihr das zur Kenntnis. Nein, ihr ignoriert es weiterhin. Das passt nicht in euer vertrautes Feindbild
Zu Zeiten eurer liberalen Vorväter mag es gereicht haben, zu fordern, das der Markt frei von jedem staatlichen Einfluß sein muß.
Was richtig ist, wenn es gelingt, im rein privaten Miteinander das Vertrauen in das marktkonforme Verhalten der Marktteilnehmer aufrechtzuerhalten.
Hat dafür von euch jemand einen Vorschlag? Oder verharrt ihr in geistiger Impotenz und zitiert aus den Schriften eurer Vordenker, die längst in ihre Gräber gesunken sind.
Wenn ihr in der jetzigen Situation nicht die richtigen Antworten findet, seid ihr die Totengräber des Liberalismus.
>>Ein freier Markt ohne Staat ohne Vertrauen unter den Marktteilnehmer ist nicht ein Pfifferling wert.
Was fehlte einem Markt mit Vertrauen unter den Marktteilnehmern?
Inwiefern kann ein “staat” fehlendes Vertrauen ersetzen oder gar substituieren?
“Ein freier Markt ohne Staat ohne Vertrauen unter den Marktteilnehmer ist nicht ein Pfifferling wert.
Wie Vertrauen zwischen anonymen Marktteilnehmer entstehen kann, ausgebaut und aufrechterhalten kann, ist die wichtigste Aufgabe jedes freien Marktes fern jeden Staates.”
Dazu bedarf es der Kenntnis, was die anonymen Markteilnehmer bräuchten, um Vertrauen (wieder) zu empfinden und was sie selbst bereit wären zu tun, um wieder Vertrauen entstehen lassen zu können.
Wer sollte das besser beantworten können als die anoymen Marktteilnehmer selbst? Um des weiteren Strategien zu entwickeln und ggf. zu implementieren die das Anliegen “Vertrauen” erfüllen.
Und sicherlich werden diese Strategien Elemente enthalten, die Kontrollfunktionen haben, um das Aufrechterhalten des Vertrauens zu gewährleisten. Von frei wird dann keiner sprechen können.
Zur Findung solcher Lösung bedarf es keines Dritten im Form eines Staates, die Beteiligten selbst sind gefordert.
Bin mir aber ziemlich sicher, dass bereits bei der Entwicklung solcher Lösungen der Versuchung der Manipulation nicht widerstanden werden kann.
Dazu bedarf es der Kenntnis, was die anonymen Markteilnehmer bräuchten, um Vertrauen (wieder) zu empfinden und was sie selbst bereit wären zu tun, um wieder Vertrauen entstehen lassen zu können.
Bing! Ich glaub ich bin im Esoteriker-Forum. Mal ein Alltagsbeispiel: Alleine wenn ich an die Kollateralschäden denke, wenn es keine Gaststättengewerbeaufsicht gäbe, wird mir ganz anders. Von absichtlichen Beimischungen in Nahrungsmittel, die zu fürchterlichen Vergiftungen führten — aber Gott sei’s gedankt ;) auch zum bayerischen Reinheitsgebot — über die unabsichtlichen Beimischungen von Fäkal- und Fäulnisbakterien, Schimmelpilzen, verdorbenen Eiweißen bis zu krankem Küchenpersonal (hoffentlich nicht beigemischt, aber wer weiß) … grusel … interruptiere hier.
Wie soll da Vertrauen enstehen? Soll ich immer mein Taschenlabor mitführen, bevor ich auswärts esse? Oder soll ich, wenn ich mir einmal Salmonellen geholt (und überlebt) habe, dort einfach nicht wieder essen? Genial, dann prüfe ich das nächste Mal den Laden zwei Häuser weiter. Und wenn ich alle durch hab, mach ich mir mein Essen einfach selber. Aber halt, meine eigenen Lebensmittel stelle ich ja auch nicht selber her. Wenn ich die kaufe, muss ich die auch testen. Ist zwar ein bisschen umständlich, aber die Zeit muss ich mit dann halt nehmen.
Oder ich kaufe einfach immer vom gleichen Bauern. Mit frischem Obst zu jeder Jahreszeit ist dann halt nichts oder mit Bananen oder Orangen. Mit Lagerapfel und Sauerkraut kamen die Leute aber auch früher gut über den Winter.
Oder ich habe einfach Vertrauen, dass die fernen Bauern, die die Sachen erzeugen, selber drauf achten, dass sie von ihren Dünger- und Pestizidlieferanten bereitgestellten Mittelchen keine oder vertretbar wenige für mich schädlichen Substanzen enthalten. Wie das eben auch dort ist, wo der Staat sich nicht um solche Profanitäten kümmert. Das sind zwar alles unterentwickelte Länder, aber die Nahrung und das Wasser dort sind über jeden Zweifel erhaben. Es ist ja kein Staat da, der sich einmischt. Mir wird ganz flau.
Wie blauäugig kann man sein? Nein, ich glaube die Frage muss lauten: Wie blauäugig kann man hier und heute sein? Diese ganzen Staatseingriffe erfolgten (meist) doch nur, weil die schädlichen Nebenwirkungen der freien Marktkräfte überhand nahmen und der Schaden größer war als der Nutzen des Handels. Der Naturzustand ist liberal. Die überwachten Regeln und Vereinbarungen ermöglichen dann eine auskömmliche Existenz.
Es hat schon seinen Sinn, dass es z. B. auch Bankzulassungen gibt.
Es hat auch seinen Sinn, diesen Kommentar mehrmals gelesen zu haben! Es hat nämlich eine Weile gedauert ;-), bis ich ihn als extrem sarkastisch erkannt habe; jetzt erst ist es soweit, dass ich applaudieren kann: Bravo!
btw: “”Der Naturzustand ist liberal.”
Interessante Feststellung - aber ist er das auch? Der Naturzustand ist erst einmal ein “Rohzustand”, mit dem Menschen nicht klarkommen, sollten sie miteinander leben müssen. Also schaffen sie sich Regeln und bauen eine Instanz oben drüber, die aufpassen soll, dass ihre Regeln auch von den Rohlingen unter ihnen eingehalten werden; ich finde das in Ordnung - darunter auch unbedingt die Vergabe von Bankzulassungen ;-).
Wenn der Naturzustand tatsächlich eine liberaler wäre, dann hätte er schon einen beachtlichen Zivilisationssprozess durchlaufen; inzwischen hat er erst mal Station bei der Wirtschaft und bei der Esoterik gemacht; in der Gesellschaft angekommen ist er noch lange nicht, der natürliche Liberalismus, wahrscheinlich, weil er ihr noch immer so unnatürlich vorkommt…
Um meine (laienhafte) Sicht auf die Vorgänge darzustellen, lasse ich (Fachmann) Gerald Braunberger von faz-net sprechen:
“Es hat nichts mit Sozialneid zu tun, daran zu erinnern, dass erfolgreiche Bankmanager zweistellige Millionenbeträge im Jahr verdienen, erfolgreiche Manager von Hedge-Fonds und Private-Equity-Häusern sogar noch viel mehr. In solchen Zeiten gerieren sich Bankmanager als Advokaten freier Märkte.”
(Was mich nachhaltig irritiert hat…)
“Droht das Kartenhaus der Spekulation zusammenzubrechen, sollen Notenbanken und Steuerzahler sie heraushauen. Dem Staat bleibt im Interesse des Gemeinwesens nichts anderes übrig, als das zu tun. Für das Ansehen der Finanzbranche sind solche Rettungsaktionen jedoch fürchterlich. Dass nun nach Regulierung gerufen wird, hat sie sich selbst zuzuschreiben.”
(…und was mich heute zunehmend irritiert. Quo vadis, Statler?)
“Dem Staat bleibt im Interesse des Gemeinwesens nichts anderes übrig…”
DAS Postulat der Politik…
So schafft sich der Staat seine Existenzberechtigung selbst.
“So schafft sich der Staat seine Existenzberechtigung selbst.”
Stimmt, und die für einen “Bankensozialstaat” im Sinne einer neuen Umverteilung von unten nach oben gleich dazu. Hier verlangt er Solidarität für Auswüchse, die die unkontrollierten Kräfte eines freien Marktes in Verruf bringen, weil der spekulativen Gier keine Grenzen gesetzt werden können.
Die logische Konsequenz daraus? Noch mehr “Markt im Staat” oder doch wieder mehr “Staat im Markt”? Ich zahle nämlich nicht gern für anderer Leute Glücksspiele.
Für viele Bankenmitarbeiter existierten aus meiner Sicht offenbar starke Anreize, die mit den Krediten verbundenen Risiken systematisch unterzubewewerten.
Wie soll denn deiner Meinung nach ein solches Marktversagen in Zukunft verhindert werden?
Geschieht das deiner Meinung nach automatisch, durch strengere interne Prüfungen in den Banken?
Wie sehen denn diese Anreize zur systematischen Unterbewertung durch Bankenmitarbeiter aus?
Wer hat die ins Leben gerufen? Wo kommen die her?
Von den Banken selbst und sind demnach gewollt und Teil eines Kalküls?
Wenn sich dein Gehalt zum nicht unwesentlichen Teil durch das Volumen der von dir vercheckten Finanzderivate - die auf Hypothekenkrediten basieren - definiert, hast du als homus economicus kein Interesse an einer sauberen Prüfung der damit verbundenen Risiken. Schliesslich wirst du nicht dafür haftbar gemacht, wenn der Wert der Derivate abschmiert.
Homo
Na, David, muss sowas denn sein? Das hat doch schon bei Ole von Beust nicht geklappt.
Man muß es halt immer wieder versuchen!
…mag ja sein, dass die Risiken von den Mitarbeitern falsch bewertet wurden; allerdings gehört eine Bank ja auch irgendwem, der sich letzendlich nicht nur seine Mitarbeiter aussuchen, sondern auch deren Arbeitsweise vorgeben kann (im Rahmen, natürlich).
Im Übrigen kann man eine Falschbewertung von Risiken nur dadurch wirkungsvoll verhindern, indem man Spekulationen gänzlich verbietet… das ist das Wesen von Spekulationen: Man schließt eine Wette ab, einer gewinnt, der andere verliert.
Über den üblichen Regulierungs-Wahn der Sozis darf man sich hier nicht wundern, wenn der Obertrottel Ackermann den Linken sogar noch die Argumente liefert.
OK, er ist als Lobbyist für sein Unternehmen tätig und dazu gehört auch der Versuch, möglichst viel Steuergelder locker zu machen.
Aber der mittelfristige Schaden seiner Äußerungen ist enorm, auch für die Deutsche Bank.
Ich will das auch haben.
Bei der nächsten gescheiterten Einsatz von Innovationen in Form openSource oder kommerzieller Software, die in Verzweifelung, Chaos und Wut bei mir und beim jeweiligen Kunden endet, möchte ich auch ein paar Bimbes aus der Staatskasse.
[...] Die Zeche werden wir alle bezahlen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erklärt desillusioniert: “Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte” und fordert eine “konzertierte Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken”. Das ist natürlich nochmal ganz was anderes — das ist der Vollkasko-Bankenwohlfahrtsstaat. [...]
Clarke and Dawe: the comic duo you can bank on
http://www.abc.net.au/australiawide/stories/2008/200803/s2190009.htm
Ackermann agiert vermutlich (wie beinahe immer) ausschließlich im Interesse der Deutschen Bank. Das ist konsequent und richtig. Man kann ihm kaum vorwerfen, dass er den staattlichen Fürsorgedrang finanziell für seine Branche und damit auch für sich ausnutzt. Das Problem ist nicht seine Forderung, das Problem sind die politischen Positionen, die es uns wahrscheinlich werden lassen, dass er damit auch durchkommt.