Ich bin dann mal weg
…bis auf weiteres jedenfalls. Wieso? Ich will ehrlich sein: Ich denke, daß die politische Blogosphäre nicht mehr besonders interessant ist, und natürlich muß ich, als Teil der politischen Blogosphäre, mir das auch anrechnen lassen.
Mein Überdruß hat eigentlich keine aktuelle Ursache, sondern ist allgemeiner Natur. Mehr oder weniger regelmäßig habe ich in den letzten vier Jahren versucht, hier im Internet politische und ökonomische Dinge zur Diskussion zu stellen. Mal mehr, mal weniger polemisch, mal in pädagogischer Absicht und manchmal auch, um einfach nur eine halbfertige Meinung, über die ich mir selbst nicht ganz sicher war, einem Härtetest auszusetzen.
Eine ganze Weile lang war das sehr interessant, wenn auch manchmal anstrengend. Aber ehrlich gesagt: Politische Themen ändern sich nicht wirklich, und so wiederholt sich vieles. Äußerungen in der Kommentarabteilung sind oft eher vorhersehbar als interessant, und aus der Perspektive des Lesers gilt das vielleicht auch für die Beiträge oberhalb der Kommentarabteilung. Dazu kommt, daß sich einige Positionen in letzter Zeit deutlich verhärtet haben. Manch einer, gerade unter unseren fundamentalistisch-libertären Lesern, möchte nicht diskutieren, sondern er möchte nur nochmal lesen, was er ohnehin schon ganz sicher zu wissen glaubt.
Ich denke allerdings, daß Blogs das allerschlechteste Medium sind, wenn man nur darauf aus ist, seine Meinung, die man schon hat, nochmals bestätigen zu lassen. Wer sowas will, der soll halt, je nach politischer Richtung, die FAZ oder die taz, die Süddeutsche oder die Junge Welt lesen, jeder findet irgendwo einen gedruckten Spiegel seiner eigenen Meinung, und der hat im Gegensatz zu Blogs auch noch den Vorteil, daß er keine Widerworte gibt. Politische Blogs wären eigentlich ein idealer Ort, um über ideologische Gräben hinweg reflektierte Diskussionen zu führen, in denen man sich nicht gleich an die Gurgel geht oder die Pest an den Hals wünscht. Leider, aus irgendwelchen Gründen, funktioniert das zu selten und mit zu wenigen Leuten.
Umso wichtiger, nochmal ausdrücklich denjenigen zu danken, mit denen es funktionierte — aber keine Angst, hier kommt jetzt keine Liste mit Namen, die angesprochenen wissen wer sie sind, und sie finden sich in vielen politischen Schubladen, von der radikalen Linken bis zu extremen Libertären. Nur, dummerweise kommen in jeder dieser Schubladen auf einen interessanten Diskutanten zehn andere mit Brett vorm Kopf, und genau das macht es so schwer.
Dieses Blog hier werde ich weiterhin mit jeder Menge Sympathie lesen und ich wünsche Achim und dem Rest der (ja immerhin auch gerade erst wieder verjüngten!) Mannschaft allen in der Blogosphäre denkbaren Erfolg, aber dazu, selbst virtuelle Diskussionen über Politik und Wirtschaft anzufeuern, fehlt mir inzwischen schlicht der nötige Antrieb — aus den oben genannten Gründen. Möglicherweise tauche ich in einem halben Jahr, oder in zwei oder drei Jahren hier wieder auf, das will ich nicht ausschließen, aber für den Moment war’s das.
Die Ramones trafen es damals am besten, als sie schlicht sagten: Adios, Amigos!













Damit bricht für mich eine Welt zusammen. Das Ende der Statler & Waldorf-Seite war für mich schon eine Katastrophe. Aber das hier ist noch schlimmer. Wo soll ich mir denn in Zukunft die Wirtschaft erklären lassen, mich für Diskussionen mit verbohrten Gutmenschen rüsten und mich über schlechten Musikgeschmack und verquere Ansichten darüber was gutes Automobildesign ausmacht ärgern?
Lieber Statler, die Beiträge im alten Forum und dann hier waren für mich der Rettungsring in einem Ozean aus dummen, feigen und langweiligen Mainstream-Journalismus und überzogenen, radikalen und oft ziemlich undifferenzierten Blogs.
Danke dafür, und alles Gute.
HZP
Das “Ade” gleich wieder mit ein paar despektierlichen Sidekicks für die Andersdenkenden. Da kann ich den Statler fast schon verstehen. Das macht müde und das Weiterkommen schwer.
Ein bloghistorischer Tag.
Wenn ich nicht wüsste, dass du Fan der englischen Mannschaft bist, ich würde es fast auf das gestrige Erlebnis zurückführen ;-)
Aber ernsthafter: Dein Rückzug löst bei mir zwei verschiedene Reaktionen aus.
Da ist zum einen seine Selbstverständlichkeit. Vernünftige Menschen haben auch ein Leben außerhalb der Blogosphäre, und es ist ihnen zu wünschen, dass dies unvergleich viel interessanter und abwechslungsreicher ist. Auch “unsere” Autorenliste wird sich wohl demnächst weiter verkleinern, aus z.T. ähnlichen Motiven.
Ich kann auch sehr gut dieses Gefühl von der “ewigen Wiederkehr des Gleichen” nachvollziehen. Alle die von dir genannten negativen Begleitumstände treffen zu, und ich kann zumindest mich auch nicht davon freisprechen, hier und da selbst dazu beigetragen zu haben. Aber es ist ja auch im echten Leben so, dass man sich diejenigen aussucht, mit denen man sich gerne streitet, und diejenigen meidet, mit denen das nicht so richtig klappt. Das Ignorieren klappt in der Blogosphäre aber weniger, bzw. man muss es als bewussten Akt praktizieren, als eine Art “aktives Ignorieren” (womit der Spruch “den ignorier i no net amal” seine Berechtigung bewiesen hätte).
Vielleicht ist ja auch meine Lust am Bloggen über Fußball so ein Symptom…
Wer aber so lange wie du (von Waldorf will ich gar nicht erst reden, der hat sich wohl heimlich verabschiedet) den “Leuchtturm” der liberalen Blogosphäre gegeben hat, der hat sich ganz bestimmt auch eine beliebig lange Pause davon verdient. Ich kann auch nicht wirklich behaupten, dass es für mich überraschend käme. Die Texte, oder zumindest ein Teil davon, bleiben uns aber erhalten, und das ist ein nicht geringer Trost.
Und damit komme ich zur zweiten Reaktion, und bei der handelt es sich natürlich um Wehmut. Es ist einem Verweis auf “Statler & Waldorf” bei dol2day zu verdanken, dass ich überhaupt die Blogs als politisches Kommunikationsmedium kennen gelernt habe. Was ich da regelmäßig gelesen habe, wäre bei dol stets ein neuer Höhepunkt inhaltlicher Tiefe gewesen (wie man auch sagen muss, dass man als dol-”Gestählter” viele Nachteile der Blogosphäre sehr gelassen sieht…). So bekam ich Lust, da etwas mitzumischen. Ich bin aber nie das Gefühl losgeworden, es bei “S&W” mit der “Mutter der liberalen Blogs” (ist sogar von mir, glaube ich) zu tun zu haben. Bis auf extrem wenige Ausnahmen habe ich alle deine Beiträge, auch in den Diskussionen, mit Genuss und Erkenntnisgewinn gelesen, und somit kommt zur Wehmut auch noch ein ganz dickes Dankeschön dazu.
Danke auch dafür, dass du so lange Türöffner warst für viele für mich neue Ideen. Danke auch dafür, dass du dich immer darum bemüht hast, Lagergrenzen einzureißen. Und danke auch dafür, dass du in der Hitze der Gefechte immer der Gelassene geblieben bist.
Ich werde deine Beiträge vermissen. Adios, Amigo!
»Ich bin dann mal weg« ist ein Buch von einem, der pilgern ging und dann wiederkam. Also bleibt Hoffnung ;-)
Ich möchte mich einfach noch hier einreihen und Raysons Worte
ganz dick unterstreichen. Alles Gute!
Wohl wahr, ein trauriger Tag der liberalen Blogosphäre!
Auch von mir herzlichen Dank und die besten Wünsche fürs echte Leben. Nach Raysons Worten bleibt mir nicht viel mehr als mich ihnen anzuschließen. Für mich persönlich war das Etikett “Statler”, das auf einem Text klebte, ob nun Beitrag oder Kommentar, immer ein Synonym für Seriösität, Fundiert- und, wie Rayson richtig schreibt: englisch anmutender Gelassenheit.
Danke also und Tschüß!
[...] Hier meine Übersicht über die Weblogs und Internetseiten, die ich heute mit Interesse oder Freude oder beidem gelesen habe. Außerdem erfährt der geneigte Leser, in welchen Kommentarbereichen ich die Klingen der Argumentation mit anderen besonders ausgiebig gekreuzt habe. —————————————————————————————————- Statlers Abschied: Die liberale Blogwelt verliert einen ihrer wichtigsten Vertreter (aber die Hoffnung auf Wiederkehr bleibt natürlich) (Link) [...]
Auch von mir vielen Dank für die anregenden, informativen, unterhaltsamen und durchdachten Beiträge der letzten Jahre!
Dann ziehe ich den Hut vor einem der undogmatischsten und dennoch konsequentesten Blogger.
Deine jüngsten Beiträge zum Thema Erbschaftssteuern waren ein Beleg dafür, dass du intellektuelle Redlichkeit über Ideologie stellst.
Leider scheint es sich im Netz mit einem geschlossenen Weltbild viel leichter zu argumentieren. Die meisten Leser haben den Aufwand deiner differenzierten Argumentationsweise sicher sehr geschätzt!
:-/
[...] Statler hat keinen Bock mehr. Sehr, sehr schade. Statler und Waldorf habe ich sehr lange sehr gern gelesen. Das war das erste deutschsprachige Blog, bei dem ich Dauerleser wurde. Angefangen hatte ich mit amerikanischen Blogs während des letzten Irakkriegs. Statler und Waldorf und Zettels Raum waren für mich sehr schnell die beiden Eckpfeiler der deutschen politischen Blogosphäre. Man musste bei weitem nicht immer zustimmen. Oft war ich völlig anderer Meinung. Aber es lohnte sich immer, die Beiträge zu lesen. Jetzt bleibt nur noch Zettel. Aber vielleicht kommt Statler ja irgendwann zurück. Oder es findet sich ein Nachfolger. Ein bisschen mehr politisches Denken als es für das Nachplappern von Parteipropaganda nötig ist, täte nicht nur Kleinbloggerdorf gut. Eine Atmosphäre des Nachdenkens, der Wirklichkeitsnähe und der höflichen Debatte ist die Basis jeder guten Politik, egal von welcher Partei sie jeweils ausgeht. [...]
[...] hört (vorläufig?) auf Schade: Statler hört (vorläufig?) mit dem Bloggen auf Dieser Eintrag wurde von Daniel Fallenstein am Mo, 30. Jun 2008 um 18:30 geschrieben, abgelegt [...]
Schade, schade…
Tja, mein aufrichtiges Bedauern. Ich hoffe, man list sich wenigstens noch in Kommentaren, und alles Gute
Ich bin aber nie das Gefühl losgeworden, es bei “S&W” mit der “Mutter der liberalen Blogs” … zu tun zu haben.
Dem kann ich eigentlich nichts hinzufügen. *Seufz*
Nicht gerade die schönste Nachricht wenn man bedenkt wie lange und häufig ich deine Artikel und Kommentare lesen durfte.
Aber ich denke nach einem solchen Vermächtnis für die liberale Blogsphäre hast du dir deine Rente redlich verdient.
Ich hoffe man wird ab und an noch ein Kommentar sehen - so ein Meckergreis kann ja eigentlich nicht für immer still bleiben. ;)
Die Entscheidung ist zu respektieren. Dennoch sehr schade, ich habe Deine Beiträge mit Gewinn gelesen.
Traurig, traurig! Ich kann mich nur den Worten von Califax weiter oben anschließen!
“Politische Blogs wären eigentlich ein idealer Ort, um über ideologische Gräben hinweg reflektierte Diskussionen zu führen, in denen man sich nicht gleich an die Gurgel geht oder die Pest an den Hals wünscht. Leider, aus irgendwelchen Gründen, funktioniert das zu selten und mit zu wenigen Leuten.”
Dann sollte man auch nicht so auf die Kacke hauen, dass es spritzt, wie bei S&W im Bundestagswahlkampf 2005. Dann habt ihr alle Kommentatoren (pro und contra) ziemlich gewähren lassen. Denjenigen, die auch nur einen Hauch Eurer Linie entsprachen, habt jede Freiheit gelassen der Gegenseite - auch wenn sie (mal) differenziert argumentierte - an die Gurgel zu gehen. Dass dann keine Diskussionkultur entsteht, ist für mich zwingend.
Ohne Deine Einschätzung zu werten: sollte man diese Ereignisse nicht im Kontext des Jahres 2005 sehen? — Bald ist wieder Wahl und dann können wir es alle besser machen ;-)
Niemand ist so gut wie sein Nachruf, auch dieser neoliberal-neokonservative Spießbürger mit einem unübersehbaren Hang zur Arroganz nicht!
Es gibt bestimmt irgendwann ein Wiedersehen (lesen). Alles Gute, bis dahin!
Wirklich schade, dass du aufhörst, auch wenn ich die Gründe dafür nur allzu gut nachvollziehen kann. Ich bin lange Jahre täglicher Leser von Statler & Waldorf und später vom A-Team gewesen - für mich ist und bleibt ersterer der beste politische Blog in Deutschland. Leider hast du nur allzu recht, was die Diskussionskultur in den Kommentaren angeht und das ist auch der Grund dafür, warum ich zwar viele Blogs lese aber so gut wie niemals irgendwo kommentiere.
Zum Abschluss: Vielen Dank für seitenweise interessante Denkanstöße und hochwertige Blogeinträge!
Schade! Alles Gute!
Aber tragt ihn nicht in einer Sänfte durch die Stadt! Wartet lieber mit der Heiligsprechung noch ein bisschen!
“Ich denke allerdings, daß Blogs das allerschlechteste Medium sind, wenn man nur darauf aus ist, seine Meinung, die man schon hat, nochmals bestätigen zu lassen.”
Merke: Eigentlich kann man nur mit Leuten diskutieren, die gleicher Meinung sind. Und trotzdem geben wir uns beharrlich der Illusion hin, dem sei nicht so.
“Politische Themen ändern sich nicht wirklich, und so wiederholt sich vieles.”
Eiderdaus! Und trotzdem verändert sich die Welt.
Merke II: Blogs sind keine politische Foren, sondern lediglich ein Plaisier des Schreibers. Das reicht.
Ergo: Wenn die Lust nachlässt, ist das völlig okay.
Das ist jetzt eindeutig der beste Kommentar zu dem ganzen Schlamassel.
Ein Plaisir, Ihre Korrekturen zu lesen, M.M.! E.M.Cioran sah eines übrigens genauso: “Man schreibt nicht, weil man etwas zu sagen hat, sondern weil man Lust hat, etwas zu sagen”.
Und um gleich noch einen Denker aufzufahren: “Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist”. Stammt von Goethe, und ich müsste lügen, wenn ich einige dieser eiligen Huldigungen & voreiligen Nachrufe nicht für höflich hielte ;-)…
(Sorry, Statler, aber auch das ist Teil der Prozedur Ihres durchaus sympathischen und überzeugenden Abgangs; ich bedaure ihn und empfehle, es sich nochmal zu überlegen.)
1.) Man kann nur mit Leuten diskutieren, die anderer Meinung sind, nichts ist dümmer als den ohnehin vorliegenden Konsens zu beleuchten, auch wenns ein bewährtes soz. Ritual zu sein scheint.
Von Interesse immer nur der Meinungsunterschied, der dann analysiert und reduziert werden darf.
2.) Blogs und andere Webmedien (insbes. auch E-Mail oder Newsgroups) sind höchst geeignet für Erörterungszwecke.
3.) Persönliche Langeweile ist ein guter Grund sein Engagement zurückzuschrauben.
4.) Aber kein sonderlich kommunikationswürdiger.
5.) Blogs sind durchaus als Foren zu verstehen, auch dieses kleine und leistungsstarke Blog hat bspw. eine Kommentarfunktion über die sich eigentlich blogfremde Meinungsleistungsträger zuschalten dürfen. Mehrwert entsteht nicht nur im Tausch von Dienst und Ware.
Nichts ist produktiver, als möglichst breiten Konsens zu schaffen und ihn in politische Willensbildung umzumünzen. Damit sich was ändert.
Eben. Und wenn es unterschiedlichstee Stand- und Ausgangspunkte sind, Hauptsache, sie lassen sich ergebnisorientiert diskutieren. (Ein IMHO denkwürdiges Beispiel war kürzlich bei B.L.O.G. nachzulesen: Titel “FAIRquer”, Ben Czerny und Rayson zu Kinderarbeit.)
Das hast Du schön gesagt Lina :-)
Das Traurige ist, dass Dogmatiker und Fundis jeglicher Coleur (ich schliesse da einige der Libertären, die hier mitdiskutieren ausdrücklich ein) bei Versuchen zur Konsensbildung allzuschnell Verrat an der reinen Lehre wittern:
Als wenn Kompromissfähigkeit etwas mit Ziellosigkeit zu tun hätte…
Als wenn die Erkenntnis, dass der virtuelle Gegenüber zwar möglicherweise irrt, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Hidden Agenda verfolgt, mangelnde Radikalität in der Analyse bedeuten würde…
Als wenn “das Antibürokratieteam” eine politische Organisation mit Willensbildung und allem Pipapo wäre, auf die es gälte Einfluss zu nehmen oder gegen die “Sanktionen verhängt” (Orginalzitat!) werden müssten…
How bizarre.
Und dann gibts natürlich noch die Trolle, Kreuzritter, Klassenkämpfer und Netzdeppen, auf deren Selbstdarstellungsdrang die im Vergleich zum klassischen Forum breitere Öffentlichkeit, in der die Diskussionen stattfinden, wie schlechter Speed wirkt…
Nein, ich glaube nach 3 1/2 Jahren Bloggen nicht mehr, dass politische Weblogs “ergebnisorientierte Diskussionen” befördern (wobei Ausnahmen wie immer die Regel bestätigen). Da sind Themen-Foren mit ihrer übersichtlicheren Thread-Struktur wesentlich besser geeignet, denke ich. Zur “Community-Bildung” oder einfach als “virtueller Stammtisch” können Blogs durch ihre höhere Vernetzung allerdings eine Menge leisten. Dons Rebellmarkt oder (das jetzt ohne politische Wertung) PI sind da Beispiele. Diese Communities können dann auch durchaus kampagnenfähig sein und in den medialen Mainstream hineinwirken. Auf der anderen Seite sehe ich Blogs wie USA erklärt, Liza oder auch Zettels Raum, die IMHO fast schon semi-professionell daherkommen - aber auf die Diskussionsfunktionen verzichten. Nicht zu deren inhaltlichen Schaden.
Ich träum’ ja (jenseits der gelegentlichen Statler’schen Hinschmeiss-Gefühle, unter denen auch ich leide) immer noch vom “liberalen Telepolis” als eierlegendem Wollmilchportal, mit einer wesentlich breiteren Autoren- und Themenbasis und Weblog(s) als Untermenge. Und auch anspruchsvolleren Texten, die über den Moment hinaus Bestand haben (bzw. auch über den Moment hinaus sichtbar sind). Dass ein solches Konzept durchaus auch den Troll in uns bedienen kann, zeigen die Heise-Grüfte ;-)
Guuut gesagt,
… auch vom Eierlegen und Ausbrüten und Schauen, was dabei herauskommt; und es kommt - egal was - immer *etwas* dabei heraus, wie ich (die noch nicht lange dabei dabei ist) erfreut feststelle; und wenn’s das Falsche ist ;-)
Gerade auch öffentlich gemachte und begründete Rückzugsabsichten (wie jetzt Statlers) bringen Vorstellungen an den Tag, wie es *auch* und wie es *besser* gehen könnte, weil mögliche Fehlerquellen - wie jetzt von Dir - ausdrücklich benannt werden; auch das ist ein Gewinn, finde ich.
.
Aber doch zu deren kommunikativem, finde ich - wobei Zettels kleines Zimmer immerhin einen Türspalt offen steht, ich persönlich aber (wie hier) die weit geöffnete Vordertür bevorzuge; diese Methode lädt ein und hält ab, wenn der Geruch nicht passt.
Der jüngste Hayek-Diskurs hat *hier* stattgefunden und hat am Ende dem jeweiligen Lagerdenken einen Denkzettel verpassen können; ist das vielleicht nix? Mir jedenfalls hat das schon mal ein “Wollmilchportal” aufscheinen lassen ;-)…
Ich tät mich auch gerne als Kommentatorenhengst zurückziehen und das öffentlich kundtun, aber das Niveau hier in diesem Blog ist mir im Moment dazu noch zu ansprechend. (Allerdings steige ich auf hayekistische Diskussionszweige eher nicht auf. ;)
Noch zu ansprechend, sagst Du?
Stammt nicht von Hayek, sondern von Kafka. Steigst Du da eher auf? Ansonsten gäb’s noch so Pferdeflüsterer, die therapeutisch allerhand drauf haben sollen ;-)…
Das Bloggen ist eine ganz beachtliche Demokratieerweiterung und ein journaliistisches Angebot, meist ein gutes. Da müsst Ihr Eure Wirkung nicht unterschätzen.
Zettel diskutiert übrigens in einem geschlossenen Bereich, dort auch eher mit sich selbst und scharf moderierend, LOL. Liza reagiert auf E-Mails.
Nach Selbstgesprächen sieht mir das dort nicht aus, und die Moderation hab ich bisher nicht scharf erlebt. Hält aber das Gesprächsklima freundlich und angenehm.
Zettel ist aus meiner Sicht ein zu kurz gekommener Altlinker, der nach einer Enttäuschung ins antilinke Lager gewechselt ist und dominant seine Meinung verkündet. Ich habe selbst bei diesem Zettel dbzgl. Erfahrungen gemacht, ist ein Spiesser,
Mensch hör doch auf, hier ad hominem rumzuprollen. Wenn Du ein Problem mit Zettel hast, schick ihm Drohmails, eröffne ein Watchblog oder steck Spicker in Deine Zettel-Puppe. Aber verschone mich bitte hier damit. Herzlichen Dank!
Du kennst Zettel doch gar nicht bzw. hast dort sehr wenig gelesen, sonst würdest Du doch wissen, dass es auch dort ein Forum gibt.
Und prollen tust nur Du, ich berichte.
Merkst du nicht, wie wurscht das ist, ob Zettels Forum kennt oder nicht? Er (und eigentlich auch so gut wie jeder) will hier einfach keinen ad-personam-Mist lesen.
Na gut, dann vergiss Zettel und merke Dir, dass ich joatchim korrigiert habe. :)
Wie verkündet man denn dominant seine Meinung? Etwa dadurch, daß man seine Meinung auch bei Widerspruch höflich vertritt? :-)
Mag sein, daß er heimlich ein alter Spießer ist. Seine Argumentation läuft aber üblichweise eher darauf hinaus, daß man sich ins Leben anderer Menschen nicht einmischen sollte.
Nicht sehr spießig irgendwie. ;-)
Daß er den Tonfall im Forum auf einem gewissen Niveau hält, rechne ich ihm allerdings so hoch an, daß ich dort schon fast zuhause bin.
Ist aber egal. Wenn Sie irgendeinen Strauß mit ihm auszufechten haben, machen Sie es mit ihm selbst.
Ich klinke mich jetzt aus. ;-)
Hier schon mal hippe “Comment Policy” gelesen? Sie passt zu Deinem Zettel-Statement wie die Faust auf’s Auge - die er Dir nun extra verpasst hat.
Mann, Sky, Kommentatorenhengst, straff`Dir doch die Zügel; ist doch schade, dass Du sie so durchhängen lässt ;-).
Die Policy beschreibt, dass das gegenseitige Abarbeiten von zwei oder mehreren Personen nicht gewünscht ist. Dass bekannte Figuren der Zeitgeschichte oder auch kleine Blogger nicht bearbeitet werden sollen steht da nicht.
(Und bekanntlich ist Old Sky bilateral ein eher mässigendes Element. :)
Auch ich als ausschließlich passiver Konsument der Blogosphäre mit 2 oder 3 Blogkommentaren innerhalb von 5 Jahren finde diesen Abgang sehr schade, vor allem weil ich die (Un)Angewohnheit habe, Menschen nach Ihrem Musikgeschmack zu beurteilen. Da fällt so mancher “unliebsame” Blogeintrag nicht so sehr ins Gewicht ;-)
Nachvollziehbar - ich habe auch immer das Gefühl, das selbe zu lesen - und trotzdem sehr schade! S&W war mit der erste Blog den ich gelesen habe und es war sehr bereichernd.
Komisch.
Soviel Leistung.
Doch wir sind Zeuge eines jähen (?) Abgang.
Gestern war Bloggen noch hip. Gestern. Schon heute ist es lästig…
Statler - alles Gute und von meiner Seite ein dickes Danke für jahrelange Inspiration.
Ich glaub, wenn’s mal eines Tages eine anarchistische Tages(!)zeitung gibt, die mir meine Meinung bestätigt, dann hör ich auch auf mit der Bloggerei…
Ansonsten mal ganz ketzerisch gefragt: Worin soll eigentlich der Vorteil darin bestehen, sich immer wieder einfältige “Meinungen” anzutun, die nichts weiter bezeugen, als dass deren Autor noch einen verdammt weiten Weg bis hin zu einer halbwegs realistischen Ein- und Weltsicht zu gehen hat? Ich mein, das bringt mich persönlich doch nicht weiter, ich kann daraus nichts lernen und Spass macht es sowieso nicht. Niemand würde ernsthaft behaupten, man würde irgendwie schlauer oder irgendwelche neuen Aspekte kennenlernen, wenn man immer wieder den Grundkurs Mathe (11. Klasse) besucht oder sich mit Leuten (zu diesem Thema) unterhält, die das dort zu Erlernende nicht kapiert haben. Aber bei politischen Themen, da muss man immer “offen zu allen Seiten” sein, und “über ideologische Gräben hinweg diskussionsbereit”, weil ansonsten ist man ja vernagelt mit einem Brett vorm Kopf, als Libertärer natürlich sowieso.
Sorry, aber wenn man sich selbst nicht ziemlich sicher ist dass man recht hat, sollte man sich am besten überhaupt nicht äußern (frei nach Dieter Nuhr) - warum sollte sich ein Leser mit einer Position auseinandersetzen, die selbst deren Proponent nur halbherzig vertritt.
Da hast Du Dein Verständnis von politischer Debatte aber schön in Holz geschnitzt, drchaos :-)
“…warum sollte sich ein Leser mit einer Position auseinandersetzen, die selbst deren Proponent nur halbherzig vertritt.”
Tja, gute Frage, Du definierst so zu sagen eine Kernschwäche der deutschen Diskussionskultur. Nichtauthentizität oder das Pflegen von Meinungen für Diskussionszwecke (wie Statler das wohl gelegentlich gemacht hat) sind doch erfreulich und wichtig für den aufgeklärten Diskussionsbetrieb.
Der Deutsche sieht das tendentiell nicht so, hier liegt wohl ein gruppenbezogener Charakterfehler vor. :)
“[...] Du definierst so zu sagen eine Kernschwäche der deutschen Diskussionskultur [...]”
Ist Statler kein Deutscher oder ist nur die EM-Depression noch nicht ganz verflogen? Oder ist Herr Sky kein Deutscher oder möchte nicht als solcher gesehen werden? Haben Polen dieses Problem nicht und wenn nein, wieso nicht? Was würde passieren, wenn man die deutschen Grenzen wieder nach Osten rücken würde, würde das Problem folgen?
Fragen über Fragen. Es gibt genügend Gründe zum Bloggen. Und jede Wette: Bis dato wurden noch nicht die Hälfte aller möglichen Wortkombinationen kombiniert.
Findest Du nicht, dass in D immer wieder Authentizität verlangt wird und das experimentelle Fragestellen als nicht voll betrachtet und abgewertet wird? Haben wir nicht darum auch eine gewisse Einförmigkeit bei den pol. Entscheidern und denen, die Macht ausüben wollen? - Dahin ging zumindest meine Bemerkung, Deine Frage möchte ich nicht im Detail beantworten, Du magst die Antwort vllt erahnen. :)
Hey, und zu den Wortkombis: “Es wurde bereits alles gesagt, aber nicht von jedem.” gilt für mich nicht, LOL.
Die pol. Entscheider kamen nicht durch höhere Formen der Hinterfragung in ihre Positionen, sondern durch Machtinstinkt.
Die Methoden im Blog werden von ihren Betreibern vorgelebt und “kultiviert”. Falls es Landstriche gibt, die wesentlich andere Diskussions-/Problemlösungsstrategien benutzen, so gab es auch für die einst einen Kristallisationspunkt und ein günstiges Wachstumsmedium. Falls untergäriges Bier dieses Medium zerstört, wissen wir jetzt wenigstens woran’s liegt.
Unterschreib jedes Wort von Dr. Chaos!
Es ist ja nicht so, als ob Rothbard nicht gelebt hätte! Der untaugliche Versuch, so zu tun, als sei das Konstrukt “Staat” nicht ein für alle mal schlüssig und stringent widerlegt und stattdessen wieder beim liberalen Minimalstaat und beim liberalen Konstitutionalismus ansetzen zu wollen ist so wie wenn einer versucht, die Zahnpasta in die Tube zurückdrücken zu wollen.
“trial and error” ist ja schön und gut aber damit ist doch nicht gemeint immer wieder denselben Versuch mit demselben Irrtum! Immer wieder den Film zurückspulen in der Hoffnung, daß er diesmal am Ende anders ausgeht.
Dr. House sagt es auch: Wer sowieso Recht hat, braucht sich nicht auf Diskussionen einlassen. Recht hat der Mann!
Und da das Entsetzen der Mitleserschaft jetzt noch nicht groß genug ist, setze ich gerne noch einen drauf: Ich glaube ausdrücklich NICHT, daß der Libertarismus immer hübsch artig Pfötchen geben sollte! Er sollte beißen! Der Libertarismus leidet nicht an einem Mangel an Toleranz sondern an einem Mangel an Durchsetzungsfähigkeit. Angesichts des tägliche steigenden Faschismus-Pegels ist schon lange eine andere Gangart vonnöten!