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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Steuermoral und was damit zusammenhängt

jo@chim, 02.06.2008

Während sich die politische Diskussion auf technische Aspekte, wie mehr Kontrollen und mehr Interventionen zu beschränken schien, wurden die Gründe zur Steuerhinterziehung nur am Rande diskutiert. Denn genauso wie der Staat ein Interesse hat seine Einnahmen zu sichern und nach Möglichkeit zu erhöhen, haben Steuerzahler ein Interesse ihr Einkommen und Vermögen vor seinem Zugriff zu schützen.

Aus der Ankündigung zur iuf-Veranstaltung Steuermoral und was damit zusammenhängt mit Prof. Charles Beat Blankart von der Humboldt-Universität am 13.06.2008 in Berlin. Scheint mir sehr gut zur Diskussion um die richtigen (Steuer-)Baustellen zu passen…



13 Kommentare zu “Steuermoral und was damit zusammenhängt”

  1. Lemmy Caution

    Man kann eine große Gerechtigkeitsdebatte führen.
    Man kann die Thematik aber auch pragmatisch angehen wie in den anderem Thread von Statler.
    Es gibt keine Anzeichen dafür das gut-Verdiener wie ich oder noch stärker even-better Verdiener besonders unter der aktuellen Steuer und Abgabenlast zusammenbrechen. Im Gegenteil gibt es die Einbrüche eher im unteren Mittelstand.
    Steuerhinterziehung ist gesetztlich verboten. Ich muß immer über die linke Lachen, wenn die gewisse Aktionen als “Befreiungskampf” stilisieren, ohne wirklich zu wissen, was da eigentlich vorgeht. Jetzt fangt ihr auch schon damit an, indem Steuerhinterziehung als heroischer Akt stilisiert wird.
    In einer Gesellschaft gibts halt einen festen Satz von Regeln. Wir können diese Regeln ändern. Ein bewußter Verstoß bleibt aber ein hmm. Verstoß.
    Ich hab übrigens schon mit Leuten gesprochen, die in Ländern mit einem finanzierungsmässig unterversorgten Gesundheits- und Schulsystem arbeiten. Die können ziemlich unappetitliche Sachen berichten.

  2. Statler

    Da muß man aber unterscheiden. Blankart interessiert sich für Erklärungen von Steuermoral, da geht es erstmal nur darum, Entscheidungen über Steuerhinterziehung und ihre Ursachen zu verstehen. Das ist ziemlich nützlich, gerade auch dann, wenn man etwas gegen Steuerhinterziehung tun will.

    Die Stilisierung zum Widerstandskampf ist dagegen eher eine Sache von obskuren Sektierern.

  3. drchaos

    Es gibt keine Anzeichen dafür das gut-Verdiener wie ich oder noch stärker even-better Verdiener besonders unter der aktuellen Steuer und Abgabenlast zusammenbrechen.

    Natürlich nicht – die hauen rechtzeitig vorher ab.

    Jetzt fangt ihr auch schon damit an, indem Steuerhinterziehung als heroischer Akt stilisiert wird.

    Heroisch? Nicht unbedingt. Aber vernünftig. Und legitim.

    Ich hab übrigens schon mit Leuten gesprochen, die in Ländern mit einem finanzierungsmässig unterversorgten Gesundheits- und Schulsystem arbeiten. Die können ziemlich unappetitliche Sachen berichten.

    Ich habe just heute mit jemandem gesprochen, der das “Vergnügen” hatte, auf die ach so tolle deutsche Staatsmedizin angewiesen zu sein. Inklusive 4h Warten in der Notaufnahme, bis nachts um zwei. Aber was rede ich, das wird bestimmt alles gut, wenn man nur noch ein paar zusätzliche Steuermilliärdchen in Ullas neuen Gesundheitsfonds pumpt. Fehlt ja ganz bestimmt nicht anderswo, das Geld.

  4. Daniel

    Ich habe auch mal jemanden gesehen. Lag neben mir im Krankenhaus. Plötzliche Hirnblutung, er hat es selbst gemerkt als er auf ner Party mit einer Frau sprach. Vier Minuten späer war der Notarzt da, 20 Minuten drauflag er in der Uniklinik. Notoperation, Jetzt ist er – aus dem Koma erwacht – in der Reha und wir nicht nur überleben sondern auch relativunbeschadet davonkommen, ich finde unser Gesundheitssystem toll und will bis ans Ende meines Lebens Steuern bezahlen weil es Leben rettet.

  5. jo@chim

    Was das jetzt alles mit Steuern zu tun hat erschliesst sich mir nicht ganz. Man kann zu unserem Gesundheitssystem stehen wie man will – es ist noch ein Versicherungs-, kein Steuer basiertes System.

    Ob Dein Krankenhausnachbar in einem Staatsgesundheitssystem a la GB überlebt hätte… gaaanz andere Frage…

  6. Daniel

    Ging ja auch mehr so in Richtung Drachos und seinem “ich erklär mir die Welt mal mit Lebenserfahrung.

  7. drchaos

    @Daniel:
    Das Ziel meiner Aussage war es nicht zu beweisen, dass ein staatliches Gesundheitswesen niemals irgendetwas richtig machen kann. Sie zeigt aber sehr wohl, dass die von Lemmy implizierte Behauptung (wir brauchen hohe Steuern, um ein gutes Gesundheitssystem zu kriegen) irgendwo nicht stimmen kann, denn wir haben ja hohe Steuern und trotzdem kein gutes Gesundheitssystem.

    @Joachim:
    Ob man Krankenkassen jetzt als Versicherung oder als steuerfinanziert auffasst (ich sehe keinen Grund, an dieser Stelle zwischen Zwangsabgabe+Zwangsmitgliedschaft und Steuer zu unterscheiden), ist für die Qualität glaub ich nicht so relevant, solange die Kassen und die Versicherten keine Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Leistungserbringern zu differenzieren. Normalerweise gehört einem Anbieter bei einer so miesen Leistung die Rechnung gekürzt, aber das kann im bestehenden System weder der Versicherte noch die Kasse machen – kein Wunder, dass da keinerlei Anreiz besteht, irgendetwas besser zu machen.

  8. Michael Kastner

    So, liebe Männergruppe,
    lieber Statler,

    ich muß mal grad wieder vom Leder ziehen.

    > Die Stilisierung zum Widerstandskampf ist dagegen eher
    > eine Sache von obskuren Sektierern.

    Mit solchen Vorwürfen wie “obskur” wäre ich an Deiner Stelle vorsichtiger. Schließlich schreibst Du unter einem Pseudonym, während die “Sektierer” unter Realnamen schreiben.

    Die Identität von Statler ist weitaus obskurer als etwa jene von Michael Kastner.

    Auch den Vorwurf der Sektiererei halte ich für ziemlich aus der Luft gegriffen. Ich kann nicht erkennen, daß Deine Vorschläge eher realisiert werden als meine. Oder anders gesagt: Sicherlich werden meine Vorschläge nicht von Politikern aufgegriffen. Aber Deine eben auch nicht. Warum auch?

    Daß sich viele Deiner Positionen mit denjenigen Positionen decken, die im politischen Tagesgeschäft eh hin und wieder diskutiert werden, ist weniger auf Deinen Einfluß in der Politik zurückführen, als auf Deine Anpassungsfähigkeit und Deinen unbedingten Wunsch, nicht anzuecken und Deine Meinung derjenigen größerer Gruppen anzupassen.

    So ein bißchen eigene Meinung hast Du auch, aber nur so viel, daß sie niemandem wirklich weh tut (vor allem nicht Dir) und nur so viel, daß sie immer noch spiegel-online-kompatibel ist.

    Aus Deiner Position muß fast jede Ansicht wie Sektierei aussehen. Das ist nunmal so bei Dogmatikern.

    Jetzt bin ich aber etwas abgeschweift. Was ich sagen wollte:

    Bevor Du anderen vorwirfst, sie seien obskur, solltest Du mal den Mut aufbringen, für das bißchen eigene Meinung, das Du hast, unter Deinem richtigen Namen zu schreiben.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  9. stefanolix

    Es gibt Positionen, die auch aus der Sicht eines Realisten wie Sektiererei aussehen. Diese Positionen werden hier von einigen Kommentatoren gern vorgetragen, wenn es um Staat und Steuern geht. Der Realist kann aber immer nur Vorschläge zur Verbesserung der Situation machen. Es mag ein schöner Traum sein, von heute auf morgen kein Finanzamt mehr in seiner Nähe zu haben. Aber wie groß ist die Chance, dass sich dieser Traum erfüllt?

  10. Daniel

    “Das Ziel meiner Aussage war es nicht zu beweisen, dass ein staatliches Gesundheitswesen niemals irgendetwas richtig machen kann.”
    Und das Ziel meiner Aussage war es, Dich dran zu erinnern, dass man mit “Ich kenn da jemanden” gerade mal nichts “beweisen” kann.

  11. drchaos

    @Michael:
    Ich dachte eigentlich, man diskutiert hier über Argumente, und nicht über Personen. Ob an einem schlechten Argument jetzt “Statler” dransteht oder “Johann Pimpflmoser”, ist doch wohl egal, und ein gutes wird durch das Fehlen eines bürgerlichen Namens (eine Identität hat der Statler ja) auch nicht schlechter.

    @Stefanolix:
    Wie Michael schon schrieb: Die Chancen auf Verwirklichung steigen nicht dadurch, dass man Argumente abschwächt und Kompromisse vorwegnimmt – denn realistisch betrachtet wird weder auf Statler noch auf Michael irgendjemand hören, jedenfalls niemand von denen, die etwas zu entscheiden hätten. Diese Art von “Realismus” nutzt also nichts, kann aber sehr wohl schaden, nämlich dann, wenn eine konsistente Linie verwässert, ein klarer Gedanke unscharf und schwammig und damit wenig überzeugend wird.

    Anders gesagt: Wer den Staat am liebsten abgeschafft sehen würde, sollte das auch so sagen – und wer der Meinung ist, es gäbe etwas Sinnvolles darin, natürlich auch. Ein Ziel allein deswegen nicht zu formulieren, weil es nicht einfach erreichbar scheint, ist dagegen mE eine schlechte Idee.

  12. Michael Kastner

    > Der Realist kann aber immer nur Vorschläge zur
    > Verbesserung der Situation machen.

    Da habe ich andere Vorstellungen von einem Realisten. Ein Realist _verändert_ die Situation. Und zwar nicht nur in seiner Vorstellung oder in seinen Ankündigungen, sondern in der Realität.

    Deshalb heißt er ja auch Realist.

    Die politischen Vorschläge von Statler sind mindestens genauso eine Spinnerei wie meine.

    Vorschläge machen, das kann ich auch.

    So lange Vorschläge nur Vorschläge sind, ist die Behauptung, daß sie eine größere Chance auf Realisierung haben, ohne jegliche Begründung.

    Statlers Vorschläge werden ebensowenig umgesetzt wie meine.

    Warum sollte die Welt auf irgendwelche Ökonomieamateure hören?

    Wenn der Realist, seinem Namen gerecht werden will, dann soll er realisieren und nicht herumlabern.

    Oder mal anders gesagt: seitdem ich mich mit Liberalismus beschäftige, hüpft jeden Tag ein anderer Politliberaler über die Wiese und erzählt, daß seine Ideen viel realistischer seien als meine.

    Kein einziger davon hat bisher auch nur einen Ansatz davon umgesetzt.

    Wenn es aus liberaler Sicht realistisch ist, die Einkommsteuer um ein paar Prozent zu senken, warum ist sie dann nicht um ein paar Prozent gesenkt?

    Warum folgt die Realität nicht den Realisten?

    Solange die Versprechen nicht Realität sind, sehe ich keinen Anspruch von Politliberalen auf den Titel “Realist”.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

  13. Michael Kastner

    > Ich dachte eigentlich, man diskutiert hier über
    > Argumente, und nicht über Personen.

    Ich habe ja den Vorwurf des _obskuren_ Sektierers nicht aufgebracht. Statler hat den Vorwurf erhoben, andere würden sich im Dunklen oder Verborgenen halten.

    Das entspricht nicht der Wahrheit. Ich schreibe immer unter meinem Namen.

    Wenn es Statler mit dem Vorwurf des _obskuren_ ernst meint, warum verbirgt er dann selbst seinen Namen?

    Man sollte anderen nicht vorwerfen, was man selbst nicht zu halten imstande ist.

    Das war schon alles.

    Ansonsten ist es mir egal, ob jemand unter einem Pseudonym schreibt.

    Viele Grüße

    Michael Kastner

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