Seit geraumer Zeit klopfen neben den Betriebsprüfern der Finanzämter noch solche der Rentenversicherer an die Unternehmenstür: Abgesandte EURES ach so sozialen Staates, die mal nachsehen, ob sie freiberufliche „Künstler und Publizisten“ beauftragt oder beschäftigt haben, ohne Abgaben an die Künstlersozialkasse zu leisten. Haben sie das nämlich nicht, …
… und waren oder sind der oder die Auftragnehmer Künstler oder Publizisten im Sinne der Definition der KSK (dank der schwammigen Zusatzdefinition „… und sonstige“ also ALLE Freiberufler, die jetzt nicht gerade Anwalt, Steuerberater, Arzt oder Architekt sind), so haben sie rückwirkend (!) bis 1991 Rückzahlungen an dieselbe inklusive etwaiger Bußgelder zu zahlen. So ein noch junges Gesetz aus 2006.

Warum? Der KSK muss es wohl nass reingehen; aus meinem näheren Umfeld sind mir aktuell zwei heftige ( = übelst kostenträchtige) Fälle zu Ohren gekommen – und ich erst aufmerksam – als da wären: Der Klassiker, ein schluckarmer Web-Bastelgrafiktexter strickt und pflegt die Mittelständler-Website über eine längere Zeit , und hält sich damit über Wasser, ein anderes Mal geht es um ein Unternehmen, das seine Gäste auf einer Abendveranstaltung mit der Vorstellung eines Berufszauberers unterhalten hatte. Letzter Fall inzwischen vor Gericht.

Das „Beste“ dabei: Erstens dürfte den vielen JunX und MädelZ da draußen, die seit Abgang der sog. DotCom-Ära notgedrungen vor allem in den Städten freiberuflich kämpfen – zahllosen Werber, freien Journalisten und Textern, PR-Leuten, Grafikern, Fotografen, Sprechern, Filmemachern, Dekorateuren und vor allem: Webdesignern inkl. der vielen Hausfrauen, die mit ihren Homepage-Baukästen gewerblich unterwegs sind – die neue gesetzliche Bestimmung und, fataler, ihren Auftraggebern (zumeist KMU, die sich angestellte Kreative oft nicht leisten oder wollen) völlig unbekannt sein. Wie mir bis heute morgen.

Zweitens: Es spielt keine Rolle, ob der/die Freiberuflerin selbst Mitglied in der KSK ist oder nicht. Der Auftraggeber hat die Abgabe zu leisten. Für mich eine Dreistigkeit, die kaum zu überbieten ist; der nicht bei der KSK Versicherte Freie preist in der Regel seine eigenen Vorsorgekosten (Krankheit, Rente, Alter usw) ein. Der Auftraggeber wird am Ende also doppelt belastet.

Es ist zum Kotzen, tut mir leid, ich kann es nicht anders sagen: „Unsere“ Politiker des Zwangsumverteil-Staates haben’s mal wieder – hoppla! wer hätte das gedacht! – falsch eingeschätzt: Es gibt deutlikch mehr KSK-Versicherte als ‚geplant‘, schwupps musste das Gesetz her, mit dem man mal eben per Schnüffelstaat die Kohle reinholt. Und wir sprechen hier nicht über Peanuts.

Inzwischen geben sich bei noch halbwegs gutgehenden deutschen Mittelstandsunternehmen (und die sollen angeblich das so gelobte „Rückgrat“ der deutschen Wirtschaft darstellen) Betriebsprüfer, Zoll, Polizei, GEZler und jüngst eben Rentenprüfer Klinke und Kaffeetasse in die Hand, während die laufenden Kosten für Anwälte, Steuerberater und der täglichen exogenen Betriebs-Bürokratie stetig steigen.

Vor geraumer Zeit wollte ich als frischgebackener PR-Berater auch mal in die KSK; sie hätten mich abgelehnt, da kein „Künstler und Publizist“. Zum Glück hatte ich damals keinen Antrag gestellt, ich könnte nicht wieder raus! Der Spieß ist ohnehin umgedreht: Der PR-Berater ist jetzt als „Wortkünstler“ gelistet, wenn es um die Taxierung der Auftraggeber geht.

Also, Webdesigner, Grafiker, Texter: Warnt Eure Auftraggeber!

(weiterführende Informationen siehe hier: KSKontra.de)