Bischof Marx: Der Teufel trägt Anzug mit Nadelstreifen und Krawatte!
Bischof Marx meint im BAMS Interview allen Ernstes, er habe den Teufel gesehen, der ” Geschäftsanzug mit Nadelstreifen und Krawatte” getragen hat!
Marx: “Aber ich habe schon einmal vom Teufel geträumt. Er sah übrigens aus wie Sie, Herr Backhaus! (Der BAMS Journalist)
Backhaus: Wie bitte?
Marx: “Ja, er trug einen Geschäftsanzug mit Nadelstreifen und Krawatte. Er zog mich nach unten. Da habe ich auf lateinisch das „Ave Maria“ gebetet, und war wieder oben.”
Teuflischer Kapitalismus: auf diese Idee kam bisher weder Stalin, Chavez noch Lafontaine.








“Teuflischer Kapitalismus: auf diese Idee kam bisher weder Stalin, Chavez noch Lafontaine.”
Nachdem ich mich durch das Interview gequält habe, bleibt nur die Feststellung: Der Herr Bischof Marx allerdings auch nicht. Und vorher stand da nur was von einem ausufernden Kapitalismus - was auch immer das sein mag.
Wie auch immer: Katholizismus und Kapitalismus waren nie Wahlverwandte. Aber das ist ja nichts neues.
Von teuflischem Kapitalismus ist da keine Rede. Bischof Marx bezeichnet sich selbst ein paar Fragen vor den Zitierten als einen Anhänger der Marktwirtschaft.
Meine Güte, jetzt müssen sich nicht gleich die Schlipsträger verfolgt sehen. Die Religiösen haben halt eine etwas andere Wahrnehmung der Dinge. Wenn man so etwas wie den Teufel nicht für Kinderkacke hält, übrigens gab es den im Urchristentum nicht in der Form wie er später beschrieben wurde (Hörner und so…), muss man sich auch über Nadelstreifen nicht wundern.
Klar, das ist in der Tat etwas zugespitzt. Da geht es ihm aber wohl auch um ein Symbol des Kapitalismus. Was meinst Du denn zu diesem Traum, Statler?
Marx ist wirklich alles andere als ein Marktwirtschaftler. Der bekennt sich so zur Marktwirtschaft wie Oskar Lafontaine es tut. Das kann man immer wieder in seinen Stellungnahmen sehen. Seine Positionen zu anderen gesellschaftlichen Fragen sind auch jenseits von gut und böse sozusagen..:-)
Ich glaube, daß der Marx da liberaler ist, als viele denken. Er hält die Marktwirtschaft für sinnvoll, hat aber bezüglich Gier, Egoismus etc. ein paar kritische Anmerkungen an die handelnden Individuen. Und dafür ist ein Bischof doch da, oder?
So, und bevor jetzt wieder die Gordon-Gekko-ist-toll-und-Ayn-Rand-ist-unsere-Göttin-Radikalinskis loslegen, sage ich denen schonmal präventiv: Lest Adam Smith, Ihr Pappnasen. Zum Liberalismus gehörte nämlich immer auch eine Hoffnung auf Selbstmäßigung und Selbstkontrolle, auf Geltung informeller Normen. Und das spricht Marx an.
[Marx] hält die Marktwirtschaft für sinnvoll, hat aber bezüglich Gier, Egoismus etc. ein paar kritische Anmerkungen an die handelnden Individuen.
‘n bisschen mehr als ein paar “Anmerkungen an Individuen” sind da schon drin, nicht wahr? Er fordert eine “Rahmenordnung” für den Kapitalismus sowie “eine weltweite Regelung für Finanzströme, Arbeitnehmerrechte und das wirtschaftliche Verhalten, wie wir sie im Nationalstaat bereits erarbeitet hatten”.
Einem Vertreter der SPD oder der Linkspartei hätten Sie das nicht so einfach durchgehen lassen, geben Sie’s zu.
Zum Liberalismus gehört die völlige Suspendierung jeglichen “Wertesystems” oder was man dafür hält bzw. glaubt, dafür halten zu sollen (können, dürfen), Herr Kollege Statler.
>:-/
Wäre das dann nicht *Neo*liberalismus? ;-)
Der Teufel trägt Priestergewand.
Nach der Kirchenspaltung dachten das die Gegner des Papstes auch.
Ich habe mal so Verrückte aus Stuttgart-Feuerbach (Priesterbruderschaft Pius X., diese Levevre-Leute) kennengelernt. Die gehen ja ab, mei liaba! Aber Ratze versucht die ja jetzt mit gesoftetem Antijudaismus wieder in den Schoß der ecclesia romana zurückzuholen, oder?
Ich sag jetzt mal ins Blaue hinein: Liberalismus-kompatibel ist am ehesten der Buddhismus.
So, jetzt hat DDH wieder ne These aufgestellt. Empört Euch!
:-)
Ich finde Liberale seltsam, die sich Gedanken darüber machen, welcher Religion Liberale anzugehören haben…
Es geht doch wohl eher darum, wo man sich als liberaler Atheist am wohlsten fuehlt. Man sollte sich vielleicht mal darueber Gedanken machen, warum es in buddhistischen Laendern z.B. keinen strukturellen Antisemitismus gibt.
Zufällig heißt der Mann ja nicht so und kommt dann auch noch aus Trier. Der wird euch hier noch viel Freude machen, glaube ich. Hurra - ich glaube.
Reinhard Marx kommt aus Geseke und hat ein paar Jahre in Trier gelebt.
Der Teufel trägt Nadelstreifen ?
Warum auch nicht. Er fuhr ja auch im Blitzkrieg einen Panzer und trug die Abzeichen eines Generals…
Wobei der Text von Sympathie for the Devil durchaus zum Nachdenken anregt, ob das was wir teuflisch nennen nicht Teil der menschlichen Natur ist.
Wir Gier und Neid.
IMHO ist aber die Kontrolle über die eigene Natur Teil der menschlichen Kultur.
So, Interview durchgelesen.
Da schlägt der Herr Bischof ja ganz schöne Nägel ein, allein schon die Bemerkung zu den Umfragewerten von Jesus am Ende seiner Karriere rofl…
Der eine oder ander Christ / Sozialist mag sich zwar an den Worten des Bischofs stören, aber gibt’s sonst was dran zu meckern ?
Nee, also bei aller gebotenen Verehrung (oder sollte ich eher “mildem Mitleid” sagen?) vor der katholischen Kirche im Allgemeinen und Herrn Marx im Besonderen, da hat er unrecht.
Der Teufel trägt keine Nadelstreifen! Er trägt Jeans (vulgo Nietenhosen)! Sollte der Teufel weiblicher Gestalt sein, so trägt er sicher auch ein Arschgeweih, das lenkt vom Teufelsschwanz ab.
Ich finde es immer wieder amüsant, wenn sich Kirchenfürsten zur politischen Situation äußern. Ich zitiere hier nur mal den HErrn: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” und “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist” (aus dem Buch zum Film). Da wäre er gut beraten, beschränkte er sich auf seine Kernkompetenzen.
Was ist das nur für ein ärmlicher Liberalismus, der sich durch den Bezug auf einen simplen Kleidungscodes angegriffen fühlt?
Statler hat das wichtigste schon gesagt. Ein wirklich gutes Interview, ich find meinen neuen Bischof richtig gut und freue mich auf seine weiteren Debattenbeiträge.
[...] der Teufel denn anders aussehen? Gott nee, da gibt‘ es Leute, die glauben immer noch, der Typ rennt mit Spieß und Pferdefuß durch die [...]
Wenn ein hoher Kirchenvertreter Unternehmer und Manager metaphorisch als das ultimative Böse bezeichnet, ist das schon mehr als traurig.
Übrigens - unabhängig von eventuell wahren und wichtigen Aussagen - macht man sich ja doch eher lächerlich, wenn man heute immer noch von “dem Teufel” schwadroniert. Dieser Trick hat im Mittelalter zwar funktioniert, aber langsam sollte der echt niemandem mehr vom Hocker reißen.
Wenn ein hoher Kirchenvertreter Unternehmer und Manager metaphorisch als das ultimative Böse bezeichnet, ist das schon mehr als traurig.
Wenn jemand nicht lesen kann, sogar noch mehr.
Genau, Marvin! Besser kann man es nicht sagen.
Scheinbar reiß Marx aber noch einige vom Hocker.
Joachim bringt es mit seinem Kommentar zum “Gottlos-TV” auch auf den Punkt. Wenn man schon wie Marx in der katholischen Kirche zu den erzkonservativen gehört…Die Zeit beschreib ihn gut:
http://www.zeit.de/2007/50/Erzbischof-Marx?page=all
“Reinhard Marx verbindet in seiner Person leidenschaftliches, auch grübelndes soziales Engagement mit einer doktrinären Fröhlichkeit – anders ausgedrückt: politisch und sozial links, theologisch unverkrampft konservativ.”
Marvin bringt es auf den Punkt! Es geht hier nicht um Solidarisierungen mit Anzugsträgenr, sondern um das was Marx hier aussagt.
Eben darum scheint es nicht zu gehen.
Ja, er fordert eine “Rahmenordnung” usw., die von Politikern gestaltet werden soll. Was man darunter genau verstehen will, ist Ansichtssache. Aber dass der Staat zb den Zugang zum Markt offenhält, der Bildung von Kartellen etc. vorbeugt, ist vernünftig.
Marx ist insoweit tatsächlich marktwirtschaftlicher als die meisten anderen Kirchenvertreter. Was den “Geschäftsanzug mit Nadelstreifen und Krawatte” angeht:
Ich denke, er meint nicht, dass alle oder auch nur die meisten der entsprechend gekleideten Leute bösartig sind. Er wollte sagen, dass Bösartigkeit AUCH in respektabler Verpackung auftreten kann.
Was ein guter Katholik schon können muss: in Bildern sprechen! Der “teuflische” Anzug sollte da nicht schrecken…
Was dieser Bischof hergibt, ist (emotional) intelligente, barocke, und damit eine heute durchaus respektable Haltung. Sogar die (gottlob!) überstandene Fastenzeit lässt er im Nachhinein grüssen: schliesslich sind die Katholiken keine Kost- bzw. Markt-Verächter.
In punkto Wirtschaft und Gesellschaft sehe ich bei ihm recht vernünftige Ansichten; sogar die zum permanent umstrittenen Zölibat finde ich in Ordnung. (Ist zwar jetzt - sorry! - leicht OT, aber das frage ich mich schon lange: will man den Priestern denn ihren Verzicht nicht mehr gönnen? Sollen sie ihn doch haben, wenn sie sich schon in guter Freiwilligkeit vertraglich darauf festlegen. Es winkt ihnen immerhin der Genuss einer Vermittlerrolle zwischen Geist und Fleisch… und ehrlich gesagt: wer kann sich die sonst noch leisten ;-D?)
“Reinhard Marx (54) ist der Hoffnungsträger des deutschen Katholizismus”, schreibt die bamS. Finde ich schon, möchte ihm nur empfehlen, Hoffnung weiter medial von aussen (und nicht von Amts wegen) hereinzutragen ;-)…
In dem Kinderbuch “Der Wunschpunsch von Michael Ende” taucht der Teufel auch in Schlips und Kragen - als Gerichtsvollzieher - auf.
Man denke dann ferner an die “Grauen Männer” mit Anzug und Aktenkoffer, die in Endes “Momo” den Menschen die Zeit stehlen.
Das sich einige gleich so angegriffen fühlen…
Der Bischof meint ja nicht alle Nadelstreifenträger. Nur das eben ein Teufel in Nadelstreifen denkbar ist.
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Teuflischer Kapitalismus: auf diese Idee kam bisher weder Stalin, Chavez noch Lafontaine.
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Chávez schon. Obwohl er - wie übrigens Pinochet zu seiner Zeit auch - häufiger mit starker Kritik von der Amtskirche leben muß, referenziert er die Volksfrömmigkeit start. Er setzt die gesamte “Oligarchie” und “el imperio” (USA) mit dem Antichristen gleich. Häufiger nennt er noch Judas als ersten Kapitalisten. Nach Chávez jemand, der seine eigene Großmutter für Geld verkaufen würde. Dagegen wäre Jesus Christus der erste Sozialist.
Bischof Marx stellt sich nicht gegen das System an sich, sondern gewisse Auswüchse.
Ich habe Bill Gates und Steve Jobs bis jetzt immer nur in Schlabbersachen oder normalen Anzügen gesehen und die neuen Kapitalisten 2.0 (^^) tragen eh ein „Dishdasha“. :D
P. Diddy wird ab und zu noch in echten Nadelstreifen gesehen.
Mehr fallen mir nicht ein.
Schau dir mal Gruppenfotos der Mont Pelerin Society an ;)
Schon erstaunlich, dass diese Teufels-Passage von Bischof Marx diese Debatte auslöst. Hier geht es nicht darum, Anzugsträger zu verteidigen, ob die liberal sind oder nicht, sondern darum zu zeigen was Bischof Marx denkt und sagt. Wenn eine solche Passage über eine Teufelsbegegnung hier einige als völlig normal empfinden, gut, ich finde es erschreckend.
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.
So steht es in Bibel, ist doch altbekannt.
Der Unterschied der Christen zu den Sozialisten ist an sich, dass die “Abrechnung” mit den Reichen auf das Jenseits vertagt wird, wobei mancher Pastor auch in den diesseitspolitischen Aktivismus driftet.
Nebenbei füllt das die Kassen der Kirche, wenn das schlechte Gewissen der Reichen genährt wird.
So steht es in Bibel, ist doch altbekannt.
Ja, aber wie es ist es gemeint? Ich gebe mal einen Tipp: 1. Gebot.
Nebenbei füllt das die Kassen der Kirche, wenn das schlechte Gewissen der Reichen genährt wird.
Woraus der Papst dann seine Orgien bezahlt, wie wir wissen.
Bibelexegese - ein unerschöfpliches Feld.
Bei den Aktivitäten von Jesus (gegen die Wechsler im Tempel) als auch von Luther (gegen die Ablassprediger) meine ich zu erkennen, das versucht wird, das Geschäftliche aus der Religion zu verdrängen.
Wer allerdings Geschäftsleute wie dieser Bischof Marx verteufelt, holt das Geschäftliche wieder unter umgedrehten Vorzeichen ins Religiöse (Der Teufel ist eine religiöse Negativ-Gestalt) - schießt über´s Ziel hinaus?
Jedenfalls gibt es in der Bibel ein gewisses Potential für Sozialismusprediger, es tauchen ja immer wieder “Christussozialisten” auf.
Im katholischen Katechismus wird das Eigentum aber verteidigt.
Bibelexegese - ein unerschöfpliches Feld.
Ja, aber ein der Vernunft zugängliches…
Bei den Aktivitäten von Jesus (gegen die Wechsler im Tempel) als auch von Luther (gegen die Ablassprediger) meine ich zu erkennen, das versucht wird, das Geschäftliche aus der Religion zu verdrängen.
“Aus der Religion” - sicher! Was sonst!
Wer allerdings Geschäftsleute wie dieser Bischof Marx verteufelt, holt das Geschäftliche wieder unter umgedrehten Vorzeichen ins Religiöse (Der Teufel ist eine religiöse Negativ-Gestalt) - schießt über´s Ziel hinaus?
Nu mal langsam mit de junge Pferde. Marx verteufelt nicht Geschäftsleute, sondern er berichtet von einem Traum, in dem ihm der Teufel als Geschäftsmann erschienen ist. Was jetzt so bemerkenswert nicht ist: Wenn es den Teufel gibt, dann kann und wird er als alles Mögliche in Erscheinung treten.
Wer sich mit der katholischen Sozialllehre befasst (der ich übrigens, wiewohl im Grunde auch Katholik, zu großen Teilen kritisch gegenüberstehe), wird dort keine generelle Abneigung z.B. gegen Unternehmertum finden, aber sehr wohl Ansprüche in der Hinsicht auf das, was in das GG als Sozialpflichtigkeit des Eigentums eingegangen ist. Kann man gut finden oder nicht, ist aber schwarz-weiß nicht zugänglich.
Jedenfalls gibt es in der Bibel ein gewisses Potential für Sozialismusprediger, es tauchen ja immer wieder “Christussozialisten” auf.
Ja. Es wird immer Leute geben, die ihre Ideologie in Jesus hineinprojizieren wollen. Immer aber verpassen sie auch den eigentlichen Punkt, nämlich den des Glaubens. Jesus war kein Sozialist, Kommunist oder Konservativer. Er war eine Art jüdischer Fundamentalist (und für uns Christen der Sohn Gottes…). Nur von daher sind er und seine Botschaft zu begreifen.
“Ja, aber wie es ist es gemeint? Ich gebe mal einen Tipp: 1. Gebot.”
Ich habe mir überlegt, dass Raysons Interpretation den Bibel-Ausspruch vom Nadelöhr und dem Kamel nicht im geringsten entschärft.
Soll das nämlich heißen, dass jeder Reiche unter Ketzereiverdacht zu stellen sei, weil sein Reichtum als Hinweis darauf zu werten ist, dass er neben oder statt Gott den Gott Mammon verehrt?
Der schärfste Kritiker des Christentums, Nietzsche, hat es als religiöse Bewegung von Sklaven und Unterprivilegierten durchanalysiert. Derartige Statements von Geistlichen wie Bischof Marx haben Methode und erstaunen mich so sehr wie Regenwetter in Norddeutschland.
Soll das nämlich heißen, dass jeder Reiche unter Ketzereiverdacht zu stellen sei, weil sein Reichtum als Hinweis darauf zu werten ist, dass er neben oder statt Gott den Gott Mammon verehrt?
Bestand der Ehrgeiz Jesu etwa darin, andere als Ketzer zu verurteilen? Es geht nur um die individuellen Konsequenzen: Jeder, der irgendetwas, und das muss nicht materieller Reichtum sein, über oder neben Gott stellt, hat nun einmal logischerweise in Sachen Gottes Gnade ziemlich schlechte Karten.
Übrigens ist es wichtig zu erkennen, dass Jesus von diesem Reichen gar nicht mehr gefordert hat als von seinen anderen Jüngern. Denn diese haben, um ihm zu folgen, auch ihre Berufe und sogar ihre Familien aufgegeben. Dass der Reiche nicht ebenso zu einem konsequenten Verzicht auf sein bisheriges Leben bereit war, kann somit laut Jesus als Symptom herangezogen werden, wie sehr Reichtum den Menschen in seinen Bann zu ziehen vermag.
Halten wir aber fest, dass Jesus dem Reichen seinen Reichtum überhaupt nicht vorgeworfen hat. Er dürfte eher Mitleid gehabt haben. Das habe ich übrigens auch, wenn ich viele der Reichen und angeblich Mächtigen so sehe.
Der schärfste Kritiker des Christentums, Nietzsche, hat es als religiöse Bewegung von Sklaven und Unterprivilegierten durchanalysiert.
Wie verwerflich…
“Jeder, der irgendetwas (…) über oder neben Gott stellt, hat nun einmal logischerweise in Sachen Gottes Gnade ziemlich schlechte Karten.”
Woher weisst Du das “logischerweise”? Egal, es würde jedenfalls bedeuten, dass auch Du von diesem “furchtbaren Herrn” ausgehst, der seine Eitelkeit darin verletzt sieht, andere “Götter” neben sich gestellt zu wissen - Mammon eben, oder etwa Zeus ;-)…
(btw.: ich staune übrigens sehr darüber - sorry! - wie man an so ein Gottesbild “logischerweise” glauben mag.)
Sehen wir es einfach aus Sicht des Christen: er muss natürlich seine gesamte Zeit und seine gesamte Kraft »aufteilen«, um seiner Verantwortung als Mensch nachzukommen. Nirgendwo in der Bibel steht (soweit ich weiß), dass er seinen Broterwerb und seine Verantwortung für die Mitmenschen aufgeben soll. Im Grunde ist aus der Bibel auch nicht abzuleiten, dass alle gleich arm und besitzlos sein sollen.
Jetzt geht es aber darum, wovon der Mensch sich hauptsächlich leiten lässt. Und wenn er sich eben hauptsächlich vom Ziel des schnellen und mühelosen Gewinns leiten lässt, dann kann er sich nicht gleichzeitig als »Christ« bezeichnen. Das ist weniger eine Angelegenheit zwischen dem Christen und Gott, sondern eher eine Angelegenheit zwischen dem Christen und seinem Gewissen.
PS: Ohne Rayson vorgreifen zu wollen: ich glaube nicht, dass man aus dieser Bemerkung sein ganzes Gottesbild erkennen kann — und ich glaube auch nicht, dass hier der richtige Ort wäre, um über mein eigenes zu schreiben ;-)
(…und ich glaube nicht, stefanolix, dass Euer beider Gottesbilder geeignet wären, um hier ein Sündenregister zu eröffnen… das will ich Euch mal blanko zugute halten…)
Du schreibst: “Das ist weniger eine Angelegenheit zwischen dem Christen und Gott, sondern eher eine Angelegenheit zwischen dem Christen und seinem Gewissen”
Ich würde sagen: …zwischen dem *Menschen* und seinem Gewissen, denn *jeder* hat eines - behaupte ich. Und ob der Bischof als “göttlicher” Substitut im Sinne der Lehre seiner Kirche prokapitalistisch denkt (oder nicht), ist mir eigentlich egal - begrüsse es aber gern als “göttliche Eingebung”, wenn er es tut ;-D.
Zur Beurteilung relevant ist mir dennoch nur mein Gewissen.
Woher weisst Du das “logischerweise”?
Mal eben lässig das NT rezipierend. Die Gnade Gottes ist nicht zum Nulltarif zu haben. Man muss Gott schon aus ganzem Herzen lieben - Dreiecksbeziehungen passen da nicht rein.
Ich verstehe nur nicht, dass sich Nicht-Christen immer darüber ärgern, nicht in ein Heilsversprechen einbezogen zu sein, an das sie eh nicht glauben. Ist das die typisch neoliberale Entsolidarisierung nach dem Motto “Mitmachen will ich nicht, aber den Nutzen schon”?
“Mal eben lässig das NT rezipierend.”
Ach komm, Rayson, das macht es zwar (im Wortsinn) glaub-haft, aber nicht logisch. Zu Deinen spekulativen Folgerungen aus meiner Anfrage schweige ich dann lieber; ich kann sie nämlich nicht ernstnehmen ;-).
Logisch im Sinne des gegebenen Glaubenssystems. Oder soll Glaube und Logik grundsätzlich nicht zusammengehen?
Zumindest nach dem Verständnis der Aufklärung geht Glaube mit Logik, also Irrationales mit Rationalem, nicht zusammen. Das ist die eine Seite.
Andererseits liegt - IMHO! - durchaus eine Logik darin, sich die elementare offene Frage (und andere offen gebliebene…) mittels der Übernahme eines Glaubens beantworten zu wollen, der neben dem christlichen sonst noch im weltweiten Angebot ist.
Ich fände es auch logisch, sich dazu einen Gott auszusuchen, dessen Gnade nicht durch gottesfürchtige Demut und bedingungslose Liebe zu verdienen, also zu erkaufen ist - wie es seine selbstbestellten Verwalter auf Erden glauben machen wollen.
Ich jedenfalls glaube *das* nicht, sondern setze “bei Gott” (und der Marktwirtschaft) logischerweise auf Freiwilligkeit ;-).
Der Marx-”Traum” fügt sich gut in aktuelle Bestrebungen der katholischen Kirche sich besser an den Zeitgeist und den Lämmergeschmack anzupassen. So auch mit ihrem neuen Sündenkatalog, der - hochgradig trendy - Schädigung der Umwelt als Todsünde definiert. Homosexualität wird nicht verurteilt, dafür aber der Kinderschänder als populäres Feindbild aktiviert.
Frage: Wie kann man eigentlich leben, ohne die Umwelt zu schädigen? Jeder von uns stößt ja schon beim Atmen CO 2 aus.
Ich bin kein Katholik, aber ich vermute, dass es in diesem Fall um Schädigung der Umwelt im Sinne von »Brunnenvergiftung« und nicht im Sinne von »Ausatmen« geht. »Ausatmen« kann im biologischen Sinne übrigens überhaupt keine Umweltschädigung sein …
Ich vermute auch, dass Du Dich noch nicht näher mit dem Begriff »Todsünde« auseinandergesetzt hast. Aber das kannst Du ja nachholen ;-)
Eine Todsünde ist ein schwerwiegendes Fehlverhalten, das großen Schaden verursacht. Dem Täter muss die Schwere der Sünde bewusst sein. Das Fehlverhalten muss aus freiem Willen begangen worden sein. Eine schwerwiegende Schädigung unserer Lebensgrundlagen kann also durchaus als Todsünde bezeichnet werden — das Brunnenvergiften ist ja in diesem Sinne auch eine …
…und ich komme aus dem Staunen nicht heraus.
Ich stimme zwar Deiner hilfreichen Interpretation zu, würde aber gern die Kategorie Todsünde (als schmähliche Erfindung der Kirchen) von der strafbaren Handlung des Brunnenvergiftens (und Umweltverschmutzens) isoliert und als solche benannt sehen.
Wo kämen wir (wieder) hin, wenn wir einen Bischof Marx unsere Verfehlungen als “Todsünden” einvernehmen lassen?
Wenn eine Handlung strafbar ist, dann wird der Handelnde es erst so empfinden, wenn er bestraft wurde. Wird sein Handeln nicht entdeckt und nicht bestraft, ist es zwar immer noch eine strafbare Handlung, aber der Handelnde weiterhin ein Ehrenmann.
Die Gottesfurcht hatte durchaus seine Vorteile, denn die nicht entdeckten Täter fürchteten zumindest Gott als Richter.
Ich habe nicht die Zeit, Fürst Borwin aus der Stiftungsurkunde des Doms zu Güstrow zu zitieren, der diese Gottesfurcht, die Furcht vor dem letztendlichen Entdecken strafbarer Handlungen sehr gut beschreibt
Ob man alle historisch genannten Todsünden als solche wertet, bleibt jedem selbst überlassen. Aber du wirst mir doch zustimmen, das die meisten von ihnen nicht unbedingt erstrebenswert sind.
Das ist falsch, Libero, denn das Gewissen auch dieses “Ehrenmannes” sagt ihm, dass er Unrechtes tut - behaupte ich.
Nein, ich hab’s wirklich nicht mit der Gottesfurcht. Kein “Gott” kann wollen, dass wir uns vor ihm fürchten. Dann ist er kein “Gott” - behaupte ich - und schon gar kein “Christengott”.
Dass Verstösse gegen das Unrechtsempfinden erstrebenswert wären, habe ich nicht - behauptet.
Wo kämen wir hin, wenn wir meinen Kommentar zu einer provokativen Spezialfrage (Atmen und Umweltschädigung) so verallgemeinerten? ;-)
Meine Verfehlungen kann der Bischof Marx jedenfalls weder einvernehmen noch kategorisieren, weil ich gar kein Katholik bin …
Hast Recht, stefanolix, wo kämen wir hin mit diesen Verallgemeinerungen, die aus einem Kommentar zu einer provokativen Spezialfrage ein Dir anzulastendes Delikt machen wollte. Ich bedaure, wenn ich so zu verstehen war ;-)!
(Dein Gewissen ist rein, meines wird eben gewaschen…)
Ich habe nicht behauptet, dass ich keine Verfehlungen begehe, ich wollte nur klarstellen, dass die katholische Kirche meine Verfehlungen nicht zu bewerten oder einzuordnen hat ;-)
Noch zu einem anderen Gedanken: Ich finde nicht, dass in dem Wort “Gottesfurcht” zwingend der Begriff “Angst” stecken muss. Man könnte das Wort auch im Sinne von “Respekt” oder “Ehrfurcht” auslegen.
Und mein Gewissen ist übrigens ein weites Feld …
“Man könnte das Wort auch im Sinne von “Respekt” oder “Ehrfurcht” auslegen.”
Könnte man, gewiss. Vor dem überlieferten alttestamentarischen Gott würde es mir ausserordentlich schwerfallen, statt von “Gottesfurcht” von “Respekt” oder “Ehrfurcht” zu sprechen.
Mich hat er nämlich das Fürchten gelehrt…
Das Fürchten gelehrt: war das Gott selbst oder war das nur sein “Bodenpersonal”? ;-)
Entscheidend ist, wie Rayson unten sagt, ob Kirchenfürsten, Geistliche oder auch Eltern die Macht haben, ihren Willen durchzusetzen. Entscheidend ist, ob sie die Möglichkeit haben, den Menschen Angst zu machen und ob sich die Menschen Angst machen lassen. — Wenn man sich aus diesem Machtbereich entfernt hat, dann steht es aber auch frei, das Wort Gottesfurcht in einem anderen Sinn auszulegen.
“Bodenpersonal”? Danke, auch nicht schlecht ;-D…
Klar, nur dieses greife ich in seiner anmassenden Verfügungsgewalt an; “Gott” selbst und das “Lamm Gottes” können möglicherweise gar nichts dafür, dass sie am Boden bewusst falsch übersetzt werden…
Wieso musst du denn lassen? So, wie es dem Bischof selbstverständlich frei steht, seine theologische Meinung zu äußern, so hast du die Wahl, ob du dich ihr anschließt oder nicht.
Oder spüre ich da ein latentes Unbehagen, dass an der Sache doch was dran sein könnte, weswegen es nicht erwähnt werden sollte?
“…dass an der Sache doch was dran sein könnte…”
Faktor X, meinst Du? Ich rechne nicht mit Unbekannten ;-).
Mit der freien (Wort-) Wahl des Bischofs hast Du natürlich Recht; mir gefällt nur das Etikett “Todsünde” nicht; verbieten kann ich ihm die Nutzung (!) allerdings nicht…