Frauen. Fussball. Grundversorgung.
Lesetipp in der FAZ zum Finale. Zur EM. Zur Grundversorgung. Und zum Thema Sex. Die Nationalhymne kommt auch vor.
…bis auf weiteres jedenfalls. Wieso? Ich will ehrlich sein: Ich denke, daß die politische Blogosphäre nicht mehr besonders interessant ist, und natürlich muß ich, als Teil der politischen Blogosphäre, mir das auch anrechnen lassen.
Mein Überdruß hat eigentlich keine aktuelle Ursache, sondern ist allgemeiner Natur. Mehr oder weniger regelmäßig habe ich in den letzten vier Jahren versucht, hier im Internet politische und ökonomische Dinge zur Diskussion zu stellen. Mal mehr, mal weniger polemisch, mal in pädagogischer Absicht und manchmal auch, um einfach nur eine halbfertige Meinung, über die ich mir selbst nicht ganz sicher war, einem Härtetest auszusetzen.
Eine ganze Weile lang war das sehr interessant, wenn auch manchmal anstrengend. Aber ehrlich gesagt: Politische Themen ändern sich nicht wirklich, und so wiederholt sich vieles. Äußerungen in der Kommentarabteilung sind oft eher vorhersehbar als interessant, und aus der Perspektive des Lesers gilt das vielleicht auch für die Beiträge oberhalb der Kommentarabteilung. Dazu kommt, daß sich einige Positionen in letzter Zeit deutlich verhärtet haben. Manch einer, gerade unter unseren fundamentalistisch-libertären Lesern, möchte nicht diskutieren, sondern er möchte nur nochmal lesen, was er ohnehin schon ganz sicher zu wissen glaubt.
Lesetipp in der FAZ zum Finale. Zur EM. Zur Grundversorgung. Und zum Thema Sex. Die Nationalhymne kommt auch vor.
Quando.net berichtet über neue Erkenntnisse zur Funktionsweise des Klimas. Anscheinend wurde ein neuer Regelungsmechanismus im tropischen Atlantik gefunden, wie New Scientist berichtet. In der Nähe der Kapverden bindet der Ozean anscheinend schädliches Zeugs wie Methan und andere Gase in weit grösserem Umfang als angenommen.
Ob die Klimamodelle das alles auch berücksichtigen? Und ob es den Treibhauseffekt überhaupt gibt, ist auch nicht klar.
Im Zweifelsfall bleiben Zweifel. Stört die Politik aber nicht.
Noch kurz vor Torschluss etwas zur EURO’08: eine Karrikatur im Tagesanzeiger. Sagt der Schweizer Euro-Delegierte an der Schlusspressekonferenz:
Die EURO’08 wird mit Sicherheit in Erinnerung bleiben als ein Fussballfest der Superlative….
….in Berlin…
fällt ihm da sein österreichischer Kollege ins Wort.
So sei es. Endstand 3 : 2! Wer was machen wird, darf jeder selbst einsetzen. Wir üben uns hier mal in der direkten Demokratie.
Der Staat gibt in Deutschland jedes Jahr 700 Milliarden Euro für Soziales aus, dennoch wächst die Kinderarmut, die Bildungsarmut und auch die Altersarmut in naher Zukunft wieder- die ZEIT nennt dies den asozialen Sozialstaat! Anbei einige Passagen aus diesem lesenswerten Artikel.
Das Füllhorn der Umverteilung schwächt die Wirtschaftskraft ohne die eigentlichen Nöte zu beseitigen: Das Bafög soll steigen und das Kindergeld. Wohngeld, Rente und Arbeitslosengeld werden erhöht. Die SPD will die Frühverrentung weiter fördern, die CSU den Pendlern helfen, Nordrhein-Westfalens CDU einen Rentenzuschlag für Geringverdiener einführen und Umweltminister Sigmar Gabriel Sozialtarife für Strom und Gas. Selbst für Häuslebauer wurde gerade die Eigenheimzulage unter dem Namen Wohnungs-Riester wieder eingeführt: Bis zu 16.000 Euro bekommt eine Familie vom Staat, wenn sie Wohneigentum erwirbt.
Wer gegen die Armut vorgehen will, muss Geld in Bildung stecken – Deutschland führt zwar im internationalen Vergleich bei seinen Sozialausgaben, rangiert bei den Bildungsausgaben aber im hinteren Drittel der Industrieländer… Inzwischen ist die Zahl der Menschen, die von staatlichen Leistungen leben, ebenso groß wie die Zahl der Arbeitnehmer, die Sozialversicherungsbeiträge bezahlen. Und Millionen Arme bleiben Opfer des Sozialstaates, wie die Zeit zu Recht resümiert.
Tauschen wir für einen Moment das Weissbier, die Lederhosn unds Fingerhakln gegen Whisky, Kilt und Highland Games und wenden uns der Politik meines aktuellen Gastlandes zu. Passenderweise auch hier Weiss und Blau die Farben der Winkelemente.
Parallel zum Niedergang Labours in London Wer geht zuerst? Brown oder Mugabe? regiert seit etwas über einem Jahr die SNP, die Scottish Nationalist Party das best small country in the world.
Der First Minister dieser Regierung, Alex Salmond, hat sich letzte Woche über den Stone of Destiny, den Krönungsstein der schottischen Könige geäussert und Zweifel an dessen Echtheit angedeutet.
Der Krönungsstein befindet sich derzeit wieder in Edinburgh, nachdem er 1296 als Kriegsbeute nach London verbracht wurde und sich dort Jahrhunderte lang in de Westminster Abbey unter einem Stuhl befand. 1996 brachte Tony Blair den Stein persönlich über die Grenze zurück. Zur Krönung weiterer Monarchen des vereinigen Königreiches wird der Stein wieder unter den Krönungsstuhl gelegt, der neue Monarch somit nicht nur englischer, sondern zugleich auch schottischer König.
In Ermangelung eigener Blogproduktivität einige aktuelle Lesehinweise:
Viel Spaß bei der Lektüre.
Arne Hoffmann berichtet in der Online-Ausgabe von eigentümlich frei über eine Untersuchung, wonach Männer intelligenter als Frauen seien. Statistisch gesehen.
Nehmen wir diesen Artikel als Aufhänger für den ersten Beitrag einer losen Folge über die unbestechliche Welt der Mathematik und Statistik.
Für die Intelligenz wird eine Gauss-Normalverteilung angenommen. Diese Glockenkurve, von den alten 10-DM Geldscheinen her bekannt, wird durch genau 2 Grössen hinreichend beschrieben: Die Position des Maximums und die Breite der Kurve.
Die Fläche unter der Kurve ist auf 1 normiert: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand irgendeine Intelligenz hat, muss eben 1 sein. Die Gausskurve gibt dann an, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person eine Intelligenz von z.B. 105 oder 95 hat. Die ‘Intelligenz’ ist hierbei die Abweichung vom Mittelwert und 105 bedeutet, 5% besser als der Mittelwert zu sein.
Richtig. Erschreckend oder? Aber so viele sind es laut der SOEP-Studie tatsächlich.
Die Antwort auf Frage Nr. 8 im Quiz “Arbeit und Einkommen” auf statista.org, dem neuen Statistik-Portal von SPON (Assoziationswolke: Working Poor, Neoliberalismus, Hungerlöhne, Managergehälter, schlimm, schlimm, immer schlimmer… ).
Einen Link tiefer dann eine aufschlussreiche Ergänzung zur statistischen Aussage: sie bezieht sich lediglich auf Erwerbstätige mit weniger als 30 Stunden Wochenarbeitszeit - insgesamt etwa 21% der Arbeitnehmer. Jede Verkaufsaushilfe mit 10 Wochenstunden und der Rentner, der bei uns die Papierkörbe aus den Büros einsammelt inbegriffen. Korrekte Folgerung aus der Statistik wäre also gewesen: 8,4% der Erwerbstätigen arbeiten in sogenannten Mini-Jobs.
Hätte der Quiz-Autor nur den Beitrag Lügen mit Statistiken auf dem selben Portal gelesen (oder vielleicht hat er ja eben dies getan…)
… dies Wort soeben gehört in der Sendung “SOS Erde - wer rettet die Welt”.
Ich frage mich, weshalb die Hohepriester der AKW-Religion (anthropogener Klimawandel) für ihren durch nichts erwiesenen, aber mit umso selbstverständlicher erscheinenden ‘Überzeugung’ dargebrachten Unsinn soviel Raum im Staatssender erhalten.
Nun also “Kohlenstoffgerechtigkeit”: Arme - und Schwellenländer dürften (sic!) mehr CO2 pro Kopf in die Luft blasen, wir “im Westen” entsprechend weniger (wer’s richten soll, ist klar: “die” Politik”…)
Selten so gelacht ob dieser Logik…
Den heutigen Artikel in der FAZ moechte ich zum Anlass nehmen um ein wenig ueber das Thema ‘Schuluniform’ nachzudenken.
Einheits-Look statt Markenklamotten: Die Offenbacher Ernst-Reuter-Schule führt zum neuen Schuljahr einheitliche T-Shirts, Polohemden und Kapuzenjacken ein. Jeder Schüler könne frei entscheiden, ob er sie trage, sagte die stellvertretende Schulleiterin Christa Ludwig-Männche am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Viele Schüler litten „unter Markenterror“, begründete sie die Entscheidung der Schule.
Von der einheitlichen Kleidung erhoffe sie sich „eine Identifizierung mit der Schule und der Lerngruppe“ sowie ein besseres Schulklima. Die Initiative sei von den Eltern ausgegangen.
Es werden zwei Aspekte angesprochen, die in der immer wiederkehrenden Debatte um Schuluniformen auftauchen. Zum einen der Markenterror, den Markenklamotten der Mitschueler gegenueber mithalten zu muessen und zum anderen die Identifizierung mit der Schule, sprich der Corpsgeist.
Als kleines Schmankerl um die Zeit bis zum Anstoss heute abend zu vertreiben: In der
FAZ wird erklaert, warum die GEZ-Gebuehren weg muessen.
Ein Auszug:
Wer mit einer Ware unzufrieden ist, verweigert den Kauf, wer glaubt, dass seine Steuern verschwendet werden, wählt eine andere Partei, wer an der Kirche verzweifelt, tritt eben aus. All diese Wege sind uns Radio- und Fernsehkunden versperrt - die einzige Möglichkeit, aus ARD und ZDF auszutreten, bestünde darin, alle Fernseh- und Radiogeräte aus dem Haushalt zu entfernen: Unkündbar, unabwählbar, das ist der Status der Leute, die angeblich die Demokratie garantieren und Wettbewerbsbedingungen für sich selber fordern.
Vor einiger Zeit habe ich im Beitrag Stasi 2.1 auf das Internetformular einer Anti-Raucher-Initiative hingewiesen, die zur Online-Meldung von Verstössen gegen das Nichtrauchergesetz aufruft. Ein Nachteil der Aktion bleibt freilich (aus Sicht des Amateur-Spitzels), dass ausser dem befriedigenden Gefühl, eine deutsche Tradition fortzuführen, bzw. dem Nachbarn eins ausgewischt zu haben “nichts dabei hängenbleibt”.
Das wird sich nun dank einer Geschäftsidee aus Hagen ändern: steuerverrat - Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR) macht Denunziationsdrang zu Bargeld. Powered by Finanzamt.
Sie meinen, diese Zusammenarbeit von Behörden mit privaten “Ermittlern” sei zwar unappetitlich, aber nicht sittenwidrig? Was aber, wenn den Denunzianten in spe suggeriert wird, dass es völlig in Ordnung sei, Beweise u.U. illegal zu besorgen?
DIE ZEIT 25/2008:
Vom Asylbewerberschiff auf eine Elitehochschule, »from child refugee to research wunderkind«, wie Wellesleys Campuszeitung jubelt – das ist eine sehr amerikanische Geschichte. Sie erzählt vom eisernen Willen eines Einwanderermädchens, es ganz nach oben zu schaffen – und erklärt, warum kluge Köpfe nirgendwo besser gefördert werden als in den USA. Zugleich ist es auch eine sehr deutsche Geschichte. Denn allzu gern hätte Sanja ihre Schule in Deutschland beendet und hier studiert. »Wir wollten unbedingt in Hamburg bleiben«, sagt sie. Doch Deutschland schien an dem Ausnahmetalent nicht sonderlich interessiert.
Eine schöne Reportage, die mehrere Probleme gleichzeitig illustriert. Nicht nur die Härte des deutschen Einwanderungsrechtes gegenüber den unmittelbar Betroffenen. Sondern auch die Art und Weise, wie sich Deutschland selbst immer wieder schadet, indem es diejenigen wegschickt, die es so dringend bräuchte. Und schließlich erfährt man auch einiges darüber, wie ein hoch ausdifferenziertes, vielfältiges Bildungssystem
soziale Mobilität fördert — oder vielleicht sogar erst möglich macht.
In Ermangelung eines Erfinders wie John Galt, der den Motor der Welt verstummen hat lassen, ist die Frage nach der Bedeutung eines Dieter Bohlen etwas weit hergeholt.
Und dennoch ganz aktuell: Der Tagesspiegel greift Gerüchte über ein Treffen von Showstars auf. Auf diesem Treffen wurde der Umgang mit einem Kanzler Lafontaine diskutiert.
Die Lösung Dieter Bohlens besteht offenbar in einer Abstimmung mit den Füssen (An dieser Stelle: Danke an Irland!) - Bohlens Galt’s Gulch steht in Spanien, vielleicht auf Mallorca.
Typisch Deutsch das Fazit im Tagesspiegel: Wem der erfolgreiche Unternehmer Bohlen mit seinen attraktiven Frauen schon immer auf den Sack ging, wer Schadenfreude ansgesichts des Einbruchs in Bohlens Villa verspührte, der macht sein Kreuz bei der Ex-KPD, Ex-SED, Ex-PDS.
Anders als etwa Vergeltung, die sich am Gewicht von Unrecht und Schuld bemisst und begrenzt, hat Prävention keine eingebaute Bremse. Sicherheit kann es in einer Gesellschaft, die, wie derzeit unsere, von Risikofurcht und Kontrollbedürfnissen beherrscht wird, nie genug geben.
Unter diesen Bedingungen wird das eigentlich grundvernünftige Ziel der Prävention selber zu einem gefährlichen Konzept; es neigt zu unverhältnismäßigem Einsatz repressiver Instrumente.
Winfried Hassemer, ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts
(via FreiheIT-Blog)
Also ihr müsst jetzt nicht gleich sauer reagieren, aber aus der Sicht der EU-freien Zone Schweiz, die derzeit bei verschiedenen grundsätzlichen Themen ziemlichen Stress mit der EU hat, ist das Votum der Iren RECHT ERFREULICH!
Die Bezeichnung McJob steht fuer einen schlecht bezahlten Job ohne Aufstiegschancen und ohne hohes Prestige. “Hier essen oder mitnehmen”, Aufstiegschancen ausgeschlossen und der Markt nicht in der Lage Abhilfe zu schaffen, so duerfte ein gaengiges Klischee ueber McDonalds lauten.
Doch McDonalds scheint mit der schlechten Publicity des McJobs nicht mehr zufrieden zu sein. N-tv.de berichtet nun ueber Plaene des Konzerns seinen Mitarbeitern ein (fuer diese kostenloses) Studium angedeihen zu lassen.
Das oekonomische Interesse an qualifiziertem Personal scheint nicht nur bei McKinsey vorhanden zu sein. Vielleicht geht die Ausbeutung der McDonalds-Mitarbeiter in ein paar Jahren ja soweit, dass der Mitarbeiter des Monats in Talar und Doktorhut den Kunden anlaechelt?
Was lernen angehende Nachwuchspolitiker heute eigentlich noch mit der politischen Muttermilch?
Unabhängig von der politischen Coleur sollte man doch lernen, dass Anträge sauber formuliert sein müssen und Kenntnisse der Geschäftsordnung hilfreich sind. Eine gute Geschäftsordnung kann sogar eine Mehrheit im Parlament verblassen lassen. Offenbar hat Roland Koch dieses Handwerkszeug besser gelernt als Ypsilanti, die sich wie eine Anfängerin auf dem Bezirksparteitag blamiert hat. Intervie Koch in der FAZ.
Eine Mehrheit ist das eine, Kompetenz und Regierungsfähigkeit das andere.
Bevor hier noch die ersten Fragen nach John auftauchen ist dagny t. zum Autorenteam gestossen, um ein wenig frischen Wind in die Bude zu bringen.
Dagny heisst zwar nicht wirklich Taggart und lebt auch nicht in Galt’s Gulch, sondern in Schottland, wird aber ab sofort unter der Team-Blog-Label “dagny’s tags” kurze Kommentare und Hinweise zum täglichen Wahnsinn, über die Merkwürdigkeiten und Inkonsequenzen der liberalen und nicht-liberalen Welt - Tags eben - schreiben.