Russland uebernimmt Island
Droht ein neuer Co(l)d War?
Island ist NATO-Mitglied, obwohl es keine eigene Armee hat. Waehrend des kalten Kriegs war Island ein US-Stuetzpunkt, von dem sich der Nordatlantik beherrschen liess. Diese guenstige, geostrategische Lage fuehrte im WK2 bereits zu einer alliierten Praesenz (die Briten landeten nach der deutschen Besetzung Daenemarks einfach in Island) um etwa die Air Gap im Nordatlantik zu schliessen, in der deutsche U-Boote die Versorgung USA-UK unterbrechen wollten.
Island hat sich diese strategische Position im Kalten Krieg (als Teil der Anti-SU U-Bootlinie im Nordatlantik*) etwa mit einer 200 sm Wirtschaftszone bezahlen lassen. Den Kabeljau-Krieg, auf englisch Cod War, haben die Islander gegen die Briten gewonnen.
In den letzten Jahren und Monaten - noch im Juli wollte man mir Island-Konten schmackhaft machen- haben sich viele Briten und auch Kommunen von den hohen Zinsen der islaendischen Banken anlocken lassen. Die Islaendische Krone schwankt allerdings stark - haette das nicht Bedenken wecken muessen?
For example, during the first half of 2006, the Icelandic króna has ranged between 50 to 80 per US$
Die Pleite Islands bedroht die britischen Investments, die von der Bankenverstaatlichung nicht gesichert sind. Der Zorn richtet sich deshalb zunehmen auf den Islaendischen Staat und nicht auf die drei Banken. Gordon Brown hat mehrmals gedroht, harte Schritte gegen den NATO-Partner zu unternehmen.
Freedom and Whisky berichtet nun darueber, dass der 4 Milliarden Euro Kredit zur Linderung der Bankenkrise mit einer Abtretung des Flughafens Keflavik fuer 99 Jahre an Russland verbunden sei.
Damit wuerde Russland die Hand an die Pistole bekommen, die den Handelsweg Nordatlantik kontrolliert. Ob Medwedev das meint, wenn er von einer neuen Sicherheitsarchitektur spricht?
Oder ob Gordon Brown einen Flugzeugtraeger schickt, um die britischen Vorderungen auf Herausgabe der Spareinlagen in Island zu vollstrecken? Prinz William koennte so doch noch zu ’seinem’ Kampfeinsatz kommen, um den er Bruder Harry angeblich beneidet.
“Madame” Merkel hat in Heiligendamm die historische Chance versiebt, zwischen USA und Russland zu vermitteln, aber, das haben wir inzwischen gelernt, Diplomatie gehört nicht zu den Dingen, die ihr liegen. Aussenpolitk auch nicht, trotzdem mischt sie sich bei beiden Themen ständig ein.
Kann man es Russland verdenken, wenn es, schon immer an einer Paranoia leidend, die dem Westen in weiten Teilen fremd ist, versucht, die Gunst der Stunde zu nutzen und seine Position auszubauen? Wohl kaum, jedes andere Land würde genauso handeln. Die Destabilisierung des Westens haben wir den Cowboys aus den USA zu verdanken.
Jetzt ernten wir, was schon unter Carter begann, die Aufblähung der Finanzen (denn es waren die staatlichen Eingriffe, die den Markt ruiniert haben und nicht etwa “liberale” Politik) und in deren Gefolge die Aushöhlung der wirtschaftlichen Stabilität. Als würden nicht weltweit geführte Kriege schon ausreichen, die Staatsfinanzen zu zerrütten.
Aber auch alle anderen westlichen Staaten haben keinen Grund, mit Fingern auf die USA zu zeigen: hier wurde es sowohl versäumt, frühzeitig “Pläne B” zu schmieden, als auch, rechtzeitig fiskalische und wirtschaftliche Tragbalken in das Bankengefüge und die wirtschaftlichen Bedingungen einzuziehen. Zynisch könnte man mit Gorbatschow sagen: “wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.”
Hier rächt sich die kurzatmige, auf Wahltermine fixierte Politik, die keinerlei Kontinuität im Blick hat, sondern nur die Umfrageergebnisse. Man prophezeit gerade die Erstarkung und Ausbreitung des “Rheinischen Kapitalismus” Erhardscher Prägung. Eine schöne Illusion. Es wird so gehen wie immer, man dilettiert in Krisenmanagement und stopft die unübersehbaren Löcher - und den “Gewinn” stecken jene ein, die einer Vision folgen, so wie Putin, der sich mit Medwedew die Kontinuität seiner Politik sicherte.
Während wir weiter daran arbeiten, die Drittweltländer klein zu halten und deren Wirtschaft untergraben, indem wir “Entwicklungshilfe” leisten, schafft Russland Fakten und arbeitet an einem neuen Machtgefüge, daß der Welt ein völlig anderes Aussehen geben wird.
Wohl doch eher dem Schröder’schen Nationalpazifismus…
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>> Die Destabilisierung des Westens haben wir den Cowboys
>> aus den USA zu verdanken.
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> Wohl doch eher dem Schröder’schen Nationalpazifismus…
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Genau. Gerhard Schröder und die Alt-68er haben den Westen destabilisiert, weil sie nicht mitmachen wollten im Irak. Endlich erkennt es einer. Du geostrategisches Genie, du.
Und nun wird es noch schlimmer, da wird demnächst glatt jemand Präsident der Vereinigten Staaten, der auch gegen den Irak-Krieg gestimmt hat. Achim! Da musst du doch was gegen tun!
Und nie das Mantra vergessen: Staat schlecht, Demokratie schlecht, Markt gut.
Geh spielen.
Als Schröder die Lufthoheit über den Stammtischen eroberte, lag das Kind schon längst im Brunnen.
Das Problem der “Cowboys” ist einfach, daß sie nicht begreifen, daß die Welt nicht überall so tickt, wie in den USA (dasselbe Problem haben wir im kleineren Maßstab mit den Bayern). Sie haben sich in Vietnam blutige Nasen geholt, in Afghanistan und im Irak. Eine Befriedung des nahen Ostens ist nicht in Sicht.
Hätten sie Putin in die Raketenschirmplanung eingeweiht, womöglich einbezogen, sähe die Weltlage heute anders aus; er war nämlich dringend auf außenpolitische Erfolge angewiesen, um innenpolitisch Stabilität zu gewinnen. Das taten sie nicht, weil sie eben immer als Cowboys auftreten und meinen, alles müsse nach der Pfeife der USA zu tanzen. Von Psychologie haben die dort nicht die geringste Ahnung, das ist das Problem. Vor allem ein Problem der USA, weil es sie immer weiter in die Isolation führen wird.
Die Zeit des Herumballerns ist vorbei. Heute sind Verhandlungen gefragt, doch das können sie nicht, weil sie unfähig zu Kompromissen sind. Warscheinlich kommen sie deshalb auch so gut mit Merkel zurecht, weil die ihr Fähnchen nach dem Wind dreht.
Und so nebenbei: die USA machen seit Jahrzehnten exakt das Gleiche, sie haben überall auf der Welt ihre “unsinkbaren Flugzeugträger” positioniert, wenn die Russen nachziehen, geht ein Aufschrei um die Welt…
Stimmt, und hätten die Amis damals das zerbombte Westeuropa einfach Stalin überlassen wären uns die ganzen Jahrzehnte des kalten Krieges zusammen mit Vietnam und Afghanistan erspart geblieben. Langsam wird der notorische Antiamerikanismus zu einer Epidemie. Schon komisch dass keine einzige autoritäre Diktatur, egal wie menschenverachtend sie auch sein mag, in unserem Land so gehasst wird wie die USA. Ob sich das ändert wenn sich die Amis endlich für ihre Siege in den beiden letzten Weltkriegen entschuldigt haben?!
BlackEye, danke für diesen Kommentar. Du sprichst mir aus der Seele.
Wo ist da von Antiamerikanismus und Hass die Rede?
Du bist lustig. Alle Leute, die jetzt Angst um ihre paar Kröten, ihren Job und/oder ihr Häuschen haben, hassen die Amerikaner, weil die den Bankern freie Hand gelassen haben (Basel II nicht mitgemacht haben).
Das gibt den Russen natürlich zusätzlich Auftrieb. Man kann eh schon (seit klar ist dass die zukünftige Politik von Energie bestimmt wird) absehen, dass Russland über kurz oder lang die EU in der Tasche hat. Die Übernahme wird vermutlich ganz unmilitärisch über die Bühne gehen. Eher still und leise mit ein bisschen Anti-Russen-Gebrummel ansonsten aber nach streng kapitalistischen Grundsätzen. Ähnlich wie sich das die USA seit Jahrzehnten für Kuba zurechtüberlegt haben, nur dass die Kubaner ihr ideologisches Bollwerk hatten, das bis heute gehalten hat, das die EU aber gegen Russland nicht wirklich hat, weil uns Russland mit unseren eigenen Ideologie (die Nachfrage macht den Preis) einsacken wird :\
Ich kann mir nur vorstellen, dass die USA/NATO ihre Energiepolitik à la Irak auch bei anderen Staaten versuchen könnte. Wie sich das Russland und China gefallen lassen könnten, kann ich mir aber nicht recht vorstellen. Möglich wäre ein großer inszenierter Terrorakt wie 2001, gefolgt von “Wir wurden angegriffen” und dann militärische Inbesitznahme.
So lange Irak noch am Laufen ist, wird das aber schwerlich passieren.
Kommt zu teuer, oder was ;-)?
Deine Verschwörungstheorie mal beiseite gelassen: kapitalmässig, bzw. Kapital an Rohstoffen betreffend, das auszuspielen wäre, hast Du möglicherweise Recht, und damit, worauf der derzeit neu aufgebrühte Antiamerikanismus beruht, auch. Über die restlichen Details muss ich noch nachdenken …
Kuscheliger wird es in Zukunft jedenfalls nicht :-).
Sorry, das mit 2001 kommt falsch rüber. Ich meinte nicht, dass der Anschlag inszeniert war, sondern dass man das nach-inszenieren könnte. Siehe Sauerländer Zelle. Die wurden von interessierter Stelle (am Nasenring) geführt. Man lies die Sache auch nicht so weit Laufen, dass wirklich was passieren konnte. Sogar das Peroxid hat man ihnen verdünnt und Aceton war auch keins da. Mit so was kann man natürlich keinen Krieg mehr anfangen (nach den iraker “Vorbereitungsbeweisen”) sondern grade ein paar übermütige muslimische Heißsporne für ne Medien-Show instrumentalisieren.
Wie viel man im Voraus von den Twin Towers wusste und/oder wie viel man geschehen lies, ist reine Spekulation.
Wurde Bush nicht immer unterstellt, er hätte mit den Neokons gerade eine Vision, die er acht Jahre lang verfolgt hat?
Und ist die Westbindung nicht die “Deutsche Vision” gewesen, der zumindest bis Schröder gefolgt wurde?
Der Kritik an der Politik und der Fixierung auf Wahltermine stimme ich ansonsten zu -
Bei Bush sehe ich überhaupt nichts von Vision, eher von “Visionen”.
Er hätte nach den Erfahrungen seiner Vorgänger wissen müssen, in was für Spiele mit dem Feuer er sich da einlässt. Auch sein ungelöster Ödipuskomplex, der ihn zwang, den vernünftigen Rückzug seines Vaters aus dem Irak, mit einem auf Lügen basierenden und unkalkulierbaren Risiko zu beantworten, spricht nicht für Weitsicht.
Was die Westbindung anlangt, die war ein Diktat der Vernunft, verkam aber immer mehr zum Vasallentum den USA gegenüber (nur dadurch war ja Schröder überhaupt in der Lage, eine Frage, die nicht gestellt war, mit einem schallenden NEIN zu beantworten, um daraus landespolitisches Mark zu saugen: Niedersachsen- Wahl - ebenso war das dann für Merkel der Anlass, sich staatsmännisch zu gerieren, indem sie gleich zu Bush reiste, um ihm zu versichern, daß sie es schon richten würde, so sie denn an die Macht käme, “ein Schelm, der Böses dabei denkt”…). Darin sehe ich auch wenig Visionäres.
Visionen hatten Adenauer im Schulterschluss mit de Gaulle, Erhard mit seiner liberalen Wirtschaftspolitik und Heuss mit dem Eintreten für ein freies und friedliches Deutschland: “nun siegt mal schön”. Sie stellten sich einen völlig neuen deutschen Staat vor und setzten diesen auch, teilweise gegen massiven Widerstand der Siegermächte durch. Unvergessen auch Erhards Nacht- und Nebel- Aktion: Ausgabe der DMark, die das deutsche Wirtschaftswunder begründete.
Der letzte Visionär wurde wohl mit Brandt zu Grabe getragen, wobei ich mir da nicht so ganz sicher bin.
Danach kamen nur noch Verwalter, noch nicht einmal gute.
[...] Von daher wird eine Rettung nicht aus eigener Kraft gelingen. Nachdem sich die Russen (1, 2, 3, 4) ja schon angeboten haben, werden sich sicher auch andere Länder an einer Rettung beteiligen. Mit [...]
Die Quelle für die Sache mit Keflavik auf “freedom and whiskey” ist ein Blogeintrag bei der Financial Times. Sonst habe ich nirgendwo darüber gelesen. Russland soll den Kredit doch abgelehnt haben.
Es wäre schon eine größere Sache für die Medien, wenn Russland auf einmal den Nordatlantik beherrschen würde. Also bitte, halblang ;).
Die Zeiten von “Red Storm Rising” sind zum Glück vorbei. Bei Tom Clancy spielt Keflavik eine große Rolle, da habt ihr mir erstmal einen kleinen Schrecken eingejagt.