Talibanesk
Offenbar gehen Privatsender davon aus, dass Religion Privatsache ist und bei ihnen nicht vorkommen muss. Man schaut dort nur auf die Quoten. Das ist ein Angriff auf die öffentliche Ordnung
Der katholische Bischof Gebhard Fürst, Vorsitzender der “Publizistischen Kommission” der Deutschen Bischofskonferenz, im Spiegel-Interwiew.
Talibanesk: Zwar mögen sich die Herren Kleriker von der muslimischen Konkurrenz (inzwischen) in den Methoden unterscheiden, aber auch hierzulande ist diese Anmassung, Religion von der Privatsache zur Öffentlichen Sache umzudefinieren, gut dreihundert Jahre nach Beginn der Aufklärung immer noch virulent.
Mir scheint sie im Wesen der monotheistischen Buchreligionen angelegt zu sein - wo die sich zur Kirche organisieren, werden sie nicht anders als der Staat “a dangerous a servant and a fearsome master”.








Ganz genau! Wie ich schon bei mir im Blog geschrieben habe:ja zu Gottlos TV!
Kirchenvertreter und Unions-Politiker kritisieren das unchristliche TV Programm an Ostern. Dabeit ist doch niemand gezwungen, sich “Stirb langsam” anzuschauen. Jeder kann sich “Die Passion Christi” auch anschauen- oder sollen solche christlichen Filme jetzt Pflichtprogramm für alle werden? MP Öttinger meint: “Es wäre wünschenswert, dass auch die privaten Medien auf die religiösen Gefühle der Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger Rücksicht nehmen. An diesem Osterfest ist dies nicht gelungen.” Das erinnert doch sehr an die Mohammed-Karikaturen Debatte. Wo kommen wir denn hin, wenn das TV Programm sich nach der Kirche richtet? Wenn jetzt Politiker wie Öttinger und Haderthauer meinen, das TV Programm müsse sich nach religiösen Gefühlen richten, empfiehlt sich Anschauungsunterricht beim Staatsfernsehen in islamischen Staaten. “Nicht immer sorgt der freie Markt für Qualität”, sagt Bischof Marx, der im gleichen Interview auch meint er habe den Teufel gesehen, der ” Geschäftsanzug mit Nadelstreifen und Krawatte” getragen hat! Von solchen christlichen Fundamentalisten will ich mir kein TV Programm vorschreiben lassen.
Naja, interessiert sich hierzulande außer ein paar Journalisten irgendjemand für das Gebrabbel von Herrn Marx?
Ich meinte natürlich Bischof Marx und seine Kollegen.
Wer der Meinung ist, dass ein PRIVATsender sich der Religion zu widmen habe, wird zur Wahrung der “öffentlichen Ordnung” auch das Morgengebet an der Werkbank fordern wollen.
“…a fearsome master”, ja, so hätten sie es gern! Alle grossen Religionen ausser dem Buddhismius sind IMHO auf Einschüchterung (des frei beweglichen Geistes) vor dem grossen Unbekannten angelegt - man muss nur hinschauen. Privat mag man sich damit arrangieren, den “fearsome master” sogar zur eigenen Zähmung nutzen, aber eines steht für mich fest: er beengt die Phantasie des Menschen.
Es ist nur so: wenn ich Kirchen mit ihrem Produkt Religion wie andere Interessensvertreter als Marktteilnehmer sehe, dann muss ich ihr auch die Idee nachsehen, den lukrativen Markt der RTL-Dschungelbewohner erobern zu wollen.
Glaube als Ware - das liesse ich durchgehen, wenn sie als Privatssache mit deklariertem Herkunftsnachweis und Inhaltsangabe verkauft werden würde. Soviel marktwirtschaftliche Grosszügigkeit muss sein… eine neue Erhebung aber zu halbstaatlichen Instanz wäre für mich genau der “Angriff auf die öffentliche Ordnung”, die Bischof Fürst nicht meint…
Ich habe keine Zweifel daran, daß die nächste Dschungelcamp-Produktion Herrn Bischof Fürst mit offenen Armen empfangen würde.
Ich auch nicht, als quotenträchtigen Exoten…
[...] Wegen humanistischen Idioten, die Religion zur Privatsache machen wollen, gibt es im TV keine katholische Propaganda zu sehen, was einem Angriff auf die öffentliche Ordnung gleich kommt. ~ Talibanesk [...]
The same procedure as every year… so sind sie eben die Religiösen, wollen ihren Rang, ihre Bedeutung, ihren Stellenwert in der Gesellschaft. Da sind die alle nicht groß verschieden.
Cattocommunisti sagt man in Italien.
Und Baader, Groezinger, Hülsmann und Hochreiter sollten - bei aller Wertschätzung - auch mal überlegen, ob es wirklich nötig ist, uns den Liberalismus immer in klerikaler Soße zu servieren.
Mises und Rothbard waren Agnostiker!
Gib’s doch zu, , du hast nur auf mich gewartet ;-)
Ein wenig schade finde ich es schon, wenn Ostern, den Sieg des Lebens über den Tod und Hoffnung für Millionen Menschen, auf diese Art begehen müssen. An platteste Religions”kritik” aller Art bin ich gerade im Umfeld liberaler Blogs ja mittlerweile gewohnt - da offenbaren wackere Individualisten dann doch immer wieder, wie tief die Lust am Schaffen des kollektiven Anderen weiterhin in ihnen steckt.
Du bist ein Meister der Übertreibung. Da äußert sich mal ein Funktionär als Lobbyist, und schon beschwörst du ominös Gefahren herauf, um dein altes Ceterum Censeo mal wieder anzubringen. Mensch (Achim) Meier, wer sich Kirchenvertreter in Rundfunkräte holt, darf sich doch nicht wundern, wenn die sich dann auch berufen fühlen, in solchen Sachen mitzureden.
Aber sie wissen eigentlich selbst, dass ihre Sache aussichtslos ist. So lange die Kirchenfunktionäre sich nicht der Methoden bedienen, mit denen ihre muslimischen Kollegen weltweit erfolgreich für Respekt gegenüber ihrem Glauben sorgen, kriegen sie auch nichts geregelt. Aber das ist unwahrscheinlich: Der Mann, dessen Wiederauferstehung wir Christen heute - als Unterbrechung der Umsturzpläne, die wir sonst als organisierte Kirchen verfolgen - feiern, steht dagegen.
Sorry Rayson, aber der Mann, dessen Auferstehung die Christenheit heute gedenkt, konnte auch Verbrechen schlimmeren Kalibers in seinem Namen nicht verhindern. Irgendwie beruhigt mich auch Dein Hinweis auf den Islam nicht. Denn der ist vielen christlichen Fundis nicht nur Schreck- sondern zunehmend auch Vorbild.
aber der Mann, dessen Auferstehung die Christenheit heute gedenkt, konnte auch Verbrechen schlimmeren Kalibers in seinem Namen nicht verhindern
Was sehr viel damit zu tun hat, dass der Inhalt seiner Botschaft den meisten Menschen damals gar nicht vollständig bekannt war und an seine Stelle Kirchenlehre trat. Das ist heute, wo die Bibel überall verbreitet ist und die meisten Menschen lesen können, etwas anders.
Irgendwie beruhigt mich auch Dein Hinweis auf den Islam nicht.
Das soll er auch nicht.
Denn der ist vielen christlichen Fundis nicht nur Schreck- sondern zunehmend auch Vorbild.
Wäre kein Wunder: Erfolg setzt sich eben durch.
@ Rayson
“- da offenbaren wackere Individualisten dann doch immer wieder, wie tief die Lust am Schaffen des kollektiven Anderen weiterhin in ihnen steckt.”
Versteh’ ich nicht. Bin zwar nicht der Angesprochene, aber was ist die “Lust am Schaffen des kollektiven Anderen” und worin äussert sie sich?
Meinst Du etwa, dass Ungläubige eine Mission gegenüber den Gläubigen zu haben glauben und diese lustvoll verfolgen? Das sollte man Dir aber ausreden…
was ist die “Lust am Schaffen des kollektiven Anderen” und worin äussert sie sich?
Zum Beispiel in der pauschalen Be- und Verurteilung von “den Religionen”, “den Kirchen” und “den Religiösen”.
Na gut, aber was be- und verurteilen wir denn sonst noch so - Tag für Tag? Sollen wir “die Religionen”, “die Kirchen”, “die Religiösen” ausnehmen, obwohl sie Teil unserer Wirklichkeit sind?
Was sollte z.B. ausgerechnet “die Kirchen” unangreifbar machen, wenn sie - wie hier in Person des Herrn Bischofs Fürst - einen Anspruch erheben, der ihnen zu Recht genommen wurde?
(Weil heute Ostern ist - ja, das erscheint mir als die einzige und durchaus respektable Begründung.)
Wenn ich den Spruch vom gefährlichen Diener und furchtbaren Herren auf die Religion(en) und Kirchen anwende, verurteile ich ja nicht einmal pauschal, sondern unterstelle im Gegenteil Gebrauchswert…
So ist es, , und Du unterstellst diesen Gebrauchswert mit der erforderlichen skeptischen bis zynischen Auflehnung, die bei allem Respekt auch zu Ostern nicht anders ausfallen kann ;-D
Sollen wir “die Religionen”, “die Kirchen”, “die Religiösen” ausnehmen, obwohl sie Teil unserer Wirklichkeit sind?
Nicht ungeschickt, Lina, denn so, als abstrakte Abgrenzung von Teilen eines Ganzen, ist die allumfassende Gruppenbildung unverfänglich. Aber sobald du einer ganzen Gruppe eine konkrete Eigenschaft zuschreibst, begibst du dich in unschöne Nachbarschaft.
Was sollte z.B. ausgerechnet “die Kirchen” unangreifbar machen, wenn sie - wie hier in Person des Herrn Bischofs Fürst - einen Anspruch erheben, der ihnen zu Recht genommen wurde?
Welchen Anspruch meinst du? Den auf freie Meinungsäußerung? Oder habe ich was überlesen und der Bischof fordert die Einsetzung einer kirchlichen Kontrollkommission?
Aber ich will die Frage beantworten: Für die Aussage eines Bischofs “die Kirchen” anzugreifen, ließe auf ein gerüttelt Maß an Irrationalität schließen.
“… und der Bischof fordert die Einsetzung einer kirchlichen Kontrollkommission?”
So ungefähr klang mir das - in den Tiefen der Ohrmuschel. Der Bischof verlangt mehr Einfluss, und zwar von einer Qualität, die mich (vom markwirtschaftlichen Aspekt seiner Forderung diesmal ganz abgesehen) an inquisitatorische Gehirnwäscherei erinnert. Im Wollen, wohlgemerkt, erreichen wird er eine “Talibanisierung” hierzulande freilich nicht. Da sind die Anderen einfach besser;-)
Sei’s drum, Rayson. “Frohe Ostern” noch, ehrlich!
Lieber Rayson, wer sich Kirchenvertreter in Rundfunkräte holt, darf… mit meiner Kritik rechnen. Nicht weil ich die Religionslobbyisten dort für eine besondere Gefahr halten würde, sondern weil ich regulierende Rundfunkräte und Staatsrundfunk sowieso für fragwürdige Institutionen halte :-)
Und wie Du weisst stehe ich jederzeit dafür ein, dass Vertreter der verschiedenen Riten ohne wertegemeinschaftliche Einschränkungen “mitreden”, d.h. ihre Lobbyarbeit betreiben dürfen, gleich ob ihr Prophet Jesus, Mohammed oder Ron Hubbard heisst. Solange sie 1.) sich nicht untereinander die Köpfe einschlagen und solange sich 2.) nicht dauernd irgendwelche absurden Dinge ausdenken, mit der ich oder andere Un-/Andersgläubigen sie so tief “beleidigen” oder “bestürzen” könnten, dass sie die “öffentliche Ordnung” gefährdet sehen. Sollen die sich gegenseitig beleidigen und/oder bestürzen, aber mich aussen vor lassen.
Ansonsten, Deinen Standard Einführungs-Textbaustein hätteste auch sparen können :D Ich kritisiere doch nicht Glauben (oder selbst Religion i.S.v. Glaubenssystem) hier - wie könnte ichs? ich weiss doch nicht einmal, was das ist - sondern konkret die Amts(anmassende)kirche(n)…
Schönes Fest noch :-)
Ein wenig schade finde ich es schon, wenn Ostern, den Sieg des Lebens über den Tod und Hoffnung für Millionen Menschen, auf diese Art begehen müssen.
Hm, dann könnten die als Ausgleich nächstes Jahr ja “Dawn of the Dead” oder “Frankenstein Reborn” senden. Bestimmt fände das die ungeteilte Zustimmung von Herrn Marx ;-P
Mit dem “auf diese Art” war nicht das Fernsehprogramm gemeint.
Ich kritisiere doch nicht Glauben (oder selbst Religion i.S.v. Glaubenssystem) hier - wie könnte ichs?
Aber was übers “Wesen der monotheistischen Buchreligionen” raunen… Ja ne, is klar.
Ach, übrigens, dein 2. würde ich mir an deiner Stelle nochmal genauer durchlesen, so wie ich es gerade getan habe…
Da möchtest du anderen vorschreiben, was diese zu denken haben. Wird schwierig in der Umsetzung.
Sat.1 — das sind doch die, die immer spätabends in Sendepausen einen ihre Moderatoren “privat” interviewen, mit viel Gefühl und so, und immer am Ende gibt’s eine nette Geschichte, wie derjenige schon als Kind immer in der Kirche war und wieviel sein christlicher Glaube ihm/ihr bedeutet. Wenn derselbe Sender dann zu Ostern “Stirb langsam” I-III sendet, dann kann man da schon — rein privat natürlich — ein wenig Heuchelei diagnostizieren.
Christen versus Fernsehprogramm…
…nimmt immer noch die Legimitation in Anspruch in allen menschlichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen bewertend Einfluss zu nehmen…….
Nanü ?
Ist jetzt schon das Bezeichnen der Gleichsetzung von Mördern und Demokraten als unanständig ein Löschungsgrund ? Die Begründung für die Löschung würde mich jetzt doch interessieren.
Wer löscht hier?
Ganz anders rum sieht den “Angriff auf die öffentliche Ordnung” Peter Monnerjahr in Telepolis, wie ich gerade gelesen habe:
So weit gehe ich nun nicht: Gräueltaten sind Religions- und Ideologie- übergreifend Fanatismus induziert; schlimmere Verheerungen als das Wüten im Namen Gottes und seiner jeweiligen Propheten hat, zumindest in den letzen 100 Jahren, das Wüten im Namen des Staates und seiner Propheten angerichtet. Aber nachdem nichts unendlich ist (ausser der Irrationalität des Menschen) kann sich das ja auch durchaus wieder ändern…