5p zur Political Correctness

22.08.2008 13:44 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim - 96 Kommentare

Aus gegebenem Anlass, und weil ich es den paxxies: vor einiger Zeit versprochen habe, hier meine 5p zur Diskussion um die “Political Correctness”:

1. “Es gibt keine Political Correctness in der Bundesrepublik. Es gibt nur Leute, die mit ihren Ansichten nicht durchkommen und dann erklären, aufgrund der herrschenden Political Correctness kämen sie nicht zum Zuge. Das ist eigentlich das Alibi der Loser und der Leute, die sich nicht durchsetzen können.” (Henryk M. Broder)

2. Die politische Auseinandersetzung mit gegen die Rechte des Individuums gerichteten (Welt-)Anschauungen wie z.B. Rassimus, Faschismus, Kommunismus, Antisemitismus oder Homophobie ist notwendig und für den Erhalt unserer freiheitlichen Ordnung unerlässlich. Dazu gehört auch, die Absichten derjenigen zu hinterfragen, die vorgeben, sich lediglich gegen “überkommene Tabus” oder “Sprachregelungen” zu wenden.

3. Wer diese konkrete Auseinandersetzung durch Assoziationsketten, die der persönlichen Diskreditierung missliebiger Personen oder politischer Gegner dienen sollen, ersetzt, handelt unredlich. Ich schlage vor, derlei nicht als “Political Correctness”, sondern treffender als “Schmutzkampagne” oder “Rufmord” zu bezeichnen.

4. Nicht diejenigen gefährden den Rechtsstaat, die ihr verfassungsmässiges Recht in Anspruch nehmen, sich in Worten und gewaltfrei gegen ihn zu wenden – oder einfach revisionistischen Bullshit zu erzählen – sondern diejenigen, die die Freiheit der Meinungsäusserung als relativ oder verhandelbar betrachten.

5. Was ich nicht sehe ist nicht da: es ist ein gefährlicher Irrtum, der kindlichem Denken entspringt, zu meinen, dass Anschauungen und Gedanken als Ausgangspunkt von Handlungen verschwinden, wenn man verbietet sie zu äussern.

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96 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Marius, 22.08.2008 13:58

Entweder bin ich doof wie Pferdemist oder ich muß mir mal die Brille putzen – aber ich kann Deinen Text beim besten Willen nicht verstehen.

Dangerous Beans, 22.08.2008 19:00

Es gab da mal eine PHOENIX-Runde mit Henk und Martin Sonneborn und einigen anderen hüstelnden Spassvögeln. Deren Kenntnis ist hier eigentlich Diskussionsvoraussetzung.

Dangerous Beans, 22.08.2008 19:01

Kann natürlich bei Youtube nachgesehen werden.

 
 
 
daniel, 22.08.2008 14:08

Der linkt hinter “derlei” funktioniert nicht und würde Punkt 3 viel verständlicher machen.
Zu 4: “In Worten und gewaltfrei” – sehr gute Formulierung weil die andeutet, dass Worte schon Gewalt sein können. Perlokution ist hier das Zauberwort und die Tatsache, dass Sprachhandlungen (fast) immer auch Handlungsaufforderungen sind.
Zu 5: Da würde ich gegenargumentieren indem ich sage, dass man keineswegs das Denken verbietet sondern das Sprechen sanktioniert weil Sprechen schon Handlung ist.

jo@chim, 22.08.2008 15:17

Sorry, habe den Broken Link korrigiert, Daniel.

Ja, ich habe die Formulierung mit Bedacht gewählt: ich stimme Dir zu, dass Gewaltaufforderungen, weil sie meist auch zur Vorbereitung und Organisation von Gewaltausübung dienen, zumindest grenzwertig sind – einer Ausweisung islamistischer Hassprediger z.B. könnte auch ich zustimmen.

Deine Bemerkung zu 5) empfinde ich allerdings als schlicht zynisch. Im GG steht nicht ohne Grund sehr konkret, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu äussern.

daniel, 23.08.2008 12:51

Mmmm, ich verstehe den Einwand zu 5 nicht. Mein Punkt ist, dass ich dem GG nicht unterstelle das Denken einschränken zu wollen sondern nur das Sprechen weil das schon Handlung ist.

 
 
 
Christian Hoffmann, 22.08.2008 14:10

Danke für diese Überlegung. Weitgehend kann ich ihr eigentlich nur zustimmen (wie langweilig ;-)

Mit Punkt 1 & 2 stimme ich natürlich völlig überein.

Mit Punkt 3 im Grunde auch – wobei es hier sicher z.T. schwierig ist, Grenzen zu ziehen. Wenn ich also Udo Voigt als Nazi bezeichne, tue ich das dann, um mich mit seinen Positionen auseinanderzusetzen oder um eine “missliebige Person zu diskreditieren”? Man sollte den Vertretern der PC auch nicht von vornherein unterstellen, dass sie die PC nur willkürlich als Trick oder Waffe einsetzen. (Ich bräuchte hier vielleich ein Beispiel – der Link funktioniert bei mir leider nicht.)

Auch Punkt 4 ist völlig richtig, wo der Staat die PC durch Zwangsmassnahmen vereinnahmt, wird’s immer totalitär.

Bei Punkt 5 bin ich mir nicht sicher, ob ich mit dir übereinstimme. Sicher, ein “Verbot” bringt gar nichts. Ich betrachte die PC aber mehr als ein Mittel gesellschaftlicher Tabuisierung. Und ich glaube sehr wohl, dass eine solche breit getragene Tabuisierung über eine gewisse Zeit auch Anschauungen oder “Gedanken” verdrängt.

jo@chim, 22.08.2008 15:31

Lieber Christian, mich wundert etwas, dass Du als Anarchist meinem Plädoyer für den Rechtsstaat weitgehend zustimmen kannst?

Zu 3: Herr Voigt wäre sicherlich nicht beleidigt, wenn Du ihn (nichtöffentlich) als Nationalsozialisten bezeichnen würdest.

Wenn Du allerdings jemanden, der Herrn Voigt aus welchen Gründen auch immer in seiner Zeitschrift interviewt, als solchen bezeichnen würdest, ohne Dich mit seinen sonstigen Äusserungen auseinanderzusetzen (oder gar jemand, der aus welchen Gründen auch immer einen Bannerlink auf diese Zeitschrift setzt)…

… ja, dann würde ich auch sagen, so’n pc-Bullshit ;-)

 
 
Rayson, 22.08.2008 14:16

“Perlokution ist hier das Zauberwort und die Tatsache, dass Sprachhandlungen (fast) immer auch Handlungsaufforderungen sind.”

Nimm’s mir nicht übel, aber ich halte das für kompletten Humbug.

 
daniel, 22.08.2008 14:53

Danke! Nehm’ ich Dir nicht übel, muss man ja nicht so sehen. Aber jetzt weiss ich, dass sich posten hier nicht mehr lohnt. (Ist nicht wertend gemeint)

 
Dangerous Beans, 22.08.2008 18:57

Ja, hier irrt Henk – oder verhält sich taktisch. Er spricht ja meist nach der Ab- bzw. Verleugnung des Vorhandenseins der Political Correctness von einer Regelmenge bei der Meinungsäusserung, der sich fast alle unterwerfen, für die es aber keine Grundlage und keine Verwalter gibt.

Die PC existiert natürlich, jeder ist für Beweiszwecke zu einem Gedankenexperiment oder zu einer forschen Meinungsäusserung (einem prakt. Experiment) eingeladen.

Henk ist so schlau alles zu vermeiden, was nach Leidensdruck und Rechtssein auch nur ansatzweise aussieht. So bleibt uns seine Wirkung erhalten.

 
daniel, 22.08.2008 23:33

Die PC existiert nicht – es gibt eine Tabuisierung von Sprachmitteln aber keine kontrollierte, gesteuerte oder irgendwo festgehaltene Regel, die zu brechen sanktioniert wird. Das ist das Argument der PC-Kritiker: Es wäre verboten manche Dinge auszusprechen weil eine Meinungsmachende Klique so verbieten will, bestimmte Probleme anzusprechen. Das halte ich, ausnahmsweise wie Broder, für paranoiden Unsinn.

Dangerous Beans, 22.08.2008 23:45

Die PC ist eine Modewellen unterworfene verschwommene Regelmenge, deren Brechen sanktioniert wird; und zwar mit einer gewissen, nicht zu hohen, Varianz. Betroffen sind sog. Personen des öffentlichen Lebens und natürlich auch Geschäftsleute oder Menschen, die in Arbeitsverhältnissen stehen.
Beispielsweise ist die Islam-Kritik in der Broderschen Form politisch absolut inkorrekt. Hier lassen sich fast unzählige Beispiele aufführen.
Du kleiner Spiesser unterstellst bspw. schon zu Beginn der Betrachtung der PC Paranoia.

 
 
daniel, 23.08.2008 00:13

Keines der von Dir beschriebenen Merkmale geht über das hinaus, was an Veränderungen in lebendigen Sprachen und völlig üblichen mentalitätsgeschichtlich erklärbaren Mustern völlig normal ist. Ich kann nicht erkennen dass es darüber hinaus irgendeine, das Denken oder Sprechen einschränkende unsichtbare Hand gibt, die mein Sprechen beeinflussen will.

Dangerous Beans, 23.08.2008 00:45

Na sicher gibts sowas, die linguistische Schicht liegt über der Sacharbeitsschicht, die Schicht der PC, die Sozialverhalten der Meinungshengste transportiert, durchdringt die beiden o.g. Schichten.

Nehmen wir z.B. mal den guten alten Neger, den Schwarzen, nun der ist in der Sache wohldefiniert und auch sprachlich (niger, altlat. = schwarz), aber wird zurzeit auf mir unbekannte Art und Weise bezeichnet (in der Polizeisprache irgendwas mit “negroider Typ”, in der PC-Sprache sowas wie “Amerikaner afrikanischer Nation”).
Zigeuner sind jetzt (semantisch falsch) Sinti und Roma, aber der letztgenannte Begriff gerät unter Beschuss.
Immigraten sind jetzt Migranten, etc., das ist alles PC.

Gerade der kleine linke Spiesser steht massiv unter Anpassungsdruck.

daniel, 23.08.2008 01:25

EInen Teil des Phänomens kann man mit dem Galantieren von Begriffen erklären, einen anderen damit, dass Begriffe über Zeit negative Konnotationen bekommen haben.
Schönes Beispiel: Neger. Liegt phonetisch so nah beim “Nigger” dass es unüblich geworden ist. “Schwarz” ist hier im Moment recht gut im Rennen. Den “Afroamerikaner” gibt es nur in Amerika, weil “black” dort ebenfalls negativ belegt ist.

jo@chim, 23.08.2008 10:00

bekommen haben

Du setzt das hier passiv – dahinter steckt aber (oft) aktive “Politik”. Und wenn man derlei Anmassungen ironisch unterläuft, werden die Sprachpolizisten so böse wie Evangelikale, die sich Janet Jacksons Nippel ansehen müssen…

daniel, 23.08.2008 12:07

In dem Fall sitzt das Passiv weil “Begriffe” so inaktiv sind…

 
daniel, 23.08.2008 12:11

Aber um wieder auf den Fall herunterzubrechen. Wenn ein Wort über längere Zeit negativ belegt genutzt wird, ist es – auch wenn es semantisch wertfrei ist – nicht mehr möglich, es wertfrei zu benutzen. So wie eben das “black” in Amerika. In den 50ern und später waren Schilder wie “No Blacks” oder “White only” üblich. Das eigentlich wertfreie “black” wird damit so stark mit der Rassentrennung assoziiert, dass es ersetzt wird. Aber eine “Sprachpolizei” die aus welchen kruden Gründen hier eingreift, kann ich dahinter nicht erkennen.

Dangerous Beans, 23.08.2008 12:15

Du kannst sehr wohl ohne diese schwule Schicht der politischen Korrektheit auskommen.
Eigentlich ist das für die Sacharbeit auch zwingend erforderlich.

daniel, 23.08.2008 12:46

Nein, es ist für die Sacharbeit sehr hinderlich einen Begriff zu benutzen, der negativ belegt ist.

Dangerous Beans, 23.08.2008 12:52

Es ist halt sehr abträglich für die Sacharbeit zu wissen welcher Begriff gerade negativ konnotiert ist und welcher Sachverhalt gerade tabuisiert wird und auch der Heckmeck, der entsteht, wenn PC-Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, hält den Laden auf, garantiert Ineffizienz und Intriganz.

Ausserdem kommen in einem System, das nicht mehr die Gegenbenheiten bearbeitet, sondern eine bestimmet Sicht auf diese, nicht gerade die Leistungsträger hoch, sondern die anderen.

Also, sagen wirs konsensuell mit Münte: Ja, PC ist gut, aber das sollen die anderen machen.

daniel, 23.08.2008 12:59

OK, andersherum gefragt: Wäre es für die Sacharbeit förderlich einen Begriff zu benutzen der überragend positiv belegt ist.

Dangerous Beans, 23.08.2008 13:02

Die Sacharbeit ist an der Semantik interessiert, reale Sachverhalte werden sprachlich kodiert und so weiterverarbeitet. Da ist PC schädlich.
Niemand würde bspw. bei Programmiersprachen Wörter “konnotieren” (schwules Wort btw) wollen.

daniel, 23.08.2008 13:04

OK, aber eine formale Sprache setzt voraus, dass Du für jeden Sachverhalten ein eigenes und eindeutiges Zeichen hast.

David, 23.08.2008 13:08

Was soll denn das jetzt schon wieder bedeuten? Kannst Du diesen Sachverhalt bitte etwas eindeutiger bezeichnen?

daniel, 23.08.2008 13:18

Eigentlich wollte ich Dir hier qed schreiben und grinsen…
Ne, wir haben eine begrenzte Anzahl von sprachlichen Zeichen für eine nicht unbegrenzte aber größere Menge an Sachverhalten oder einfacher ausgedrückt DIngen in der Welt. Indem wir den Dingen sprachliche Zeichen zuordnen, werten wir sie weil wir mehreren Dingen das gleiche, sprachliche Zeichen zuordnen müssen. Da fängt das Problem an.
Hätten wir für jedes “Ding” ein eigenes, unverwechselbares Zeichen, die Wertung des einen “Dings” würde nicht auf das nächste abfärben, nur weil wir das gleiche Zeichen verwenden wie für ein anderes.
Beispiel: Du sitzt vor einem Computer, ich sitze vor einem Computer. Die Tatsache, dass wir das gleiche Zeichen verwenden täuscht darüber hinweg, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche DInge handelt. Streng genommen müssten wir für die beiden zwei unterschiedliche Zeichen verwenden, wenn wir formal sprechen wollten. Ihnen also einen Namen geben. Etwa “Davids Computer” und “Daniels Computer”. Streng genommen sogar ohne das “Computer” weil es wieder die gleichen Assoziationen weckt. Du müsstest also allen Dingen der Welt einen Namen geben – womit mein und Dein Gehirn aber überfordert wäre. Also vereinfachen wir die Welt in unserer Sprache auf ein anwendbares Maß. Deutlicher?

 
Dangerous Beans, 23.08.2008 13:31

Die Chinesen haben übrigens keine Buchstaben wie wir, dennoch könnte auch im Chinesischen PC ohne weiteres Einzug halten. Vielelicht gibt es dort ja auch noch den PC-Vorläufer, das Despotenchinesisch bspw.?

 
David, 23.08.2008 13:34

“Deutlicher?”

Nee! Präzisiere “sprachliches Zeichen”, präzisiere “Sachverhalt”.

 
David, 23.08.2008 13:38

Oder sehe ich das richtig so: “Begriffsbildung ist schlimm”?

 
Dangerous Beans, 23.08.2008 13:47

Er sieht da eine natürliche sprachliche Unschärfe (ich auch), die er fälschlicherweise auf die Buchstaben, also das Nachbilden menschlicher Laute zurückführt.

Irgendwie will er so rechtfertigen, dass die Unzulänglichkeit der Buchstabensprache PC erdorderlich macht.

Nunja, in der Schule hab ichs auch so gelehrt bekommen.

 
daniel, 23.08.2008 17:14

Hä, wenn DB alles lesen würde wüsste er, dass ich PC – bezogen auf Deutschland – für eine Mythos halte. Den EInwand mit den Chinesen vertehe ich nicht und würde mich freuen, wenn Du Deine These irgendwie belegen könntest. (Ich spreche keine asiatische Sprache und freu mich, da mal Informationen von einem Insider zu bekommen…)
Für David: Ein Sprachliches Zeichen ist die kleinste Einheit eine Sprache, die für sich genommen eine Bedeutung hat. Meist ist das ein Wort, manchmal eine aus mehreren Wörtern bestehende Zeichenkette. Zum Beispiel “Stuhl” ist ein sprachliches Zeichen.
Sachverhalt ist der Gegenstand, den das sprachliche Zeichen in Sprache abbilden soll. Etwa das Ding, mit vier Beinen auf dem man sitzen kann (Stuhl).

 
Dangerous Beans, 23.08.2008 17:20

Du bist doch PCler, wie kannst Du die PC dann zu einem Mythos erklären?
Deine Ausführungen jetzt in diesem Beitragsstrang betrachte ich als jämmerlich.

 
daniel, 23.08.2008 17:28

Wo bin ich denn PCler?

 
Dangerous Beans, 23.08.2008 17:54

Wenn Du von irgendwelchen Konnotationen faselst, die ein Wort – unabhängig von dessen Bedeutung – irgendwelchen Modeströmungen folgend positiv oder negativ besetzen; das für richtig und gut erklärst und von anderen dieselbe Anpassung an sprachliche Moden verlangst, die Du selbst vornimmst, dann bist Du PCler.

 
daniel, 23.08.2008 23:51

Stimmt. Wenn ich das mal mache, dann bin ich wirklich einer.

 
David, 24.08.2008 12:54

Eigenwillig sind die Definitionen, das muß man ihnen lassen. Die Klasse der Stühle als Sachverhalt zu betrachten wäre mir so unmittelbar nicht in den Sinn gekommen, macht ja auch kaum einer. Weiter so.

 
Dangerous Beans, 24.08.2008 13:40

@Dannie:
Nun, es war natürlich das amerikanische “Du” im Sinne von “man”.
Es reicht also D.E. schon aus, wenn es einige machen auf diesem Planeten um die hier diskutierte Existenz der PC zu beweisen. Mehr wollte ich ja nicht. Das 5-Punktegebäude von Joatchim zerfällt somit. Das war mir die Mühe wert, LOL.

 
daniel, 24.08.2008 20:22

Diese kleine, ungefährliche Wahnvorstellung hattest Du schon vor Tagen. Du hättest also nicht so lange warten müssen um irgendwas zu sagen… Außerdem kommt ich mir mit so viel Macht doch sehr überfordert vor, ich meine, Joachims Gebäude zum EInsturz bringen zu können…
Davis, Sie haben es fast verstanden wenn Sie erkennen, dass “Stuhl” so etwas wie eine Klasse ist…

 
daniel, 24.08.2008 21:21

Nö, war’s nicht, DU Lügner!

 
Dangerous Beans, 24.08.2008 21:26

Wenn man von irgendwelchen Konnotationen faselt, die ein Wort – unabhängig von dessen Bedeutung – irgendwelchen Modeströmungen folgend positiv oder negativ besetzen; das für richtig und gut erklärst und von anderen dieselbe Anpassung an sprachliche Moden verlangst, die man selbst vornimmst, dann ist man PCler.

 
daniel, 24.08.2008 21:35

Sachverhalt oder Ding, da ist beides zulässig. Bei meinem mit dem Stuhl eher “Ding”, bei einem komplexerem Thema wie “Freiheit” eher “Sachverhalt”, so ist das halt, wens kompliziert wird. Da muss man aufpassen beim Mitlesen.

 
Dangerous Beans, 24.08.2008 21:59

Alles ist ein Sachverhalt und fast alles ein System. Tut aber nix zur Sache, so wie Deine Beiträge zwar zahlreich, aber inhaltsarm sind. Macht mir gar keinen Spass mehr das zu lesen.

 
daniel, 24.08.2008 22:17

Ich les’ auch lieber Sachen die ich verstehe, deswegen kein Chinesisch. Tschüss!

 
David, 24.08.2008 22:23

Die Klasse der Stühle ist also ein Ding. OK, akzeptiert. Definiere “Ding”.

 
Dangerous Beans, 24.08.2008 22:23

fyp

 
daniel, 24.08.2008 22:30

@David
Alles nicht Sprachliche. Umgekehrt wird es einfacher. Alles, was Du mit Sprache bennenst ist “Ding” oder “Sachverhalt”. In der Sprachphilosophie nennt man diesen Teil des Systems meist “Welt” oder “Wirklichkeit” (eigentlich sogar nocj komplizierter…), aber schlag mit so einem Begriff mal hier auf…

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dangerous Beans, 23.08.2008 10:52

Ja, und das ist dann eben die PC.

 
 
 
 
multikultur, 23.08.2008 00:47

Eine zugegeben recht interessante Liste. Doch der Versuch, “PC” als fest umrissenenen Gegenstand zu beschreiben, der entweder da ist oder nicht, muss scheitern. Dass sich dies so verhalte behaupten nicht einmal diejenigen, die “mit ihren Ansichten nicht durchkommen und dann erklären, aufgrund der herrschenden Political Correctness kämen sie nicht zum Zuge”. Eher erinnert das Jammern über die vermeintlich übermächtige politische Korrektheit an den ewigen Aufschrei “Nazi! Nazi!” der festgefahrenen Linken (eben der selbsternannten politisch Korrekten), der anlässlich jeder ihnen widerstrebenden Meinung zu hören ist (möge sie noch so wenig mit der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zu tun haben). Es ist lediglich nicht ganz so penetrant. Die Diskussion über “überkommene Tabus” und “Sprachregelungen” könnte also genauso gut bei PC ansetzen, statt zu ihrer Verteidigung herangezogen zu werden.

Aber naja… im Prinzip sagt der Artikel ja genau das (was nicht zuletzt durch den reparierten LInk klar wurde). Hier kann sich im Grunde jeder die Bestätigung heraussuchen, die er braucht – ist das.. politisch korrekt?

 
Christian der II., 23.08.2008 12:04

> Nicht diejenigen gefährden den Rechtsstaat, die ihr
> verfassungsmässiges Recht in Anspruch nehmen, sich in
> Worten und gewaltfrei gegen ihn zu wenden

Ich sehe das etwas anders. Zunächst einmal, bist du sicher, dass das Grundgesetz nicht eben genau das als Ausnahme enthält? Dass in ihm dem Staat eben sehr wohl ein Recht zugesprochen wird, sich gegen seine Feinde zu wehren, und zwar auch schon, wenn diese auf der Ebene von Sprache und Symbolen handeln?

Wie dem auch sei, eigentlich finde ich die Redefreiheit auf mindestens dem Level, wie er in den USA garantiert wird, erstrebenswert. Eher noch weitergehend. Ich bin ebenso wie du der Ansicht, dass unsere Demokratie das aushalten muss, und es mittlerweile auch aushalten kann.

Wo sind die Unterschiede? Im wesentlichen an zwei Stellen. Zum einen halte ich einen Irrtum in meiner Bewertung für möglich. Es ist für mich daher gerechtfertigt, der Demokratie ein Selbstverteidigungsrecht zuzugestehen. Sollte es sich herausstellen, dass die Redefreiheit von Verfassungsfeinden DOCH in der Lage ist, die Demokratie zu destabilisieren, wäre ich für eine Rückkehr zum Status Quo, auch wenn ich diesen für alles andere als Ideal halte.

Zum anderen tue ich mich schwer mit Ausschwitz-Lüge, Hakenkreuzen und ähnlichem. Nehmen wir mal eine KZ-Überlebende, die dort den Tod ihrer Familie miterlebt hat. Ich halte den Gedanken für nahezu unerträglich, dass in unserem Land Neonazis diese Frau straffrei verhöhnen könnten, mit der Behauptung, die Vernichtungslager seien nur eine Erfindung und eine Lüge von ihr. Ebenso unerträglich wäre für mich die Vorstellung, dass ein Haufen Nazis am Fenster dieser Frau in Uniform vorbeimarschiert, und sie damit zu Tode ängstigt.

Deswegen, weil wir diese schwerst geschädigten Opfer haben, bin ich dafür, in diesem Punkt in Deutschland eine Redefreiheit nach amerikanischem Muster erst dann zuzulassen, wenn es die unmittelbaren Opfer der NS-Diktatur nicht mehr unter uns weilen. Ich weiß, dass man mir da sowohl mit einer Portion Zynismus, als auch von der Systematik und mit “slippery slope” Argumenten ein ganz furchtbarer Strick gedreht werden kann, aber ich empfinde es als moralische Verpflichtung gegenüber diesen Opfern der damaligen Gesellschaft, dass unsere heutige Gesellschaft sie vor den oben genannten Machenschaften schützt.

Auch wenn dazu gehört, dass der Rechtsstaat vorerst Naziparolen grölende Glatzen weiterhin als Straftäter verfolgt. So in einigen Jahrzehnten kann man das dann vermutlich spätestens ändern.

 
Michel, 23.08.2008 17:29

2 bis 5 teile ich. Aber Punkt eins ist unmögliche Broders Zitat ist extrem zynisch, da er bewust versucht mit Nazikeulen Existenzen zu vernichten, was gemeinhin als PC bezeichnet wird. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob man sojemanden zitieren muss oder gesellschaftiche Ächtung nicht ehrer angebracht ist.

jo@chim, 23.08.2008 17:58

mit Nazikeulen Existenzen zu vernichten

??? So wie ich das mitbekomme, ist es i.a.R. andersrum: die philopalästinensoiden Existenzen verklagen Broder…
Nun gut, er ist manchmal etwas empfindlich und aufbrausend in der Hinsicht. Wär ich aber auch, wenn ein Gutteil meiner Verwandtschaft die Shoah nicht überlebt hätte.

 
Dangerous Beans, 23.08.2008 18:00

Henk als PCler? LOL

 
Die Stimme aus dem Off, 24.08.2008 08:39

Volle Zustimmung. Broder ist sehr oft maßlos und unverschämt in seiner Kritik. Wer kann möge sich mal seinen Podcast zu den Eltern der verschwundenen Maggie anhören, ein Thema fernab vom Holocaust und Nationalsozialismus.
Wenn dieser Mann kein Zyniker ist, dann bin ich ein Mönch.

Zu Punkt 1 habe ich eine Erwiderung geschrieben:
http://meineheimat.wordpress.com/2008/08/24/es-gibt-keine-political-correctness/#more-370

Dangerous Beans, 24.08.2008 11:13

> Broder ist sehr oft maßlos und unverschämt in seiner Kritik.

Das ist nun mal so, wenn er seine Meinung sagt und oft recht hat.

 
 
 
Michel, 23.08.2008 19:06

In dieser Diskussion kamen einge Broderopfer selbst zu Wort:
http://ef-magazin.de/2008/08/21/583-meinungsfreiheit-was-darf-eine-juedin-in-deutschland-gegen-israel-sagen#comments
Es mögen Philopalästinenser dabei sein, das macht das Vorgehen Broders nicht weniger skandalös.

Dangerous Beans, 23.08.2008 22:02

Naja, gut, aber verbieten?

 
 

[...] keine political correctness… Veröffentlicht in August 24, 2008 von markusoliver behauptet Achim vom Antibuerokratieteam bzw. übernimmt ein Broder Zitat. Ich habe das Zitat nicht auf seine Richtigkeit überprüft würde [...]

 
David, 24.08.2008 22:36

Ach, was bin ich wieder froh, kein Sprachphilosoph zu sein. Das ist ja Sodom und Gomorrha.

daniel, 24.08.2008 22:59

Scheint nur so. Aber es ist schon manchmal verwirrend sich mit dem Verhältnis von “Sprache” und “Wirklichkeit” auseinanderzusetzen und dabei zu wissen, dass damit “Sprache” zur “Wirklichkeit” wird die man mit Sprache zu fassen versucht… total verzwickt…

David, 24.08.2008 23:52

Ja, echt total verzwickt, Du. Mit Deinen überlegenen sprachphilosophischen Skills und begrifflichen Salti kommt mein armer Geist, ein eher bescheidenes Modell für den Hausgebrauch, wirklich nicht mehr mit.

daniel, 24.08.2008 23:53

Das war selbstbashing….sorry, wenn es anders geklungen hat.

David, 24.08.2008 23:57

Oh, fein. Ist mir aber eigentlich egal, ich komme mit allem klar.

Lina, 25.08.2008 09:47

Du kommst mit allem klar, David? Was für ein grosses, liberales Wort!

Demnach auch mit der (von DB) so genannten “Danielisierung der Welt”? Das freut mich, denn auch ich ticke wie Daniel, ja, es entspricht meiner grossen Neigung zu äusserster Differenzierung, wie sie nur wenige teilen (Danke, Daniel!). Sie hilft, Dinge (wie verordnete PC) über Begriffsspaltungen bis zur Belang- und Bedeutungslosigkeit herunterzubringen, bzw sie damit am Ende ausser Kraft zu setzen – was im Sinne seiner Verordnung von oben ein durchaus erfreuliches Ergebnis wäre :).

Dangerous Beans, 25.08.2008 11:05

Vor Linguisten habe ich immer gewarnt, Dannie ist ein ganz besonders übles Exemplar, das die Existenz der PC verleugnet und die PC predigt.
Es heisst übrigens “Daniellisierung”.

 
David, 25.08.2008 14:24

Was für ein grosses, libeilrales Wort!

Freilich doch; oder zumindest ist das mein erklärtes Ziel.

<blockquoteDemnach auch mit der (von DB) so genannten “Danielisierung der Welt”?

Wieso nicht? Politische Diskussionen werden nach Abschluß zwar nicht mehr möglich sein, aber wer sollte sie auch vermissen?

Das freut mich, denn auch ich ticke wie Daniel, ja, es entspricht meiner grossen Neigung zu äusserster Differenzierung, wie sie nur wenige teilen (Danke, Daniel!).

Ach, Lina. Niemand hat etwas gegen Differenzierung, jedenfalls nicht ich. Es ginh mir im Vorangegangenen einzig um Begrifflichkeit. Insbesondere wollte ich mich nicht auf Dangerbeans Seite stellen, dessen völlige Leugnung der Relevanz von Konnotationen natürlich mindestens so absurd ist, wie bei Daniel manches undurchdacht.

Dangerous Beans, 25.08.2008 14:27

Ich leugne doch nicht die Relevanz der Konnotationen, sondern wende mich gegen diese.

David, 25.08.2008 14:41

Die Relevanz oder die Konnotationen?

Dangerous Beans, 25.08.2008 14:48

Ich bin gegen Nebenbedeutungen, die von pol. Modeströmungen gesteuert werden, die wiederum von irgendwelchen Meinungshengsten geleitet werden.

Nichts gegen Metaphorik natürlich.

Selbstverständlich sind Konnotationen (bedauerlicherweise) relevant, sonst wärs ja auch kein Thema.

 
 
David, 25.08.2008 14:56

Aber im Ernst: Hälst Du die Befreiung aller sprachlichen Ausdrücke von Konnotationen im Sinne der Sacharbeit tatsächlich für ein erreichbares Ziel? Oder willst Du es gar nicht erreichen und stattdessen lieber lästern? Und was spricht denn dagegen, möglichst wenig konnotierte Ausdrücke zu verwenden, wo sie verfügbar sind? Wäre das nicht weitgehend sinnvoll wenn man an Sacharbeit interessiert ist?

Wobei natürlich gar nicht abgestritten werden kann, daß die Versuche “PC” zu sein teilweise absurde Züge annehmen; wenn beispielsweise “Inuit” als politisch korrekte Variante von “Eskimo” verkauft wird. Beleidigend könnte man wahrscheinlich sogar eher wirken, indem man einen Eskimo als Inuit bezeichnet, als es umgekehrt möglich wäre. So ist das halt, wenn die PC weitgehend ohne Einbeziehung der vermeintlich Betroffenen praktiziert wird.

Dangerous Beans, 25.08.2008 16:22

Wir diskutieren das doch im Kontext PC, oder? Falls nicht, LOL, dann geh ich nach Hause.
Metaphern sind OK, gelenkte Wortumdeutungen nicht, was ist daran nicht zu verstehen?

Nur mal so als Beispiel: Wenn mir in einer Diskussion entgegengehalten wird, dass das Wort “schwul” dank der Bemühungen der Homosexuellenbewegung positiv konnotiert ist und ich es in einem nicht positiven Sinne verwende, dann hackt es doch.
Und vom unislamischen Terror zu sprechen liegt mir auch eher nicht.
Wenn die Southpark-Leute etwas als gay and sick bezeichnen, toben wahrscheinlich auch die Schwulen in Frisco, LOL, Isaac Hayes hat sich an der Sendung auch noch verschluckt.

Ich fordere alle Menschen auf Wörter im Sinne ihrer Bedeutung zu verwenden, dabei sich nicht darum zu kümmern, ob irgendwelche Gruppen diese gerade in irgendeinem Sinne konnotiert haben.
Es kann ja nicht sein, dass man nur Wörter nutzen soll, wie von Dir vorgeschlagen, die (noch) nicht “proprietär” sind.

Wörter ändern ihre Bedeutung eigentlich nicht oder meist in einem nachvollziehbaren metaphorischen Sinn. Wir können aber gerne ein paar Wörter diskutieren. Ich behaupte, dass es da nicht viel gibt.

David, 25.08.2008 16:44

Die Frage ist doch auch, welches Wort man auswählt, wenn man mehrere mit gleicher Bedeutung verfügbar habe.

Kannst Du übrigens die Gruppen, die die PC-Richtlinien vorgeben, klar benennen, oder bleibt das diffus?

Dangerous Beans, 25.08.2008 16:55

Es gibt Aktivisten, die teilweise ganz gezielt Wörter “positiv besetzen” (oder um die “sprachliche Oberhoheit kämpfen” oder so ähnlich), der Kampf um Wörter ist im linken Spektrum stark verbreitet. Die Rechten wollen eher übel aufstossen, LOL.

Damit ich da richtig verstanden werde: Die sollen das ruhig machen, mir ists egal, stehe nicht unter Leidensdruck (man ebachte das Fachwort), halte mich nur nicht dran.

_Wenn_ ich nicht eben muss, weil ich in einem soz. Konstrukt partizipiere, wo das erwartet wird.

RA hats genau erfasst, will ihn nicht wiederholen.

jo@chim, 25.08.2008 17:38

der Kampf um Wörter ist im linken Spektrum stark verbreitet. Die Rechten wollen eher übel aufstossen

:D Damit haste’s in unsere QuoteDB geschafft.

 
Dangerous Beans, 25.08.2008 19:07

Danke, was hältst Du von “Ein Licht ist angegangen, aber ich weiss nicht was es bedeutet.”?

 
Lina, 25.08.2008 21:58

@ DB

Treffend! sollte nicht zögern, Deinen Vorschlag anzunehmen…

Was hältst Du übrigens von: “vergallopierter Kommentatorenhengst” :-D?

 
Dangerous Beans, 26.08.2008 00:09

Was hältst Du von “vergaloppierte Lina”?

 
Lina, 26.08.2008 06:26

Von der Rechtschreibung her unbedingt ja ;)!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
multi_io, 24.08.2008 23:59

Nicht diejenigen gefährden den Rechtsstaat, die ihr verfassungsmässiges Recht in Anspruch nehmen, sich in Worten und gewaltfrei gegen ihn zu wenden – oder einfach revisionistischen Bullshit[http://.../Flatearthsociety.htm] zu erzählen – sondern diejenigen, die die Freiheit der Meinungsäusserung als relativ oder verhandelbar betrachten.

Irgendwie finde ich’s ja unredlich, wenn Radikalbefürworter von Meinungsfreiheit als Fallbeispiel immer nur harmlose Spinner wie die “flat earth society” anführen, die zu verbieten eh niemand vorhatte.

…und dann erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass dein großes Idol H.M. Broder auch schon verschiedentlich mit gerichtlichen Mitteln versucht hat, Leuten zu verbieten, ihre Meinung im Internet zu äußern. Da war sogar ein Fall dabei, in dem irgendjemand Herrn Broders Homepage nachempfunden und satirisch verdreht hat — also ganz ähnlich wie in der angesprochenen DGB-Klage. Der Hitler-Vergleich fehlte allerdings noch :-P

Dangerous Beans, 25.08.2008 00:46

Wir haben die PC sogar in Gesetzestexten verankert, die Richter sind angehalten die Begleitumstände der Taten, oft auch die Gesinnung der Angeklagten, zu prüfen und die freie Äusserung der Meinungen ist nicht gegeben.
Ich will jetzt nicht jammern und auch keinen Grund für den Eindruck geben, dass ich unter Leidensdruck (man beachte das Fachwort) stehe, das Gegenteil ist der Fall, ich bin ein wenig amüsiert.
Dank an Joatchim für den Blogeintrag und fürs Idol.

 
 
NUB, 25.08.2008 08:54

Es wird mitunter gern vergessen, dass viele der pc Sprachregelungen (oder Vergleichbares) auch im Land der Freiheit, den USA, ihren Siegeszug antraten, und oft noch bevor sie sich hier durchsetzten.

Und auch dort machen sich Menschen so ihre Gedanken über das Phänomen.

 
R.A., 25.08.2008 11:14

Broder hat ja sehr oft recht, z. b. wenn er sich zum antisemitischem Geschmeiß im Lande äußert.
Aber beim Thema PC übersieht er, daß er hier eine spezielle Freiheit hat, weil er beruflich/politisch in einer besonderen Position der “Narrenfreiheit” positioniert hat – non-PC-Sprüche nützen ihm sogar.

Der normale Bürger kann ähnliches sagen – solange er privat bleibt.

Aber wer in der Öffentlichkeit steht (und sei es nur als kleiner Kommunalpolitiker), und dort auch etwas bewirken möchte – der muß sich recht streng an die PC halten, sonst ist er in kurzer Zeit weg vom Fenster und bekommt auch keinerlei Chance, sich argumentativ zu wehren.

NUB, 25.08.2008 11:20

Vielleicht doch. Bei Johannes B. Kerner. Könnte aber auch aus der Sendung geworfen werden, falls er uneinsichtig ist…

 
Dangerous Beans, 25.08.2008 11:25

Amüsant ist es auch, dass Henk die Existenz der PC ableugnet um dann im nächsten Satz von Regelmengen und Verhaltensmustern zu schwätzen, die genau dem entsprechen was mit PC gemeint ist.
Henk immunisiert sich so gegen standardisierte Angriffe und kann so die Initiative bewahren und die Diskussionsparner auf das beste einseifen.
Hier gibts auch eine Parallele zum “Kampf gegen Rechts” [1], der ja aus verschiedenen Gründen sehr problematisch ist und von Henk mit einigen Kommentaren über Thor Steinar-Shirt tragende dumme Ostdeutsche und über stupide (ebenfalls meist ostdeutsche) Glatzen mitgetragen wird. Er hat sich meines Wissens nie mit der Sache beschäftigt und hält einfach Distanz, LOL.
Ich wills nicht verurteilen, er kämpft halt punktuell.

[1] Man stelle sich einmal einen staatlich mitfinanzierten “Kampf gegen Links” in D vor.

NUB, 25.08.2008 11:41

Der wunde Punkt ist dabei aber die Unschärfe des Begriffs, ist doch eigentlich rechtsextrem oder auch rechtsradikal gemeint, wobei dort eine genaue und definitive Inhaltsbeschreibung ebenso Gesprächsstoff liefert. Die Unschärfe des Begriffs “Rechts” wiederum erlaubt dann allerlei Einsortierungen in die zum Feind erklärte Menge, wobei die Unschärfe es auch zulässt, als konservativ und rechts zu bezeichnen, was ganz eindeutig die Einsortierung in rechtsextrem oder rechtsradikal verdient hat. Verbunden mit diversen Unterdrückungs”mythen”, deren Realitätsgehalt sich dann im Kern doch auf verbotene Holocaustleugnung und eben jenen Kampf gegen Rechts beschränkt, der dann aber schon mal als Kampf gegen alle Andersdenkenden bezeichnet wird, was in der Pauschalität ja auch nicht stimmt. Schönes Durcheinander.

Dangerous Beans, 25.08.2008 11:57

Es wäre besser, wenn Konservative, Bürgerliche und Liberale sich nicht als “rechts” verorten liessen. Allerdings hat “rechts” und “links” eine lange Tradition und ist auf Sitzordnungen zurückzuführen. So gibt es einen rechten SPD-Flügel und auch einen bei der CDU (der abgeschmolzen wird, die Sozialdemokratiesierung der Partei geht weiter). Auch in den Staaten gibt es “Rechte”, die natürlich nichts mit Adi&Co. zu tun haben.

“Rechts” und “links” sollte denjenigen vorbehalten bleiben, die es verdient haben, also den nationalen und internationalen Sozialisten.

Henk meidet hier das Stellung beziehen, richtigerweise wie ich finde, soll denn unser Supertalent defensive Diskussionen führen?

 
 
 
 
Matt Jenny, 25.08.2008 23:35 Subscribed to comments via email

@jo@chim:

Danke für Deinen Beitrag und sorry für meine verspätete Antwort. Leider konnte ich nicht alle Kommentare durchlesen, möchte aber trotzdem auf das Ausgangsposting zu sprechen kommen.

Zu 1.: Was Broder offenbar nicht zu PC zählt (“Ich weiß auch gar nicht, auf welches Phänomen es sich bezieht, außer dass man vielleicht nicht “Saujude” oder “Scheißaraber” sagen kann, was ich vollkommen richtig finde, dass es Grenzen gibt im Umgang miteinander”), ist für mich integraler Bestandteil derselben. Darum kann ich ihm nicht zustimmen, wenn er sagt, dass es keine PC gibt. Trotzdem trifft seine Feststellung zu den PC-Phobiker (die es ja unabhängig von der PC existieren können) wohl in einigen Fällen zu.

Zu 2.: Natürlich Zustimmung.

Zu 3.: Gute Idee!

Zu 4.: Wenn man “Rechtsstaat” mit “Freiheit” ersetzen würde, so würde ich sagen, dass sowohl einige, die von ihrem unabdingbaren Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen, wie auch jene, die dieses Recht als verhandelbar betrachten, die Freiheit gefährden.

Zu 5.: Da stimme ich Dir nur bedingt zu. Das habe ich ja bereits in meinem von Dir verlinkten Beitrag zu erörtern versucht.

 
scrutograph, 27.08.2008 11:57 Subscribed to comments via email

Punkt 4 verstehe ich nicht. Die einen gefährden, die anderen nicht, wieso?
Meinungsfreiheit ist ja auch Teil des Rechtsstaates. Man darf sie nutzen, um auch die Abschaffung oder Einschränkung der Meinungsfreiheit zu fordern, aber das “gefährdet” den Rechtstaat wie auch die Forderung nach Abschaffung der Unabhängigkeit der Richter oder irgendetwas anderes.

Bei Political Correctness geht es doch nicht primär um Treue gegenüber einer bestimmten Verfassung, sondern um Vermeidung von Rassismus, abwertenden Äußerungen gegenüber sich bedrängt oder minderwertig fühlenden Gruppen oder von bestimmten Vergleichen und Beleidigungen, Tabuisierung von schmerzlicher Vergangenheit, ganz gleich, ob man sich in Reichweite der (deutschen) Rechtsordnung aufhält oder nicht. Gleichwohl ist zu erkennen, dass immer mehr Political Correctness in die Rechtsordnung zu integriert wird, weshalb mancher vielleicht die Unterschiede nicht mehr erkennen kann.

Dangerous Beans, 27.08.2008 13:21

PC in der Rechtsordnung führt zu einem Gesinnungsstrafrecht bei dem einige etwas dürfen und andere nicht und wenn was getan wird, das zu strafen ist, dann gibts unterschiedliche Strafmasse.
Es gab unter Juristen mal eine empörte (hört, hört!) Diskussion über den sog. Tyrannemord – http://de.wikipedia.org/wiki/Haustyrannenmord – und die Richter haben mittlerweile einen sehr großen Ermessungsspielraum was die Milderungsgründe betrifft. [1]

Die PC gefährdet also sehr wohl unsere Rechtsordnung.

[1] Hier könnten ein paar Anekdoten stehen, :)

 
 
Alexander, 27.08.2008 17:44

Ich kann die fünf Punkte nur unterstreichen. Political Correctness ist ein Schlagwort von Rechtsradikalen, die überall eine politische Korrektheit vermuten, die sie dann anklagen können. Die die politische Korrektheit vorschieben, um behaupten zu können, die Majorität teilt die eigene Meinung, traut sich nur nicht, angebwlich wegen der PC.

Ganz besonders der Blog “pi-news” gehört dazu: Obwohl die sehr viele Menschen offen antiislamisch sein dürften und die Medien nun alles andere als beschönigend über den Islam berichten, behaupten Herre und Co., die PC manipuliere die öffentliche und die veröffentlichte Meinung. Die Vermutung liegt nahe, dass Herre Pogromstimmung herbeiwünscht, wenn er wirklich glaubt, was er behauptet.

Politische Korrektheit im ursprünglichen Sinne finde ich richtig, denn sie sagt ja nichts anderes aus, als dass wir es unterlassen sollten, uns verbale Schlammschlachten zu liefern. Wer rassistisch, sexistisch, antisemitisch (Hohmann) oder ausländerfeindlich argumentiert, muss in seine Schranken gewiesen werden. Wenn nicht, wäre dies das Ende einer politischen Kultur, in der sich die besseren Argumente durchsetzen sollen, nicht die hassschürenden Thesen.

Dangerous Beans, 27.08.2008 19:54

Wie? Wer die Political Correctness erkennt und bearbeitet ist RECHTSRADIKAL? Aber existieren tut die PC natürlich nicht.

Sowas liest man vglw. häufig, dumm nur, dass diejeingen die die Existenz der PC verleugnen selbst oft deutliche Hinweise darauf geben selbst politisch korrekt zu sein.

Ich glaube, dass an diesem Widerspruch die ganze Diskussion hier ein wenig leidet. Weiss auch nicht, ob Joatchim seine 5 Thesen ernst meint oder diese just for fun zerfleischen lassen will. Sieht mir fast so aus.

Zumindest wird das, was allgemein als PC bezeichnet wird, grundsätzlich als gegeben anerkannt, es scheint eher um das Wort Political Correctness zu gehen, das auch rechte Medien wie die Junge Freiheit oder PI oder EF aufgegriffen haben und womit der Leidensdruck in dieser Szene geschürt wird.

Ändert aber nix daran, dass es das Phänomen gibt und die Sache immer unangenehmer wird. Zum Glück haben wir das Internet, das nicht so leicht von den heuchlerischen Hütern der Moral zensiert werden kann.

jo@chim, 27.08.2008 20:14

just for fun zerfleischen

Nein nicht die Bohne :-) Richtig ist allerdings, dass ich mit 1. – und wohl auch Brother Broder, so wie ich ihn einschätze – nicht die Existenz der pc an sich abstreiten wollte, sondern mich gegen das Gejammer (z.B. in den Medien auf die Du verweist) über pc, die den erkannten Willen des Mobs angeblich völlig verfälsche wende: die versuchen sich doch lediglich ein Verfolgten-Image zu geben, weil sie für den Bullshit, den sie verzapfen, Gegenwind bekommen.

Das ist dasselbe Spielchen wie bei der “Antifa”, die über “staatliche Repression” greint, wenn mal wieder einer beim Zündeln erwischt wurde.

Nur weil die Medienhorde sich heulend auf irgendetwas stürzt, muss es noch längst nicht richtig sein. Da ist so oder so eigene Denkarbeit angesagt…
IMHO.

Dangerous Beans, 27.08.2008 23:28

Prima, Du wirst mir noch langsam sympathisch.
Meinst Du Henk hat das auch so ähnlich gemeint?
Das, was Du Gejammer nennst, heisst bei mir Leidensdruck (man beachte das Fachwort).

 
 
 
 
Ludo Kamberlein, 27.08.2008 18:34

Ein klein wenig unredlich finde ich´s von Herrn Broder, gegen die vermeintlich PC-Unterdrückten zu polemisieren. Wie auch immer man die Denkverbote und ideologischen Scheuklappen in der Bundesrepublik auch betiteln mag – einige wenige auserlesene Publizisten mit Narrenfreiheit wie Herr Broder (ein weiteres Beispiel wäre Herr Jörges) profitieren davon, dass andere ohne diese Bevorzugung bei gewissen Themen sofort niedergemacht werden.

 
Lina, 09.09.2008 17:02

Eine Frage noch, die mich beschaftigt: läuft es eigentlich auch unter *PC*, wenn auf einer sonntäglichen Open-Air-SPD-Pressekonferenz gelogen wird, dass der See sich kräuselt?

Oder war das wieder nur ein weiterer Fall von Sprachregelung, bzw. parteilich korrekten Lügens, wenn ein designierter Kanzlerkandidat und ein Generalsekretär so tun, als müssten sie den von sich aus gegangenen Kurt Beck noch nachträglich hinausloben? Er war doch schon weg.

(Ja, doch, es gibt dieses überwältigende Bedürfnis, Politiker mal ungeschminkt sehen und reden zu hören; es löst einem nur keiner ein, nicht einmal spontan ;-)

 

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