Einhundertsechsunddreißig. Das ist die Anzahl der von rechtsradikal motivierten Tätern ermorderten Menschen in Deutschland, zwischen 1990 und 2005, zu finden in einer Liste in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Wieviele genauso motivierte Taten für wieviele Opfer nicht im Grab, sondern in Krankenhäusern oder Rollstühlen endeten, erfahren wir nicht.

Wir erfahren allerdings in der gleichen Ausgabe der ZEIT, daß 39,1 Prozent der Deutschen glauben, ihr Land sei „durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet.“ Weitere 28,5 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage „in Teilen zu“. Mehr als ein Drittel der Westdeutschen glaubt, daß Ausländer vor allem im Land seien, um den Sozialstaat auszunutzen.

Zufällig am selben Tag in der FAZ: Wer als russische Ärztin oder als iranischer Ingenieur nach Deutschland kommt wird, so wird berichtet, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit als Putzfrau oder Hausmeister arbeiten müssen. Nicht wegen fehlender Fähigkeiten, sondern weil es schwer bis unmöglich sein kann, solche ausländischen Examina von der deutschen Bürokratie anerkennen zu lassen.

Vor einigen Wochen augeschnappt: Ein Max-Planck-Institut, irgendwo in Ostdeutschland, versorgt seine ausländischen Wissenschaftler mit Taxigutscheinen, nicht nur für Fahrten von der Wohnung zum Institut, sondern z.B. auch für Fahrten zum Einkaufen. Wer extrem hoch qualifizierte Wissenschaftler auch mit dunkler Hautfarbe an seinem MPI haben will, und das will jeder MPI-Direktor, der seinen Beruf ernst nimmt, der muß ihnen etwas bieten. Nicht unbedingt viel Geld, aber doch die Sicherheit, die man als hoch qualifizierter Wissenschaftler mit dunkler Hautfarbe in manchem öffentlichen Nahverkehrsmittel vermissen würde.

So sieht das aus in Deutschland, im Jahr 2008. Und falls das denjenigen noch nicht reicht, die angesichts der letzten Maikrawalle mal wieder ihre Äquidistanz zwischen linken und rechten Extremisten betont haben: Nochmal zur ZEIT greifen, und das Protokoll des zwanglosen Gesprächs zwischen Tuvia Tenenbom und dem NPD-Anwalt Rieger lesen, das so gruselig wie lehrreich ist.