Promotionsthema für klassenbewusste GuGs zu vergeben

17.08.2008 16:36 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 35 Kommentare

Die Parteilichkeit ist ein fester Bestandteil des historischen Materialismus, der eine objektive Einschätzung der Lage jeder Klasse der Gesellschaft ermöglicht und beweist, daß die Zukunft dem Proletariat, der fortschrittlichsten Klasse gehört.

Sie sind der Aufassung, dass diese Worte Walter Ulbrichts von 1958 nach wie vor gültig sind? Dass wahre Volksdemokratie und Kapitalismus unvereinbar sind? Sie möchten darüber hinaus für Ihre Promotion gerne entsprechende, vom richtigen Klassenstandpunkt geprägte, Anleitung? Auf nach Siegen – da werden Sie geholfen, Genosse!

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35 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

FG, 17.08.2008 18:24

“Sie sind der Aufassung, dass diese Worte Walter Ulbrichts von 1958 nach wie vor gültig sind?”

Das kann ich so nicht beantworten, weil ich derartiges Geschwurbel schlicht und ergreifend nicht verstehe. Auch nicht mit Deiner Übersetzungshilfe.

Dass bei Stiftungseinrichtungen an Unis von den Mitarbeitern erwartet wird dass man auf einer Wellenlänge mit dem Stifter ist, finde ich nicht sonderlich aufsehenerregend. Umso mehr sollte sich eine Uni genau überlegen, mit wem sie eine derartige Kooperation engeht. Insofern sollte die Kritik nicht bei der Stellenausschreibung sondern etwas früher ansetzen.

stefanolix, 17.08.2008 21:25

Ich versuche mich mal an einer Interpretation, schließlich musste ich ja unter diesem Geschwurbel im Studium ein Jahr leiden.

Ulbricht will damit sagen, dass Historiker und marxistische Philosophen in der DDR unter keinen Umständen im Wortsinne forschen durften. Sie mussten an jedem Forschungsthema nach den jeweils aktuellen Vorgaben der SED arbeiten. Die SED hat zumindest immer die Richtung vorgegeben, manchmal auch die Ergebnisse. Die Hochschullehrer und Forscher auf diesen Fachgebieten mussten gar nicht mehr besonders überwacht werden, die hatten in der Regel schon die Schere im Kopf.

[Semi-OT]: Besonders lustig wurde es am Ende der DDR-Zeit, als die SED sogenannte Freidenker-Organisationen zugelassen hat. Dort durfte dann in den Grenzen der DDR-Ideologie frei gedacht werden ;-)

 
 
micha42, 17.08.2008 18:47

Ich glaub, ich bin zu jung für die von dir verwendeten Begrifflichkeiten. Ich hab zwar immerhin noch meine Schuljahre “zu Friedenszeiten” verbringen dürfen, aber dann wars “leider” auch schon ’89.

Also: was zum Geier sind GuGs?

stefanolix, 17.08.2008 21:06

Genossinnen und Genossen?

jo@chim, 17.08.2008 22:08

Да, товарищ!

 
 
 
stefanolix, 17.08.2008 21:15

Man sollte sich eine Bookmark [nicht nur] auf diese Seite setzen, um den geistigen Nachfolgern Karl Eduard von Schnitzlers antworten zu können, wenn sie wieder mal die Arbeitgeberseite diffamieren (nein, ich verlinke das noch immer vor sich hin sudelnde Blog absichtlich nicht). Linke und linksextreme Stiftungen bekommen wohl mehr Staats-, Linkspartei- und Gewerkschaftsgeld, als die vielgescholtene INSM von den Arbeitgebern bekommt.

jo@chim, 17.08.2008 22:30

mehr Staats-, Linkspartei- und Gewerkschaftsgeld

Wofür die Genossen bezahlen ist mir eigentlich Wurst, Stefanolix. Dass die Linkspartei und ihre “Rosa-Luxemburg-Stiftung” jetzt die Gelder, die die SED Dir und anderen Ossis abgepresst hat, für ihre Kader-Fortbildung nutzt, betrifft mich auch nicht, zumindest nicht so direkt. Aber dass die Scheisskommunisten jetzt meine hart erarbeiteten Steuerzahlerkröten (das “Staatsgeld”, das sogenannte – meins!) für die Ausbildung ihrer kleinen Trompeter nutzen: das ärgert mich schon…

 
 
Carsten, 17.08.2008 23:30

Statt bürgerlich zu keifern besser dem eine libertäre Klassentheorie (siehe bei Blankertz) entgegensetzen!

 
Dangerous Beans, 18.08.2008 07:49

Die “Parteilichkeit” war in den Siebzigerjahren in der Diskussion, da haben sich bspw. linke Journalisten mit der Frage beschäftigt, ob sie tendentiell berichten sollen.
Die “Parteilichkeit” unterscheidet unter den Linken im Prinzip zwischen den Stalinisten und den ehrlichen Dummköpfen.
Eine religiöse Komponente, wenn mans positiv formulieren will. Diese Sichtweise, die auf ein “Es gibt keine Wahrheit.” hinausläuft, ist auch unter Moslems sehr stark verbreitet. Und natürlich unter Faschisten und im Despotismus.

Lina, 18.08.2008 09:03

Die “Parteilichkeit” unterscheidet unter den Linken im Prinzip zwischen den Stalinisten und den ehrlichen Dummköpfen.

Ja, sie unterscheidet! Wobei mich die unorganisierten unter den (ehrlichen) Dummköpfen (die ich Herdentiere nenne) mindestens genauso beunruhigen wie die Parteigänger selbst. Und weil das so ist, sehe ich dieselbe Gefahr wie Bertrand de Jouvenel: “Eine Gesellschaft von Schafen muss mit der Zeit eine Regierung von Wölfen hervorbringen.”

(Btw: gestern hat Lafontaine Ypsilanti eine “noch echte Sozialdemokratin” gerühmt; bin gespannt, wie ihr das gefällt, ihr selbst und vor allem der Partei, und wie viele Schafe dem Wolf da zum Opfer fallen…)

Dangerous Beans, 18.08.2008 09:13

Laffo oder Trittin sind bspw. parteilich, korrekt. (Ypsilanti vielleicht auch, ich versuche die Beschäftigung mit dieser Dame zu meiden. Hab mal einen Originaltext von ihr gelesen, “Soziale Moderne” oder so, würg. War aber vielleicht auch vom Lebensgefährten, vor dem an dieser Stelle auch gewarnt sein soll. (Der, der Reden von Ypsilanti auswendig lernt und dann im Hintergrund mitspricht.))
Zum Glück sind die Burschen halbwegs sozialisiert und integriert. Das System passt auf sie auf, in früheren Zeiten hätten die beträchtlichen Schaden anrichten können.
Der Schaden, den sie jetzt anrichten, ist dagegen geringfügig; gelungene Integration eben.

Lina, 18.08.2008 10:20

So gesehen könnte man Ulbrichts alten Hut neu fassen:

“Die Parteilichkeit ist ein fester Bestandteil des Herdendenkens, das eine objektive Einschätzung der Lage zwar nicht ermöglicht, aber beweist, daß die Zukunft der Integration, dem fortschrittlichsten aller Herdentriebe gehört.” Oder so.

Demnach wäre heute ein jeder Sponsor/Stifter jedem willkommen…

 
 
 
 
F.Alfonzo, 18.08.2008 08:41

…ohne den verlinkten Artikel gelesen zu haben (SpOn erspare ich mir nach Möglichkeit):

Ich würde Wetten in unbegrenzter Höhe abschließen, dass die volkswirtschaftliche Fakultät da nicht mitmischt ;-)

 
R.A., 18.08.2008 10:25

Es ist ja nichts Neues, daß sich an deutschen Unis weit überdurchschnittlich viel Kommunisten rumtreiben (meist sicher verbeamtet).
Aber so offen wird das selten zugegeben.

 
Robert, 18.08.2008 13:13

Dafür braucht es in der Politikwissenschaft der Uni Leipzig keine Luxemburg-Stiftung (die ist ja schon Partner des hiesigen StuRa). Dort kommen die Lehrenden von ganz alleine auf solche Seminartitel wie “Kapitalismus und Entwicklung”. Statt dessen wird die Wirtschaftsfakultät zum Schauplatz der Gründung der neuen Linksjugend und zum Treffpunkt des BUKO. Da lacht das rote Herz.

 
R.A., 18.08.2008 13:32

Die Uni Leipzig scheint sich ja auch sonst Mühe zu geben, ihrer Tradition als roter Kaderschmiede gerecht zu bleiben:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,572440,00.html

Boche, 18.08.2008 15:45

Du ziehst aber ein merkwürdiges Fazit aus dem Beitrag. Denn offenbar ist die Aufstellung der Plastik ja recht deutlich im kritischen Kontext erfolgt, wenn sogar die Kritiker mit einbezogen wurden.

 
 
R.A., 18.08.2008 16:54

Das Ergebnis jetzt ist ein Kompromiß, da wurden die Originalforderungen der Marx-Fans ja schon erheblich abgemildert.
Ich finde es aber immer noch mehr als befremdlich, daß es solche in so großer Zahl gibt, daß so eine Diskussion überhaupt aufkommen kann.

Man versuche doch mal vergleichsweise ein Denkmal aus der Nazizeit wieder aufzurichten. Mit Begründungen wie “Denkmalschutz” oder “wichtiges Zeitzeugnis”.
Da würde ein relativierendes Gedenktäfelchen nebendran bestimmt nicht akzeptiert.

Medea, 18.08.2008 17:40 Subscribed to comments via email

R.A.
Man versuche doch mal vergleichsweise ein Denkmal aus der Nazizeit wieder aufzurichten. Mit Begründungen wie “Denkmalschutz” oder “wichtiges Zeitzeugnis”.

Sehr gutes Beispiel. Und was wäre erst los, hätte sich die NSDAP nach dem Krieg einfach umbenannt in irgendwas national-soziales und wäre heute “Die Rechte”.

 
 
Boche, 18.08.2008 17:01

Mag ja sein. Dein Fazit “rote Kaderschmiede” halte ich trotzdem für überzogen.

R.A., 19.08.2008 10:28

> … halte ich trotzdem für überzogen.
Da hast Du natürlich recht – aber so ein bißchen Polemik ist beim Bloggen schon erlaubt ;-)

Boche, 19.08.2008 22:51

Wie bekannt sein sollte, bin ich ein Gegner jedweder Polemik beim Bloggen.

;-)

Rayson, 19.08.2008 22:56

Bist du nicht erst neulich für den Bloggerfriedensnobelpreis nominiert worden?

stefanolix, 19.08.2008 23:10

Hat er den Preis nicht kurze Zeit später in seiner zurückhaltenden Art unter Ausschluss der Öffentlichkeit entgegengenommen?

Rayson, 19.08.2008 23:17

Anders wäre es schlichtweg undenkbar!

Lina, 20.08.2008 07:21

Wart Ihr mal kurz zu Dritt ausser Haus, um Euch anderswo Eure Friedfertigkeit zu bestätigen? Liest sich jedenfalls so :-D…

Dangerous Beans, 20.08.2008 09:42

Ja, beim Gassigehen erwischt. Ausser Haus sind auch die allerbesten Blogger gewöhnliche Kommentatorenhengste.

 
stefanolix, 20.08.2008 09:47

@Lina: Wir haben lediglich Boches Friedfertigkeit bestätigt ;-)

Lina, 20.08.2008 10:34

Ja, schon, aber Eure (vermeintliche!) Harmlosigkeit dazu ;-)

Polemik übrigens, so wie sie Boche zu handhaben versteht, ist die abgefeimteste, die ich kenne – um doch noch zur Wahrheit gefunden zu haben :-D…

 
 
 
 
Boche, 20.08.2008 09:50

Ja. Nach einer kurzen, erfolgreich überwundenen Versuchung, ihn zum Thema eines offenen Briefes zu machen.

 
 
R.A., 20.08.2008 11:03

Wenn man sich so anschaut, wer den “echten” Friedensnobelpreis so alles bekommt in letzter Zeit, ist das ja fast schon eine Beleidigung ;-)

Boche, 20.08.2008 11:04

Ein Beweis meiner Sanftmut, dass ich nicht darauf hinwies.

Medea, 20.08.2008 11:15 Subscribed to comments via email

Schön, dass hier mal ein bisschen Humor aufflackert.

 
 
 
 
 
 
 
Lemmy Caution, 19.08.2008 11:53

Anfällig für linke Ideologie sind doch eher die Geisteswissenschaften. Haben die nicht unter den Studierenden gegenüber den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften gewisse Nachfrageprobleme?
Ansonsten haben wir imho eher ein Populismus- denn ein Sozialismus-Problem. Ich vermute stark, dass sich die Leser dieses Blogs prozentual stärker mit moderner linker Theoriebildung eher beschäftigen als die Wähler der LINKEN. Für der ihre erstaunlich erfolgreiche Parolen wie “Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert” und ähnliches brauchts keine Akademiker.

 
jopa, 20.08.2008 23:57

Interessant vielleicht folgendes Detail:

Offenbar hat die Universität zunächst den Inhalt der SPIEGEL-Meldung als “schlecht recherchiert” dementiert – um dann nach einiger Zeit das Demento und die dazugehörige Pressemitteilung klammheimlich wieder zu entfernen. Offenbar stimmt die Meldung des SPIEGEL also doch. Dies lässt nur zwei Schlüsse zu:

a) Die Universität weiß nicht so ganz genau, was sie eigentlich ausschreibt.

b) Die Universität schreibt zunächst bewusst Stellen mit bestimmten Anforderungen aus, versucht diese Ausschreibung dann aber verschwinden zu lassen, wenn Kritik aufkommt und beschwindelt die Öffentlichkeit.

Überzeugend finde ich übrigens weder Verhalten a) noch Verhalten b)…

http://spiegelkritik.de/2008/08/19/uni-dementiert-linke-gesinnungspflicht

 

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