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Schuluniform und Markenterror

17.06.2008 15:28 - dagny's tags by dagny t.

Den heutigen Artikel in der FAZ moechte ich zum Anlass nehmen um ein wenig ueber das Thema ‘Schuluniform’ nachzudenken.

Einheits-Look statt Markenklamotten: Die Offenbacher Ernst-Reuter-Schule führt zum neuen Schuljahr einheitliche T-Shirts, Polohemden und Kapuzenjacken ein. Jeder Schüler könne frei entscheiden, ob er sie trage, sagte die stellvertretende Schulleiterin Christa Ludwig-Männche am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der „Bild“-Zeitung. Viele Schüler litten „unter Markenterror“, begründete sie die Entscheidung der Schule.

Von der einheitlichen Kleidung erhoffe sie sich „eine Identifizierung mit der Schule und der Lerngruppe“ sowie ein besseres Schulklima. Die Initiative sei von den Eltern ausgegangen.

Es werden zwei Aspekte angesprochen, die in der immer wiederkehrenden Debatte um Schuluniformen auftauchen. Zum einen der Markenterror, den Markenklamotten der Mitschueler gegenueber mithalten zu muessen und zum anderen die Identifizierung mit der Schule, sprich der Corpsgeist.

Nehmen wir an, die dem Markenterror zugrundeliegende These sei korrekt und es gibt Schueler die bewusst oder unbewusst ihren (bzw. den ihrer Eltern) sozialen Status durch die Wahl der Bekleidung deutlich machen. Nehmen wir weiter an, dass dies tatsaechlich zu einem Leiden bei einigen Mitschuelern fuehrt und als letzte Annahme sei der Konsens ueber die Einschraenkung der Kleidungswahl auf Elternseite getroffen.

Unterschiede im sozialen Status, in der Zugehoerigkeit zu der einen oder anderen Jugendgrupp oder Unterschiede im verfuegbaren Einkommen lassen sich immer finden und ausdruecken.
Kleidung, die Frisur, der Fueller, das Fahrrad, die Pausenverpflegung, Schmuck, Anstecker oder Aufnaeher, die Schultasche bzw. der Rucksack, die Desingerbrille: Selbst in einer durchuniformierten Gesellschaft wie der Bundeswehr ist es moeglich, durch kleine und kleinste Abweichungen vom Grundmuster Individualitaet auszudruecken. Das Vorhaben der Schule oder der Eltern, durch Begleidungsvorschriften Unterschiede zu verwischen ist zum Scheitern verurteilt.

Individualitaet ist das Stichwort, welches zu dem zweiten vorgebrachten Argument fuehrt: Der Corpsgeist der Lehranstalt.

Die Uniformierung dient nun nicht mehr der sozialen Nivellierung, sondern ganz im Gegenteil der Bildung eines Gemeinschaftsgefuehls, der Abgrenzung nach aussen. Wappen und Wimpel oder Achims Winkelemente ergaenzen idealerweise die Schuluniform:
Der einzelne ist garnicht mehr so wichtig, die Institution Schule ist alles.

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95 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

googlehupf, 17.06.2008 16:04

Mal sehen wie lange es dauert bis die ersten Rangeleien zwischen Uniformträgern vs. Nicht-Uniformträgern ausbrechen.

Ich hab sogar eine richtig gute Idee für ein Logo auf den Uniformen. Was wellenartiges sähe bestimmt schick aus. ;)

 
FG, 17.06.2008 16:05

Du unterstellst, dass der “Markenterror” lediglich darin bestehen würde, dass die einen etwas tragen was sich die anderen nicht leisten können und daraus so etwas wie ein minderwertigkeitsgefühl entsteht. Das ist aber bei weitem nicht alles. es geht um Hänseleien, Mobbing und aktive Ausgrenzung bis hin zu aus derartigen Dingen resultierender körperlicher Gewalt. Dem entgegenzuwirken ist eine wesentliche Aufgabe einer Schulleitung. Dieeinheitliche Schulkleidung (Uniform ist angesichts der Kleidung, die man bei derartigen Versuchen tatsächlich findet ein unpassender Ausdruck) scheint ein zumindest bedenkenswerter Ansatz zu sein, wenn auch sicher nicht die Lösung aller Probleme. Wie auch in dem verlinkten Artikel erfolgt die Umsetzung in der Regel auf einer weitgehend freiwilligen Basis. Die erfahrungen an der Schule meiner Liebsten sind absolut positiv, die Akzeptanz bei den Schülern ist eextrem groß und ein Mangel an individualität lässt sich nicht feststellen. Die Praxis an den Schulen ist deutlich gelassener als es engagiert Individualitätskämpfer in den Medien, die wahrscheinlich selbst oft seit 20 jahren keine Schule mehr von innen gesehem haben, vermuten.

dagny, 17.06.2008 16:40

Du bringst einen weiteren Aspekt in die Debatte, der im Artikel nicht angesprochen wird und den ich aber fuer interessant halte.
Meine eigene Schulzeit ist zwar schon eine Weile, aber keine 20 Jahre her -

Inwiefern wirkt sich die Schulkleidung auf weniger Mobbing und Haenseleien aus? Worin besteht hier die Kausalitaet?
Und warum nennst Du das dann ‘Markenterror’?

(Den Film ‘Die Welle’ habe ich noch nicht gesehen, Deutscher Film wird im Ausland nicht so oft gezeigt, aber den Kritiken nach machen in diesem (fiktiven) Experiment alle anfangs freiwillig und begeistert mit?)

FG, 17.06.2008 17:00

Den Begriff Markenterror hast Du bzw. die FAZ ins Spiel gebracht. Tatsächlich kann eine starke Markenorientierung unter Kindern zu Ausgrenzungen (das gab es schon zu meiner Schulzeit vor fast 30 Jahren), Mobbing und zu handgreiflichen Übergriffen wie dem “Abziehen” von Klamotten führen. darüber kommt es zu regelrechten Modenschauen und zu Bauchpiercingschauen zwölfjähriger Mädchen. Das hat nach meinem Dafürhalten mit “Individualität” nicht viel zu tun sondern eigentlich sogar fast im Gegenteil mit einem extremen Konformitätsdruck. Kinder sind in der regel eben noch nicht derart gefestigt mit derartigen Dingen gelassen umzugehen. Von möglichen Schäden für die Entwicklung der Kinder abgesehen ist es für den Schulbetrieb einfach nicht grade förderlich, sich ständig mit derartiegn nebenkriegsschauplätzen auseinanderzusetzen.
Die Projekte die es inzwischen gibt sind nirgendwo verpflichtend. Wegen Art. 2 Grundgesetz kann keine Schule die Schüler zwingen, Schulkleidung anzuziehen. das funktioniert nur auf freiwilliger Basis in Zusammenwirken mit den Erziehungsberechtigten Eltern. Insofern ist auch der Begriff “Bekleidungsvorschriften” zumindest irreführend.
Der älteste Modellversuch in Deutschland (in Hamburg) läuft seit inzwischen 8 Jahren und er läuft offenbar nach wie vor zufriedenstellend. Deine Vermutunbg, dass soetwas zum “Scheitern verurteilt” ist trifft zumindest dort nicht zu. Überhaupt liest man ständig von durch und durch positiven Erfahrungen mit einheitlicher Schulkleidung. chüler Lehrer und Eltern suchen sich gemeinsam ohne äußere Vorschriften einen Weg, den sie für sinnvoll halten. Und wenn sie es nicht mehr wollen dann blasen sie es wieder ab.
Die Verbindung zur “Welle” ist absolut daneben und zeigt nur, dass sich der Urheber mit dem Thema offenbar noch gar nicht auseinandergesetzt hat und noch nicht mal den FAZ-Artikel gelesen hat.

 
 
googlehupf, 17.06.2008 17:07

Hänseleien, Mobbing und aktive Ausgrenzung verschieben sich meiner Meinung nach durch Schuluniformen (Uniform ist IMHO der richtige Begriff) nur. Es gibt tausende Gründe wie solche Sozialdynamiken entstehen. Einen einzigen davon zu entschärfen (was hier nicht mal geschieht da das Tragen “freiwillig” ist und daher zu weiteren Problemen führen kann) ändert daran nichts.

Darf man fragen ob die Schule deiner Liebsten überhaupt große Probleme vor der Einführung der Uniform hatte? Bei einer so hohen Akzeptanz? Wie hat sich das Verhältnis zu Schülern von anderen Schulen verändert? Zum Beispiel waren Schüler meines Gymnasiums extrem unbeliebt bei anderen Schülern. In unserem Fall wäre eine Schuluniform nichts anderes als ein “Verprügel mich”-Aufkleber gewesen und hätte uns noch unbeliebter gemacht.

Meine Schullaufbahn liegt erst ein paar Jahre hinter mir und es gibt so viel gewichtigere Faktoren. Subkulturelle Zuordnungen, Introvertiertheit vs. Extrovertiertheit, Streber vs. Faulenzer, etc. macht da mehr aus als die Kleidung.

Sicher, ist jetzt nicht das wichtigste Thema seine Schulklamotten selber aussuchen zu können - aber symptomatisch ist diese Diskussion allemal.

 
 
Lina, 17.06.2008 18:16

“Jeder Schüler könne frei entscheiden, ob er sie trage”

Was soll das? Wenn schon, denn schon, würde ich meinen. Eine Entweder-Oder-Lösung unterläuft zu Unrecht eine wohl mehrheitlich getroffene Entscheidung; für typisch inkonsequent neudeutsch halte ich diese Lösung obendrein noch. (Den Straftatbestand einer Freiheitsberaubung würde sie bei Nichtbeachtung wohl auch kaum erfüllen, oder?)

Selbst habe ich auch “Schuluniform” getragen, die Lehrkräfte auch - insofern, als sie Nonnen oder Patres waren ;-); es handelte sich um eine interne “Vorschrift”, die von niemandem, Schüler oder Eltern, jemals in Frage gestellt wurde. - Nun, auf die heutige *gesellschaftliche* Situation bezogen, will ich mich, ohne weiter auszuholen, allen Pro-Argumenten FG’s anschliessen.

Wobei dieser einen Mini-Aspekt aussen vor lässt, nämlich, dass hippe Klamotten - im Unterricht, sprich: bei der Arbeit von (pubertierenden) Minderjährigen getragen - zuweilen auch ein beträchtliches Ablenkungspotential darstellen können. (Wird gern genommen, ich weiss, und aus freiheitlicher Sicht gern auch als uncooles Argument zurückgewiesen, ist aber so :-D!)

 
Eloman, 17.06.2008 18:53

Mich würde mal interessieren, wie sich die Problematik in UK (oder Australien oder Neuseeland), wo Schuluniformen meines Wissens seit Anno Tobak Usus sind, darstellt.

Lina, 17.06.2008 19:13

Was seit Anno Tobak Usus ist, wird vermutlich keinerlei Problematik beinhalten. Sonst hätte man sicher mit der Tradition gebrochen ;-).

googlehupf, 17.06.2008 21:11

Aber was seit Anno Tobak Usus ist muss nicht unbedingt auch heut zu Tage noch mit Sinn behaftet sein oder?

Lina, 17.06.2008 22:03

Verstehe ich Dich richtig: Uniform ist Würde? Deshalb muss sie davor bewahrt werden, in Schulen zum Einsatz zu kommen, in denen “Individualismus und Spassgesellschaft gelehrt wird”?

Sorry, das klingt befremdlich - um es mal so auszudrücken ;-). Es geht doch hier darum, mittels vereinheitlichter Schulkleidung (man muss sie gar nicht “Uniform” nennen) Unterschiede in der Optik (!) der Schüler aufzuheben, durch optische (!) Nivellierung möglichst keine soziale Ausgrenzung aufkommen zu lassen, also im Schulbetrieb störend gewordene Faktoren nach Möglichkeit auszuschliessen und nebenbei so etwas wie ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl zu kreieren - worauf ich persönlich auch verzichten könnte ;-).

“Gleichmacherei” ist das noch lange nicht, schon eher - wenn es nicht die gewünschten Effekte zeigt - nur Kosmetik für einen guten Zweck, nämlich den, dass wieder intensiver und effizienter gelernt wird; ich kann das vom gedanklichen Ansatz her nicht schlecht finden. Du schon? Wundert mich jetzt ;-)…

Lina, 17.06.2008 22:09

Sorry, falsch platziert; gehört hinunter zu @ Sky’s Eintrag.

 
Sky, 17.06.2008 23:11

Ah, hallo Lina, wie gehts?

> Verstehe ich Dich richtig: Uniform ist Würde? Deshalb muss sie davor bewahrt werden, in Schulen zum Einsatz zu kommen, in denen “Individualismus und Spassgesellschaft gelehrt wird”?

Wichtig ist mir immer eine gewisse Unterhaltsamkeit und eine gewisse Originalität. Der gute Kommentatorenhengst sollte dazu in der Lage sein auch mal etwas zu experimentieren und unscharf zu formulieren.
In diesem Fall war gemeint, dass die Uniform am besten dann getragen wird, wenn der Uniformträger das dahinter stehende soziale Konzept begriffen hat. (Bei Soldaten ist das recht einfach, aber es kann komplizierter werden. Ich bewege mich da auf einer Wellenlänge mit dem Blogeintrag-Ersteller, habe aber differenzierter betrachtet. Reine Ablehnung war mir zu billig. ;)

> “Gleichmacherei” ist das noch lange nicht, schon eher - wenn es nicht die gewünschten Effekte zeigt - nur Kosmetik für einen guten Zweck, nämlich den, dass wieder intensiver und effizienter gelernt wird; ich kann das vom gedanklichen Ansatz her nicht schlecht finden. Du schon? Wundert mich jetzt ;-)…

Äh, ah ich merke ich muss noch mal an die Basics:
1.) Uniform gut wg. Wiedererkennung der Gruppenzugehörigkeit
2.) Uniform nicht gut, wenn reine Gleichmachererei gegeben
3.) Uniform wiederum gut bzw. akzeptabel, wenn die sozialen Konzepte zusammen mit dem Brimborium (Rituale, Tabus, Riten etc.) verstanden werden

Das was da in D gewünscht ist für die Schulbevölkerung scheint mir reine Gleichmacherei zu sein, da soziale Strukturen in D fast grundsätzlich abgelehnt werden. (Der Deutsche ist Internationalist, ist für die UN und wenn nicht für die dann doch bitte für die EU, aber bitte immer gegen Deutschland und wenn schon D dann als “Vorreiter” (LOL) oder Fahnenpinkler. So wirds an den Schulen gelehrt.

Soziale Systeme funktionieren aber anders, wie wir jetzt bspw. bei der EU-Abstimmung in Irland gelernt haben müssen die nationalen Verbünde ihren eigenen Interessen und Anforderungen folgen um dann zusammen stark zu sein. (So funktionierts auch im Arbeitsleben, man kann die MAs nicht zwingen gegen ihre fundamentalen Interessen zu handeln. (Auch wenn das welche tun, LOL, bzw. manche fordern (noch schlimmer).))

Dagny, 17.06.2008 23:29

1.) Uniform gut wg. Wiedererkennung der Gruppenzugehörigkeit

Der letzte Satz im Blogeintrag ziehlt auf diesen Aspekt ab.

Ist die Gruppenzugehörigkeit zur Schule, der Corpsgeist, ein begrüssenswertes Erziehungsziel einer (liberalen) Schule?

Sky, 17.06.2008 23:46

“Der einzelne ist garnicht mehr so wichtig, die Institution Schule ist alles.”
liest sich für mich so wie knallharte Ablehnung, LOL, Pink Floyd lassen mit “The Wall” grüssen.

Eine Gruppenzugehörigkeit pos. zu empfinden, die Rituale anzunehmen, sich aber des Sinn (und des Unsinns ;) der Massnahmen bewusst zu sein, ist erforderlich und richtig, so entsteht letztlich Mehrwert und Erfolg.

Das Verstehen und Annehmen dieses Brimboriums ist das A und O für den späteren Erfolg im Leben.
An den Schuluniformen würde ich das allerdings nicht unbedingt aufhängen wollen, wichtig ist erst einmal eine generelle Anpassung der Schulinhalte, dann kann man weiter sehen.

Und selbstverständlich ist die Annahmesozialer Strukturen ein ausserordentlich wichtiges Erziehungsziel, wobei ich Erziehung schon im Sinne von Angebot verstehe, also ohne jedweden Zwang.
Zuerst müsste man die deutschen Lehrer erziehen, da haperts nämlich gewaltig. (Erst mal diese Brüder in Schuluniformen stecken, die werden ja bezahlt, da gilt es keine Rücksicht zu nehmen, LOL.)

 
 
Lina, 18.06.2008 08:25

“… eine gewisse Unterhaltsamkeit und eine gewisse Originalität. Der gute Kommentatorenhengst sollte dazu in der Lage sein auch mal etwas zu experimentieren…”

Gern, dann müsste man ihm, dem Sprunghaften, aber den Stall und die Box, sprich: das Thema vergrössern, denn da, wo es jetzt steht, wird es ihm eindeutig zu eng ;-D..

Also, ich registriere: D hat hat keine (nationale) Identität, D lehnt soziale Strukturen und Konzepte ab, D hat Schüler, die keine Disziplin kennen, und Lehrer, die ihnen das Falsche beibringen (z.B. “Fahnenpinkeln”);”Schuluniform” ist Gleichmacherei und kann nicht leisten, was anderweitig versäumt wurde. “Corpsgeist” ist grundsätzlich erwünscht, andererseits (wg. möglicher Liberalitätsverluste) auch wieder nicht…

Auch gut. Ich verstehe nur immer noch nicht, was gegen einheitliche Schulkleidung (”Uniform”) spricht. Pink Floyd ;-)?

Sky, 18.06.2008 11:26

Halten wir einfach fest, dass Schuluniformen - sollten sie zum jetigen Zeitpunkt kommen - aus Gründen der Gleichmacherei und wegen Neidgefühlen angeblich Benachteiligter kommen würden.

Gäbe es in D im sozialen Bereich, bspw. die Kompetivität und das Zusammenwirken sozialer Strukturen betreffend, eine solide Kompetenz, wie zum Beispiel in den Staaten, dann wäre die Uniformierung der Schüler erwägenswert, wenn auch nicht zwingend, LOL.

Weiss eigentlich gar nicht, was daran nicht zu verstehen ist.

FG, 18.06.2008 11:40

> Weiss eigentlich gar nicht, was daran nicht zu verstehen ist.

Ich verstehe schon, dass Du Dein Weltbild hast, mit dem Du alles erklären kannst. Das ist echt beneidenswert.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass z.B. der erste Absatz schlicht Humbug ist und nur darüber Zeugnis abglegt, dass Du Dich mit dem Thema und den verschiedenen Projekten der vergangenen Jahre nicht eine Spur auseinandergesetzt hast.

Sky, 18.06.2008 11:54

Wenn Du jetzt hier ganz argumentfrei kommst und vollständig ad personam gehst, dann hast Du Dir zwar diese kleine Nachricht der Missachtung verdient, aber mehr nicht.
Sorry, das ist nicht mein Niveau, bin zwar geschätzig, aber so nicht, Amigo.

FG, 18.06.2008 12:09

Meine Argumente stehen an anderer Stelle. Ich habe die Debatte zu so einem Projekt hautnah miterlebt. Die Unterstellungen in Deinem ersten Absatz sind Humbug, man könnte es auch Unverschämtheit nennen und zwar eine Unverschämtheit ad personam. Ich bin Dir auf das Niveau gefolgt. Mein Fehler.
Allein schon deine Aussage “sollten sie zum jetzigen Zeitpunkt kommen” zeigt dass Du offenbar nicht mitbekommen hast, dass sie schon an zahlreichen Schulen in Deutschland Realität sind. Es wäre schön, wenn du Dich mit dieser Realität auseinandersetzen würdest.

Sky, 18.06.2008 12:47

Immerhin siehst Du Deinen Fehler ein, ein erstes Zeichen beginnender Webkompetenz zumindest.

Tja, was soll ich sagen, Schuluniformen schon Realität in D? Davon weiss ich nichts, ausser dass das einige Privatschulen machen. Ich habe doch schön herausgearbeitet wann m.E. diese Uniformierung Sinn macht und wann nicht. Warum bist Du darauf nicht eingegangen?

Ausserdem darfst Du nicht voraussetzen, dass an anderer Stelle von Dir gehaltene Vorträge von anderen zwingend zur Kenntnis genommen werden. Es gibt hier manchmal Kommentarstränge mit mehreren hundert Einträgen. Wir haben hier keine Forumsfunktionalität.

Sollte jetzt doch alles klar sein, wa?

Lina, 18.06.2008 18:48

@ Sky

Btw. nur: Worin besteht eigentlich diese *Webkompetenz*, die Du so gern für Dich reklamierst? Wenn sie darin besteht, sich ignorant zu äussern, dann würde ich sie, Themen-Blogs betreffend, eher Webinkompetenz nennen - wenn nicht gar Webinkontinenz ;-)…

Du lieber Himmel, erklär’s mir doch mal bitte!

jo@chim, 18.06.2008 18:57

Webinkontinenz

 
Sky, 18.06.2008 20:50

Webkompetenz ist etwas, das für eine Vortragsreihe geeignet ist, es gibt hier technische und kommunikative Aspekte, da die o.g. Kompetenz eine recht junge Kompetenzform ist (niemand hat sich vor Erfindung des Internets potentiell an die gesamte Menschheit gewendet), gibt es hier bes. Defizite zu beobachten und zu kommentieren, Beispiele:
1.) FGs Beitrag weiter oben - durchaus geeignet als Face to Face-Anwurf, wenn auch etwas derb, oder als polemische Floskel in einer Rederunde - ist hier ein schönes Beispiel, das seziert werden darf. Sein Scheitern ist ganz klar auf die bes. Eigenschaften der Webkommunikation zurückzuführen, so darf dieser klassische Beitrag noch in Urzeiten verlinkt und betrachtet werden. (Ein Chapeau an dieser Stelle!)
2.) joatchims gelegentliche Versuche eigene Defizite zu generieren, bspw. die Äusserung des so genannten Trollverdachts. (Eine der Todsünden der Webkommunikation, bei Desinteresse oder Ablehnung ist natürlich entweder Schweigen oder eine zumindest leicht mit Sacharbeit gewürzte Polemik zu empfehlen.)
3.) Deine Versuche unsere Webkommunikation (die zugegebenermassen etwas lolig ausfiel ;) parallel mit Dritten per E-Mail zu bearbeiten.

Aber da gibts etliches, falls besonderes Interesse besteht, einfach melden, ich werde dann bedarfsweise, vermutlich sogar kostenfrei (weil Ihr es seid), ein paar Artikel hier einstellen.

 
Lina, 18.06.2008 22:44

Danke. Den Bewertungen Deiner drei Beispiele kann ich zwar nicht folgen, geschweige denn zustimmen, aber das macht jetzt nichts; mit der nötigen Kinderstube kann man sich bestimmt auch so ganz gut im Netz bewegen, ohne kommunikativ direkt inkompetent zu wirken. - Oder? Was meinst Du ;-)?

(Und wenn Du schon darauf ansprichst: was da “lolig”, bzw. “roflig”, also webinkontinent ausfiel, wurde einmalig im Rahmen grösstmöglicher Diskretion “bearbeitet” - auf Basis von eines Dringlichkeitsantrags ;-)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Jorad, 17.06.2008 19:14

Kann nur aus meiner Erfahrung sprechen: Bei uns gab es nahezu keinen “Markenzwang” oder ähnliches - dafür hätte es aber sicherlich bürgerkriegsartige Zustände hervorgerufen, wenn jemand Schuluniformen hätte einführen wollen. :P

Wenn man ein negatives Mobbingklima hat, dann wird sich das auch nur verschieben mit Schuluniformen. Erstmal müsste die Schule dann wahrscheinlich selbst die Kleidung bereitstellen, denn wenn sie nur einen Code festlegen wird sich nix ändern (Qualitätsunterschiede bei gleicher Kleidung fallen sehr viel stärker auf). Dann hat man das Problem, dass Mädels auch gerne mal 2 Nummern kleiner anziehen und die Ablenkungs*gefahr* bleibt. ;) Ganz zu schweigen von Schmuck und dem Rucksack/Material was man dabei hat.

Achja - außerdem weiß man innerhalb einer Klasse sowieso auf längere Zeit aus welchem Umfeld jemand kommt.

(Langsam kommen auch die Erinnerungen hoch, was für Probleme es schon gab allein das Verbot von extremen politischen Symbolen auf Kleidung durchzusetzen.)

naja, jm2c

 
FG, 17.06.2008 19:29

Ein ausführlicher Artikel zum Thema, der pro und contra ganz gut beleuchtet:

http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/artikel/210/139916/print.html

Lina, 17.06.2008 20:15

Hilfreicher Artikel, danke. Eigentlich beleuchtet er klar das Pro und verweist das Contra in den Schatten symptomatisch deutscher Uniform-Allergie.

Ein, wie ich finde, bedeutsamer Satz verweist darin auf ein neues Phänomen, das die Hinwendung zur (nicht nur optisch) kleineren “Einheit” erklärt: “Es geht also um das Substitut von Zugehörigkeit in einer Zeit, deren herausragendes Kennzeichen das der globalen Illoyalität ist.”

Eine Gegenbewegung? Parallel mit ihr vollzieht sich aber in der Mode ein globaler Trend zur Vereinheitlichung mit nur kleinsten und feinsten, nur mehr qualitativ kenntlichen Differenzierungen. Ein Entgegenkommen, auch die grössere Einheit anzunehmen ;-)?

 
 
Sky, 17.06.2008 20:44

Wenn Uniformen keinen sinnvollen Zweck haben, dann sind diese selbstverständlich abzulehnen und den dbzgl. Wunsch ggf. verächtlich zu machen, no prob.
In der Schule wird die Gleichmacherei in der Tat als Hauptargument genommen, es gehe darum, dass sich bestimmte Wohlhabende nicht vom Gemeinvolk durch Kleidung abgrenzen können, LOL.
Also Finger weg von Schuluniformen erst einmal!

Anderseits, geht es um die Gemeinschaft und um das Darstellen der Zugehörigkeit zu derselben, dann sind Uniformen, etwas übertrieben formuliert, das Mittel der Wahl.

Da aber an unseren Schulen Individualismus und Spassgesellschaft gelehrt wird, halte ich zumindest die meisten der potentiellen Fahnenpinkler und “Risiko Deutschland”-Leser nicht für schuluniformwürdig, da soziale Konzepte nicht verstehend.

 
Alexander, 18.06.2008 07:02

Wäre ich Vater und müsste zwischen zwei ähnlich qualitativen Schulen wählen, die Schule mit der Schuluniform würde ich bevorzugen. Im Mittelpunkt sollte das Kind stehen, nicht seine Kleidung. Und wenn Gruppendruck und Markenkleidung ein offensichtliches Problem darstellt, wäre eine Schuluniform eine pragmatische Lösung. Individualität hat trotzdem Platz, wenn man Individualität nicht nur auf Äußerlichkeiten richtet.

Aber ich muss anmerken, dass ich nie Gruppendruck gespürt habe und bei uns es auch keinen Markendruck gab. 2002 habe ich Abitur gemacht. Gründe sind vielfältig: Ich bin aus dem Osten, Kleinstadt, Region mit sehr vielen Arbeitslosen, Gymnasium. Ich bin aber auch dahingehend ein Sonderfall, dass ich nie wegen des Gruppendrucks geraucht oder getrunken habe.

 

[...] antibuerokratieteam.net » blog archive » schuluniform und markenterror (tags: marke schule gesellschaft uniform individuum blog markenterror via:mento.info) [...]

 

[...] und Markenterror Dagny T. hat beim Antibürokratieteam engagiert gegen die Schuluniform ein engagiertes Pladoyer gehalten. Und Daniel hier einen Thread [...]

 
R.A., 18.06.2008 11:08

Es soll also “freiwillig” sein, diese Schuluniform anzuziehen.
Das ist natürlich eine Farce.
Wenn Schulleitung und Lehrer und Elternvertretung diese Klamotten “empfehlen”, dann ist das in der Praxis mehr Druck als irgendein “Markenterror” seitens einiger Mitschüler.

Es ist ein Armutszeugnis für die Schule, wenn sie offenbar bestehende Probleme im Sozialverhalten mit solchen äußerlichen Symbolhandlungen begegnen will.
Die Gründe fürs Mobbing bleiben also, nur der Anlag wird ein anderer sein.

R.A., 18.06.2008 11:08

> nur der Anlag
nur der Anlaß

 
 
Dagny, 18.06.2008 21:55

@Sky

“Und selbstverständlich ist die Annahme sozialer Strukturen ein ausserordentlich wichtiges Erziehungsziel”

Ohne auf die Kompetenz-Kompetenzdiskussion oben einzugehen, möchte ich da doch nochmal nachfragen: Soziale Kompetenz zu erlernen ist das eine, die Annahme und Übernahme sozialer (Macht-)Strukturen ein anderes.

Sky, 18.06.2008 23:33

Es geht erst einmal nicht um Macht, sondern um Kooperation. Das Ablehnen sozialer Strukturen “weil es um Macht geht” ist einer der deutschen Übel, oder? :)

Und wenn man dann ganz locker ist und mit “Macht” (was immer das auch genau sein mag, so gross ist die “Macht” keinesfalls, bspw. jammern immer wieder die Bundeskanzler (zu recht) über Machtdefizite und so manch Unternehmenschef oder Abteilungsleiter (oder Lehrer ;) hat sich schon über mangelnde Macht ausgeheult) und Rollenverteilung in sozialen Systemen keine Probleme hat (der Deutsche _hat_ Probleme :), dann spräche auch nichts gegen, äh, Schuluniformen oder andere Symbole oder Riten oder Tabus oder weiss der Teufel was. (Tabus vllt rausnehmen, das ist doch wieder ein anders Fass, cheers!)

Dagny, 18.06.2008 23:56

Um Struktur zu lernen, ist doch keine Uniform nötig! Das kann man beim Sport oder in einem Orchester oder in dem was man mal ‘peer group’ nannte.

Sky, 19.06.2008 00:02

Natürlich nicht, aber es wäre doch schön wenn die oben skizzierten sozialen Konzepte verstanden werden würden vom Uniformträger. Dann hat das auch nichts Negatives mehr.
Aberrr, davon ist eben nicht auszugehen, es geht in der Tat um Gleichmacherei. (Die, wie Du ausgeführt hast, wiederum umgangen werden würde, durch Accesoires oder so, und dann müsste man wieder nachbessern, würg. ;)

Und “beim Sport” oder “in einem Orchester” lernt man nix über soziale Konzepte, Mehrwert, Konditionierungsstrategien, Interessenangleichung etc., LG Sky

PS: peer group sagt mir aber nix, LOL, peer2peer schon eher. ;)

dagny, 19.06.2008 11:11

Sozialer Mehrwehrt? Etwa wenn sich einer zu Gunsten der Gruppe opfert? ‘Die Gesellschaft’ als Sammelbezeichung aller darin enthaltenen Individuen (nebst der Unsichtbaren Hand) braucht keinen kollektiven ‘Mehrwert’ - Sie ist Wert genug.

Lina, 19.06.2008 11:43

Btw.: Hat er vielleicht den sozialen Mehrwert islamistischer Gesellschaften unter wertvoller Beteiligung einer Al Kaida im Sinn? Wird nämlich gern zum kollektiven Konzept, sowas.

Nein, Gesellschaft verstehe auch ich als eine flexible Anordnung von Individuen, die für sich genommen keinen Mehrwert beanspruchen kann. Illegalen Bewegungen innerhalb setzt das Gesetz die Grenzen, und die Unsichtbare Hand sollte möglichst feine Handschuhe tragen, bevor sie das Individuum anfasst. Von mir aus auch Uniform, damit man gleich erkennt, wer zulangt ;-)…

 
Sky, 19.06.2008 15:04

> Sozialer Mehrwehrt? Etwa wenn sich einer zu Gunsten der Gruppe opfert?

Das ist doch ein liberales Blog hier? Da darf doch der Kommentatorenhengst erwarten, dass bekannt ist, dass sich soziale Strukturen bilden um Mehrwert, also Win-Wins zu generieren?

Dass mit dem “Opfern” liest sich für mich “etwas links”, kann doch nicht sein, oder? Ach, Moment, das ist gar nicht links, das ist Spassgesellschaft und Guidomobil und so?!

Um das mal allen hier deutlich zu sagen: Der Mensch ist kein Individualist, der “opfert” sich nicht, es sei denn für etwas, letztlich für sich selbst.

> ‘Die Gesellschaft’ als Sammelbezeichung aller darin enthaltenen Individuen (nebst der Unsichtbaren Hand) braucht keinen kollektiven ‘Mehrwert’ - Sie ist Wert genug.

Das verstehe ich nicht, vgl. meine Anmerkungen oben.

dagny, 19.06.2008 15:12

Die Anmerkung des Opferns war selbstredend sarkastisch gemeint. Mehrwert im Sinne eines Win-Win ist nichts anderes als freier Markt - ‘Gesellschaftlicher Mehrwert’ klang in meinen Ohren nach einem Wert des Kollektives, ueber die reine Summe der Individuen hinaus.

Missverstaendnis beseitigt?

Sky, 19.06.2008 17:59

> Missverstaendnis beseitigt?

Definitv. LG. Sky

 
 
 
 
T: Albert, 19.06.2008 11:30

@Und “beim Sport” oder “in einem Orchester” lernt man nix über soziale Konzepte, Mehrwert, Konditionierungsstrategien, Interessenangleichung

Lernt man nicht? Deswegen wird der entsprechende Unterricht in den Schulen weggekürzt, entsprechende Arbeitsgemeinschaften auch?

So wird das nie was mit Pisa.
Jetzt frage ich mich nur, warum all die Eltern, die ihre Kinder in vernünftigen materiellen Verhältnissen aufwachsen lassen können (”die Leute mit Geld”, wie Rayson andernorts sagte, denen ich seiner Meinung nach irgendwie an den Kragen möchte) so grossen Wert auf Sport und Musikausübung auch in der Freizeit legen, warum andere sich krumm legen, um ihren Kindern das zu ermöglichen.

Sky, 19.06.2008 15:08

>> Und “beim Sport” oder “in einem Orchester” lernt man nix über soziale Konzepte, Mehrwert, Konditionierungsstrategien, Interessenangleichung

> Lernt man nicht? Deswegen wird der entsprechende Unterricht in den Schulen weggekürzt, entsprechende Arbeitsgemeinschaften auch?

Also gut, auch Sport und Orchester ist Kooperation, wenn auch nicht klassische Win-Wins, mir wärs aber trotzdem lieber, wenn auch mal soziale Konzepte gelehrt werden würden an den Schulen.

Da haperts gewaltig, soz. Strukturen werden grundsätzlich eher negativ gesehen (sogar die Ehe, LOL), das Individuum käme zu kurz, no risk, no fun, LOL.
Statt dessen gehts da bspw. um Menschenwürde, um Eisbären und um schwule Konzepte (Sozerei z.B. ;).

Fragte kürzlich mal einen frisch fertig gewordenen Studi der BWL “Junge, was ist eigentlich die Mehrwertsteuer?”, der wusste nicht einmal was Mehrwert ist. OMG

che2001, 19.06.2008 16:29

Das ist doch der alte Kalauer, ich spreche von Mehrwert, mein Gegenüber versteht Nährwert ;-)

@T.Albert, die “Leute mit Geld”, denen Du raysons Meinung nach irgendwie an den Kragen möchtest sind wir selbst zumindest am Rande auch noch, oder? :-)

Rayson, 19.06.2008 16:41

Ich will euch bei der Legendenbildung nicht stören, aber der Begriff “Leute mit Geld”, der stammt dann schon noch von T. Albert selbst, und zwar durchaus verwendet als Feindbild.

T: Albert, 19.06.2008 17:29

Oh Rayson, schon wieder!
Ich sage “Leute mit Geld” und setze sie gegen “jede Menge Menschen, für die es in die Bedingungen des 19. Jhdts. zurückgeht.”. Das ist leicht polemisch, wie unschwer zu sehen ist, auch durch die Zuschreibungen. Von Feindbild kann nun deswegen keine Rede sein, weil ich auch genug Leute mit Geld kenne, ,die der meinerseits kritisierten historistischen Mode nicht folgen. Die lesen weder Bastiat noch leben sie in scheingemütlichen historistischen Häusern. Aber wenn Du magst, kann ich Dir den atmosphärischen Zusammenhang von Bastiat-Texten, historistischer Architektur und Architekturheorie sowie historisierenden Vorstellungen von Städtebau genauer erläutern. Ich kenne Architekten, die sogar explizit davon sprechen als Gegensatz zur “sozialistischen Moderne”, die endlich vorbei ist.
Ich weiss, wovon ich rede. Ich verbringe viel Arbeitszeit in diesen Zusammenhängen.
Es genügt auch, die Fachzeitschriften zu lesen, oder Aufsätze von Stimmann, Kollhoff, Mäckler, oder ein so wichtiges Buch wie “Collage City” von Rowe und Koetter,das schon älteren Datums ist und darum zeigt, dass in diesen Bereichen diese ganzenDebatten bereits in den Siebzigern begannen. Das ist eine sehr intelligente, liberale und relativistische Kritik an der klassischen Moderne.

“Abgesehen davon, dass sich eine Bakunin- und eine Bastiat - Kritik vielleicht in Teilen ähneln könnte, wie ich sehr vage vermute, wäre das doch alles Philologie. Was ja in Ordnung ist, aber ahistorisch und halbbewusst, wenn ich das Heute auf Texte des 19. Jahrhunderts beziehe. Leider kommt das aber in Mode gerade - Leute mit Geld zeigen dies indem sie sich von historistischen Architekten ein Haus a la maniera entwerfen lassen, um darin gut beheizt ihren Traum vom intellektuellen Distinktionsgewinn mittels Lesens gemütlicher Bastiat-Texte zu verwirklichen. Was ja klappt- es geht gerade für jede Menge Menschen zurück in Bedingungen des 19. Jahrhundert, ganz real.”

Bei Dir wird folgendes daraus. Das unterscheidet uns. Mir würde so eine humorige Zuschreibung, die alles mögliche, was sich einer denken mag, beinhaltet, nie einfallen:

“dass da einer nicht auf Verständigung aus ist, sondern erkannt hat, dass mit Klassenfeinden (den “Leuten mit Geld”) eben anders umgegangen werden muss. Das ist konsequent und eine Ansage, mit der ich gut leben kann.”

Ich war so vornehm, darauf nicht eingegangen zu sein.

Lina, 19.06.2008 20:46

Btw: Diese aktuell “historistische Mode” in der Architektur ist übrigens besonders gut, weil isoliert zu betrachten - auf grünen Wiesen in der Umgebung von Moskau, wo die im Zeitraffer des russischen Turbokapitalismus Reichgewordenen sich en masse historisierende Häuser bauen lassen - also instinktiv genau die Vorstellungen zu verfolgen scheinen, von denen Du sprichst.

 
stefanolix, 20.06.2008 08:33

So ein Quatsch! Du dichtest uns irgendwelche Eigenschaften an, obwohl Du überhaupt nichts diesbezügliches über uns weißt. Ich habe mich in Blog-Diskussionen überhaupt noch nie zu “historistischer Architektur” geäußert. Ich finde sie großenteils missraten und depaciert. Ich würde nie in solchen Gebäuden wohnen wollen. Aber es ist schön, dass wir das jetzt auch klären konnten …

che2001, 20.06.2008 09:29

Sag mal Stefanolix, seid “Ihr” alle miteinander nicht in der Lage,
zwischen einer abstrakten Beschreibung real existierender
Trends im Lebensstil bzw. sozialer Entwicklungen und persönlichlichem Zuweisungen gegen Euch als Leutezu unterscheiden? Ihr kommt
in dem, was T.Albert da beschrieben hat, überhaupt nicht vor, ebensowenig, wie in meinen Anmerkungen zu Welthunger und Entwicklungspolitik Hayek alsÜerson vorkam. Es geht um thematische Schnittmengen der von Euch geschätzten liberalen Autoren mit dem, was gesellschaftliche Wirklichkeit ist, aber um keinen einzigen von Euch als Person.

Rayson, 20.06.2008 09:57

Welche “thematischen Schnittmengen” gibt es wohl zwischen der Karikatur, die T.Albert da gezeichnet hat, und der Erkenntnis, dass Bastiat sich schon vor 150 Jahren mit denselben Dummheiten herumgeschlagen hat, die man auch heute oft zu hören bekommt?

Wer fällt denn eigentlich wirklich ins 19. Jahrhundert zurück? Derjenige, der heute noch die “broken window fallacy” auftischt, oder derjenige, der darauf mit Bastiat antwortet?

Was du “thematische Schnittmengen” nennst, ist in meinen Augen eher ein ziemlich bemühtes Herstellen von Beziehungen da, wo in Wirklichkeit keine sind. So ähnlich wie beim Witz von der Biologieprüfung, wo der Student sich nur auf das Thema “Würmer” vorbereitet hat, dann aber über Elefanten schreiben soll und folgendermaßen anfängt:

“Der Elefant ist ein gro&