Vormund Vorfelder – Mündel Biker
Bodo Wünsch, 12.09.2008
Dass Motorradfahren gefährlich ist, muss man nicht verkünden. Dass jedoch das Lesen von Motorradzeitschriften gefährlich sein könnte, wäre etwas ganz Neues.
Ein nur klitzekleines Beispiel des in Deutschland so dummen wie notorischen Versuchs*, die stets eigene Verantwortung für sich auf andere abzuschieben – und unterschwellig den eigentlichen Adressaten für unmündig zu erklären. Merke: Am Gasgriff drehst du, und niemand sonst.
Und eigentlich gilt das im übertragenen Sinne für das ganze Leben.
* = wer sonst ausser SPON gibt solcherlei Geschreibsel Raum… – das nur nebenbei zum Thema “Qualitätsjournalismus” …
antibuerokratieteam.net





“In der Leserschaft regt sich Widerstand.”
“Den meisten Stammlesern geht die Vollgas-Prosa von “Motorrad” allerdings entschieden zu weit…”
“Raserprosa”
Tja, ich war auch mal Biker, die leichten Maschinen, man hatte ja noch nicht die Kohle…
Ist halt SpOn-Niveau, immer wieder eklig zu lesen. Irgendwie vermisse ich aber noch den Absatz mit den Toten und Schwerverletzten. Warum kam der diesmal nicht?
Ach so, fahre jetzt natürlich PKWs, man ist ja ernünftig geworden. Ich selbst fahr nie schneller als 250. (Aber defensiv, Drängeln und so gibts bei mir nicht.)
Das alte (libertäre) Lied: Eigenverantwortung hat vor Mitverantwortung zu gehen. Das ist zwar naturgemäss so, wenn aber Mitverantwortung aus Gründen in den Vordergund gespielt wird (wie SpOn es leider notorisch tut), muss darüber nicht unbedingt gespöttelt werden, finde ich; ich tu’s jedenfalls nicht.
Und was den Verbal-Rausch der Bikerlobby angeht: mir egal, sollen sie doch…
Eigenverantwortung schön und gut, doch wer am Straßenverkehr teilnimmt, gefährdet bekanntlich nicht nur sich, sondern auch andere.
Eine Bierzeitschrift, die hemmungslosen Biergenuss beim Autofahren feiert, müsste sich wohl auch auf einiges gefasst machen
Das hiess früher mal “Fahrtbier” und war ganz normal. Heutzutage hat man aber auf Präventivstrafen umgestellt, d.h. der ggf. leicht alkoholisierte Fahrer wird gestraft BEVOR etwas passiert. Strafe ohne Tat, aber es hätte ja was passieren können!
In irgendeinem Film gabs da kürzlich (also innerhlab der letzten 10-15 Jahre) noch einen derben Joke übers Fahrtbier, weiss einer wie der hiess?
Du meinst vielleicht Kleine Haie, 1992. Selbst leider nie gesehen, kenne ihn nur aus Erzählungen und vor allem für den Spruch “Fahrbier ist auch gut” von Bierchen.
Nana, geahndet wird nicht der Biergenuss sondern die Fahruntüchtigkeit. Alkohol hemmt nunmal das Reaktionsvermögen, macht größenwahnsinnig und temporär doof.
“Das hiess früher mal “Fahrtbier” und war ganz normal.” Ja, und irgendwann haben die Leute herausgefunden dass es blöd ist. Willkommen im Fortschritt.
Du bist doch bloß verklemmt.
@Gefährliche Böhnchen:
> Das hiess früher mal “Fahrtbier” und war ganz normal. Heutzutage
> hat man aber auf Präventivstrafen umgestellt, d.h. der ggf. leicht
> alkoholisierte Fahrer wird gestraft BEVOR etwas passiert.
Du kritisierst die Präventivstrafe, die schon greift, wo noch gar nichts passiert ist, richtig? Dann kann aber “leicht alkoholisiert” doch überhaupt kein Kriterium sein! Solange jemand keinen Unfall baut, müsste deiner Argumentation zufolge auch Fahren im absolut allerschwersten Vollrausch legal und legitim sein.
Lässt sich so übrigens beliebig weiter ausdehnen. Warum nur bei Autofahrern so verfahren? Warum nicht auch bei Piloten? Sollte doch deren Bier sein (haha), wie viel Alkohol sie vorher trinken, oder?
Präventivstrafen sind aus liberaler Sicht natürlich äusserst problematisch, das schien mir erwähnenswert. In der öffentlichen Diskussion wenig beachtet dieser Aspekt, früher war die Rechtslage so wie von Dir geschildert.
Strafe für alkoholisiertes Fahren ist keine Präventivstrafe. Sie ist eine Strafe für eine Tat: alkoholisiert am Straßenverkehr teilnehmen. Soviel zum Rechtlichen.
Was mich bei der SPON-Kritik massiv stört, ist, dass das Blatt angegangen wird, in dem “Raser-Prosa” erscheint.
Das riecht arg nach dem Gutmenschenwunsch, Zensur zu üben. Es wird sich in einem bestimmten Fall schwerlich nachweisen lassen, ob die (fortgesetzte) Lektüre von “Raser-Prosa” zu einem bestimmten Unfall geführt hat.
Sicher lässt sich zeigen: pc macht auch vor Biker-Zeitschriften nicht halt, der Bikerwelt, einer der letzten “Bastionen”, die sich ein Fünkchen Unabhängigkeit wahren konnte.
Autofahren ist das schon lange nicht mehr.
Ist etwas strafbewehrt, kann es keine Präventivstrafen mehr geben, denn es ist ja strafbewehrt, so Bodo Wünsch. Ich fände es aber schon besser, wenn eine Tat stattgefunden hätte und ein Geschädigter existiert. Das Strafrecht bewegt sich hier seit einigen Jahrzehnten recht ungünstig.
Die “letzten Freiheiten” verschwinden, der harmlose Biker – http://www.youtube.com/watch?v=emPY4RG91cI – wird aus seinem Revier vertrieben, die allgemeine Entmannung mit der Folge der Kinderlosigkeit nimmt zu.
SCNR
Um das (vorsichtshalber) mal klarzustellen, ich habe hier eine Position _skizziert_, die auch schon kritisch ist, um, äh, ein wenig Nachdenken zu provozieren.
Der Bekloppte auf dem Motorrad darf aus meiner Sicht gerne kondistioniert werden, aber es gibt eben die von mir skizzierten Zusammenhänge.
Apropos Video: Es zeigt, dass Tempo 300 tatsächlich zu überleben ist, sogar für vereinzelte Autofahrer! Rushhour
Mit dem Effekt einer “Entmannung” mittels Strafbewehrung liegst Du goldrichtig, Kompliment! Geschlechtsneutral ausgedrückt läuft es halt nur auf Entmündigung hinaus…
Apropos Kinderlosigkeit: Das hat er nun davon, der Staat (also wir), dass er auch noch das Kinderkriegen subventionieren muss ;-)…
Sorry: Rushhour … war’s ja grad nicht… !
Wer als Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen (sagen wir mal 50-70k jährlich) in D heiratet und eine Familie gründen will sollte zumindest soviel Mut haben auf der Autobahn 250km/h zu fahren, Selbstständigen ist das Superbike als Eignungstest empfohlen.
Wenn Du verheiratet bist und der Staat frisst direkt und indirekt bis zu 80% weg, dann ist die Alternative des fröhlichen Hartzielebens schon attraktiv. Oder das Einzelhartzietum.
Ein Gedankensprung!? Ja, das Superbike kann dem “Hartzie” ebensowenig weggenommen werden wie das Auto. Das ist schon ein Vorteil, mit dem er sich als selbstständig profilieren kann … besser als mancher Selbstständige.
> Präventivstrafen sind aus liberaler Sicht natürlich äusserst
> problematisch, das schien mir erwähnenswert.
“Problematisch” ist bereits etwas anderes als “kategorisch abzulehnen”. Vor allem, es geht doch eigentlich um eine Frage, die ich für so irrelevant nicht halte: Was ist denn nun mit Leuten, deren Verhalten andere gefährden kann?
Wenn wir uns auf den Standpunkt stellen “Grundsätzlich nichts unterbinden, bevor nicht etwas passiert”, dann nehmen wir mehr Unfälle, auch mit Todesfolge hin. Spätestens beim Lufthansa-Piloten im Vollrausch sollte klar sein, warum das eine verdammt schlechte Idee ist. Der andere Standpunkt “alles ausschließen, was ein Risiko sein könnte” führt zum Tempo 30 auf Autobahnen.
Ich halte beide Extrem-Standpunkte für vollkommen lächerlich, und bin der Ansicht, es wäre hier mal an der Zeit, zuzugeben dass da ein Spannungsfeld besteht, man gezwungen ist, irgendwo in der Mitte seinen Weg zu suchen, und die pure Ideologie einfach nur geradewegs in die Scheiße führt, und zwar bei beiden Standpunkten.
Bei der konkreten Sache halte ich es übrigens für ziemlich angemessen, das Todesrisiko der anderen Verkehrsteilnehmer auch dadurch abzusenken, dass alkoholisiertes Fahren weitgehend verboten wird.
Strafe ohne Tat
Falsch. Die Tat besteht in dem Fall darin, alkoholisiert Auto zu fahren. Wenn man einen Mordversuch begeht, bei dem niemand verletzt wird, wird man auch bestraft.
Und Du bist betrunken.
Richtig, aber das würde wahrscheinlich die Lufthansa selbst unterbinden wollen, Stichwort “Kundenfreundlichkeit”, Todesrisikio so niedrig halten wie möglich und sie kommen immer wieder.
Tatsächlich ist aber in der derzeitigen Situation z.T. wirklich der Gesetzgeber gefragt, damit Hammerwerfen in Fußgängerzonen und eben auch komatöses Autofahren wegen des offenkundigen Risikos eingedämmt werden. Jedenfalls ist das vertretbar.
Genau! Wie hast Du das ermittelt?
Das ist das schöne an Deiner Art von Liberalen. Wo die Logik endet könnt Ihr immer noch über Steuern heulen.
Tat: Fahren unter Alkoholeinfluss.
Was ist daran nicht zu verstehen? Ich kannst auch langsam schreiben: Fahren unter Alkoholeinfluss. Mist, bringt nichts. Alkohol macht fahruntüchtig, deswegen ist es verboten, alkoholbeeinflusst zu fahren. Ich kann mir nicht denken dass da so schwer ist…
Das riecht man bis hier.
Es ist jedenfalls mal vernünftig darüber nachzudenken. :)
Präventivstrafen sind ja nicht am Alkohol im Strassenverkehr festzumachen, es kann ja bspw. auch den Opa Willi erwischen, der eine Frist für seine regelmässig angeforderten Fahrtauglichkeitsprüfungen verpasst hat, oder denjenigen, der sich am Steuer einen Kaffee reinschlürft, einen Unfall verursacht und von einem Mitfahrer (!, einem Daniel so zu sagen ;) gemeldet wird.
Mist, und Spearmint is’ alle!
:-D! “Fisherman’s friend”? Nimm ruhig … !
Danke! Jetzt besser, Danny?
Ich bin eindeutig ein Mitesser, meine Waage bestätigt das hundertfach…
> Richtig, aber das würde wahrscheinlich die Lufthansa selbst
> unterbinden wollen, Stichwort “Kundenfreundlichkeit”,
> Todesrisikio so niedrig halten wie möglich und sie kommen
> immer wieder.
Gut, dann nimmst du halt Larry Ellison im Privatjet. Aber das Prinzip ist klar. Ich wollte halt rüberbringen, dass ein “Nö, wir brauchen keine Vorschriften, wenn was passiert, kann man das ja bestrafen” als Strategie nicht wirklich akzeptabel ist. Und zwar ohne dass ich einen besseren Grundsatz anbieten könnte. Mir fällt nichts besseres ein, als wurstiges Durcharbeiten von Fall zu Fall. All dies natürlich auch noch nach mehr oder weniger intransparenten Kriterien, die sich je nach den momentanen gesellschaftlichen Moralvorstellungen ändern können.
Nicht schön, ich geb’s zu.
Tja, und all diese Dinge könnten durchaus im jeweiligen Kontext eine gesellschaftliche Rechtfertigung finden. Der Opa Willi als Beispiel absurder Gängelung kann nämlich durchaus auch anders gesehen werden. Was, wenn in 20 Jahren die Baby-Boomer größtenteils schon halb senil sind, etliche aber ihren Führerschein behalten wollen, und dann in der Folge die tödlichen Autounfälle massenweise zunehmen? Weil etliche Autofahrer diesmal vollkommen ohne Sauferei ins Koma gefallen sind?
Und schon wäre es durchaus ein Grund sauer zu sein, und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, wenn ein Opa ohne gültige Fahrerlaubnis aufgetroffen wird, weil er seinen Test vergessen hat.
Wie gesagt, es lässt sich nicht so einfach sagen, was schon Absurd ist, und was noch akzeptabel.
Toll, wie einem das Wort im Munde umgedreht wird.
Ich rede hier nicht über Pro und Contra von Präventivstrafen (ich wäre contra per se), sondern redete über das, was bei ‘uns’ Fakt ist. Betrunken fahren ist nicht erlaubt, ergo wird es sanktioniert. Basta. Präventiv allein könnte hier das Verbot sein, nicht die Strafe.
Präventiv wäre, die Todesstrafe für Vergewaltigung mit der Begründung einzuführen, damit andere von möglichen Vergewaltigungen abzuschrecken (Generalprävention), oder, einen Mörder nur deswegen lebenslang einzusperren, damit er nicht nochmal morden kann (Spezialprävention).
Besser ein bisschen Logik als gar keine wie bei euch
SozialistenSchleierkommunisten.Aber ich bin doch Epistokrat. Gilt das jetzt auch für mich?
Ich habe bereits persönlich die Bekanntschaft mir dem Konsumenten von ein paar Fahrbier gemacht. Hat mir 2 Monate Krankenhaus und über ein halbes Jahr Reha eingebracht. Ich kann mit der Einschränkung der persönlichen Freiheit, nicht betrunken Auto fahren zu dürfen, sehr gut Leben. Andernfalls können die Folgen die persönliche Freiheit weit mehr einschränken.
Was das Rasen manches Motorradfahrers anbelangt – das sind überwiegend gesunde junge Menschen. Man sollte einfach Organspendeausweise an sie verteilen ;-)
Strafe ohne Opfer.
Wie würdest Du gegenüber motorisierten Saufnasen handeln, wenn die Strasse Dir gehören würde und Du in der Mithaftung wärst?
Ich denke, dass man mit so einem Beispiel die liberalen Fantatrinker ran kriegt.
Du musst ja gar nicht mit Mithaftung argumentieren, einfach mal ein Gedankenexperiment machen und den Schaden begutachten. Das reicht mir dann als Beweis, dass es fantatrinkerisch mal wieder nicht geht.
Hatte mal ne vglb. Diskussion mit dem anscheinend Drogen konsumierenden David H., der war für die bedingungslose Freigabe. Ein anderer Joe aus dem sagen wir mal zionistisch-liberalen Spektrum war für die bedingungslose Freigabe von Dopingmitteln. Der Markt würde es regulieren, LOL.
Ich denke, dass meine Argumentation zwar nicht Fanta, aber durchaus libertär ist. Asoziale Anarchoattitüde (“was geht es die anderen an, wenn ich im Drogenrausch meine Mitmenschen gefährde”) hat nichts mit einer liberalen Haltung zu tun. IMHO. Dem widerspricht aber nicht, dass ich ebenfalls für bedingungslose Freigabe eintrete. Prohibition löst keine Probleme, sondern schafft sie erst.
Die absurde Diskussion um ein staatliches Doping-Verbot ist so ein Beispiel: was gehen mich als bekennender Nicht-Sportler die Probleme der Sportverbände an? Das sollen die mal schön unter sich regeln.
Kriegst Du da nicht Konsistenzprobleme?
Warum?
Weil der “Beckstein-Saufvorschlag” zumindest in verschärfter Form (“Dagby-Saufvorschlag ;) auch Konsistenzprobleme bekommt.
Dasselbe gilt für die Drogen- bzw. Dopingfreigabe.
Hier bieten sich Gedankenexperimente an.
Ach so. Du hast Dich vertippt Böhnchen, wolltest in Deinem Vor-Kommentar statt “Du” “Dagny” schreiben. Alles klar.