Sehnsucht nach den starken Opfern. Ein starkes Essay von Richard Herzinger in der Welt über die Wurzeln des 68’er Antifaschismus und dessen Wende in einen sich allzuoft antisemitischer Stereotypen bedienenden aggressiven „Antizionismus“:

Doch auch, wenn ihr idealistischer Rigorismus, der sie in die Affinität zum Totalitarismus brachte, in schlechter deutscher Tradition steht – die Erklärung, die Rebellen von 1968 hätten den von ihnen bekämpften nationalsozialistischen Ungeist schlicht reproduziert, reicht so wenig aus wie die, der „Antifaschismus“ habe ihnen nur als Vorwand für die Propagierung von Welterlösungsfantasien gedient.

Lesenswert ist Herzingers Diskussionsbeitrag gerade auch deshalb, weil er differenziert urteilt und sich weder am – leider auch im liberalen Umfeld anzutreffenden – pauschalen „68er-Bashing“ beteiligt noch an wohlfeiler Mythenbildung im Dienste der bei der Macht angekommenen Aktivisten.