Van Ooyen war mit Sicherheit kein IM

12.10.2008 21:43 - Notizen aus dem U-Boot by jo@chim

Verschiedene Kollegen, so z.B. die B.L.O.G.G.I.E.S. und Zettel, berichten darüber, dass nach dem Abgang des Ex-DKP’lers Metz als LINKE-Spitzenkandidat mit dem Ex-Geschäftsführer der Ost-finanzierten “DFU”, Willy van Ooyen, ein weiterer ehemaliger Einflussagent von SED und DDR (so Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen) Fraktionsvorsitzender des Wunschpartners von Frau Ypsilanti in Hessen wurde.

Van Ooyen erklärte jetzt gemäss Tagesspiegel, die “Probleme der Geldbeschaffung” habe er weggeschoben, das sei wohl “naiv” gewesen. Naivität, und nicht wenig, setzt er offensichtlich beim Publikum voraus:

Die “Deutsche Friedensunion” war, ebenso wie der “SHB” (für den übrigens lange Zeit der hier vielleicht nicht unbekannte wackere Kämpfer gegen den Neoliberalismus Christoph Butterwegge führend tätig* war) oder das “Komitee für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit” (KOFAZ) als DKP-Vorfeldorganisation aus SED-Geldern finanziert und wurde durch die westdeutschen Kommunisten “angeleitet”; gegen den Willen der Finanziers ging dort gar nichts. Bei Problemen reichte ein Anruf von der “zuständigen” regionalen Parteigliederung der DKP.

So distanzierte sich denn auch keine der genannten Organisationen jemals vom 1980er Militärputsch in Polen oder dem Afghanistan-Krieg der Sowjets. Funktionäre, die intern kritisch auftraten, wurden unverzüglich abserviert.

Nachdem ab Herbst 1989 die Mittel aus dem Osten ausblieben, implodierten die aufgeblasenen Apparate von DFU und SHB ebenso wie die von DKP, SDAJ und MSB innerhalb weniger Monate.

Vielleicht sollte man deshalb Herrn van Ooyen nicht nach seinen Verbindungen zur Staatssicherheit, sondern zum Parteivorstand der DKP befragen, wenn man seine politische Herkunft genauer bewerten möchte. Van Ooyen war mit Sicherheit kein IM - die gesamte Organisation, für die er als Geschäftsführer fungierte, war der SED-Diktatur verpflichtet.

(*ich meine in Erinnerung zu haben, dass Herr Butterwegge einige Zeit sogar Vorsitzender des SHB als “siamesischer Zwilling” des DKP-Studentenverbandes MSB-Spartakus war, finde aber keine Belege im Netz dafür. Alles gelöscht aus lebenslauftechnischen Gründen oder täusche ich mich?)

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110 Kommentare » Neuer Kommentar zum Beitrag

Liberale Eskapaden, 12.10.2008 22:25

Butterwegge ist heute noch ein Spartakist…Antizionistisch und Antiamerikanisch und Antikapitalistisch…Da hat sich nichts geändert…In der JF vom 13. Januar 2006 steht alles über ihn….Auch MSB Spartakus…Stamokap und SHB und IMSF…Immer schon sehr nahe an der DKP…Butterwegge Ist so ein richtiger Vorzeigelinker… **** *** ******* *** *******

[Edit: Genosse Haustroll - keine Behauptungen bitte, die als üble Nachrede gewertet werden könnten. Sonst darfste hier nicht mehr spielen. Capito? Der Admin.]

jo@chim, 12.10.2008 22:46

P.S.: Danke für den Verweis auf den Junge Freiheit Artikel… die haben allerdings offensichtlich lediglich aus dem von mir oben verlinkten FOCUS-Bericht abgeschrieben. Ich kann da auch keine Fehlinformation über Herrn Butterwegge entdecken.

Aber “JF” kommt natürlich immer gut, wenn man eine Kritik unglaubwürdig machen will, nicht?

statler, 12.10.2008 23:27

Jetzt schaue ich nach längerer Zeit mal wieder rein, und muß schon wieder meinen dissidenten Senf abgeben: Meinst Du nicht auch, daß Butterwegges aktuelle Positionen genug Angriffsfläche bieten?

Der verlinkte Focus-Artikel bietet doch eigentlich genau den Denunziations-Stil, den wir sonst bei Linken oft kritisieren: Kein einziges Sachargument, stattdessen wirft man dem Mann halt vor, daß er heute irren muß, weil er vor zwanzig oder dreißig Jahren beim SHB war. Na toll.

Wie gesagt, es gibt an seinen aktuellen Arbeiten mehr als genug Ansatzpunkte für Kritik. Die komplett auszulassen und stattdessen so ein Stück zu schreiben, wie es die Focus-Redaktion gemacht hat, ist doch nur schlechter Stil.

jo@chim, 12.10.2008 23:42

Ah, hi :-) Mir gings nicht so sehr um Butterwegge, sondern um eine Charakterisierung der Rolle von DFU und SHB.

btw: wo liegen denn die sachlichen Fehler in dem “Stück” von Focus? Da wird doch lediglich eine Kontinuität dargestellt.

statler, 12.10.2008 23:53

Sachliche Fehler, das kann ich nicht beurteilen, ich kenne seine Vita ja nicht. Wie gesagt, reine Stilfrage. Mir kommt das so vor wie die konservative Variante eines linken Klassikers mit dem Titel “Der hat mal ein Gutachten für den BDI geschrieben, also wird er für den Rest seines Lebens Lakai der Arbeitgeberverbände sein.” ;-)

jo@chim, 13.10.2008 00:46

Naja, bei Butterwegge handelt es sich ja nicht nur um “ein Gutachten” oder Jugendsünden, sondern ebenso wie bei van Ooyen um lange linksextreme Karrierewege (continuing).

 
 
 
 
 
 
Liberale Eskapaden, 12.10.2008 23:16

JUSOS vom Schlag Stamokap haben ab 1972 mit DKP und SED strategisch gemeinsam gearbeitet…Sie haben sich miteinander abgestimmt…Butterwegge mengte darin mit trotz Verbot der Brandt-SPD…Sogar die war ihm noch viel zu rechts…Van Ooyen passt dazu…Der verkörperte die von der SED finanzierte “Friedensbewegung”…Marxistische Parteikader….Alles eine Soße.

 
R.A., 13.10.2008 10:47

In der Tat war Ooyen kein IM.
Das steht schließlich für “Inoffizieller Mitarbeiter”.
Ooyen war aber ein ganz offizieller Mitarbeiter der Diktatur - einer von Honeckers Schergen.

jo@chim, 13.10.2008 11:15

Weiss nicht, ob “Scherge” es trifft, R.A. - Knabes Charakterisierung gefällt mir besser. Ich finde vor allem interessant wie van Oooyen es, ebenso wie damals, heute wieder schafft, sich der Öffentlichkeit als unabhängig/parteilos zu verkaufen.

btw: Unser linker Kollege Che2001 hatte mal eine Serie “Elemente der Gegenaufklärung” laufen, in der er sich mit den Netzwerken tatsächlicher oder eingebildeter Rechtsextremer beschäftigte - vielleicht sollte man so etwas auch für die “Elemente kommunistischer Gegenaufklärung” angehen?

R.A., 13.10.2008 15:18

Ich habe das mit “Scherge” bewußt formuliert - weil es die Erbärmlichkeit dieser Tätigkeit trifft.

Wikipedia formuliert das so, wie ich es meine:
” … generell eine Person, die einem Schurken dienstbar ist und seine Befehle ausführt,”

Das “Einflußagent” von Knabe klingt viel zu wichtig, zu geheimnisvoll, so James-Bond-mäßig.
Das ist viel zu hoch gehängt für Honeckers Mietlinge.

jo@chim, 13.10.2008 15:50

“Scherge”, “Mietling”… nein, R.A., da kann ich nicht mitgehen, derlei Begrifflichkeiten bringe ich mit bezahlten Stasi-Schlapphüten oder Scheisskerlen wie Borm, nicht mit Figuren wie van Ooyen in Verbindung.

Die wenigsten von denen haben sich verkauft, also Mittel für sich selbst erhalten. Sie handelten (handeln heute noch) als “Überzeugungstäter” im Wissen , die Vollstrecker des “historisch notwendigen Gangs der Geschichte” gegen die weltweite neoliberale Verschwörung zu sein.

R.A., 13.10.2008 17:21

Aber ich bitte Dich - der Schlapphut ist doch unwichtig. Wichtig ist was man macht und für wen man es macht.
Und Ooyen war über viele Jahre Honeckers Angestellter, wäre es heute noch, wenn die DDR nicht untergegangen wäre.
Und er hat in Honeckers Auftrag hauptberuflich Propaganda betrieben, gegen die Demokratie, gegen die NATO, gegen unsere Freiheit - um diese durch die sozialistische Dikatur zu ersetzen.

Und natürlich hat er sich verkauft, gegen ein monatliches Gehalt und nette Privilegien bei seinen Reisen nach drüben.

Daß dies wohl außerdem seinen Überzeugungen entsprach, ist nun keine Entlastung.

 
 
 
 
 
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, 13.10.2008 12:54

Ich war nie Mitglied des SHB oder des MSB Spartakus, viel weniger “führend tätig” für sie oder gar Vorsitzender eines dieser beiden Studentenverbände. Statt Lügen und Legenden über mich ins Netz zu stellen, empfehle ich, meine neuesten Bücher zu lesen: “Kritik des Neoliberalismus”, “Neoliberalismus. Analysen und Alternativen”, “Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut”, aller im Jahr 2008 erschienen und wegen der Weltfinanz- bzw. künftig wahrscheinlich: Weltwirtschaftskrise höchst aktuell.

jo@chim, 13.10.2008 14:20

Werter Herr Butterwegge, dass Sie Mitglied des MSB gewesen seien hat hier auch niemand behauptet. Sie schreiben, dass Sie “nie Mitglied des SHB” waren: das verwundert mich nun doch etwas… wurden Sie nicht eben deshalb - zusammen mit der SHB-Vorsitzenden Mechthild Jansen - aus der SPD ausgeschlossen? Nun gut, ich nehme Ihre Darstellung eines Sachverhaltes, der inzwischen sicher schwer verifizierbar ist, zur Kenntnis. In jedem Fall habe ich Ihre Beiträge zu den Themen Neoliberalismus, Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut etc. im SED-finanzierten SHB-Studentenmagazin “Frontal” damals gerne gelesen ;-)

btw: Falls Sie weiter gerne Werbung für Ihre Bücher hier schalten möchten, sende ich Ihnen gerne eine entsprechende Preisliste zu.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge, 17.10.2008 15:01

Ich wurde wegen eines Artikels “Die rechte Herausforderung”, veröffentlicht in den “Blättern für deutsche und internationale Politik”, 1974 aus der SPD ausgeschlossen, lange vor Klaus Uwe Benneter (Juso-Vorsitzender) und Mechtild Jansen (SHB-Vorsitzende), bei denen es ganz andere Gründe gab. Auch dazu ein Literaturtipp: Christoph Butterwegge, Parteiordnungsverfahren in der SPD, Berlin 1975.
Zu den Themen “Neoliberalismus”, “Rechtspopulismus” und “Armut” schrieb ich damals noch gar nicht, genauso wenig, wie ich oder einer der Leser des Studentenmagazins “Frontal” wusste, dass solche Blätter heimlich mit DDR-Geldern finanziert wurde. Eine differenziertere und weniger denunziatorische Herangehensweise an die Beurteilung von Personen und Situationen wäre angebracht!

Hardy, 18.10.2008 13:58

Komisch daran ist nur, dass ein ehemals guter Freund von mir, er studierte Jura, schon damals über die Finanzierung dieses Magazins Bescheid wusste. Aber eventuell liegt es ja auch daran das er RCDS-Mitglied war. Das sind ja die ganz bösen…

jo@chim, 18.10.2008 14:23

Aber denen konnte man doch nicht glauben Hardy! Weil “CDU/CSU die Parteien des Klassengegners” waren, dagegen die DKP lediglich politischer Konkurrent und prädestinierter Bündnispartner (”Aktionseinheit” nannte sich das).

Das war das Credo der “Stamokaps” (formuliert vom späteren SPD-Generalsekretär Benneter), zu denen sich auch Herr Butterwegge zählte.

Dass das DKP-Umfeld - also auch SHB/Frontal oder das IMSF - aus der DDR finanziert wurde, wusste damals jeder, der nicht völlig naiv war.

Hardy, 19.10.2008 15:45

Ganz Deiner Meinung, nur scheint bei einigen immer noch diese Naivität vorzuherrschen.
Wer jedoch wie ich als Kleinkind gesehen hat wie Menschen auf der Flucht vor dem Kommunismus aus dem Fenster sprangen, der glaubt eher den “Parteien des Klassengegners” und verteidigt die Freiheit mit der M16A1/2.

Liberale Eskapaden, 19.10.2008 22:38

Butterwegge soll damals so naiv gewesen sein???….Ich habe die Nase voll von linken Zweckbehauptungen…Butterwegge hat sich damals mit DKP-Leuten an einen Tisch gesetzt…An einem Tisch saß er mit antifreiheitlichen Kommunisten der übelsten Art…Heute tut er so unschuldig und überrascht…Das hier ist eine peinliche Vorstellung von Butterwegge…Linke suchen sich politische Bündnispartner sicherlich nicht zufällig aus…Die Bündnispartner von damals war letzten Endes die DDR und auch der Iwan…Ich nehme Butterwegge die Nichtkenntnis der Zusammenhänge nicht ab…Ich glaube Butterwegge nicht.

Die Stimme aus dem Off, 20.10.2008 07:14

Das glaubt doch kein Mensch.

Das waren Kommunisten, die sich bei jeder Gelegenheit auf die Seite der DDR und der Sowjetunion schlugen. Von Objektivität kann keine Rede sein.

Meine Mutter war auch mal auf diesem Trip und wollte sogar mal in die DDR auswandern (!), überlegte sich das aber anders nach der Feststellung, das man dann ja nicht zurück könne.

Ich wurde als Kind mit zu kommunistischen Jugendgruppen geschleppt, die ich dann aber verlassen musste. Die anderen Kinder hatten Angst vor mir, weil ich immer zuschlug wenn das Gesülze wieder losging, kein Witz. “Rote Falken” hießen die wohl, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern und habe das auch schon verdrängt.

Da lagen dann auch immer so tolle Bücher aus, von Schriftstellern die einen Wortschatz benutzten, den kein normaler Mensch verstand. Ich habe den ganzen Dreck weggeschmissen.

Jedenfalls ist mir noch heute ein Spaß meine Mutter damit zu konfrontieren und sie für ihren Verrat zu bezichtigen.

Von diesen Leuten hat es übrigens nicht einer geschafft sich eine Existenz aufzubauen. Wirklich nicht einer, die sind mehr oder weniger im Leben gescheitert, womit ich aber auch schon eine lebenslange Festanstellung meine.

Jedenfalls waren das noch nicht einmal die härtesten Sozialisten/Komunisten, wasauchimmer. Und schon bei denen ging es so ab. Und dann will Herr Butterwegge erzählen, er habe nichts gewusst?

Ich habe nie verstanden, warum die Generalbundesanwaltschaft gegen diese ganzen Reste nicht vorgeht und endlich mal wegen Landesverrats ermittelt. Diese Straftat dürfte übrigens nie verjähren, das wäre sogar einzuführen ohne einen Verstoß gegen das Rückwirkungsverbot zu begehen, denn das bezieht sich ja nur auf materielles Strafrecht, nicht auf formelles. :-)

jo@chim, 20.10.2008 09:36

Das glaubt doch kein Mensch

… das will unser Haustroll ja auch gar nicht von Dir, dass Du das glaubst :-)

btw: Das mit dem “Landesverrat” meinste aber nicht ernst, oder? So’n Schwachsinn. Die unselige Berufsverbotspolitik hat denen die Anhänger erst zugeführt.

Die Stimme aus dem Off, 20.10.2008 09:49

Die unselige Berufsverbotspolitk wurde nicht hart genug umgesetzt, denn sie hat denen ja immer mehr Anhänger zugespielt.

Das ganze Strafrecht wimmelt von linken Professoren, es ist fest in linker Hand. Rate mal warum.

Von mir hätten die alle dreißig Jahre pauschal bekommen. Dann hätte sich auch niemand mehr zum Verrat hinreißen lassen. Jeder, wirklich jeder konnte wissen wie die finanziert wurden.

Die Stimme aus dem Off, 20.10.2008 10:53

Der Radikalenerlass hatte übrigens eine falsche Zielrichtung. Er war darauf gerichtet eine missliebige politische Bewegung zu verfolgen. Darum geht es mir aber nicht.

Die §§ 99, 100 StGB beschreiben ja auch nicht Tatbestände, die das bloße politische Betätigen unter Strafe stellen. Es geht darum, dass es Personen gab die genau wussten von einer feindlichen Macht gegen die Bundesrepublik Deutschland benutzt zu werden. Es gab Personen, die genau wussten woher das Geld kommt.

Diese Personen gehören angeklagt und verfolgt. Das wird aber leider nicht gemacht, obwohl noch so manche Zeitungsredaktion voll sitzen dürfte mit Stasispitzeln und Stasi-Kostgängern.

Es geht mir eben nicht um die politische Richtung, sondern um das Arbeiten für den Feind, um nichts anderes. Und das Strafrecht bietet da mit der psychischen Beihilfe, dem bedingten Vorsatz und der Möglichkeit rückwirkend die Verjährungsfristen aufzuheben genügend Spielraum für erfolgversprechende Ermittlungen. Auch die Strafrahmen lassen übrigens durchaus rückwirkend ordentlich nach oben heben, das wäre alles verfassungsmäß.

Und gerecht übrigens auch. Denn wie die Kommunisten mit ihren Gegner verfahren, wissen wir ja seit dem Archipel Gulag.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zettel, 13.10.2008 13:40

Lieber ,

ich habe Butterwegge Anfang der siebziger Jahre ganz gut gekannt. Er war der Häuptling der “Butterwegge-Gruppe”, einer Vereinigung von DKP-nahen Jusos. Ein kleines, spilleriges, langhaariges Männlein - als ich ihn das erste Mal sah, hätte ich nie gedacht, daß das der berühmte Butterwegge war (er genoß unter den Jusos des Bezirks Westliches Westfalen bereits einen legendären Ruf). Er war es aber- ein geschickter Strippenzieher; ein geborener Anführer.

Die Stampokaps hatten damals bei den Jusos dieses Bezirks eine starke Stellung. Ihr Ziel war eingestandenermaßen das breite antiimperialistische Bündnis, das zur sozialistischen Revolution führen sollte. Ich habe zB an einem Seminar über ihr Lieblingsthema “Staat” teilgenommen, in dem über die Funktion des Staats nach der Revolution diskutiert wurde. Daß diese demnächst kommen würde, hat man gar nicht mehr diskutiert. Man war davon überzeugt. An dem Seminar nahm übrigens ganz selbstverständlich ein Vertreter der Genossen von der DKP teil. Butterwegge führte das große Wort.

Er wurd dann aus der SPD ausgeschlossen, noch bevor Egon Bahr Bundesgeschäftsführer wurde. Dieser betrieb den Ausschluß der exponiertesten Stamokaps, die vor allem seit der Regierungsübernahme von Helmut Schmidt offen gegen die SPD auftraten und in ihren Ansichten kaum noch von DKPlern zu unterscheiden waren. Damals lichteten sich im Bezirk Westliches Westfalen die Reihen.

Später wurden sie fast alle wieder aufgenommen. Manche waren inzwischen beim WDR gelandet, waren Hochschullehrer geworden. Klaus-Uwe Benneter, der ein paar Jahre nach Butterwegge ausgeschlossen worden war, brachte es später ja unter Schröder sogar zum Generalsekretär der SPD.

Herzlich, Zettel

 
netbitch, 13.10.2008 14:03

Sehr zu empfehlen, diese Werke.

 
franz, 14.10.2008 18:04

Ach, übrigens: Der Chefredakteur der Deutschen Volkszeitung hat seit 2000 einen neuen Job: Chefredakteur des Kölner Stadtanzeigers

jo@chim, 14.10.2008 18:30

Das ist ja schön, wenn er sich gebessert hat :-)

 
 
che2001, 14.10.2008 19:50

@Zettel: 10 Jahre später habe ich dann Thomas Oppermann, damals Göttinger Juso und einer der Hauptvertreter der “Göttinger” Linie, die zwischen Stamokap und Revisionisten standen. Da sollte die DKP als Bündnispartner bereits gegen die Grünen ausgetauscht werden, die Stimmen von MSB Spartakus und KB wollte man aber für die ASTA-Bildung nicht entbehren. In diesem Fall waren nicht die Kommunisten, die das an sich ja schon hervorragend draufhatten, die Leute mit den eiskalten Machtspielen, sondern die Jusos, was sich die ganzen achtziger Jahre hindurch an derGöttinger Uni hielt. Uns Spontis war dann selbst der Kommunistische Bund zu rechts, wir gründeten die Wahrhaft alternative Hochschulliste (WAHL) und spotteten: “Von Krefeld bis zum Kirchentag, die LiberALen.” Später überholte Oppermann Schröder an Opportunismus bei weitem, und wir landeten irgendwann etwa da, wo in den Achtzigern die Grünen standen. Tempora mutandur.

 
Zettel, 15.10.2008 05:21

Ja, lieber Che2001, das sind so Erinnerungen. :)

Allerdings hießen diejenigen, die Sie Revisionisten nennen, Antirevisionisten. ;-)

Sie hatten ihr Zentrum in Hannover; wenn ich mich recht erinnere, in Hannover-Linden.

Ein Hauptunterschied zwischen ihnen und den Stamokaps war, daß die Stamokaps im Kielwasser der DKP und des Spartakus jenes schon erwähnte “breite antimonopolistische Bündnis” wollten, das bis zu den Chefs der “kleinen und mittleren Unternehmen” reichen sollte.

Diese wollte man für die Revolution einspannen, um sie - das wurde natürlich nur intern als Kaderlinie mitgeteilt - nach gelungener Revolution selbstverständlich zu enteignen.

Die Antirevisionisten waren da klassischer den Lohnabhängigen verbunden. Dann gab es noch die dritte Gruppe, die “Vorstandslinie”.

Und es gab Gerhard Schröder, der zwischen allen Gruppen herumwieselte und es genauso überraschend schaffte, 1978 zum Vorsitzenden gewählt zu werden, wie er ein paar Jahre später putschartig die Spitzenkandidatur für die Landtagswahlen in Niedersachsen an sich riß.

Wer ihn in der SPD erlebt hat, der hat sich über diesen Mann nie Illusionen gemacht.

Was die “eiskalten Machtspiele” angeht - da waren die Jusos eben sehr eifrige Schüler der DKP-Genossen. Ich habe es erlebt, wie Ortsverein nach Ortsverein “erobert” wurde, wie man mit Geschäftsordnungstricks arbeitete, wie Vorstandssitzungen von den Jusos im OV vorbereitet und nach Belieben gesteuert wurden.

Notfalls verschob man eine Abstimmung mit Tricks so lange, bis die älteren Genossen, die morgens zur Arbeit mußten, gegangen waren.

Ich habe es, lieber Che2001, auch erlebt, wie die alten Genossen, die zum Teil von den Nazis verfolgt worden waren, ihre SPD immer weniger wiedererkannten. Das Klima änderte sich in den Ortsvereinen. Man ging nicht mehr ehrlich miteinander um.

Manche schimpften auf die Jusos. Andere blieben einfach weg.

Damals wurde von diesen Jusos die alte, solidarische SPD kaputtgemacht. Es wurden leninistische Methoden eingeführt, das für Kommunisten typische gegenseitige Mißtrauen wurde zur Norm.

Die SPD hat sich von dieser Zeit nicht mehr erholt, und heute sitzen, liegen und stehen die damaligen Jusos an der Spitze.

Herzlich, Zettel

 
Fiete_Jansen, 29.10.2008 17:35 Subscribed to comments via email

Jup, Gelder sind geflossen. Zur DFU, zur DKP, MSB, SDAJ etc. Aber fließen zu anderen Parteien keine Gelder? Und wenn die Parteien schön brav sind, fließt da nicht auch etwas mehr? Oder kommt im schwarzen Köfferchen daher? Weder DKP noch DFU hatten jemals einen Spendenskandal, da alles mit rechten Dingen abgelaufen ist. Die DKP bekam Bruderhilfe von einer Bruderpartei. Die Parteien des Kapitals bekommen Gelder von der Wirtschaft und vom Steuerzahler, der nichts daran ändern kann. Also wenn es eine Partei abhängig macht, wenn sie von einer anderen Partei, deren Ideologie sie teilt *zumindest zwischen DKP und SED war dies so* was soll man dann von CDU, CSU, FDP, SPD und den Grünen annehmen, die demnach ja völlig von der Wirtschaft abhängig sind? Bei diesen Parteien wird da doch eher ein Schuh daraus, wes Brot ich fress, dess Lied ich sing.

DDH, 29.10.2008 19:59

Wer ist denn bitteschön “die Wirtschaft”? Der mit dem Staat verfilzte Big Business Komplex, der den Staat um Hilfe ruft, weil laut Ackermännchen auf die “Selbstheilungskräfte des Marktes nicht zu vertrauen” sei?

Allerdings bin ich mit Rothbard der Meinung, daß das Bestechen als non-aggressive, gewaltfreie Handlung (egal durch wen) keine Straftat darstellt, wohl aber das Sich-Bestechen-Lassen (da Vertrags-/Vertrauensbruch). So gesehen müßte man alle Parteien auf dem Erdenrund verbieten! :-P

 
jo@chim, 30.10.2008 10:16

Ja Fiete, “Gelder sind geflossen” - und zwar illegale Gelder. Sie sind also nicht ganz auf der Höhe der Zeit, wenn Sie die Lüge, dass “alles mit rechten Dingen abgelaufen” wäre, weiter verbreiten. Van Ooyen hat schon 1989 in der TAZ ausgeplaudert, wie das kriminelle Geldbeschaffungsimperium funktionierte:

Handelsunternehmen im Ost-West-Geschäft investierten - notgedrungen oder gern - einen Teil ihrer Gewinne in den hiesigen Kampf für den Sozialismus. Wer in der BRD an Krim-Sekt oder Gorbatschow-Wodka verdienen wollte, hatte vertragsgemäß einen Teil der Rendite an DFU oder DKP auszuschütten.

Von Brauchitsch und Lambsdorff wurden im “Flick-Skandal” verurteilt - was ist mit Mies, Gehrcke, van Ooyen?

 
Zettel, 02.11.2008 03:44

Lieber Fiete Jansen,

“Bruderpartei” ist vielleicht nicht ganz die richtige Bezeichnung. Die DKP war eine Auslandsorganisation der SED, von dieser nicht nur finanziert, sondern auch geführt.

In Westberlin geschah das offen; da hieß sie SEW. Sonst eben DKP. Man versprach sich davon mehr taktischen Spielraum, als wenn man sich auch im Westen SED genannt hätte. Vor allem lag ja auch die Überwindung der Spaltung der Arbeiterklasse im Westen noch in der Zukunft.

Was mich stört, ist nicht, daß Kommunisten Kommunisten sind und sie folglich gemeinsam geführt und finanziert werden, sondern daß sie unter den diversesten Tarnungen auftreten. Als Vorfeldorganisationen, wie die VVN, und im jetzigen Fall als DFU.

Daß ausgerechnet der zeitweilige Bundesgeschäftsführer der DFU
erst nach der Wende erfahren haben will, daß seine Partei aus der DDR finanziert und von dort gelenkt wurde, ist ein Treppenwitz.

Sie mögen ja lügen, die Kommunisten; das ist für einen Leninisten nichts Anstößiges, sondern ein Stück Konspiration. Aber wenn sie es so dreist tun wie van Ooyen, dann empfinde ich das als Beleidigung der Intelligenz der Öffentlichkeit.

Herzlich, Zettel

DDH, 02.11.2008 20:50

Die Öffentlichkeit besitzt keine Intelligenz. Denn sie wählt ihn ja - und noch weitaus dreistere Lügner auch!

 
Fiete_Jansen, 02.11.2008 20:53 Subscribed to comments via email

Zettel verzettelt sich mal wieder.

Zur Lektüre empfohlen

Herbert Mies “Fremdbestimmt?”

Rayson, 02.11.2008 22:42

Brillant! Keine Argumente, stattdessen der Verweis auf einen SED-Vasallen. Wie tief muss man dafür eigentlich gesunken sein?

drbuffo, 03.11.2008 07:15

Und dat der olle Mies noch lebt, LOL.

 
 
 
 
 
Fiete_Jansen, 03.11.2008 09:04 Subscribed to comments via email

Und wie unser Herbert noch Lebt. Ihn einen Vasallen zu schimpfen ist unglaublich. Vasallen sind im Moment doch eher Damen und Herren wie Jung, ein Vasall des Militärs und der Rüstungskonzerne, Glos, ein untergeordneter Vasall der deutschen Wirtschaft, Steinbrück, ein Vasall der Banken und Versicherungen und übergeordnet Merkel als gesamt Verantwortliche Vassallin.

Die Deutsche Kommunistische Partei existiert, kämpft und wächst wieder.

Damit eines Tages, die Arbeiterklasse auch in der BRD die Herrschaft übernehmen kann.

Lina, 03.11.2008 10:48

… die Herrschaft übernehmen kann

Die