Die weltgrösste Maschine, der Large Hadron Collider (LHC) am CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire ) bei Genf ist Lesern von Dan Browns Angels and Demons (dt. Illuminati) nicht unbekannt. Während in Browns Roman das CERN eine Antipode zum Vatikan verkörpert, spielt das CERN in Thomas Lehr’s Roman 42 mit einem Physik-Unfall eine Hauptrollle in einer herrlich abstrusen Story.

Von der Sci-Fi Romanvorlage des Physik-Unfalls zurück in die Realität:
In den nächsten Monaten ist die Inbetriebnahme des Large Hadron Colliders geplant. Das Ziel der Physiker ist Teilchen, wie Bleikerne, stark zu beschleunigen und diese mit sehr hohen kinetischen Energien aufeinander zu schiessen.

In riesigen Detektoranlagen werden dann die Spuren der Teilchenkollisionen registriert und daraus Aufschluss über den Aufbau der Materie gewonnen.
Das sogenannte Standardmodell zur Beschreibung des Teilchenzoos sagt die Existenz des Higgs-Bosons voraus, welches, nach Peter Higgs benannt, erklären soll, warum gewisse Teilchen eine Masse haben. Alle anderen Teilchen und Antiteilchen des Standardmodells wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten nachgewiesen, einzig das Higgs-Boson steht noch aus.

Gegen dieses Vorhaben wurde beim Gerichtshof für Menschenrechte Klage eingereicht. Die Kläger weisen darauf hin, dass bei den zu erwartenden, hohen Energiedichten (Energie / Volumen) Mini-Schwarze Löcher entstehen könnten.

Nach der klassischen (nicht-quantisierten) Allgemeinen Relativitätstheorie krümmt jede Masse den sie umgebenden Raum ein klein wenig und für die extrem hohen Dichten eines Schwarzen Lochs wird diese Raumkrümmung so stark, dass selbst Licht eingefangen bleibt. Photonen, die Lichtteilchen, haben aufgrund der Energie-Masse Äquivalenz E=mc^2 eine (bewegte) Masse und die wird vom Schwarzen Loch angezogen. Die Anziehung ist so stark, dass das Licht, trotz Bewegung mit Lichtgeschwindigkeit den Ereignishorizont, den Rand, des Schwarzen Loches nicht nach aussen verlassen kann.

Würde ein solches Mini-Schwarzes Loch unter der Schweiz entstehen, würde es – so die Befürchtung – nach und nach die Erde verschlucken. Punkt. Aus. Ende.

Um das ganze ein wenig komplizierter zu machen, bringen wir Stephen Hawking ins Spiel. Hawking brachte drei der Säulen der Physik zusammen: Quantenmechanik, Allgemeine Relativitätstheorie und Thermodynamik und berechnete in den 1970er Jahren, dass ein Schwarzes Loch doch nicht so ganz schwarz sein kann.
Dank der Quantenvakuumfluktuationen (das Vakuum ist nicht so richtig leer, wenn man genau genug hinsieht) entsteht am Rand des Schwarzen Lochs die sog. Hawking-Strahlung, die mit einem kleinen Energieverlust des Loches verbunden ist und dem Loch eine Temperatur zuordnet.

Diese Temperatur, und damit die Hawking-Strahlung ist von der Grösse des Loches (bzw. der Raumkrümmung) abhängig und für Mini-Schwarze Löcher soll sie besonders gross sein.
Dieser Mechanismus lässt Mini-Black Holes ganz schnell wieder zerstrahlen.

Auf diesen Zusammenhang weisen die Kläger zwar hin, halten die Existenz der Hawking-Strahlung allerdings für unbewiesen, für Spekulation, für Zweifelhaft.

Der Gerichtshof für Menschenrechte hat die Klage abgewiesen und die Befürchtungen der Kläger damit in die Nähe der eingangs erwähnten Romane geschoben. Aber Spekulationen über das Ende der Welt verkaufen sich eben immer noch am besten.