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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

40% der Arbeitnehmer in 400 Euro Mini-Jobs!

jo@chim, 18.06.2008

Richtig. Erschreckend oder? Aber so viele sind es laut der SOEP-Studie tatsächlich.

Die Antwort auf Frage Nr. 8 im Quiz “Arbeit und Einkommen” auf statista.org, dem neuen Statistik-Portal von SPON (Assoziationswolke: Working Poor, Neoliberalismus, Hungerlöhne, Managergehälter, schlimm, schlimm, immer schlimmer… ).

Einen Link tiefer dann eine aufschlussreiche Ergänzung zur statistischen Aussage: sie bezieht sich lediglich auf Erwerbstätige mit weniger als 30 Stunden Wochenarbeitszeit – insgesamt etwa 21% der Arbeitnehmer. Jede Verkaufsaushilfe mit 10 Wochenstunden und der Rentner, der bei uns die Papierkörbe aus den Büros einsammelt inbegriffen. Korrekte Folgerung aus der Statistik wäre also gewesen: 8,4% der Erwerbstätigen arbeiten in sogenannten Mini-Jobs.

Hätte der Quiz-Autor nur den Beitrag Lügen mit Statistiken auf dem selben Portal gelesen (oder vielleicht hat er ja eben dies getan…)

By the way: ein Agitprop-Dauerbrenner aus dieser Kategorie ist auch der alljährliche “Armutsbericht”, dessen Grundtenor wie jedes Jahr lautet “die Armut steigt!!!” (Assoziationswolke: hohlwangige Käthe-Kollwitz-Kinder, bärtige Arbeiterführer, Mindestlohn, Vermögenssteuer… ).

Gemeint ist jedoch nicht wirkliche Armut, sondern die sogenannte “relative Armut”, mithin jeder, der weniger als 60% des mittleren Einkommens verdient. Dargestellt wird also der Abstand zwischen hohen und niedrigen Einkommen, der in der Tat in den letzten Jahren geringfügig gewachsen ist*.

Dies allerdings vor allem, weil das wachsende Bruttosozialprodukt nicht “unten” ankommt. Die Wahrheit ist: die Steuererhöhungen der grossen sozialdemokratischen Koalition haben vor allem Geringverdiener – die einen höheren Teil ihres Einkommens für die Lebenshaltung ausgeben (müssen) – getroffen und beim Mittelstand zu Stagnation geführt.

Erschreckend, oder?

(*Eine etwas differenziertere Auswertung zum Thema auf tagesschau.de)



65 Kommentare zu “40% der Arbeitnehmer in 400 Euro Mini-Jobs!”

  1. FG

    Dieses “Statistik-Portal” wird bei der derzeit erkennbaren Konzeption lediglich als Munitionslager für Personen (Politiker, Journalisten, Blogger, …) dienen, die Zahlen benutzen wie Betrunkene eine Straßenlaterne. Zum Halt und nicht zur Erleuchtung. Ein unmögliches Sammelsurium.
    Mitlerweile stehen die Fachserien der statistikämter auf Europa-, Bundes- und Länderebene fast durchgängig kostenlos zur Verfügung. Die sind zwar nicht so hübsch bunt aufgemotzt und die Erschließung nimmt Zeit in anspruch, aber man kann zu fast allen Fragen weitgehend fundierte Daten finden.

    Zu Deinem letzten Absatz: Zum einen stammen die Daten des Armutsberichts aus 2005, können also mit der Umsatzsteuererhöhung nichts zu tun haben, zum anderen sind die Gütergruppen, die überwiegend von Geringevrdienern konsumiert werden mit dem verminderten steuersatz belegt und waren somit von der steuererhöhung nicht betroffen. Über die Verteilungswirkungen der Erhöhung wage ich keine einfache Aussage, weil das doch eher komplex ist.

    (Vielleicht hat ja jemand irgendwelche Infos über Studien zum thema?)

  2. che2001

    Interessant wäre mal ein Reichtumsbericht. Ob unsere Gesellschaft auf dem Weg zu mehr sozialer Ungleichhheit ist, wäre dann indizierbar, wenn nicht nur die Kaufkraft der Geringverdiener nachlässt, sondern der Reichtum der im engeren Sinne Reichen ansteigt.

    BtW. seit Platzen der New-Economy-Blase ist allerdings die Zahl der Dienstporschefahrer fast gegen Null gesunken. Wenn das nicht mal ein erschreckendes Beispiel für grassierende Verarmung ist…

  3. FG

    Haben wir schon. Der Bericht heißt ja vollständig “Armuts- und Reichtumsbericht”.

  4. Lemmy Caution

    [quote]
    BtW. seit Platzen der New-Economy-Blase ist allerdings die Zahl der Dienstporschefahrer fast gegen Null gesunken. Wenn das nicht mal ein erschreckendes Beispiel für grassierende Verarmung ist…
    [/quote]
    Zumindest 3 gibt es noch. Die Versicherung in dem Gebäude meines Arbeitgebers hat 1 roten, 1 gelben und 1 schwarzen.
    Als alte Sozialneider hat das unsere Geschäftsführung das natürlich direkt beim Hausmeister angezeigt, als die die Teile immer in einer Art weichen Parkverbot auf dem Gehsteig vor der Treppe abgestellt haben.
    Es ist allerdings so, dass in praktisch allen Regionen dieses Planeten die Gini-Koeffizienten eher Steigen als Sinken.

  5. Sky

    > Gemeint ist jedoch nicht wirkliche Armut, sondern die sogenannte “relative Armut”, mithin jeder, der weniger als 60% des mittleren Einkommens verdient.

    Waren das nicht früher mal weniger als 60%?
    Aber auch egal, es ist schon erschreckend, wenn die Sozen immer wieder über nichtvorhandene Armut fabulieren.

    Da ist das Interesse erkennbar, die Armut zu pflegen und zu erhalten, die Steuerbelastungen (Mineralöl- u.a.) und die Kosten für Energie und Mobilität werden sehr hoch gehalten, so bleibt die Unzufriedenheit und das Wählerpotential.

    “Relative Armut” ist übrigens ein anderes Wort für Neid.

  6. jo@chim

    Interessant wäre mal ein Reichtumsbericht.

    Warum? Um etwas Umverteilungs(Politiker) fördernden Neid zu wecken?

  7. jo@chim

    [quote]

    Lemmy, versuchs mal mit “blockquote” in HTML-Tags, dann klappts auch mit dem Zitieren :-)

  8. marc

    apropos, gibt es irgendwo eine Übersicht, welche Tags man in eurem Blog benutzen kann?

  9. jo@chim

    Du kannst Standard-HTML-Tags benutzen (a href,em,strong, blockquote, etc.). Eine Übersicht gibts bisher nicht – ich habe das aber für meinen Ideenspeicher registriert. Danke.

  10. dagny

    Interessant waere doch mal, den Gini-Koeffizienten mit der Staatsquote zu vergleichen?

    Auch sagt der Gini-Koeffizient NICHTS ueber die absolute Armut aus, sondern nur uber den Unterschied zwischen oben und unten. Steigt der Wohlstand unten um das doppelte, der oben um das vierfache, erhoeht sich die ‘Ungleichheit’ obwohl es allen besser geht.

  11. Sky

    “BtW. seit Platzen der New-Economy-Blase ist allerdings die Zahl der Dienstporschefahrer fast gegen Null gesunken.”

    LOL, mir fallen da auf die Schnelle zwei Deutsche ein.
    Aber – nimms mir bitte nicht übel – wieder mal ein Beitrag Deinerseits, der nur Linke interessieren dürfte.
    Und zum Buzzword New Economy fällt mir auch nur Web 2.0 ein, LOL.
    Ohren steif halten!

  12. Ben Czerny

    Das Neidargument mal wieder.
    Ein polemischer Reflex.

    Kommt davon, wenn man als Liberaler seinen Rawls nicht gelesen hat..

    Das ist doch unter eurem Niveau!

  13. jo@chim

    Aha. Und was sagt dann der Rawls zur Notwendigkeit von Reichtumsberichten? Erklär ihn mir mal.

  14. Ben Czerny

    “Und was sagt dann der Rawls zur Notwendigkeit von Reichtumsberichten?”

    Nichts. Ich bezog mich auf den Beitrag von Sky, der meinem vorausging.

    Wieso Bürger nicht über die Einkommensverteilung in Form anonymisierter Statistik informiert sein dürfen, verstehe ich nicht.

  15. Holger

    60 Prozent des Medians des Nettoäquivalenzeinkommens definieren meist die “Armutsgefährdung”. Die richtige Armut fängt erst bei 50 Prozent an. Eine verbindliche Definition gibt es aber nicht, das kann sich jeder nach gusto selbst basteln.

  16. Sky

    Vor allem ist das Wort “Armut” falsch gewählt und eine Beleidigung für wirklich Arme in anderen Ländern.
    Wie joatchim schon richtig angedeutet hat, geht es bei “rel. Armut” um den Erhalt des soz. Objekts, das für Neiddebatten und Wählerbindung geeignet ist.
    Eine unschöne Sache, ich werde aber nicht so arm sein diese Sache weiter zu kommentieren. Bin reich an Freunden und muss jetzt weg, cheers!

  17. Sky

    @Ben:
    “Wieso Bürger nicht über die Einkommensverteilung in Form anonymisierter Statistik informiert sein dürfen, verstehe ich nicht.”

    Besser wäre dennoch – wie bei den Managergehältern bspw. – wenn die Informationen auf das einzelne Individuum heruntergebrochen werde würde. Sonst müssten die Neiddebatten zu abstrakt gehalten werden. Die Bezüge der Kunstschaffenden und Entertainer gehen mir auch ganz massiv auf den Sack.

  18. che2001

    @sky: “Aber – nimms mir bitte nicht übel – wieder mal ein Beitrag Deinerseits, der nur Linke interessieren dürfte.” — Das heißt also, alle New-Economy-Konjunkturritter, die früher mal Dienstporsche fuhren und das heute nicht mehr können stehen politisch links?

    *staun*

  19. che2001

    … und was heißt hier Buzzword. Ich habe mal zu den Tonträgern des Hypes gehört, und unser Motto lautete: “Found a Company, bring it up, sell it and run away!”. So wirtschaftsfern, wie man mich aufgrund meiner Gesinnung halten mag bin ich nun nicht.

  20. Michael Kastner

    Die falschen Anreize, die durch billiges Geld geschaffen werden, können jeden treffen.

    Sog. get-rich-quick-schemes sind ein typisches Beispiel für monetär induzierte Booms.

    > So wirtschaftsfern, wie man mich aufgrund meiner
    > Gesinnung halten mag bin ich nun nicht.

    Doch, genau dieses Verhalten ist ziemlich wirtschaftsfern. Es zeigt, daß Du genauso auf Anreize reagierst wie jeder andere.

    Jemand, der etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen versteht, springt nicht auf breite wirtschaftliche Booms auf.

    Hit and run ist eine Glücksspielermentalität. Mit Kapitalismus, also dem Aufbau eines Kapitalstocks, hat das nichts zu tun.

    Du bist nicht der einzige Linke, der sich auf die Boom-Nummer eingelassen hat. Ich hoffe mal, Du hast nicht allzuviel Geld verloren.

    Ich kenne einige Linke, die gemeint habe, jetzt auch auf den Zug mit dem schnellen Geld aufspringen zu müssen und die auch glaubten, das wäre die Gelegenheit, das _System_ mit den eigenen Mitteln zu schlagen.

    Unternehmer bzw. Kapitalist zu sein, ist aber etwas ganz anderes. Es bedeutet, das anzubieten, was die Nachfrage tatsächlich möchte und nicht das anzubieten, was gerade mal aufgrund einer Geldlaune der Zentralbank am Markt angeboten wird.

    Fast jeder hat zu dot-com-Zeiten plötzlich mit irgendwelchen pseudowirtschaftlichen Phrasen um sich geworfen.

    Plötzlich hat fast jeder “Deals” gemacht – mit wenigen Ausnahmen! Wirtschaftsnah, so wie Du das nennst, war das nicht.

    Es war nur ein Aufspringen auf einen Boom, der dann ziemlich schnell auch wieder geplatzt ist.

    Wirtschaftsnah wäre gewesen, sich zu überlegen, was man macht, wenn der Boom vorbei ist.

  21. Lina

    Wie kam’s? Wie findet so ein Runaway ins konträr gegenüber liegende Lager? Was ist da passiert? Muss ja direkt von weltbewegender Bedeutung gewesen sein. Cuba besucht ;-)?

    (Sorry, wenn ich so indiskret frage! Unter uns: bin möglicherweise auch dem Trip, lege dabei aber interessante Zwischenstopps ein…)

  22. che2001

    So richtig diese Überlegungen im Grundsatz sind, meine Rolle war noch einmal eine Andere. @”Jemand, der etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen versteht, springt nicht auf breite wirtschaftliche Booms auf.

    Hit and run ist eine Glücksspielermentalität. Mit Kapitalismus, also dem Aufbau eines Kapitalstocks, hat das nichts zu tun.

    Du bist nicht der einzige Linke, der sich auf die Boom-Nummer eingelassen hat. Ich hoffe mal, Du hast nicht allzuviel Geld verloren.” — Ich war schlicht ein angestellter PR-Mensch eines geldverbrennenden Unternehmens, der auf den Job angewiesen war. Später habe ich auf dotcomtod bzw. boocompany jahrelang die Fehler dieses Zockertums – “wirtschaften” würde ich es nicht nennen – beißend gegeißelt und einige betrügerische Machenschaften mitaufgedeckt. Aktive Reue, sozusagen ;-)

  23. che2001

    Ich bin eigentlich autonomes Urgestein und war ansonsten mit 4
    auf meiner ersten Demo (Vietnam). In der New Economy landete ich, weil man ja irgendwie sein Geld verdienen muss und zu diesem Zeitpunkt die einzige Alternative Sozialhilfe geheißen hätte. Und so fragwürdig das Konzept der
    Firma war, die Leute waren rein mitmenschlich sehr in Ordnung – auch später
    niemals wieder ein so gutes Betriebsklima erlebt. Ansonsten habe ich beruflich schon alles Mögliche gemacht, vom Referenten einer NGO über den Enthüllungsjournalisten bis zum Werbetexter.

  24. Lina

    @ che08

    “…niemals wieder ein so gutes Betriebsklima erlebt.”

    Das gibt zu Denken ;-)!

  25. che2001

    Das war auch ne heiße Mischung: Leute im Kapuzenshirt mit Outdoorhose und Dr. Martens neben Versaceträgern, ein Chef, der zur Mitarbeitermotivation mal den Ferrari verlieh, Sprüche wie: “Software an den Bundesgrenzschutz zu verkaufen ist für die Gegenseite, das sollten wir bleiben lassen” und ein CEO, der bei eingetretener Insolvenz die einkommensschwächsten Mitarbeiter drei Monate lang aus seiner Privatschatulle bezahlt. Er war auch Jahre nach dem Ende der Firma noch mit Rat und Tat für seine Mitarbeiter da. Ich pflege nach einem knappen Jahrzehnt immer noch Kontakt zu den alten Kollegen. Und ansonsten war die New Economy genauso sehr eine in sich abgeschlossene Subkultur wie die linksradikale Szene, nur mit gänzlich anderen Inhalten.

  26. Lina

    Tja, so wie die als “unsinkbar” bezeichnete “Titanic” untergehen musste, so platzen auch Blasen, die sich “New Economy” nennen; man hätte vielleicht doch bei der guten alten Ökonomie bleiben sollen…

    Um dieses bunte Subkultur-Bläschen, von dem Du da sprichst, ist es aber direkt schade – auch insofern, als Gleichschaltung bei Dresscode und Image seither wieder schwer im Kommen sind ;-).

  27. che2001

    Ja, leider. IN der Agentur- und IT-Branche sind allerdings immer noch Reminiszenzen an die gewissen Freiheiten der New Economy erhalten.

  28. flawed

    Lügen mit Statistik auch beim Antibürokratieteam:

    Die relative Armutsdefinition bezieht sich nicht auf das mittlere (Nettoäquivalenz-)Einkommen, sondern auf dessen Median.

  29. Rayson

    Und das Gegenteil steht nochmal wo?

  30. flawed

    Im Artikel von

    “Gemeint ist jedoch nicht wirkliche Armut, sondern die sogenannte “relative Armut”, mithin jeder, der weniger als 60% des mittleren Einkommens verdient.”

  31. googlehupf

    Ich würde mal behaupten, dass das Wort “mittleres” sich auch durchaus auf den Median beziehen kann. Steht ja nichts von “arithmetisch mittleres” da.

  32. Sky

    Ich hab nur geschreiben, dass ich zwei Porschefahrer kennen, die im Webgeschäft sind. Das Platzen der “Blase” hat wohl eher die substanzloseren Unternehmen erwischt – wir erinnern uns, von 1995-2000 sprangen da etliche junge Leute rum mit dicker Fresse und mässiger Kompetenz und fast ohne Geschäftsmodell.

    Merkwürdig, dass Du einerseits webkompetent kommunizierst und mit Deiner Linksausrichtung doch sehr peinlich und rückständig bist.
    Moderner linker Stammtisch halt, aber nicht ohne Talent.
    Vielleicht ist es noch nicht zu spät mal langsam vernünftige Meinungen zu entwickeln?

  33. flawed

    Ich bin dagegen der Ansicht, dass das Wort “mittleres” sich immer auf den (arithmetischen) Mittelwert bezieht, wenn nichts anderes da steht.

    Im Wort “Mittelwert” steckt “mittel” drin, im Wort “Median” nicht.

    Zumindest, wenn man anderen Leuten Lügen mit Statistiken unterstellt, sollte man sich nicht damit herausreden wollen, mit “mittleres Einkommen” sei ein Median gemeint.

  34. Sky

    Richtig, der Median ist nicht das arithmetische Mittel. Hab ich aber auch nicht gewusst, dass die “Armuts”-Definition mit dem Median arbeitet, danke für den Hinweis.

    Hab noch mal kurz die geläufigen “Armuts”-Definitionen gescannt, die Wikipedia ist da auch recht lustig mit Formulierungen bzgl. der Metaphorik und mit den Anführungszeichen. Bemerkenswert auch die EU-Definition mit “arm<60% Medianeinkommen”.

    Der eigentliche Skandal (statt der joatchimschen Mangelleistung) aber natürlich, dass es keine Armut im Sinne des Wortes gibt in D, sondern nur Sozen, die das behaupten. Die Armutsdefinition und -diskussion in reichen Ländern wie D beleidigt die wirklich Armen in anderen Ländern.

  35. che2001

    Darüber, was peinlich und rückständig ist werden wir wohl keine Einigkeit erzielen können. Stammtisch wohl kaum, ich gehöre durchaus zu den Leuten, die Theorie in gedruckter Form produzieren. Und ich stehe keineswegs außerhalb des Wirtschaftslebens, im Gegenteil, ich berate Firmen.

  36. Ben Czerny

    Da komme ich nicht ganz mit. Kannst du das nochmal anders formulieren? Bin mir nicht sicher, wie du das meinst.

  37. Ben Czerny

    Es macht sich natürlich immer gut, in einer Diskussion altväterlich die eigene Position als die einzig reflektierte, objektive und progressive darzustellen. ;)

    Che passt also nicht in dein Weltbild. Hoffentlich ändert er sich schnell, damit bei dir wieder alles zusammenpasst. ;)

  38. Sky

    Ich kann mir schon denken welche Firmen, “soz. Unternehmungen” und/oder Künstler, auf jeden Fall gehts da um Marketing und Aussendarstellung und so.

    Einige Linke, die in Firmen sitzen, kenne ich auch, sind aber rar gesät (wenn man mal die oben genannten Ausnahmen berücksichtigt).

    Es mangelt jedenfalls am Verständnis und/oder an einer pos. Einstellung zur Marktwirtschaft.

  39. Sky

    Schon der Name irritiert, “Pinochet(yyyy)” wäre mir auch nicht willkommen.

  40. Ben Czerny

    Pinochet – “Links”?

    Wenigstens sind deine Beiträge überraschend und unterhaltsam.

  41. Sky

    Che vs. Pinochet, beides Mördernamen, oder?
    Auf Unterhaltsamkeit lege ich in der Tat einen gewissen Wert, da ja bekanntlich schon alles geschrieben worden ist (aber nicht von allen) ist es wichtig markant und unterhaltsam zu kommunizieren; gerade zu Zeiten des Internets.

  42. che2001

    Falsch, das sind Unternehmen in den Bereichen Computer- und Informationstechnologien, Finanzdienstleistungen und Architekturbüros. Es geht umMarketing und Außendarstellung, aber auch um Kostenminimierung.

    Verständnis für Marktwirtschaft habe ich jede Menge, muss ich doch selber Etats planen. Dass ich das System ablehne, von und in dem ich lebe ist auch klar. Und ich betrachte das alles mit gesundem Zynismus.

  43. che2001

    Wenn Du einmal auf mein Blog klickst liest Du, warum ich Che genannt werde. Man redet mich im richtigen Leben so an, es ist kein Nick, den ich mir gegeben hätte.

  44. Ben Czerny

    Verlinke das mal bitte. Ich find’s nicht.

  45. Ben Czerny

    Oder ist das etwa dein Foto?

  46. che2001

    Hier, bitte auch unter dem Eintrag von Stefanolix unter “Basisbanalitäten” weiterlesen

    http://che2001.blogger.de/stories/662611/

  47. Sky

    Also, wie gsagt, ich hatte mal eine chinesische Mitarbeiterin, die fand Adolf ganz gut, aber natürlich nur “als Mann”. Ein Kollege, der PDS gewählt hat Anfang des Jahrtausends fand es beim Bier ganz OK eine Bev.gruppe gezielt finanziell zu erleichtern (die Juden).
    Ich kenne dieses Niveau, bin ja recht erdig, die Aussage “Ich bin kein Bewunderer Che Guevaras” weiss ich einzuordnen.
    Ansonsten, schon ganz OK mehrschichtig und unauthentisch im Web zu kommunizieren, ich selbst habe bspw. die Stile “Modern Stammtisch”, “Aggro Sacharbeit”, “Der Autist” und “Der Schlaumeier” zur Perfektion gebracht (zumindest aus Sicht des letztgenannten Stils).
    Ich denke aber trotzdem, dass Du niveaumässig noch etwas ausbauen solltest, so kommts ein wenig mau herüber.

  48. Ben Czerny

    Danke.

    Meine Figuren waren auch immer CG. ;)

  49. Lina

    “…so kommts ein wenig mau herüber.”

    SCNR: So auch. Und zwar ziemlich mau, diese niveaumässig zur Perfektion gebrachte Stammtisch-Aggro-Sacharbeit in autistischer Schlaumeier-Manier.

    Mich jedenfalls haut um, was da einer anderen Leuten so erdig ins Stammbuch schreibt, ohne rot zu werden, ehrlich… !

  50. T. Albert

    Ja, so sind wir. Das ist klar wie Klossbrühe.
    Was uns am meisten Spass macht ist, uns als Chinesinnen zu verkleiden, um Hitler männlich zu finden. Juden um ihr Eigentum zu erleichtern, ist unsere tollste Spezialität: so sind wir linksradikalen “protektionistischen Monsieurs” (Bastiat) eben, alle ein bisschen Möllemann, Haider, Koch, Kanther.
    Das kann man hier klar erkennen.

  51. Ben Czerny

    Hmm, da gibt einer zu, dass er professionell trollt, weil er die Diskussionen anscheinend nicht mehr ernst nehmen kann und du nimmst ihn dann ernst, T. Albert? ;)

    Mann ist das Spiel schlecht. Zum Glück ist mir Fußball nicht so wichtig…

  52. T. Albert

    ach so! ich hab das nicht kapiert. jetzt seh ich das aber. Du hast recht! ich muss mich mal mehr beherrschen.
    schlechtes spiel, echt.

  53. che2001

    Und, nebenbei gesagt, was die hier verbratenen Klischees über Linke in der Wirtschaft angeht sind meine Erfahrungen auch andere. Mein Umfeld besteht zwar nicht nur und auch nicht überwiegend, aber doch zu einem größeren Teil aus Linken. Darunter sind gänzlich marktunkompatible Menschen, z.B. Lehrer, Wissenschaftler und Physiotherapeutinnen, aber auch UnternehmerInnen (darunter auch solche, die im Wortsinn auf dem Markt stehen). Was Letztere angeht, kalkulieren die nicht weniger hart, als liberale oder konservative Kapitalisten. Im Gegenteil: Besonders die Veteranen der Marxistischen Gruppe (MG) und des Kommunistischen Bundes (KB) sind im Allgemeinen besonders gewiefte Profitmacher, was wohl damit zusammenhängt, dass in diesen Gruppen “DaS Kapital” wirklich intensivst studiert wurde. Und ich kann mich auch noch daran erinnern, dass durch und durch konservative Unternehmer Kapitalkurse bei dem Trotzkisten Ernest Mandel besuchten, weil sie der Meinung waren, dass man ohne marxiistische Erklärungsmodelle die Funktionsweise des Kapitalismus nicht verstehen könne.

  54. che2001

    Dass ich professionell trolle habe ich nicht gesagt und würde ich vehement bestreiten. Das Che-Label gibt mir den Vorteil, anonym bloggen zu können, aber von denen, die mich im richtigen Leben kennen, doch identifiziert zu werden, weil die mich nun mal unter dem Spitznamen Che kennen.

  55. Rayson

    Ich muss mich nicht “herausreden”, denn ich habe es nicht geschrieben. Dennoch kann man das Median-Einkommen als “mittleres Einkommen” bezeichnen und tut es übrigens auch weitgehend so in allen Presse-Mitteilungen zu solchen Armuts- und Reichtumsstatistiken.

  56. Rayson

    Ich wüsste auch nicht, warum durch Rawls-Lektüre der Neid von der Welt verschwunden sein sollte.

    Es gibt doch zig Untersuchungen darüber, dass viele Menschen sich wohler fühlen, wenn ihr Nachbar nicht besser dasteht als sie selbst es tun.

  57. Lemmy Caution

    Es mangelt jedenfalls am Verständnis und/oder an einer pos. Einstellung zur Marktwirtschaft.

    Braucht man imnsho nicht.
    Für mich gehts darum kurz- und mittelfristige Bedürfnisse von Kunden und Lieferanten möglichst treffgenau einzuschätzen und dabei noch sozialkompatibel für die jeweilige location herüberzukommen.
    Da kann man doch auch mitmischen, wenn man sich eine andere Ordnung vorstellten kann. Ist doch letztlich positiv für die Marktwirtschaft und macht auch unsere Stärke über die letzten 200 Jahre aus, dass skeptische Stimmen immer zugelassen wurden.
    Halte Marktwirtschaft zwar weitgehend für die richtige Linie und kann mich tagelang über komische Heilige von Links – zu denen che nun sowas von gar nicht gehört – aufregen, aber in meinem konkreten IT-mässigen Berufsumfeld geh ich davon aus, dass Skeptizismus sehr produktiv sein kann, solange man sich an ihm abarbeitet und er nicht zur Attitüde verkommt.

  58. che2001

    Eben drum. Meinem Chef geht´s nur darum, dass ich im Jahr mehr erwirtschafte, als mein Job ihn kostet, was der Fall ist. Ideologische Pauschalzustimmung zum Kapitalismus als Solchem wird da nicht abverlangt, das ist schließlich eine Firma und keine Kirche oder Partei.

  59. Ben Czerny

    Ich meinte Sky, Che.
    Schönes Wochenende!

  60. Ben Czerny

    Rawls zeigt halt, dass man bei Verteilungsfragen ohne Neidkeule auskommen kann.

    “Ich wüsste auch nicht, warum durch Rawls-Lektüre der Neid von der Welt verschwunden sein sollte.”

    Das hab’ ich nicht behauptet. Wie kommst du denn darauf?

  61. che2001

    Habe ich inzwischen auch kapiert. Schöne Grüße, lieber Ben!

  62. Rayson

    Rawls zeigt halt, dass man bei Verteilungsfragen ohne Neidkeule auskommen kann.

    “Neidkeule”? Na ja. Für den Neider ist es natürlich praktisch, wenn es scheinbar eine philosophische Begründung für seinen Affekt gibt, aber das allein verleiht dem keine höheren Weihen. Bei den meisten Freunden der gepflegten Umverteilung lassen die begründenden Aussagen allerdings nicht auf gründliche Rawls-Lektüre schließen.

    Das hab’ ich nicht behauptet. Wie kommst du denn darauf?

    Ich habe nicht behauptet, dass du es behauptet hast. Ich würde nur gerne darauf hingewiesen haben, dass Neid ein reales Phänomen ist.

  63. Ben Czerny

    Der Knackpunkt ist – und das ist nun wirklich eine “Glaubensfrage”- dass die Wahl eines politischen und ökonomischen Systems bereits als grundlegende, erste Umverteilung angesehen werden kann. Oder zumindest als Verteilung irgend einer Art. So gesehen ist “Umverteilung” nicht unbedingt “Umverteilung” im herkömmlichen Sinne, sondern vielleicht vielmehr eine Art Kompensation.

    Ich sehe eine gewisse Beteiligung aller am “Kuchen” schon als Legitimität stiftend an. Warum sollten freie Individuen sonst auf ihr “Recht auf alles” verzichten und das Gewaltmonopol an den Staat übertragen?

    Rawls’ Argumentation mit “Schleier des NIchtwissens” und Urzustand ist zu stark, um einfach übergangen zu werden.

  64. Lina

    “Ich sehe eine gewisse Beteiligung aller am ‘Kuchen’ schon als Legitimität stiftend an. Warum sollten freie Individuen sonst auf ihr “Recht auf alles” verzichten und das Gewaltmonopol an den Staat übertragen?”

    Ja, warum dann? – Nehme ich den Kuchen als Weltkugel, dann fängt es doch schon damit an, dass ich mich (etwa beim Gang durch den Villenvorort ;-) fragen muss, wie es sein kann, wie es kommt und ob es Recht ist, dass einer ein Stück unvermehrbaren (ihm aber Mehrwert schaffenden) Grund (der Erde) besitzt und ein Anderer nicht. Wobei am Anfang nur die (unschuldige) Überlegung steht, aus der (schuldhaft?) Neid erwachsen kann.

    Neid und Neidkeule. Man wird ihnen so oder so, mit oder ohne Rawls, immer begegnen, wo relative Ungleichheit ist. Mit Neid betrachtet wird sie zu Unrecht, ohne ihn zur unbefriedigendenTatsache; aus ihr kommt der legitime Wunsch nach Umverteilung – IMHO.

    (Ich glaube nicht, dass es (politisch) liberal sein kann, gleichgültig über den Unruhe stiftenden Charakter diese Tatsache hinwegzusehen zu wollen.)

  65. Rayson

    Ich weiß nicht… Ich finde es nicht besonders “stark”, zur einen Fiktion eine zweite dazuzugesellen. There are no such things as social contracts, original positions or veils of ignorance.

    Nichtsdestotrotz ist die Beschäftigung mit Rawls intellektuell lohnend.

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