Das Klischee vom dummen, fanatischen Bush ist den Deutschen lieb und teuer geworden, weil es ex negativo eine trügerische Identität stiftete. Jeder mittelmäßige Kabarettist kann sich johlenden Beifalls sicher sein, wenn er darüber eine Zote reißt, und fühlt sich für einen Moment als Teil der weit überlegenen Kultur eines durch und durch aufgeklärten „alten Europas“. Vergessen sind dann für den Augenblick der Pisa-Schock, der Zustand der eigenen Eliten und die mangelnde Fähigkeit großer Teile der deutschen Gesellschaft, Zwänge und Chancen der Globalisierung zu begreifen.

Das Bush-Bashing wirkte wie eine Droge, die es erleichterte, sich in eigenem Realitätsverlust und Provinzialismus einzurichten. Mit dem neuen US-Präsidenten, wer es auch sein mag, werden es die Deutschen damit so leicht nicht haben. Sie werden ihr liebstes Feindbild deshalb noch arg vermissen.

Schönes Zitat* aus einem lesenswerten Text von Richard Herzinger in der WELT: Mit Bush verlieren die Deutschen ihr Feindbild. In der Tat, das wird bestimmt spannend mitanzusehen, wenn linke und liberale Obama-Cheergirls ab November sukzessive bemerken werden, dass Barack „auch bloss ein Ami“ ist :-)

(*erst jetzt entdeckt via the story so far…, dem immer wieder interessanten Reisetagebuch eines Bambergers in Vietnam)