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Sektion der neoliberalen Weltverschwörung

Völliger Realitätsverlust

jo@chim, 28.09.2008

In Bayern wurde die zunehmend arrogante Alleinherrschaft der CSU nach 46 Jahren* abgewählt und durch eine differenzierte bürgerliche Mehrheit ersetzt.

Und Franz Maget – Spitzenkandidat jener Partei, die es als einzige trotz des desaströsen Absturzes der CSU geschafft hat, ebenfalls Stimmen zu verlieren – entblödet sich nicht, von Neubeginn mit ihm als Ministerpräsident einer 4er-Chaoskoalition zu schwätzen (aha, “Neubeginn”… soll Bayern auch endlich Nehmerland im Finanzausgleich werden?). Absurd. Die bayrische SPD leidet offensichtlich unter völligem Realitätsverlust.

[*Edit: nicht 58, sondern 46 - aber auch dies ist mehr als genug. Danke an FG und CS für den Hinweis]



38 Kommentare zu “Völliger Realitätsverlust”

  1. Christian S.

    Na, bei Deinen 58 Jahren haste aber den guten Hoegner unterschlagen, den Vater der ersten Viererkoalition!

    Franz for Ministerpräsident!

    Mal im Ernst: worin liegt der Reiz für die FDP, Steigbügelhalter für die CSU zu sein? Viel spannender ist es doch, Gleicher unter Gleichen zu sein! :)

  2. DDH

    Riskant und unter demokratiehygienischen Gesichtspunkten höchst anrüchig wäre es, wenn sich die FDP jetzt zum billigen Jakob und zum Pannenhelfer der CSU machte!

  3. DDH

    Na Euch wär doch am liebsten, Seehofer lüde die SPD zu Schwarz-Rot ein!

  4. Christian S.

    Sag ich doch! Nun sind wir ja mal einer Meinung!

  5. Rayson

    Worin liegt der Reiz für die FDP, Steigbügelhalter für die CSU zu sein?

    Worin läge er, kurz vor dem Bundestagswahlkampf einen SPD-Ministerpräsidenten ins Amt zu hieven? Entgegen den Erwartungen der eigenen Anhänger?

    Wenn die FDP vor der Wahl eine Koalitionsaussage zugunsten der SPD getroffen hätte, würde sich für sie das Problem wohl gar nicht stellen…

  6. Libero

    Die SPD hat mit der CSU etwas gemeinsam. Sie hat etwa soviele Stimmen erzielt, wie die CSU verloren hat. Wenn das nicht den Anspruch auf den Ministerpräsidenten rechtfertigt. Nachdem die SPD das Projekt 18 vor der FDP vollendet hat, kann sie sich nun ein wirklich ehrgeiziges Ziel setzen und bei der nächsten Wahl um den Einzug ins bayrische Parlament ringen. Wirklich kreative Menschen setzen sich halt schwer verstehbare Ziele. Das zeigt das Visionäre in ihrem Denken.

  7. stefanolix

    Ich begreife ja nach wie vor nicht, wie man sich überhaupt vor die Kameras trauen kann, wenn man als SPD das unterirdisch schlechte Ergebnis vom letzten Mal noch um knapp ein Prozent unterboten hat. Soweit ich das sehe, ist die SPD nur in Sachsen noch bedauernswerter dran, hier lag sie bei der letzten Landtagswahl unter zehn Prozent. Wenn in Bayern noch nicht mal der Mitleidsbonus hilft, kann die SPD sich dort gleich auflösen. Und der Beck kann sein Buch ein weiteres Mal korrigieren ;-)

  8. FG

    Zum einen unterschlägst Du bei Deinen 58 Jahren glatt den Ministerpräsidenten, den Deine Partei zu eben jenem gewählt hat. Und zum anderen fehlt zwischen “endlich” und “Nehmerland” fehlt ein “wieder”. Denn immerhin war Bayern seitdem es den Finanzausgleich gibt länger Nehmerland als Geberland.

    Aber von den Kriteleien abgesehen: Es ist schon erstaunlich mit welchem Siegergestus die SPD vor die Kameras tritt. Meine Wette, dass es die FDP macht steht übtigens nach wie vor.

  9. Libero

    Ich begreife deinen Kommentar nicht. Verglichen mit früheren Ergebnissen mag dieses Ergebnis schlecht sein, aber verglichen mit zukünftigen Wahlergebnissen ist es ausgezeichnet. Die SPD ist nun mal eine klar zukunftsorientierte Partei

  10. jo@chim

    den Ministerpräsidenten, den Deine Partei zu eben jenem gewählt hat

    … was ihr aber nicht gut bekommen ist ;-) Aber Du hast natürlich Recht.
    Auf die FDP als Koalitionspartner der CSU würde ich noch nicht wetten. Die Freien Wähler wollen an die Tröge. Korrumpieren und separieren, das haben die Amigos Jahrzehnte geübt… und als Lohn winkt die Konkursmasse des Honoratiorenvereins, wenn die an ihren inneren Widersprüchen zerbrechen.

  11. DDH

    Schade, daß wieder so viele Menschen wählen gegangen sind und damit dem System eine carte blanche ausgestellt haben!

  12. Bodo Wünsch

    Du bist manchmal wirklich schwierig bis gar nicht zu verstehen, Dominik…

  13. DDH

    Nach 50 Jahren muffelts im Freistaat so sehr, daß die Staatspartei einfach auf die harten Oppositionsbänke gehört.

    Lieber 5 Jahre buntes Chaos als weitere 5 Jahre schwarzen Filz mit blau-gelbem Kitt! Schwer zu verstehen? Dann muß ich an meiner Didaktik arbeiten. ;-)

  14. Shin

    Naja, libertärer Anarchokapitalismus, oder was auch immer man als Ideal ansieht, ist ja nicht die einzige Alternative zur Demokratie. Mir ist das momentane System zumindest lieber als 90% der bekannten Alternativen.

  15. FG

    Günther heute morgen im Radio, sinngemäß: Es wird mit allen (!) geredet außer mit den freien Wählern.

  16. jo@chim

    Frage ist wohl nicht so sehr, mit wem Schreckstone reden wird, eher wie lange er noch etwas zu sagen hat…
    :D

  17. Bodo Wünsch

    Es war _vor_ der Wahl bekannt, dass die FDP mit der CSU koalieren würde. Was Du hier mit “Pannenhelfer” bezeichnest, ist daher nicht verständlich.

  18. Max

    @Shin:

    Naja, Nicht-Wählen sagt ja nicht, dass man das gesamte System stürzen will, sondern nur, dass ihm aus der hier vorgestellten Auswahl an Parteien KEINE gefällt und der Wahlbürger doch gerne mehr Auswahl hätte =)

    Mir fällt keine bessere Möglichkeit ein, als die SFDP mal ein bisschen auf Kurs zu trimmen, ausser eben nicht mehr zu wählen, denn die anderen Parteien sind nicht wirklich besser ,)

  19. Bodo Wünsch

    Man kann es nicht oft genug wiederholen: Demokratie ist keine Regierungsform, sondern eine Entscheidungsfindungsmethode.

    Insofern sind das keine Alternativen. Eine staatsfreie Gesellschaft _wäre_ Realität, würde man die Gruppe der Nichtwähler (gestern in Bayern: 43 Prozent) parlamentarisch berücksichtigen.

    Man müsste per Nichtwahl seinen Pass, seine Steuerpflicht und jeglichen bürgerlichen Rechtsanspruch “abgeben” können – dann sähe die Welt mal anders aus. Das es das nicht gibt, ist der große Selbstbetrug der Demokratie, besser: von DemoKRATEN.

  20. R.A.

    Die SPD ist wirklich völlig durchgeknallt.
    Ich verstehe ja noch, daß sie sich wie alle anderen Parteien über die CSU-Verluste freut.
    Aber wenn einem die Verluste Anderer wichtiger sind als das eigene Ergebnis – dann ist man politisch nicht mehr ernst zu nehmen.
    Die freudige Reaktion Magets auf seine Verluste (von grottenschlechter Ausgangsbasis!) ist nur noch peinlich, ebenso das Verhalten seiner verbliebenen Mitglieder:
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-35675-4.html#backToArticle=581002

  21. Bodo Wünsch

    @Max

    > “gerne mehr Auswahl hätte”

    Das bezweifle ich. Ignoranz (positiv gewertet) dürfte die Hauptrolle spielen.

  22. R.A.

    > Auf die FDP als Koalitionspartner der CSU
    > würde ich noch nicht wetten.
    Richtig.

    Für die CSU ist die FDP deutlich schwieriger zu akzeptieren. Die inhaltlichen Differenzen sind weit größer, dazu kommt die Bundespolitik.

    Eigentlich sollte sich (wenn in der CSU-Spitze überhaupt noch jemand strategisch denken kann) die Frage stellen, wie sie die Freien Wähler am besten wieder neutralisiert.
    Als Opposition, die in Vergessenheit gerät – oder als Mitregierung, die dann auch Unangenehmes mitvertreten muß.

    Ich hätte eher das Gefühl, ohne Regierungsbonus würden die Freien nächstes Mal wieder unter 5% bleiben, solange die CSU auch nur halbwegs anständige Politik macht.

  23. Bodo Wünsch

    @R.A.
    Bist mir zuvorgekommen :-) – das Bild hatte ich gestern Nacht noch entdeckt, aber grad erst verwurstet:
    http://bodowuensch.blogspot.com/2008/09/bayern-spd-total-irre.html

    Wie weit diese Leute aber nicht nur vom Denken, sondern auch von der Realität entfernt sind, zeigt die Rede Franz Magets, er fühle sich beauftragt, mit evtl. den Grünen, den Freien und der FDP eine Viererkoalition zu erwägen und entsprechende “Gespräche” führen zu wollen.

    Das ist so, als führe einer in seiner Führerscheinprüfung einen Fußgänger um, um anschließend mit dem Prüfer die Zuteilung des Lappens zu diskutieren. Er sei ja zumindest GEFAHREN.

  24. Lina

    Man müsste per Nichtwahl seinen Pass, seine Steuerpflicht und jeglichen bürgerlichen Rechtsanspruch “abgeben” können

    Ja, schön wär’s, wobei ich für eine Übergangszeit sogar bereit wäre, Jahr für Jahr rückläufige Steuerbeträge zu entrichten, bis sie schliesslich auf ein Minimum gesunken sind.

    Das Dumme ist nur: es gibt keine echte Alternative zur Demokratie – es sei denn, man würde eine erfinden können. Schon eine erforderliche 2/3-Mehrheit bei gleichzeitiger Beschränkung auf maximal 3 regierungsbildende Parteien wäre ein Fortschritt, meine ich. Und eine echte Herausforderung für die Parteien, die sich ins Zeug legen müssten, um ausreichend Stimmen hinter sich zu bringen. 50 % (plus X) als eine entscheidende und massgebliche politische Mehrheit zu nehmen, finde ich absurd – gerade diesen 43 % unmotivierten (hier: bayerischen) Nichtwählern gegenüber und zumal dies eine deutliche Demonstration ist.

  25. DDH

    Und zwar rationale Ignoranz! Eine einzelne Stimme bewirkt nämlich nichts und schon eine einzige andere Idiotenstimme wiegt die eigene Stimme auf.

  26. stefanolix

    @Lina: Gegen rückläufige Steuersätze hätte ich auch nichts ;-)

    In der Tat erschreckt mich die niedrige Wahlbeteiligung (für Bayern ist das doch der historische Tiefstand?). Liegt das am Rauchverbot?

  27. DDH

    Die sozialliberale Bayern-FDP mit der Seehoferschen Staatssozialismus-CSU? Paßt wie angegossen. Nur warum sich vorgebliche “Neoliberale” unter dem Vorwand aller Charakterlosigkeit, der sogenannten “Realpolitik” für so eine obskure Veranstaltung erwärmen, will sich mir nicht erschließen!

    Heiter dürfte das Etatisten-Bündnis nur im Bereich Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik werden. Bin mal gespannt, wie SLS oder auch René Wendland künftig Becksteinsche Innenpolitik der harten bayrischen Hand rechtfertigen werden.

  28. DDH

    Im konservativ-beschaulichen Oberschwaben, wo die Welt angeblich noch in den Fugen ist (und welches in vieler Hinsicht Bayern ähnelt) da rauschte jetzt zweimal hintereinander Oswald Metzger bei der CDU durch! Und zwar nicht beim Friedbert-von-Weizgeißler-Flügel, sondern bei denen, die die Werte hochhalten, die bspw. Lichtschlag in jeder seiner ef-Ausgaben flehentlich beschwört! Die rechtskonservativen Agrarparasitismus-Profiteure fürchteten die “marktradikalen Parolen” des Herrn Metzger wie der Teufel das Weihwasser. Nix da von wegen “bürgerliches Lager”! Liberalismus und Konservatismus sind keine natürlichen Verbündeten sondern VON NATUR AUS GEGNERISCHE PRINZIPIEN!!! BEGREIFT ES ENDLICH!!! (siehe auch “Eine neue Freiheit” von Murray N. Rothbard)

  29. Bodo Wünsch

    Was ist denn daran erschreckend?

    In den USA”wählen” nur ca. 30 Prozent der “Menschen”.

  30. Bodo Wünsch

    Achso.
    Dass Du der FDP aber Liberalismus unterstellen würdest, wäre auch neu ;-)

  31. Lina

    Dich schreckt die niedrige Wahlbteiligung? Das liegt daran, dass man in den Kabinen auch nicht mehr rauchen konnte; deshalb sind gerade auch die vielen, vielen netten bayerischen Raucher unter den Nichtwählern einfach weggeblieben, und so kommt’s halt … ;-).

  32. stefanolix

    Durfte man früher in der Wahlkabine rauchen? Vielleicht erklären sich dann die hohen CSU-Ergebnisse durch Benebelung? Ihr Bayern habt jedenfalls mein tief empfundenes Mitleid. Das ist ja jetzt schlimmer als eine Revolution ;-)

  33. FG

    Die Wahlbeteiligung ist gegenüber 2003 von 57,1 % auf 59,1 % gestiegen.

    und in den wahlkabinen herrschte damals auch schon rauchverbot;-)

  34. Dagny

    Metzger ist doch Berufspolitiker und kein AnKap. Natuerlich rauscht der durch.

  35. Christian S.

    Darauf hätte ich keine Lust. ;)

  36. Lina

    Wg. Kabinenrauchen: der gemeine Wähler tat’s nicht, während es die gemeinnützigen Kontrolleure schon taten … ist ja auch nervig, den ganzen Tag nur Urnenschlitze offenzuhalten, oder?

    (Auf Mitleid aus Sachsen wird übrigens verzichtet. Revolution können wir schon, haben wir in den Genen, machen wir mit links … ;)

  37. DDH

    Metzger ist einer von Euch. Ein staatsbejahender Liberaler, der glaubt, man könne das Prinzip Politik (“Zwang soll sein”) mit dem Prinzip Liberalismus (“Zwang soll nicht sein”) kreuzen. Dabei kommt IMMER ein schrecklicher Homunkulus heraus, der bisher auch noch nie einem einzigen entschlossenen sozialistischen Ansturm standhielt. Metzger scheiterte wie Merz scheiterte wie alle middle-of-the-road-policy-Protagonisten scheitern. Die intellektuelle Unterlegenheit ist Folge mangelnder Konsistenz und Ursache mangelnder Attraktivität bei (vornehmlich jungen) Menschen, die bereit sind für Ideale zu leben.

    Und jetzt glauben einige von Euch, man könne die FDP umkrempeln. Du liebe Güte! Und da heißt es immer, die AnKaps (übrigens finde ich den Begriff “Anarchokapitalismus” nicht unproblematisch, Kevin Carsons “free market anti-capitalist” gefällt mir deutlich besser) seien illusionäre Träumer! Ihr bildet Euch doch nicht ein, daß Ihr mit Eurem Polit-Sandkastenspielchen als “Realos” durchgeht!

    So etwas wie “liberale Politik” kann es nicht geben! Kein Ron Paul und kein Bob Barr und kein Christoph Blocher und kein Vaclav Klaus und kein Frank Schaeffler werden daran etwas ändern!

  38. stefanolix

    Dann muss es wohl am Essen liegen ;-)

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