Die Formel des Faschismus
Der Trick der Faschisten war, dass sie (Staats-) Sozialismus versprachen, ohne die Privilegien der Besitzenden anzugreifen (ausgenommen die der jüdischen Besitzenden – darum war der Antisemitismus für den Nationalsozialismus so zentral: ohne die Juden als Südenböcke wäre die ganze sozialistische Rhetorik nicht aufgegangen). Insofern haben die Besitzenden, um ihre Privilegien zu sichern, den Faschismus gewählt und unterstützt. Sie hätten besser daran getan, ein echtes liberales Programm zu unterstützen – aber dazu hätten sie eben ihre Privilegien abgeben müssen. Insofern hieß die Formel des Faschismus: Kampf gegen den Kommunismus mit den Mitteln des Kommunismus ohne Enteignung (aber mit Abschaffung des Marktes).
Stefan Blankertz in einem Kommentar in der Freiheitsfabrik zu den Gemeinsamkeiten von Faschismus und Sozialismus - und zu einer wichtigen Unterscheidung, die nach den gescheiterten sozialistischen Revolutionen in Europa (Erfolgs-)Grundlage der Machtergreifungen der Faschisten war.
Btw.: Dieser Trick, nicht direkt die Eigentums- sondern die Besitzverhältnisse anzugreifen, überlebte die Niederlage der faschistischen Spielart des totalen Staates - nach der marktwirtschaftlichen Renaissance in den 50er Jahren, die die Grundlage für den Reichtum im Westen legte, führte das im Namen der sozialen Demokratie durchgesetzte Primat der Politik über den Markt zu einem Machtkonglomerat aus “Big Business” und “Big State”. Das man durchaus mit W.I. Lenin als “Staatsmonopolistischer Kapitalismus” - und Vorstufe zum Sozialismus - bezeichnen könnte…








…nun ja, die Frage ist, ob dieses Phänomen wirklich nur in bestimmten Formen der Diktatur auftaucht, oder allgegenwärtig ist (auch in modernen Demokratien)…
Die Privilegierten (i.S.v. reich) sind doch grundsätzlich eine Minderheit, die selbst bei einheitlichem Wahlverhalten keine Chance auf eine “mächtige” parlamentarische Vertretung hätte…
…also bietet man dem/den voraussichtlich regierenden Unterstützung an in der Hoffnung, damit den kleineren Preis zu bezahlen.
Ob das nun Nazis, Kommunisten oder Parteien der heutigen Demokratien sind, spielt eigentlich keine Rolle, oder?
P.S.: Dass sie “besser daran getan hätten”, ein liberales Programm zu unterstützen, wage ich ernsthaft zu bezweifeln, da dieses vermutlich keine Chance gehabt hätte… und es ging auch nicht nur um die Abgabe von Privilegien…
Letzendlich war das ein spieltheoretisches Experiment: Entweder man setzt alles auf eine Farbe (und verendet bei falscher Wahl eventuell im Vernichtungslager), oder man beobachtet das Wahlverhalten der Massen und versucht sich “freizukaufen”…
F.Alfonzo
Lieber Joachim,
das find ich jetzt komisch. Wieso gabs soviel Aufregung wegen MIses, als wir seine “dunklen” Stellen zitierten? Muss erst Herr Blankertz kommen?
Und Pound! Das ist ja nun alles nix neues. Mein Lieblingsdichter war schlicht ein echtes Arschloch, womit ich leben muss.
http://shiftingreality.wordpress.com/2007/08/08/matteotti-faszismus-als-retter-europaischer-gesittung-1924-ein-deutsches-zitat-1926/
Die “Aufregung” (andersherum wäre es selbstverständlich “Kritik”) hat ihre Gründe sicher nicht im reinen Zitieren gehabt. Aber wem erzähle ich das…
Ach T.Albert, es ist schon ein Unterschied, ob man wie bei Euch drüben versucht, Mises (und damit alle konsequenten Liberalen) aus allzu durchsichtigen Gründen in die Nähe des Faschismus zu bekommen oder ob man wie S.B. auf die tragische Unterschätzung der Faschisten (nicht nur) durch Mises hinweist…
Quatsch! Lest eben mal richtig. Dann zitiert uns mal “kritisch”.
Naja, lassen wirs.
“ob man wie bei Euch drüben versucht, Mises (und damit alle konsequenten Liberalen) aus allzu durchsichtigen Gründen in die Nähe des Faschismus zu bekommen”
?????
Ausserdem versteh ich das Problem nicht: gestern, mein lieber Joachim hast Du wieder nach Kräften hier Nazis und Sozialisten, die Dich gleichermassen ekeln, ineins gesetzt. Sowas ist Dein Geschäft, nicht unseres.
Lies erst mal richtig, werter T.Albert, dann klappt’s auch mit dem Verstehen: ich habe zur NPD geschrieben, dass bei denen IMHO Nationalismus und Sozialismus zusammen kommen - wo ist da ne Gleichsetzung?
eben, Du setztst beide ineins. Natürlich diskutiere ich sowas nicht ernsthaft.
Natürlich nicht. Das wäre ja ein glatter Verstoß gegen das Palmström-Prinzip.
Ich sag ja, das ist der Unterschied zwischen uns: ich setze Euch nicht mit Faschisten ineins. Eben nicht. Oder sollten wir das angesichts Deiner palmströmigen Prinzipien ernsthaft diskutieren?
“ich euch” - so kann man stundenlang diskutieren. Dein Widerspruch ist mir bislang allerdings nicht aufgefallen, wenn andere mal eben beiläufig faschistisch und (neo-)liberal als benachbart bzw. verwandt charakterisieren. Aber das nennt man dann wohl eben Arbeitsteilung. Oder eben “Wissenschaft” - was kannst du schließlich dafür, wenn etwas eindeutig erwiesen ist, nicht wahr?
Die von dir eingeführte Vokabel “ineins setzen” fasziniert mich übrigens. Wenn sagt, bei der NPD liefen Nationalismus und Sozialismus zusammen, ist das für dich dann etwa die Definition einer allgemeingültigen Wesenseinheit, obwohl die Logik ja gerade das Gegenteil nahe legen würde?
Oder bist du etwa der verkörperte Sozialismus, wenn du jetzt auch noch meinst, setze nicht nur den Sozialismus (den es doch so angeblich gar nicht gibt!? so langsam wird mir bei den vielen Ausweichmanövern schwindlig) mit irgendwas, sondern sogar “Euch” (also zumindest dich, plus ein paar nicht näher definierte andere) mit Faschisten “ineins”?
Oder ist es da doch Palmström, der da sagt, nie und nimmer dürften Nationalismus und Sozialismus in einem Atemzug genannt werden, und es könne nie und nimmer Versuche geben, beides zu verbinden, weil… ja weil es eben ein “ineins” Setzen wäre und man damit “Euch” zu Faschisten macht?
Das fände ich dann zwar auch noch seltsam, es käme aber wesentlich glaubhafter rüber, wenn du dich an die von dir vorgetragenen Maßstäbe hinsichtlich des eigenen Austeilens vergleichbar sensibel halten würdest.
“ich-Euch” - stundenlang -eben, dann lass es doch.
Überhaupt haste recht mit Deinem Selbstgespräch voller Vermutungen, was ich gemeint haben könnte. Der Palmström in Dir kann sich beim träumen selbst nicht mehr folgen, das ist das Problem. Und natürlich kannst Du Nationalismus und Sozialismus in einem Atemzug nennen, solang es Dir gefällt, wenn es Dir gefällt, anstatt über diese Mises-Frage zu diskutieren, die auch Blankertz hat. Bei uns ging es nicht darum, Mises als Faschisten zu kennzeichnen, sondern um eine Sicht auf die Geschichte, die ich für falsch halte.
Aber was kann man mit jemanden diskutieren, dem nichts anderes einfällt als ….- ach, is doch egal.
@T.Albert:
Was sollen denn diese kryptischen Anschuldigungen ohne echten Bezug zur Diskussion?
Mises taucht weder bei Joachims Beitrag noch in seinem Blankertz-Zitat auf. In Deinem Link ist auch keine Rede davon.
Und sich vor Kommunisten und Nazis gleichermaßen zu ekeln ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit für anständige Menschen, wäre aber wieder getrennt zu diskutieren.
Was soll das also?
und jetzt, wo ist meine Antwort auf Herrn R.A.?
R. A.
das hat mit Ihnen auch nichts zu tun. Wüsste nicht, was.
Ich habe Joachim angesprochen, oder? Er weiss, um was es geht.
Um Ihnen zu helfen:
http://shiftingreality.wordpress.com/2007/08/08/von-mises-ein-echtes-zitat/
Von Kommunisten war nicht die Rede.
> das hat mit Ihnen auch nichts zu tun.
Das habe ich auch nicht behauptet.
Aber mit dem Eingangsbeitrag sollte es etwas zu tun haben.
> Ich habe Joachim angesprochen, oder?
Dann wäre eine private Email angemessen gewesen.
Bei einer Blogdiskussion sollte man sich schon darauf beziehen, was im Eingangsbeitrag oder vorhergehenden Diskussionsbeiträgen steht.
R.A.
tut mir leid, wenn der Zusammenhang mit dem Eingangsbeitrag nicht genügend deutlich wurde. - Sie haben schon recht.
“Faschismus” ist ein sehr unscharfer Begriff, unscharf bis zur Untauglichkeit. Man meint meist den nationalen Sozialismus oder gar Despotismus, wenn das Wort Faschismus, das bereits von der Wortbedeutung her wenig aussagekräftig ist, nutzt.
Faschismus muss nicht verbrecherisch sein.
Trotzdem nichts Erstrebenswertes, natürlich. :)
Faschismus/Nationalsozialismus und Sozialismus ähneln sich, das nationale Element entlarvt den Erstgenannten aber recht schnell.
Inzwischen sollte doch eigentlich klar sein, dass nicht nur die “Besitzenden” die NSDAP gewählt haben bzw. gewählt hätten, wenn man denn noch hätte wählen dürfen. Ein Kennzeichen totalitärer Systeme ist doch die breite Verteilung der Privilegien entweder auf die “Volksgenossen” oder die “Arbeiterklasse”.
Richtig, Alibaby… habe ich denn etwas anderes behauptet?
Nö. Jochen! Aber wer dann sowas schreibt: “Das man durchaus mit W.I. Lenin als “Staatsmonopolistischer Kapitalismus” - und Vorstufe zum Sozialismus - bezeichnen könnte…”, verharmlost Stalinismus und Nationalsozialmus. Schlimmer noch - er gibt sich als Epigone des historischen Materialismus zu erkennen.
Dass ich das noch erleben durfte… achgotterla… jetz’ geh’ ich erstmal ‘n Schälchen “Sozialmus” schlürfen…
Tja, nun isses wohl raus, daß wir hier an der Gründung der Marxistischen Plattform in der FDP arbeiten…
Да, Statlerowischtsch: der Herr Krema ahnte das allerdings alles schon viel früher - vor einigen Jahren schon hat er mich einmal in einem Ausbruch tiefer Verzweiflung “kommunistisches U-Boot” genannt… daher übrigens der Name der Rubrik Notizen aus dem U-Boot…
:D
huch!
Nun, wer hätte das gedacht, nach 30 Jahren Inkubationszeit bekennen sich “Liberale” zur STAMOKAP-Theorie. Die ist ja auch so eingängig!