Die Befindlichkeit des Landes
Einhundertsechsunddreißig. Das ist die Anzahl der von rechtsradikal motivierten Tätern ermorderten Menschen in Deutschland, zwischen 1990 und 2005, zu finden in einer Liste in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Wieviele genauso motivierte Taten für wieviele Opfer nicht im Grab, sondern in Krankenhäusern oder Rollstühlen endeten, erfahren wir nicht.
Wir erfahren allerdings in der gleichen Ausgabe der ZEIT, daß 39,1 Prozent der Deutschen glauben, ihr Land sei “durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet.” Weitere 28,5 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage “in Teilen zu”. Mehr als ein Drittel der Westdeutschen glaubt, daß Ausländer vor allem im Land seien, um den Sozialstaat auszunutzen.
Zufällig am selben Tag in der FAZ: Wer als russische Ärztin oder als iranischer Ingenieur nach Deutschland kommt wird, so wird berichtet, mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit als Putzfrau oder Hausmeister arbeiten müssen. Nicht wegen fehlender Fähigkeiten, sondern weil es schwer bis unmöglich sein kann, solche ausländischen Examina von der deutschen Bürokratie anerkennen zu lassen.
Vor einigen Wochen augeschnappt: Ein Max-Planck-Institut, irgendwo in Ostdeutschland, versorgt seine ausländischen Wissenschaftler mit Taxigutscheinen, nicht nur für Fahrten von der Wohnung zum Institut, sondern z.B. auch für Fahrten zum Einkaufen. Wer extrem hoch qualifizierte Wissenschaftler auch mit dunkler Hautfarbe an seinem MPI haben will, und das will jeder MPI-Direktor, der seinen Beruf ernst nimmt, der muß ihnen etwas bieten. Nicht unbedingt viel Geld, aber doch die Sicherheit, die man als hoch qualifizierter Wissenschaftler mit dunkler Hautfarbe in manchem öffentlichen Nahverkehrsmittel vermissen würde.
So sieht das aus in Deutschland, im Jahr 2008. Und falls das denjenigen noch nicht reicht, die angesichts der letzten Maikrawalle mal wieder ihre Äquidistanz zwischen linken und rechten Extremisten betont haben: Nochmal zur ZEIT greifen, und das Protokoll des zwanglosen Gesprächs zwischen Tuvia Tenenbom und dem NPD-Anwalt Rieger lesen, das so gruselig wie lehrreich ist.








Das Bemühen mancher Zeitgenossen um “Äquidistanz” zwischen “rechter und linker Gewalt” nimmt manchmal groteske Züge an. Das eine geworfe Ei nach einer Anti-NPD-Demo in Bocholt, das in der Lokalpresse zur “Randale” mutierte, ist nur ein besonders bizzarrer Höhepunkt einer weit verbreiteten Tendenz, “linke” Gewalt hochzuspielen, um die der unübsehbaren “rechten” Gewalt gegenüberstellen zu können.
Wohl gemerkt: damit nehme ich Gewalttäter auf “linker” Seite nicht in Schutz. Ich weiß nicht mehr, über wen ich mich auf der Demo in Hamburg-Barmbek: mehr aufgeregt habe: über die selbst für Neonazi-Verhältnisse selten brutal auf alles und jeden eindreschenden “braunen Kameraden”, oder über die “linken” Randale-Kids und Krawallniks, die ihren Testosteronüberschuss und ihre “Bürgerkriegsromantik” an fremden Eigentum (parkende Autos, Reifenlager, Schaufensterscheiben, Parkbänke usw.) abreagierten. Der Spruch “sollen sich Nazis und Krawallniks gegenseitig verkloppen” blieb mit im Halse stecken, denn so, wie die drauf waren, hätte es Tote gegeben, wenn “die Blauen” nicht dazwischen gegangen wären.
Aber eines war so deutlich, dass es selbst “Bild” nicht übersehen konnte: die Gewalt ging von den Rechtsextremen aus.
[...] Die Befindlichkeit des Landes Einhundertsechsunddreißig. Das ist die Anzahl der von rechtsradikal motivierten Tätern ermordeten Menschen in Deutschland, zwischen 1990 und 2005, zu finden in einer Liste in der aktuellen Ausgabe der ZEIT. Wie viele genauso motivierte Taten für wie viele Opfer nicht im Grab, sondern in Krankenhäusern oder Rollstühlen endeten, erfahren wir nicht. Wir erfahren allerdings in der gleichen Ausgabe der ZEIT, dass 39,1 Prozent der Deutschen glauben, ihr Land sei “durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maß überfremdet.” Quelle: Statler & Waldorf [...]
Ich fühle mich jetzt nicht direkt angesprochen, da ich zu den Maikrawallen nichts gesagt habe, nicht zu sagen hatte. Aber.
Notwendiger Kampf gegen jene, die andere Menschen anfallen und verletzen, mit allen rechtsstaatlichen Mittel, auch gegen die, welche solches rechtfertigen oder dazu aufrufen. Zivilisatorisches Minimum, notwendiger Konsens aller Vernünftigen. Versteht sich von selbst.
Allerdings stolpere ich gedanklich, wenn “Äquidistanz” in diesem Zusammenhang etwas Negatives sein soll. Ich bin nicht bereit, bei dem o.g. Minimum danach zu differenzieren, welche Motivation hinter der Gewalttätigkeit steckt; sehe nicht, daß eine spezifische verdammungswürdige Motivation nun besonders vor anderen verdammungswürdigen Motivationen für Gewalttätigkeit hervorzuheben wäre. Das Recht jedes Einzelnen, sich angstfrei und unbehelligt im öffentlichen Raum bewegen zu können, ist immer zu verteidigen, völlig unabhängig davon, wer und warum nun dagegen verstößt. In diesem Sinne sehe ich mich durchaus in gleicher, nämlich maximaler Distanz zu allen, die dieses Recht nicht respektieren.
Was an dieser Haltung fragwürdig sein sollte - so verstehe ich den Artikel oben - erschließt sich mir nicht.
Die Motivation selbst ist gar nicht so wichtig, sondern eher, was aus der jeweiligen Motivation folgt. Offensichtlich will auch ich linksextrem motivierte Gewalt nicht verteidigen — nichts läge mir ferner. Aber wir haben in dieser Gesellschaft nunmal knappe Ressourcen zur Durchsetzung innerer Sicherheit, also müssen wir Prioritäten setzen. Und da scheint es mir ziemlich eindeutig zu sein, daß die rechtsradikal motivierte Gewalt das größere Problem ist, denn die läuft darauf hinaus, daß Menschen getötet und zu Krüppeln geschlagen werden, und das immer wieder.
In diesem Sinn meine ich das mit der Äquidistanz: Nicht so, daß man linksextreme Gewalt entschuldigen sollte. Aber dieses “die einen sind so schlimm wie die anderen” — das klingt in diesem Fall ein wenig so, als würde jemand sagen: “Ach, Rückenschmerzen oder Hirntumor, das ist halt beides schlimm.”
Einverstanden. Mit zwei Anmerkungen.
Erstens, die notwendige Prioritätensetzung kann nicht global erfolgen, sondern muß sich nach den lokalen Gegebenheiten richten. Die unterscheiden sich doch recht erheblich. An den Orten, die ich aufgrund längeren Aufenthalts selbst beurteilen kann - Ruhrpott, Berlin-Neukölln, Göttingen - sind jedenfalls marodierende Nazis mit Sicherheit nicht der Problemschwerpunkt. Zu den gern angeführten ostzonalen Landkreisen kann ich aus persönlicher Anschauung nichts sagen; wenn es dort so zugeht wie kolportiert, mögen da in der Tat aber ganz andere Notwendigkeiten bestehen.
Zweitens, der Grundkonsens, zu dem ich mich gerne bekenne, beschränkt sich auf Gewalttäter. Gegen diejenigen, die unter Mißbrauch dieser Selbstverständlichkeit einen “demokratischen” Grundkonsens gegen alles politisch “Rechte” - erschreckend erfolgreich, siehe Thüringen - installieren wollen, wehre ich mich auch weiterhin. Diese versuchte moralische Nötigung, mich selbst zu bekämpfen, empfinde ich abwechselnd als skurril (bei guter Laune) und unverschämt.
Wir bekommen halt langsam wieder Weimarer Zustände, in der Politik radikalisiert und gewalttätig wird - befeuert durch Arbeitslosigkeit- und Perspektivlosigkeit vieler Menschen insbesondere im Osten. Nach den vielen Jahren katastrophaler Wirtschaftspolitik der Bundesregierung auch kein Wunder.
Allerdings: Man darf die Kriminalitätsstatistik auch nicht ignorieren, nachdem Migranten in hohem Maße an der allgemeinen Kriminalitätsrate beteiligt sind:
http://www.zeit.de/2006/19/Fragen_kriminell
Ich meine auch gelesen zu haben, dass in Berlin mehr als 30% aller Gefängnisinsassen Ausländer sind (auch wenn ich die Zahl gerade nicht belegen kann). Angesichts dieser Zahlen wünschte ich mir, das Thema würde mit der gleichen Aufmerksamkeit thematisiert wie das der rechtsradikalen Gewalt, die einen erheblich geringeren Anteil an der allg. Kriminalität macht.
Einhundertsechsunddreissig Morde. Das ist das, was Statler hier als Tatsache wiedergibt.
Gehen wir dem mal nach. Die Zahl stammt nicht von der ZEIT selbst, sie stammt tatsächlich von der Webseite “mut-gegen-rechte-gewalt.de”, wo der Begriff Mord schon nicht mehr auftaucht, da ist nur noch die Rede von Todesfällen. Aus gutem Grund. Dort ist nämlich die Fallsammlung zu finden, wie man zu den 136 kommt. Die wenigsten davon sind Morde, besonders perfide sind solche Fälle wie von Oury Jalloh (wer sich erinnert, das war ein Asylbewerber in Dessau, der auf der Polizei in einer Zelle verbrannt ist), denn nicht nur handelt es sich um keinen Mord, das unterstellen rechter Gesinnung basiert einzig darauf, dass es sich bei dem Opfer um einen Asylbewerber aus Sierra Leone handelt.
Überhaupt ist dieser Fallsammlung zu unterstellen, dass es vollkommen genügend ist, dass jemand einen rasierten Schädel hat, um als Nazi durchzugehen (oder wie im Fall gerade Polizist zu sein), der auch nur noch aus rein politischen Motiven handelt und agiert. Wenn also ein Skinhead mit jemandem in Streit gerät und tötet, ist das sofort eine politische Staat, kein Streit von Besoffenen, kein Streit in der Kneipe, kein Streit rivalisierender Gruppen, kein Raub. Es ist immer rassistisch und es sind immer Nazis. Nach der Aufwertung durch Statler wirds dann ein politischer Mord.
Natürlich wird jetzt sofort kommen, dass jeder Tote einer zuviel ist und da immer noch genügend Morde übrig bleiben. Ja. Stimmt. Aber warum muss man die Zahlen dann so übertreiben ? Wenn die Bundesregierung auf 39 statt 136 Tote durch rechte Gewalt kommt, sind das 39 zuviel, keine Frage. Aber die 39 sind wohl nicht beeindruckend genug, da kommt ja selbst die RAF mit.
Das ärgerliche ist, ich bin ziemlich sicher dass diese 136 demnächst ebenso unkritisch als Faktum übernommen werden, wie die Tatsache, dass die 9 Toten in Ludwigshafen die Opfer von Neonazis sind (der Fall taucht übrigens vollkommen unrelefktiert in der Chronik rechtsextremer Gewalt selbiger Webseite von 2008 nach wie vor auf. Ich würde auch vermuten, dass er dort bleiben wird und sicher die Statstik 1990-2010, die irgendwann erscheinen wird, um 9 erhöhen darf).
Und basierend auf diesem “Faktum” brauchts mehr Mittel für den Kampf gegen rechts (Statler sagte es ja, wir haben nur begrenzte Ressourcen).
Wie sichs gehört sitzt meinereiner mal wieder ratlos zwischen den Stühlen. Ich hab nichts gegen den Kampf gegen rechts, wenn statt 39 “nur noch” 30 Menschen ermordet werden, rechtfertigt das vieles. Aber ich kann mich auch nicht damit anfreunden Popanze aufzustellen, um eine bestimmte Haltung zu rechtfertigen.
@Kieseritzky
“Wir bekommen halt langsam wieder Weimarer Zustände, in der Politik radikalisiert und gewalttätig wird - befeuert durch Arbeitslosigkeit- und Perspektivlosigkeit vieler Menschen insbesondere im Osten.”
Wo liegt Hamburg? Welche Partei außer der NPD hat sich gleich nochmal “radikalisiert” und inwiefern?
“Ich meine auch gelesen zu haben, dass in Berlin mehr als 30% aller Gefängnisinsassen Ausländer sind…”
Selbst gelesen oder hat das der Kumpel von der Freundin vom Praktikanten irgendwo gelesen? Und wofür spräche das, für soziale Ausgrenzung oder für rassistische Polizeipraxis?
Zu den “Weimarer Zuständen”: Ein polemischer Kommentar, wie ich zugebe. Aber nicht so weit hergeholt. Die Neonazi-Bewegung, auch jenseits der NPD, ist ja wohl politisch. Die NPD sitzt in Sachsen zusammen mit einer großen Linkspartei im Parlament (wie zu seiner Zeit NSDAP und KPD im Reichstag). Gleichzeitig erleben wir eine starke Polarisierung links von der Mitte, insbesondere innerhalb der SPD. Mit der Linkspartei haben wir schon eine Abspaltung der SPD, wo sich enttäuschte SPD-Linke und Gewerkschafter hinbegeben. Insgesamt erleben wir eine verstärkte Hinwendung zu einer neototalitären Staatsideologie, sowohl in den linken Parteien, die jetzt stark sozialpopulistisch und wirtschaftsfeindlich geprägt sind, als auch in den rechten Reihen bei der CDU, die sich gegen den Verfassungsrechtsstaat richtet.
Zu dem Ausländeranteil in Gefängnissen: In der JVA Berlin/Tegel sind es sogar 32%. Siehe auch
http://www.berlin.de/jva-tegel/02_UeberUns/03_Statistische_Angaben/index.html
Bundesweit über 20%, obwohl Ausländer dort nur 9% der Gesamtbevölkerung ausmachen. Das hat nichts mit Ausgrenzung oder rassistischen Polizisten zu tun — oder willst Du die Tatsache, dass die Mehrheit der Straffälligen deutsch und männlich ist, auch auf eine Diskriminierung zurückführen?
In München beträgt der Ausländeranteil so um die 25%, die Gefängnisbelegung ist aber nicht höher als in Berlin.
Liegt das jetzt an den “Ausländern” oder an Berlin?
Dat liegt an der simplen Tatsache, dass München keine eigenen Gefängnisse baut, sondern der Freistaat Bayern.
Und welche Rolle soll es spielen, ob Stadelheim nun vom Freistaat Bayern betrieben wird oder von München?
Das Bayern keinen Ausländeranteil von 25% hat und die Müncher Strafgefangenen ganz normal auf alle möglichen bayrischen Gefängnisse verteilt.
Der Prozentanteil der Ausländer an Straftaten im Münchner Stadtgebiet ist nicht höher als der in Berlin, obwohl Münchens Ausländeranteil mehr als doppelt so hoch ist wie in Berlin.
Und jetzt?
Könnte vielleicht daran liegen, daß Berlin einfach dekadenter und abgefuckter als München ist?
Jede Wirkung hat ihre Ursache. Man kann hinschauen, wohin man will, immer wird die Wirkung bekämpft aber nicht die Ursache. Deshalb bin ich schon lange zu der Überzeugung gekommen, daß man aus der Bekämpfung von Wirkungen ein Geschäft machen kann. Also lautet die Parole: “Pflege die Ursachen, damit du immer ein Geschäft hast!” Die, die wirklich etwas oder sogar vieles zum Positiven ändern könnte, durch Aufklärung und Vorbildfunktion, sind iz.T. die “vornehmsten, aber die wirklichen Verbrecher”.
In Bayern stellt sich derzeit die Frage: Kann man “Rechts” und “Links” (bei aller Äquidistanz zu beiden Lagern) bald auch optisch nicht mehr “auseinanderhalten”?
Im br-magazin “quer” war gestern abend davon die Rede: “Die Doppelstrategie der Szene: Zum einen wird das Erscheinungsbild der Rechten um angesagte “linke Themen” wie Globalisierungskritik und “linke Attribute” wie bunte Buttons und “Palästinensertücher” erweitert; zum anderen soll die “Gesinnungsglatze” als Markenzeichen allmählich jugendzentrumsfähig werden. Zwar sind bei weitem nicht alle Skinheads juristisch auffällig und auch nicht alle Skinheads politisch rechts orientiert. Wohl aber werden rund 80 Prozent aller rechtsextremen Straftaten von “Politglatzen” verübt.”
Inklusive Warnhinweise an Veranstalter:
http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/quer/quer-rechtsextreme-landtagswahl-ID1210177321381.xml
Was den Osten Deutschlands angeht, dürfte der Ausdruck “rechte Gewalt” in vielen Fällen ungefähr so stimmen wie im Westen der Ausdruck “Migrantengewalt” oder “Muslimengewalt”. Will sagen, an der Oberfläche ist es nicht zu bezweifeln, dass die Täter Migrationshintergrund haben, Muslime sind oder einer rechtsradikalen Gesinnung anhängen, aber wenn man die Frage klären will, warum es zu den Gewalttaten kommt, und wenn man darüber hinaus auch noch etwas dafür tun will, sie zu verhindern, dann helfen Kampfparolen da nicht viel weiter.
Wie alle Vergleiche hinkt auch der mehr oder weniger stark (z.B. richtet sich die “rechte Gewalt” einseitig gegen Minderheiten, so dass Menschen allein schon wegen ihrer Hautfarbe nicht sicher sein können), aber die Parallelen hinsichtlich der sozialen Lage der Täter und des fast selbstverständlichen Alkoholeinflusses sind doch zu offensichtlich.
“Linke Gewalt” ist gegenüber diesen beiden Erscheinungsformen eine gänzlich andere Hausnummer, was Zielrichtung, sozialen Status der Täter und Anlässe betrifft.
> So sieht das aus in Deutschland, im
> Jahr 2008.
So sieht es nicht ganz aus - siehe Llarians Beitrag (sehr peinlich für die Seriosität der ZEIT übrigens).
Und es fehlt auch noch ein Aspekt: Ausländergewalt gezielt gegen Deutsche ist leider auch ein verbreitetes Problem und gehört in diesen Kontext. Für manches deutsche Schulkind sind No-Go-Areas brutale Realität - teilweise ist es der eigene Schulhof.
Insgesamt aber bestärkt mich das in meiner Äquidistanz-Haltung - ich finde alle diese Gewalttaten schlecht. Und sie sollten, jede für sich, so behandelt werden, wie es das Strafgesetzbuch (oder bei Jugendlichen die Möglichkeiten von Schulle und Jugendamt) vorsehen.
Und da ist ein Mord natürlich deutlich härter zu bestrafen als ein Totschlagsversuch per Steinwurf - aber keine Straftat ist mehr oder weniger hart zu bestrafen, weil irgendeine politische Gesinnung dahinter steht oder weil es statistische Häufungen gibt. Jeder Straftäter wird individuell verknackt.
Wo also besteht Handlungsbedarf?
Wohl eher nicht beim “Kampf gegen Rechts”, den die ZEIT wieder einmal ausruft.
Polizei und Justiz sind hier überdurchschnittlich aktiv, bis hin zur Überschreitung rechtsstaatlicher Grenzen (man denke nur an das Eingreifen der Bundesanwaltschaft im Falle Ermyas M.).
Was soll denn da noch gesteigert werden?
Bei der linken Gewalt sieht es schon deutlich zurückhaltender aus. Üblicherweise ist das alleine Sache der Einsatzpolizei vor Ort. Wenn der Krawall vorbei ist, ist meist auch die staatliche Tätigkeit am Ende - üblicherweise werden die Täter nicht belangt.
Und wenn es um die drangsalierten Schulkinder geht: Da passiert überhaupt nichts.
Ob Schulleiter, ob Behörden, ob Jugendamt, ob Medien - deutsche Opfer werden fast immer ignoriert. Von Taxi-Gutscheinen ganz zu schweigen.
Man muß sich dann auch nicht wundern, wenn genau in den Stadtvierteln, wo diese Opfer wohnen (müssen), bestimmte Parteien ihre Hochburgen haben.
“Und es fehlt auch noch ein Aspekt: Ausländergewalt gezielt gegen Deutsche ist leider auch ein verbreitetes Problem und gehört in diesen Kontext. Für manches deutsche Schulkind sind No-Go-Areas brutale Realität - teilweise ist es der eigene Schulhof.”
Ich weiß nicht so recht. Einerseits weil ich diese No-Go-Areas für Deutsche grundsätzlich bezweifle — ich habe ja nun in den letzten Jahren im Westteil der Republik eine Reihe von Wohnsitzen gehabt, aber eine No-Go-Area für Deutsche ist mir noch nicht wirklich begegnet.
Aber selbst wenn es sie geben sollte: Wieso gehört das in den Kontext dieser Diskussion? Ist denn die von deutschen Nazis ausgeübte Gewalt als Reaktion darauf zu verstehen? Ich glaube nicht. Einwanderer werden nämlich besonders gerne dort angegriffen, wo es sehr wenige von ihnen gibt — zu wenige jedenfalls, um eine No-Go-Area für Deutsche zu etablieren.
Es macht für ein Opfer kaum einen Unterschied, ob es von Glatzköpfen oder Einwanderern verprügelt wurde. Nur kommt man sioch schon ziemlich verarscht vor, wenn Staat und Gesellschaft zwischen Bösen Tätern und weniger bösen Tätern, guten Opfern und weniger guten Opfern unterscheiden. Genau das schlägst Du vor!
Nö, ich schlage vor, die knappen Ressourcen des Rechtsstaates so einzusetzen, daß möglichst viele Leben und die Gesundheit möglichst vieler Menschen geschützt wird. Es geht also schlicht um die effiziente Bereitstellung eines öffentlichen Gutes — ein Gedanke, der einem VWL-Studenten eigentlich nicht völlig fremd sein sollte.
Wenn der Rechtsstaat einen sicher nicht kleinen Teil seiner Kapazitäten nutzt, um Stadtsoziologen nachzustellen, die “gentrification” unfallfrei aussprechen können, dann läuft doch wohl was schief bei der Mittelallokation.
Das schlägst Du nicht vor (jedenfalls ist das nicht das, was im obigen Beitrag steht). Das hiesse nämlich jegliche Gewalt gelich zu behandeln (denn ihre Wirkung ist bei den Opfern gleich). Jede unterschiedliche Gewichtung wäre ineffizient.
Übrigens gilt auch hier vermutlich das Gesetz der abnehmenden Profitrate. Anstatt einen weiteren Euro für eine unsinnige (und m.E. oft kontraproduktive) Kampagne gegen Rechts auszugeben, wäre es sinnvoll bei der Migrantengewalt mal anzufangen.
Wieso ignorieren sie dann, dass Ausländer Deutschen erheblich mehr aufs Maul geben als umgekehrt?
Davon abgesehen besteht auch insofern ein Unterschied, als dass grds. niemand nach Cottbus gehen muss, der das nicht will.
Id est: No-Go-Areas sind also nur dann ein Problem, wenn sie in Gegenden entstehen die man aufsuchen muss, tolerabel hingegen in Gegenden die man zwar aufsuchen kann aber nicht muss. Passt.
Erstens stehen beide im Kontext. Genauer gesagt sind die gesellschaftliche Akzeptanz linker Gewalt und die Ignoranz gegenüber Migrantengewalt ein entscheidender Faktor für die stärker rechtsextremer Parteien.
Zweitens, müssen sie gar nicht im Kontext stehen. Gewalt ist Gewalt und gehört als solche geächtet, egal aus welchen Motiven und ob diese zusammenhängen.
Hmm, mal gucken: Wenn irgendwo Einwandererkriminalität ein richtig großes Problem ist, dann doch wohl in diesem schlimmen Sündenpfuhl Berlin, mit seinen Neu-Köllns und anderen Problembezirken.
In Berlin erhielten NPD und Republikaner bei der letzten Abgeordnetenhaus-Wahl zusammen genau 3,5% der Stimmen. In Sachsen dagegen erhielt die NPD alleine 9,2%. Ob man da wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen Ausländerkriminalität und Rechtsextremismus finden kann? Klar, eine Stichprobe mit n=2 sagt erstmal gar nichts, aber diese Stichprobe gibt mir auch kein Indiz, weiter zu suchen.
Und die SED den Rest. Wollen wir den gleichen Vergleich mit Pro Köln machen? Oder Ostdeutschland der Region linker Gewalt schlechthin oder die NPD Ende der 60er, Anfang der 70er. Zugegeben Studien kenne ich, so wie Du, keine, aber wie gesagt spielt es auch keine Rolle.
> Einerseits weil ich diese No-Go-Areas
> für Deutsche grundsätzlich bezweifle …
In Berlin soll es schon einige Ecken geben, in die man zu gewissen Zeiten als Deutscher besser nicht geht. Aber ich gebe zu, daß ich das nur aus diversen Erzählungen von Berlinern kenne, nicht aus eigener Anschauung.
Deswegen habe ich das Schulhof-Beispiel gebracht. Und das ist eben nicht mehr nur ein Thema für wenige Ausnahmeschulen à la Rütli.
Unser Städtchen ist mit Berlin wirklich nicht vergleichbar. Aber an der Gesamtschule eines Stadtteils haben diverse Ausländerbanden das Sagen - das ist für die (wenigen verbliebenen) deutschen Schüler eine Qual.
Der Sohn eines Freundes wurde regelmäßig von einer Gruppe Marokkaner schikaniert - bis er schließlich vor Angst aus dem Fenster des Klassenraums sprang (1. Stock).
Die Folge: Er bekam vom Schulleiter einen Verweis (ist ja auch nicht der ordnungsgemäße Weg, die Schule zu verlassen). Die Täter wurden nicht einmal einbestellt und treiben weiter ungestört ihr Unwesen.
> Wieso gehört das in den Kontext dieser
> Diskussion?
Weil diese Probleme offiziell überhaupt nicht wahrgenommen werden.
Die (rot/grüne) Schulverwaltung erklärt, es gäbe überhaupt keine Gewalt an irgendeiner Schule vor Ort, die Lokalzeitung unterstützt das.
Es werden jährlich (mit viel Geldaufwand) Aktionen “gegen rechts” usw. durchgeführt, vor Rassismus gewarnt - obwohl es in der ganzen Gegend nicht einen Rechtsextremen gibt und auch keinen einzigen Beleg für Rassismus gegen Ausländer.
Der offizielle Kampf gegen Rassismus findet nur dort statt, wo es (fast) keinen gibt.
> Ist denn die von deutschen Nazis
> ausgeübte Gewalt als Reaktion darauf
> zu verstehen?
Nein, m. W. fast überhaupt nicht.
Die Nazi-Gewalt hat (derzeit noch) andere Ursachen und muß entsprechend angegangen werden.
Aber wenn man die deutschen Rassismus-Opfer weiterhin ignoriert, dann bietet man den Nazis beste Bedingungen.
Gut, dann ist das offensichtlich ein lausiger Rektor, der seine Schule nicht im Griff hat. Und natürlich sollte man gegen die Situation an dieser Schule was tun. Aber wenn Du schreibst
“Der offizielle Kampf gegen Rassismus findet nur dort statt, wo es (fast) keinen gibt.”
dann könnte das ja auch einfach daran liegen, daß gewisse Dinge im Kampf gegen Rassismus auch funktionieren, oder? Vielleicht gibt es da keinen, *weil* man was dagegen tut? Diese von der ZEIT angeführten fast 70%, die sich ganz oder teilweise überfremdet fühlen, die gibt es ja jedenfalls auch, und ich fürchte, deren Einstellung wird sich nicht von selbst ändern.
Ich halte deinen Schluss für falsch.
Der Punkt ist ganz einfach, dass gewalttätige Migranten im Westen und Nazis im Osten (und bitte, berücksichtigen wir, dass es sich in beiden Fällen um nur einen sehr kleinen Teil der betrachteten Gruppe handelt) die Kinder (genauer: Söhne) einer ähnlichen sozialen Problemlage sind. Dieselbe Problemgruppe, nämlich schlecht gebildete und von daher absehbar arme junge Männer, die sich in der bundesrepublikanischen Gesellschaft nicht zu Hause fühlen, trägt jeweils nur ein anderes Etikett, und dass die eine Gewalt keine Reaktion auf die andere sein kann, ist aus diesem Grund auch völlig logisch.
Und der Kontext ist ganz einfach der, dass man zur Bekämpfung der daraus entstehenden Gewalt sinnvollerweise zu ähnlichen Mitteln greifen sollte. Bildung und Perspektive, und auch Eingehen auf die spezifischen Probleme junger Männer, das wären so die Instrumente, die in der Lage sind, mit jugendlicher Gewalt, denn darum handelt es sich nämlich sowohl im Westen wie im Osten, fertig zu werden.
Auch wenn sich - übrigens wieder in beiden Fällen - aus Umfragen Einstellungen generieren lassen, die manche lieber als die wahre Ursache entlarvt sehen möchten.
Mich verwundert ganz ehrlich, dass im einen Fall sofort richtigerweise die ideologische Komponente (unreine Ungläubige) als Überbau erkannt und auf die soziale Problemlage eingegangen wird, während im anderen Fall plötzlich der Kampf gegen die Ideologie das Mittel der Wahl sein soll.
Sogenannte Migrantengewalt (wir reden hier über Jugendliche, die Deutsche sind, und in Deutschland aufgewachsen sind) ist also das Ergebnis einer ideologischen Komponente, einem Kampf gegen unreine Ungläubige?
Das glaube ich nicht. Ich glaube ganz besonders nicht, dass Liberale so argumentieren.
Wie sehr musstest du dich eigentlich anstrengen, um mir das Gegenteil vom Geschriebenen unterstellen zu können?
Ich behaupte doch gerade, dass die ideologische Komponente höchstens die Aufgabe hat, eine Art begleitende Rechtfertigung für die Tat zu liefern, aber eben nicht die eigentliche Ursache und Motivation ist. Oder was liest du an “richtigerweise als Überbau erkannt” anders? Na?
Aber lass mich mal versuchen, die korrekte Argumentation nachzuvollziehen: Es gibt schlecht gebildete junge Deutsche aus sozial schwachen Schichten, die unter Alkoholeinfluss gewalttätig werden und dabei andere Menschen lebensgefährlich verletzten. Handelt es sich bei ihnen um Muslime mit Migrationshintergrund, die vielleicht vorher mal gehört haben, dass Nichtmuslime unrein und minderwertig sind (siehe “Hamburger Lektionen”, aber das war wohl ein einzelner Einzelfall), ist allein auf die sozialen Ursachen zu verweisen und man darf noch nicht einmal die Überbaufunktion der Ideologie erwähnen. Handelt es sich bei ihnen aber um Ostdeutsche, die dasselbe von Ausländern oder anderen “Rassen” denken, spielt die soziale Problemlage überhaupt keine Rolle, sondern dann kann nur die Ideologie der Grund sein.
Oder irgendwas Urdeutsches, das die anderen Deutschen, die dann irgendwie wieder doch so richtig keine mehr sind, irgendwie nicht haben, worauf Kollege classless freundlicherweise hinweist.
Selten schlechter Beitrag Herr Statler,
es ist völlig absurd bei Gewalt nach Motiven zu unterscheiden. Leider wird das allzu häufig getan. Während rechte Gewalt in dieser Gesellschaft absolut diskreditiert ist, ist linke Gewalt in großen Teilen akzeptiert. Es wäre schön, wenn Äquidistanz praktiziert würde.
Und in der Tat, R.A. hat es angesprochen, wäre es schön, wenn Gewalt von Migranten, die übrigens alltäglich vorkommt, nicht mehr Stiefmütterlich behandelt würde sondern genauso verfolgt wie rechte Gewalt.
Man fragt sich ja wirklich, wo diese Obsession herkommt, “Migrantengewalt” und rechtsradikale Gewalt in einen Kontext zu stellen. Die stehen nämlich nicht in einem Kontext. Die haben völlig verschiedene Ursachen und nichts miteinander zu tun.
Wenn man zwanghaft versucht, sie in einen Kontext zu stellen, dann sorgt man jedenfalls nicht für analytische Klarheit, sondern man wirft Nebelbomben. Also wieso in aller Welt macht man das?
Die unschuldigste Erklärung, die ich mir denken kann, ist Sandkastendenken: “Jaja, es gibt böse Deutsche, aber die Einwanderer haben uns ja auch schonmal unsere Förmchen kaputt gemacht.” Diese Art von Sandkasten-Kollektivismus wäre eines Liberalen dann allerdings völlig unwürdig.
Ich hab mich das auch schon gefragt. Aber die Antwort ist bereits von Dir selbst weiter oben gegeben worden. Es hat was mit begrenzten Ressourcen zu tun und der Frage, was wirklich ein Problem ist.
Ordnen wir brauner Gewalt eine Größe von X zu. Und ordnen wir ferner Migrantengewalt eine Größe von Y zu. Beide haben in der Tat nicht viel miteinander gemein, aber man kann sie dennoch in der Quantität vergleichen. Man muss nicht rechts angehaucht sein, um zu sehen, dass Y ein vielfaches von X ausmacht. (Was X nicht besser macht, entschuldigt oder relativiert.)
Was man aber in der öffentlichen Diskussion erlebt ist, dass X zu einem Granatenproblem erklärt wird, während schon jeder der Y auch nur thematisiert schief angesehen wird. X wird massiv aufgebauscht (so wie gerade von Dir, der aus 136 Todesfällen 136 Morde konstatiert), während Y vehement bestritten, verniedlich, erklärt und verharmlost wird (ebenso gerade von Dir vorgeführt).
Der Kontext ergibt sich aus der wirklich schreienden Ungleichbehandlung zweier Straftatenmengen, je nachdem von wem sie ausgeführt werden. Die Grössen beeinflussen sich gegenseitig vermutlich nur im minimalen Maßstab, aber sie zeigen tatsächlich etwas über den Zustand der Gesellschaft aus.
“während Y vehement bestritten, verniedlich, erklärt und verharmlost wird”
Wo denn? Und vor allem: Was hat Statlers Originalbeitrag mit Migrantengewalt am Hut?
“aus 136 Todesfällen 136 Morde konstatiert”
Das wird die Migranten ja sehr beruhigen, daß sie also ganz ungezwungen U-Bahn fahren können. Das schlimmste, was ihnen passieren kann, ist totgeschlagen zu werden.
Ging es im Beitrag oben nicht um das schlechte Image Deutschlands, welches ausländische Wissenschaftler einen weiten Bogen um dieses Land machen lässt? Bzw. welche zu obengenannten Sicherheitsmaßnahmen greifen, wenn sie sich doch dazu entschließen, hier zu arbeiten? Falls sie überhaupt entsprechend ihrer Qualifikation hier arbeiten dürfen. Wenn diese Leute tatsächlich nichts zu befürchten haben sollen, so sage man es doch ihnen einfach ins Gesicht, daß sie auf solchen Unsinn wie Taxigutscheinen verzichten können.
Ich habe übrigens noch nicht gesehen, daß derjenige, der Migrantengewalt thematisiert, schief angesehen wird. Im Gegenteil, er kann sich auf lautstarken Beifall freuen.
“Wo denn? Und vor allem: Was hat Statlers Originalbeitrag mit Migrantengewalt am Hut?”
Gar nix. Soweit sind wir uns einig.
“Das wird die Migranten ja sehr beruhigen, daß sie also ganz ungezwungen U-Bahn fahren können. Das schlimmste, was ihnen passieren kann, ist totgeschlagen zu werden.”
Das kann auch einem deutschen Rentner passieren.
“Ging es im Beitrag oben nicht um das schlechte Image Deutschlands, welches ausländische Wissenschaftler einen weiten Bogen um dieses Land machen lässt?”
Nein. Es ging darum dass Statler rechte Gewalt fuer ein groesseres Uebel als linke Gewalt haelt. Und dass er im Zweifelsfall den einen verfuegbaren Streifenwagen dahin schicken will wo NeoNazis einen Auslaender zusammenschlagen, als dahin wo Autonome einen, sagen wir mal, nicht-Autonomen verpruegeln.
NeoNazis und die von ihnen ausgehende Gewalt (und auch nur die Androhung von Gewalt) ist widerlich und muss vom Staat in aller Schaerfe bekaempft werden. Aber der Staat hat eine Verpflichtung jedem der hier lebt den gleichen Schutz zukommen zu lassen, egal ob der nun von einem Nazi oder einem Autonomen angegriffen oder bedroht wird.
Tja, aber das ist ja nun der Punkt. Wieviele Menschen wurden seit dem Ende der RAF in Deutschland von linksextremen Gewalttätern umgebracht?
Es geht ja nicht einmal darum, gleiche Delikte je nach politischem Hintergrund unterschiedlich zu behandeln. Es geht nur um folgendes: Wenn wir uns darauf einigen können, daß der Schutz von Menschen wichtiger ist als der Schutz von Schaufenstern oder Autoreifen, dann folgt daraus gewissermaßen von selbst, daß relativ mehr Ressourcen in die Bekämpfung rechtsradikaler Gewalt fließen müssen.
“Wieviele Menschen wurden seit dem Ende der RAF in Deutschland von linksextremen Gewalttätern umgebracht?”
Weit weniger als von NeoNazis nehme ich mal an…aber das macht wenn man einen Mord mit rechtsradikalem Hintergrund mit einem Mord mit linksradikalem Hintergrund vergleicht wohl keinen Unterschied was die polizeiliche Aufklaerung, die justizielle Verfolgung und das Strafmass etc betrifft, oder?
“Wenn wir uns darauf einigen können, daß der Schutz von Menschen wichtiger ist als der Schutz von Schaufenstern oder Autoreifen…”
Natuerlich sind wir uns da einig, wer waere das nicht. Nur ist das halt ein “apples and oranges” Vergleich.
Um es ganz klar zu sagen: Ich will dass der Staat sich da wo rechte Gewalt existiert besonders engagiert. Wenn gleichzeitig der Schutz von Opfern von nicht-rechter Gewalt nicht deswegen verringert wird.
[ZITAT] Wo denn? [TATIZ]
Zum Beispiel dort, wo Statler die Aussagen von R.A. bezüglich der No-Go-Areas für Deutsche erstmal bezweifelt, wenn Sie es wünschen kann ich auch gerne den Satz zitieren.
Ich muss aber auch nicht gerade mit dem Finger auf Statler zeigen (noch dazu in seinem Wohnzimmer), die Medien sind voll davon. Ein prominentes wie trauriges Beispiel war der Staatsanwalt Rausch, dem man einen öffentlichen Maulkorb verpasst hat, weil er die Statistiken seiner Behörde veröffentlichte.
[ZITAT] Das wird die Migranten ja sehr beruhigen, daß sie also ganz ungezwungen U-Bahn fahren können. [TATIZ]
Das ist vermutlich der Grund dafür, warum sie es auch tun. Denn im Unterschied zu dem Bild, dass Statler hier versucht zu malen, ist braune Gewalt ein Problem, dass zumindest quantitativ in der Kriminalitätsstatistik eine eher kleine Rolle einnimmt. Sprich: Das Risiko, auch für einen Migranten, durch einen Raubüberfall in der U-Bahn umzukommen ist erheblich höher als durch eine Meute von Neonazis. Passt nur eben nicht so gut in den Kampf gegen rechts.
[ZITAT] Ich habe übrigens noch nicht gesehen, daß derjenige, der Migrantengewalt thematisiert, schief angesehen wird. [TATIZ]
Was an einer schiefen Wahrnehmung der Realität liegen könnte.
Ich dachte eigentlich, angesichts des Originalbeitrags, hier ginge es um den bösen Kevin aus Potsdam, und nicht um den bösen Tarek aus Neukölln.
Denn das wäre eigentlich ein interessantes Thema. Gerade Ostdeutschlands wirtschaftliche Leuchttürme, zumal universitär vernetzt und somit eigentlich für Fachkräfte aus aller Welt interessant, leiden sehr unter dem ausländerfeindlichen Image.
“Das Risiko, auch für einen Migranten, durch einen Raubüberfall in der U-Bahn umzukommen ist erheblich höher als durch eine Meute von Neonazis”
Dann sind die dunkelfarbenen Wissenschaftler wohl Mimosen, im Gegensatz zu ihren robusten deutschen Kollegen, die der Gefahr eines Raubüberfalls mutig ins Gesicht blicken.
“Was an einer schiefen Wahrnehmung der Realität liegen könnte.”
Wenn ich Dich bei Gelegenheit mit gleicher Vehemenz gegen Rechtsradikalismus Partei ergreifen sehe, attestiere ich Dir gerne eine ausgeglichene Wahrnehmung der Realität.
[ZITAT] enn das wäre eigentlich ein interessantes Thema. Gerade Ostdeutschlands wirtschaftliche Leuchttürme, zumal universitär vernetzt und somit eigentlich für Fachkräfte aus aller Welt interessant, leiden sehr unter dem ausländerfeindlichen Image. [TATIZ]
Das ist erstmal eine Behauptung, die zu beweisen wäre. Und treffenderweise müsste man dabei sagen, dass dieses Image um das Sie besorgt sind, erheblich mehr an der künstlichen Vervielfachung des Problems leiden würde, als an den tatsächlichen Umständen.
Auch müsste man sich fragen, ob nicht die ganz realen Unterschiede in Studentenqualität, Bezahlung und Kulturprogramm einen Wissenschaftler das MIT gegenübner der Uni Dresden bevorzugen liesse.
Da ich zufälligerweise Wissenschaftler bin, kann ich nur sagen, dass Problem Rechtsradikalismus hat wenig damit zu tun, dass ich kaum jemanden kenne, der freiwillig an eine ostdeutsche Uni käme.
[ZITAT] Wenn ich Dich bei Gelegenheit mit gleicher Vehemenz gegen Rechtsradikalismus Partei ergreifen sehe, attestiere ich Dir gerne eine ausgeglichene Wahrnehmung der Realität. [TATIZ]
Wie kommst Du auf die absurde Idee deine Meinung zu meiner Person wäre von irgendeiner Relevanz ? Ich bin über dieses primitive Spielchen, “Distanzier Dich sofort da und da von, dann glaube ich Dir vielleicht irgendwas” bei weitem hinaus. Das ist mir schlicht zu blöde und entsprechend interessieren mich die Bewertungen von Leuten, die viel Spass an diesem Spielchen haben, so nun gar nicht.
Ich muss mich weder von Rechtsradikalismus, Linksradikalismus, Islamismus, Faschismus, Gumnmistiefelfetischismus oder dem 1. FC Köln distanzieren, die Frage ob etwas richtig oder falsch ist, hängt nicht von dem ab, der es vorbringt.