Die Quanten-Physik der Krise
jo@chim, 09.10.2008
Selbst organisierte Systeme funktionieren eigentlich ganz simpel: Jeder hält sich an einen überschaubar niedrigen Satz simpler Regeln, Keiner hat den vollständigen Überblick, aber unter den richtigen Bedingungen passiert etwas sinnvolles. Jedenfalls kann es von außen so aussehen – die Frage nach Sinn oder Unsinn zu stellen, ist an dieser Stelle einfach nicht sinnvoll sondern nur ein Artefakt unserer Interpretation. [...] So ähnlich kann man sich Kapitalismus vorstellen: Kein Akteur hat den vollständigen Überblick über das System, alle verfolgen die selben Regeln und am Schluss wird irgendwie zwischen Angebot und Nachfrage vermittelt. Bis jetzt jedenfalls.
[...] Wenn man einzelne Parameter ändert, ändert sich das Verhalten des gesamten Systems. Und niemand kann sagen, in welche Richtung. Vielleicht sollten wir nochmal drüber nachdenken, ob wir das wirklich wollen.
Der Physiker Wolfgang Stieler im Technology Review Blog: Krise? Welche Krise?.
Interessant auch der Verweis dort auf einen Beitrag von Bryant Urstadt zu den “Quants” genannten Handelsalgorithmen, die (mit)verantwortlich gemacht werden für die Disproportionen, die zur derzeitigen Krise geführt haben. Dazu würde mich einmal die Meinung der Finanzfachleute unter unseren Lesern interessieren.
antibuerokratieteam.net





Dieses Quants sind eine Einflußgrößen, die nicht durch fiat money entstanden sind. Vielleicht sollte man als Ökonom einfach mal berücksichtigen, daß die großen Lehrmeister bestimmte Randbedingungen einfach nicht berücksichtigen konnten, weil sie in einer Welt älter wurden, in der es solche sie nur unnötig verwirrende Einflußgrößen einfach noch nicht gab.
Das Studium selbst organisierter Systeme – und der Finanzmarkt verhält sich wie eines, auch wenn von “Organisation” im engeren Sinne im Moment nicht wirklich die Rede sein kann – vermittelt wertvolle Einsichten in den weiteren Verlauf dieser Krise.
Tja, leider interessiert das ja keinen der mitlesenden Ökonomen. Die belebte und unbelebte Welt ist voll von sich selbst organisierenden Systemen und viele von ihnen sind recht gut untersucht.
, der Artikel ist doch witzig, die besten Mathematiker wurden Opfer ihrer eigenen Werkzeuge. Man sollte nicht versuchen, Handelsvorgänge all zu sehr zu beschleunigen.
Wer kann hier noch den Zauberlehrling?
Wen meinste? Naumann? Röpke? Eucken?
^ ^
Aber Du hast natürlich Recht LieberRo (wobei ich im Umfeld dieses liberalen Blogs eigentlich sehr wenig Buchstabengläubigkeit erkennen kann).
, ihr seid mit diesem blog nicht alleine auf der Welt.
Ist doch augenfällig, daß die “Haltbarkeit” dieser mathematischen Werkzeuge zurückging.
Die hier :-)
Recht hat der Mann. Die Fähigkeit zur Selbstorganisation, deren größte Erfolgsgeschichte die Evolution des Lebens darstellt und die sich in menschlichen Gesellschaften in Form des freien Marktes zeigt, ist einer der Gründe, warum ich der Ansicht bin, dass ein wissenschaftliches Weltbild eigentlich zwangsläufig zu liberalen Ansichten führen sollte und nicht, wie leider ebenfalls oft, zu sozialistischen. Der Fehler vieler Wissenschaftler, die so dachten und denken (heute sind es glücklicherweise weit weniger als noch vor einem halben Jahrhundert), ist die Überbewertung der Fähigkeit des menschlichen Gehirns zur Anwendung rationalistischer Methoden. Daraus entstehen der Glaube an die Möglichkeit und Notwendigkeit von gesellschaftlicher Lenkung durch den Staat und alle daraus folgenden Übel des Sozialismus. Ich bin überzeugter Rationalist und finde den Rationalismus toll, aber er findet seine Grenzen in den geistigen Fähigkeiten derjenigen, der ihn anwenden. Und diese Grenzen sind selbst bei außergewöhnlich intelligenten Menschen äußerst eng.
Das erste sich selbst organisierende System, mit dem ich mich näher beschäftigt habe, hinterlässt im Metallgefüge eine markante Auffälligkeit, in der einige Elemente angereichert sind. Das war das, was man sah.
Also versuchte man, diese Elemente zu eliminieren. Aber die Auffälligkeit blieb. Erst 100 Jahre nach der Entdeckung der Auffälligkeit und 20 Jahre nach der Entdeckung des sich selbst organisierendes Systems wurde das entscheidende Element entdeckt.
Ein nicht angereichertes Element. Das war das, was man nicht sieht. Es war ja unauffällig. Seit dieser Erfahrung bin ich sehr vorsichtig, wenn mir jemand bei sich selbst organisierenden Systemen erklärt, er kenne die wichtigsten Einflußgrößen. Er erkennt das, was man sieht und fragt sich selten, was sieht er nicht.
Hat man 100 Jahre gebraucht, um die Auffälligkeit zu vermeiden? Nein. Bereits 1910 war es erstmalig in den USA gelungen, sie zu vermeiden. Es war bloß keinem aufgefallen, das sie plötzlich fehlte. Das nächste Mal 1938 in Tschechien und 1962 in der Sowjetunion. Mein Chef sah 1962 die russischen Bilder. Da war es ihm nicht aufgefallen, das da was fehlte. Als ich ihm 1982 die Bilder noch einmal zeigte, fiel es ihm sofort auf.
Shin, verweilest du noch geistig unter uns oder drehst du bereits endgültig frei?
Soll’n eigentlich das ad hominem Gedizze? Hast Du auch Argumente?
Weil gefragt hat: Ziemlicher Unsinn was Urstadt da schreibt. Und auch bereits seit dem Dotcom/Biotech/Enron-flameout 2001/02 widerlegt: Maerkte sind keine naturwissenschaftliche Angelegenheit – zu viele irrational factors die keiner Kontrolle unterliegen spielen hier eine Rolle, als dass man es nur auf mathematische Formeln zurueckfuehren koennte.
Ein beliebtes Paradox dass oft in finance textbooks vorkommt ist das vom Fondmanager und dem Affen mit dem dart board – auf lange Sicht ist der durchschnittliche Fondsmanager nicht erfolgreicher was die stock picks betrifft als der Affe, der darts auf das board wirft. Warum? U.a. weil irrational day traders (kid needs braces so let’s liquify some positions to get some cash) immer den Markt sozusagen verzerren und den Fondsmanager damit sozusagen “unterlaufen”, sie verkaufen wenn sie kaufen oder halten sollten und umgekehrt, und wenn das viele tun wirkt es sich am Markt aus. Weil es fuer sie in ihrer persoenlichen Situation momentan Sinn macht – das Kind braucht halt die Zahnspange jetzt und nicht in 2 Jahren – und nicht weil sie notwendigerweise dumm sind.
Momentan findet das gleiche statt: Die investors liquidieren in Scharen weil sie dem Markt misstrauen und “raus wollen”. Das treibt den Markt noch weiter nach unten – und am naechsten Tag geht es wieder von vorne los – aber eine Stufe weiter unten.
Hier ein Auszug aus einem e-mail von einem ehemaligen chief economist (jetzt in Rente) einer der grossen US-Banken zur momentanen Krise:
“Your mutual funds are blue chip stocks … paying good dividends … and will still be good stocks when the market settles.
The fact that they will still be paying the dividends is good … in that … while their “value” will reduce during this turmoil … their value will return … and in the meanwhile … you’ve been paid in dividends … to wait out the storm.
There are a ton of people in the market who haven’t a clue as to how markets really work … so … they’re panicking. And .. if they aren’t properly invested … and weren’t counselled properly when they bought the various funds/stocks they did … then I can see why the “just want out”.
The reason “the bullets” aren’t working is … you can’t control fear … and … IMO … all of these governments rushing to jump in and bail out Wall Street’s mistake was an error in judgement.”
Der springende Punkt ist : “you can’t control fear” – und daher funktionieren die Rechnungen der Quants nur bedingt.
“Es ist nicht sinnvoll, die Frage nach Sinn oder Unsinn zu stellen.”
Wow – den muss ich mir merken ;-)
Die Quants haben also bei ihren Algorithmen die Psychologie vergessen?
Aber verhalten sich grosse Gruppen nicht doch wieder berechenbar?
(Glaube ich longlong’go mal in einer Psychologie-Vorlesung gehört zu haben)
In solchen Zeiten fehlt der Herr Statler doch irgendwie …
Klaus, ich sehe Du hast wieder Zeit zu lästern. Scheisse.
Ja, wahrscheinlich bald gaaanz viel Zeit. Aber darf man den Namen Statler nicht mehr erwähnen? Hat dich jener hier irgendwie unbeliebt gemacht?
s/dich/sich/
Die Quants haben vergessen dass irrationale Faktoren und Emotionen wie Furcht, Panik, Instinkt und Euphorie am Markt auch eine gewaltige Rolle spielen und sich natuerlich ihren Modellen entziehen.
Erinnert mich an den Nobelpreistraeger der den investment fond eroeffnete und damit bald pleite ging – Name faellt mir jetzt nicht ein und bin zu faul zum Googeln. Nicht alles laesst sich ein einem mathematischen Modell erfassen.
Und berechenbar sind die Gruppen vielleicht, aber auch beeinflussbar im positiven Sinn?
Ich halte es nicht für sehr sinnvoll, die “Quants” als homogene Masse zu behandeln, der Eindruck wird aber erweckt…
Die Modellierung kann, muss aber natürlich nicht funktionieren; deshalb gibt es (speziell hier: Bei Spekulationen) immer Gewinner und Verlierer, unabhängig von der zugrundeliegenden Strategie.
Darum kann eine Strategie m.E. auch nicht für eine Finanzmarktkrise verantwortlich sein. Voraussetzung wäre, dass alle das gleiche Trading-Modell benutzen.
Ich denke das schlimmste, was eine Trading-Strategie anrichten kann, ist sich selbst zu egalisieren, wie es der klassischen “marktneutralen Arbitrage” ergangen ist.
Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass das Versagen einer Tradingstrategie für den Markt eher ein gutes Zeichen ist, weil sich Gewinne langfristig nur aus (kalkulierbaren) Über- und Unterbewertungen generieren lassen. Wenn das nicht mehr möglich ist, hat sich ein Markt mehr in Richtung der ökonomischen Vollkommenheit und Vollständigkeit entwickelt.
Die Krise hat m.E. viele verschiedene Ursachen, die von vielen verschiedenen Institutionen ausgelöst wurden, ansonsten kann es gar nicht so abgehen, wie es derzeit der Fall ist. Der jetzt spürbare Vertrauensverlust ist ja eine Folge, keine Ursache dieser Krise.
P.S.: Das Beispiel mit dem Affen ist nett, aber kann so nicht hinkommen… das würde nämlich, um in dem Beispiel zu bleiben bedeuten, dass sich das Dartspiel nicht erlernen lässt, was aber der Tatsache widerspricht, dass es langfristig erfolgreiche und erfolglose Fondsmanager gibt (und dies wiederum unabhängig von der Strategie).
@F.Alfonzo
.Darum kann eine Strategie m.E. auch nicht für eine Finanzmarktkrise verantwortlich sein
m.E. stimmt. Ich glaube nicht, das irgendjemand mal versucht hat, den Einfluß einer Vielzahl dieser quants auf die Marktentwicklung zu untersuchen. Du hast gelesen, daß ihre Verwendbarkeit auf wenige Wochen gesunken ist. Das spricht dafür, das sie das sich selbst organisierende System destabilisierten, weil zu viele quants hohe Gewinne in kurzen Zeitperioden anstrebten. Zu viele kurzfristige rational berechnete Aktionen erhöhen nur die Unruhe in einem sich selbst organisierenden System. Außerdem gehen die Quants davon aus, das ihre Gegenspieler wie sie Quants sind. Sie scheiterten also auch an der Unvollkommenheit? eher Andersartigkeit des menschlichen Denkens. Jetzt seid ihr mit eurem Ökonomielatein am Ende. Finde ich witzig.
Wie ein genialer Stratege, der eine ähnliche Strategie bei seinem Gegner annimmt. Dieser macht aber Fehler, die er nicht gemacht hätte und reagiert, wie er es nicht erwartet hat.
Maerkte sind keine naturwissenschaftliche Angelegenheit – zu viele irrational factors die keiner Kontrolle unterliegen spielen hier eine Rolle, als dass man es nur auf mathematische Formeln zurueckfuehren koennte.
Das wären die unsichtbaren Hände. Die dots sind sichtbare Hände der Marktteilnehmer, weil sie versuchen, Veränderungen rational zu interpretieren. Genau das funktioniert nicht.
Quatsch.
Ich denke, das Weltfinanzsystem hat sich bereits vorher durch die Änderung einzelner Parameter geändert. Nämlich genau dadurch, dass diese schwer zu durchschauenden Produkte vom Markt akzeptiert wurden. Und zwar eben vielfach auch von privat-finanzwirtschaftlicher Seite.
Und da hört dann freie Marktwirtschaft auf, einfach und überschaubar zu sein.
In dem japanischen Brettspiel Go (ein System mit 6 oder 7 einfachen Regeln) kann ich auch eine Weile gegen Spieler meines Levels damit Erfolg haben, indem ich z.T. gegen fundamentalste Erkenntnisse spiele. Führt aber gegen einen wirklich spielstarken Gegner unweigerlich zur Katastrophe, d.h. ich verliere deutlich mehr Steine als mit einer konservativeren, meinem Verständnis der Fundamentals gemässen Spielweise.
Im Finanzsystem wurden die Risiken einer solchen innovationsfreudigen Spielweise für lange Zeit unzureichend bestraft.
Das ist aber die Frage. Selbst Zweck und Koordination der Interaktion durch Kommunikation, möglichkeit, kreativität zu kommunizieren etc.
benötigen gewisse strukturen. Zum Beispiel ist es so, dass alle Unterschichtlier in der erste Welt, EGAL woher sie kommen o.ä. verhalten zeigen(statistisch), dass sie zur Freiehti unfähigsein lässt, bspw nicht planen zu können.
Darüber muss man nihct diskutieren, die Statistik sagt uns , dass es so ist. Dieses Element wird das system immer wieder “ziehen”, sprich, systemisch hängen zB liberalismus und sozialismus untrennbar zusammen.
Also so was …
Wo gibt’s denn einen Staat, der ohne Regeln und Verbote funktioniert?
Freier Markt wird doch nur dann begeistert gefordert, wenn man gleichzeitig die Gewissheit hat, dass da immer der Staat seine schützende Hand über einem hält und dass er einem den Rücken frei hält, ganz besonders von den Leuten, die man mehr oder minder übers Ohr gehauen hat, deren Wertschöpfung man einbehalten hat, deren Ware man nicht anständig bezahlt hat, deren Dienstleistung man ihnen in Notlagen abpresst usw., von den Leuten, die sich sehr danach sehnen, einem in einer noch freieren Ecke des Marktes eins über die Rübe zu ziehen.
Freier Markt heißt, auch den Finger am Abzug zu haben, den Dolch unterm Gewande zu tragen und den Konkurrenten zu meucheln, wenn sich die Gelegenheit bietet und es opportun ist.
Kurz: den wirklich freien Markt will niemand und braucht niemand.
Wenn Marktregeln das Leben sicherstellen sollen, wieso sollen sie nicht die Früchte der eigenen Arbeit sicherstellen?
Bhagwati -> http://tinyurl.com/4wgh5r
, konsequent zu Ende gedacht, hätte es Shin auffallen müssen, daß er auch über die Marktteilnehmer urteilt.
Und warum teilst Du diese Auffassung nicht gleich Shin mit, anstatt ihm geistige Umnachtung zu unterstellen?
Wie meinen? Dann in Klar-Deutsch. Schwebst du über den Dingen oder willst du sie nur nicht wahrnehmen?
Beides negativ Libero. Lies einfach mal unsere Comment Policy, Pt. 2 und 3 – dann verstehst Du vielleicht, was ich meine.
@johnj: Die Psychologie arbeitet zur Vorhersage des wahrscheinlichen Verhaltens grosser Gruppen (das ja immer sowohl rational als auch irrational motiviert ist) durchaus mit statistischen Methoden.
Vgl. auch das hier – genau die erwähnten “Feedback-Schleifen im System” scheinen mir aktuell abzulaufen…
Dank weltweiter Vernetzung haben wir ja La Ola Börsen, so daß die Wallstreet durch die bereits wieder schlafenden Börsen animiert, ihrerseits die nach ihr erwachenden Börsen konditioniert. Hinzu kommen die Nachrichtenquellen wie Fernsehsender und Zeitungen, die als fiat information genau entgegengesetzt zum fiat money wirken.
So nimmt das keine Ende und schaukelt sich zu einer Hysterie hoch. Ich würde die Börsen erst mal schließen, damit die sich wieder beruhigen können. Der derzeitige Verbrauch an Xenobiotika dürfte ohnehin sehr hoch sein.
So ein Quatsch, Quants machen keine Modelle über das Verhalten von Menschen, sondern versuchen in den Kursverläufen der Vergangenheit Muster entdecken. Was diese Muster verurschat ist ersteinmal Wurst. Solange das Muster weiterhin existiert, lässt sich unter denen die es kennen ein Gewinn aufteilen. Dass diese nur wenige Wochen Verwendbar ist spricht nicht dafür dass diese Muster verschwinden, (dann würden die Quants Verluste Machen, was auch vorkommt, aber nicht das Problem ist) sondern das sich sehr viele Quants das gleiche Muster teilen. Unruche entsteht dadurch nicht, im Gegenteil irrationales Verhalten wird durch die Quants neutralisiert..
@ admin: Kann jemand meinen Kommentar zurück holen?
Was für ein dummes Zeug! Wenn ich etwas nicht verstehe kaufe ich das auch nicht. Die Welt ist nun mal kompliziert, da kann auch keine Regulierung was dran ändern. Als ob die Bürokraten diese Finanzinstrumente besser verstehen würden als die Banker.
Die Radikalisierung der Pixel.
Der Mann hat sich immerhin für Freihandel und Globalisierung eingesetzt, da war deine Mutter vermutlich noch im Kindergarten.
Die Banker besitzen offensichtlich Anreize, die lang- oder mittelfristigen Risiken ihrer Aktivitäten konsequent unterzubewerten.
Ganze Inseln haben ihre Volkswirtschaften auf leckenden Finanzgebilden aufgebaut.
Vermutlich folgte jedem Zusammenbruch eines Finanzsystems eine stärkere Regulation.
Aber wir können sie einfacher machen, wenn wir gewisse Finanzinstrumente verbieten.
In den btw. komplexen Softwaresystemen, an denen ich mitarbeite, könnten wir auch bömische Dörfer in Rekordzeit hochziehen, aber da gibts halt for the greater good gewisse Architektur- und Designprinzipien, die absolut bindend sind und Verbote implizieren.
Ich waere mir da nicht so sicher. Die Physik ‘Komplexer Systeme’ laesst sich mit sehr wenigen Gleichungen ueberaschend gut beschreiben.
Oder andersrum: Aus einigen wenigen Gleichungen und Grundprinzipien (Prinzip der kleinsten Wirkung, Entropieueberlegungen, etc.) folgt eine erstaunlich komplexe Dynamik.
…auch wenn ich nicht ganz zustimme: Die Schlussfolgerung passt.
Wenn man mal die Propaganda ausblendet und logisch nachdenkt, wie ein Wertpapiermarkt funktioniert, ist das auch einleuchtend:
Alle Trading-Strategien beruhen letztendlich darauf, Über- und Unterbewertungen von Aktien erkennen zu können.
Ist dies der Fall, ‘stabilisieren’ die Trader sozusagen den Preis um den allgemein erwarteten Durchschnittspreis. Die Strategien, die “gut” sind (was sich jederzeit ändern kann), profitieren dann davon, die schlechten machen Verlust.
Trotzdem bleibt ein Stabilisierungseffekt, schon aufgrund der schieren Masse an Erwartungen und Strategien, die sich in der Summe irgendwo um den Markt-Erwartungswert stabilisieren…
Du ziehst aus deiner Argumentation den Schluss, ich wäre mit meinem Ökonomenlatein am Ende? Finde ich witzig, vor allem wegen deiner Argumentation…
1. Du hast Recht: Den Einfluss hat noch niemand untersucht; dürfte sich auch als äußerst schwierig gestalten, oder? Wenn du ne Idee hast, wie man das angehen soll, bitte halt dich nicht zurück.
2. “Du hast gelesen, daß ihre Verwendbarkeit auf wenige Wochen gesunken ist.”
Ich hab überhaupt nix dergleichen gelesen, das ist auch Unsinn und entspricht meiner Kritik bzgl. der unterstellten Homogenität.
3. Das System wird destabilisiert, weil hohe Gewinne angestrebt werden?
Du gehst also davon aus, dass es sich hierbei um eine Art von Perpetuum Mobile handelt?
Trading-Systeme verteilen nur Geld hin und her, der am besten Informierte gewinnt auf Kosten der anderen. Letztendlich ist das nichts anderes als ein Pokerspiel. Einer verliert, der andere Gewinnt. Ein höherer Gewinn lässt sich nur auf eine Art realisieren: Bessere Expertise (=mehr Informationen); übrigens: Wiederum genauso wie bei einem Pokerspiel.
4. “Außerdem gehen die Quants davon aus, das ihre Gegenspieler wie sie Quants sind.”
Wenn du kein Fondsmanager bist, solltest du nicht davon ausgehen, dass diese von etwas ausgehen, sonst wärst du ja einer oder? :-)
5. Sie scheitern, wenn sie scheitern, an der Konkurrenz. Kennt man ja, soll dem ein oder anderen Unternehmen auch schon passiert sein.
Darin sehe ich kein Problem, weil ja nicht der Zwang besteht, gegen stärkere Gegner anzutreten. Jeder kann es versuchen, auf eigenes Risiko.
(und… viele versuchen es immer wieder; die meisten scheitern, aber einige haben Erfolg).
Ich sehe hier keine großen Parameteränderungen, das war doch eigentlich schon immer so oder?
Das Verbieten von Instrumenten kann doch nicht die Lösung dafür sein, dass das (hier wohl in erster Linie angesprochen) Investmentbanking-System nicht funktioniert.
Diese Instrumente wurden ja nicht erfunden, damit sich irgendwelche Investmentbanker schnell bereichern können, sondern weil sie durchaus Sinn machen, selbst die CDOs, die man im Moment nur noch als Schimpfwort verwendet und am liebsten verbannen würde.
Die Tatsache, dass massenhaft Schrottpapiere zu überhöhten Preisen ver- und gekauft wurden spricht doch eher gegen die Ver- und -Käufer, als gegen das Instrument selbst, oder?
Anders gesagt: Wenn der Kokosnusspreis auf 25000 Euro steigen würde, und trotzem jeder Kokosnüsse haben wollte, um dann am Schluss festzustellen, dass eine Kokosnuss nur Gemüse ist… sollte man deswegen Kokosnüsse verbieten?
…hat lange gedauert, ein dermaßen idiotisches Beispiel zu finden :-)