Bildung, Anarchokapitalismus, Russland, Atomkrieg

14.09.2008 11:53 - dagny's tags by dagny t. - 20 Kommentare

Beim sonntäglichen Stöbern im Netz sind mir zwei Artikel aufgefallen, die ich kurz den Lesern des A-Teams weiterempfehlen möchte, ohne sie gross zu kommentieren.

Stefan Blankertz hat auf dol2day ein Chat-Interview zum Themenkomplex Bildung gegeben. Er beantwortet dort sehr geduldig, mit grosser Sachkompetenz Fragen von links und rechts zur Bildung im Anarchokapitalismus. Oder im freiwilligen Sozialismus.

Das Weblog Sicherheitspolitik weisst auf einen Artikel in der NZZ hin, in dem neuere Forschungsergebnisse zur Militärstrategie des Warschauer Pakts präsentiert werden. Demnach hätte der Ostblock bis in die 80er Jahre einen nuklearen Erstschlag zur Eroberung und Vernichtung Westeuropas geplant.

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20 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Christian S., 14.09.2008 13:27

Stefan_Blankertz: Ja, konkurrierendes Geld. funktioniert sehr gut, in den USA kannd er dollar nur durchgesetzt werden, weil privater goldbesitz verboten ist
Das stimmt doch gar nicht. Natürlich kann man in den USA Gold und Goldmünzen als Privatperson kaufen.

 
Lina, 14.09.2008 15:38

Oder im freiwilligen Sozialismus.

Ui. Wie sieht der aus? Nie von ihm gehört. Weisst Du mehr, Dagny? Wär’ der was als siegreiches neues Konzept für die SPD? In Konkurrenz zu Lafontaines Unfreiwilligem?

Dagny, 14.09.2008 15:43

Liebe Lina, es steht Dir frei, eine Sozialistische Kommunie zu gründen, die auf der Freiwilligkeit der Teilnehmer bassiert. Etwa im Sinne eines Kibbuz.

 
 
Lina, 14.09.2008 16:14

Danke. Ich wollte wissen, liebe Dagny, wo der Begriff beheimatet ist, ob er irgendwelchen poltischen Lagern als Programm dient, womöglich praktiziert wird. Im Kibbuz also. Na ja … ist auch nicht so ganz meins ;-).

(Ich glaubte, den Begriff schon in Blankertz Protokoll gelesen zu haben, vergass ihn aber, und finde ihn nun bei Dir wieder; deshalb meine Frage.)

Dagny, 14.09.2008 16:20

Vielleicht verwechsle ich gerade was, aber wenn ich mich richtig entsinne, kam Blankertz über die Frage, wie ein Sozialismus ausgestaltet sein müsste, dass er ohne Mauer und Schiessbefehl auskommt, dass die Menschen gerne, freiwillig ohne umerziehungslager mitmachen, zum Anarchokapitalismus.

Dangerous Beans, 14.09.2008 16:29

Gemeint ist letztlich die Plutokratie, ich kenne die Brüder. Ich habe nichts gegen die Plutokratie, habe zwar kein historisches Beispiel griffbereit, aber bin sicher, dass die auch nicht schlechter funktionieren wird als bspw. der Sozialismus oder der Faschismus. Der Faschismus in einer bestimmten Ausprägung kommt möglicherweise dem Anarchokapitalismus am nächsten. BTW, nicht vergessen grosszügige Ausreisemöglichkeiten zu schaffen für die Anarchokapitalismusgegner.

 
Lina, 14.09.2008 17:02

@ Dagny

Interessant. Wäre immerhin ein geradliniger Weg :-)…

@ DB

Zentral (im Anarchokapitalismus) sind die Souveränität des Individuums und das Nichtaggressionsprinzip.

Hört sich eigentlich gar nicht so faschistisch an, oder ;-)?

Dangerous Beans, 14.09.2008 23:06

Ich finde im Blankertz-Chat nur sowas “ersetzung des strafsystems durch das wiedergutmachungsprinzip”, also nix mit Nichtaggressionsprinzip.

Macht aber nichts, ich wiederlege einfach mal en passant den Anarchokapitalismus wie folgt:
1.) Der Mensch ist ohne Systeme nichts.
2.) Systeme, wie wir sie haben, sind ganz primär soziale Strukturen.
3.) Diese Strukturen benötigen Steuerung, also Macht.
4.) Fliesst Macht ab, dann verschwinden fast proportional dazu auch Strukturen.
5.) Der Anarchokapitalismus kann also in der Praxis bestenfalls Systemrückbau auf “Ugga-Ugga”-Niveau bedeuten.

Ich interpretiere diese Aussagen um das Nichtaggressionsprinzip (Wo steht das eigentlich?) und das Wiedergutmachungsprinzip als Echo auf den Kantschen Kategorischen Imperativ. Über diesen darf der freundliche und geneigte Leser gerne einmal, bspw. jetzt vor dem Schlafengehen, ein wenig meditieren. Gähn + Gute Nacht!

David, 14.09.2008 23:40

Spontane Fragen:

-Wie definierst Du System?
-Läßt sich 1) begründen?
-Läßt sich 3) begründen (insbesondere im Hinblick auf – so nehme ich an – Systeme wie das Web und andere Teile des Internets, ebenso die auf Open Source Community – wo sind da die (staatsäquivalenten) Machtzentren bzw. sind das gar keine Systeme?)
-Abhängig natürlich von der letzten Frage: Bedeutet Open Source etwa Betriebssystemrückbau auf “Ugga-Ugga”-Niveau?

Dangerous Beans, 14.09.2008 23:52

Ein System ist etwas Zusammenhängendes. :)
In diesem Fall sind soziale Systeme gemeint.
1 lässt sich begründen, die Menschen waren vor 10k Jahren unwesentlich anders als heute.
3 ist dadurch zu begründen, dass soziale Systeme immer auch Machtsysteme sind. Macht ist ja nichts Schlechtes. Oder gibt es soziale Systeme ohne Macht?

Im Web haben wir als erstes Machtzentrum den Inhaltsanbieter, der sich möglicherweise gegenüber einem Staat oder einer anderen sozialen Struktur verantworten muss. Macht muss hier nicht staatlich sein.
Open Source kommt nicht ohne Macht aus, OS kann sogar proprietär sein, Du meinst wohl eher GPL oder Vergleichbares. Übrigens gibt es auch bei dieser SW Entscheider, die bspw. entscheiden “was (wer? ;) rein kommt und was (wer) draussen bleiben muss” und in welche Richtung es gehen soll. SW-Entwicklung ohne Machtstrukturen ist nicht denkbar, wenn Du bspw. alleine SW entwickelst, dann übernimmst Du mehrere Rollen und musst bzgl. der Macht schizophren handeln und sein. :)

David, 15.09.2008 00:29

Ad 1) Über die Begründung muß ich noch nachdenken.

Ad 3) Du sprichst damit aber von einer Form von Macht, die ja auch Ancaps m.W. nicht ablehnen, nämlich solche, der man sich freiwillig unterordnet. Niemand zwingt mich, beim A-Team zu kommentieren, wenn’s mich nervt kann ich mich jederzeit nebenan beim B-Team zurückziehen. Ebenso sind ja auch die Machtstrukturen im Bereich der Entwicklung freier Software von Freiwilligkeit geprägt. Wer meint, das tun zu müssen, kann jederzeit Sezession betreiben, indem er ein Projekt forkt. Ihn wird keiner daran hindern, aber vielleicht auch keiner mitmachen.

ESR hat in “Homesteading the Noosphere” schön gezeigt, wie in diesem Bereich die Verteilung des ‘intellektuellen Eigentums’ mit Lockes.Eigentumstheorie beschreiben läßt.

Dangerous Beans, 15.09.2008 00:56

Der Anarchismus lehnt in der Tat Macht (und damit soziale Systeme) nicht grundsätzlich ab, er unterscheidet aber zwischen guter und schlechter Macht. Das scheitert natürlich.
Das Kritierium “freiwillig unterordnen” greift m.E. nicht, was soll das? Wer ordnet sich bestimmten Zielen anderer, bspw. der Ehefrau, des Hundes, der Kinder, der Arbeitskollegen und des Staates “freiwillig” unter?

Ich will die IT-Seite dieser Diskussion nicht weiter vertiefen, ich hoffe Du siehst es mir nach, m.E. kann der Anarchokapitalismus so zumindest nicht gerettet werden. :)
Den Webverweis werde ich, gähn, morgen, äh, heute morgen, äh, vermutlich zur Kenntnis nehmen. Wenns konveniert.

Dagny, 15.09.2008 01:24

Die Ehefrau kann ihr Sach packen und gehen, die Kinder können ihr Sach packen und gehen (sobald sie dazu alt genug sind) und die Arbeitskollegen können auch kündigen.

Kündigungen beim Staat werden i.d.R nicht gewährt.

Dangerous Beans, 15.09.2008 04:00

Gut, das ist grundsätzlich richtig, aber der Unterschied in den Verpflichtungen bzw. Machtverhältnissen besteht nicht in der “Freiwilligkeit”, wie behauptet.
Freie Staatswahl i.p. Wohnsitz gibts zudem mittlerweile, hier hat die EU einiges geleistet.

 
 
 
 
 
 
Lina, 15.09.2008 07:28

@ DB

…ich widerlege einfach mal en passant den Anarchokapitalismus…

Gut. En passant würde ich hinzufügen wollen, dass mir die Anhänger der Lehre vorkommen wie sympathische, blauäugige Sehrgutmenschen, die nach dem Wiedergutmachungsprinzip (statt dem gemeinen Agressionsprinzip) alles wieder gutmachen, was man ihnen an Gutgläubigkeit und Schönrednerei vorwerfen könnte. Es ist reines, unangreifbares Streben, das sie auszeichnet. (Ebenso übrigens die Anhänger des Minarchismus, die mit einer Minimalform von Staat auskommen wollen und dabei auf private Caritas bauen.)

Auch habe ich (wie unter *gähn* angeregt) über das “Echo” bei Kant meditiert – und habe es vernommen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ OK, Immanuel.

 
 
 
 
 
daniel, 14.09.2008 22:26

Über das “Nichtaggressionsprinzip” könnt ich stundenlang nachdenken…

Lina, 14.09.2008 22:46

Ich auch, glaub’s mir … !

 
 
Lina, 14.09.2008 23:05

NZZ: Der Warschaupakt plante bis in die späte Hälfte der achtziger Jahre einen präventiven, regional begrenzten Nuklearkrieg in Europa.

Unglaublich – wär’ aber gut gewesen; so müssten wir jetzt keine schwarzen Löcher fürchten…

 

[...] Bildung, Anarchokapitalismus, Russland, Atomkrieg [...]

 
Vermischtes « Raumzeit, 30.09.2008 15:54 Subscribed to comments via email

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