Der anti-aufklärerische Taschenspielertrick
jo@chim, 17.09.2008
Die Aphorismen des Nicolás Gómez Dávila sind oft brilliant formuliert und immer nachdenkenswert. Bei manchen Libertären aus dem ef-Umfeld geniesst er geradezu Kultstatus. Ob dies der Fall ist, obwohl Dávila sich selbst ausdrücklich als Reaktionär und Anti-Aufklärer sah oder eben deswegen, wäre sicher im Einzelfall zu bewerten.
Rayson zitiert nun im B.L.O.G. zustimmend einen von Dávilas Gedanken:
Den Menschen befreien heißt, ihn unter das Joch von Habgier und Sex zu zwingen.
Ich will mich hier nicht weiter darüber mokieren, dass von der Terrasse des Familiengutes aus das Treiben all derjenigen, die da draussen rumwuseln und versuchen, die notwendigen Ressourcen für ihren Lebensunterhalt zu allokieren, durchaus etwas störend und in der Tat wohl manchmal gierig erscheinen mag. Als Liberaler würde ich es trotzdem vorziehen, von “Gewinnstreben” zu sprechen. Aber darüber ist ja drüben schon diskutiert worden.
Was mich an der Aussage viel mehr stört, ist der anti-aufklärerische Taschenspielertrick, den sie beinhaltet: Befreiung – von staatlichen Anmassungen, von religiösen und kulturellen Bindungen, die als Konvention oder Tabu daherkommen, von patriarchal geprägten Familienverhältnissen – wird nicht im aufklärerischen Sinn als Aufstehen und Selbst-Gehen, als Rückeroberung von Selbst-Verantwortlichkeit und die Möglichkeit zum Eingehen freiwilliger Bindungen verstanden. Sondern, im Gegenteil, in Libertinage, Bindungs- und Verantwortungslosigkeit umgedeutet. Wenn man die Schäflein freiliesse, würden sie sich gegenseitig den Wolf machen, sich totfressen und/oder von morgens bis abends ficken. Weshalb Hirten unverzichtbar seien, der naheliegende Schluss.
Dávila und andere antietatistische Reaktionäre unterscheiden sich von staatsgläubigen Konservativen (oder auch autoritären Sozialisten) also vor allem darin, dass sie nicht dem Staat die Hütekompetenz zubilligen, sondern diese lieber dezentralisiert auf “natürliche”, althergebrachte Autoritäten zurückverlagern möchten. Die offene oder versteckte Geringschätzung des Individuums haben sie aber alle gemein.
antibuerokratieteam.net





Die offene oder versteckte Geringschätzung des Individuums haben sie aber alle gemein.
Danke fuer die Klarstellung, Achim.
Du sprichst mir aus der Seele.
Mit diesem Beitrag hast Du Dir die Rückkehr auf meine Blogroll verdient! Chapeau! :-)
Mit diesem Taschenspielertrick wurde übrigens auch schon die antiautoritäre Erziehung denunziert (“Müssen wir heute schon wieder spielen was wir wollen?”)
[...] ist alles andere als ein Wegweiser in die Befreiung des Menschen aus Unmündigkeit und Zwang. vom A’Team resümiert über den “anti-aufklärerischen [...]
Das ist jetzt wirklich keine wissentliche Frage und vielleicht geht sie am Thema vorbei aber: Kann man ohne Zwang Lesen lernen?
Ich habe es ohne Zwang mit 5 gelernt, weil ich neugierig war und einen Opa hatte, der meinen Wissensdrang anfachte! Kann man unter Zwang wirklich lernen?
> Das ist jetzt wirklich keine wissentliche Frage
> und vielleicht geht sie am Thema vorbei aber:
> Kann man ohne Zwang Lesen lernen?
Die Frage verblüfft mich. Das geht eigentlich sogar ausgezeichnet. Ich war als Kind danke einer vorlesenden Mutter ziemlich scharf darauf, endlich in die Schule zu kommen, um es selbst zu lernen.
Die Zeit, wo Lernen nicht mehr richtig Spaß gemacht hat, zumindest bei einzelnen Fächern kam in der Pubertät.
Sehr richtig beobachtet :-) Im Grunde gilt meist folgende Faustformel: Rechte Etatisten halten den Menschen für zu schlecht/böse, um ohne Zwang leben zu können, linke Etatisten sind da ganz anderer Ansicht – sie halten den Menschen für zu dumm, um ohne Zwang leben zu können.
..Die Antiautoritaere Erziehung scheint ja wunderbar zu fruchten, wenn ich an Titelgeschichten (Stern oder Spiegel) vom ‘kleinen Diktator’ denke – Der antiautoritaer aufgezogene Nachwuchs hat die ueberforderten Karriere-Kind-Kurzurlaub Eltern offenbar gut im Griff.
..vorlesende Mutter…?
Es sei die Frage erlaubt, ob diese Karriere gemacht hat?
Wieso sollte sie nicht? Kommt allerdings auf die Definition an. Sie geht und ging so gut wie immer für ihr Geld arbeiten. Ab wann ist es Karriere?
> Den Menschen befreien heißt, ihn unter das Joch von Habgier und Sex zu zwingen.
Was ist denn damit gemeint?
Ging mir ganz genauso :-)
Wobei für mich Erziehung auch die Befähigung zum Einhalten von Regeln und das Erlernen von (Selbst-)Disziplin einschliesst. Auch wenn antiautoritäre Erziehung keineswegs, wie oft kolportiert, pures Laissez-Faire ist und keinesfalls mit Antipädagogik zu verwechseln, bin ich deshalb eher Anhänger eines autoritativen (nicht mit autoritär zu verwechseln!) Erziehungsstils.
Ach so. Danke. Dann wird ja alles wieder gut. Hatte mich schon über den fulminanten Einbruch in unserer Zugriffsstatistik gesorgt ^^
autoritative Erziehung? Kannte das Wort bisher nicht. google hilft:
* Elterliche Wertschätzung: Liebe, Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung
* Eigenständigkeit: Selbständigkeit fördern, Autonomie gewähren
* Fordern und Grenzen setzen: klare Grenzen und Regeln setzen und deren Einhaltung einfordern.
Also quasi die natuerliche Autoritaet der Eltern nutzend. HHH wuerde das auch so sehen, oder? *gg*
Das was ich dargelegt habe, vermute ich in Kenntnis einiger anderer Fragmente von GD…
… ich finds ja durchaus spassig, weil derartige Aussagen IMHO mehr über den der sie macht offenlegen als über tatsächlich mögliche Verhaltensweisen anderer – “Homo homini lupus” heisst doch zuallerst: Ich traue mir nicht zu, meine Triebe sozialverträglich zu regulieren…
Gut möglich. Vielleicht mit dem Unterschied, dass er die “natürliche Autorität” wohl auch gegenüber Ehefrau(en) und Dienstboten des
AnarchenPatriarchen gegeben sieht ;-)Rayson hat auch Assoziationen bemüht, die man haben könne, aber auch ohne diese könne der eine oder andere vielleicht mit der Aussage etwas anfangen, LOL.
Ich kann es jedenfalls nicht.
Ich mag auch Aphorismen dieser Art nicht sonderlich.
Das mit dem Homo homini lupus habe ich jetzt auch wieder nicht verstanden. (Schwule Wölfe, häh? :)
Von “schwulen Wölfen” habe ich noch nichts gehört – dafür aber schon von schwulen Pinguinen und Gewalt unter Delphinen ;-)
Jetzt fängt der Achim auch noch an….
Ein Aphorismus ist kein politisches Programm, sondern ein Anlass zum Nachdenken. Wie David bei uns in den Kommentaren richtig sagte, ist ein Aphorismus auch nie “wahr” oder “falsch”. Deswegen könnte, selbst wenn ich das wollte, ich auch keinem “zustimmen”.
Es scheint auch bei den Lordsiegelbewahrern von links bis rechts mittlerweile gängiger Standard zu sein, nicht mehr über Sätze, Begriffe und Aussagen zu diskutieren, sondern nur Positions-Navigation zu betreiben. Ich bin das und das, deswegen muss ich das andere doof finden und darf mich nur damit beschäftigen, um mich davon abzugrenzen.
Aber das ist so leicht zu haben, dass es sich gar nicht lohnt, dafür aufzustehen. Viel interessanter ist es doch IMHO, gerade dann, wenn man die Geringschätzung des Individuums nicht teilt, mal die Welt durch etwas andere Augen zu betrachten und vielleicht auch mal den Gedanken zuzulassen (für allzu Ängstliche: nur einen Moment!), dass das eigene Ideal realiter vielleicht nicht ganz so ideal ausfällt.
So auch der angebliche “Taschenspieler-Trick”: Vielleicht liegt der Gegensatz einfach im Unterschied zwischen “Befreiung” als Ideal, als dessen Resultat sich das souveräne, eigenverantwortliche und bewusst soziale Bindungen eingehende Individuum erhebt, und der “Befreiung” in der Realität, die ihre Erfolge zu einem großen Teil auch im ungehemmten Ausleben von Triebhaftem (was bei Sex unter consenting adults noch ganz nett sein kann, keine Frage…) und mit einem Hohelied auf den Gegenwartskonsum feiert.
Da weigere ich mich immer ein wenig, dieses Ergebnis besonders schön finden zu müssen. Ich glaube nicht, dass man als Liberaler über die Freiheit des Prozesses hinaus keine Werte haben sollte. Und ich halte den Umsturz aller überkommenen Werte und Traditionen weitestgehend auch für reichlich kindisch – eben als etwas naive Revolte gegen die eigenen Eltern. Und ja, man kann über sowas nachdenken, auch ohne nach einer Autorität zu rufen, die das alles wieder korrigiert.
Was übrigens Dávila auch gar nicht macht. Ich halte seine “katholische Kirche”, die er ab und an ins Feld führt und die sich sehr von der real existierenden unterscheidet, für ein rein gedankliches Gegenmodell ohne jeden Realitätsbezug. Dávila ist ein Kritiker, aber einer ohne Hoffnung.
War ja nur ein Beispiel dafür, dass “schlaue Sätze”, wenn zur Diskussion gestellt, alles mögliche über den Leser und Interpreteur derselben heraus kommen lässt. (Schwule stehen ja auch unter Leidensdruck, die müssen immer wieder die Natürlichkeit ihrer Leidenschaft unter Beweis stellen und fühlen sich so schrecklich zurückgesetzt gegenüber den Familienvätern. Ein weites Feld. Das war das hier hintergründig angesprochene Thema, gell!)
Lieber Rayson, ich tu doch gar nicht mit Siegeln werfen! Den Aphorismus habe ich nur als Aufhänger genommen, weil er die Methodik mit der sich Davila und andere gegen die Aufklärung wenden so schön aufzeigt. Die “Befreiung in der Realität” (aka: die Atomisierung des Individuums im Nanny-State) vermengwursteln GD, HHH & Co. IMHO bewusst mit der Befreiung im Kant’schen Sinne. Das heisst doch keineswegs, dass sich das selbst-verantwortliche Individuum wie Phönix aus den Scherben des Etatismus erhebt, wenn unsere anarchistischen Brüder und Schwestern morgen oder übermorgen den Staat abschaffen.
Befreiung ist ein aus der Aufklärung resultierendes Ziel – nicht mehr und nicht weniger. Gegen das sich Davila aber (nicht nur im diskutierten Zitat, so wie ich es verstehe) ausdrücklich wendet. Der antimodernistische Honig, den er auslegt ist deshalb mit allergrösster Vorsicht zu geniessen, denke ich.
Schön gesagt. Du wirst es nicht glauben, aber da kann ich Dir – spätestens seit meinem Übergang von der Spätpubertät in die Altersweisheit vor drei oder vier Jahren – vollkommen zustimmen ;D
Deswegen wird er bei uns ja in liberaler Quarantäne untersucht…
Aber mal ehrlich: Ist da wirklich irgendwo Honig? Wie gesagt: Ich erkenne bei Dávila keine echten positiven Bezüge.
Glaubst Du jeder entwickelt irgendwann diese Neugier und denkst Du, dass – wenn jemand sie nicht entwickelt – man ihm seinen Willen lassen darf?
Ich halte wenig von Aphorismen, die nur mit dem Kontext lebensfähig sind.
Im konkreten Fall hier ist der Satz für sich genommen völlig unsinnig. “Befreien” und “unters Joch zwingen” ist ein klarer Widerspruch.
Einen Sinn kann man da nur sehen, wenn sich “befreien” auf A bezieht und “unters Joch zwingen” auf B. Und dann muß man noch wissen, wer da befreit und wer zwingt.
Erst wenn das klar ist, kann man überhaupt anfangen, darüber sinnvoll zu diskutieren.
Nee, lieber R.A., das muss man nicht “wissen”, sondern schon darüber könnte man diskutieren.
Der “verlorengegangene Text” kann für jeden etwas anders aussehen.
Ich habe noch nie ein Kind gesehen, das nicht neugierig gewesen wäre. Explorationsverhalten ist eine grundlegende psychologische Konstante.
Wenn aber ALLE diese Neugier haben ist die Wissensvermittlung im Bezug aus “Lesen” kein Zwang mehr. Versteht mich nicht falsch, ich finde seit langem zum ersten mal, dass das ein sympathischer und Interessanter Ansatz ist. Ich will nur meine Zweifel ausräumen.
In diesem Zusammenhang moechte ich nochmal auf den Chat mit Blankertz bei dol2day verweisen (sonst werbe ich nicht fuer dieses missglueckte ‘demokratieexperiment’).
Wenn man selber keine Kinder hat, redet es sich leicht, aber die Erziehung die meine Eltern mir angedeien liessen, haben sie mit ‘Liebe und Vorbild’ umschrieben. Das Alphabet war mir auch schon mit 5 bestens vertraut.
Wenn man Kinder zum Lernen “zwingt”, dann ist das kein Zwang. Korrekt. Eigentlich wusste das auch jeder bis ca. 1968.
Dann kamen die Linksspiesser. Und wie man an den Bemühungen sieht jedem einen Einheitsschulabschluss zu verpassen, möglichst ohne nachgewiesene Lernerfolge, sind diese Spiesser noch da.
Die Tendenz geht also dahin nicht mehr im Bildungssystem zu lernen, sondern privat, bspw. im Internet.
Der Staat sorgt für eine Bildung light, der Rest dann doch besser im Eigenstudium. Positiv formuliert fördert der Staat das Autodidaktentum und die Leistungsbereitschaft der potentiellen Hochleister durch Rückbau des Bildungssystems.
Hahah. In Hamburg wird das gerade vorexerziert. Mit sich widersprechenden Buergerbegehren. Wenns nicht zum Leidwesen der Kinder geschaehe, wuerde ich schreiben: Gute Unterhaltung!
@ Joachim
Damit hast Du den Vogel abgeschossen, lieber ich hab’ ihn bloss nicht fallen sehen ;):
“Plumons L’oiseaux” (zu deutsch: Rupfen wir den Vogel!) hast Du Dir gesagt und gemeint, dass man sich von “althergebrachten Autoritäten” nichtstaaatlicher Natur unbedingt zu befreien habe; das ist Ansichtssache. Aber Literatur ist nicht Agitprop und Philosophie keine Demogogie, und echte Freiheit besteht bekanntlich auch im Zulassenkönnen widerspenstiger Meinungen. Daher kann auch nur derjenige Interesse, bzw. Gefallen an Dàvila finden, der auf das Anlegen des Zollstock seiner eigenen ideologischen Bemessungsgrundlagen (plus Stempelkasten) verzichtet.
In Abhängigkeit von Anlagen also, die der Mensch so hat; keiner wird das bestreiten wollen, nehme ich an. Sog. aufgeklärte (Wirtschafts-) Liberale glauben, sich mittels eines befreiten Marktes, also ihrer selbst, vom Joch der Schmach (ihrer Unfreiheit) zu befreien; Davila meint, sie begegnen dort erst einmal sich selbst, und dass dieser Weg der Befreiung eine im Maximum (!) negative Triebtätigkeit zu Tage fördert und zu Kontrollverlusten führt; das ist alles, was er sagt, und ich sehe, keinen Grund, das zu bezweifeln …
Ich finde überhaupt, dass eine Konfrontation mit den offenbaren Kehrseiten der Freiheit nicht schaden kann. Ob sie (wie hier) in der Wucht ihrer Aussage – also der literarischen Form des Aphorismus – auch inhaltlich voll zutreffen, darüber lässt sich streiten – ohne ihn aber einen “Reaktionär” schimpfen (!) zu müssen, auch wenn er einer ist ;-).
(PS: Ist denn einer “reaktionär”, wenn er gewissermassen statisch denkt, in “ewigen” Kategorien sozusagen? Ich lese ihn jedenfalls so und nicht anders; für mich ist er ein Unterwanderer nur vermeintlich aufgeklärten Denkens.)
Ich habe Dávila nicht als Reaktionär “beschimpft”, sondern damit lediglich seine Selbstbezeichnung übernommen liebe Lina. Er wollte ja auch immer zurück in eine – idealisierte – Prämoderne.
Oh, sorry. Und nein, ich denke nicht, dass man unter Zwang lernen kann. Man kann auch Menschen aber mit Zwang konditionieren und das wird zum Einen gern mit lernen verwechselt (Halle DB!) und reicht zum anderen um Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Find ich aber gelinde gesagt suboptimal.
Wenn man trotz “Zwang” nicht zwingt liegt das nicht an den Mitteln des Senders sondern an der Wahrnehmung des Empfängers. Was bedeutet, Kinder können Deiner Ansicht nach nicht gezwungen werden. Da Wille aber Bestandteil des Menschseins und Vorraussetzung dafür ist, gezwungen werden zu können müssen wir an dieser Stelle festhalten, dass Kinder für Dich keine Menschen sind. Du bist ja ein Horst.
PS.: Die Dalli-Dalli-Jury gibt gerade bekannt. “Leidensdruck” und “Linksspiesser”, “1968″ sind doppelt, die müssen wir abziehen. Bleibt von Deinem Kommentar: Nur Blödsinn!
Gemeint war, dass Kinder ein großes Lernbedürfnis haben und, wenn sie nichts anderes haben, sich bspw. mit Warcraft oder anderen Spielen die Zeit vertreiben. Grundsätzlich ziehen Kinder das Lernen, auch das vorgebene, der Langeweile vor. Das vorgegebene Lernen ist nur schwerlich als Zwang zu bezeichnen.
Das wird in linken Pädagogenkreisen aber anders verstanden, diese tendieren dazu die Kinder verkümmern zu lassen.
Von weiterem Gackeln bitte ich Dich aber abzusehen.
Ist das nicht auch die, wo die Anarchokapitalisten hinwollen – nur anders, moderner? Und das im Habitus von Gnostikern, also im guten Glauben, der Mensch sei gut, nur die Welt eben schlecht? Da kann sie Dàvila freilich nicht coachen; da weiss er einfach zu viel ;-).
PS: War nur so hingesagt, musst Dir nichts denken; Du bist keiner von denen, ich weiss – oder doch :-D?.
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Die auf sich selbst bezogenen “Eigentümergemeinden” Hans-Herman Hoppes müffeln in der Tat etwas nach (Raub?)Ritter-Romantik.
(Anarchist bin ich allenfalls in einem sehr persönlichen Sinn, nicht politisch)
Dávilas Spruch klingt wie der Standardspruch meines Geschichtslehrers aus der achten Klasse. Der sagte immer:”Zuviel Freiheit artet in Unfreiheit aus”, wobei er sich die Definitionshoheit immer vorbehalten hat (das war 1968!). Mir scheint Dávila ist einfach nur ein Misanthrop und hat ein grundsätzlich pessimistisches Menschenbild.
Auf die Masse der Menschen bezogen – und von denen spricht er – ein realistisches, würde ich sagen. Schau sie Dir doch an: im Grossen und Ganzen können einen die heutigen Trendsetter in Sachen Kitsch und Glamour einerseits, Sozialismus, Gleichheit, Normalität, Ruhe und Ordnung andererseits schon ganz schön abtörnen, oder? Auch das sind Triebe, ist Lust – und zugleich billige Kompensation von Neid und Frust. Dàvila spricht zynisch über sie, das ja, aber nicht als Misanthrop.
(Darauf einen spritzigen George Bernard Shaw, vorhin nebenan geklaut: “Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.”)
> Der antiautoritaer aufgezogene Nachwuchs hat die
> ueberforderten Karriere-Kind-Kurzurlaub Eltern offenbar
> gut im Griff.
Gerade bei den Rütli-Kindern dürfte es besonders viele extrem autoritäre Elternhäuser, und gewiss sehr wenige im Sinne der 68er geben.
Klar, wenn Du statt “Zwang” einfach “vorgegebenes Lernen” sagst, dann kauf ich Dir das Argument sofort ab. Ehrlich. Doch, wirklich. Ich bin doch vielleicht ein Linker, mich kann man ganz leicht aistrixen.
Es gab da auch ein paar Anführungszeichen in der von Dir deppenhaft bemängelten Aussage meinerseits.
Also kann man Kinder nicht zum Lernen zwingen, oder? Das hab ich Dir vorgeworfen, man kann jedes Wesen, dass über einen Freien Willen verfügt, zu etwas zwingen. Auch Kinder zum Lernen. Und magst Du vielleicht die Beleidigungen lassen. Den Unsinn, den Du hier verzapfst les’ ich nur so lange gerne, solange er so lustig ist. Wenn Du aber rumblökst, mach mir das keinen Spaß mehr.
PS.: Die potentiellen Höchstleister sind die, die den Zwang nicht mit sich haben machen lassen und rechtzeitig geflüchtet sind, bevor Deine seit 250 Jahren bewährte “Pädagogik” sie zu Schreibmaschinen und Taschenrechnern konditioniert hat.
PPS.: Wenn Kinder lernen wollen, warum spielen sie dann Deiner Ansicht nach WarCraft? Wissen die nicht dass sie lernen wollen?
Ich hatte Dich so verstanden, dass Du zu der Erkenntnis gelangt bist, dass kindliche Neugier direkt zum Lernen führt und durchgehend vorhanden ist.
Darauf habe ich versucht Dir zuzustimmen und noch ein paar eigene Akzente gesetzt.
(Versuche einfach mal inhaltlich ein wenig zu folgen, Du scheinst gelegentlich einen Lesefilter aufzusetzen und verballerst Dich in nie behaupteten Sachverhalten.
Ich würde jetzt übrigens gerne langsam mit den Betreuungsmassnahmen Dich betreffend schliessen, das wäre sicherlich auch in Deinem Interesse.)
Achso:
Kinder spielen um zu Lernen.
Nö, Du hast gesagt Kinder lernen entweder (vorgegeben) oder spielen aus Langeweile (WarCraft). Die “Spielen ist auch Lernen”-Nummer zauberst Du gerade erst aus dem Hut. Das wäre der erste Ansatz von Dir zu erklären, WARUM vermaledeit nochmal es kein Zwang ist, ein Kind sechs Stunden in die Schule zu schicken und ihm einen Stundenplan vorzusetzen.
Wer Warcraft kennt, kennt auch die “Spielen ist Lernen”-Nummer.
Die Schule gerade habe ich schon kritisiert, und zwar weil Lernen seit 1968 (Achtung: Metaphotik) m.E. nicht mehr so angesagt ist.
Wenn Du auf “Zwang” bestehst, OK. Ich sehe den Zwang erst durch das schlechte Programm, das die Schule bietet. Wäre das Programm gut, dann würde ich diesen Zwang also nicht sehen. Das Mittelmass in D hat sich leider so zu sagen in den deutschen Lehrern materialisiert.
OK, lassen wir das. Bei Dir ist alles lernen und nichts lernen und alles zwang und nichts zwang und irgendwie alles irgendwie da will man noch nicht mal mehr groß und klein schreiben so sehr verschwimmt der ganze kram. Hauptsache die 68er (Achtung, Metaphorik) oder doch die 68er kommen schlecht weg, das ist angekommen…
Und glaube mir: Wenn “Kinder spielen um zu Lernen”, “die “Spielen ist Lernen”-Nummer” auch geht und “kindliche Neugier direkt zum Lernen führt”, wie zur Hölle es die 68er oder “die 68er” es dann geschafft haben das Lernen zu versauen, das würde ich doch gerne mal wissen…
Ich habe zumindest von den 68ern nichts gelernt. :)
Aber Du hast schon recht, ich dieses mal habe etwas zu stark differenziert, hätte meine Botschaft knackiger halten sollen.
LG, DB
Warum soll WarCraft keinen Lerneffekt haben?
a) Sind die Dialoge in WarCraft nicht auf Englisch?
b) Reaktionsschnelligkeit und Fingerfertigkeit an der Maus sind gefragt.
c) Fehlt halt nur eine “Bundesliga” fuer Computerspiele, wie es sie in Asien z.T. gibt.
Warcraft spielen verstehe ich als Ersatz-Lernen [1]. Aber daniel hat schon recht, Fußball oder irgendwelche Computersuchtspiele, bei denen es primär auf Sammeln und Kommunikation ankommt, sind i.p. Lernen schwer zu definieren.
[1] Hier kann man auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge und das erforderliche “Ressourcen-Denken” verweisen und das Spiel als sehr wertvoll verstehen. Wenn man will. :)
Schau mal, was da zusammen müffelt (Zitat Rayson vor genau zwei Jahren):
“(…) Es ist eigentlich ein Jammer, dass die libertäre Argumentation, die ich für mein Gleichgewicht so brauche wie das Neue Testament, mit diesem Egozentriker (Hoppe) unter die Räder einer Richtung gerät, die als reaktionär zu bezeichnen ich mir seit meiner Lektüre-Begegnung mit Nicolás Dávila leider versagen muss (…)”.
Jetzt hat er Dàvila Frischluft gegeben, auf Durchzug gestellt … ;-)
Zwei Jahre… sach’ma Lina, in welchen Gefilden der Blogosphäre gräbst Du denn rum? Das ist ja nicht mal mehr Kommentarfledderei, sondern schon Paläobloggologie…
;-)
“Paläobloggologie”, sagst Du :-D? Von wegen: hab’ doch bloss nach diesen komischen “Eigentümergemeinden” suchen wollen, damit ich weiss, wo der Gral steht. 2 Scroogle-Suchergebnisse, einer von Dir, einer von Rayson.
Jetzt bin ich halt so klug als wie zuvor …
Na was ein Glück daß du und ich nicht dazugehören.
Zu welchen … ?
*Gnihihi* – das hier passt gut zur Diskussion um Davilas Unbehagen mit der Freiheit: Anhänger restriktiver Zuwanderungspolitik und ordentliche Patrioten haben eher die Hosen voll als Liberale oder Linke. Steckt ja auch ne gewisse Logik dahinter, dass man dazu tendiert, Verantwortung zu externalisieren, wenn’s am Selbst-Bewusstsein mangelt…
Zu der Masse der Menschen.
“Die politische Orientierung scheint damit nicht nur von persönlichen Erfahrungen abzuhängen, sondern könnte auch mit bestimmten physiologischen Reaktionen einhergehen.”(Spon)
Und mit Genen, mit Vererbung. So einen alten, neuen Hut willst Du gegen Dàvila ins Feld führen? Es weiss doch jedes Kind, was ein Angsthase ist, und jeder Erwachsene, dass dieser Bindung und Schutz sucht, also konservativ wählen wird … und auch, dass er noch nicht mal was dafür kann ;-) …
Und ausgerechnet solche sollen Dàvila zulaufen, der angetreten ist, Grundfesten zu erschüttern … ? “Verdächtig” macht sich nur, wer sich von ihm aufbinden lässt, was er zu tun oder zu lassen hat.
*Gnihihi* …
… samt deren Randgruppen, wenn ich bitten darf ;-)!