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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Doitsche Bauernköppe

jo@chim, 04.06.2008

wenn bauern ihre milch wegschütten, ist das zwar dämlich aber ihr gutes recht.

Bei twitter / tiefenrausch gelesen: d’accord, selbst auf die Gefahr hin, dass ich heute Nacht von Kindern mit Hungerbäuchen träume.

Vulgäre Erpressung – und wohl auch ein Verstoss gegen das Kartellrecht – wird es allerdings, wenn doitsche Bauernköppe, deren Kühe mehr Steuer finanzierte Subventionen erhalten, als viele Menschen in den nicht entwickelten Ländern im Jahr zum Leben zur Verfügung haben, Molkereien blockieren und Strassensperren errichten…



90 Kommentare zu “Doitsche Bauernköppe”

  1. Sven

    Falls McCain gewinnt, was nicht unwahrscheinlich ist, dann koennte uns eine Revolution bevorstehen. Falls er das mit dem “straight talk” wirklich durchzieht und seinen Worten Taten folgen laesst:

    http://blogs.wsj.com/washwire/2008/05/19/mccain-rails-against-farm-subsidies-nafta-opponents/

    Sollte es wirklich noch Politiker geben, die sich von Prinzipen leiten lassen? Denn viele Waehlerstimmen verspricht die Position eigentlich nicht.

  2. jo@chim

    Wenn Du mir jetzt noch erklärst, Sven, wo der Bezug zum Thema ist, bekommst Du einen Liter Milch von mir (billigster Anbieter, garantiert 10 €Cent unter den Forderungen der Landvolkbewegung)…

  3. john j

    Was mich ueberrascht ist dass die Mehrheit der Bevoelkerung ganz offenbar Verstaendnis fuer diesen Streik und seine Auswuechse (Strassensperren, Molkereiblockaden, Noetigungen etc) hat.

    Ein paar Subventionsritter gehen auf die Strasse um mehr Staatskohle zu erpressen und das Volk schaut zu oder spendet sogar noch Beifall…ich verstehe das ehrlich nicht.

  4. Diskus

    Das ist aber mit schöner Regelmäßigkeit der Fall, oder? Beim Bahnstreik war’s ja auch nicht anders. Ich sage nicht, daß ich es verstehe.

  5. Sky

    Die akzeptierte Macht der Strasse, kennt man aus Weimar und Fronkreich, LOL.
    Aber was sind die Gewerkschaften und vglb. Verbände schon anderes als Kartelle und Nötigungsgemeinschaften?
    (Die progressiven Steuersätze sind natürlich auch Umverteilung oder Raubrittertum, “die Reichen” soll es treffen, ab 3.7k EUR ist man im Visier des Scholzomaten.)
    So wird wenigstens die Gülle dieses Jahr besser.

  6. F.Alfonzo

    Anderenorts (B.L.O.G.) hat man versucht, dieses Phänomen mit dem “Knuddelfaktor” der Bauern zu erklären. Landwirte sind halt durchweg herzensgute Menschen, die niemalsnicht in Gewinnabzielungsabsicht handeln würden.

    Keine Ahnung, ob da was dran ist, aber eine Sache ist klar:
    Ein nicht-konkurrenzfähiger Bordellbesitzer (oder gar schlimmer: Ein Banker) würde mit so einer Aktion wohl auf weniger Verständnis stoßen.

  7. Lina

    Handeln sie denn nicht auch in der Absicht, das Diktat der Discounter zu brechen? Im Kartell gegen Kartell, also? Sollte “sich ausgehen”, wie der Österreicher sagt, und tut’s auch schon – mit Lidl.

    Ich knuddle keinen herzensguten Bauern, wenn ich sage, dass er dafür meine Unterstützung hat ;-).

  8. FG

    Kuck mal hinter den Link. Den unmittelbaren Bezug zu hiesigen Treckeraufmärschen sehe ich zwar auch nicht, aber die Milch kannste trotzdem per mail schicken. ;-)

  9. Lina

    “So wird wenigstens die Gülle dieses Jahr besser.”

    Das ist schon mal ein Argument ;-). Aber ob sich dadurch die Hungerbauch-Träume des Autors lindern lassen?

    (Hat er sich wohl schon mal überlegt, wieviele Hungerbäuche die vernichteten Überschüsse aus EU-weiter landwirtschaftlicher Produktion über die Jahrzehnte hätten füllen können? Ein faules System wird nicht dadurch schlechter, dass Bauern im Preiskampf ihre Milch wegkippen, höchstens durchsichtiger…)

  10. FG

    Wobei das natürlich auch ein gelungener PR-Coup von Lidl ist.

  11. Lina

    Ja, hat ja auch einen Imageschaden hinnehmen müssen und einen Ruf zu reparieren ;-)…

  12. F.Alfonzo

    Nun, wenn andere Discounter nachziehen, wird man sehen, in wie weit die Preise an den Verbraucher weitergereicht werden.

    Auch wenn die Milch dadurch vielleicht nur ein paar Cent teurer wird, so wird man die Schuld dafür am Ende sicher nicht den Bauern geben, sondern den Discountern, die sich offensichtlich wieder “gegen den kleinen Mann verschworen haben”. oder so.

    Aber du hast Recht, das Feindbild Discounter scheint da eine größere Rolle zu spielen.

  13. Robert Grözinger

    Der einzige US-Präsidentschaftskandidat mit Bezug zum Thema ist (natürlich) Ron Paul! ;-)

    Der ist Sohn eines Milchbauern deutscher Abstammung und setzt sich gegen das Verbot des Verkaufs unbehandelter Milch ein.

  14. john j

    “Ein faules System wird nicht dadurch schlechter…”

    Richtig, nur sind es halt gerade die Bauern die von diesem faulen System profitieren, sie produzieren Lebensmittel die niemand braucht, aber ihnen zum Garantiepreis vom Staat abgenommen und dann vernichtet werden, werden fuer das Brachliegenlassen von Ackerflaechen bezahlt, etc.

    Wenn diese Bauern dann auch noch oeffentlich selber Lebensmittel vernichten wenn gerade ein “Welthungergipfel” tagt, dann hoert der Spass auf.

    Und ja, es scheint so zu sein dass die Meinung auf der Strasse sich eher gegen die boesen Molkereien und die fiesen Discounter richtet als gegen die armen, kleinen Bauern die mit ihern subventioniertern Traktoren Molkereien blockieren und daheim die Milch von ihren subventionierten Kuehen im subventionierten Stall durch die subventionierte Melkanlage in die subventionierte Odelgrube laufen lassen.

  15. jo@chim

    Weil wir schon so schön OT sind Robert: ich meine am Rande mitbekommen zu haben, dass der offizielle Kandidat der LP ein (Ex?)Hardcore-Etatist ist, der sich als Senator u.a. im “War on Drugs” als Frontmann profiliert hat. Weisst Du da mehr?

  16. jo@chim

    Aber Lina, das ist nun wahrhaftig nicht mein erster Beitrag zum Thema “Protectionism kills”:

    Wie pervers ist denn das? Das Überproduktion subventionierende System schafft erst den Hunger. Und anschliessend wirft der euroamerikanische Gutmensch den Hungernden grosszügig ein paar Tetrapacks, die er sich wg. abgelaufenem MHD nicht mehr antun mag, vor die Füsse…

  17. Lina

    *Feindbild Discounter*? Eine komplexe Sache ist das.

    Feind, so scheint mir, ist der Discounter seiner Preisdiktate wegen, und zwar im Sinne der Gefahr von Monopolbildungen. Die niedrigen Preise, so nehme ich ihn andererseits als “feindlich” wahr, werden vom Verbraucher paradoxerweise (?) nicht nur als Nutzen & Komfort gesehen, sondern nebenbei noch mit einer zunächst diffusen Gerechtigkeitsfrage belegt – instinktiv.

    Nun könnte man meinen, dass jeder von uns seinen Vorteil im Preis sucht, wie Ökonomen behaupten, aber der Markt ist komplexer, schafft über sichtbar werdende Vorgänge unterschiedlicher Qualität auch Befindlichkeiten. Und da fängt’s an, komplex zu werden, denn in irgendeiner Weise benachteiligt oder betrogen werden will niemand gern; hier ist man sich wohl ausnahmslos einig

    Ich will jetzt keine Erklärung dafür versuchen, sondern lieber ein Beispiel bringen: um die Ecke hat sich ein neuer “Penny” neben einen angestammten “Aldi” gesetzt, wodurch “Aldi” zunächst schwer unter Druck geraten ist. Warum? Weil er einzelne Produkte der so gut wie identischen Palette deutlich billiger anbot.

    Was, habe ich mich bald gefragt, mag hinter den Kulissen vorgegangen sein, als Zug um Zug in erstaunlich kurzer Zeit auf den Cent angeglichen wurde? Absprachen? Ich gehe davon aus. Jedenfalls wurde so ein Preiskampf, Wettbewerb genannt, intern vermieden – IMHO.

    Der Verbraucher kann nun allenfalls austesten, welcher Basmati-Reis ihm besser schmeckt – und hat nur noch die “Wahl” zwischen zwei Türen und zwei Namen, keine aber mehr beim Preis. Weit und gibt es keine Konkurrenz (zuvor bedauerlicherweise verendet…), auch ein Umstand, dem dieses unlautere Preiskartell seine Entstehung verdankt ;-).

  18. Lina

    Korrigiere: Natürlich… weil – *”Penny”* – einzelne Produkte…

  19. Lina

    @

    “…wahrhaftig nicht mein erster Beitrag zum Thema”

    Ja, stimmt, aber der alte Flurschaden am System war’s mir wert, ihn in Relation zur Aufregung über das temporäre und zweckgebundene Wegkippen von Milch zu setzen; hab’ auch jetzt noch keine Skrupel deswegen ;-D…

    Und wenn Du in weiterem Zusammenhang fragst – “Wie pervers ist denn das?”- dann bestätige ich: Total pervers, und zwar von Anfang an.

  20. Robert Grözinger

    Ich habe mich noch nie wirklich mit der LP beschäftigt, auch jetzt nicht. Speziell zu Deiner Frage habe ich das hier gefunden:

    “Regarding South America, he says that troops should be sent from Iraq to South America in order to stop the flow of illegal drugs. This demand makes sense on only two assumptions: that the war on drugs is right, and that the United States owns the world. … Barr has both – he is known nation-wide as one of the strongest advocates of the war on drugs, and is associated with the Clinton impeachment.”

    http://www.lewrockwell.com/katz-j/katz-j28.html

  21. Lina

    @ John j

    “Wenn diese Bauern dann auch noch oeffentlich selber Lebensmittel vernichten wenn gerade ein “Welthungergipfel” tagt.”

    Auch gern mal Heuchler ;-)? Lieb gemeint, nix für ungut, aber diesen Zusammenhang finde ich doch etwas konstruiert.

    Und wenn Du die Bauern angreifst für das, was sie tun, dann hast Du die Falschen am Wickel. Bürokraten haben sich ausgedacht, woran die sich gewöhnt haben. Man gewöhnt sich an alles, wir auch. Bis zum Abgewöhnen, und das ist jetzt ;-).

    (Ich seh’ das schon ähnlich wie Du.)

  22. Sky

    “Auch gern mal Heuchler ;-)? Lieb gemeint, nix für ungut, aber diesen Zusammenhang finde ich doch etwas konstruiert.”

    Dieser Kritik schliesse ich mich an, eine johnsche rhetorische Leistung fürwahr, aber eben Rhetorik.

    “Und wenn Du die Bauern angreifst für das, was sie tun, dann hast Du die Falschen am Wickel. Bürokraten haben sich ausgedacht, woran die sich gewöhnt haben.”

    Das liest sich jetzt so als ob die Bauern nicht mehr Herr über ihre Sinne sind. So wie die armen Schwarzen in Afrika, die sich nur noch über Hilfslieferungen ernähren können oder die armen Palis, die aus reiner Verzweiflung aggro werden.

    Sonst aber schon ganz gut. ;)

  23. john j

    Eher Konstrukteur als Heuchler…ausser der Gleichzeitigkeit will ich hier keinen Zusammenhang herstellen.

    Stimmt, die Buerokraten sind da natuerlich involviert und die Agrarpolitik die dieses absurde System hervorbringt und unterhaelt, wird von Politikern und Buerokraten gestaltet. .Aber sie werden auch gnadenlos von den Bauernverbaenden gelobbiet und die Frage ist wer zuerst da war, das Huhn oder das Ei.

    Wie dem auch sei, selbst wenn die Bauern sich nur an das gewoehnt haben was ihnen gegeben wird, sollte man sich schon darueber klar sein dass die Bauern es “both ways” wollen…Marktwirtschaft wenn die Preise hoch sind, und (zusaetzliche) Subventionen wenn sie niedrig sind. Und Politik und Offentlichkeit sollten eigentlich klarmachen dass es so nicht geht. Dass das nicht passiert erstaunt mich.

  24. jo@chim

    Und wenn Du die Bauern angreifst für das, was sie tun, dann hast Du die Falschen am Wickel.

    Wenn Dir ein Junkie die Handtasche den PDA entwendet – zeigst Du dann den Dealer an oder den Addict?

  25. jo@chim

    Dass das nicht passiert erstaunt mich.

    Mich überhaupt nicht: den Sozialisten in allen Parteien kommt es doch selbstverständlich sehr gelegen, dass die Bauernköppe sich “ihr” Geld bei den pöhsen kapitalistischen Discountern (aka: direkt bei den Marktteilnehmern) holen wollen, anstatt von der Politik weitere Subventionen zu erpressen…

  26. jo@chim

    Oooops… ja, da haste Recht FG (ehrlich gesagt hätte ich das gar nicht von McC erwartet – wenns denn mal nicht nur bei Wahlkampfsprüchen bleibt…).
    Sven, schick mir ne Mail, wohin ich Dir Dein Tetrapak senden kann ^^

  27. Lina

    “Das liest sich jetzt so als ob die Bauern nicht mehr Herr über ihre Sinne sind. So wie die armen Schwarzen…”

    Demnach schätzt Du das Denkvermögen eines doitschen Landwirts höher ein als das eines afrikanischen Agronoms? Und sagst es auch? Rassismusverdacht!

    Ich zeig’ Dich bei Broder an, verlass’ Dich drauf ;-)!

  28. Lina

    @ John j

    “…die Frage ist wer zuerst da war, das Huhn oder das Ei”

    Schwer zu sagen, denn wer von beiden wäre das Huhn und wer das Ei? Ich glaub’, hier war’s erst der Bürokrat und dann der Bauer, dem die Suppe geschmeckt hat, die der Bürokrat ihm gekocht hat; erst später ist er der ausgekochte Bauer geworden, der er heute ist.

    Gewöhnung schafft Bestand, und Bestand will erhalten werden; das haben ihm die Lobbyisten abgenommen, damit er die Hände frei hat – zum Melken ;-) …

  29. john j

    Da hast du wohl vollkommen recht. Der Discounter als Feindbild und als Subventionsdruckablassventil…man fragt sich nur wer in den Filialen die ueberall aus dem Boden schiessen einkauft…

  30. Lina

    Doch, ich trage noch Handtasche :-) Deine Frage erledigt sich damit…

    Aber im Ernst, CEO: eine Erfindung der Bauern war diese Art des Wirtschaftens nicht; man hat sie ihnen zugunsten einer “innovativen” EU-weiten Vermarktungsstrategie schmackhaft gemacht.

  31. john j

    “Schwer zu sagen, denn wer von beiden wäre das Huhn und wer das Ei?”

    Das ist doch egal. Ich glauber aber nicht dass eines Tages die EU-Buerokraten in Bruessel nix zu tun hatten (obwohl…DAS glaube ich sofort) und sich fragten “wo koennen wir pro Jahr mehr als 50 Milliarden Euro sinnfrei verbraten…” und dann auf die Bauern gekommen sind. Ich denke es ergibt mehr Sinn dass die EU von den Bauern und ihrem Lobbies in D, F, E, I, NL, GB usw unter Druck gesetzt wird damit immer mehr Subventionen fliessen.

    Und selbst wenn das nicht so waere, in den bekannten Betrugsfaellen wie Plastik-Olivenbaeume etc sind es doch die Bauern und nicht die Buerokraten.

  32. DDH

    @Robert: In David Friedmans “Räderwerk der Freiheit” ist das Thema nicht-pasteurisierter Milch auch erwähnt!

    @Jo@chim: Wer von Ron Paul zu Bob Barr umschwenkt, kommt vom Regen in die Traufe! Dann lieber Obama wählen. Oder garnicht wählen!

    Übrigens: Gratuliere zum Beitrag, der sich wohltuend von der Röpkeanisch-verklärenden Bauerntums-Glorifizierung der meisten kulturkonservativen Neoliberalen abhebt!!!

    Die verträumte Bauernromantik ist neben der Vorliebe für “Familiensozialismus” (Gerd Habermann) die zweite große gesellschaftspolitische Sollbruchtstelle zwischen mir und den überwiegend rechtsgewirkten Neoliberalen (einschließlich der SVP), jenseits der ökonomischen Doktrin.

  33. Eloman

    Seltsames Kartell, das dazu führt daß Deutschland die niedrigsten Lebensmittelpreise in Westeuropa hat. Und das obwohl zumindest ALDI seine Angestellten wesentlich besser entlohnt als der “normale” Lebensmitteleinzelhandel (Edeka, Rewe usw.).

  34. F.Alfonzo

    Eben, deshalb habe ich auch von “Feindbild” gesprochen.
    Das ist alles eine Frage des subjektiven Empfindens, nicht der Fakten.

    Ich sehe zumindest nicht, dass Discounter durch Absprachen die Preise hochtreiben, im Gegenteil, manche Preise erscheinen mir eher “suspekt niedrig” (Qualität?).

  35. F.Alfonzo

    Kein Ökonom behauptet, die Leute würden Konsum maximieren, wie es immer wieder behauptet wird. Die Ökonomie geht davon aus, dass Menschen ihren subjektiven Nutzen maximieren.

    Das kann sich zum Beispiel darin äußern, dass ein Mensch sein Gemüse lieber beim Händler B kauft, obwohl Händler A gleiche Qualität zu einem niedrigeren Preis anbietet, weil A dem Konsumenten beispielsweise einfach nur unsympathisch ist. Das ist durchaus rational.
    Insofern stimme ich deiner Argumentation schon zu.

    Allerdings ist es m.E. durchweg irrational, wenn man sich freut, dass der Discounter, bei dem man selbst einkauft nun höhere Preise zahlen muss. Außer man ist so realitätsfern anzunehmen, dass die Preiserhöhungen nicht wenigstens zum Teil an die Kunden weitergereicht werden; denn dann würde nur die Schadenfreude den eigenen Nutzen erhöhen, die höheren Preise jenen aber vermuteterweise nicht senken… ich hoffe das war einigermaßen verständlich… ;-)

  36. matthias

    Damit der Preis der Milch überhaupt erst auf das momentane Niveau
    fallen konnte, muss es doch Leute geben, die dafür kostendeckend produzieren können.Wieso streiken die mit? Haben die Bauernverbände irgendwelche Druckmittel, was die Subventionsvergabe oder ähnliches betrift?

  37. Lina

    @ Eloman

    “Seltsames Kartell, das dazu führt daß Deutschland die niedrigsten Lebensmittelpreise in Westeuropa hat.”

    Ja, seltsames Kartell. Wenn sich wie hier im konkreten Fall der Verbraucher seiner Wahlmöglichkeit über den Preis beraubt sieht, kommt er sich erst mal – sorry! – verarscht vor. Durchschaut er das manipulative Verhalten, bzw. die Preisabsprachen der beiden Anbieter, ist er dazu noch verärgert; und hebt er mal den Kopf, dann erkennt er auch die “Service-Wüste”, die durch das (im Wettbewerb natürlich völlig normale) Verdrängen von Konkurrenz entstanden ist.

    Feindbild Discounter: sie fegen den Markt leer von dem, was er IMHO überall enthalten sollte: Vielfalt. Für den Endverbraucher, nicht für den Ökonomen (!), ist Markt nämlich mehr als nur eine Rechnung.

    (Das war jetzt sowas wie die Kurzfassung dessen, was ich oben eigentlich sagen wollte ;-)

  38. Lina

    War nicht leicht, aber danke ;-). Da ich als Verbraucherin nicht irrational urteile, käme ich kaum auf den Gedanken, mich über Preiserhöhungen beim Händler zu freuen, die er an niemanden anders als mich als Kundin weiterreicht.

    Was ich bedaure ist, dass es örtlich durch Konzentration mächtiger Discounter zu Monopolstellungen kommen kann, die den Markt (und den Ort!) veröden lassen. Ich weiss aber auch, dass daran nichts zu ändern ist – es sein denn, man hegt Pläne wie in GB, bei denen staatlicherseits Lizenzen zu Ansiedlung vergeben werden sollen; liberal ist das nicht, aber – sorry! – schön wär’s schon ;-)…

  39. Lina

    @

    Wieder beim Selektieren erwischt ;-)? Wie anders erkläre ich mir, dass Du und Dein A-Kismet meiner Hyperaktivität beim Kommentareschreiben nicht nachkommen? Höhere Gewalt? OK, akzeptiert ;-).

  40. R.A.

    > Wieso streiken die mit?
    Tun sie ja gar nicht!
    Sonst wären ja die Blockaden nicht nötig gewesen – die haben gezeigt, daß eben nicht “die Bauern” solidarisch boykottieren, sondern daß einige Bauern (die mit den hohen Kosten) ihre nicht streikwilligen Kollegen mit Gewalt auf Linie bringen.

  41. Klaus

    “Damit der Preis der Milch überhaupt erst auf das momentane Niveau
    fallen konnte, muss es doch Leute geben, die dafür kostendeckend produzieren können.Wieso streiken die mit?”

    Es machen ja nicht alle mit. Deshalb wurden ja auch die Molkereien blockiert. Kaum ein Milchviehbetrieb arbeitet übrigens kostendeckend. Ohne in den Hof eingeheiratete Frauen mit einem regulärem Einkommen ginge häufig gar nichts mehr.
    Seit ich mich erinnern kann, heißt es komplett losgelöst von ökonomischen Überlegungen “wachsen oder sterben”. Die Lösung auf alle Probleme hieß mehr Kühe. Da die Anzahl der Kühe durch die Milchquote und die Fläche auf der Gülle und Jauche ausgebracht werden dürfen begrenzt ist, hieß es die anderen kaputt zu machen, um deren Pachtverträge übernehmen zu können.
    Die Hoffnung war, wenn man lange genug aushält, am Ende als strahlender Gewinner dazustehen.

    Die ganze Einigkeit ist nur Show. Gut, jetzt hat man kurzfristig höhere Milchpreise erstritten, aber 2013 fällt die Milchquote weg und deshalb muss man jetzt schon mal die Viehbestände aufstocken, denn ohne Regulierung können ja nur die großen überleben – Das weiß schließlich jedes Kind (bzw. jeder Bauer).

  42. Rayson

    @Lina

    Seiner Wahlmöglichkeiten “beraubt”? Mein lieber Scholli… Da stand erst ein Aldi, sagst du. Und jetzt steht ein Penny daneben, und zum Einstand hat es einen kleinen Preiskrieg gegeben. Du schreist “Kartell”.

    Dazu:
    1. Als da nur der Aldi stand, waren die Wahlmöglichkeiten wohl kaum höher.
    2. Du meinst in Wirklichkeit auch nicht “Wahlmöglichkeiten”, denn ich wette, es lassen sich problemlos ein paar Läden in der Umgebung finden, die das gewünschte Produkt teurer anbieten.
    3. In der neoklassischen Theorie geht man davon aus, dass es auf Märkten sowas wie Gleichgewichtspreise gibt. Mit “Markt” ist da aber nicht “Supermarkt” gemeint, sondern schon die Gesamtheit der Anbieter und Nachfrager. Gleiche bzw. ähnliche Preise sind zu einem gegebenen Zeitpunkt eigentlich der Normalfall.
    4. Man muss nicht unbedingt Michael Porter gelesen oder sich mit Spieltheorie befasst haben, um sich vorstellen zu können, dass zwei direkte Wettbewerber auf verschiedene Arten indirekt miteinander kommunizieren können. Selbstverständlich ist kein Anbieter an niedrigen Preisen interessiert, und wenn keiner irgendwo einen echten Vorteil besitzt, liegt es im Interesse beider, an der Preisfront etwas Ruhe einkehren zu lassen.
    5. “Feindbild Discounter: sie fegen den Markt leer von dem, was er IMHO überall enthalten sollte: Vielfalt. ” Ja, und wie machen diese bösen Discounter das? Wie beseitigen sie die Vielfalt, die es lt. Lina eigentlich geben sollte? Mit einer bodenlosen Frechheit: Sie machen den Kunden das aus deren Sicht beste Angebot. Gegen sowas müsste natürlich irgendwie eingeschritten werden. Solche wichtigen Dinge kann man einfach nicht dem Händler und seinen Kunden überlassen, das muss demokratisch entschieden werden.

  43. Rayson

    Da werden sich die Discounter-Kunden aber freuen, wie du sie notfalls mit Zwang von ihrem Leiden erlösen möchtest.

  44. Lina

    @ Rayson

    Schönen Dank auch, dass Du meiner Discounter-Story so breite Aufmerksamkeit widmest. Ich will darauf eingehen:

    Zu 1: Doch, da war noch, bevor “Penny” zu “Aldi” kam, ein kleinerer “Plus”, in dem auch die älteren Jahrgänge, die jetzt Ihre Tüten bis zu zwei Kilometer zu schleppen haben, noch einkaufen konnten.

    Zu 2: Eben nicht, d. h. wenn Du “Tengelmann” schon eine Genuss-Alternative nennen willst; er hat praktisch dasselbe – nur teurer. Kein Gewinn also.

    Zu 3: Diesen “Normalfall” will ich als Verbraucher nicht haben, wehre mich also.

    Zu 4: Im Interesse Beider liegt es also. Ja, dann – wenn es weiter nichts ist, was Verdacht aufkommen liesse…

    Zu 5: “Sie machen den Kunden das aus deren Sicht beste Angebot.” Schlichtweg eine Behauptung, denn der Preis ist dem Kunden nicht alles – auch wenn das aus Sicht der Discounter so erscheinen mag. Er sucht Vergleichsmöglichkeiten in einem örtlich überschaubaren und erreichbaren Rahmen. Eine Minimalforderung. Nur: An wen ist sie zu richten? Der “Markt” richtet’s nach seinen Prinzipien jedenfalls nicht.

    P.S.: Hier schreibt die Endverbraucherin; sie ist, wie der Begriff schon sagt, am Ende ;-)…

  45. Lina

    Noch ein P.S.: Ich möchte wetten, dass Du mir jetzt Umzug empfiehlst ;-).

  46. Eloman

    @Lina
    Das ist imho Unsinn, da erstens idR da, wo ein Discounter ist, sich sehr schnell auch andere mit unterschiedlicher Angebotspalette ansiedeln (es gibt ja nicht nur Aldi und Lidl, sondern zusätzlich noch Plus, Penny, Norma, Extra), und zweitens der “normale” Supermarkt, wenn er auf seine Stärken setzt (größeres Warensortiment, mehr Beratung, ansprechendere Ladengestaltung usw., siehe z.B. Edeka, sind allerdings meistens auch inhabergeführte Läden) ohne weiteres am Markt existieren kann.

  47. Sky

    “Man muss nicht unbedingt Michael Porter gelesen oder sich mit Spieltheorie befasst haben, um sich vorstellen zu können, dass zwei direkte Wettbewerber auf verschiedene Arten indirekt miteinander kommunizieren können.”

    Der theoretische Teil des Wuitschaftswesens wird immer vernachlässigt, selbstverständlich kann das Handeln der Marktteilnehmer als Kommunkation verstanden werden. Es ist sogar so zu verstehen.

    Wobei übrigens gar nicht klar ist, was da jetzt von den Milchbauern und einigen Abnehmern kommunziert” worden ist.

    Es scheint mir eher so, als ob die Bauern die Strasse wiederentdecken, also den direkten Einfluss auf die Politik ausbauen wollen; und zwar mit ruppigeren Mitteln als bisher, zu Zeiten der großen Koalition scheint denen sowas möglich und vielversprechend.

  48. Rayson

    @Lina

    ad 1. und 2.: Jetzt machst du aus “Wahlmöglichkeiten” schon “Gewinn”. Nochmal: Bevor es den “Penny” gab, gab es Aldi, Plus und Tengelmann. Jetzt gibt es Aldi, Penny und Tengelmann. Und du empfindest es als Einschränkung von Wahlmöglichkeiten, dass sich jetzt zwei davon auf denselben niedrigen Preis eingeschossen haben?

    ad 3. Du kannst dich wehren, indem du anders kaufst. Alles andere “wehren” ist illegitimer Zwang anderen gegenüber.

    ad 4. Ja, tatsächlich. Sowas passiert Tag für Tag. Angenommen, mein Nachbar nervt mich mit zu lautem Radio. Daraufhin drehe ich meins noch lauter, dann wieder er seins, dann wieder ich meins… Und irgendwann hat vielleicht einer von beiden die Nase voll und probiert es einfach mal damit aus, die Lautstärke auf ein für seinen Nachbarn wahrscheinlich erträglicheres Niveau herunterzufahren, quasi als Friedensangebot. Der andere reagiert und zieht nach. Liegt ein Kartell vor? Oder sollte die gleich hohe Lautstärke nicht eher als Sieg der Vernunft gewertet werden?

    ad 5. Weißt du, warum Discounter so groß und mächtig sind? Warum andere Läden in der Nähe dicht machen? Ganz einfach: Weil die Kunden es so wollen. Andere Gründe gibt es nicht. Was irgendeiner behauptet, was er gerne hätte, ist Bullshit, so lange er anders handelt, sobald es an seinen Geldbeutel geht. “Put your money where your mouth is or shut up!”

    Der “Markt” richtet’s nach seinen Prinzipien jedenfalls nicht.

    Was soll der Markt denn anderes “richten” als bei gegebener Knappheit die Präferenzen der Verbraucher wiederzugeben? Und das tut er. Wenn dir das Ergebnis nicht passt, gibt es die berühmten drei Alternativen: “Love it, change it, or leave it”.

    Oder beschwer dich bei deinen Mitmenschen, die sich nicht an das halten, an was sie sich deiner Meinung nach halten sollten. Aber in solchen Fällen empfehle ich, sich eine schöne PC-Aufbausimulation zuzulegen wie z.B. “Sim City” oder “Die Siedler”, statt in der Realität seine Idealvorstellungen mit Gewalt (=Staat) durchsetzen zu wollen (was sowieso nie funktioniert).

  49. Lina

    Was soll ich sagen? Entweder Du verstehst mich nicht oder Du willst mich nicht verstehen – wozu ich auffassungsmässig tendiere.

    Zu 1 und 2: Ja, ich empfinde es (als Nebenaspekt) auch als eine Einschränkung meiner persönlichen Wahlmöglichkkeiten, habe aber hier zu Beginn nur monieren und zur Kenntnis bringen wollen, was mir als verdächtige Preisangleichung unter zwei Tür an Tür operierenden Discountern aufgefallen ist. Ich habe den Vorgang als kartellrechtlich relevant gesehen – insofern also auch relevant zu Beitrag zur (möglicherweise?) kartellrechtlich relevanten Boykottmassnahme von Milchbauern und zum “Feindbild Discounter”, das sich im Diskurs ergeben hat. (Im weiteren habe ich sozusagen nur aus der Schule des Lebens als Kundin geplaudert…)

    Zu 4: Dein Vergleich hinkt beträchtlich. Bei den Preisabsprachen – und ich nenne sie weiter so – geht es um einen internen Ausgleich unter Discountern zu beider Gunsten und auf Rechnung des Verbrauchers, der wegen abgesprochener Preise keinen Vergleich mehr über den Preis hat. Das Friedensangebot, von dem Du sprichst, ist hier eines an den Konkurrenten, aus dem Dritte, Kunden also, nicht profitieren.

    (Vergiss’ meinen Reflex, der immer auch auf’s Ganze zielt, auf’s Drumherum, auf die Einbettung in den Gesamtkörper “Markt”. Das ist Dir zu schwammig. Ich mach’ Dir ein Friedensangebot: Ein “Bed-in” mit dessen Psyche ;-D?)

  50. Rayson

    @Lina

    ad 4. Für die beiden Spieler ist es völlig irrelevant, ob jemand Drittes tangiert ist. Entscheidend ist allein, dass sie sich einen Wettstreit liefern, in dem die Gegenmaßnahme des einen stets Anlass für eine Gegenmaßnahme des anderen ist. Bei Unvernünftigen führt das irgendwann zur Eskalation, bei Vernünftigen zu einer Angleichung, und zwar durchaus innerhalb der vorher angewandten Systematik, also ohne zusätzliche Kommunikationskanäle zu öffnen.

    Man kann da natürlich eine systemwidrige Absprache vermuten. So wie man hinter dem legendären Fußballspiel Deutschland – Österreich in Gijon auch eine vermuten konnte. Aber wenn sich ein Ergebnis allein aus dem rationalen Verhalten von Akteuren erklären lässt, bedarf die Hinzunahme weiterer Parameter zusätzlicher Informationen, oder sie bleibt eine ungefähr ebenso reine Vermutung wie die Annahme, eine Ufo-Besatzung steure die Hirne der Marktleiter fern.

    Es ist nun einmal eine für dich sicher erschütternde Konsequenz rationalen Verhaltens auf Märkten, dass für dieselben Produkte praktisch auch dieselben Preise gezahlt werden, statt dass jeder einzelne Anbieter einen Preis in Höhe seiner Grenzkosten fordert und auch bezahlt bekommt. Besorg dir einfach ein Lehrbuch der VWL und schlag das erste oder zweite Kapitel auf, wo sich Angebots- und Nachfragekurven kreuzen. In diesem Zusammenhang wird erklärt, warum das so ist, und warum es so etwas wie eine “Konsumenten”- und eine “Produzentenrente” gibt.

    Vergiss’ meinen Reflex, der immer auch auf’s Ganze zielt, auf’s Drumherum, auf die Einbettung in den Gesamtkörper “Markt”. Das ist Dir zu schwammig.

    Nein. Im Moment ist es für mich schlicht falsch. Im Prinzip könnte es mir egal sein, dass ich der Meinung bin, deine Kenntnis der hier wirkenden Prozesse sei etwas unvollständig, aber leider wird solche Unkenntnis meist durch um so größeres politisches Fordern wettgemacht und bekommt dann reale Konsequenzen.

  51. Lina

    Danke. Was Du empfiehlst, kann helfen. Dennoch werde ich den Markt immer sozusagen *ganzheitlich* – auch bei mir ein verpönter Begriff ;-) – betrachten wollen und nicht nur nach BWL-Kurven. Ich will ihn in seinen Wirkungen beobachten und weniger nach seinen rechnerischen Gesetzen.

    Das mag mich für derlei Befassungen Deiner Meinung nach disqualifizieren, erscheint mir selbst aber dennoch nicht ohne Wert. Das Szenario, das Du im letzten Absatz erstehen lässt, sehe allerdings auch ich als eine Gefahr, die ich nach Möglichkeit umgehen werde.

    Noch kurz zurück zu 4 und einer unvollständigen Aussage meinerseits, die ich ergänzen* möchte:

    “…auf Rechnung des Verbrauchers, der wegen abgesprochener Preise keinen Vergleich mehr über den Preis hat, *also Schaden nimmt*.

    Aus dem Spiel zweier Spieler ensteht hier Schaden für Dritte; das ist es, was den Vergleich hinken lässt – IMHO.

  52. Sky

    “(Vergiss’ meinen Reflex, der immer auch auf’s Ganze zielt, auf’s Drumherum, auf die Einbettung in den Gesamtkörper “Markt”. Das ist Dir zu schwammig. Ich mach’ Dir ein Friedensangebot: Ein “Bed-in” mit dessen Psyche ;-D?)”

    Hüstel, Kleines, wie soll das denn jetzt der Rayson verstehen?

  53. Lina

    @ Sky

    So wie Du es verstehst, versteht weder er es, noch habe ich es so gemeint, wie Du es verstehen willst und er es nicht verstanden hat.

    Hier, glaube ich, verstehen wir uns – jetzt auch alle Drei?

  54. Sky

    Du weisst ja nicht wie ich es verstehe und ich weiss nicht wie Du es meinst. Ich bitte Dich dbzgl. keine Tatsachenbehauptungen aufzustellen.

    Ich frag mich nur wirklich ganz ernsthaft was gemeint ist. Dieses Sichfragen packe ich (man beachte die Metaphorik) in ein “Hüstel…Kleines” ein.

    Da ich Deine Sacharbeit durchaus schätze (sofern ich sie verstehe), darf mein Beitrag also als Bitte um Erläuterung verstanden werden.

    Bevor Du wieder E-Mails absetzt und ins Franösisieren abgleitest, darfst Du also gerne umfassend erläutern. I.p. Spieltheorie und Win-Win und all das was die Wirtschaft erfassbar macht sind genug PS vorhanden.

    Also, gerne etwas substantieller und verständlicher, ich begrüsse ausserordentlich die Befassung mit dieser komplexen wenn nicht esoterischen Materie.

    Einfachheit wäre auch nicht schlecht.

  55. Lina

    “Einfachheit wäre auch nicht schlecht.”

    Gern. Es fehlten sechs Kommas und ein Semikolon.

  56. Eloman

    @Lina
    Das ist imho Unsinn, da erstens idR da, wo ein Discounter ist, sich sehr schnell auch andere mit unterschiedlicher Angebotspalette ansiedeln (es gibt ja nicht nur Aldi und Lidl, sondern zusätzlich noch Plus, Penny, Norma, Extra), und zweitens der “normale” Supermarkt, wenn er auf seine Stärken setzt (größeres Warensortiment, mehr Beratung, ansprechendere Ladengestaltung usw., siehe z.B. Edeka, sind allerdings meistens auch inhabergeführte Läden) ohne weiteres am Markt existieren kann.

  57. Eloman

    Irgendwie schaffe ich es nicht den Kommentar ins richtige Kästchen zu bekommen. Sollte zur obigen Diskussion zwischen Lina & Rayson von 12:42 beitragen.

  58. jo@chim

    Wenn Du im Thread kommentieren willst, einfach vorher auf “Kommentar beantworten” unter dem zugehörigen Kommentar klicken, statt Deinen Text sofort in die “Beitrag kommentieren”-Box einzugeben, dann klappst auch mit dem richtigen Kästchen…

  59. Eloman

    Hatte ich auch so gemacht. Liegt wohl an dem Opera-Browser, den ich benutze. Der hat mit manchen Websites seine Probleme. Da muß ich wohl auf Firefox oder IE umsteigen.

  60. Lina

    @ Eloman

    Ja, idR. Hier ist es offensichtlich anders, und davon habe ich berichten wollen.

    Was Du als die Regel anführst, würde ich nach kaufmännischer Logik für unbedingt erforderlich halten und als Kundin begrüssen.

    Gemessen daran, lebe ich in der Wüste – auch beratungsmässig; Im Übrigen: man muss schon Marktromantiker sein zu glauben, Beratung könne noch Teil der Ausbildung im Einzelhandel gewesen sein; der Praxistest – gern auch mal im Baumarkt :-) – zeigt ein vernichtendes Bild.

  61. Sky

    Wo denn genau?

  62. Rayson

    @Lina

    VWL, nicht BWL…

    Und wenn du nicht weißt, was Märkte eigentlich sind und wie sie funktionieren, ist es ein ziemlich kühner Ansatz, Aussagen über Auswirkungen treffen zu wollen. Erinnert mich an den Typ, der an seiner zweiten Million arbeitet, weil das schon mit der ersten nicht geklappt hat.

    “Aus dem Spiel zweier Spieler ensteht hier Schaden für Dritte; das ist es, was den Vergleich hinken lässt ”

    Das war mir klar, ist aber für Erklärungsansätze, wie sich die beiden Spieler zueinander verhalten, eben absolut irrelevant bzw. als Kehrseite (geringerer Gewinn oder Verlust) bereits.integriert.

    @Sky

    “Hüstel, Kleines, wie soll das denn jetzt der Rayson verstehen?”

    Assume nothing you are not told you can assume.

  63. Lina

    Nur ein Nachlässigkeitsfehler – das mit BWL statt VWL. (Bis noch vor kurzem dachte ich doch tatsächlich, Du würdest ihn mir als solchen durchgehen lassen…)

    Inzwischen weiss ich in etwa, was Märkte sind und wie sie funktionieren. (Du wirst doch den eigenen, mir angedienten Anschauungsunterricht im Ergebnis nicht ganz so schlecht machen wollen, wie Du es da oben tust ;-)?)

    Im Übrigen hatte ich von zu beobachtenden “Wirkungen” im Gesamtkörper Markt, nicht von “Auswirkungen” auf etwas gesprochen, was – bewusst so von mir verwendet – einen nicht unwesentlichen Unterschied macht.

    Und was das Spiel der zwei Spieler angeht: deren Gewinn daraus hat mich nicht annähernd so sehr, um nicht zu sagen: überhaupt nicht interessiert; relevant war für mich allein der Charakter ihres Spiels und mein Verlust daraus als Kundin. Es bleibt dabei: Dein Vergleich hinkte.

    Assume nothing you are not told you can assume ;-D.

  64. Milch « Neues Und Bekanntes

    [...] Bauern, die da mal auf’s Korn nimmt, haben jetzt keineswegs stabil höhere Preise durchgesetzt bzw. [...]

  65. Sky

    “Und was das Spiel der zwei Spieler angeht: deren Gewinn daraus hat mich nicht annähernd so sehr, um nicht zu sagen: überhaupt nicht interessiert;”

    Ich würde aber schon versuchen mich von der Sichtweise der “Endverbraucherin” und “Kundin” ein wenig zu trennen wenn es um das Zusammenwirken von Marktteilnehmern gilt, das Rayson hier beleuchtet.
    Da muss man kein neoliberaler Spezi sein um diesen Zusammenhängen folgen zu wollen.
    Das Spiel hat auch keinen Charakter ausser dem, dass die Marktteilnehmer sich behaupten wollen, philosophisch betrachtet ein “Es ist, weil es ist.”.
    Anders kann man, glaube ich, diesen Sachverhalt nicht sinnvoll bearbeiten.

  66. Lina

    @ Sky

    “Anders kann man, glaube ich, diesen Sachverhalt nicht sinnvoll bearbeiten.”

    Der Vergleich hinkt, und ich habe herausgearbeitet, warum er hinkt. Was willst Du mehr? Die Position, aus der heraus ich mein Urteil treffe, musst Du mir schon lassen.

    Oder soll ich es als Kundin etwa gutheissen (und nicht kartellrechtlich verdächtig finden dürfen), dass zwei Discounter auf ihre Rechnung und zu meinen Lasten kooperieren, indem sie die Preise vereinheitlichen? Am Ende steht ein Preisdiktat, und das passt mir nicht. Basta.

    Übrigens fehlen wieder drei Kommas.

  67. Rayson

    Ach Lina, wenn für dich gleiche Preise beim selben Produkt zunächst Kartellverdacht auslösen und wenn du dazu meinst, es sei unerheblich zu untersuchen, ob allein rationales Verhalten dazu geführt haben könnte, weil in diesen Modellen nicht auch Dinge berücksichtigt werden, die für Dritte als negativ zu bewerten sind, dann bleibe du mal bei deiner “ganzheitlichen Betrachtung”.

    Aber wirklich vielen Dank für meinen Erkenntnisgewinn. Ich begreife jetzt etwas besser, warum sich in diesem Land diese für mich unbegreifliche Ignoranz ökonomischer Zusammenhänge so lange halten kann.

  68. Sky

    “Ich begreife jetzt etwas besser, warum sich in diesem Land diese für mich unbegreifliche Ignoranz ökonomischer Zusammenhänge so lange halten kann.”

    Ich denke der Grund ist einfach der, dass in den Schulen und sonstigen Bildungsstätten nicht dementsprechend gelehrt wird.

    Wie jetzt gerade wieder eine Umfrage zu ergeben scheint – der SPOn zieht sich gerade daran hoch, aber nicht nur der – mangelt es an Verständnis und Vertrauen in marktwirtschaftliche Zusammenhänge.

    Bezeichnend auch, dass eine Bildungsbürgerin wie Lina hier im Dunklen tappt, aber sie ist hier sicherlich nicht die einzige.

    Die Bildungseinrichtungen sind durchsetzt von Linken und sonstwie Unverständigen. Die gebens weiter, kennt jemand junge Leute, die wirtschaftliche Zusammenhänge auch nur ansatzweise verstehen?

  69. F.Alfonzo

    Nun ja, wenn du Beratung möchtest, hast du heutzutage in der Tat ein Problem; ich bin ja schon froh, dass es bei mir um die Ecke wieder eine richtige Metzgerei gibt.

    So etwas (oder auch die von Eloman genannten kleinen Supermärkte) wird rar, aber dafür gibt es einen Grund:
    Beratung kostet Zeit und setzt Verkäufer mit Sachkenntnissen voraus, und beides kostet nun mal Geld (=>höhere Preise).

    Offensichtlich ist es aber nun mal so, dass die Mehrheit der Konsumenten niedrige Preise der Beratung vorziehen.
    Darum wurden kleine Geschäfte und Metzgereien/Bäckereien zunehmend von Billiganbietern verdrängt.
    Rayson hat’s oben schon genannt: Es gibt einen Grund dafür, warum die Lidls wie Pilze aus dem Boden schießen: Die Leute wollen das mehrheitlich so.

    Das gilt natürlich auch für Baumärkte…
    Übrigens: Ich würde ja Geld darauf wetten, dass sich die Anzahl der Baumärkte in Deutschland proportional zur Umsatzsteuer entwickelt hat.
    Niemand “kann” (heißt natürlich: WILL) sich mehr einen Handwerker leisten, daher nimmt man den Hammer selbst in die Hand.
    Dass das Ergebnis dann am Ende i.d.R. aussieht wie Arsch und Friedhof ist klar; aber man hat Geld gespart.
    Hier zeigt sich der gleiche Effekt wie im Lebensmittelbereich.

  70. F.Alfonzo

    …schieb das mal nicht auf den guten Opera Browser, bei mir funktioniert das ja auch.
    Das Problem sitzt i.d.R. einen Meter vor dem Bildschirm ;-)

  71. Lina

    @ Rayson

    Ich war mir des Risikos bewusst, als ich den Begriff “ganzheitlich” (mit Hinweis auf seine eigentliche Untauglichkeit) in die Debatte warf, es fiel mir momentan kein anderer ein für das, was ich sagen wollte.

    Dass Du ihn nun gegen meine Erklärungen verwendest, bestätigt erneut die gängige Methode, zuletzt mit dem billigsten Trick zu arbeiten, den ich von Dir kenne, nämlich, Dein Gegenüber mittels herbeigeholter Einwände auf ein Niveau herabzuwürdigen, das Dir nur mehr herablassende Nachsicht abverlangen kann. Um dem zu entgehen, hat man (hier wie dort) den vorauseilenden Kotau erfunden. Ich neige nicht dazu.

    Nein, Rayson, das war nicht gut, und mit dem notwendigen Respekt gesagt: auch weit unter Deinem Format. Ich fand es sogar, wie gesagt wird, *unter aller Sau*.

  72. Sky

    Rayson hat halt Killerinstinkt, ich möppel eher, find ich gut die Klarheit dieses mal, LG, Sky

  73. Lina

    Meine Hochachtung, Sky – aber es fehlt schon wieder ein Komma…

  74. Lina

    @ F. Alfonzo

    Alles klar, alles verstanden, längst verstanden. Die Frage ist nur: warum sollte ich mich nicht darüber aufregen können, dass es so ist, wie es ist, wenn mir bestimmte Effekte nicht gefallen? Kann mir das einer sagen? Ich habe nichts gegen Discounter, deren Bedarf sich am Markt erwiesen hat. Aber ich habe – unabhängig davon!!! – etwas dagegen, dass sie z. B. in Konzentration eine Wohngegend veröden können. “Love it or leave it” wird mir dann empfohlen, als ob ich als Mensch nicht länger individuell wertendes Subjekt sein könne, sondern nur mehr Objekt einer ignorant argumentierenden VWL- und Ökonomenszene (hier wie dort) und deren ausführenden Organen in der Wirtschaft.

    Um meiner (unnötig aufgeblasenen) Discounter-Story noch etwas hinzuzufügen: eine Filialleiterin hat mir heute bestätigt, dass ALDI die Aufgabe seiner Filiale erwogen hat, nachdem er eine beträchtliche Zahl an Kunden an den billiger anbietenden PENNY (nebenan) verloren hatte. Warum (oder auf wessen Veranlassung) dieser dann seine Preise auf ALDI-Niveau anhob, konnte sie mir nicht sagen, vermutet aber wie ich interne Absprachen – von Rayson “rationale Überlegungen” genannt. Ich sehe sie als einen Verstoss gegen das Wettbewerbsgesetz (zuzügl. der genannten nachteiligen Folgen), sie verdankt ihnen den Erhalt ihres Arbeitsplatzes.

    So what? “It’s the Economy, Stupid”… (Sorry, dass ich meinen Restzorn hier abladen musste ;-)

  75. Sky

    Liebe Deutschlehrerin, Penny lokalisiert seine Preise in der Tat – http://www.penny.de/ -, es ist durchaus denkbar, wenn auch nicht offensichtlich, wir spekulieren also, dass Penny seine Preise fürs Sortiment lokal angepasst hat.
    Kann mir vorstellen, dass die Nachricht “ALDI zieht ab, weil wir zu billig sind” so eine Entscheidung veranlasst. Man war halt zu billig (BTW – Penny steht i.p. Qualität LIDL und ALDI deutlich nach, aber pssttt…); das jetzt aber die Sache auf Filialleiter oder Regionalleiterebene mit ALDI abgesprochen worden ist, nun ja, eher unwahrscheinlich, oder?
    (Man bedenke u.a. auch das Erpressungspotential, das so Penny-intern entstehen würde. Also, nee, wills nicht ausschliessen, aber hier nach dem Kartellamt zu rufen scheint mir voreilig. Marktskeptizistin? – Falls ja, Rayson, bitte noch mal nachhacken, LOL.)

  76. F.Alfonzo

    @ Lina:

    Du darfst dich gerne über alles aufregen, kein Problem…
    …solange du nicht den Anspruch erhebst, halbausgegarte Politikvorschläge in die Tat umzusetzen…

    …dann wird’s nämlich richtig idiotisch…

  77. Lina

    Vorgang grundsätzlich erfasst, Herr Kollege aus dem Fachbereich Kunst und Werken, aber in seinen Mehrfach-Effekten und Verantwortlichkeiten doch wieder nur unvollständig. Von einer Verhandlungsebene auf Filial- oder Regionalebene war (auch mit Einbringen eines Filialleiterinnen-Statements) nicht die Rede, der “Ruf nach dem Kartellamt” war nichts als der Hinweis auf möglicherweise kartellrechtlich relevante Auffälligkeiten innerhalb einer sich für den Endverbraucher ungünstig entwickelten Gesamtsituation; mehr war nicht.

    Bevor Sie also den Kollegen aus dem Fachbereich Wirtschaftslehre nochmal zum Nachhaken, bzw. Nachtreten auffordern, würde ich vorschlagen, erst mal im Lehrerzimmer über die Komplexität der angesprochenen Effekte zu meditieren.

    (Btw: diesmal war’s oben ein Komma zuviel und unten eins zu wenig…)

  78. Lina

    @ Rayson

    Abschliessend: nach meiner Auffassung hat Markt Form und Funktion, Bild und Erscheinung, Körper und Seele. Ich persönlich lege Wert darauf, ihn im Ganzen zu betrachten, während Andere ihn wissenschaftlich isoliert nach Ursachen und Wirkungen auszuwerten belieben.

    Es gibt einen Punkt, wo eine Diskussion wegen unterschiedlicher Auffassungen nicht weiterkommt, statt dessen aber dem Einsatz von ungehörigen Taktiken Vorschub leisten kann. Auf Amerikanisch-Pragmatisch heisst es deshalb zuvor schon: Let’s agree to disagree; hier wäre es das Beste gewesen, was ich hätte tun sollen.

    P.S.: Sollte ich beleidigend persönlich geworden sein, bedaure ich das.

  79. Lina

    @ F.Alfonzo

    Du meinst wie in GB? Na ja, da hat ja auch Labour das Sagen – verhängnisvollerweise, wie OMH nicht selten nachweist.

    Wenn ich oben gemeint habe, “…schön wär’s doch…”, dann suche ich nicht die dirigistisch-sozialistische Lösung des Problems, sondern basisdemokratische, bürgernahe Entscheidungsmöglichkeiten, die mir Mitsprache bringen.

  80. Sky

    Penny bricht seine Preise im Extremfall auf Filialebene herunter. ALDI Nord und Süd machen das nach meiner Kenntnis nicht, habe also Deine Beobachtung nicht nur bestätigt, sondern auch eingeordnet.
    Beeindruckend aber neben der Beobachtungsgabe und Recherchefähigkeit natürlich schon der ausdrückliche _Ruf_ hier nach Bürokratie.
    Kann sich jemand der geschätzten Herren des Antibürokratieteams eigentlich an eine einzige halbwegs sinnhafte Massnahme des Bundeskartellamtes erinnern? Ich jedenfalls nicht, nur daran, dass man die Ölkrise verbieten wollte seinerzeit, LOL, aber dann bliebs beim (freiwilligen) autofreien Sonntag unter Schmidt Schnauze.
    PS:
    Und nie die “sich ungünstig entwickelnde Gesamtsituation des Endverbrauchers” vergessen, LOL.

  81. Lina

    @ Sky

    Endverbraucherin mit zu verbessernder Gesamtsituation dankt für Recherche, Bestätigung und Einordnung. Gute Arbeit.

    Marktskeptizistin grüsst Kartellrechtszyniker!

    Btw: Der “Ruf nach Bürokratie” ist hier der Ruf nach Recht, das nur auf diesem Wege zu erlangen ist.

  82. Sky

    “Recht” und “Gerechtigkeit” jetzt eher im Sinne von “Richtigkeit” oder eher im Sinne von “soz.Gerechtigkeit”?

  83. Eloman

    Na ja, beim IE habe ich die Probleme nicht obwohl derselbe Trottel vorm Schirm sitzt.

  84. Eloman

    So klein sind die Edeka-Märkte garnicht, aber wie bereits erwähnt meistens inhabergeführt. Bei mir um die Ecke war jahrelang ein Interspar-Markt, der mehr schlecht als recht vor sich hin siechte. Als Spar dann vor einigen Jahren einen großen Teil seiner Interspar-Läden an Edeka verkauft hat, wurde der Laden von einem (übrigens türkischen) Unternehmer übernommen, Seitdem brummt die Bude wieder und das liegt nicht an den Landsleuten des Inhabers. Die stellen nämlich nur eine kleine Minderheit der Kundschaft und es gibt auch immer noch Schweinefleisch und jede Menge Alkohol aller Sorten. Eine Fleischtheke mit nem eigenen Metzger gibts auch wieder und das Personal agiert wesentlich servicebewußter als früher. Zwar ist das Preisniveau um einiges höher als bei ALDI oder Lidl, aber der bessere Service und die wesentlich größere Warenvielfalt scheinen diesen Nachteil voll aufzuwiegen.

  85. DDH

    Agrar-Faschismus:

    http://www.weltwoche.ch/audio/mp3/weltwoche_0823_anbauschlacht.mp3

  86. F.Alfonzo

    @ Lina:

    Ich glaube jetzt habe ich dich verstanden (hat ein bisschen gadauert, sorry):
    Dein Problem besteht darin, dass sich der Rest der Bevölkerung in deiner Ortschaft nicht nach deinen Präferenzen richtet.
    …oder hab ich das jetzt wieder falsch verstanden?

    …und bitte: Die Ökonomen sollten als Überbringer der Botschaft nicht hingerichtet werden. Ökonomen schaffen nicht selbst eine Realität, nach der sich jeder richten muss (die Politik versucht das). In der Ökonomie geht es eigentlich nur um die Beobachtung von Menschen und deren Verhalten.

    Wenn die Politik Richtlinien festlegt, an die sich niemand halten will, wer ist dann schuld: Die Politik, oder die Ökonomen, die das Ergebnis präsentieren?
    Da fällt mir ein Spruch ein, den jeder Ökonom mal gehört haben sollte: “Es gibt kein falsches Verhalten, es gibt nur falsche Gesetze”. Freilich auf wirtschaftliche Tätigkeit bezogen, nicht auf Straftaten.

  87. Lina

    “Es gibt kein falsches Verhalten, es gibt nur falsche Gesetze”.

    Gestatte, dass ich den Spruch bezüglich Deiner Antwort umformuliere: Es gibt kein falsches Verstehen, es gibt nur falsches Verhalten, nicht verstehen zu wollen. Hier freilich auf Inhalte bezogen, nicht auf eine zugrunde liegende Motivation; oder doch nur umgekehrt ;-D?

    Sorry, es hat auch bei mir ein bisschen gedauert, das zu verstehen.

  88. Lina

    @ F.Falfonzo

    Zusatz zur Sache:”In der Ökonomie geht es eigentlich nur um die Beobachtung von Menschen und deren Verhalten”.

    Wenn es ihr “nur” darum geht, dann sollten sie, die Ökonomen, frei nach Bastiat vielleicht mehr Tiefenschärfe auf das verwenden – was man nicht (gleich) sieht. Dann würden sie nämlich sehen können, dass der Mensch nicht nur auf Niedrigstpreise reagiert, sondern auch auf einen gewissen Komfort; zumindest aber, dass etwa die Frage nach dem Umfeld, nach der Erreichbarkeit von Waren, nach deren erwiesener oder “gefühlter” Qualität (Stichwort “Buy local”), ebenso wie der Preis eine Rolle für ihn spielen und seine Kaufentscheidungen (in zunehmendem Mass) beeinflussen.

    Auch wenn das Ökonomen nach ihren Kriterien irrational erscheinen mag, handelt es sich dabei um gut zu beobachtende Fakten, denen sie sich dennoch zu verweigern scheinen. Ich vermute also, dass “die Wirtschaft” von ihnen einseitig und unzulänglich beraten wird. Wäre sie gut beraten, würde es mich ganz sicher nicht nach politischer (hier: basisdemokratischer) Einmischung verlangen.

    (Was den Rest Deiner Ausführungen angeht: wie gesagt, “geschenkt”. Ich bin es leid, absichtlich missverstanden zu werden.)

  89. F.Alfonzo

    @ Lina:

    Sorry zunächst mal dafür, dass ich einen Kommentar weiter oben nicht direkt auf deinen darüber stehenden Beitrag, sondern auf deine Argumentation insgesamt bezogen habe.

    Du scheinst mich aber trotzdem nicht zu verstehen: Ich sehe, wie der kleine Bäcker Pleite geht und von 2 Kamps-Fillialen ersetzt wird. Und ich frage mich, warum das so ist. Was denkst du?

    Ich würde vermuten, dass die Menschen, wie Rayson schon gesagt hat, anders handeln als sie reden. Dass sie, deiner Argumentation folgend, doch eher nach dem Geldbeutel als nach ihrem Komfort, den du ja oben definiert hast, handeln.

    Außerdem bin ich der Meinung, dass Menschen grundsätzlich rational handeln; warum versuchst du die Ökonomie ständig als die Suche nach Kostenminimierung zu definieren? Es gibt m.E. Gründe dafür, warum Leute in der Summe so handeln, wie sie eben handeln.

    Das Problem ist doch offensichtlich, dass dir diese (wirklich basisdemokratische) Entwicklung nicht gefällt, was ich persönlich verstehen kann; und deshalb forderst du, ich unterstelle mit philanthropischem Hintergrund, irgendeinen Eingriff, der dem Wohle aller dient. Nur, was ist, wenn alle dein Wohl nicht wollen? Wenn sie lieber weiter im Discounter einkaufen wollen?

    Bastiat war im Übrigen ein großer Anhänger der Entscheidungsfreiheit jedes Individuums; ich käme nie auf die Idee, Bastiat zu bemühen um irgendeine Art von staatl. Regulierung zu begründen; interessante Idee, trotzdem ;-)

  90. Lina

    @ F.Alfonzo

    Wenn ich Dich richtig verstehe, was ich – after all ;-) – kaum annehmen darf, willst Du mir sagen, meine Argumention sei im Wesentlichen von individualistischem Wunschdenken und dem Wunsch nach staatlichen Eingriffen gespeist; so verengt, ist das falsch.

    Richtig ist, dass ich erweiterte und (mit Bastiat als Fussnote!) *vertiefte* Einsicht in weitere (rationale) Formen des Kaufverhaltens vonseiten der Wirtschaft erwarte, und dass sich als Reaktion darauf grössere Vielfalt etablieren kann. Ein Verbraucherwunsch also, dem ökonomisch gesehen der starke Trend zum (rationalen) Billigeinkauf gegenüber steht. Der “staatliche Eingriff” in Form basisdemokratischer Mitsprache steht dabei ganz am Ende meiner Überlegungen und bezieht sich – laut Ausgangspunkt! – im geschilderten Fall auf eine Standortfrage.

    Wenn dann noch – wie eingangs von mir plakatiert – kartellrechtlich fragwürdige Absprachen zwischen zwei Discountern ein Gefüge gleichschalten und zementieren können, stelle ich Fragen; konkrete Antworten habe ich keine bekommen, dafür die bekannten Hinweise, den Markt zu verstehen. So wie er ist. Und dass er sich anpassen wird. Na gut.

    (Bevor wir also weiter aneinander vorbeireden, würde ich vorschlagen, der Auseinandersetzung ein sinnvolles Ende zu bereiten; wir kommen hier auf keinen grünen Zweig ;-).

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