Wider die Umdeutung der Staats- in eine Finanzkrise
Der Bankensektor zählt zu den am stärksten regulierten Branchen in nahezu allen entwickelten Volkswirtschaften. Wer heute eine Intensivierung der Regulierung fordert muss also eingestehen, dass die bisher weit reichende Regulierung versagt hat. [...] Bereits die Regulierung der 20er und 30er Jahre bildete einen wesentlichen Krisentreiber der Weltwirtschaftskrise und verlängerte diese zur “Großen Depression”.
“Finanzkrise”: Märkte korrigieren Staatsversagen – aus der Ankündigung zur iuf-Veranstaltung “Manipulierte Konjunktur – Lehren aus der Weltwirtschaftskrise für die aktuelle Finanzkrise” am 01.10.2008 in Berlin.
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Tags: Deregulierung, Etatismus, Finanzkrise, Oekonomie, Staatsversagen







Die Spieregeln für Investmentbanking waren überreguliert?
Oder das Pyramidenspiel mit dem zusammenbriefen (oder wie das heißt) und verchecken von hochverzinslichen aber sehr risiko-behafteten Kredittiteln?
Überzeugt mich nicht so.
Waren das nicht eher so Kanäle, die an den bestehenden Regulierungs-Institutionen vorbeiliefen?
Und hatten nicht vielleicht prämien-maximierende Bank-Agenten ein Anreizschema gemäß dem sie Risiken konsequent unterbewerteten, weil ihre Bank die zusammengebrieften (spell.?) Kredittitel sowieso an irgendwelche Dritt-Banken weiterverkauften?
Fannie Mae und Freddie Mac sind staatlich gegründete, “Regierungsgeförderte Rechtspersonen”. Sie sind das Werk “progressiver” Bürokraten um F.D. Roosevelt (Fannie Mae, 1938) bzw. im amerikanischen Kongress (Freddie Mac, 1974).
Die Hypothekenkrise in den USA wäre ohne die staatliche Garantie für Fannie Mae und Freddie Mac nicht denkbar gewesen: Diese beiden metastaatlichen Gesellschaften funktionierten als die garantierten Abnehmer für die notleidenden Hypotheken, eben weil ihre Manager wussten, die Regierung würde sie bei Problemen beschützen. Sie bündelten die Einzelhypotheken und verkauften die Bündel dann weiter — z.B. an die BayernLB, WestLB oder die SachsenLB: Staatliche Gesellschaften welche der deutsche Steuerzahler unfreiwillig aus der Patsche zu ziehen gezwungen wird.
Weiterhin zwingt die Politische Klasse seit 1977 durch den “Community Reinvestment Act” (CRA) Banken, Darlehen für den Immobilienkauf an eigentlich Kreditunwürdige Wähler zu vergeben. 1999 senkte Fannie Mae noch einmal die Voraussetzungen für Darlehensbewerber bei den Banken, mit denen Fannie Mae zusammenarbeitete.
Seit 2003 war bekannt, dass die Bilanzen beider halbstaatlichen Gesellschaften sich im Chaos befinden. Dennoch wurden sie vor den Regulierern der Security and Exchanges Commission (SEC) in Frieden gelassen — was in Zeiten des schikanösen Sarbanes-Oxley-Gesetzes Bände über die angebliche Gleichheit vor dem Gesetz spricht.
Solch ein System zwingt Bankier geradezu, leichtfertig Kredite zu viel zu niedrigen Zinsen zu vergeben, um im Geschäft zu bleiben. Unter den verzerrten Bedingungen, welche die Politische Klasse im Kreditmarkt schuf gewannen jene, welche sich an politisch geschützte Institute banden und jegliche Umsicht aufgaben.
Es waren Verteidiger der Marktes, welche den Zusammenbruch der Hypothekenblase vorhersahen, und zwar schon ab 2002. Keynesianer und andere Sozialsiten erklären sich die Krise erst nachdem sie begonnen hatte und leugnen jedwede Verantwortung der Politischen Klasse für die Folgen derer Manipulationen. Diese Rollenverteilung fanden wir zuvor bei der NASDAQ-Blase, oder davor bei der Japan-Krise usw.
Die Lehre auch aus dieser Krise des verstaatlichten Währungs- und Bankensystems kann jedoch nicht noch mehr Sozialismus sein, sondern die Entstaatlichung des Systems. Politik ist nicht die Lösung. Politik ist das Problem.
In UK und Spanien gibts auch gewaltige Immobilienkrisen. Nur hat es dort nicht diese Auswirkungen. In den USA kamen eben diese Investmentbanken mit 20 und mehr% Erwartung, die Verbriefung der Hypothekenkredite + Verchecken an Dritte, etc. hinzu. Und dieser Verstärker hat erst zu diesem Ausmaß der Krise geführt.
Oder gabs im Investmentbanking keine Probleme? Die wurden von Fanny und Freddy unaufhaltsam in die Krise getrieben?
Es gibt wohl ein Bündel von Ursachen, die zu einer Krise dieses Ausmasses geführt hat. Nicht besonders zielführend, wenn jeder die Ursachen herauspickt, die seinen weltanschaulichen Vorstellungen entsprechen. Wenn man seine weltanschaulichen Vorstellungen vor bestimmten unbequemen Informationen protektioniert, macht das die Vorstellungen nicht unbedingt realitätsnäher.
Ich weiß ja nicht, ob man von der “Sektion der neoliberalen Weltverschwörung” eine aus allen erdenklichen Enden und Richtungen ausgeleuchtete Erkenntnis erwarten sollte.
Das Alles sehende Auge ist dann wohl auch in einer ganz anderen, höheren Sphäre zu suchen.
Hier auf Erden jedenfalls ist jede Ansicht Ergebnis von Färbung und Filterung. Ausnahmslos. Insofern also untauglich als spezifischer Vorwurf.
> Solch ein System zwingt Bankier geradezu,
> leichtfertig Kredite zu viel zu niedrigen Zinsen zu
> vergeben, um im Geschäft zu bleiben.
Das ist der einzige Punkt, bei dem ich Deiner ansonsten völlig korrekten Darstellung nicht folge.
Man kann von einer Versuchung sprechen, schlechtere Kredite zu akzeptieren – aber nicht von Zwang.
Es gibt ja auch Banken, die sich diesem Trend verschlossen haben, kurzfristig auf Geschäft verzichteten – um am Ende Recht zu behalten.
Richtig problematisch wird es erst, wenn so ein vernünftiges Verhalten im Nachhinein noch vom Staat bestraft wird, weil die Unvernünftigen Hilfe aus Steuergeldern bekommen und die Vernünftigen in die Röhre schauen.
Noch schlimmer war wohl, daß die Privatbanken zu spät gemerkt haben, daß die Staatsbanken die banküblichen Regeln über Kreditwürdigkeit nicht mehr eingehalten haben.
Was lange Zeit (und völlig legitim) als “sub-prime” gehandelt wurde, hatte eben eine durchaus noch ordentliche Qualität und war werthaltig.
Was Fannie/Freddie in den letzten Jahren unter diesem Titel weiterverkauft haben, das war schlichter Schrott.
Im Prinzip sind die Privatbanken von den staatlichen schlicht reingelegt worden – und in der Folge ist dann das Vertrauen der Bankenwelt untereinander, das jeder Beteiligte gewisse Spielregeln einhält und damit zuverlässiger Geschäftspartner ist, völlig eingebrochen.
Seit der IKB-Krise ist das Interbankengeschäft für Liquidität tot – weil das Vertrauen weg war, zerstört durch die Betrügereien der Staatsbanken.
Und erst dadurch gerieten plötzlich die Investmentbanken in Schwierigkeiten – die hatten ja erst einmal mit der Immobilienblase gar nicht so viel zu tun.
So geht das also bei der “Staat ist doof und Steuern sind Raub” -Fraktion: Man sucht die Landschaft ab bis man die staatliche (oder in diesem fall halbstaatliche) Organization(en) gefunden hat und die ist/sind dann an allem schuld. Das Leben kann so einfach sein und die Welt ist schnell erklaert.
Man weiss natuerlich auch dass bei diesen staatlichen oder auch halb- oder viertelstaatlichen Organisationen nur Versager und Volltrottel arbeiten – wie haben sie es nur geschaftt die ganzen superschlauen Banker bei Bear, Lehman, Merrill Lynch, AIG etc reinzulegen?
Und der Staat ist das Problem, darf aber jetzt mal $700 Milliarden bereitstellen um die Krise, die ja die superschlauen Banker schon laaaange vorhergesehen haben, zu besietigen. man fragt sich wo der Markt seinen Anteil leistet – ausser in Panikmeldungen?
Die Rolle Fannie Maes und Freddie Macs herunterzureden hilft wenig. Fannie Mae und Freddie Mac hatten Hypotheken im Wert von ca. 5,3 Bio US$ gekauft oder verbrieft. Das waren ca. 75% des US-amerikanischen Hypothekenmarktes.
Genausowenig hilft es, sie als marktwirtschaftliche Gesellschaften hinstellen zu wollen. Fannie Mae und Freddie Mac sind staatlich gegründete, “Regierungsgeförderte Rechtspersonen”. Sie sind das Werk “progressiver” Bürokraten um F.D. Roosevelt (Fannie Mae, 1938) bzw. im amerikanischen Kongress (Freddie Mac, 1974). Sie besaßen das Privileg, sich direkt Geld bei der US-Regierung leihen zu können. Ihre Sicherheiten wurden als von der US-Regierung garantiert betrachtet.
Es läßt sich leicht als Versager und Volltrottel leben, wenn der Staat verspricht, dass andere für die Fehler zahlen die man macht.
Ferner ist es nicht der Staat, der die 700 Mrd US$ bereitstellen soll, sondern er zwingt das Geld seinen Bürgern ab.
Eine solche Lösung wäre ja gerade Politik. Damit löst man kein Problem. Das Kapital der Banken gehören liquidiert, damit der Markt die Dinge wieder richten kann: die Hypotheken gehören wertberichtigt, und die Verantwortlichen sollen die Folgen spüren.
Das ist alles schoen und gut. Aber Fannie und Freddie waren nicht der Anfang dieser Krise sondern sprangen auf den bandwagon auf als der schon in voller Fahrt war. Und ausserdem ist die Krise ja bei weitem nicht auf Fannie und Freddie beschraenkt sondern wirkt sich vor allem bei investment banks, Geschaeftsbanken, Versicherungen etc aus – und nochmal: Wie genau schafften es Fannie und Freddie, staatlicher Schutz fuer sie hin oder her, ihr abnormales Risiko (wenn man es so sehen will) auf die private, marktwirtschaftliche, nicht-staatliche Welt zu uebertragen? Und bitte nicht: “Der Staat hat die Banker erpresst und dazu gezwingen CDO’s zu erfinden!”.
“Das Kapital der Banken gehören liquidiert, damit der Markt die Dinge wieder richten kann: die Hypotheken gehören wertberichtigt, und die Verantwortlichen sollen die Folgen spüren.”
Da sind wir uns weitgehend einig. Solange die Einlagen bei Geschaeftsbanken wie WaMU gedeckt bzw garantiert werden. Und danach gehen wir Leuten wie Fishman an den Kragen.
[...] Unternehmer versagen nicht! Privatisiert Währungen! Veröffentlicht in September 24, 2008 von momorulez “(…) noch immer dominiert in Medienberichten der Trugschluss, die so genannte „Finanz-” oder „Finanzmarktkrise” sei Folge unternehmerischen Versagens.” (via A-Team) [...]
Tatsächlich hat der Staat nicht unwesentlich Schuld an der Finanzkrise – vor allem jedoch deshalb, weil er selbst fast alle Hebel aus der Hand gab, das Finanzsystem zu beeinflussen. Man muss sich dazu nur die Steuerpolitik der letzten Jahre ansehen. Daher kann die Schlussfolgerung nur sein, die staatliche Führung, nicht nur Kontrolle, widerherzustellen. Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2008/09/24/der-weg-des-geldes-immer-nach-oben/
Gibts eigentlich keinen Weg zwischen grundsätzlich völlig ungeregelten Märkten und einem kindlichen Glauben in einen alles lenkenden Staat?
blogsgesang, Blogleser mögen nicht die intelligentesten Menschen sein aber versuch uns doch nicht veräppeln. Die Staatspartei weiss dann, wo die Finanzmittel eingesetzt werden, weil die Partei, die Partei, die Partei hat immer recht ;-) . Wie viele Menschen wollen denn in Länder auswandern, in denen ein Staat da mal so richtig mit der Faust auf dem Tisch haut wie Nordkorea, Kuba, Venezuela. Oder früher in die DDR, die UdSSR, etc. Mmh? Versuch mal ein bischen nachzudenken, bevor du dich so in Rage schreibst.
Der “Dritte Weg” war ja der Ansatzpunkt der ursprünglichen Neoliberalen… hat aber, IMHO, mit zu dem interventionistischen System geführt, mit dem wir uns herumschlagen.
Die Frage ist, ob man den Markt als offenes selbstorganisierendes System betrachtet – das ja durchaus vor-strukturiert sein soll – oder von der grundsätzlichen Steuerbarkeit wirtschaftlicher Prozesse im Sinne eines kybernetischen Systems ausgeht.
Die Definition von Ordnungsprinzipien ist etwas grundlegend Anderes als die Intervention.
Ja, eben, und gerade deshalb sollte man die Kirche im Dorf lassen, anstatt sich zu Fehlern “gezwungen” gesehen haben zu wollen – vom dummen Staat, wie oben in Vorwärtsverteidigung verlautbart …
Der “Dritte Weg” ist sozusagen “entartet”, wie ich langsam zu begreifen beginne; d. h. den gibt’s gar nicht, sondern nur entweder / oder; und das gibt’s vermutlich auch nicht. Was dann? Ordnung muss sein … !
PS: Und komm’ mir jetzt nicht wieder mit diesem “Frag’ mich was Leichteres”, ja ;-)?
Das der Markt ein sich selbst organisierendes System ist, ist nicht eine besonders umwerfende Erkenntnis. Du selbst lebst, weil du aus vielen solcher Regelsysteme bestehst. Du bist als Menschen Bestandteil deiner Umwelt, der Stoffe aus deiner Umgebung aufnimmt und sie abgibt. Hinzu kommt, dass du ständig umgebaut wird, während du lebst. Manche Zellen, zum Beispiel die der Schleimhäute, werden sehr häufig ausgetauscht. Du bist eigentlich ständig im Umbau, jeder Mensch. Trotzdem lebst in der Zeit.
Den Luxus, frei von Fehlergrößen und Störgrößen zu sein, erleben deine Regelsysteme nicht. Sie müssen bis zu einem gewissen, bei Wildtieren bis zu sehr hohen Grade, Beispiel Verletzungen, mit Störgrößen fertig werden. Trotzdem überleben diese massiven Störgrößen ausgesetzten Regelsysteme und sind sich selbst regulierend und sich selbst heilend. Auch wenn Tiere ebenfalls Interventionen im Form von Heilpflanzen nutzen. Daher kennt der Mensch sie ja.
Ist der Markt ebenfalls sich selbst regulierend und sich selbst heilend? Wenn der Markt das Regelsystem ist, wer sind dann die Regelelemente?
Der Staat produziert Störgrößen. Das ist richtig. Funktioniert der Markt nur dann so phänomenal, wenn er frei von Störgrößen ist?
Wieso habe ich eigentlich den Eindruck, das dieser Markt sich so verhält, als würden die durch staatliche Intervention entstehenden Störgrößen nicht mehr solche bleiben, sondern zu übergroßen Regelelementen des Marktes mutieren?
Nehmen wir mal an, das Staat würde keine Störgrößen mehr produzieren. Ist es möglich, dass Marktteilnehmer sich von markterhaltenden Regelelementen zu marktzerstörenden Störgrößen wandeln?
Ach bitte, erzählt mir mehr davon. Ich will doch von euch lernen
Der Ingeniör hat’s schwör: rührt doch die These, dass aus einem gelenkten Prozess nichts grösseres entstehen wird als der lenkende Geist voraussehen kann, an sein Selbst-Verständnis als Konstrukteur und Lenker. Du argumentierst als Kybernetiker, Libero.
Obwohl ich ja schon mit Dir in der Beurteilung staatlicher Regulationsversuche als Störgrösse übereinstimme – die Frage ist also eigentlich: wieviele Versuche zur “Markterhaltung” erträgt der “staatlich versumpfte Kapitalismus mit seinem Geklüngel zwischen big government und big business” (Roland Baader) noch, bevor diese Störgrössen das offene System Markt kollabieren lassen?
Unser Finanzsystem beruht zum großen Teil auf durch Menschen gemachte Regeln. Ich kann mir auch kein anderes vorstellen. Was wäre denn, wenn die Politiker nun nicht versuchen würden, die Banken zu retten? Gewaltige Mengen von Werten wären von den einen auf dem anderen Tag vernichtet. Es gäb eine gewaltige Welle des Mißtrauens. Die Folge für physisch real existierende Menschen wären katastrophal mit den entsprechenden politischen und sozialen Konsequenzen.
Und nochmal: Wurde die Krise nicht gerade in Bereichen verstärkt, die sich der existierenden Regulierung durch Innovation systematisch entzogen (Investment-Banking)?
Nehmen wir an, dass weniger staatliche Regeln die Finanzallokation an ein Pareto-Optimum angleicht. Nehmen wir weiter an, dass ein Finanzsystem ohne jegliche staatliche und zwischenstaatliche Regeln nicht denkbar ist. Gemäß der Theory of the Second Best (try google) kann aber in einem System, in dem sich nicht alle Systemgrößen im Pareto Optimum befinden, eine Optimierung einer Komponente das Gesamtsystem effizienter, uneffizienter oder gleich-effizient machen.
Natürlich können staatliche Regeln trotz guter Intention zu einem schlechteren Ergebnis führen als Systeme, die mehr auf Selbstorganisation beruhen. Nur gibts nach meiner Sicht im Finanzsystem as-has-been Anreizstrukturen für Finanz-Agenten, die schockartige Krisen wie die jetzige sehr wahrscheinlich machen. Um ein solches Marktversagen in Zukunft weniger wahrscheinlich zu machen, können auch staatliche oder zwischenstaatliche Spielregeln hilfreich sein.
Handel und Markt gibt es seit Jahrtausenden. Die Erfahrungen, die man dabei gewonnen hat, führten zu Regeln. Einige davon mögen überholt sein. Aber alle durch Erfahrung gewonnenen Regeln zu negieren, wie es einige Marktteilnehmer taten, ist schlicht und einfach fahrlässig.
Staatliche Regeln sind nicht notwendig. Es ist die Aufgabe der Marktteilnehmer, sich selbst Regeln zu setzen, ihre Gültigkeit bei Veränderungen der Finanzinstrumente zu überprüfen, sie gegenenfalls zu ergänzen und sie vor allem EINZUHALTEN.
Die Marktteilnehmer negierten die Regeln nur, weil sie begründet vermuten konnten, dass der Staat eben jene Regeln per Intervention ausser Kraft setzen würde (vgl. Argumentation von jpj oben).
, ich fürchte, das glaubst du wirklich. Das ist das nachträgliche Rationalisieren von leichtsinnigem Verhalten.
Investmentbanken finanzieren etwa ein Viertel ihrer Bilanz mit sogenannten “Overnight Repos”. Das heißt, ein Viertel der Bilanz muss jeden Abend neu finanziert werden. Wenn etwas schief geht, geht es wirklich schnell und es gibt keine Zeit für Außenstehende, die Details der Bücher einer Bank zu bewerten.
Wer so handelt, handelt fahrlässig, da kannst du soviele Hayek-Weihrauch um mich verbrennen, wie du willst.
Mir doch egal, ob aus Leichtsinn oder rational Choice: staatsinterventionistische Politik wirkt, weil Risiko minimierend, als Verstärker.
Du wirkst von Satz zu Satz überzeugender. Irgendwie habe ich den Eindruck, du willst das glauben, aber kannst es eigentlich nicht mehr und klammerst. Irgendwo in deinem Bauch grummelt es vor sich. Wenn alle Stricke reissen, du weisst, wo du hin pilgern mußt. Am Eingang ist ein Automat mit Kerzen!
Libero, während Deiner Argumentationsphasen ist es ja ganz interessant, mit Dir zu diskutieren. Ein Psychologe ist aber def. nicht an Dir verlorengegangen…
(vgl. auch Punkt 3 unserer Comment Policy ;-)
Hier geht es eher um mein Bauchgefühl.
Was mich an deiner Argumentation amüsiert, dass du Fehlverhalten im wesentlichen als durch die staatliche Störgrößen verursacht erklärst.
Kannst du dir vorstellen, daß es in dieser Situation auch Fehlverhalten gibt, daß völlig unabhängig durch staatliche Störgrößen entstanden ist?
Ich habe den Eindruck, noch mehr bei IUF, dass dieses von den staatlichen Störgrößen unabhängige Fehlverhalten auf keinen Fall mehr als eine marginale Ursache für die gegenwärtige Situation sein darf, weil eine “das nicht sein kann, was nicht sein darf Lage” unbedingt rational und streng dem kanonisierten Schriften der Heiligen folgend, wegdiskutieren werden muss, um den wahren Glauben zu erhalten.
Es wäre zu klären, was ist “Fehlverhalten” – meinst Du damit unerwünschte Ergebnisse der Marktprozesse? (Ergänzend: von wem unerwünscht?) Kann durch voluntaristisches Ausserkraftsetzen von Regeln (nichts anderes ist staatliche Intervention) “Fehlverhalten” minimiert werden oder schwächt dies nicht nachgerade die Stabilität des Systems?
, du scheinst einem ganz anderen Libero zu antworten. Ich würde ja gerne auf deine Antwort eingehen, aber ich weiß beim besten Willen nicht, was der andere Libero geschrieben hat.
Möglicherweise ist die gemeinsame Intelligenz der Teilnehmer des Finanzmarktes doch eher so entwickelt, daß sie viel zu lange prozyklisch agiert, weil zu viele Marktteilnehmer nicht selbständig entscheiden, sondern nur darauf schielen, was machen die anderen. Zu viele Followers und MeTo führen nicht zu einem sich selbst regulierenden und selbst heilenden Markt. Außer natürlich, wenn man den Untertaker als Heiler ansieht. Vielleicht sollte man als Ökonom sich mal ganz weit über den Zaun lehnen und in völlig anderen Wissensbereichen wildern, pardon, ich meine natürlich Wissen adaptieren.
Ich habe den Eindruck, solche Finanzkrisen ähneln in einigen Aspekten an Seuchen, auch da ist ja der Untertaker ein ganz wichtiger “Heiler”, aber das ist nicht Grund, warum ich gerade an Seuchen denke.
Ja Lemmy. Where’s the dissent?
Wenn du vorsichtige aber bindendere staatliche und zwischen-staatliche Spielregeln im Handel von komplexen Finanzprodukten bist, existiert kein Dissenz.
Es kann einfach nicht sein, dass hochbezahlte Leute einfach irgendwelche Milliarden-Finanzinvestitionen abnicken, die sich später als eine Art Pyramidenspiel herausstellen und die dann sagen, dass das sowieso alles zu kompliziert zum Verstehen ist.
Dann muß man eben die bürokratischen Kosten in Kauf nehmen und das ganze mittels zwischen-staatlicher und staatlicher Regulierung überschaubarer machen.
… muss es nicht vielmehr so sein, dass die Marktgesetze unrentables Wirtschaften bestrafen? Sonst hätte der Markt als “Entdeckungsverfahren” ja keinen Sinn.
Das Problem imho sind nicht Regeln i.S.v. formalisierten Handlungsrichtlinien, sondern die Beliebigkeit mit der der Staat sie interventionistisch ausser Kraft setzt und selbst als wirtschaftlicher Akteur auftritt.
Es liegt doch bei den Provisionssystemen für Bankangestellte ein Principal Agent Problem vor, nach dem der Problemverursacher eben nicht für seine Fehler bestraft wird.
Wir können auf bessere Spielregeln innerhalb der Banken hoffen. Nach meinen laienhaften Vorstellungen sind die Finanzmärkte ohnehin mit einer Menge Regeln, damit Vertrauen überhaupt erst entstehen kann.
Man kann dann die von Experten formulierten konkreten Regulierungsvorschläge überprüfen.
Nicht-Intervention würde einen gewaltigen Bankencrash nach sich ziehen. Wie 1929. Mit unbekannten sozialen und politischen Folgen. In den Bankenkrisen in Lateinamerika (1982), Asien (1999?), Argentinien (2001) hat der Staat eingegriffen und letztlich gab es so etwas wie einen institutionellen Lernprozeß.
Dem chilenischen Crash von 82 ging auch die Generierung eines immer schwerer durchschaubaren markt-generierten Systems mit massiven Principal Agent Problemen und der systematischen Unterbewertung von Risiken voraus. Unterbewertung vor allem auch deshalb, weil eben hier die marktanreiz-induzierte steigende Komplexität des Systems Risiken verbarg. Danach betonte Büchi die Bedeutung von vorsichtigen, ständig überprüften und an-sich-selbst-zweifelnden Regulierungen, die aber immer noch den Kräften des Marktes viel Entfaltungskraft ließen.
Solche vorsichtigen Regulierungen sehe ich als etwas völlig anderes als der Glaube gewisser Clowns, ein starker Staat könne das Paradies auf Erden schaffen.
Es liegt an finanziellen Steuerungsgrößen und es liegt an staatlichen Störgrößen, das diese Situation auftrat. Sehr schön das erlernte Wissen aufgesagt. Da haben eure Lehrenden gute Arbeit bei euch geleistet. Sie haben euch in den Wirtschaftswissenschaften all das Wissen eingetrichtert, was man wissen kann und als getreulicher Schüler könnt es auf Bedarf und Zuruf austrichtern.
Ich denke, die Ausbildung nicht nur in Deutschland krankt daran, daß im wesentlichen Wissen vermittelt wird, aber viel zu wenig darauf geachtet wird, mit welchem Grundgerüst an Charakter und Werten die erst Studenten, dann Absolventen, dann Berufstätigen dieses Wissen anwenden. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, habe ich den Eindruck, die Lehrenden in den Wirtschaftswissenschaften denken, dass das von ihnen vermittelte Wissen dieses Grundgerüst sei, das für das wirtschaftliche Handeln vollständig ausreiche, auch wenn der Lehrende und später Anwendende arm an Charakter und Werten ist, ja sogar, daß das vermittelte Grundgerüst an Wissen diese Belanglosigkeit vollständig kompensieren kann.
Das denke ich nicht. Die Vermittlung von Fachwissen durch den Lehrenden an die Lernenden reicht nicht aus. Entscheidend ist nicht nur, was gelehrt wird, sondern auch an wen und wie. Bildung ist nicht nur die Vermittlung von Fachwissen. Dann könnte man die meisten Menschen durch einen mittelmäßigen Computer ersetzen. Gute Lehrende sind nicht nur ein Vorbild an Wissen, sondern auch ein Vorbild, wie man Wissen anwendet, wie man neues Wissen schafft und damit sorgfältig umgeht und wie man wirtschaftlich handelt. Eben nicht nur mit Wissen und mit Entscheidungen.
Das setzt natürlich voraus, daß die Lehrende auch Erfahrungen in verantwortlichen gar selbständigen Positionen außerhalb der universitären oder Institutssubkultur gemacht haben und nicht ihr ganzes Berufsleben in diesem merkwürdigen Treibhaus vollbracht haben.
Wie belieben?
1. hab ich nicht mal Wirtschaftswissenschaften studiert.
2. Arbeite ich seit 10 Jahren und durch 1 harte Krise in mit der Zeit immer anspruchsvolleren Projekten.
Statt dich über die mangelnde Characterbildung von Mitmenschen mockieren, könntest du vielleicht mal ein wenig mehr Zweifel an der eigenen Fähigkeit zur objektiven Wahrnehmung zulassen.
Eher Katechismus als Liberalismus, find ich.
thx
Axel
, du liest auch nur das, was du mit deiner Hayek-Brille sehen wilst. Ich argumentiere keineswegs als Ingenieur, das Interesse für sich selbst organisierende und heilende Systeme führt in gänzlich andere Wissensbereiche, die ganz ohne Ingenieur funktionieren.
Die Störgröße fiat money führt also dazu, daß sich alle Markteilnehmer, die ja die Regelelemente darstellen, von dieser Störgröße, die zur Regelgröße mutiert, versklaven lassen und nur noch ausführende Marionetten der alles dominierende Regelgröße fiat money werden. Das sagt viel über die grandiose Eigenständigkeit dieser Markteilnehmer.
Also dich hat diese Regelgröße fiat money nicht verslavt, mich auch nicht, nur alle die, die am Finanzmarkt aktiv sind? Hast du dich anstecken lassen. Nö, hast du nicht
Alle? Nein, in kleinen gallischen Dörfern, verstreut über den Erdball, haben genügend Menschen den Sirenenklängen der fiat money widerstanden. Nur durch Ohropax? Durch Schwerhörigkeit? Durch Ignoranz? Oder durch Nachdenken?
Der Körper ist auch ein sich selbst regulierendes System, dennoch macht ihm anhaltender Alkoholeinfluss krank und bringt ihn dann um. Warum soll das fiat money nicht vergleichbar sein.
Die Wirkung des Fiat money, ist, dass der Zins keine Aussage mehr über die verfügbaren Ressourcen mehr. Ist er zu hoch werden diese nicht ganz ausgeschöpft, es kommt zur Arbeitslosigkeit und zurückgehenden Wachstum, ist er zu niedrig (wovon wegen der Anreizstruktur auszugehen ist) werden den Investoren Ressourcen vorgetäuscht die nicht vorhanden sind. Es werden Vorhaben verwirklicht, die nicht ausgeführt werden können, wird dies festgestellt kommt es zu Sonderabschreibung gegebenenfalls zur Insolvenz. Dich wird dass nicht anstecken, bedroht, aber deine Bankeinlagen und das Vertrauen in das Zahlungssystem.
[...] in diesem Zusammenhang: Die Diskussion auf antibuerokratieteam.net zum Staatsversagen und der Überregulierung(!) der Finanzmärkte bietet eine ungewöhnliche, wenn auch aus meiner Sicht nicht ganz schlüssige Perspektive zum [...]
[...] f.m.r. (und der via antiB) auch hier ‘mal was krass reales, das von den mainstreammedien krass nicht so genau gesagt [...]
Im freien Spiel der Kräfte findet sich die Lösung von alleine…Die Notenpresse des Staates war die entscheidende Ursache der Krise…Es ist eine kleine Krise…Einige wenige strauchelnde Banken gefährden den Kapitalismus nicht…Märkte versagen nicht…Der Konkurs ist ein gesunder Teil vom Marktmechanismus…Die Marktinterventionen des Staates haben die Krise erst zur Krise gemacht…Die unsinnigen Konkursregeln des Staates haben gesunde Banken in den Bankrott getrieben…Der Staat ist das Problem.
Lesebefehl: http://www.nyu.edu/projects/sciabarra/notablog/archives/001540.html