Deutsche Abmahnfront (DAF)
Hätten’se von den Apparatschiks des Deutschen Gewerkschaftsbundes Humor oder gar Stresstoleranz hinsichtlich Satire erwartet? Nein, ich auch nicht.
Marco Kanne, der das Blog opponent.de betreibt, offensichtlich schon: Er hatte den Screenshot von Adi, dem Schuft, der sich auch für den Mindestlohn ausspricht, veröffentlicht – jetzt hat er den Salat, und der DGB mutiert schneller zur DAF, als es sich Marco trotz allem Pathos wohl erwartet hätte. Da verstehn die Genossen keinen Spass. Vor allem nicht, wenn man ihnen erklärt, wo der Sozialstaat herkommt… schliesslich muss Deutschland auch heute noch gegen Parasiten, äh… sorry: Moskitos natürlich, verteidigt werden!
P.S., Update: dass der auf den ersten Blick etwas schräge Vergleich so weit hergeholt überhaupt nicht ist, zeigt dr.chaos mit seinem Verweis auf das “Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit” von 1934.







Hier greift Godwin’s Law. Diskussion verloren, case closed.
Godwin’s Law bezieht sich auf persönliche Diskreditierung eines Diskussionspartners lieber Christian.
Dass das “Usenet-Gesetz” von Sozialisten gerne herangezogen wird, um wiederum für sie peinliche Diskussionen über die Gemeinsamkeiten von Sozialismus und Nationalsozialismus zu diskreditieren ist zwar verständlich, aber nicht angebracht.
Buchtipp: Götz Aly, Hitlers Volksstaat
Christian, bei Dir greift wohl eher die (partei-)politische Orientierung. ;-)
Ich bin kein Gewerkschaftsmitglied und auch kein Sozialist. ;)
Mal ernsthaft: keine öffentliche Organisation würde sich auf diese Art und Weise mit Hitler in Verbindung bringen lassen. Du kannst eher froh sein, dass Du nicht direkt abgemahnt wurdest – es ist ziemlich human und nicht gerade usus, erst mit der Abmahnung zu drohen und nicht direkt draufzuhauen.
Dass das vielleicht sogar eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist, mag durchaus so sein – aber Rufmord war noch nie von der Meinungsfreiheit gedeckt.
PS: Godwin’s Law bezieht sich tatsächlich auf Hitler- und Nazi-Vergleiche im Allgemeinen, siehe Wikipedia.
Gut für Dich. :-)
Aha, die Befindlichkeit einer halbstaatlichen Organisation rechtfertigt es also, dass mir mit staatlicher Gewalt gedroht wird? Bedenklich.
Darüber hinaus möchte ich Dir natürlich nichts unterstellen, aber würde Deine Reaktion auch dann gewaltbefürwortend ausfallen, wäre der DGB sagen wir die Deutsche Bank und ich Sozialdemokrat?
Würde jemand das Geschäftsverhalten der Deutschen Bank mit irgendwelchen Maßnahmen im Dritten Reich vergleichen, hätte ich sehr viel Verständnis für eine harsche Antwort der Deutschen Bank, auch mit juristischen Mitteln.
Nun, ich nicht. Weil “juristische Mittel” nichts anderes sind als Gewalt. Gegen Meinungsäußerungen mit Gewalt vorzugehen, hältst Du dementsprechend für gerechtfertig.
Wie ich schon sagte, war Rufmord noch nie von der Meinungsfreiheit gedeckt, zumindest nicht in Deutschland. Und ich finde das richtig so. Da hast Du völlig recht.
Auf die Idee, Marco einen “Rufmord” zu unterstellen, ist der DGB selbst gar nicht gekommen. Aus gutem Grund nicht – er will sich ja nicht lächerlich machen.
Für mich ist es Rufmord, jemanden in die Nähe des Dritten Reiches zu rücken. Ob das juristisch haltbar ist, kann ich nicht beurteilen. Ich denke aber schon.
Komisch, gerade die Kreise um den DGB sind doch sonst mit “Nazi!Nazi”-Gekrähe sehr schnell bei der Hand.
Der Schaden für den DGB ist jetzt schon groß genug. Und der DGB ist selbst schuld daran. Hätte er sich einfach nur nach Kenntnisnahme souverän verhalten, wäre nix passiert. Das Bild hatten bis dato nicht gerade viele Leute gesehen. Das hat sich nun geändert.
??? Wärst Du so freundlich und würdest mir das einmal übersetzen, Christian, ich bin mir nicht sicher, ob meine rudimentären Englischkenntnisse ausreichen, um den Sinn des Satzes aus der Wikipedia zu erfassen: “The rule does not make any statement whether any particular reference or comparison to Hitler or the Nazis might be appropriate, but only asserts that one arising is increasingly probable.”
Der Wikipedia-Eintrag geht ja noch weiter:
“For example, there is a tradition in many newsgroups and other Internet discussion forums that once such a comparison is made, the thread is finished and whoever mentioned the Nazis has automatically “lost” whatever debate was in progress. This principle is itself frequently referred to as Godwin’s Law. [...] Godwin’s Law applies especially to inappropriate, inordinate, or hyperbolic comparisons of other situations (or one’s opponent) with Hitler or Nazis or their actions. [...] Whether it applies to humorous use or references to oneself is open to interpretation, because although mentioning and trivializing Nazism in an online discussion, this would not be a fallacious attack against a debate opponent.”
Du wirst natürlich zurecht einwenden, dass es noch weiter weiter geht:
“However, Godwin’s Law itself can be abused, as a distraction or diversion, that fallaciously miscasts an opponent’s argument as hyperbole, especially if the comparisons made by the argument are actually appropriate. A 2005 Reason magazine article argued that Godwin’s Law is often misused to ridicule even valid comparisons.”
Ich persönlich finde schon, dass Godwin’s Law hier greift, aber nun gut – darüber kann man mit Sicherheit geteilter Ansicht sein. Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, das Eintreten für den Mindestlohn mit dem Dritten Reich zu vergleichen, und sei es nur zu satirischen Zwecken – auch wenn ich nicht erkennen kann, dass es satirisch gemeint war, zumindest finde ich keinerlei Anzeichen dafür. (Vielleicht bin ich auch einfach ganz furchtbar humorlos.)
Die Reaktion finde ich nicht überraschend. Mich überrascht vielmehr, dass so viele so überrascht sind.
PPS: Zu Götz Alys neuestem Werk kann ich nichts sagen, ich habe es noch nicht gelesen. Die Rezensionen fielen ja sehr unterschiedlich aus, von totaler Ablehnung bis hin zu Zustimmung. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft in der Geschichtsforschung, gerade wenn neue Thesen aufgeworfen werden, irgendwo dazwischen.
Gelegentlich hilft es Bücher zu lesen, anstatt sich an Berichten über Rezensionen zu orientieren *gnihihihi* btw: das Werk ist von 2005, inzwischen hat Götz Aly schon wieder vier oder fünf neue geschrieben…
Die “These” von den tiefgreifenden Gemeinsamkeiten der totalitären Massenbewegungen des 20.Jahrhunderts ist übrigens keineswegs neu – der Nobelpreisträger F.A. von Hayek z.B. oder Hannah Arendt wiesen darauf bereits 1944 bzw. 1951 hin. Aly hat das durch umfangreiches Faktenmaterial weiter belegt.
Gelegentlich hilft es Bücher zu lesen, anstatt sich an Berichten über Rezensionen zu orientieren
Völlig korrekt, deshalb schrieb ich ja: ich kann dazu nichts sagen. ;)
das Werk ist von 2005, inzwischen hat Götz Aly schon wieder vier oder fünf neue geschrieben
Mea culpa, da habe ich was verwechselt. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich “Hitlers Volksstaat” nicht gelesen habe und dementsprechend nicht dazu sagen kann.
[...] für Marco” “Deutsche Abmahnfront DAF)” “DGB vs. Tucholsky” “Gesicht zeigen!” “Solidarität mit [...]
Da muss der DGB schon sehr fast-staatlich sein, damit man dessen Abmahnung hier als schlimm empfindet. Den Hitler-Vergleich zieht man ja nicht, weil das so lustig ist sondern weil es so eindeutig ist, dass man den Mindestlohn für schlecht und böse hält. Vielleicht ein bißchen von beidem…
Was hier mal wieder ausgepackt wird ist der konservative Reflex von wegen: “Hör auf mich zu kritisieren, hier herrscht Meinungsfreiheit!”
Du nennst den Brief des DGB “Kritik”?
Daniel, die Macht des DGB begründet sich im westentlichen auf das staatlich garantierte Streikrech, letztlich also auf staatliche Gewalt. Gegen einen freien und friedlichen Zusammenschluss von Menschen gibt es natürlich nichts einzuwenden.
Was bei Dir ausgepackt wird, ist hingegen der “linke” (Du scheinst ja Labels zu brauchen) Reflex von wegen: “Meinungsfreiheit ja, aber nur für die, die meiner/unserer Meinung sind!”
Und ich hoffe Du lebst wenigstens soweit in der Realität, als Du zur Kenntnis nimmst, dass die Abbildung eines Screenshots und die Drohung mit dem staatlichen Gewaltmonopol in ihrer Qualität zwei grundverschiedene Sachen sind.
Den Hitler-Vergleich auf “Abbildung eines Screenshots” zu reduzieren ist dünn…
Die Argumentation mit dem Streikrecht sogar noch dünner. Dann ist jede Meinungsäußerung und irgendwie alles, weil es auf einem staatlich garantierten Recht beruht, “letztlich” auf staatliche Gewalt zurückzuführen. Also auch die Tatsache dass wir uns hier widersprechen – so von wegen Freie Meinungsäußerung und so – wir quasi-staatlichen Schweine!
Da zeigt sich mal wieder, dass Sozialisten Freiheit nicht begreifen. Freiheit, damit auch die freie Meinungsäußerung, wird mir nicht vom Staat gegeben, es ist ein Naturrecht, das mir qua Existenz zusteht. Ich kann alles sagen, schreiben, machen. erst wenn Du oder ein andere Mensch – z.B. jene Menschen, die sich “Staat” nennen – kommt und das verhindert, kann ich es nicht mehr. Meinungsfreiheit wird also nicht gewährt, sie kann nur eingeschränkt werden.
“das staatlich garantierte Streikrecht”…das hab nicht ich mir ausgedacht…
…staatlich garantierte Streikrech, letztlich also auf staatliche Gewalt.
Jetzt werd’ ich neugierig: Wäre ein Streikverbot nicht auch “staatliche Gewalt”? :-D
Nö, ich nenn’ aber den Vergleich mit Hitler auch nicht Satire. Du?
“Nö”
Dann entfällt ja wohl schon mal der letzte Absatz deines ersten Kommentars…
“ich nenn’ aber den Vergleich mit Hitler auch nicht Satire”
Ich schon. Im konkreten Fall allerdings für eine misslungene.
Aber weißt du was? Mir darüber ein Urteil anzumaßen, was Satire ist und was nicht, wäre bereits der erste Schritt, gute und böse Meinungen voneinander zu unterscheiden. Das mag derjenige, der Marcos Ansichten nicht teilt, so sehen müssen, um hier das für ganz in Ordnung zu halten, was er woanders verurteilen würde, aber überzeugend ist das für mich nicht.
Im Übrigen hat Marco diesen Vergleich auf der Website des DGB gefunden und selbst nur dokumentiert und mit einer mehr oder weniger gelungenen Bemerkung versehen. Genau das wirft ihm der DGB auch nur vor – nicht einen Hitler-Vergleich.
Einen Hitlervergleich gibt’s übrigens auch nicht, nur um das mal klarzustellen. Und, wie Rayson auch schon richtig festgestellt, geht es dem DGB offiziell darum auch nicht. Dass die Motivation der Hitler-Bezug ist, liegt zwar nahe, wurde durch den DGB-Vertreter aber nicht angegeben.
Dadurch, dass Du das Bildschirmfoto auf Deinem Blog veröffentlicht und Dich nicht davon distanziert hast, machst Du es Dir zu eigen. Und auf dem Bildschirmfoto wird suggeriert, der Mindestlohn habe mit Hitler zu tun.
Du hast den Eintrag ja sogar noch mit “Hitler wirbt für DGB-Mindestlohn” betitelt, wie also kannst Du nun behaupten, es gäbe keinen Hitlervergleich?
Was wird denn verglichen?
Der DGB mit Hitler. Überschrift “Hitler wirbt für DGB-Mindestlohn” und Kommentar “Ist der Mindestlohn die Endstufe des Nerobefehls?” sind eindeutig.
Wo ist der Vergleich? Der DGB wird nicht mit Hitler verglichen, sondern wenn überhaupt der der Mindestlohn mit dem Nerobefehl. Es gibt also einen Hitler-Bezug(!), keinen Hitler-Vergleich.
Wenn Du den Mindestlohn mit dem Nerobefehl vergleichst, vergleichst Du den DGB mit Hitler.