Ende der Schweizer Woche
M.M., 23.05.2008
Liebe Leser, zum Ende der Schweizer Woche beim antibürokratieteam (wo ist eigentlich der Rest der Mannschaft?) noch dies:
201 889 Deutsche lebten Ende 2007 in der Schweiz. Im Kanton Zürich sind sie mit 19 Prozent die grösste Ausländergruppe. Ein neues Buch beschäftigt sich mit dem angespannten Verhältnis zum wenig geliebten Nachbarn und Mitbürger.
Die WELTWOCHE, wo auch Herr Broder über Israel, Islam und den Untergang des Abendlandes schreibt, hat einen exklusiven Vorabdruck online zugänglich gemacht. Weil die Deutschen in Deutschland sicher nicht die WELTWOCHE kaufen.
Für auswanderungswillige Bundesrepublikaner, Auszug als Appetithappen: Birgit (aus Landshut) und Jenny (aus Leipzig) finden die Schweizer:
- extrem langsam; und zwar noch langsamer, als man gedacht hatte;
- extrem verschlossen; in fünf Jahren Schweiz hat Birgit lediglich eine gute Freundin gefunden (Jenny) und Jenny auch nur eine (Birgit);
- total unspontan; zum Glühweintrinken muss man sich vier Wochen vorher anmelden;
- überpünktlich – wenn man mal eine Dreiviertelstunde zu spät kommt, nehmen sie es grad persönlich;
- überheblich – glauben, sie könnten besser Englisch als die Deutschen, was überhaupt nicht stimmt.
Zudem:
- Die Joghurt-Auswahl ist viel zu klein, und beim Bäcker gibt’s um zehn nach zwölf nicht einmal mehr ein Sandwich zu kaufen, da fragt man sich dann schon: Sind wir hier in Polen?
- muss man hier bei jedem geschäftlichen Anruf mit jedem mindestens fünf Minuten lang quatschen;
- trennen Schweizer Job und Privatleben ganz streng, weswegen man bei der Arbeit kaum Leute näher kennenlernt;
- nehmen sie im Job immer alles persönlich; man muss immer alles fünfmal diskutieren, jeden um seine Meinung fragen und Kritik immer in einen Blumenstrauss packen;
- ist der Schweizer Mann ein Waschlappen; deutsche Männer sind selbstbewusster und machen auch mal ’ne Ansage;
- begegnen sie Österreichern viel freundlicher als Deutschen.
antibuerokratieteam.net





Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Preußen Pünktlichkeit. Eine Dreiviertelstunde Verspätung ist wirklich unhöflich.
Unterscheiden die Schweizer eigentlich zwischen Bayern, Schwaben, Preussen und Ostdeutschen oder werden die noerdlichen Nachbarn alle in einen Topf geworfen?
“(Schweizer) extrem langsam; und zwar noch langsamer, als man gedacht hatte”
Da ist was dran, kannte mal einen, der machte einen ziemlich doofen Eindruck, schaute auch dementsprechend und wenn man dem was sagte, dann überlegte der immer etliche Sekunden, um dann auf einmal doch etwas sehr vernüntiges zu antworten, LOL. Erschreckend ermüdend oft auch, wenn Vorträge gehalten werden, selbst Geburtstagsfeiern können so versaut werden.
Diese Beobachtung gilt aber nur für die Schwyzerdütschen (oder so ähnlich).
als ostdeutscher handwerker hat man so ungefähr den ruf eines polnischen handwerkers in deutschland, hab ich mir sagen lassen. wobei ich immer das gefühl hatte, daß ich von meinen schweizer kollegen geschätzt werde.
keine guten erfahrungen habe ich mit der baseler polizei gemacht. das war hart an der grenze zur schikane. mal abgesehen davon daß die mich bzgl. einer parkgenehmigung glatt angelogen haben, hätte ich doch zumindest erwartet, daß man sich mit mir einigermaßen verständlich unterhält. hochdeutsch können die ja alle.
Einfach für das nächste Mal, es heisst “Basler” und nicht “Baseler”, es heisst auch nicht “Züricher” sondern “Zürcher”.
Mann, es sind diese kleinen Dinge, die einem auf den Sack gehen ;)
(“…wo ist eigentlich der Rest der Mannschaft?”, fragen Sie; ich frage mich das auch. Soviel amüsanter Leerlauf war selten… ;-)
Was die Schweizer betrifft, kann ich nicht mitreden; habe noch keinen kennengelernt ausser Ihnen, und Sie zuletzt eher von Ihrer um fremdgängerische Aufwiegler besorgten Seite; ein Grundzug vielleicht, der sich insgesamt auf Temperament und Tempo legt ;-)?
Dass sie Deutsche nicht besonders mögen, überrascht mich nicht. Was tun “Besserwessies” auch im basisdemokratischen Südwesten?
tschulligung ;)
Auf Deutsch heisst das Zuericher.
Und am allermeisten auf den Sack gehen mir Leute, die von Hochdeutsch sprechenden Menschen verlangen, ihren laecherlichen kleinen Dialekt zu imitieren.
und beim Bäcker gibt’s um zehn nach zwölf nicht einmal mehr ein Sandwich zu kaufen, da fragt man sich dann schon: Sind wir hier in Polen?
@ M.M.
Ich war vor Jahren mal bei bzw. in Laax eine Woche Skifahren; in den Jahren zuvor war dort, wie mir eine ortskundige Person versicherte, der Tourismus merklich eingebrochen, die Gastronomen klagten. Das heißt jedoch nicht, dass sich ein Teil von ihnen von merkwürdigen Öffnungszeiten verabschiedet hätte. Dass wir während der Nebensaison als wohl einzige hungrige und durstige Skigruppe beim Dorf-Wirt (ein netter Zausel) allerspätestens um 21:00 aufschlagen mussten, erschien mir noch verständlich. Aber zwei Gastronomien in Laax selber (abgesehen von Gastronomien mit Hotelanschluss) brachten es fertig, um 21:00 ein ca. ein Dutzend konsumfreudige Touristen abzuweisen, obwohl noch ein gewisser Betrieb herrschte. Und wir sahen nicht abgerissen aus oder polterten etwa teutonisch in den Laden rein.
Handelte es sich dabei um eine Graubündener Spezialität oder ist es landesweiter Usus die Küche Strich 9 zu schließen?
Waren die einfach deutschenfeindlich oder ist der Graubündener teutonischer als man annehmen könnte und minimiert seinen Umsatz von sich aus, damit er besser über zurückgegangenen Tourismus klagen kann?
Ziemlich merkwürdig.
Es ähnelt zumindest dem Verhalten, wie man es in Teilen der Speisegastronomie Berlins ca. bis zur Jahrtausendwende vergleichsweise häufig beobachten konnte: Hier kam man zwar immer noch zu den angegebenen Öffnungszeiten ins Lokal rein, bekam aber auf verschiedene Weise zu spüren, dass die Belegschaft eigentlich keinen Bock mehr hatte. Wenn ein Laden, den man nach der Stoßzeit um 21:30 betrat bis 22:00 Küche hatte, gab es z.B. zur Strafe um 22:30 keine Nachspeise mehr oder wurde nach dem Essen nicht gefragt, ob noch jemand einen Espresso möchte, weil die Maschine gleich ausgemacht würde – ganz zu schweigen von allerlei erlesenen Muffigkeiten.
In der mehr oder weniger szenigen bzw. alternativen Gastronomie Berlins mit Getränkeschwerpunkt zeigen Belegschaften der Kundschaft mithin bis heute, dass sie eigentlich absolut keinen Bock haben (es sei denn, sie unterhalten sich beim Vernachlässigen der Gäste mit jemandem aus dem Freundes- und Bekanntenkreis). Die Affektkontrolle gemäßigt bürgerlicher Umgangsformen oder das Bedürfnis nach Tipp sind immer noch nicht völlig flächendeckend verbreitet.* Wobei man sagen muss, dass die Ausreisser inzwischen Richtung bundesweites Normalniveau tendieren.
* Einmal fragte ich einen ebenso betont coolen wie lahmarschigen Kellner in einem Cafe ganz offen, ob er sich nicht wundern würde, dass er die ganze Zeit keinen Pfennig Tipp bekäme. Er antwortete, nicht weniger offen: “Nö, muss ja nich!”.
warum eigentlich mögen uns die Schweizer nicht??
…na ja, ich finde, Deutscher zu sein und nicht gemocht zu werden ist immer noch besser als Schweizer zu sein und von allen geliebt zu werden. :-D
…so, jetzt habt ihr einen Grund! ;-)
Hochdeutsch – ist das nicht dieser Dialekt, den man so in der Gegend von Hannover spricht? ;)
Hochdeutsch ist kein Dialekt.
Sie meinen wohl “Standarddeutsch”. Da gilt “Zürcher” und “Züricher” als gleichwertig.
Das mit neun Uhr blanker Teller passiert nicht nur Deutschen, sondern auch Schweizern. Ziemlich ärgerlich. Gilt ja auch mittags, wenn ab zwei Uhr “nur noch kalte Küche” angesagt ist. Allerdings: So ein arbeitsintensives Nachtessen (sofern tatsächlich selbst gekocht wird, zumeist handelt es sich um Fertigprodukte, worauf immer eine umfangreiche Menuekarte, pardon, Speisekarte, schliessen lässt) ist wertschöpfungsmässig nicht gerade lukrativ. Eine fröhliche Runde, die Bier und Schnaps konsumiert, wird man sehr höflich behandeln.
Es heisst Schwizerdütsch: für Auswanderungswillige und andere Sprachinteressierte: http://www.dialektwoerter.ch/
Und was von beiden wäre dann die leit-kulturelle deutsche Version?
Oder im Zeichen der Völkerverständigung gefragt: welche Version bevorzugt der Einwohner Zürichs – aus deutschem Mund ;-)?
“Erschreckend ermüdend oft auch, wenn Vorträge gehalten werden, selbst Geburtstagsfeiern können so versaut werden.”
Kann ich verstehen. Die Standardsprache ist in der Schweiz in erster Linie Schul- und Schriftsprache. Das heisst, wenn so ein standardsprachlich parlierender Schweizer etwas mitteilt, dann folgt er immer einem Schrifttext und, anders als die richtigen Deutschen nicht seiner Umgangs- oder Alltagssprache. Deshalb tönt das so wie das tönt.
Ein Rede – ich habe schon unzählige geschrieben – folgt eigenen sprachlichen Gesetzen (jeder Satz eine eigenständige Aussage, keine Schachtelsätze, pointierter Bezug auf vorher Gesagtes usw.) als beispielsweise ein Text für eine Fachzeitschrift.
Es gilt heute die Regel, dass die von den Eingeborenen gewählte geografische Bezeichnung gilt. Deshalb sagen wir heute Beijing und nicht mehr Peking oder Mumbai und nicht mehr Bombay und Zürcher statt Züricher. Ist doch ganz einfach oder?
Zur Befindlichkeit: Wenn Sie als Deutscher es sich mit einem Zürcher (!) oder Basler(!) schon gleich beim ersten Satz verscherzen möchten, dann reden sie einfach von Züricher oder Baseler.
Wir hatten da vor dem Mauerfall auch unseren Spass mit den Bundesrepublikanern. Woher kommen Sie? Aus Deutschland. Ost oder West?
Ja, wirklich ganz einfach und vor allem: *P.C.*! Oder *G.P.C* ? Mir gefällt das.
(Wenn ich in D-Süd von Mumbai spreche, weiss kein Mensch, wo er es hintun soll…)
Was für eine Frage! Die Mauer war dicht, auch für (Lindt &) Sprüngli ;-o…
So viel Häme bei den Schweizern? Hätt’ ich nicht gedacht.
“Es gilt heute die Regel, dass die von den Eingeborenen gewählte geografische Bezeichnung gilt.” -
Und des wegen sagen wir auch “Lisboa” und “Warszawa” (o.s.ä.)? ;-)
Sehr nervig, diese Kleinstaaten mit Minderwertigkeitskomplexen.
In Muenchen wuerde niemand auf die Idee kommen, von einem Preussen zu verlangen, “Minga” statt Muenchen zu sagen. Im Gegenteil, diese Art von peinlicher Anbiederung ist eher verpoent.
Aber Bayern haben ja auch Selbstbewusstsein, im Gegensatz zu anderen deutschen Provinzen.
Boah! Intelligent sind wir!
Und wer bringt jetzt den Franzosen “Oche” bei statt Aix-la-Chapelle? Und dass sie mit “Monaco” gefälligst nur Fürstentümer zu bezeichnen haben?
P.S. Wer in Indien nicht verstanden werden will, sollte eifrig “Mumbai” verwenden. Nur, weil eine Regierung sowas mit Macht durchdrücken will, wollen die “Eingeborenen” das noch lange nicht…
Herr Messmer,
ich werde morgen mal dem Kiosk meines Vertrauens einen Besuch abstatten und nachsehen, ob die großen Tageszeitungen aus der Scheiz über Bejing oder über Peking schreiben :-)
@ marc:
Warum “uns” (*schauder*) niemand mag (die Schweizer sind ja nicht die einzigen; siehe Touristenregionen), könnte daran liegen, dass “wir” im Urlaub oder beim Auswandern etwas besseres als die Heimat suchen aber trotzem verlangen, dass man sich nach unseren Gepflogenheiten richtet.
Kennt jemand hier das Gefühl des Fremdschämens, wenn man sich im Ausland aufhält und bemüht ist, sich den Einheimischen irgendwie anzupassen (scheitert natürlich meist), und dann trifft man auf einen Landsmann, der einem Einheimischen (selbstverständlich in deutscher Spreche) klarmachen will, dass er das alles besser so machen würde, wie’s die Deutschen machen?
…also ich kann das nachvollziehen. Wenn ich Schweizer wäre, würde ich Deutsche auch nicht gerade willkommen heißen. Tu ich ja schon in Deutschland nicht ;-)
Glueckwunsch.
“Kennt jemand hier das Gefühl des Fremdschämens, wenn…,”
Oh ja, ganz schlechter Brauch bei mir. Krieg’ schon einen roten Kopf, wenn ich wie hier von vermeintlichen deutschen Überlegenheiten lese.
Auch wenn es sie gibt ;-D…
“Das heisst, wenn so ein standardsprachlich parlierender Schweizer etwas mitteilt, dann folgt er immer einem Schrifttext und, anders als die richtigen Deutschen nicht seiner Umgangs- oder Alltagssprache.”
Das war mir trotz zahlreicher Schweiz-Besuche nicht ganz klar, ich war bzgl. der Denkschnelligkeit der Schweizer also nicht ganz sorgenfrei. Findet man eigentlich die Basler Leckerli in der Schweiz lecker?
Lecker oder nicht – ich warne schon mal vor einer neuen Zurechtweisung durch den Autor des Beitrags zur “Schweizer Woche”:
“Wie bei vielen Eigenwörtern im Dialektgebrauch gibt es verschiedene Schreibweisen. „Basler Läggerli“ kommt dem Basler Sprachdialekt am nächsten. „Baseler Leckerli“ ist gemäss Duden die korrekte deutsche Schreibweise, allerdings ist die Schreibweise „Baseler“ in der Schweiz unüblich und gar verpönt. „Basler Leckerli“ wird demzufolge als Eindeutschung sowie auch in anderen Kantonen verwendet.Die erste amtliche Erwähnung von 1720 lautet „Basler Läckerli“. Auch die Basler Zeitung verwendet diese Schreibweise.” (Quelle: Wikipedia)
“* Einmal fragte ich einen ebenso betont coolen wie lahmarschigen Kellner in einem Cafe ganz offen, ob er sich nicht wundern würde, dass er die ganze Zeit keinen Pfennig Tipp bekäme. Er antwortete, nicht weniger offen: “Nö, muss ja nich!”.”
-kenn ich von Zürich auch: die Kellner sind dann Deutsche.
Joghurtangebot, das ist ja nun wichtig: mal im COOP Bahnhofbrücke oder Migros Limmatplatz, Zürich, gucken, zum Beispiel.Wusste auch gar nicht, dass Deutsche immer im KaDeWe einkaufen gehen.
- Dass Deutsche sich über die Schweiz aufregen, das hat was. Erinnert mich an die Militärmöbel, die ich in einem Universitätsseminarraum gesehen habe. In Deutschland.
Und da ich gerade wieder von einem Besuch aus der anderen, der standarddeutschsprachigen, Heimat komme: ich find super, dass mich hier niemand anschreit, sondern normal mit mir spricht, wie z. B. die schweizerischen und türkischen Krankenschwestern im Universitätsspital. Die sind liebenswürdig.
Dann gibts hier mehr Leute, die normal gekleidet sind, so gut wie diese schöne Türkin gestern morgen an der Kasse eines Tankstellen-Ladens vor Hannover. Ja.
Überhaupt wäre Zivilisierung angebracht; andere Länder oder auch inländische “Menschen mit Migrationshintergrund” bemühen sich ja schliesslich auch, kleiden sich ansprechend und stellen kein Militärmobiliar in die Uni, und sprechen Sprachen. In meiner schweizerischen Familienabteilung sprechen wir zB Züridütsch, Glarnerdütsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Japanisch, Portugiesisch, und als Fremdsprache Standarddeutsch. Das kenne ich in Deutschland von ausländischen Familien auch, neben Hessisch und Türkisch auch Hochdeutsch, Farsi, Englisch, Französisch, Aserbeidschanisch, und als Fremdsprache Arabisch.Tja. @
Lina, ganz unter uns – kein normaler Schweizer kann Dialekt schreiben, geschweige denn so ohne weiteres lesen. Das ist eines der vielen Rätsel des Schweizerdeutschen.
Wo sind denn die deutschen Provinzen überall? Ist das mit Mussolini – ich meine Finiberlusconi – besprochen?
Wenn ich mir die diversen SMS-Chat-Sendungen im schweizer TV ansehe, versuchen aber recht viele Schweizer, Dialekt zu schreiben…
Gaehn.
Eben.
“Basler Leckerli” stand auf der Verpackung des in der Schweiz erworbenen und vermutlich nicht für den Export bestimmten Produkts.
Nicht “Läckerli”? Dann war’s jedenfalls kein Beiprodukt der Basler Zeitung…;-)
Das ist jetzt aber auch alles, was ich meiner Warnung vor dem strafenden Autor noch hinzufügen kann. Er selbst meint ja, dass Dialekt nicht geschrieben werden könne, aber laut Wiki & Harnasch können sie’s doch…?
Mir wirklich ein Rätsel, diese Schweizerdeutschen.
Hab noch mal recherchiert:
http://images.google.de/images?rlz=1B2GGGL_de___DE226&hl=de&q=Basler+Leckerli&btnG=Bilder-Suche&gbv=2
Die präferieren wohl “Leckerli”.
Mumbai war eine politische Entscheidung mit einer mir wieder entfallenenen Bedeutung. So weit ich gehört hab, nennen die meisten Einwohner die Stadt immer noch Bombay.
In Berlin bin ich auch mal in einer Bäckerei nicht bedient worden, als ich nach Brötchen fragte. Schliesslich heissen die Schrippen.
Dabei handelt es sich inzwischen um einen weitere Dialekt, SMSisch. Interessant dabei ist, dass es keine wirkliche Grammatik dazu gibt und dass es auch keine ausgeprägten lokale Versionen gibt.
Wir stellen also fest, dass es so etwas wie ein einheitliches Schweizerdeutsch gibt. In der TV-Werbung kommt so ein Sprachenverschnitt auch zur Anwendung
Es existieren für die einzelnen Dialekte durchaus eigene Grammatiken.
Ich selbst kann einen Text auf Baseldeutsch knapp verstehen. Aber einen Text zum Beispiel auf Berndeutsch nur, wenn ich ihn laut vorlese.
Vielleicht dazu ein Copypaste-Text von Wikipedia:
Baseldytsch:
Im Geegesatz zu den andere dytschschwytzer Dialäggt isch s Baseldytsch Nideralemannisch (die andere Dialäggt sin hoch- oder höggschtalemannisch). dypyschi Meergmool vom Baseldytsch sinn unverschoobeni [kʰ] (z.B. in de Wort Keenig (König), Kaffi, kenne; aber au hyffig und dradizionellerwyys in Weerter wie Kind, Kueche),
Berndütsch:
Bärndütsch het es vierstuuffigs Vokausystem (nid wi Standarddütsch wo nes dreistuuffigs het). Jede Vokau bis ufe Schwacha entweder läng sy oder churz, u zwar genau i der glyche Vokauqualität (nid wi im Standarddütsch, wo di länge Vokale bis ufen /a:/ viu gschlossniger sy aus di churze). Die zuesätzlechi Stuuffe im bärndütsche Vokausystem isch d Ungerscheidig vo zwo verschidnige Qualitäte vo i, ü und u. Bispiu.
Und noch Wallisertiitsch (das ich oftmals auch gesprochen kaum verstehe):
Wallisertiitsch isch där Dialäkt va nu Titschschwizer im Kanton Wallis und kheerut zär heeggschtalemannischu Dialäktgruppa. D’ Schpraachgränza zum franzeesischsprachigu Unnärwallis geyt nördlich vam Rottu dum Bach Raspille zwischu Sidärs un Salgäsch naa und südlich vam Rottu isch im Pfynwald. ‘z Wallisärtitsch hett nit numu än eyguni Grammatik, äs hett öi än eygundi Syntax und etlichi eyguni Vokablä, wa vill öi üsum Wälsch und Italienisch ‘ntleenti sind. Äs isch darum fär Schprächer üs är Hochtitschu Schpraach numu schweer z’värstah.
So schreibt kein Mensch per SMS (die tun das übrigens nur deshalb, weil sie das Standarddeutsche nicht beherrschen und sich keine Blösse geben wollen. Denn – und das ist das zentrale sprachliche Geheimnis der Schweizer: Die meisten von ihnen leiden gegenüber den Hochdeutschen unter einem Sprachkomplex. Kommt von der Schule. Da wird die ausgetrieben, einfach so daher zu reden.)
Also doch diese “sort of” Minderwertigkeitskomplexe, von denen ein Kommentator sprach?
Wir hätten uns viel Zeit und Ärger sparen können, wenn Sie die diversen Dialektproben gleich zu Beginn der *Schweizer Woche* eingerückt hätten; dann würden wir beschämt erkannt haben, dass es aus dem “zentralen sprachlichen Geheimnis der Schweizer” kein Entrinnen gibt; auch nicht mit hochdeutscher Nachhilfe ;-D…
Diskret gefragt: wie konnte es nur zu derartigen Sprachverstümmelungen kommen? Die Einsamkeit der Berge und Täler, die schwierige Verständigung von einem zum anderen? Wissen Sie mehr?
Sprachverstümmelungen – ich meine, hier können Sie ja derartige Feststellungen treffen, aber falls Sie mal…
Die Schweiz ist ein extrem föderalistisch aufgebautes Land. Die kleinste politische Einheit ist die Gemeinde. Jeder Schweizer ist Bürger einer Gemeinde. Das Gemeindebürgerrecht ist höher gewichtet als beispielsweise der Geburtsort (die meisten Schweizer werden sowieso im Spital – pardon – in der Klinik geboren).
Deshalb wird man nicht Schweizer sondern Bürger einer Gemeinde und dann bekommt so ein Eingebürgerter dann noch den Schweizer Pass.
Aber nun zur Sprache: die nächste Einheit ist die Talschaft und in der Schweiz hat es ja sehr viele Täler. Wer seinen Dialekt beherrscht, der hört die Talschaft oder doch die Gegend des Sprechenden heraus. Zudem gibt es auch soziale Sprachunterschiede. Das ist so etwa wie bei den Engländern.
Dann kommt die Gegend und der Einfluss der Historie, Handelsverbindungen etc. Bei den stadtbernischen Oberschicht ist es schon fast selbstverständlich, dass man fliessend französisch spricht/sprach. Oder man redet überhaupt Französisch wie in Neuenburg / Neuchâtel obwohl man formal bis 1857 dem König von Preussen gehörte. Aber der sprach ja auch Französisch.
In der Schweiz werden bekanntlich vier Sprachen gesprochen und da gibt es halt an den Rändern jede Menge Schnittmengen – eben beispielsweise beim Wallisertiitsch, das italienische Einflüsse aufweist.
Oder alte Sprachen, die sich in den Hochgebirgstäler über Jahrhunderte halten konnten, wie etwa das Walserdeutsch im Bündnerland (dort reden sie in einer anderen Talschaft auch noch eine tirolisch-bairische Mundart).
Das berühmte “Chuchichäschtli” wird im Bündnerdeutsch zum “Kuhikäschtli”.
Wenn ich das so schreibe, gefällt mir diese sprachliche Vielfalt in der Schweiz immer mehr. Manchmal sitzt du in einem Meeting (Neudeutsch) und hast so fünf, sechs verschiedene Dialekte am Tisch. Mir gefällt das.
Ich hatte kürzlich öfters im Wallis zu tun. Da bist du als Basler in einer völlig anderen Sprachwelt. Sehr sympathisch übrigens – irgendwie singen die ihre Sprache und man muss gut zuhören, was bei der Lösung schwieriger Probleme gar nicht schlecht ist.
So, jetzt hoffe ich, dass der Rest des antibürokratieteams endlich in die Tasten greift: Holt mich hier raus!
“So, jetzt hoffe ich, dass der Rest des antibürokratieteams endlich in die Tasten greift: Holt mich hier raus!”
Hast Dich aber tapfer gehalten, aus Systemsicht halte ich hier gerne noch fest, dass eine heterogene Sprachschicht zwar i.p. Effizienz zu Minderleistungen tendiert, dass die Heterogenität als solche aber begrüssenswert ist. Als Basler bist Du eher Westschweizer und nicht Ostschweizer?
… kollektiv-politisch gesehen schon, denn da liegen die Basler mit ihren Abstimmungsergebnissen jeweils auf der Linie der Welschen (Französisch sprechende Schweizer).
Und bezüglich Sprache und Minderleistung – also wenn ich da die einschlägigen Statistiken mit denen Standarddeutschlands vergleiche, also ich weiss nicht, ob wir es da nicht mit einem ausgesprochenen Erfolgsmodell zu tun haben.
*Merci vielmals*, M.M.!
Klingt überzeugend, was Sie zu Ursprung, Nutzen und Gewinn der sprachlichen Vielfalt schreiben – wenn man ausser Französisch, Italienisch und Deutsch auch die Mischformen “Sprachen” nennen will – und wenn’s überhaupt wahr ist, dass man sich darin versteht ;-)…
Probleme auf Wallisisch ansingen – warum nicht? Probieren Sie’s doch mal! Vielleicht erbarmt sich dann einer und erlöst sie vom Hausmeisterposten? Könnte ja sein ;-D…
@ M.M.
Ich wunderte mich deshalb, weil den betreffenden Gastronomen hätte relativ klar sein müssen, dass ein Dutzend Skiurlauber ca. Mitte 20, neben Essen, sehr konservativ geschätzt, zusammen 36 Bier und 12 Schnäpse konsumiert hätte.
Und die Lokale (gehobene Wirtshäuser mit teilweise wohl einheimischem Publikum) waren, soweit ich mich erinnern kann, eher klein dimensioniert und haben (Nebensaison) zwischen 19 und 21 Uhr wohl nicht viel Umsatz gemacht.
Womöglich handelte es sich bei den Personen, die uns freundlich und bestimmt wieder hinauskomplementierten nicht um die jeweiligen Betreiber selber, sondern um Angestellte, die in keiner Weise am Umsatz beteiligt sind und vielleicht befürchteten, dass wir pro Kopf durchschnittlich sechs große Biere und drei Schnäpse getrunken hätten.
Da wiegt die Feierabend-Maximierung schwerer.
(wo ist eigentlich der Rest der Mannschaft?)
… also ich bin an einem Ort, wo _Geld verdienen_ keine Schande ist.
Gruß aus Dubai :-)
Bodo
Lieber Bodo, Geld zu verdienen (womit auch ich mich im Moment vorwiegend beschäftige) ist auch hierzulande keine Schande, selbst wenn der eine oder andere gutverdienende Politiker versucht, eine daraus zu machen.
Gruss aus dem Grossraum Europa – aktuell tatsächlich mal wieder von dahamm :-)
Achim
Keine Schande? Gibt’s da nicht im GG einen Satz der von der Pflicht des Eigentums (wozu eigentlich?) spricht? ;-)
Soeben im (vom Inder geführten) Supermarkt um die Ecke (Nähe Burjuman): 1 Banane, 1 Apfel, 1 50g-Tafel Kinder-Schokolade, 1 Pckg. Zimt (für dahamm), 1 Pckg. Kümmel (für dahamm) und 1,5 Ltr Masafi Minerlwasser + Plastiktüte und – wichtig! – ein freundliches Lächeln an der Kasse (“Thank you sir”) für 11,50 Dirhams, umgerechnet derzeit exakt 2 Euro.
Man wird von dem reich, was man _nicht_ ausgibt bzw. ausgeben muss. Das wollte ich eigentlich sagen… (mein Honorar hier könnt’ in der Tat höher sein – zu dem von mir favorisierten Land Rover Sport HSE [in weiß] reicht’s leider nicht…. :-(
Wenn ich in der Schweiz einen halbwegs bezahlten Job finden würde, wäre ich schon dort. Als junger Immobilien-Jurist ist es jedoch nicht ganz so einfach.