Individuum vs. Kollektiv
In gut funktionierenden Gruppen ist das schlechteste Gruppenergebnis besser als das beste Einzelergebnis. Weisheit des Kollektivs.
Wer hat das gesagt?
a) Karl Marx
b) Bischof Marx
c) Stefan Blankertz
Jenseits der in letzter Zeit hier leider einige Male vom Polemischen ins Persönliche entglittenen - deshalb umso unnötigeren - Auseinandersetzungen zwischen “parteiliberalen Staazis” und “ungebildeten Libertären” eine spannende Diskussion in der Freiheitsfabrik zum Verhältnis Individuum vs. Kollektiv…




Ja, genau, welches *Rind* hat das gesagt??
Wennste Dir die Mühe gemacht hättest, dem Link zu folgen, hättste nicht so’nen *affigen* Kommentar abgegeben, Spruance…
;-)
Da *fischt* misch nischt an!
Rind muss man dafür nicht sein. Jeder, der schon mal ein Haus oder was Ähnliches gebaut hat, weiß, dass er ohne Hilfe nicht viel ausrichten kann. Unsere gesamte Zivilisation beruht auf Gemeinschaftsleistung. Wichtig am Kapitalismus ist nur, dass er die gesellschaftlichen Möglichkeiten erweitert. Das heißt z. B., wenn eine Familie zu Geld gekommen ist, bietet der Kapitalismus die zusätzliche Möglichkeit, dass sich weniger potente Nachkommen alleine durch die Vereinigung von Familienkapital und “zugekaufter” Mitarbeiter, Facharbeiter und Spezialisten ebenfalls oben halten können. Das geht in kollektivistischen Systemen viel schwerer und die Möglichkeit der persönlichen Protektion schwindet spätestens nach der übernächsten Generation. Kurz, der Kapitalismus bereichte die Gesellschaft um mindestens eine Möglichkeit.
Es ist in Wirklichkeit aber noch viel besser. Der Kapitalismus eröffnet eine Unzahl an zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten alleine auf dem Finanzmarkt. Aber auch niedere Arbeiten (soll heißen schlechter bezahlte) eröffnen sich in kapitalistischen Systemen. Man nehme z. B. Callcenter-Mitarbeiter, die Telefontarife, Internetverträge, Lottospiele und Ähnliches unters Volk bringen. Das gäb’s im Kommunismus nur in viel kleinerem Maße, obwohl – und da sind sich alle Soziologen einig – das Dienstleistungsgewerbe die Zukunft moderner Gesellschaften sind.
Für ein aufgewecktes Köpfchen muss es also immer heißen: Kollektivismus ja, so lange er nützlich ist, aber Schluss ist bei der eigenen Geldbörse. Das ist zumindest der Standpunkt derer, die es bei uns zu was gebracht haben, soll heißen der Elite.
“er Zeit hier leider einige Male vom Polemischen ins Persönliche entglittenen - deshalb ums”
Wer hat’s aus dem Zusammenhang gerissen?
“Was es alles gibt, was ich nicht brauche!”
(Stammt auch von Aristoteles.) - Was ich (nicht) brauche, um (doch!) persönlich zu werden: Das Kollektiv der Freiheitsfabrik zum Beispiel, das als Summe seiner Teile - sorry! - doch nur einen ganzen Stefan Blankertz hervorbringt.
Am Markt sieht es wieder anders aus: der braucht alle seine Teile zum Ganzen, solche und solche, bevor Aristoteles wieder sagen kann: “Was es alles gibt, was ich nicht brauche!” Ich brauch’s auch nicht. (Läuft das jetzt ordnungsgemäss unter der Vorgabe “Individuum vs. Kollektiv ;-D ?)
Aber , sei vorsichtig: Wende den Aristoteles (Das Ganze ist mehr als…) nicht auf die Ungezogenen unter Deinen Kollegen und Kommentatoren an: das ist nicht wahr!
(Gerne mal wieder OT gegangen! Ein dankbares, ein dehnbares Thema…)
Es geht natürlich auch darum, Fähigkeiten zu entwickeln, sich in einer Gruppe entsprechend Gehör zu verschaffen. Solche sozialen Faktoren spielen halt in einer realen Umgebung eine wichtige Rolle.
Ausserdem beziehen sich viele modernen Management Praktiken wie Total Quality oder alles rund um die Agile Bewegung in der IT auf das Zusammenspiel der Individuen in der Gruppe.
Kommt auf die Assoziationen an. Man kann bei der Aussage an einen Trupp Roter Khmer denken, die unter Parolen Beschall Reiskörner aus einer Art Sumpf picken oder ein paar gut organisierter Japaner, die einen Corolla zusammenschrauben und stetig an der Optimierung ihres gemeinsamen Arbeitsprozesses arbeiten.
Das Verhältnis Individuum versus Kollektiv ist auf jeden Fall sehr komplex.
“Kommt auf die Assoziationen an.”
Eben. Ich frage mich auch (angesichts der Bilder, die da plastisch vor mir stehen), wie es kommt, dass dem Kollektiv im mittleren und fernen Osten eine viel grössere Bedeutung beigemessen wird, dass der Einzelne (im Sinne des Ganzen) wenig gilt, das (nationale, kulturelle ?) Kollektiv aber alles.
Sorgen also friedfertige Religionen und hierarchischeTraditionen dafür, dass es dort (noch?) zu keinen ausgeprägt individualistischen Bestrebungen und den damit verbundenen Konflikten kommt?
Ein Resultat daraus lässt sich immerhin mit Händen greifen: die Beschleunigung wirtschaftlicher Prozesse durch das gewachsene und akzeptierte Kollektiv.
“Sorgen also friedfertige Religionen und hierarchischeTraditionen dafür, dass es dort (noch?) zu keinen ausgeprägt individualistischen Bestrebungen und den damit verbundenen Konflikten kommt?”
Gegenfrage: Ist die Vermeidung von Konflikten, die sich evtl. aus individualistischen Bestrebungen ergeben könnten es wert, eine hierarchische (oder: unterdrückende) gesellschaftliche Struktur gut zu heissen, sei sie nun traditionell oder religiös begründet?
“Ein Resultat daraus lässt sich immerhin mit Händen greifen: die Beschleunigung wirtschaftlicher Prozesse durch das gewachsene und akzeptierte Kollektiv.”
Nun, ich bin kein Historiker, wage aber trotzdem die kühne These, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung der heutigen Industrieländer erst dann vollständig entfalten konnte, als die hierarchischen religiösen und traditionellen (Feudalismus) Strukturen zerschlagen wurden.
Das Zitat oben ist, zumindest nach meinem Verständnis des gesamten Textes von Herrn Blankertz, ein wenig zusammenhanglos wiedergegeben.
Es macht einen großen Unterschied, ob eine Gruppe sich freiwillig zusammen schließt (was dann wiederum auf individualistischen Entscheidungen beruht), oder ob sie von einem Dritten zwangsweise zusammengeschlossen wird.
Ne, so hab ich das nicht gemeint.
Für mich bedeutet auch das Kollektiv meiner Kollegen eine Menge.
Als oft Externer sind mir gesunde kollektive Teamstrukturen in Projekten sehr wichtig.
Die Ideen hinter Total Quality Management ist ja auch im Westen von dem oft erfolgreicheren Teil der Wirtschaft stark aufgegriffen wurden.
Für mich ist das nicht “asiatisch”.
Mit Einzelkämpfern mit “genialistischen Gestalteranspruch” hab ich dageben in jeder Hinsicht (Spaß auf der Arbeit, Ergebnisse) sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Dabei bin ich überdurchschnittlich risiko- und innovationsfreudig. Aber eben auch kompromissbereit im Team und nicht als lonesome Cowboy.
Ah, Lemmy ist auch TQM*’ler… sehe das ebenso (und habe es ebenso erfahren). Die notwendige Freiwilligkeit, auf die Stefan Blankertz ein Blog weiter verweist, gilt aber auch hier: die Team-Mitglieder müssen überzeugt sein (werden), sonst kannst Du Dir den schönsten KAIZEN-Workshop verlöten. Das funktioniert nicht Top-Down.
*Trainer Quäl Mich hat das ein Kollege mal genannt :D
“Ne, so hab ich das nicht gemeint.”
Natürlich nicht. Ich habe Sie schon verstanden, wollte auch nicht interpretieren, sondern mir nur erlauben, Ihren Bildern meine Assoziationen anhängen ;-).
Schlechte (und gute) Erfahrungen mit Einzelkämpfern habe ich auch, genauso wie gute (und schlechte) mit Teamarbeit; mit gutem Willen kann beides funktionieren.
Das Quiz war ziemlich einfach zu lösen, selbst wenn die Alternativen nicht so offensichtlich falsch gewesen und ich den Beitrag auf der Freiheitsfabrik nicht schon vorher gelesen hätte:
Ein Satz, dessen Aussage sich mir als einem ausgewiesen Mathematik-Fetischisten erst beim zweiten Lesen einigermaßen erschließt, kann nur von einem libertären Philosophen stammen ;-)
Du meinst jetzt aber nicht Adorno, aus dessen Versen Stefan seine transzendenten Erfahrungen bezieht? *wegduck*
Vielleicht meine ich doch Adorno, der von Stefan zum Libertären uminterpretiert wird? *duck, renn* Ach so, der ist ja gar nicht hier, na dann…
Worauf ich hinaus wollte: Man kennt die üblichen Verdächtigen…
Übrigens finde ich die Diskussionen zwischen “Konsens-Liberalen” wie Statler (oder mir; ich beobachte sowas aber lieber aus einiger Distanz) und Libertären durchaus interessant.
Erinnert mich immer an ein derartiges Szenario:
Zwei identische Zwillinge müssen ein Problem lösen, wobei Zwilling A nüchtern ist und unter Zeitdruck steht und Zwilling B versehentlich seinen Jahresvorrat an halluzinogenen Drogen einwirft.
Grüße, F.A.
Hierarchisch mit “unterdrückend” gleichzusetzen, erscheint mir im Bezug auf gewachsene Strukturen willkürlich und vorschnell. Aus unserer Sicht mögen sie so erscheinen, dort aber werden sie wohl anders (besser gesagt: als dem Ganzen Nutzen bringend) verstanden insofern, als das Kollektiv und nicht das Individuum den Wert an sich darstellt.
Wertfrei gesagt ist das eine andere Prägung, die mit unseren westlichen Erfahrungen (aus dem alten Feudalismus) offenbar nicht konform geht. Einen “zwangsweisen Zusammenschluss” kann ich darin jedenfalls nicht erkennen.
Dass sich die wirtschaftliche Entwicklung (erst in Japan, dann in China) *beschleunigt* vollzieht (nur darauf kam es mir an!), scheint ein Ergebnis dieses gewachsenen und gewollten Zusammenhalts zu sein.
In westlichem Sinn (moralisch) bewerten wollte ich nicht, nehme das eher als ein Phänomen der Mentalität, die sich im Zuge der Globalisierung verändern kann. Vielleicht stellt sie sich aber auch als besonders kompatibel heraus insofern, als die globalisierte Wirtschaft ihrerseits (IMHO!) neue feudale Systeme herausbildet ;-)?
Sorry, falsch platziert, gehört nach oben zu @ F.Alfonzos Antwort.