…bis auf weiteres jedenfalls. Wieso? Ich will ehrlich sein: Ich denke, daß die politische Blogosphäre nicht mehr besonders interessant ist, und natürlich muß ich, als Teil der politischen Blogosphäre, mir das auch anrechnen lassen.

Mein Überdruß hat eigentlich keine aktuelle Ursache, sondern ist allgemeiner Natur. Mehr oder weniger regelmäßig habe ich in den letzten vier Jahren versucht, hier im Internet politische und ökonomische Dinge zur Diskussion zu stellen. Mal mehr, mal weniger polemisch, mal in pädagogischer Absicht und manchmal auch, um einfach nur eine halbfertige Meinung, über die ich mir selbst nicht ganz sicher war, einem Härtetest auszusetzen.

Eine ganze Weile lang war das sehr interessant, wenn auch manchmal anstrengend. Aber ehrlich gesagt: Politische Themen ändern sich nicht wirklich, und so wiederholt sich vieles. Äußerungen in der Kommentarabteilung sind oft eher vorhersehbar als interessant, und aus der Perspektive des Lesers gilt das vielleicht auch für die Beiträge oberhalb der Kommentarabteilung. Dazu kommt, daß sich einige Positionen in letzter Zeit deutlich verhärtet haben. Manch einer, gerade unter unseren fundamentalistisch-libertären Lesern, möchte nicht diskutieren, sondern er möchte nur nochmal lesen, was er ohnehin schon ganz sicher zu wissen glaubt.

Ich denke allerdings, daß Blogs das allerschlechteste Medium sind, wenn man nur darauf aus ist, seine Meinung, die man schon hat, nochmals bestätigen zu lassen. Wer sowas will, der soll halt, je nach politischer Richtung, die FAZ oder die taz, die Süddeutsche oder die Junge Welt lesen, jeder findet irgendwo einen gedruckten Spiegel seiner eigenen Meinung, und der hat im Gegensatz zu Blogs auch noch den Vorteil, daß er keine Widerworte gibt. Politische Blogs wären eigentlich ein idealer Ort, um über ideologische Gräben hinweg reflektierte Diskussionen zu führen, in denen man sich nicht gleich an die Gurgel geht oder die Pest an den Hals wünscht. Leider, aus irgendwelchen Gründen, funktioniert das zu selten und mit zu wenigen Leuten.

Umso wichtiger, nochmal ausdrücklich denjenigen zu danken, mit denen es funktionierte — aber keine Angst, hier kommt jetzt keine Liste mit Namen, die angesprochenen wissen wer sie sind, und sie finden sich in vielen politischen Schubladen, von der radikalen Linken bis zu extremen Libertären. Nur, dummerweise kommen in jeder dieser Schubladen auf einen interessanten Diskutanten zehn andere mit Brett vorm Kopf, und genau das macht es so schwer.

Dieses Blog hier werde ich weiterhin mit jeder Menge Sympathie lesen und ich wünsche Achim und dem Rest der (ja immerhin auch gerade erst wieder verjüngten!) Mannschaft allen in der Blogosphäre denkbaren Erfolg, aber dazu, selbst virtuelle Diskussionen über Politik und Wirtschaft anzufeuern, fehlt mir inzwischen schlicht der nötige Antrieb — aus den oben genannten Gründen. Möglicherweise tauche ich in einem halben Jahr, oder in zwei oder drei Jahren hier wieder auf, das will ich nicht ausschließen, aber für den Moment war’s das.

Die Ramones trafen es damals am besten, als sie schlicht sagten: Adios, Amigos!