Archiv: Mai 2008

Ökonomenpoesie

13.05.2008 14:12 - London Calling by Oliver M.H. - 3 Kommentare

Von den Analysten aus der Londoner City erhalte ich regelmäßig Updates zum Zustand der britischen Wirtschaft. Dabei wundere ich mich immer wieder, was Ökonomen so alles mit der englischen Sprache anstellen können. Heute zum Beispiel erklärt mir der Analyst einer sehr großen US-Bank, dass wegen Inflationsgefahren mit einer schnellen Zinssenkung durch die Bank of England (BoE) wohl erst einmal nicht zu rechnen ist. Dabei wären niedrigere Zinsen eigentlich geboten, meint der Analyst. Und warum? Darum:

BoE will have to lower rates modestly further to support a rapidly moderating economy.

Das ist Londoner City-Ökonomen-Englisch, wie es schöner nicht sein kann. Vulgärökonomen und Laien hätten vielleicht angenommen, dass sich das britische Wirtschaftswachstum schlichtweg und einfach abgeschwächt hätte. Das ist auch unschwer zu übersehen, weshalb es dafür eigentlich gar keine Analysten bräuchte. Aber diese können das Offensichtliche flugs in eine sich “schnell mäßigende Wirtschaft” umbenennen - und schon haben sie die Deutungshoheit wiedergewonnen.

Neuesten Meldungen zufolge entlassen die Londoner Banken derzeit übrigens über 300 Analysten pro Woche. Anscheinend hat sich die Nachfrage nach ökonomischer Poesie drastisch gemäßigt.

Die Ö-KO Steuer muss weg!

10:34 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 16 Kommentare

Die Ökosteuer war von Anfang an eine konzeptionelle Mißgeburt: eine Steuer, die der Umwelt helfen soll, aber zur Quersubventionierung der Rentenkasse dient ohne der Umwelt direkt zu helfen gehört angesichts immer weiter steigender Preise an den Zapfsäulen abgeschafft!

Die Energiepreise sind seit der Einführung der Ökosteuer so stark gestiegen, dass zum Sparen keine weitere künstliche Verteuerung neben der Mineralölsteuer nötig ist- es sei denn, man will einen Preis von 5 DM für den Liter Benzin wie die Grünen. Den Tanktourismus, gerade in Grenzregionen wie dem Saarland, kann man so endlich auch begrenzen- das bringt dem Staat auch mehr Geld. Der Staat hat trotz Steuersenkungen auch nicht dauerhaft nicht weniger Einnahmen, da die Treibstoff-Preise sowieso weiter steigen- und damit auch die Steuern immer weiter mit.

Die Ökosteuer muss weg- Mobilität darf kein Luxusgut werden!

Die Befindlichkeit des Landes

08.05.2008 22:23 - Statler & Waldorf by Statler - 104 Kommentare

Einhundertsechsunddreißig. Das ist die Anzahl der von rechtsradikal motivierten Tätern ermorderten Menschen in Deutschland, zwischen 1990 und 2005, zu finden in einer Liste in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Wieviele genauso motivierte Taten für wieviele Opfer nicht im Grab, sondern in Krankenhäusern oder Rollstühlen endeten, erfahren wir nicht.

Wir Rückenmarksliberale

02.05.2008 21:16 - Statler & Waldorf by Statler - 60 Kommentare

Jawohl, doch, zugegeben: Freiheitsliebe ist ein Reflex, der von mir nicht immer — vielleicht sogar eher selten — begründet wird. Und wieso auch? Jeder, der schonmal vom Münchhausen-Trilemma gehört hat, weiß, daß Letztbegründungen schon für wissenschaftliche Aussagen nicht existieren. Wer da noch Letztbegründungen für politische Präferenzen sucht, oder gar vorgibt, über sie zu verfügen, der macht sich lächerlich.

Go for it, Boris!

01.05.2008 18:29 - Liberté d'abord! by Oliver Luksic - 8 Kommentare

Boris Johnson hat Marihuana geraucht, Kokain geschnupft und erklärt, dass er es sich gut vorstellen könnte, mit der Frau des britischen Ex-Premiers Tony Blair Sex zu haben. Portsmouth ist für ihn eine Hafen-Stadt mit “zu vielen Fettsüchtigen und Labour-Abgeordneten”. Während alle Welt sich über die grassierende Fettleibigkeit und die Sucht für Fastfoood ereiferte, meinte Johnson – “und sie schmecken doch gut”. Im vergangenen Jahr schrieb er, die Tories hätten sich einer Orgie von Häuptlingsmord und Kannibalismus hingegeben, wie sie “in Papua-Neuguinea üblich” sei; nun mache sich die Labourparty daran. Das führte zu einem scharfen diplomatischen Protest, woraufhin Boris Johnson erwiderte, er werde Papa-Neuguinea auf die globale Liste der Orte für seine Entschuldigungstour setzen. Humor hat Boris!

Besser als der “rote Ken” ist er auf jeden Fall: Einen jüdischen Reporter des Londoner Evening Standards, der ihm Fragen stellen wollte, bezeichnete er als “KZ-Wächter”, was ihm eine 14-tägige Suspendierung vom Amt einheimste. Er preist einen autoritären Linksdiktator wie Hugo Chávez und modelte eine ursprünglich als Verkehrsberuhigung geplante Gebühr für Londons Innenstadt in ein Instrument des Klassenneides um. Den Blick fest auf muslimische Gemeindeführer Londons gerichtet, lädt er immer wieder einen extremistischen Imam aus dem Nahen Osten ein und bezeichnet ihn als “moderat”, obgleich der heilige Mann in seinen Predigten für Selbstmordbomber, die Unterdrückung der Frau und die Todesstrafe für Schwule eintritt. Hinzu kommt Vetternwirtschaft und Korruption. Deswegen: Go for it, Boris!