Züchtungen
Man kommt ja an den Spielen nicht vorbei. Wenn man sich wie ich mit Tagesschau- und Durchzäpphäppchen begnügt, fallen einem so wesentliche Dinge wie der Körperbau dieser Randsportathleten auf.
Und man staunt, wie es der Wissenschaft heutzutage gelingt, für jede Sportart spezifische Züchtungen zu schaffen. Zum Beispiel diese Schwimmer: stömungsgünstiger kleiner Arsch und weiter oben soooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo breite Schultern. Herr Phelps, eine besonders erfolgreiche Züchtung, wird täglich mit sage und schreibe 12′000 Kalorien gefüttert.
Oder diese niedlichen chinesischen Turnerinnen, die uns der Kommentator als “Frauen” verkauft, dabei sieht sogar ein Einäugiger, dass es sich um fehlernährte Kinder handelt. In den letzten Jahren mit Blick auf Olympia weichgeknetet und gedrillt, wie wir schon längst erfahren haben. Eine soll erst 13 sein und deshalb haben die Chinesen gegenwärtig ein Problem mehr.
Von den Beachvolleyballerinnen haben wir’s schon gehabt. Da gibt’s nichts zu mäkeln. Die sehen lediglich überdurchschnittlich normal aus und haben einen frauenfühligen Präsidenten.
Hingegen die 100-Meter-Läufer – die Liste der Dopingfälle ist fast so lang wie die Liste der Sieger – oder die landschaftsstrichigen MarathonläuferInnen, die schmalbrüstigen Luftgewehrschützen (Luftgewehre!!! – wie bescheuert muss man sein, einen solchen Sport auszuüben?) – ob laufen, springen, radeln oder schiessen – jedem Sport ein Körper nach Mass.
Nun ist ja klar, dass wer täglich schwimmt mit der Zeit einen etwas anders geformten Körper sein eigen nennen darf, als unsereiner vor der Glotze auf der Couch.
Aber im Ernst – wer will schon so aussehen, wie dieser Franzose, der heute gewonnen hat, “der noch vor wenigen Jahren eher schmächtig gewesen war”. Da haben ein paar Doktores ganze Arbeit geleistet.
Der Lichtblick zwischen den Regengüssen: Herr Federer. Der sieht irgendwie normal aus, halt wie einer aus Wollerau und wirkt deshalb wie von einem fremden Stern inmitten dieser Laborzüchtungen. Vielleicht hat er heute deswegen verloren. Herr Federer, ein Mensch.








Scharfe Sache, M.M.! Was Ihnen da von Basel aus auffällt, sieht von hier nicht anders aus. Nur gut, dass SIE es sagen! Und da der Fülle Ihrer Beobachtungen kaum etwas hinzuzufügen ist (ausser vielleicht der eigene Ekel) bleibt mir nur zu gestehen: Ich warte insgeheim darauf, dass wenigstens eine(r) von denen – platzt! Dass es eine(n) von den mechanisch & chemisch Aufgeblasenen zerreisst, um genauer zu sein; oder in der olympischen Weltsprache Englisch gesagt: that he/she will go to pieces…
(Über die Chemie der Mimik beim Gewinnen oder Verlieren: kommt da noch was? Das wär’ nämlich nochmal ein Kapitel für sich…)
Herr Federer ist auch noch zufällig der beste Tennisspieler aller Zeiten. Und Schweizer.
Abwarten. Nadal ist auch nicht von schlechten Eltern und hat Federer schon paarmal besiegt!
Phänotpisch interessant waren ja auch die Scnellfeuerpistolenschützen, zumindest die drei, die am Schluss geschossen und ihre Medallien verballert haben. Alle mit einer (offenbar in harter Trinkarbeit angezüchteten) ordentlichen Plautze. Der tiefer gelegte Schwerpunkt führt wahrscheinlch zu einer ruhigeren Hand und einem besseren Drehmoment.
(Was ist eigentlich am Luftgewehrschießen erwähnenswert absurder als an anderen Schießsportarten?)
Ach, Herr Messmer, nur weil die Schweiz an Sportlern nichts zu bieten hat (abgesehen von einigen Ausnahmeerscheinungen wie dem Herrn Federer, der aber den Zenith seiner Leistungsfähigkeit auch schon überschritten hat), muss man doch nicht alles schlecht reden…
…die chinesischen “Ausbildungsmethoden” scheinen sich halt auszuzahlen, damit muss man leben. Das ist der Preis, den jedes Land zu zahlen hat, in dem Sportler Entscheidungsfreiheit genießen…
P.S.: Weil’s mir schon länger auf den Wecker geht und hier ganz gut reinpasst:
Was zum Teufel ist eigentlich der “Medaillenspiegel”? Also mal abgesehen davon, dass sich darin wohl die peinlichste aller Formen von Nationalismus äußert…
…Nationen ereifern sich über die (letzendlich leistungsmäßig nicht aufsummierbare) Summe an Medaillen, und wer am Ende die höchste Medaillensumme hat, ist Weltmeister??
…entweder hab ich das Prinzip nicht kapiert, oder es ist wirklich nur noch idiotisch…
Die “peinlichste Form von Nationalismus”? Aber, aber. Wird doch auch beim sog. völkerverbindenden Fussball trainiert. One ball, one world, von wegen…
Und übrigens: Ein Spiegel spiegelt … da kann man nichts machen;-).
Hmja, die “Ausbildungsmethoden” der Schwimmer sind möglicherweise auf neue ungetestete Herzmedikamente zurückzuführen. Der letzte große Leistungssprung bei den Schwimmern war 1976, wegen Dopings, ich weiss aber nicht genau was, könnten Anabolika gewesen sein.
Dass ein relativistischer Internationalist Probleme mit dem Medaillenspiegel hat überrascht nicht.
Die Kritik am Medaillenspiegel basiert vor allem darauf, dass hier Äpfel mit Birnen verglichen werden:
- Ein Schwimmer kann an zahlreichen Wettbewerben teilnehmen; und wenn er in Topform ist (oder die neueste Dopingforschung zur Verfügung hat, whatever), kann er alleine schon einige Goldmedaillen gewinnen. Siehe Phelps.
- Ein Handballteam, in dem jeder Sportler in Topform ist, kann maximal eine Goldmedaille gewinnen.
Wäre es da zur Maximierung der Medaillensumme nicht sinnvoll, nur noch mit Schwimmern, Läufern und Gewichthebern anzutreten und die Mannschaftssportler ggfs. den entsprechenden Disziplinen zuzuordnen?
Schließlich zählt am Ende des Tages doch nur die übliche Tabelle in den Nachrichten, und die Position der farblich hervorgehobenen Zeile “Deutschland:”.
Sicherlich ein Fall für einen Medaillenspiegelbeauftragten und die Jungs von der sozialen Gerechtigkeit.
Hoffentlich steht “Deutschland” am Schluss nicht zu weit oben.
Feiner Zynismus! Und Du – als Bohnenbeauftragter – was glaubst Du? Haben Bohnen Nationalbewusstsein? Sie wachsen (wie Menschen & Sportler) doch überall … ?
Zusatzfrage: ist es relativistisch, nicht national zu denken? Versteh’ das nicht ;)…
Q: Internationalistisch zu denken ist relativistisch, versteh ich nicht, häh?
A: Die Annahme, dass die Menschen, die in sozialen Strukturen zusammenarbeiten, primär einem übergeordneten Interesse folgen sollten, ist falsch.
Am besten dienen sie dem Ganzen indem sie den Interessen ihrer Struktureinheit nach oben hin vertreten, dabei aber auch den Gesamterfolg im Auge haben, an dem sie letztlich ja auch partizipieren.
Ich bringe hier gerne den vergleich mit den Unternehmensstrukturen, auch da gibts ja immer wieder “lokale Führer”, die ihre Mitarbeiter primär mit dem Hinweis auf das große Ganze motivieren und leiten wollen.
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass horizontale Interessen und Gesamtinteressen (die immer auch ein wenig spekulativ, wenn nicht gar fiktiv sind) abgestimmt sein müssen.
Ob man die minderleistenden Bearbeiter dieser soz. Fragestellung nun “relativistisch” nennen muss ist aber in der Tat nicht sicher. Auf Unternehmen gemünzt wäre sicherlich die Formulierung “i.p.soz. Kompetenz herausgefordert” geeigneter.
Die Sache ist die: ich höre bei Dir immer so einen mahnenden Unterton heraus, als könne der Bürger ohne Nationalgefühl nicht sein. Da mir aber solches fehlt, und ich nur Mensch unter Menschen sein will, also auch nicht Amerikanerin oder Russin oder sonst irgendeine “Landsmännin” (sorry, aber es gibt auch nur “Landesherren”..), wird mir regelmässig unbehaglich, sobald Nationalbewusstsein oder gar -stolz eingefordert wird – und ein Medaillenspiegel Auskunft darüber geben soll, welche als die grösste Nation aller Zeiten (GröNaZ) aus Olympischen Spielen hervor- und in deren (btw. ziemlich angeschmutzte) Geschichte eingeht.
Darum ging’s doch; wie und in welcher Einheit ich verwaltet werde, als Deutsche oder Bayerin, ist ein anderer Fall; da braucht’s einen Herkunftsnachweis für die Akten. Und wieder eine andere Sache ist es, wie ich persönlich mich als Mensch in die mir zugefallene Einheit einpasse oder -füge; die Nation brauche ich jedenfalls nicht dazu :).
Bürger “ohne Nationalgefühl”, also ohne Bindung zum deutschen demokratischen System, sind natürlich in jedem Fall potentielle Problemfälle.
Ich selbst habe mehrfach im Ausland gelebt und immer eine gewisse Empathie für Bev. und System entwickeln können. In Deutschland gibts halt immer die gegenseitigen Nazi-Vorwürfe, die sind halt zumindest in diesem Punkt gestört.
Ich argumentiere hier natürlich nur im Sinne der Systemphilosophie, meine pers. Bindungen zu D halten sich in gewissen Grenzen, man könnte es so zusammenfassen: Als internationaler Mensch weiss ich um die Anforderungen an die Systeme und Menschen.
Wers auf die etwas unnatürliche Art und Weise braucht darf sich natürlich gerne bspw. am Verfassungspatriotismus oder an anderen Werten, für die unser System steht, festhalten und die anderen als einfach aufgestellt und als dumme Patrioten verlachen.
Das ist aber zweitklassig, also eher was für die anderen.
Soso, ich bin also ein Problemfall, ein potenzieller noch dazu ;-). Ist denn die Wertschätzung eines demokratischen Systems – eine spezifisch deutsche Angelegenheit oder nicht doch eine universale, internationale? Von der persönlichen mal ganz abgesehen…
(Die Nazis lass’ ich mal beiseite; sie stören zwar, reden aber nicht mehr mit.)
Wir wollen ja nicht alles zerreden und relativistisch werden, gönnen wir den Deutschen den Erfolg im Medaillenspiegel.
Zum Glück gibts die “DDR-Deutschen” nicht mehr.
Ich weiss nicht genau, was du eigentlich für ein Problem mit meiner Aussage hast, aber die Erwähnung der “Jungs von der sozialen Gerechtigkeit” zeigt, dass du mich nicht verstanden hast.
Im Medaillenspiegel werden individuelle Leistungen, die von Ausnahmesportlern erbracht wurden, sozialisiert.
Es ist aber so: Nicht “wir” haben die Goldmedaille gewonnen, sondern “er” oder “sie”. Auch wenn “wir” unsere fetten Ärsche auf der Couch geparkt haben, um zuzusehen, wie “er” oder “sie” den Rest der Welt besiegt.
Auf der anderen Seite zählt der Medaillenspiegel aber nur die Summe; irgendeine (wie schon erwähnt) nicht logisch aufsummierbare Summe an Medaillen.
Am Ende wird Deutschland dann medaillenspiegelmäßig nur Nummer 5 weltweit, obwohl man Nummer 3 weltweit erwartet hätte, und der Vorwurf geht dann an die Sportler und deren Verbände… Bin ich wirklich der einzige, der diese Idiotie erkennt?
Da gewinnt ein deutscher Sportler eine Goldmedaille, was für ihn vermutlich den (vorläufigen) Höhepunkt seiner Karriere(seines Lebens) darstellt, und alles, was er in den Nachrichten hört ist: “Heute haben “wir” “nur” eine Goldmedaille geholt und sind damit im Medaillenspiegel hinter Russland gerutscht”
Ganz ehrlich, ich bin nicht wirklich ein “relativistischer Internationalist”; wenn ich aber Profi-Sportler wäre und so eine Berichterstattung hören/sehen würde, würde ich vermutlich zu einem extremen Individualisten werden…
…kein Mensch interessiert sich letztendlich für die Leistung, die ein Sportler erbracht und für die er jahrelang trainiert hat; seine Leistung verschwindet einfach hinter der Sozialisierung des Medaillenspiegels…
Hoffentlich hat das meinen Standpunkt klargemacht; nochmal werde ich zu einem Thema, das mich nicht interessiert sicher nicht mehr schreiben… ;-)
@ F.Alfonzo
Beim Nationalismus (“peinlichste Form”!) bist Du gestartet, ins Ziel kommst Du mit dem Zauberwort “Sozialisierung” (von individueller Leistung); weil es so richtig (!) zielführend ist, hättest Du’s ja auch gleich sagen können ;-)
Es stellt sich generell die Frage, ob und wie Empathie für die soziale Struktur an der man partizipiert angebracht ist.
Der Relativist/Nihilist ist da ganz locker, ganz ego, was aber auch seine Nachteile hat.
@ DB*
Empathie für die soziale Struktur ist das eine (geht locker samt Ego auch bei Relativisten / Nihilisten), Sozialisierung individueller sportlicher Höchstleistung ist das andere. Durch ihren Vereinnahmungscharakter zeigt sie deutlich Schlagseite zum Nationalismus; da beisst die Maus keinen Faden ab ;).
*Sorry, solltest Du Dich als “Deutsche Bahn” diskrediert fühlen, lass es mich bitte wissen; bin auch gern wieder PC!)
Man muss halt im pos. Sinne nationalistisch bzw. internationalistisch sein. Das “istisch” kannst Du Dir auch wegdenken, aber wie hört sich das an “Ich, als national denkender Mensch, …”, da wirst Du doch gleich als Nationalsozialist beschimpft.
Die DB ist übrigens eine der ganz wenigen Institutionen mit einer zweiziffrigen Domain: http://www.db.de
http://www.x.com/ fällt mir da noch ein, die Mindestlänge für Domainnamen war eigentlich 3.
Nationale Grüße!
Vielleicht sollte Deutschland bei Olympia demnächst eine Disziplin anbieten, bei der dann nur Deutschland gewinnt.
Da ja die Kanuten, die Reiter und Fechter Goldmedaillen geschafft haben, schlage ich daher vor:
Disziplin: Pferd in Kanu fechtend.
Das soll uns dann erstmal jemand nachmachen ;-)
Mir geht das ganze Theater Olympia und Doping auf den Keks.
:-D! Wär’ mal was anderes! Die Frage bleibt: Gold für das Pferd oder die Kanuten?
wäre sicherlich interessant; würde ich mir live ansehen, auch um 4 Uhr morgens ;-)
“relativistischer Internationalist”
…hmm, klingt ganz gut; wird von nun an die Selbstbezeichnung “Neoliberaler” ersetzen.