Die Freiheit des Anders-Beflaggenden
Die Anzahl derer, die durch PKW-Beflaggung ihre Zugehörigkeit zur Unterschicht und/oder ihre Präferenz bei “Deutschland sucht die Supermannschaft” demonstrieren wollen, steigt in diesen Tagen wieder einmal exponentiell.
Ich gestehe, dass mich das doch irritiert: Als Liberaler habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis zu Winkelementen, da sie allemal das Aufgehen des Individuums im Kollektiv repräsentieren. Aber gut: jeder nach seiner Façon.
Die Freiheit des Anders- (oder Nicht- oder Anti-) Beflaggenden sollte übrigens imho auch für die Pisser, die sich kurz auf der Website vom Kongress der Grünen Jugend präsentieren durften, gelten (wenn denn die Fahne vom eigenen Taschengeld bezahlt war). Die Aufregung kann und will ich deshalb nicht nachvollziehen - da gab’s von den Volxsportlern der autonomen Flanke des “Kampfes gegen Rechts” vor zwei Jahren zur WM schon ganz andere Bilder zu sehen. [Zynismusmode on] trotzdem, besser die verbrennen Flaggen als Bücher… die Äquivalenz ist also - noch - nicht vollständig hergestellt [Zynismusmode off].
P.S.: Ich nehme mir die Freiheit, für die Dauer der EM links oben meine Lieblingsflagge zu flattern zu lassen ;-)













Irgendwie habe ich jetzt hier links oben die Gadsden Flag erwartet. Wie auch immer, hier in Dänemark, wo die Nationalflagge sogar einen Eigennamen besitzt (Dannebrog), symbolisiert sie v.a., dass jemand im Haushalt Geburtstag hat. Die Dänen sind so eins mit ihrem Staat, dass ihnen das nicht komisch vorkommt. Da kann man in Deutschland, glaube ich, relativ gelassen bleiben.
Die Doppel-Deutschland-Beflaggung einiger Fahrzeuge finde ich auch etwas seltsam. Auf so eine Idee würde ich nie kommen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand a) Deutscher ist und/oder b) die deutsche Mannschaft unterstützt, scheint mir in diesem Land doch noch so sehr wahrscheinlich zu sein, dass ein besonderes Bekenntnis dazu überflüssig wirkt.
Angenehm finde ich hingegen, wenn an einem Fahrzeug oder an einem Fenster einer Wohnung neben einer Deutschlandfahne die Farben eines anderen Landes befestigt sind, was in meiner Umgebung übrigens recht oft zu beobachten ist. Das straft auch alle Lügen, die diese Symbolik unbedingt politisch und geschichtlich aufladen müssen.
Die “Tat der Pisser” hat auch für meine Begriffe zu viel Aufmerksamkeit erfahren. Wenn man immer groß berichten wollte, wenn Jugendliche den dicken Max markieren wollen, hätte man ja eine Menge zu tun. So aber regen sich höchstens die Blöd-Zeitung und die NPD so richtig über etwas auf, das hierzulande in Wirklichkeit keinen hinter dem Ofen hervorlockt.
Habe vorhin eine Doppel-Beflaggung am Auto von Bekannten gesehen: auf der Fahrerseite Deutschland, auf der Seite der Beifahrerin Italien (sie findet einige italienische Spieler »süß«). Warum nicht?
Eben. Sowas zeugt doch von dem notwendigen gebührenden Unernst. Und nebenbei auch noch davon, wie sehr Europa jenseits dessen gewachsen ist, was uns die nationale und die “europäische” Politik glauben machen will.
Ich habe schon zwei deutsch-türkische Autos gesehen. Ich erwarte eigentlich noch einen deutenden Beitrag zu diesem Phänomen auf einem einschlägigen Blog.
Vielleicht die Sorge des Besitzers* eines derart beflaggten, Autos, dass ihm, hätte er _nur_ Rot mit Halbmond und Stern gehisst, vielleicht in manchen Gegenden tiefe Lackkratzer längs der Wagenflanke drohten? (s. Sachsen, ham ma wieder wahltechnisch ein paar Schippen draufgelegt ;->>)
* = eines “Mitbürgers mit Migrationshintergrund ” [Anm: würde man zu einem zua'groasten Österreicher oder Holländer in Deutschland sicher nie sagen, obschon gleichermaßen "migiert"]
Sagen wir mal so: In meiner Stadt gibt es genug Gegenden, wo ganz selbstverständlich mit türkischer Doppelbeflaggung herumgefahren wird. Ob man jetzt umgekehrt gut beraten wäre, dort ein Schwarz-Rot-Gold-Gefährt abzustellen, ist eine andere Frage. Fanatiker sollen ja auch schon mal außerhalb Sachsens gesichtet worden sein.
Und was so ein richtiger Nationalist ist, der duldet auch keine zusätzliche “Fremdflagge”.
“* = eines “Mitbürgers mit Migrationshintergrund ” [Anm: würde man zu einem zua’groasten Österreicher oder Holländer in Deutschland sicher nie sagen, obschon gleichermaßen “migiert”"
Würde man schon. Zumindest in dem Metier aus dem der Begriff stammt, nämlich der amtlichen Statistik. Personen mit Migrationshintergrund sind “alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil” .
Eigentlich eine unspektakuläre und nicht ganz sinnlose Definition. Der Begriff kann nix für seinen Missbrauch.
> “… kann nix für seinen Missbrauch.”
Richtig. Journalisten _außerhalb_ jeden “amtlichen” Sprachgebrauchs (mit dem ich mich objektiv noch abfinden könnte), schon.
Grüße, BW, in D geboren, aber durchaus mit Migrationshintergrund.
PS: Finde den Begriff genauso abscheulich wie das banale, aber in jedwedem Sprachgebrauch treffendere (und dann richtigere) kürzere “Ausländer”. Menschen migrieren seit Anbeginn.
PPS: Zurück zum Flaggenfaschismus: Warum nicht? Tun keinem weh, die bunten Lappen.
Befestige die Flagge aber nicht an deinem Wagen. Heutzutage werden Piratenschiffe nicht mehr geentert sondern gleich mit einer M72A3 beschossen.
@jo@chim
Zitat: “Als Liberaler habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis zu Winkelementen, da sie allemal das Aufgehen des Individuums im Kollektiv repräsentieren.”
Nur, wenn man das so sehen will… Für mich steht Schwarz-Rot-Gold einfach für unsere Verfassung. Deswegen kann ich das auch nicht genug sehen.
(Sie ist zwar alles andere als perfekt, aber immer noch eine der modernsten und etwas, was wir den meisten anderen Ländern voraus haben.)
Für mich steht die Verfassung für die Verfassung. Kein Symbol, keine Person. — In der Verfassung sind unter anderem das Recht auf Meinungsfreiheit und das Recht auf Versammlungsfreiheit garantiert. Wenn sich drei Nachwuchs-Grüne versammeln und unbedingt ihre Meinung zu unserer Fahne kundtun müssen, dann sagt das viel über diese Leute und nichts über unsere Fahne aus. Auch wenn ich es eklig und abstoßend finde: es ist geschehen und man sollte es jetzt schleunigst wieder vergessen. Es gibt wichtigere Dinge …
Vier Trigone auf 1 km Strasse (Stadt) unberührt wahrgenommen; eine Auswirkung des WM-Schockeffekts? Ein Abstumpfungsphänomen?
“Ein Mensch, der etwas auf sich hält, hat kein Vaterland. Ein Vaterland, das ist Vogelleim.” (Emile Cioran)
Ebensogut kann man m.E. drauf pissen, ohne dass sich jemand aufregen muss - auch wenn’s noch nicht P.C. ist ;-).
Warum sollte man eigentlich nicht auf Flaggen……
Doch warum sind einige Menschen so wütend? Die drei Jugendlichen haben niemanden je schädigen wollen oder gar können. Woher kommen trotzdem diese hasserfüllten Reaktionen? Warum regen sich Menschen so sehr auf? Warum interessiert es sie überhaupt?…
“Als Liberaler habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis zu Winkelementen, da sie allemal das Aufgehen des Individuums im Kollektiv repräsentieren.”
Aha. Dafür gibt’s in der rechten Spalte hier aber ganz schön viele “Winkelelemente”. Ich zähle 6.
Ach, Achim, die Flagge sagt doch nichts darüber aus, ob jemand gerne Steuern zahlt.
Ach, Dagny, wenn ich denken würde, dass die Haltung zum Steuerzwang das einzige (oder auch nur ein wesentliches) Problem wäre, hätte ich oben ja auch geschrieben “als Libertärer”…
;-)
Ich würde ohnehin viel eher bayerisch weiss-blau flaggen (schon um die Franken zu ärgern*), aber der Umgang mit Flaggen ist in der Tat nicht immer einfach, wie man als Yachturlauber schnell feststellt. Dort gehört es zur elementaren Höflichkeit die Gastlandflagge (courtesy flag) zu führen und auch mit der eigenen sorgfältiger umzugehen, als mit einem Spültuch.
*spannend wird es, wenn in einer Region lokale Flaggen anstelle der offiziellen Gastlandflagge erwartet werden, e.g. Korsika.
Vielleicht ist es nur der Versuch, das Hochgefühl, welches während der Weltmeisterschaft Deutschland erfasst hatte, wieder aufleben zu lassen. Meine Meinung ist: Flaggen werden überbewertet - da finde ich die dänische Haltung schon fein…
Ja, ich hatte früher auch diese Wimpel und Flaggen und so, als Deutschnationaler sollte man sich artgerecht verhalten, finde ich.
Also auch dieses Brimborium, diese Riten und Mythen mitmachen, so wie auch diese Idioten in Amerika, LOL.
Die Fahnenpisser sollte man drankriegen, zumindest so wie diejenigen, die ihre Geldstrafen (-> http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,557648,00.html) nicht zahlen können (oder auch wollen, sowat gibbet ja auch). Asoziale Gewaltverbrecher gehören m.E. auch ins Körbchen, auch und gerade mit Migrationshintergrund.
Soll das jetzt ein Trollversuch sein oder ist es die Aufregung vor dem Spiel?
Die grünen Jungs haben nichts beschädigt, ausser ihr Ansehen.
Dass Du das nicht verstehst habe ich erwartet. Ich habe die Beflaggung von Autos, die ja offensichtlich ziemlich sinnfrei zu sein scheint, in einen soziologischen Zusammenhang gestellt.
Ich dachte, dass das zu diskutierende Thema wäre. Patriotismus mit all seinen irrational scheinenden Implikationen.
Deine Toleranz gegenüber Fahnenpissern teile ich nicht.
Toleranz hin oder her — was willst Du denn gegen die »Täter« unternehmen? Sie nehmen Rechte in Anspruch, die im Grundgesetz verankert sind. Ich finde es (wie oben gesagt) abstoßend und eklig. Ich finde es auch abstoßend und eklig, wenn sich Neonazis unserer Nationalfarben bedienen. Aber was kann ich daran in beiden Fällen ändern?
Ich bin hier ganz eindeutig für die Anwendung von http://dejure.org/gesetze/StGB/90a.html ( Absatz 3 ;).
Oder steht im GG: Fahnenpissen ist per Menschenwürde [1] erlaubt?
Allerdings bin ich sowieso eher Law&Order-Mann. Mit meinem Initialkommentar wollte ich ein wenig provozieren, da der gesunde Nationalismus (aka Patriotismus mit seinem Brimborium) oder vllt besser Nationalbewusstsein leider auch hier wohl etwas im Verschiss ist, LOL. Nichts für ungut, Joatchim!
[1] Der geneigte und freundliche Leser ist eingeladen hier einen Moment zu verweilen und herauszufinden was “Menschenwürde” eigentlich ist oder ob es etwas ist.
Dieses Land ist zum Glück so liberal, dass man “Fahnenpisser” auf legalem Wege nicht “drankriegen” kann.
Es gibt da zwar so ein Schwachsinnsgesetz, dass die Verunglimpfung deutscher Symbole (oder so) unter Strafe stellt, aber praktisch hat es gegen die allgemein gültige Meinungsfreiheit vor Gericht keine Chance.
[...] Mehr beim A-Team. Explore posts in the same categories: Egoshice [...]
“P.S.: Ich nehme mir die Freiheit, für die Dauer der EM links oben meine Lieblingsflagge zu flattern zu lassen ;-)”
Was mich (OT?) interessieren würde: was macht das Totenschädel-Motiv so attraktiv? Kann es denn sein, dass man sich so gern seiner Vergänglichkeit erinnert? Ist es der Gruseleffekt,. die Gänsehaut? Oder “Sein oder Nichtsein” - ganz egal? Freiheit, Unabhängigkeit, Gesetzlosigkeit - lieber jetzt als nie? - Was steht dahinter?
Brauchst den persönlichen Bezug nicht verraten, , war nur ganz allgemein gegen den Strich (des EU-Hypes) gefragt ;-)?
…ich beibe zwar auch gelassen, wenn irgendwelche Schwachköpfe Scharz-Rot-Gold besudeln. allerdings toleriere ich es auch, wenn jemand meint die israelische Flagge anzünden zu müssen.
…ich will jetzt niemandem unterstellen mit zweierlei Maß zu messen. aber bei manchen, die sich so betont gleichgültig geben, frage ich mich, ob dasselbe auch für sie gilt. doch diese mutmaßliche Doppelmoral ist natürlich nur meine private Spekulation…
Hinter diesem Brimborium mit den Flaggen verbergen sich natürlich die grundsätzliche Zustimmung oder Ablehnung sozialer Konzepte. Ich würde das Flaggenverbrennen und sonstige Verächtlichmachen nationaler Symbole nicht einfach so tolerieren (falls ich was zu sagen hätte in D ;). Es tut einem Staat, also einem grossen sozialen Gefüge, nicht gut, wenn übelst quergeschossen wird. In jedem Sportverein würde Vergleichbares zum Ausschluss führen, Sanktionen scheinen mir in jedem Fall angebracht.
Hoffe mal, dass ich [1] nicht das Thema verfaehlt habe. :)
[1] Bin weder der Unterschicht angehörig, noch suche ich den Superstar, LOL.
Schon aus ästhetischen Gründen würde ich mein Auto nicht mit irgendeiner Flagge verunstalten. Aber wenn das einige eben meinen tun zu müssen, spricht da auch absolut nichts dagegen. Egal eben.
Übrigens ist es doch auch nachvollziehen, wenn einige Menschen “Schwarz-Rot-Gold besudeln”. Mit dieser Flagge verbinden Menschen doch z.T. völlig verschiedene Dinge, und bei einigen sind die eben sehr negativ. Auch aus liberaler Perspektive fallen mir da einige Gründe ein, warum ich Deutschland keine positiven Gefühle entgegenzubringen habe.
Sicherlich zeugt es nicht von Reife, wenn man auf Flaggen pinkelt oder ähnliches (was die drei jungen Grünen ja gar nicht mal gemacht haben). Aber genauso wenig geht es doch einfach niemandem etwas an, wenn so etwas mal passiert. Oder warum sollte es?
Wenn die Junggrünen Flaggenpisser sich für ihr Vergnügen die Reichskriegsflagge oder die NPD-Fahne ausgesucht hätten, wär’s für mich ja noch nachvollziehbar. Aber wieso sie sich ausgerechnet die Flagge, die die spärliche demokratische Tradition Deutschlands symbolisiert (Hambacher Schloss, Weimarer Republik, BRD) vorgenommen haben rückt sie doch sehr in die Nähe anderer Schwarz-Rot-Gold-Verächter aus der jüngeren dunklen Vergangenheit. Wie sagten die Nazis noch vor ’33: „Schwarz-Rot-Eidottergelb“. Nicht umsonst haben sie es ja nach ihrer Machübernahme sofort abgeschafft und durch Schwarz-Weiß-Rot und/oder ihr rotes Nazi-Banner ersetzt. Und der Mumpitz auf der verlinkten Indymedia-Seite ist einfach nur peinlich und erinnert mich an die 68er-Nachwehen, die ich in meiner Jugend miterleben durfte. Die hatten in ihrer Überzeugung auch so ne gewisse Affinität zu ihrer Vätergeneration, da hat Götz Aly schon recht. Und wenn ich so mitbekomme wie unbefangen und weit weg von jedem Chauvinismus meine 20jährige Tochter (und die hält mich manchmal für erzreaktionär, bloß weil ich schon mal Bush verteidigt habe) und ihre Buddies, von denen mindestens die Hälfte MiHiGrus sind, mit dem Thema umgehen verstehe ich diese selbsternannten Bessermenschen überhaupt nicht mehr. Abgesehen davon sehe ich hier oft genug Autos, die z.B. auf der einen Seite ’ne türkische und auf der anderen ’ne deutsche Flagge haben.
Genau das ging mir auch durch den Kopf. Warum ausgerechnet die Fahne von 1848?
Anscheinend können die Junggrünen nicht soweit denken…
Es zeugt von gewaltiger Arroganz und Ignoranz wenn man jemandem unterstellt er/sie gehoere zur Unterschicht, nur weil waehrend einer EM (oder WM) eine Flagge am Auto befestigt ist. Wie man sich das Recht herausnehmen kann auf andere Leute einfach so herabzusehen ist mir schleierhaft.
Und was den respektlosen Umgang mit Flaggen betrifft, wer so etwas macht, auch wenn es sich um die eigene Flagge handelt, der zeigt einfach dass er keinerlei Anstand hat. Justiziabel ist das nicht, aber es sagt eine Menge ueber diese Partei aus…allerdings nicht viel Neues.
Treffenderweise steht gerade oben rechts im Kasten “Quote of the Moment” folgendes Zitat von Klaus Kinski: “Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.” - Das Credo der liberaloiden Elite? ;)
Übersetzt in den Fußballfanjargon heißt das übrigens: “Sekt für die Nutten, Champagner für uns! Wir sind alles liberale Jungs!”
Oder einfach ein bisschen weniger koksen…
Jetzt wird man schon von den eigenen Parteifreunden in die “Unterschicht” einsortiert, weil man DAS Symbol liberaler Tradition in Deutschland auch mal ans Auto montiert.
Und da soll also eine Flagge besser sein, die letztlich für eine sehr grausame und fiese Form von Kriminalität steht?
Etwas mehr Respekt vor Privateigentum hätte ich ja schon erwartet ;-)
Nun ja, wir haben halt Meinungsfreiheit im Lande, die gilt sogar für grüne Spinner.
Und nach dem Spiel gestern abend freue ich mich noch mehr über meinen Autowimpel.
Da stand “und/oder” R.A. ;-) Ich würde aber trotzdem meinen schlechten Ruf darauf verwetten, dass ich mit meiner Stichelei tendenziell gesehen nicht so falsch liege…
Interessant ist, dass in der Diskussion kaum einem auffällt, dass ich über mein ambivalentes Verhältnis zur Beflaggerei geschrieben habe. Natürlich gönne ich jedem seine Party, persönlichen Helden und Logos! Was mich stutzig macht, ist nur die defensive Position, aus der heraus der zur Schau gestellte Patriotismus vertreten wird: als wenn die alberne Provoaktion der (im doppelten Sinne) grünen Jungs in irgendeiner Weise das für was die Flagge steht beschädigen würde.
Die “alberne Provokation” ist aber strafbewehrt.
Und selbstverständlich gibt es Leute, die sich durch diese beleidigt fühlen und ihre Werte verunglimpft sehen.
Das ist sicherlich eine defensive patriotische Haltung, wenn der Patriotismus aber angegriffen wird, ist das die natzürliche Haltung.
Der bei den Fussball-Events üblicherweise gepflegte Patriotismus, wir beobachten hier ein “Patriotismus-Reservat” der schweigenden Mehrheit, LOL, ist aber nicht defensiv angelegt, wer die teilweise kindlich-debile Freude der Teilnehmer bei ihrem “Deutschland, Deutschland”-Rufen beobachtet, dürfte eher auf eine Art konstruktive Fröhlichkeit tippen.
Zumindest nichts was verächtlich gemacht werden muss (die Betonung liegt auf “muss”).
Als es um die Prophetenbildchen ging warste aber schon auf der Seite der Dänen, oder?
Da wurden ja auch nicht meine Wert beleidigt, LOL.
> Da stand “und/oder” …
Das wäre ja wohl keine ordentliche Blogdiskussion, wenn ich mir nicht die Variante aussuchen könnte, mit der ich bei der weiteren Diskussion am schönsten polemisieren könnte ;-)
Was nun die Ambivalenz betrifft: Du hast zwar den Begriff verwendet, aber nur die eine Seite ausgeführt - wo bleibt das Positive Herr Kästner.
Ich persönlich habe als Liberaler keine Probleme damit, mich auch mal (alle zwei Jahre ist ohnehin erträglich) für kurze Zeit als Individuum einen Kollektiv freiwillig anzuschließen.
Ansonsten kann ich mit dem “Winkelement” gar nicht winken, weil es im Fenster festgeklemmt ist ;-)
Jjjaaa, bassd scho :-) Eines dieser “Kollektive” haben wir beide ja sogar gemeinsam. Und wer mich kennt, weiss, dass ich heimattreuer Franke bin. Im Übrigen habe ich selbst zwei übereinander gekreuzte Flaggen (die deutsche & die amerikanische) als Erinnerung ans “Nockernberg-Treffen” in meinem Bus hängen…
… das Problem bei den Kollektiven ist aber offensichtlich immer, dass jedes seine Hools hat - und viel zu viele der Kollektivisten Verständnis für deren “gerechte” Empörung haben bzw. selbst nach der Staatsmacht rufen, die doch die jeweilige unsägliche Beleidigung der jeweiligen Fahnen, Propheten, Militärherren oder obersten Partei-/Religionsführer gefälligst zu verfolgen habe.
Quod erat demonstrantum, Experiment gelungen, wie dieser Thread zeigt (leider, wieder einmal)
Ich kann da nur auf meinen Kommentar weiter oben verweisen. Letztendlich können die geschichtsblinden Pseudorevoluzzer von mir aus hinpinkeln wo sie wollen. Meistens werdens eh die eigenen Schuhe sein die sie treffen. Hatte nur gerade Götz Alys “Unser Kampf” gelesen und dachte an einen Spruch des am wenigsten lustigen Marx Brother, der da einst sagte “die Geschichte wiederhole sich immer, einmal als Tragödie (’68) und einmal als Farce”.
> das Problem bei den Kollektiven ist
> aber offensichtlich immer …
Das ist schon richtig.
Richtig putzig bei der zweiten angesprochenen Sache, der “grünen Jugend”, finde ich übrigens die Reaktion der offiziellen Grünen.
Wie die sich da gewunden distanzieren, zu drollig.
Vor 20 Jahren hätten sie noch demonstrativ mitgemacht ;-)
Statler unterstuetzt wahrscheinlich wie immer England … Ups!
Begeisterung für seinen Nationalstaat finde ich ok, obwohl ich keine Flagge am Auto hab. Wär auch ständig hin und hergerissen, vielleicht doch das Gelb abzuschneiden oder schwarz und gelb, mit blauen und weißen Eding (Holland) zu übermalen.
Aber anderswo gibts die ja auch, diese Flaggen-Begeisterung.
Die Piraten-Flagge steht natürlich auch für etwas. Die gewalttätigen und autoritären Strukturen in Piraten-Gesellschaften find ich auch nicht so das Gelbe.
Deine Einstellung finde ich vollkommen okay. Beflaggung sehe ich nicht immer als politisch an. In diesem Fall ist es Sportbegeisterung und ist vollkommen okay.
Also ich finde die Begeisterung zur Fußball-EM vollkommen okay. Auch Fähnchen am Auto stören mich in keinster Weise. Wir sollten doch mal von dem Gedanken wegkommen, dass Beflaggung irgendetwas mit Politik zu tun hat. In diesem Fall halte ich es für reine Freude am Sport und die Hoffnung, dass wir Europameister werden. Was ist daran verkehrt? Andere Länder machen sich diese Gedanken nicht.
Stimme meinem Vorredner zu. Nicht immer hat Beflaggung irgendetwas mit Politik zu tun. In diesem Fall hat es für mich nur etwas mit Sportbegeisterung zu tun. Was ist daran falsch??
Nichts. Falsch ist es nur, sich über diejenigen zu empören, die mit der Symbolik nichts anzufangen wissen und mehr oder weniger geschmacklose Scherze damit treiben.
OK, jetzt mach ich mal den Kollektivisten: Heute abend sind wir alle Schweizer!!!
Und jetzt drücke ich Portugal die Daumen!!!
“Kenan Kolat, chairman of the Association of Turkish Communities in Germany added: “We are already in the final. By this, I mean Germany and Turkey. My car flies both flags. Germany is the fatherland, Turkey the motherland. Both are in our hearts and this is a positive way of showing it.” [UEFA homepage]
So, und jetzt warte ich nur noch drauf wie ihm erklaert dass er damit ganz klar zur Unterschicht gehoert.
[...] habe ich einen lesenswerten Blog beim antibuerokratieteam.net aufgespiesst, dem ich mich vollumfänglich anschliessen möchte: Die Anzahl derer, die durch [...]
Die von der bürgerlich-konservativen Presse wie in einem Mantra fast schon beschworenen eskalierenden Gewaltausbrüche türkischer Migranten nach dem gestrigen Spiel sind ausgeblieben. Die Türken haben nicht nur über weite Strecken auf dem Rasen überlegener gespielt (am Ende fehlte ihnen die Fortune) - sie waren auch anschließend bemerkenswert faire und fröhlich deutschlandfähnchenschwingende Verlierer. Respekt!
Danebenbenommen haben sich stattdessen - suprise, surprise - wildgewordene Teutonen in Dresden, Chemnitz, Köln und Hannover. Bin mal gespannt, wie uns Kaspar Rosenbaum und der gesamte rechtslibertäre Narrensaum das wieder zurechtdeuten werden. Bestimmt war auch das Abfackeln von Dresdner Dönerbuden nur ein legitimes Aufbegehren gegen die verklemmten Denkverbote der von den 68ern oktroyierten Political Correctness… Oder so ähnlich.
hihi.
(die Flaggenkombination schwarz-rot-gold mit weissem Halbmond und Stern auf rotem Grund in der Mitte gibt sicher Anlass zu den von Dir, DDH fast schon beschworenen Ausbruechen der Rechtslibertaeren … ;)
Die fand ich besonders gelungen, die Flagge der Integration sozusagen. Aber ich dachte auch sofort: Die ganzen Spinner um PI, Kewil usw. haben wieder was zum Hysterieren.
Nun, die Flagge des UKs ist ja auch aus der Kombination von Englischer, Schottischer und Irischer Flagge hervorgegangen…..
(bischen oel ins feuer giess….., als symbol der integration… )
Die Fahne von Malaysia ist natürlich auch sehr interessant ;-)